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Meier Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 187,

Fernsprecher 951 und 952

Sonrraberrd, 12. August 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

politische Ringkämpfe in London.

ben wir heuteDeutschland über alle8. In Erfüllung seiner Sehnsucht soll unter den schwarz - rot - goldenen Farben der Sana nach Recht und Freiheit der erste Ausdruck unserer vaterländischen Gefühle sein.

Auf viele Jahre noch werden für uns alle Festtage des Staates zugleich auch Tage gemein­samer Sorge sein. Unter den furchtbaren wirt­schaftlichen Folgen der letzten Ereignisse leiden nicht nur unzählige Volksgenossen. Deutsches Wissen und deutsches Können, die Quellen un­serer deutschen Kraft, find schwer bedroht. Die Reichsregierung hat den Betrag von drei Mil­lionen für Zwecke der Wissenschaft, Kunst und des Handwerks aus den Mitteln zur Verfügung gestellt, die der Reichstag zum Schutze der Repu­blik bewilligt hat, zur Hebung der Volksgesund­heit durch Spiele im Freien wird eine weitere Million bereit gestellt. Aus der Geringfügigkeit dieser Summen spricht die Not unseres Landes.

Schwere Stürme sind über die junge deutsche Republik in den letzten Wochen dahingegangen, unsere Einigkeit, unser Recht, unsere Freiheit waren bedroht. Sie werden noch weiter bedroht fein! Wir wollen nicht verzagen! Bei der Rot des Tages wollen wir uns freudig der Ideale erinnern, für die wir leben und wirken. Der feste Manbe an Deutschlands Rettung und die Rettung der Welt soll uns nicht verlassen! Es lebe die deutsche Republik! Es lebe das deutsche Vaterland! Es lebe das deutsche Volk.

den breitesten Bevölkerungsschichten leiten. Lloyd George hat also für den von ihm eingenomme­nen Standpunkt einen kräftigen Rückhalt.

Der Reichspräsident hat am Jahrestage der Verfassung die nachstehende Kundgebung erlas­sen: Bor drei Jahren, am 11. August, hat sich das deutsche Volk seine Verfassung gcge- ben. Das Fundament seiner Zukunft! Diesen Tag wollen wir trotz aller Not der Ge­genwart mit Freude uud Hoffnung begehen. In diesem wollen wir unsere Liebe zum Vaterlanoe bekunden! Deutschland soll nicht zu- gründe gehen! Das ist unser Schwur, so lange wir atmen und arbeiten können. Wir wollen keinen Bürgerkrieg, keine Tren nung der Stämme! Wtrwollen Recht! Die Verfassung hat uns nach schweren Kämpfen Recht gegeben. Wir wollen Frieden! Recht soll vor Gewalt gehen! Wir wollen Frei­heit! Recht soll uns Freiheit bringen. Wir wol­len Einigkeit.' Recht soll uns einig zusammcn- halteil. So soll die Verfassung uns Einigkeit, Recht und Freiheit gewährleisten. Einigkeit und Recht und Freiheit, tiefer Drei klang aus dem Liede des Dichters, gab in Zeiten innerer Zer- fplitterung und Unterdrückung der Sehnsucht aller Deutschen Ausdruck. Er soll auch jetzt un­seren harten Weg zu einer besseren Zukunft be­gleiten. Das Lied, gesungen gegen Zwietracht und Willkür, soll nicht Mißbrauch finden im Parteikampf. Es soll nicht der Kampfgesang derer werden, gegen die es gerichtet war. Etz soll auch nicht dienen als Ausdruck nationalisti­scher Erhebung. So, wie einst der Dichter, lie­

Die beiden Ringkämpfer.

Poinearö und Lloyd Georg«.

tPrival-Telegramm.)

London, 11. August.

Der Bericht der Sackcherständigen wird hier als eine außerordentlich schwere Nieder­lage Poincarss betrachtet, der keineswegs auf eine so-umfassende Ablehnung seiner Vor­schläge gerechnet hatte. Nach einer amtlichen englischen Meldung wurden sämtliche Vor­schläge PoincarSS mit vier zu eins (bte französische Stimme) abgelehnt. Ferner wird von amtlicher englischer Seite ftftgestellt, daß die Meldung französischer Blätter, Lloyd George habe eine Kontrolle und Beschlagnahme der Wälder und Bergwerke Deutschlands zugestimmr, keineswegs den Tatsachen entspricht. Dolche Konzessionen wären überhaupt nicht beraten.

Die Flammenschrift an ver Wand.

London, 11. August. (Eigene Drachtmeldung.) .Daily Expreß" und .Daily Herald" fordern Lloyd George auf, ftahlhart zu bleiben und ver­sichern ihm der gesamten Unterstützung der eng­lischen Bevölkerung, wenn die Stunde der Ent­scheidung geschlagen habe. »Daily Chronicle" schreibt: Ein Pfund Sterling sind 3600 Mark, daß ist die Handschrift an der KonferenMand, das Menetekel, daß keine Natton übersehen darf.

Weicht Frankreich zurück?

Eine Sitzung des Ministerrat«.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 11. August.

Die gestrige Sitzung des französischen Mini­sterrates dauerte mehrere Stunden. Nach einem amtlichen. Bericht, der darüber ausgegeben wurde .besprach der Ministerrat die a u S w ä r tige Lage und nahm Kenntnis von den seit drei Tagen gewechselten Telegrammen. Dann gab er dem Präsidenten durch ein Telegramm, das am Schluß der Sitzung abgesandt wurde, feinen Anschauungen und seine einstimmige Billigung zu den Handlungen Poincarss bekannt. Wie die Blätter über diese Sitzung des Ministerrats erfahren, faßte der Ministerrat den Beschluß, Poincars zur Ge­währung von Zugeständnissen an Eng­land zu ermächtigen. An sämtlichen sranzöst- schen Stellen wurde gestern abend diese Ent­scheidung bestätigt, man lehnte jedoch nähere Auskunft ab über die Art der Zugeständ­nis s e, zu denen Frankreich bereit ist.

tcnte eine Voraussetzung des europäischen Frie­dens, mit dem es endgültig vorbei wäre, wenn Frankreich seine Handlungsfreiheit wie- dergewinnt. In voller Würdigung dieser Ge­fahr hat sich bisher Lloyd George stets zur Nachgiebigkeit bereit gezeigt, und in dem Maße, wie die Politik Englands bei den anderen Gliedern ver Entente, Italien und Belgien, Verständnis findet, sieht sich Frankreich gezwun­gen, dem englischen Standpunkt, wenn es nicht in eine gefährliche Isolierung geraten will, sei­nerseits Zugeständnisse zu machen. Die franzö­sische Regierung ist sich dessen sehr wohl bewußt., und schraubt von vornherein ihre Forderungen so hoch, daß sie ohne wesentliche Bceinträchti- gung dessen, was sie wirklich erreichen will, am Ende gewisse Abstriche machen kann.

So kam auch diesmal wieder Pvincare nach London mit einer langen Liste von Forderun­gen. die unbedingt erftillt werden müßten, wenn Frankreich Neigung zeigen sollte, den deutschen Wünschen nach Bewilligung eines Moratoriums entgegenzukommen. Aber schon als Poincars seine erste Rede in London gehalten hatte, die jeder Unbefangene al« ein Ultimatum auffassen mußte, sah er sich durch eine geschickte Ueber- rumpelung durch Chamberlain veranlaßt, znzugeben, daß für ihn nur der Grundsatz der Kontrolle unumstößliche Bedingung sei, ihre endgültige Form dagegen eine offene Fra­ge bilden soll. Damit War bereits die Bresche in Poincarss Unentwcgtheit geschlagen und damit der Weg freigemächt zu einem Kompro­miß, über das augenblicklich an der Themse ver­handelt wird Welche endgültige Form dieses Kompromiß schließlich annehmen wird, wird erst die Zukunft lehren, als gewiß darf es aber heute gelten, daß mehrere der schärfsten Forde­rungen Poincarss von der Sachverständigen- Kommission, in deren, Hände die Bearbeitung der Vorschläge Poincarss liegt, als unannehm­bar abgelehnt worden sind. Hierher gehören die Wiederherstellung der Zollgrenze im Osten des besetzten Gebietes, die Kontrolle der Einnahmen aus Bergwerken unv Wäldern und die Betel- ligung an der deutschen Industrie.

Gegen diese Punkte des französischen Pro­gramms hatte sich mit nicht geringerer Schärfe al« Lloyd George der italienische Außenminister S ch a n z er gewandt. Sie zu entkräften war freilich keine allzu schwere Aufgabe. Was die innere Zollgrenze betrifft, so liegen ja von früheren Sanftionen her genügend Erfahrungen vor, um diese schwere Beunruhigung der deut­schen Wirtschaft, die den Gläubigern nicht ein­mal den geringsten Vorteil gebracht hat, abzu­lehnen. Noch sinnloser ist die geforderte Be­schlagnahme der staatlichen Bergwerke und For­sten sowie eines Teiles des deutschen Jndustrie- kapitals. Mit Recht wies Schanzer auf den lo­gischen Widerspruch hin, der darin liegt, daß man einerseits die unverschuldete Notlage Deutschlands durch Bewilligung eines Morato­riums anerkennt, andererseits aber deutsches Eigentum gewissermaßen als Strafe für diese unverschuldete Notlage »beschlagnahme. Der moralische Eindruck einer solchen Handlungs­weise wäre in der Tat ungeheuerlich. Immer­hin scheint in diesem Punkte ein gewisses Ent­gegenkommen gegenüber den französischen Wün­schen beabsichtigt, denn die Sachverständigen ei­nigten sich dahin, die Reparationskommission zu veranlassen, die Frage vermehrter deutscher Holz- und Kohlenlieferungen zu studieren.

Vom deutschen Standpunkt aus muß der ganze ungeheure Apparat, den man für die Be­willigung eines so kurzftistigen Moratoriums aufbringt, fast lächerlich erscheinen. Was sind zwei oder vier Monate für die ökonomische Er­holung eines Landes, das so darniederliegr wie Deutschland?! Würde man es nun über sich ge­winnen, während dieser kurzen Frist Deutsch­land einmal völlig sich selbst zu überlassen, ihm also wirklich eine Atempause zu gönnen, innerhalb deren es nicht fortgesetzt durch Daumschrauben und andere Folterwerkzeuge drangsaliert wird, so wäre vielleicht die Mög­lichkeit nicht ausgeschlossen, daß eine Stabilisie­rung seines Geldwertes und eine so weitgehen-'

de Befestigung seiner wirtschaftlichen Lage ein­tritt, daß es in der Tat daran denkenkönnte, verhältnismäßig hochgeschraubte Erwartungen hinsichtlich feiner Leistungsfähigkeit zu erfüKen. Statt dessen beabsichtigt man, das geringe Zu­geständnis eines auf wenige Monate berech­neten Zahlungsaufschubes durch harte Kanteten illusorisch zu machen. Schließlich und endlich könnten :vir ja damit zuftieden fein, wenn sich auf diese Weise deutlich ergibt, daß kleinliche Mittel nicht geeignet sind, der deutschen Wiri- fcf;oft auf die Beinr zu helfen, daß vielmehr das ganze ReparattonSproblem von Grund aus auf­gerollt werden muß, wenn hie Leistungen Deutschlands in einem vernünftigen Verhältnis zu seiner Wirtschaft stehen sollen. K. H.

der Sachgüterauspoverung Deutschlands zu be­gegnen sucht.

Durch das weitere rapide Sinken der Valuta ist aber jetzt eine neue, ganz analoge Gefahr aufgetreten, indem der direkte SachgüterauSver- kauf durch den Ausverkauf der Anteile an die­sen ersetzt wird, nämlich der Anteile an der deut­schen Industrie, dör Aktien. In den Berich­ten von den deutschen Börsen, besonders von der Berliner, spielen neuerdings die Meldungen über die Aufkäufe deutscher Aktien, wie ver Harpener Bergbau A. G., der Gelsenkirchener Bergwerks A. G., der Hohenlohe A. G., durch ausländische Kapitalisten eine bedeutsame Rolle. Und in der Tat, angesichts der ungeheuren Va- lntadifferenz gilt hier daS Wort: »oaS ist ein Geschäft, das bringt noch was ein."

Wie groß es ist, geht aus einer Statistik über die Kursbewegung der Aktien jener Gesellschaft hervor, die seit der Friedenszeit keine Kapital- erhöhung vorgenommen haben, deren Stamm­kapital also noch heute das unveränderte Frie- denskapttal bildet, und die mithin als soge­nanntereine Goldwerte" gelten können. Ver­gleicht man die Kürse dieser 28 Gesellschaften, zu denen die erwähnten Harpener und Gelsen­kirchener gehören, mit der Steigerung einmal der Goldmark und zweitens der Großhandels­preis«, so ergibt sich folgendes bemerkenswerte Bild: Die Goldmark beträgt nach dem jetzigen Stand das IdOfache der Papiermark. Die Jn- derziffer des Großhandels betrug im Durch­schnitt des Juli annähernd 100 und ist in der letzten Woche noch erheblich darüber hinauSge- gangen. Die Aktienkurse der mit Friedenskapi­tal arbeitenden Gesellschaften aber betragen zur Zeit nur knapp das 14fache der Friedenskurse. Die sind also in keiner Weise dem Sinken der Valuta gefolgt. Besonders für die jüngste Zeit tritt das Zurückbleiben der Kursbewegung hin­ter dem Sinken der Valuta auffallend in die Erscheinung. Während beispielsweise feit dem April dieses Jahres der Dollar um mehr als das zweieinhalbsache gestiegen ist. nämlich von 370 ans nahezu 800, ist der Aftieninder in ver gleichen Zeit von 334,6 auf 322,5 gesunken.

Unter diesen Umständen ist es verständlich, wenn das ausländische Kapital, während eS seine Marchestände ab stößt und dadurch aus un­sere Valuta drückt, sich auf den deutschen Aktien­besitz stürzt, wie das jetzt in steigendem Maße geschieht. Unter Poincarss Forderungen befin­det sich, wie verlautet, u. a. auch eine Abgabe von Kapital der deutschen Industrie durch Her- galb? von Aktien. Was hier anscheinend en gror gefordert wird, vollzieht sich zur Zeit durch den wutschen AftienauSverkauf ans Ausland im De­tail, wodurch die Gefahr der Ueberfremdung unse­rer Jndusttte eine außerordentlich akute geworden ist, fodaß es für die leitenden Stellen als drin­gend notwendig erscheint, über Maßnahmen zu beraten, wie diesem Akticnverkauf, der letzten Endes zur Entnationalisierung der Industrie führen muß, wirksam vorzubeugen sei. So Viel uns bskannt, wird diese Frage auch

Sum Kompromiß.

Französisch,englische Gegensätze.

Nur unverbesserliche Optimisten haben glau­ben können, daß eS in London zwischen Poin- care und Lloyd George zu einem Bru­che kommen würde. Die Gegensätze mögen groß sein, aber weder die eine noch die andere Partei hat ein Bedürfnis, der Entente, die ge­meinsam Deutschland niedcrgeworscn hat, ein Ende zu bereiten. Ein Ende der Entente, also ein Aufhören der durch Verträge santtionierten Freundschaft zwischen den beiden Hauptmächten, Frankreich und England, würde das volle Aus- slammen der politischen Gegensätzlichkeiten zwi­schen den beiden Mächten zur Folge haben, die durch das Bündnis bisher mit Erfolg niederge­halten werden konnten. Insofern ist die En-

Ser neue Ausverkauf.

Folgen des rapiden MarkstnrzeS.

Unser 'Berliner Mitarbeit«» sende« un« bte oaihfolgenb»Betrachtu»g über dieFolge» de» seitens de» Fran,»len dem deutschen Holte gegenüber geübten Slrangntatiou» -Politit» Der erneute Sturz der Mark, der sich als eine unmittelbare Folge des französischen »Retor- sious-^Feldzuges gegen Deutschland darstellt, hat eine ganze Reihe katastrophaler Erscheinun- gen zur Folge, so die neue Teuerungswelle, fer­ner die Erschwerung, wenn nicht Verhinderung der Einfuhr von Rohstoffen und Lebensmitteln (also eine neue Hungerblockade) und endlich was ftir die Beziehungen zwischen Deutschland und den alliierten Gläubigern von einschneiden­der Bedeutung ist, die völlige Unmöglichkeit für die Reichsregierung, sich die zur Deckung der Reparations« und Ausgleichsfor­derungen nötigen Devisen zu beschaffen, ivas ja bei einem Stand des Dollars von Über 800 Mark eine Art finanzieller Selbstmord wäre. Die Hier ausgezächlten sind die Folgen der Valittakatastrophe, die jeder kennt, von denen jeder spricht. Aber es gibt noch eine weitere, kaum beachtete, welche doch die ernsteste Auf­merksamkeit der Oefftntlichkeit und der zustän­digen Stellen verdient. Ms seinerzeit baz Sin­ken der Mark in zuerst langsamen und dann im­mer rapigerem Tempo einsetzte, begann, da die Sachgüterpreise zunächst nur langsam der sin­kenden Valuta folgten und die Differenz zwi­schen den Preisen in Deutschland und denen auf dem Weltmarkt noch sehr erheblich war, jener viel beklagte »Ausverkauf Deutsch- l a n d s", der sich nicht etwa nur durch das »Loch im Westen", sondern auch durch die Hamster- käuse der Fremden in Deutschland und durch den zunächst noch nicht mtf die Ausnutzung der Valutadifferenz eingestellten Aussuhrhandel vollzog. Unterdessen hat die Annäherung an die Weltmarktpreise sich in rapidem Tempo ent­wickelt, während man auf der anderen Seite durch Kontroll- und Preisdifferenzmaßnahmen

Der Jahrestag der Verfassung

Eine Kundgebung des Reichspräsidenten.

Hochspannung in London.

Poinearö und feine Abfichten.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 11. August.

Das englische Kabinett hat in seiner gestrigen Sitzung den Plan Poinearös abgelehnt und diesen Beschluß gestern abend noch allen anderen Delegationen mitgeteilt. Wie über den Verlauf der Sitzung bekannt wird, hat das Ka­binett noch einmal die Politik Lloyd George» zur Begrenzung der Reparationen einstim­mig gebilligt und dabei betont, daß Deutschland ehrlich sei und in der Tat nicht bezahlen, könne. Ans diesem Grunde müsse ihm ein Moratorium gewährt werden, damtt es sich erhole. Die Minister, die zu dieser Kadinettssttzung aus allen Himmelsrichtungen herbeigeeilt waren, bleiben für die Zeit der Kon­ferenz in London. Lloyd George begab sich, nachdem die Sitzung abgebrochen worden war, zum König und teilt ihm den KabinettSbesch!ntz mit. Heute tritt die Konferenz zu einer neuen Vollsitzung zusammen. Man erwartet, daß gleich zu Beginn die neuen Vorschläge ganz ein­gehend zur Sprache kommen werden.

Dir Lage ist sehr kritisch.

London, 11. August. (Privattelegramm.) Nach Ansicht aller Politiker ist die Lage im Augenblick äußerst kritisch, weil man fürchtet, daß Frankreich unabhängig von seinen Alliierten gegen Deutschlano vorgehen wird. Lloyd George, Poiizcaie, Theunis und Schantzer tauschen feit gestern un­ablässig gegenseitig ihre Ansichten aus. Theunis erklärte, daß ein Abbruch der Konferenz tot t» hängnisvolle Folgen nach sich ziehen könnte. Man würde damit Deutschland die Zer­klüftung unter den Alliierten zeigen. Aus die­sem Grunde müsse alles geschehen, um die Kon- erenz zu einem positiven Ergebnis g-langen zu lassen. Von diesen Gesichtspunkten läßt man fich im weitaus größten Teile der führenden Presse des Landes nicht nur, sondern auch in