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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 183. Fernsprecher RI und 952 Dienstag, 8. August 1922. Fernsprecher 951 und 952 12. Jahrgang.

Die Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der LdonnementSpretS beträgt monatlich 37. Mark bei freier Zuftellunz MS Hau«, in der Geschäftsstelle abgeholt 35. Mark monatlich. Auswärts durch di« Post belegen 37. Mark monatlich einschl Zustellung. Bestellungen werden lederreit entgegengenommen. Druckerei, BerMg und Redaktion .. Schlachthofftrabe 28/30, Für unverlangt ewgesandte Beiträge kann die Redaktion eMe Verantwortung oder Gewähr M keMem Falle übernehmen. Rückzahlung d-S Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung aukgefchlofsen.

Die Londoner Versammlung.

Die Reichseinheit.

Bayerns Verhältnis zum Reich.

Zwischen Berlin und München stehen Be­sprechungen bevor, um den Weg zur Versöh­nung zu ebnen. Es wird von Bayern der Wunsch nach Schaffung einer Rechtslage ausgesprochen, die auch den bayerischen StacftS- notwendigkeiten entspricht, und die Wer die Beilegung des jetzigen Falles Hinaus künf­tige Kon filkte nicht mehr aufkom­men läßt. Darin muß man dem becherischen Ministerpräsidenten recht geben, daß durch solche Konflikte die Beziehungen zwischen Reich und Ländern stark beeinträchtigt werden und das Reichswohl stark bedroht wird. Run ist aber die Schaffung einer derartigen, von Bayern ge­wünschten positiven Rechtslage nicht so einfach und es besteht die Gefahr, daß eine solche nur durch eine Verfassungsänderung zu erzielen wäre. Ob nun bei der ganzen Stimmung des Reichstages eine dazu gehörige Zwci-Drittel- Mehrheit zustande käme, ist noch fraglich. Der Reichspräsident Ebert hat ja in seinem Schrei­ben an den bayerischen Ministerpräsidenten hinreichend zum Ausdruck gebracht, daß von einer angeblich drohenden Aufhebung der Hoheitsrechte der einzelnen Länder und ihrer systematischen Beseitigung unter seiner Amtsführung jedenfalls nicht die Rede sein ttinnc.

Die Zusicherung des Reichspräsidenten schien den Bayern in dieser Form noch nicht zu ge­nügen, weil sie, selbst in der feierlich verbrieften Form doch immerhin nur als Auslassung des gegenwärtigen Reichspräsidenten und der jetzi­gen Regierung gelten kann. Deshalb schlägt Graf Lerchenfeld in Betonung dieses Stand - Punktes des Reichspräsidenten nunmehr vor, durch Vorschriften, die eine bauernde Bürg­schaft gegen eine Beseitigung oder Einschränk­ung der Hoheitsrechte der Länder bieten, bie­ten das Recht zu geben, nichts ohne ihre Zu­stimmung an diesem Zustande zu ändern. Viel­leicht mag er dabei an den Artikel 78 der alten Reichsverfassung gedacht haben, der die Reser­vatrechte der einzelnen Länder für einzelne Ma­terien festgesetzt hat. Zwar konnte schon in der alten Reichsverfassung das Reich jederzeit durch ein Reichsgesetz seine Zuständigkett erweitern, vorausgesetzt, daß der Gesetzentwurf im Bun­desrat nicht mehr als vierzehn Stimmen da­gegen hatte. Für den einzelnen Staat war die Zustimmung zur Aufhebung oder Beschränkung der Privilegiums überdies noch besonders er- korberlich.

Sollte die bayerische Regierung unter den Sicherungen, von denen sie in ihrer Note spricht, lediglich eine Verfassungsbe­stimmung verstehen, der zufolge eine Abän- dernug der Verfassung nur mit Zustimmung der betreffenden Länderregierungen erfolgen bürste, so wäre hier vielleicht die Basis für eine Verständigung gegeben. Denn das kann man dem bayerischen Volke und der bayerischen Re­gierung nachfühlen, baß sie, nach dem sie dieser Verfassung doch ihre Zustimmung gegeben hat, obwohl die neue Verfassung nicht all ihren Wünschen gerecht wurde, nunmehr auch keinen Zoll breit von diesem Wege abgewichen sehen möchte, wenigstens nicht ohne ihre ausdrückliche Zustimmung. Auf der anderen Seite liegt es aber im Interesse des ganzen deutschen Rei­ches und damit auch des bayerischen Volkes selbst, da? gewisse Staatsnotwendig­keiten, die sich im Laufe der Zeit ergeben, und die die Zustimmung der übttgen siebzehn deut­schen Länder finden, auch von Bayern aner­kannt und nicht durch gar zir kleinliches Festhal­ten an althergekommene Rechte gefährdet wer­den. An dem föderalistischen Auflau des Rei­ches darf und soll nicht gerüttelt werden, das besagt aber auf der anderen Seite nicht, daß es der Wiederherstellung von Reservattechten bedürfe, wie sie in der alten Verfassung noch vorhanden waren und wie sie durch die neue Verfassung beseittgt worden sind.

Aber dessen ungeachtet darf man hoffen, daß bei dem beidersettig auf Versöhnung und Verständigung abgestimmten Boden, den sowohl die Reichsregierung, wie auch Bayern nunmehr offiziell und endgültig betreten wer­den, eine schnelle Lösung des Konflistes erfolgt. Diese scheint vor allem in dem jetzigen Augeii- blick dem Ansehen des Deutschen Reiches nach außenhin gewaltig, und wird auch bei dem ge- genwättigen furchtbaren Ernst der außenpoli­tischen Lage ihren Eindruck nicht verfehlen. Da­her ist es freubig zu begrüßen, wenn gerade von München her gegen die schweren Zumu­tungen Frankreichs und feine Zwangs­maßnahmen der Ruf zur Bildung einer ge­meinsamen Abwehrfront ertöntNot- gemeinschast" und Schaffung derMauer des eisernen Willens zum Leben fier deutschen Na­tion". das sind allerdings die Gebote der Stunde. Und daß diese Gebote gerade zuerst von München her nach Deutschland hinein ge­rufen werden, das zeigt erfreulicherweise aufs

neue die ReichStreue Bayerns und wird auch seine Wirkung bei den kommenden Vev- handlunaen zwischen Berlin und München auf beiden Seiten nicht verfehlen. Seitens des Reichspräsidenten sind bereits die Minister er­nannt worden, denen die Aufgabe zufälli, mit der aus Bayern zu entsendenden Kommis­sion über die vorliegenden Differenzpnnkte zu unterhandeln. Daß zu diesen Verhandlungen immerhin Geschick und nebenher auch Verständ­nis für die Eigenart des bayerischen Volkscha­ratters mitgebracht werden müssen, erscheint selbstverständliche Voraussetzung, ebenso wie der gute Wille in München. Wer die höchst fatale Situation Hinwegzukommen. J. B.

Londoner GepSnuder.

Die Freunde unter sich.

(Privat-Telegramm.)

London, 7. August.

Poknears, der am Sonntag mittag 11,50 vom Pariser Nordbahnhof abgereist war, traf itm 7 Uhr abends in London ein. In seiner Be- gleitrmg befanden sich außer dem Finanzmini- ter und dem Direktor der polftischen Angelegen­heiten deS Ministeriums des Aeußern eine An­zahl Finanzsachverständige. Schauster und der ttalienische Finanzminister Baratori, die gestern früh in Paris eingetroffen waren, reiften im gleichen Zuge von Paris nach Lon­don. Die Franzosen und die Italiener wurden am Bahnhof von Llond George empfangen.

Beginn der Beratungen.

London, 7. August. (Eigene Drahtmeldung.', Heute findet im Auswärtigen Amt die erste Sitzung statt. Zur Aussprache wird sehr wahrscheinlich die Frage der deutschen Aus­gleichszahlungen kommen.

Aus dem ReichskabineN.

Zn Erwartung der Beschlüsse.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 7. August.

Die Beratungen im Reichskabinett über die Reparationsfrage, sind mit der nach Paris ab- gegangenen deutschen Antwortnote vorläufig abgeschlossen. Die Reichsregierung erwar­tet nunmehr die Beschlüsse der Londoner Kon­ferenz, die für die Entscheidung der Repara- tionKommisston aus das deutsche Moratoriums- Ersuchen maßgebend sein werden. Sofern die am 15. August fällige Reparationsrate nicht gestundet werden sollte, müsse Deutschland seine vollständigeZahlungsunfähig- keit erklären, da keine Zahlungs­mittel für diesen Termin vorhanden sind.

Sin beuffcher Vrotest.

Berlin, 7. August. (Eigene Drahtmeldung.) Gegen die von Poincars angeordnetcn Zwangsmaßnahmen hat die Reichsregierung am Sonnabend mittag einen P r o 1 e st bei allen alliierten Regierungen überreichen lassen der da-- mit begründet ist, daß nach bem Versailler.Ver- trag Ausgleichszahlungen unb Repa­ration zusammengehören, unb baß beshalb für bie Zwangsmaßnahmen nur die Gesamtheit der Alliierten als zuständig anzztsehen fei.

And wieder eine Note!

Was uns PoincarL sagt.

(Eigaie Drahtmeldung.)

Berlin, 7. August.

Nachdem am Sonnabend bereits eine Mel­dung des Depeschenbüros Havas über die be­absichtigte französische Aktion vorlag, wurde im Laufe des Sonntags eine von Poincars unter» zeichnete französische Note überreicht, deren Einzelheiten von dem durch Havas veröf­fentlichten Text abwejchen. Sie lautet: In Be­antwortung deS Schreibens von heute beehre ich mich Ihnen bekannt zu geben» daß in Anbetracht dessen, daß die Mitteilung der deutschen Regie­rung nur einen dilatorischen Charak­ter bat, die Regierung der Republik dringende BesGüsse zur Sicherung ihre Ansprüche gefast! hat Die Ausgleichsümter in Paris und Straß­burg werden oufgesordert, 1. bis auf weitere» ihre Anerkennung deutscher Forderungen aufzuheben; 2. iebe Zahlung von Eni- fchädigungen Mr Rechnung der deut­schen Regierung anSzusesten, die in An­wendung des Artikels 297 des Vertrages von Versailles geschuldet werden; die Zahlung dieser

Entschädigungen bleibt bis auf weiteres eine direkte Pflicht Deutschlands und diese EntschS- diguugen können im Voraus gemäß dem ge­nannten Absatz des Friedensvettrages dem Eigentum der deutschen Staatsan. gehörigen entnommen werden, das aus französischem Gebiet vorhanden ist oder sich un­ter französischer Kontrolle befindet und 3. bis auf weiteres jede Mitteilung an das deutsche Ausgleichsamt über den Ersatz über Liyuidie- rungen deutschen Eigentums in Frankreich aus- zusetzen; 4. der Generalkommifsar der Republik in Straßburg wird aufgeforbert, bis auf wer­teres die Ausfuhr des unter das sranzösifL- deuffche Abkommen vom 15. November 1919 fallenden deutschen Mobiliars auszusetzen 5. In den Departements Mosel, Ober- und Nie­derrhein werdensofort Maßnahmen zur Sicher­stellung ergriffen; falls die verschiedenen Mast, nahmen zur prompten Regelung dieser Frage nicht ausreichen sollten, dann werden sie durch weitere grogreffive Maßnahmen ergänzt.

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Die Ausgleichszahlungen.

Paris, 7. August. (<BrtbattcIcpram.in.) Nach einer Meldung eines hiesigen Blattes hat di­en g l i s ch e Regierung in der Frage der A u S* gleichszahlungen bereits Stellung ge­nommen. Das Blatt behauptet, daß die eng­lisch« Regierung die Regelung her Ausgleichs­zahlungen auf folgender Grundlage verlangt: 1. daß die deutschen Zahlungen von zwei Mil­lionen auf eine halbe Million Psnnd Sterling entftfredicnb dem deutschen Antrag herabgesetzt wcden; 2. daß diese fünshunderttansenb Pfund Sterling nicht mehr an die AusgkeichMmter sondern an die Reparatronskommission gezahlt werden. Dieser »weite Teil des englischen Vor­schlags ist der Reparationskommission bereits von der englischen Regierung mitgeteilt worden.

Frankreichs RaubgeMste.

Die rheinische Industrie.

lPrivat-Telegramm.)

Duisburg, 7. August.

Aus industriellen Kreisen erfahrt man, daß bie rheinische Industrie stark beun- ruhigt ist über bestimmte Meldungen aus Paris, nach denen die Franzosen unter allen Umständen das Ruhrgebiet besetzen wol­len. Die Besetzung soll nicht auf Grund der Verweigerung der Ausgleichszahlungen, son­dern als Sicherheit für die Bewilligung eines Moratoriums erfolgen. Die Entscheidung dar­über hängt von der Londoner Konferenz av. Sicheren Nachrichten zufolge werden die Fran­zosen in London ein kurzfristiges Moratorium für Deutfchland Vorschlägen, das etwa bis Ende 1922 mähten soll. Dafür foll Deuffchland aber neue sehr schwere Bestimmungen und Sicherstel­lungen «uf sich nehmen. Zunächst verlangen die Franzosen als Unterpfand eine Betei. ligung von 26 Prozent an der deut- sche « I « dustrie, ferner bie Inbetriebnahme der staatlichen Forsten und Bergwerke in eigene Regie und gewisse finanzielle Bedingungen Sollte dieser französische Plan nicht die Zu stimvmng der übrigen Alliierten in London fin­den, daun wollen bie Franzosen selbstänbjg vor­gehen. Sollten die Alliierte« sich aber mit den französischen Vorschlägen einverstanden erklä­ren, dann würde alles davon abhängen, nv Deutschland diese Bedingungen erMen will

Eisenbahn-Gorgen.

Sehr trübe Ausfichte« für den Herbst.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 7. Aagusi.

Wie gemeldet wird, hat der Reichsverkehrs- minifter gestern die Tarifausschüffe der Eisen- bahnerorgauffattonen zur Beratung zusammen­gerufen. Die Reichsbahnverwaltung kündigt an, daß man für den Herbst mit einem völligen Zusammenbruch des Verkehrs rechnen müsse, wenn nicht schleunigst Maßnahmen ergrif­fen würden. Das Reichsverkehrsministerium unterbreitete schließlich den Tarifausschüffen fol­genden Vorschlag: Zur Erhöhung der Ar­beit S/freudigkeit des Personals werden Dienstprämien gezahlt und zwar nach dem Ver­hältnis der vor einiger Zett eingeführten Ran­gierzulagen. Man beabsichtigt, zwischen höch­ster und allerhöchster Anspannung der Arbeitsleistung zu unterscheiden.

Deutfche Seefahrt.

Unsere Handelsflotte wächst wieder.

Rachdern her Streit her Seeleute in unser« Seehäfen beend«! ist, hat in den letzten Wochen die Schiffahrt wieder mit voller «rast eingesetzt, lieber das Leben in Hamburg schreib! man une i

Schiffahrt ist notwendig! In Hamburg kennt man den tiefen Inhalt dieses Wortes. Der Ham­burger liebt feine Schisfahrt. Er weiß, was das Wiedererstarken der deuffchen Handelsflotte für Deutfchland zu bedeuten hat. Die imposanten Hasenaulagen bilden das Herz der gewaltigen Handelsmetropole, die heute in einem geogra­phischen Gefängnis steckt und sich nach freier Ent­wicklung fchnt. Tiefer Hamburger Hafen, den Gustav Schmoller schon vor mehreren Jahrzehn, ten als das günstigste und entwicklungssäbigste Ein- unb Ausfalltor des kontinentalen Welthan­dels bezeichnet hat, ist von eminenter Bebeutung für Deutschlands Zukunft. Gewiß sind großzügiger Kaufmannsgeist und wagemutige Tatkraft nicht ausschließlich hamburgische Privi. legten. Aber am seeschiffbaren Strom der Unter» ctbc spürt man den Pulsschlag der Welt doch unmittelbarer als sonstwo im Binnenlande. Was Hamburg für Hafen und Schisfahtt nach dem Kriege schon wieder geleistet hat, beibient die höchste Bewunderung. Die gesteigerte Anteil« nähme an allen Schissahrtsereignissen kennzeichn -net unsere Hanseaten. Jeder Schulbube in Ham­burg weiß über die Schiffsbewegungen auf dem Weltmeere Bescheid, kennt die Namen der vie­len Dampfer, die den Elbfirvm ein- und aussah- ren, ihre Flaggen und ihre Besitzer. Jedes neue Schiff wird mit Jubel begrüßt unb jeder S t a- pellauf ist ein Festtag. Kein Wunder, daß Abfahrt und Ankunft unserer großen Ozeandampfer für ganz Groß-Hamburg heute mehr als jemals Ereignisse sind, die ge­waltige Menschenmaffen auf die Beine bringen. Viele stille Wünsche und sehnsüchtige Hoffnungen begleiten die Schiffe in ferne Länder ...

Einschiffung.

Die Abfahrt ist auf ein Uhr festgesetzt. Mik seiner wuchtigen Majestät beherrscht »Cap Po- louio" die St. Pauli-Landungsbrücke. Die Son- ne gießt ihren Goldglanz über den Schiffskoloß. Die grünen Ufcranhöhen sind dicht mit Men­schen bepflanzt. Ueberall frohe Gesichter. Bun­tes Gewoge in den Zufahttsstraßen. Dut-tut-tut! Autos rasen heran. Sie bringen viele Sennoras und Caballeros und mächtige Gepäckstücke. Eili­ges Hin und Her des Schiffspersonals und der Abfertigungsbeamten. Außerordentlich ist das Aufgebot der Sipoleute. Die Zollbehörde übt scharfe Kontrolle. Man hat ein wachsames Auge für Verschiebungen und kann sie doch nicht völlig unterbinden. Mehrfache hochnotpein­liche Kontrollstellen sind zu passieren, ehe man den Laufsteg erreicht, der in das Innere des schwimmenden Hotels fuhrt. Hier herrscht reges Leben. Von den breiten Straßen des herrlichen Promenadendecks schweift der Blick Wer Hafen und Stadt. Von der Reeling sucht daS Fernglas unter den Menschenmassen liebe Gesichter. -Da ist er, ich seh' ihn!"- cherschwenken, FreWerufe. Blumengrüße in ver­schwenderischer Fülle werden an Bord gebracht. Vermittels Sprachrohr werden noch einige Ge­spräche gewechselt mit den tief unten auf den Landungsbrücken Zurückgebliebenen, Gepäck- ttöget schleppen schweißtriefend kostbare Lasten herbei unb zählen fchmunzelnb bie Pefetas. Na­türlich ist auch der unverrneibliche Kurpel« mann zur Stelle. Immer neue Passagiere in eleganten Reifekostümen. .Ich kann beit Blick nicht von Euch tvxnden ..." Aber bei übrige Inhalt des Freiliggrath'schcn Auswanbererge- dichtes stimmt gewiß nicht auf biefe Menschen, bie bie Reise nach Sübamerika antreten. Die Zeit rückt vor. Trompetensignale schmettern burchs Schiss. Letzter Ab.schi eb. Die, Tros­sen werben gelöst. Die Verbindung mit ben Landungsbrücken wird eingezogen, muß über für Nachzügler einigemal wieder hergestellt wer­den. Noch einmal den Blick zum steinernen Bis­marck und dem stolzen M'chel gewendet. Dan« endlich brüllt die dumpfe Schiffspfeife ihre Ab- fchicdsgrüßc. Langsam löst sich der Schiffsleib von den St. Pauli-Landungsbrücken. Durch die geöffneten Sperren drängt der Strom der Men­schen Die Blechmusik der Stewards sptelt die alten Abschiedslieder: .Wem Gott will rechte Gunst erweisen",Muß i denn, muß i denn zum Städtele hinaus". Das Abschiedwinken will kein Ende nehmen. Beim Köhlbrand verlasse« ims die Schlepper .Cap Polonlo" fährt mit eigener Schraubenkraft stolz und majestätisch un­ter dem Jubel der Menge die Elbe hinab Bar­kassen umsOvimmen den schwimmenden Koloß. Aber sie müssen das Wettrennen bald ausgeben. Hamburgs prächtige Silhouette versintt im SU- berfchimmer der Hafenlust.

An Bord.

Man merkt überhaupt nicht, daß man sich auf einem fahrenden Schiff befindet. An den Palast-