Meter Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 182.
Sonntag, 6. August 1922.
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12. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952
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Die fremde Entscheidung über Deutschland
s ' " «nd das Jusiizminiitcrinm übernimmt. Das
Englisch-französischer «eotefaft. ® a ”e‘
„ a - — .. irischen Volkspartei, wird jedoch vorlän-
Jfiß rtid|t besetzt, sondern gegenwärtig von dem
-Petit Partsicn bemerkt yi der Rede Lloyd > Staatsrat Dr. von Meine! verwaltet,
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Der
Varis, 5. Auaust.
In diplomatischen Kreisen der französischen Hauptstadt glaubt man nicht daran, daß die von Poincars angedrohten .Zwangsmaßnahmen schon am 5. August durchgeführt werden können. Am Quai d'Orsay, im Ministerium des Aeutzern, ist keine klare Auskunft zu erhalten. Die allgemeine Ansicht geht dahin, daß infolge des englischen Einspruchs lediglich ein finanzielles Zwangsmittel erwogen worden ist, das aber in Anbetracht seiner Vielgestaltigkeit kaum in dieser und zu Beginn der nöchstrn Woche seinen Anfang nehmen kann. AuS diesen Gründen wird den Drohungen PoincarSS und auch den offiziösen Ankündigungen ihrer Durchführung heute ni<^ aLzugroße Bedeutung beigemrffen.
M u n ch e n, 5. August. (Privattelegramm.) Wie erwartet, konnten auch gestern die Verhandlungen zur Erweiterung der bayerischen Rcgie- rungskoalition noch nicht zum Abschluß gebracht werden, obwohl sie bis zur zehnten Abendstunde hrne,n dauerten. Das vorläufige Ergebnis ist, daß die bayerische Mittelpartei bestimmt in die Regierunqskoalition ein tritt
Unklarheit in Daris.
Paris, 5. Anglist. (Eigene.Drahimelduftg) Die Unklarheit über die am 5 Aua,ist beabsichtigten Maßnahmen hält an. Die Auslassungen der Pariser Blätter sind nur Mutmaßungen. versichern aber übereinstimmend, daß Poinrarö nicht vor Deutschland zurmkweichen werde. Dem Pariser KabinettSrat, der gestern eine Sitzung abhielt, lag äußer dem Re- varationsvroblcm auch ein englischer Antrag vor, über militärische und wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland erst in London zu verhandeln.
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Ein militärisches Gutachten.
Paris, 5. August. (Eigene Trahtmeldung.) Neber die gestern in Paris abgehaltene Sitzung des Obersten Kriegsrars wird berichtet: Anwesend waren die Generäle Caftelnau und Mik^l sowie der Ehes der französischen Lust- strritkrafte und die Kommandanten der vier östlichen Armeekorps. Die Besprechungen waren treng vertraulich. Sie dauerten mehrere Stun- *"• ®nc kurze tzavaSnote meldet, daß der ran zo fische Oberste Kriegsrat dem Ministerpräsidenten und dem KriegSminister ein Gut- achten erstattet habe.
Dieser Bau der vollsten Geschichte gehörte => lein Mensch wußte es mehr! — der <Stabt Kassel als Eigentum und die neuere Zeit reklamierte auch erfolgreich den vergessenen Besitz. Jetzt bildet es einen Teil deS in der letzten Stadtverordnetenversammlung angekündigten neuen städ- rischen Schubbauprogramms. Der Plan geht dahin, das Hauptgebäude zu einer Gewerblichen Fortbildungsschule umzuwandeln, Die bisherigen Räume sind bereits zu eng und wenn demnächst, wie verlautet, auch ungelernte Arbeiter und Arbeiterinnen im ju- «endlichen Alter zum Besuch von Fortbildungs- chnlkursen angehalten werden sollen, muß chleunigst für die Beschaffung geeigneter Räume Sorge getragen werden. Der Seitenflügel wird voraussichtlich das geplante Altersheim aufnehmen. Schon jetzt hat der Jnvalidenbund fern Geschäftszimmer im alten Kastell.
- 2^. habe mir Zutritt verschafft. ®n großes Schweden lastet tn den Räumen. Unwillkürlich wird die Stimme gedämpft. Schatten der Ber- gangenheit -lugen aus allen Winkeln. Me Käse- ^atten ftarren mich aus hohlen Augen an. Auf ben Wallen wuchert üppiges Unkraut. Und
Etsen, Eisen, Eisen.. . Noch steht am Tor Wach-Instruktion angeschrieben als eherner Befehl Allmählich weicht der finstere Bann. j«n Dämmern des Denkmals finsterer Zeit er« «nnt das Auge seltene Schönheiten des aus Eiche gefügten Treppenhauses — derbe, gute Drechslerarbeit ist daran, für den Gebrauch von Jahrhunderten bestimmt — und feingeformte Turrahmungen in den Zimmern. Von der Tor« vastion aus läßt sich bet beste Eindruck am Hauptgebäude gewinnen.
Es ist ein Renaissancebaus, sehr schön ge« lagert, parallel dem Laufe des Flusses. Samt« lkche Fenster, zwölf in jedem der drei Stockwerke, sind von gleicher Höhe, aber verschieden t» der Umrahmung, die im ersten Stockwerk reicher ausgefallen ist. DaS steinerne Portal -st besonders interessant. Auch der Anbau stellt uch außerordentlich geschmackvoll dvr Seine Fensterumrahmungen sind steinern, während die Dachgauben von ziemlich großen und starken Eichenbalken gerahmt sind; im Hauptgebäude weifen sogar diese Dachgauben bildnerischen Schmuck auf.
Die Scnöoner Konferenz.
Um das deutsche Stunduugsgesnch.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 5. August,
Alle Vorbereitungen über die am Montag beginnende Konferenz sind bereits getroffen. Lloyd George wird den Borfitz führen. Soweit ou! dieser Tagung in London Entscheidungen gefällt werden sollten, werden sie sich aller Wahrscheinlichkeit nach auf das für Deutschland beschlossene Moratorium beschränken und auf die Garantie maß nah men, die von Deutschland verlangt werde» sollen, sowie auf die Prüfung der Frage, ob cs angängig ist, die Bankier- k o n fe r e u z sofort wiedercinzuberufen. Es ist nicht unmöglich, daß der erste Pun» der Tagesordnung daö deutsche Gesuch einer Neuregelung der Ausgleichszahlungen fein roirb. Es ist noch unbestimmt, ob der amerikani- W Botschafter als Beobachter der Konferenz beiwohnt. Poincars reist Sonntag nach Londost.
Malten gegen Zwangsmaßnahmen.
P a r i s , 5. August. (Eigene Drabtmeldnng.) Der italienische Botschafter Graf Sforza hatte eine Unterredung mit Poincars, in der er diesem feie Gesichtspunkte der italienischen Regierung klargelegt hat, die auf der Konferenz von London zum Ausdruck gelangen. An £r .S°8£bcr Ausgleichszahlungen ist die ita- lienifche Regierung in gewisser Beziehung nicht
60 italienischen Forderungen an Deutschland durch die Forderungen Deutschlands a" Italien ungefähr ausgeglichen find. Indessen ‘«Wien icbcr Art von Maßnahmen feindlich gennnt, die die Gefahr eines neuen Marksturzes nach sich ziehen könnten. Das „Petit Journal" fügt dieser Notiz hinzu, man wisse, daß die italienische Regierung in der Moratorinmsfrage etwa den Standpunkt des englischen Kabinetts teilt.
Eine englische Warnung.
Wenn man Deutschland zu sehr preßt.
(Eigener Drahtbericht.)
Wir sind wieder an einem Markstein deS sch.cksalswegeS angelanat. Am heuttgen Tage sollte der neue französische Zwang beginnen. Die ganze Art und Weise deS ftanzösischen Vorgehens, die Geheimhaltung der geplanten Maßnahmen, daS plötzliche Hewortreten mit Gewalt, das sogar zehn Tage vor dem Zahlungstermin erfolgt, ist ein Ueberfall aus dem Hinterhalt. Dieses Gebahren ist schon ein -Zeichen deS schlechten Gewissens. Die Franzo- sxn wissen, daß sie eine Vergewaltigung begehen, aber es ist ntemand ba, der ihnen entgeaentritt. England, hie .große Weltmacht*, ist wieder einmal schändlich blamiert. Am 7. August sollen in London Verhandlungen zwischen Slovd George und Poincars Wer das deutsche Zahlungsproblem beginnen, aber Poincars will vorher ein Pfand in den Händen haben, um Lloyd George den Daumen auss Auge setzen zu können. Der phrasenrednerische britische Ministerpräsident, ein Hampelmann auf allen Konferenzen, steckt auch mese Herausforderung ruhig ein, ohne sich zu schämen.
Wohin geht nun Frankreichs Absicht? Es ist io schon auf Umwegen bekannt geworden, daß die Franzosen sich deutschen Privat- besitz an eignen wollen und zwar sollen die Einnahmen und später das Eigentum von deutschen Unternehmungen im Ersatz und in den Rheinlanden beschlagnahmt werden. Auch auf die deutschen Zolleinnahmen im besetzten Gebiet wollen sie ihre Hand taten. Aber ‘hre Plane gehen noch weiter. Die führenden deuttcken Industrie werke in Westdeutschland, Sünnes, Thyssen, Krupp. Hansel, Klöckner, Funke, Mannesmann, die Phönixwerke. Rhein- stahlwerke, die Badischen Anilinfabriken und die chemischen Fabriken von Bayer und Co. in Le- verkusen, erscheinen ihnen sehr begehrenswert und gegebenenfalls wollen sie sich dieser Werke bemächtigen. Zollschranken sollen das besetzte Gebiet vom übrigen Deutschland trenne«.
Auf Kosten Aller.
London, 5. August. (Eigene Drahtmeldung.) Lloyd George erklärte im Unterhanse noch folgendes: Wenn man uns eine Herab- feijunB der deutschen Fahlungen oder em Moratorium vorschlägt, so darf dies nicht auf Kosten Englands gefchehen. ES muß im Gegenteil tut Fntereffe und auf Kosten aller geschehen. Wir werden also auf die Konferenz gehen, um die Interessen der ganzen Welt zu vertreten. Wir werden Deutschland ebenso ge- recht (?) wie Frankreich behandeln, aber das englische Volk hat Anspruch auf das Gleiche.
Das Kastell.
Dritter Satz des neuen Schulbauprogramms- Ein Abrist an« der Seschlchle des RafteO« an der Fulda und ein Bild der Gegenwart wie der Ininnft «oll heute den Ring der De- trachtnngen über das FlndelhanS, das alte RathanS und das Raftell beschließen, die nath dem stSdtisthen Skhnlbaubrogramm 8« neuer Zweadeftimmung auSerfehen Und
Dort, wo Henle das Justizgebäude steht, befand sich einst das landgräfliche Schloß. Es brannte bekanntlich nieder. Zum Zubehör war das f ü r st l i ch e I ä g e r h a u s zu zählen, jenseits der Fulda, unmittelbar an dieser gelegen, sodaß das Wasser die Grundmauern bespülte. Darin wohnte der fürstliche Oberjägermeister. Es war, wie eine alte Chronik berichtet, ein „ansehnliches Gebäude aus ©tein*. Schon in jener alten Beschreibung der Stadt Kassel wird es rühmend hervorgehoben. Heute noch läßt das erste Portal, das durch die Kasematten führt» die stolze Anlage erkennen. Im Spitzgibei befanden sich früher Embleme oder Wappen. Spätere Zeit hat Quadersteine hineingepfuscht. Bis vor gar nicht langer Zeit umzog ein Wall- graben das Ganze, über den an der Mühlengasse eine Zugbrücke führte, die mitsamt dem Grccken verschwand, als die neue Fuldabrücke gebaut wurde. Der geräumige Hof war ehedem durch zwei FWgelgebäude eingestHloffen.
Später machten die Franzosen das Jägerhaus zu einem Fouragcmagazin. Eine Zeitlang diente es übrigens auch als Lager für die Uniform- Hoffe des hessischen Heeres, als Lazarett für das erste Bataillon der Garde und der Leibwache zu Pferde, dann für die ganze in Kassel befindliche Besatzung. Unter Landgraf Carl, dessen „C. L. i. H.“ am Jnnenportal gut erhalten ist, war es Fabrikenhaus. Feine Tuche gelangten dann zur Herstellung. Ende des 18. Jahrhunderts, als die alte Fuldabrücke entstand und die alte Kirche dort abgerissen wurde, hielt die betroffene Gemeinde Gottesdienst darin ab. Tann erfolgte die Umwandlung zum Staats- und Militärgefängnis. Damit begann die düsterste Zeit des zu Beginn frohen Pirschg-wecken geweihten Hauses.
Rach 1806 wurden taufende von hessischen Patrioten durch die Franzosen im Jäger- und Fabrikenhaus eingekerkert und mancher wurde über die Zugbrücke zum Forst oder zur Aue geführt, um als Opfer ber Fremdherrschaft unter französischen Kugeln zu fallen. Mancher brave Musketter ging später dort zu „Vater Philipp- in den .Kahn' und. damit die Chronik vollständig wird, auch Spartakisten sah es in Mengen!
Georges im Unterhaus, daß diese, wie auch die Rede Sir Robert HorneS zu gewissen Bedenken Anlaß gibt und vor allen Dingen den Gegensatz zwischen dem englischen und fran- zösischeu Standpunkt in der Reparations« frage klar zu Tage treten lasse. Das Blatt glaubt, daß die französische Regierung nötigen- salls nicht davor zurückschrecken werde, zur Befragung des Landes beide Kammern einzuberufen. Unter diesen Umständen gibt das Blatt der Hoffnung AuSdruck, daß die bevorstehende Konferenz von London sich nur auf die Maßregeln gegenüber Deutschland beschränken werde.
London, 5. August.
In einer Rede im Unterhaus über die deut- chrn Reparationen und die interalliierte Schul- benfroge erklärte Lloyd George u. a.: Ich bin roh, daß Poincars unS Vorschläge vorzulegen hat und ich vertraue darauf, daß dos Hans uns gestattet, ungebunden in die Konferenz zu gehen, um seine Vorschläge zu prüfen, und un- er bestes zu tun, zu einem Einvernehmen zu gelangen. Wenn die Alliierten Deutschland ,u sehr presfen, würden fix wohl kaum etwas erhalten. Weiter aber besteht die Gefahr, daß fic Deutschland zur Berzweif- lung bringen könnten, sodaß eS sich freiwillig den Reaktionären oder Kommunisten ht die Arme wirst. Dann solle man sich klar sein, daß auf weitere Reparationen nicht mehr zu rechnen ist. Die Revolution DeuffchlandS gerade tn der Mitte Europas würde sich sehr von dem revolutionären Rußland unterscheiden. ES wäre eine Revolution in einem wohlorganifierten Laude mit hocherzogener und intelligenter Bevölkerung.
Derrücfte Well.
Herren und Knechte.
Es ist Wohl verständlich, daß ein großer Teil *r Menschheit das Ideal in einem ewigen Frieden und in der Gleichheit aller Menschen erblickt. Die Zerrüttung Mittel- und Osteuropas, die Verwirrung der Begriffe von Recht und Moral in der Welt, läßt den Wunsch nach Ruhe und Freiheit reifen und sich ausbreiten. Aber man hüte sich, um des fernen Zieles willen die nahe Wirklichkeit außer Acht zu lassen. Die Sehnsucht nach einem Ideal;ustand besteht immer fast nur bei den Unterdrückten und Unfreien, während die Anderen, die sich der Freiheit und ber materiellen Vorteile erfreuen, sich in ihrer bevor, jugten Lage sehr wohl fühlen. Hält man sich diese Tatsache vor Augen, bann wird man nicht erwarten, baß bte alliierten Mächte, die jetzt aufgrund ihrer militärischen Rüstung die Herrenrolle spielen, aus eigenem Wohlwollen heraus die im Weltkrieg unterlegenen Völker, die schwach und entblößt dastehen, ar$ Gleichberechtigte gelten lassen werden AlS gleichberechtigt würden sie uns, die Unterlegenen, nur dann anerkennen, wenn sie etwa ihre eigene Notlage oder unser Aufstieg dazu zwänge. Von unserem Ausstieg sind wir leider noch weit ent« lernt; aber der Notlage der Gegner ist man vielleicht naher, alS ihnen selbst bewußt ist. Oder sollten sie doch eine bange Vorahnung haben?
Frankreich, besser gesagt, die regierende Klasse Frankreichs, ist zweiftllos von einer hochgradigen Geistesgestörtheit befallen. Sie dünken sich einerseits als die unumschränkten Machthaber Europas und fürchten doch, daß ihnen die Macht eines TageS ent- schwinden könnte, denn die erhoffte Blütezeit Frankreichs, die sie durch die AuSsaugung der deutschen Kraft herbeiführen wollten, ist ausgeblieben. Gehen ihre Versprechungen, die sie dem gedankenlosen Volke gemacht haben, nicht bald in Erfüllung, dann wird ihre Messung und ihre Macht erschüttert. Me die Dinge fetzt siegen, ist eS für einen geistig normalen Menschen nicht schwer, auszurechnen, daß die deutschen finanziellen MittÄ, mit denen das große fran- zösische Suru86eer und ein Teil ber Übergroßen Beamtenfchar unterhalten werden, in absehbarer Zeit zu End« geben. Eine völlige Zahlungsein, stessung Deutschlands würde den Zusammenbruch der regierenden Klasse Frankreichs beben, fen. Das ist, bei Lichte besehen, Grund genug für den Fanatiker Poincars, den letzten ZwangSversnch gegenüber Deutschland an- zuwenden. ES kümmert ibn nicht, daß er wieder einen gemeinen RechtSbruch begeht, er fragt nicht danach, wie sich seine Alliierten, die eigent- sich auch ein Wort mitzureden hätten, dazu ber- Wien werden. Eigenmächtig, gestützt auf mili- tarrsche Gewalt, geht er vor. In seinem von Angst erfüllten Wahne hofft er, vermehrte Geldzahlungen auS Deutschland herauszupressen oder durch einen brutalen Raub sich bereichern ,u . können.
Die preußischen Beamten im Rheinland sollen durch rheinische ersetzt werden und für die inter» alliierte Oberkommission wird die Ausdehnung der Machtbefugnis erstrebt. Tas französische Verlangen richtet sich also auf den Raub der größten deutschen Wirtschaftswerte, von denen Deutschlands Lebensfähigkeit zur Zeit abhängt. Gehen uns diese Wette verloren, dann ist Deutschland am Ende seiner Kraft. Arbeitslosigkeit, weitere Teuerung, Unruhen wären die weiteren Folgen. Der staatliche Zusammenhalt würde gefährdet und es wäre nicht unwahrscheinlich, daß das Reich tn Trümmer fiele. Dann hätte Frankreichs regierende Klasse ihr Ziel erreicht und säße als Beherrscherin Europas fest im Sattel. Und damit begänne ein Zeitabschnitt der Tyrannei, eine Teilung ber Völker tn Herren und Knechte. — Der Zufall will es, baß in diesen Tagen Verhandlungen in Berlin stattfinden sollen, in denen die Sdan- nung zwischen Bayern und dem Reiche beigelegt werden soll. Geht in Euch, deuffche Re- giernngsvettreter, beachtet das Gesahrenzeichen, das am dunklen Himmel im Westen blitzt» Seid Schützer ber beutschen Einheit! K. F. D.
Die Zwangsmaßnahmen.
Vorläufig eine mildere Auffassung.
(Eigener Drahtbericht.)
Bayern und do» Reich.
Roch keine Besprechung in Berlin.
(Pttvat-Telegromm.)
München, 5. August.
Die Berliner Rachttcht von einer Reise des bayerischen Ministerprästdcnten Grafen Lerchenfeld ist unzutreffend. Der bayerische Gesandte in Berlin Dr. von Preger traf gestern wieder in München ein und zwar zur Bettchterftattung über den nach der Ueberreichung des bayerischen AntworffchrcibenS in Berlin ge- schaffknen Stand der Dinge. Auch werden die in ihrer bayerischen Heimat auf Urlaub weilen- ben Reichsminister Fehr und Dr. Geßler in München erwartet zur Rücksprache mit dem Ministerpräsidenten Grafen Lerchenfeld.
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Die bäurische Koalition.