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Nummer 181

Fernsprecher 951 und 952

Sonnabend, 5. August 1922

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

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Kasseler Neueste Nachrichtm

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Deutschland in Bedrängnis.

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Dauernder Krieg.

Französische e orungöwut.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Dieses Sprichwort kann man sich auch umgekehrt den­ken: Wo der Wille fehlt, ist man Mino, den Weg ju sehen. Das gilt von Poincars. Ihn dürstet nach dem Herostratenruhm, dem totsiechen Eu­ropa den letzten Rest zu geben. Was er bisher schon an der europäischen Wirtschaft, ja an Frankreichs eigener ökonomischer Lage gesündigt hat, wird erst späteren Geschlechtern einmal völlig klar werden. Wir, die wir an das Elend bereits gewöhnt sind, empsinden den ganzen Umfang der K a t a st r o p h e, die weniger der Krieg, als die französische Rachkriegs- Politik verschuldet hat, nicht in solchem Maße, wie es ein objektiver Beobachter vermöchte. Den neuen Vergewaltigungen, die uns Herr Poincars soeben angedroht hat und die er sicher­lich verwirklichen wird, gehen wir Deutschen mit jenem Atoizismus entgegen, wie er Men­schen eigen ist, die nicht mehr viel zu verlieren haben. Es ist nicht die erste Zwangslage, in der wir uns befinden, nicht die erste Er­pressung, die das sittlich angeblich so hoch­stehende Frankreich an uns verübt. Bisher war die Dachlage aber doch immer so, daß durch die vermittelnde Tätigkeit der anderen Alliietten das Aeußerste vermieden werden konnte Ja, fast schien es bisweilen, als ob diese von Frank­reich unternommenen Erpressungen weniger an bie Adresse Deutschlands, als an die Englands aendnet waren.

Ohne daß wir die Hoffnung aufgeben wollen, daß auch diesmal die von Poincars angedroh- trn Zwangsmaßnahmen, deren Art uns einst­weilen noch unbekannt ist, in letzter Stunde noch abgewendet werden können, unterscheidet sich die fetzige Lage von ähnlichen Situationen früher vor allem dadurch, daß Poincars durch die Fest- setzting eines ganz nahen Termins, an dem die Gewaltmaßnahmen vor sich gehen würden, von vorn herein jede Möglichkeit eines Eingreifens der anderen Alliierten ausschlic- ß e n möchte. Er will also offenbar England und Italien vor eine vollendete Tatsache stel- len. zu vergleichen etwa mit jenem Marsch nach Frankfurt a. M , der von den Engländern aufs schärfste gemißbilligt wurde und zu einer zwi­schen London und Paris getrosfenen Vereinba­rung Anlaß gab, daß Frankreich sich in Zu­kunft jeder Donderaknon ohne vorherige Zu- mmmung der anderen Alliierten enthalten wer- de. In welcher Weise sich Poincars an diese Vereinbarung, an die er bereits wiederholt von seinem englischen Partner, zuletzt unmittelbar nach seiner geharnischten Rede von Bar-le-Duc erinnert wurde, gehalten hat. beweist seine jetzi­ge Aktion, die unmittelbar vor seinem Wie- derzusammentreffen mit dem englischen Mini- sterprasidenten eine gan, unglaubliche Her­ausforderung bedeutet.

Sachlich hat Poincars in dieser Angelegenheit alle Argumente gegen sich. Die nächste deutsche Ausgleichszahlung ist erst am 15. A u g u st fällig. Bestünde er also wirklich auf seinem Schern, ohne die deutschen Erwägungen gelten M lassen, dann hätter er trotzdem keinerlei Recht, feine Zwangsmaßnahmen vor dem 15 August in Wirkung treten zu lassen. Demge­genüber kündigt er seine Repressalien bereits für den 5. Augrust an. Aber auch, wenn man von dieser formellen Seite absieht, zeigt es sich, dax die Zumutungen Poincares auf äußerst schwachen Füßen stehen. Das Abkommen vom 10. Juni ist, wie Poincars in seiner letzten Note felbst zugeben muß, zwischen Deutschland und den verschiedenen alliierten Mäch­ten geschlossen worden. Man sollte also mei­nen, daß es nicht Sache Frankreichs al­lein wäre.Remedur" zu schassen, wenn ein abftchtltches Verschulden Deutschlands fanftatiert werden sollte. Die französische Regierung will aber eine geminsame Beschlußfassung mit den übrigen Alliierten nicht abwarten, im Gegenteil, ihr überstürztes Verhalten läßt aufs deutlichste erkennen, daß sie den Entschließungen des Lon­doner, Brüsseler und römischen Kabinetts ab­sichtlich zuvorzutommen wünscht.

Dao Vorgehen Poincares wird in der gesam­ten Welt, soweit sie nicht durch blinden Haß gegen Deutschland voreingenommen ist, noch we­niger verstanden werden, als seine bisherigen Großtaten. Selten hat sich mit jo krasser Deut­lichkeit die Gemeingefährlichkeit dieses französischen Staatsmannes kenntlich gemacht wie jetzt. Poincarös Rote hat nämlich etwas ?ertlg gebracht, was bisher keine Note eines ausländischen Staatsmannes, nicht der Mord an Raihenau, nicht einmal der Weltkrieg zuwege gebracht hat, nämlich die deutsche Mark mit ei- nem Schlage um über zweihundert Punkte in die Tiefe stürzen zu lassen. Fast grotesk mutet es unter diesen Umständen an. wenn der Leiter der französischen Politik in feiner Drohnote die stirn hat. die Schuld an dem gegenwärtigen

Markkurs den Ankäufen fremder Devisen durch deutsche Privatleute zuzuschreiben. Diese Drei­stigkeit dürste wohl auch den lammfrommen Bewunderern dieses modernen Tamerlan über die Hutschnur gehen. Kein anderer als Po i n care und der Geist, der die französische Poli­tik beherrscht^ sind an dem Zusammen- beuch der deutschen Finanzen, an dem Ruin der europäischen Wirtschaft, an dem moralischen und geistigen Jammer, an dem die Welt krankt, verantwortlich. Poincars ist ein Krebsschaden nicht nur für Deutschland, vom französischen Standpunkt aus mag dies sogar sein Beruf sein sondern, und nicht zuletzt, für Frankreich, das in den Ärudel der deutschen Wirtschastskatastrophe, wie das ständige Folgen des Franken auf der Valutaverschlechterung der Mark beweist, unweigerlich mit hineingezogen werden muß. Das französische Volk hat cs sei­nem vom Deutschenkoller verblendeten Regie- rungSleiter zu verdanken, wenn es wirtschaftlich immer tiefer hinabsinkt und wenn es vor al­lem die Miltes entbehren muß, die Deutschland ihm aus feinen Reperationsverpflichtungen schuldet und die es einzig und allein aus dem Grunde nicht bezahlen kann, weil Poincars ihm die Kehle zuschnürt!

Deutsche BeSränguis.

Gegen die frauzIfischen Zwangsmaßnahme«. lEigene Drahlm-ldung.)

Berlin. 4. August.

Wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, bat Reichskanzler Dr. Wirth am Mittwoch dem englischen Botschafter dic Bitte um eine Verständigung zwischen Deutsch­land und Frankreich unterbreitet und dabei auf die schweren Folgen hingewiesen, die etwaige sranzösische Zwangsmaßnahmen cm 5. August für das deutsche Volk haben müßten. Die Bitte des deutschen Kanzlers soll nach Lon­don weitergeleitet worden fein. In einer mit genauen Unterlagen ausgestatteten amtlichen Erklärung heißt es: Die französische und die bel­gische Presse behauptet. Deutschland habe die Schwierigkeiten bei den Ausgleichszahlungen dadurch selbst verschuldet, daß es den deutschen Schuldnern gestattet habe, ihre Schulden durch Zahlung des bloßen Vorkriegskurses abzudecken; dieser Vorwurf ist durchaus unbegründet.

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Die Abledring.

Berlin. 4. August. (Privattelegramm) Am Donnerstag nachmittag weilte Reichskanzler Dr. Wirth beim Reichspräsidenten, um mit ihm die politische aLge durch-zusprechen. In der im Laufe des heutigen Tages nach Paris abgehenden Antwort der Reichsregie­rung auf die Note PoincareS wird die Regie­rung die Erklmmng abgeben, daß sie keine andere Möglichkeit habe, als in ihrer bisherigen ablehnenden Haltung zu verharren und daß sie es der Gegenseite überlassen müsse, neue Vorschläge zu machen, deren gewissenhafte Prüfung umgehend erfolgen soll.

^Berliner Besprechungen.

Berlin. 4. August. (Privvttelegramm.) Eine Entscheidung der Neichsregierung auf Einberu­fung des Reichstages liegt bis zur Stunde noch nicht vor. Die Fraktionsbesprechuu- gen beim Kanzler werden erst am Sonnabend früh fortgesetzt. Auch der Auswärtige Ausschuß soll nicht früher zusammentreten, bis die Zwangsmaßnahmen bekannt sind, die Frankreich am 5. August in Kraft treten lassen will. Die deutsche Antwortnote an Poincars verläßt heute nachmittag Berlin.

Bayern und das Reich.

Die Bestvebnuge« zu oiner Einigung.

(Privat-Telegramm.)

Berlin. 4. August.

Im Berliner Tageblatt wird über die Ant­wort Bayerns unter anderem erftärt: Bereits morgen wird Graf Lerchenseld in Ber- lin erwartet. Wie der Inhalt seines Schrei­bens ergibt, kommt er zum Reichspräsidenten in dem Vertrauen, daß er für die berechtigten Interessen bei Länder volles Verständnis habe. Ist dies der Fall, bann sollte es möglich sein, in einem Augenblick, in dem Poincars neue Ge- wattmaßnahmen androht und infolgedessen der Dollar 809 Mark kostet, den Konflikt zwischen dem C2eifi#e und dem zweitgrößten Lande in einer Form im Löf en, die dir gestörte Verfassung

wieder in Kraft fetzt, ohne die Einhett des ge- famtett Reiches zu gefährden.

Die Zwangsdrohung.

Vorbereitung des Kriegsrates in Paris.

(Eigene Drohtmeldung.)

Paris, 4. August.

In eiver Havasnote vom Donnerstag früh beißt es: Der Ministerpräsident hat den Be­ginn der Zwangsmaßnahme gegen Deutfchland auf den 5. August, 12 Uhr mit­tags, festgesetzt. Die Sitzung beS Obersten KriegSrates, die erst am Sonnabend statt- finben sollte, beginnt bereits am Vormittag des heutigen Freitag. Rach einer Meldung des Tcmps" nimmt der Oberkommandierende der Besatzungsarmee am Rhein an der Be­sprechung des KriegSrates in Paris teil. Der gestrige Ministerrat hat einen Kredit von fünf Millione« Francs für die am 5. Angus' eintrctenden Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland vorbehaltlich der Rückerstat­tung durch Deutschland (!) bewilligt.

Beschlagnahme der Zölle?

Paris, 4. August. (Eigene Drahtmeldung.) Echo be Paris" berichtet, daß zweihundertvier­zig französische Zollbeamte zur Ber- fügung dcS ftanzösischen Finanzministeriums zum 3. August nach Paris berufen worden sind, um Anweisungen für die Zwangsmaßnah­men gegen Deutschland zu empfangen.

Das Zahrungsproblrm.

Frankreich besteht ans seinen Fordsrnnge«.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 4. August.

Poincare bat am Mittwoch die Vorstände der Kammerparteien, mit Ausnahme der beiden sozialistischen Parteien, empfangen. Die Bespre­chung ergab die vorbehaltlose Zustimmung aller nichtsozialistischen Parteien der Deputier­tenkammer für die Politik PoincarSs ge­gen Deutschland und die von Poincarö vertrau- sich mitgeteilten Zwangsmaßnahmen. Der Ministerrat, der gestern vormittag unter dem Vorsitz von Millerand stattgefunden hat, bestätigte nach einem amtlichen Bericht sei­ne früher einstimmig gefaßten Beschlüsse in der Frage der Reparation, die Poincare bei den Londoner Besprechungen der englischen Re­gierung in diesen Tagen unterbreiten soll.

Keine Streichung der Schulden.

Berlin, 4. August. (Privat-Telegramm.) Die Börsenzeitung schreibt zu der Washingtoner Meldung, daß Amerika seine Haltung in orr Schuldenfrage durch die Rote Balfours nicht geändert habe: Die glatte und ein- oeutigc Absage des amerikanischen Schatzam­tes für die englische Anregung, daß Reparations­problem durch allgemeine Streichung der inter­alliierten Schulden zu lösen, wird noch unterstri­chen durch den Beschluß ber amerikanischen Schuldenfundierungsrommisflon, den Borschlag ner Balfour-Rote dem Kongreß, der dafür zu­ständig ist, weiterzugeben. Der federn Schul- oen-Rachlaß abholde Kongreß ist in seiner Hal­tung unerschütterlich fetz.

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England für einen Aufschub.

London, 4. August. (Eigene Drahtmel- buna.) Der Schatzsekretär Sir Robert Hörne erklärte in der gestrigen Nevarationsbesprechung im Unterhause unter anderem: Deutschland könne eine beträck»tliche Reparati­onssumme zahlen (si; es werde ohne Zweifel selbst den Wunsch haben, eine Repara- tionssumme zu entrichten, die seiner Leistungs­fähigkeit entspreche, zur Zeit fei jedoch ein Zahlungsaufschub nötig.

Englands Luftrüstung.

Eise Serteiätgistifl gegenüber Frankreich !

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 4. August.

Llshd George erklärte gestern im Unterhaus, daß die Regierung nach eingehender Beratung mit dem DerteidigungSauSschuß beschlossen ha­be, dem vom Ministerium für Luftdienst vorge­brachten Plan zur Vermehrung der engli­schen Luftflotte umfünfhundertMaschi- nen zur Verteidigung deS Heimatlandes zuzustimmem DieS bedeutet eine Vermehrung der Kosten um zwei Millionen Pfund Sterling jährlich. Von dieser Summe sollen vom Mi­nisterium für Lustdteuft 900 000 Pfund Sterling durch Sparsamkeit ht den Voranschlägen aitfge» bracht werden. Eine weitere Vermehrung der Luftflotte hängt ganz von der Finanz­lage und der PÄM der anderen Mächte bezüglich des Luflwescns <6-

Französische Knute.

Gewaltherrschaft im Rheinland.

Seiber erfuhrt mau zu wenig von »en Hebe« griffen ber franzvfffiheu unb belgischen Be­satzung im Rheinlanb, wett bis Bewohner unter Serräterei unb D-rsolgung leiben müssen, wenn ihre »lagen bekannt werden. Set« Hegen aber brei gälte von franzSstswen Jnstizverbrecven vor, bie nicht verschwiegen werben bürsen: In der Eifelecke, wo sich dic belgische mit ber französischen Besatzungszone berührt, hatte Cln deutscher 2anbwirt eine starke sranzö- fische Soldatcnabteilung auf seinem Hof. Es waren Rekruten, die sich bald dem Ei­gentümer und seiner Familie gegenüber allerlei Ausschreitungen erlaubten. Als dem Landwirt fortgesetzt Hühner gestohlen und die Kühe ausgemolken wurden, erstattete er Anzeige. Von diesem Augenblick an war er der Gegenstand der hartnäckigsten Verfolgungen, sodaß er sich auf Zureden seiner Frau entschloß, die Anzeige wieder zurückzunehmen. Aber an ein friedliches Leben war ttotzdem nicht zu denken. Man beschimpfte und ^be­schmutzt« chn und seinen Sohn, quälte Tiere, jagte das Rindvieh auf die Felder sei­ner Nachbarn, erschwerte ihm die Einbringung seiner Ernte in die Scheune und versibte sonst noch allerlei Schabernack. Als sich nach Zeugen­aussagen und ärztlichem Befund ein Soldat an seiner noch nicht zehnjährigen Tochter verging, lief dem Vater die Galle über. Er er­stattete Anzeige wegen Sittlichkeitsvergehens und wurde selbst derhastet. Mm beschul­digte ihn der verleumderischen Anzeige. In er­ster Jnftan; wurde er von dem französischen Kriegsgericht tu einer einjährigen Ge­fängnisstrafe und tausend Francs Geld- straife verurteilt, obwohl die als Zeugen gelade­nen Mitglieder der belgischen Mission in Moers bekundeten, daß sie selbst den deutschen Land­wirt zur Erstattung der Anzeige veranlaßt hätten. In der ganzen Zeit seiner Haft, von Mitte Scchtemlber bis zur Verurteilung am & Dezember, hatte man seine Frau nicht zu ihm gelassen; auch Lebensrnittel durften ihm nicht zugestellt werden; der Mann mußte verutteilt Gefängnistosi essen. Gegen das Urteil deS Kriegsgerichts in Bonn legte et Revision ein; er wurde Ende Dezember nach Ttter gebracht, dort im Gefängis glimpflich behandelt, Mtte Januar gegen Kaution freigelassen und bann ireigesprochen

Dieser Fall ist typisch für die französi- sche Justiz, wie sie im besetzten Gebiet gegen Deutsche geübt wird. Aus eine Anzeige des gequälten Deutschen erfolgt zunächst ein Truck auf Zurücknahme; dann die Gegenanklage wegen »Mangels an Achtung gegen Besatzungs- nritgtieber* (Art. 40 der Rheinlandverordnung) unb wegen verleumderischer Anschuldigung.

In Meisenheim hatte ber dortige Landrat Schwebe! Beschwerden feiner Kreiscinge- feffenen gegen den französischen Gendarmen an den französischen Kreisdelegierten weiterge» geben. Auf Aufforderung des Delegierten machte er schriftlich genaue Angaben, und schloß sie mit der Wiedergabe der Ansicht der Kreis- Insassen, daß der Gendarm sie quäle und da­durch dazu beitrage, «die Autorität der Besät« zungsbehörden zu mindern. Auf Grund die- fer Meinungswiedergabe wurde der Landrat zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, na­türlich auch wegen Verstoßes gegen die Verord­nung, dieAchtung vor den Besatzungsbehör­den verlangt.

Ein dritter Fall: Der Beigeordnete ei­ner Stadt in 6er französischen Besatzungszone wird verhaftet unb nach Mmn, gebracht, wo er jetzt mehr als fünf Wochen von jeder Verbin­dung mit seiner Familie festgehalten wird. Er ist nicht einmal imstande gewesen, die allernot­wendigste Wäsche mitzunehmen Gegenstand der Anklage: Bei einem in Mainz unter Spionage» verdacht verhafteten Journalisten wurde eine Aufzeichnung über die beschlagnahmten Wohnungen in der Stadt gefunden, in der der Beigeordnete Dezernent für Besatzungsver­hältnisse ist. Dabei steht fest, daß die Mittei­lungen, die der verhaftete Journalist bei sich hatte, durchaus nichts Geheimes und nichts M Verheimlichendes enthielten. Sie konnten auf dem Wohnungs- und Besatzungsamt jederzeit eingesehen werden.

(Srfor&erniffe an Papiergeld.

Ein Ansturm auf die Reichsbank.

Wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, hat die Reichsbank am Fuli-Monatsschluß einem derart gewaltigen Ansturm standhalten müssen, wie er in dar Geschichte des Instituts noch nicht zu verzeichnen gewesen ift. Es darf vorweg ge­nommen werden, daß die Reichsbank durchaus in der Lage gewesen ist, die Wünsche deS Publi- kums yi erfüllen, wenn sich auch hier und be