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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 179. Fernsprecher 951 und 952 Donnerstag, 3. August 1922. Fernsprecher 951 und 952 12. Jahrgang.

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Frankreichs Absichten auf das Ruhrgebiet.

Bespreckrung beim Reichskonzier.

Ausgleichszahlungen demnächst stattfinden wer-

über die ein geradezu vernichtendes Urteil ge­sprochen wird. Don fünfzig amerikanischen Rei­senden tu Europa war vor dem Kriege Wohl

tim Konstantinopel

Ei» griechisch- türkischer Kampf.

Wenn md)t gezahlt wird! Poinears droht mit Zwangsmaßnahmeu. (Eigener Drahtbericht.)

PariS» 2. August.

Berlin, 2. August. (Privat-Telegramm.) Der Reichskanzler hat am Montag abend nach dem Eingang der englischen Rote eine Reihe in Berlin anwesender parlamentarischer Führer in der Reichskanzlei entpfangen. Dr. Wirth glaubt ans Grund der englischen Rote, sowie einer Mit­teilung des belgischen Gesandten, daß es zu kei­ner französischen Sonderhandlnng gegen Deutschland kommt, die nur gegen das Ruhrge­biet gerichtet sein könnte und daß neue Verhand­lungen mit der Gesamtheit der Alliierten über die

den. Nach einer Mitteilung Dr. WirthS find auch die K o h l e n l l e f e r u n g e n au die Entente bet höchster Anstrengung der Lev stungsfähigkeit im Monat Juli wieder um rund 350 000 Tonne« gegen die vertraglich seftgelegte Menge zurückgeblieben.

ung bewegen dürste, die das Reich gesichert und garantiert hat. In

gend Geld und kann bis November nicht mehr warten. Deshalb beurteilt man die Lage hier sehr ernst und man befürchtet, daß Frank­reich doch «och zu Zwangsmaßnahmen egenüber Deutschland schreiten wird. Es ist bezeichnend, daß derDaily Telegraph" schon dieser Tage aus Baris zu melden wußte, daß in Frankreich eine Revolution drohe, wenn Deutschland nicht zahle, und eS verlautet hier bereits mit größter Bestimmtheit, daß die fran­zösische Regierung den Vormarsch ins Ruhr re vier vorbereite und daß General Rieffel als Oberkommandierender der für das Ruhrrevier bestimmten Streitkräfte bestimmt sei.

Franzvslfthe Nationalisten.

Genf, 2. August. (Eigene Trahimeldung. Journal des Devats" zufolge hat der am Sonntag in Paris zusammengetrctene nativ» nale Block der Kammer einstimmig beschlos­sen, den Ministerpräsidenten zu ersuchen, bei den bevorstehenden Londoner Verhandlungen feinS der Rechte Frankreichs (?) aufzugebrn und die Londoner Beschlüsse in strengster Urber- einstimmung mit dem Willen der Mehrheit der französischen Kammer entschlossen durchzusühren.

engen frage herbei, ufiichren, denn daß die Meerengenfraqe im Zusammenhang mit dem Be- sitz von Konstantinopel den Kernpunkt der orten» talischen Frage bildet, wird immer deutlicher. Ebenso deutlich aber wird auch die Erkenntnis, daß bei der Regelung der MeereTtgenfrage die Rücksicht ans Rußland eine beträchtliche Rolle spielt. Ist Rußland erst soweit gefestigt/daß cs in dieser Frage ein entscheidende; Wort mitzu- sprechen hat. bann können die englischen Hoff- niingen und Wünsch« nur noch zum geringen

Frankreichs Drohungen.

Siu Vormarsch in das Ruhrgebiet?

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 2. August.

Man befürchtet, daß die neue Londoner Kon- icrcuz nicht anderes bringen wird als ein« wei­tere Verschiebung der Entscheidung über das Neparatiousproblem auf etwa November. Würde dieser Fall tatsächlich eintretcn, würde Frankreich bis dahin weder von Deutschland größere Reparationszahlungen, noch von Arne lila eine Anleihe erhalten oder würde Amerika sich bis dahin auch weiterhin weigern, Deutschland eine größere Reparationsanleihe zuzubilligen, dann dürste die innerpolittsche La­ge Frankreichs, nach der Ansicht hiesiger Politi­ker. kritisch werden. Frankreich braucht das wird hier allgemein anerkanntdrin-

Bedarf nach Nahrung, die

in ausländischem Geld bezahlt werden mußte, ein riesiges Defizit in daS Staats« kmdget. Es gibt eine Vervielfachung von Steu­ern in Oesterreich, wie in keinem anderen Lande Europas. Die Entwertung des GeDes ist nur noch von Rußland und Polen überboten worden und bat zum völligen finanziellen Ruin der Bevölkerungsschickt geführt, die auf festes Einkommen angewiesen war. Eine erfolgreiche Geschäfts führ un g wurde unmöglich. Alles war von dem Kurse der ausländischen Valuten be­herrscht. Die übliche leichtfertige Vergeudung des Geldes durch Schieber und Spekulanten ver. lieh aber Wien jenen trügerischen Schein deS Luxus und der ausschweifenden Verschwendung. Oesterreich ist vollkommen gedemütigt und besitzt weniger nationalen Stotz als irgendein anderes Land in Europa. Die Zersetzung seines Nationalgeflihls ist tatsächlich schon zn iveit vorgeschritten. Ta? Selbstver­trauen ist völlig verloren gegangen, die Schwie­rigkeiten werden übertrieben und die Hilfsquel­len unterschätzt. Vor allem braucht Oesterreich etwas, was feine SelbstMhtung wieder belebt, ihm einen hoffnungsvollen Mut und Vertrauen

Oesterreichs Tragödie.

Line Betrachtung desAmerikaners Vanderlip

Der bcfannte ametifanifAc ffinanjmann, der schon vor btm ÄHcge alljährlich Europa ge­schäftlich durchreiste, hat im vorigen Jahre wieder eine mehrmonatige Studienreise gemacht Danach schildert er die Sfterreschischen Zustande« Bei der Untersuchung der europäischen Ver­hältnisse wurden fünfzehn Staaten besucht: England, Deutsehlatid. die Tschecho-Slowakei, Oesterreich, die Schweiz, Italien, Griechenland, die Türkei, Bulgarien, Jugoflawien, Ungarn, Polen, Holland, Belgien und Frankreich. Oester­reich, Deutschland und England wurden zweimal berührt. Ueoerall sprach Vanderlip mit den Häuptern der Regierungen, mit Ressortministern, Finanzleuten, Großindustriellen und Arbeiter- Vertretern über die Verhältnisse ihres Landes. Er hatte Unterredungon mit nahezu allen Fi» nanzmimstern, sprach mit dem Reichskanzler Wirth, mit dem damaligen Bundeskanzler Scho­ber, mit Benesch, mit dem König von Bulgarien, mit Horthy und dem türkischen Großwesir. Van- derlip stellt fest, daß der größte Fortschritt, der feit dem Waffenstillstand in Europa gemacht worden ist, in der fortschreitenden Klärung des wirtschaftlichen Urteils besteht, wenn auch wirk­lich scharfes wirtschaftliches Denken noch immer auf eine kleine Mnderheit beschränkt ist. Der Verfasser betrachtet und das ist das Haupt­merkmal des ganzen Werkes Europa als eine Einheit. Dieser Auffassung entspricht auch schließlich der Vorschlag, den er für die Rettttng Europas macht, nämlich die Errichtung einer BundeSreservebank für Europa. Interes­sant sind feine Betrachtungen über Oesterreich. -«onLqrlip- b?zeichn»: den Vert-ag- -ösn Saiit- Germain und die Zerstückelung der österreichisch- ungarischen Monarchie als eines der unweit- Soll ft en Kapitel der

Giftverträge von PartS",

Die Londoner Konferenz,

lütt die Wiedergutmachung.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 2. August.

DieTimes" melden, es stehe jetzt fest, daß oie Londoner Konferenz sich nur mit den Re- parationen befchäftigen werde. Nach den bisherigen Difpositionen dürste die am 7. August beginnende Besprechung nicht länger als drei bis vier Tage dauern. Im September tritt dann eine neue Konferenz zur Behandlung der Orient­fragen .der Tangerstage und vor allem der Fra­ge Zes interalliierten Schnldenausgleichs zusam­men. Lloyd George glaubt die Schulde«, f r a g e nur entscheiden zu können nach Eintreffen fceS Berichts der englischen Sonderdelegation, die Ende August nach Washington geht, nm die amerikanische Stimmung in der Schuldensrage zu erkunden. Jedenfalls hat cS England ganz aufgegeben, den Verzicht auf die Französischen Schulden zu besprechen, bevor die Haltung Amerikas in der Frage der englischen Schul» den nicht einwandfrei feststeht.

nach der den LLn!

Teil mit einer Erfüllung rechnen, und hieraus erklärt sich in gewissem Betracht das tvohlwol- lende Interesse, das Großbritannien an einer möglichst schnellen Erledigung des türkischen Problems hat. Gelingt dies Englaitd nicht, dann ist nicht abzusehen, welche Folgen das nahe Ver­hältnis zwischen der Angoraregierung und der Sowjetregierung hinsichtlich der Meerengenfrage zeitigen Wird, sind doch die bei­den bolschewistischen Schweflerrepubliken bereits durch einen regelrechten Bündnisvertrag gebun­den, demzufolge keiner der beiden Parteien ohne vorheriges Einvernahmen mit dem anderen Frie­den schließen darf. Jetzt wird es sich also darum handeln, Fache zu bekennen. Die orientalische Frage läßt sich nicht länger zögernd behandeln. In welchem Sinne auch die Lösung, die gesun­den wird, ausfallen möge, daran ist nicht zu zweifeln, daß sie auch auf die Enrapapvlitik der Mächte nicht ohne Einfluß bleiben kann. Viel­leicht liegn hier gewisse Hoffnungen.Frankreichs, das aus türkischem Gebiet seine wertvollsten Pfänder hat, die es gegen England in der Re- parationssrage auszuspielen hat. ' Hg.

noch nicht einer wirklich mit dem Habsburger» reich vertraut. Wenige Amerikaner besuchten Wien im Vergleich zu der Menge, die nach Lon­don und Paris ging. An der poiittschen Ver- waltttng dieses Staates war sehr viel auszu- setzen, besonders an ihren Zielen: die Suprema­tie der Habsburger und der Wietter Bürokratie. Ter Vertrag von Saint-Germain war eine Ver­quickung von Strasmaßnahmen für die alte po­litische Herrschast mit einem Versuch, den unter­drückten Minderheiten eine gewisse politische Selbständigkeit zu geben. Man war völlig ver­blendet dagegen, welche wirtschaftlichen Folgen die Aufteilung eines so großen Reiches haben mußte, wenn man nickt zugleich eine gewisse Einheitlichkeit der wirtschaftlichen Beziehungen der neuen politischen Individuen zu erhalten versuchte. Das Habsburger Regime ist sür sei­nen Eigennutz und seine Torhrtt gründlich be­straft worden. Aber diele Strafe enthielt auch den Zusammenbruch eines hochentwickelten vielfach verzahnten wirtschaftlichen Ge­füges. Das ist. schreibt Vanderlip, eine der qroßen wirtschaftlichen Tragödien der Ge- chickte Es wurde ein Staat mit etwas über 'echs Millionen Einwohnern geschaf- en .dessen Bevölkerung fast zu einem D r i t - t e I in einer großen Stadt vereinigt ist. DaS Sanidgebiet ist größtenteils alpin und bei dem heittiqen Stand seiner Landwirtschaft nicht fähig, mehr als die zwei Millionen Menschen, die sie betreiben, zu ernähren. Der neuen Republik blieb nur etwa ein Prozent der Kohlenlager des ganzen Reiches und sein Brennfivffmangel war nicht weniger empfindlich als fein Ernährunas- bedarf. Gleich zu Anfang brachte der dringende

Bayerns Stellungnahme.

Antwort an den Reichspräsidenten.

(Privat-Telegramm.)

München, 2. August.

Der bayrische Ministerrat hat gestern die Be­schlußfassung über die Antwort an den Reichs­präsidenten auf beete verschoben. Die Ant­wort Bayerns ist im Entwurf fertiggestellt. Man kann bereits fagen, daß der Entwurf im Tone fehr versöhnlich gehalten fein und sich

Die Entente leidet keineswegs an einem Man­del diplomatischer Zwischenfälle. Das Repara- tionsproblem steht nominell an erster Stelle, in Wirtlichkeit aber liegen die grundlegenden Me«- nungsv-erschiedenhelten insbesondere Milchen Frankreich und England im nahen Orient Hier herrscht zur Zeit der Waffenstillstand, der vor knapp einem Halbei» Jahre abgeschlbssen wurde und bisher noch zu keinem endgültigen Friedensschluss geführt hat. Der Grund für diese absonderliche Lage ist ivc- niger in dem Gegensatz zwischen Griechen­land und der Türkei, als den scheinbar Hauptbeteiligten, zu suchen, als vielmehr zwi­schen England und Frankreich, die die kriegM- renden Parteien als Sachwalter ihrer eigenen Interessen vorgeschickt haben. England ist durch Versprechungen an Griechenland gebunden, wach? reich sich Frankreich in. intime Verhandlungen mit Mustapha Kemal Pascha, dem Führer der Angorapartei, eingelassen Hai. In der letzten Zeit ist allerdings ein gewisses Abflauen des Interesses Frankreichs für seinen türkischen Schützling zu beobachten geweesn. Es gibt näm­lich in Parts gewisse Kreise, dte der Airsicht sind, daß die Energie, mit der vonseiten der ftanzöst- schen Regierung die Erledigung des Repara- tiousprobloms betrieben würde, erheblich untc? den Orientwirren, insbesondere unter den Aus­einandersetzungen mit Großbritannien zu leiden hätten, und General Pells soll jüngst dem Grotz- vesir rund heraus zu verstehen gegeben haben, daß Frankreich nicht in der Lage sei, weiterhin seine Lübensintereffen am Rhein seine Shmpa- thien für die Türkei zu opfern und daß daher K«ank-.^-ch nickts anderes übrig bleiben werde, als den englischen Einflüsterungen nachzugebeu und sich an einer gemeinsamen Unternehmung der Mächte gegen die Türkei zu 'beteiligen, sodaß Mustapha Kemal Pascha mit der sofortigen An- ncchme der interalliierten Ftziedensvorschläge oder, im andern Falle, mit einer Verschärfung des Sevresvertrages und der völligen Ver-' ireibung der Türkei vom Bosporus zu , rechnen haben würde. Kemal Pascha fM aller­dings den General haben wissen lassen, daß die tiirftschen Nationalisten eine solche Gesiiinungs- 1 änderung. sofort mit einem Angriff auf die französische Zone in Syrien beantwor- , ten würden, eine Auskunft, die wohl doch in Pa- ' rts zu denken gegeben hat.

Man dürste in der Annähme nickt fehlgehen, ' daß diese Vorgänge nicht ohne Einfluß auf die ; neue Einstellung der Athener Regierung zur Konstantinopeler Frage geblieben sind. Es ist allerdings richtig, daß in der letzten Zeit auch 1 in dem Verhältnis zwischen Griechenland und dem englischen Protektor eine ge­wisse Abkühlung zu beobachten gewesen ist, aber sie dürste kaum den gleichen Grad erreicht ha­ben. wie der. den man in den französisch-türki­schen Beziehungen wahrnehmen konnte. Man hat natürlich in London längst begriffen, day den Sympathien gegenüber Griechenland gewisse Grenzen gezogen sind. Gerade die Vorgänge in Aegvptcn und Indien in den letzten Monaten haben deutlich erkennen lassen, daß die moham­medanische Welt innerhalb des brittschen Reiches die türk enfein bliche Haltung der Lon­doner Regieruna «irrt g lern gültig hingen ommen hat, und wenn England dieser Entwicklung nicht eine Richtung geben will, die für seinen Bestand unter Umständen höchst verhängnisvoll werden könnte, so muß es zumindest eine sehr vorsichtige Politik treiben, die es nicht mehr in demselben Masse bloWellr, wie bisher. Es kann daher Downing Street nur angenehm sein, wenn sich setzt auch Frankreich bei den Mohammedanern etwas toemger beliebt macht und England da­durch einen Teil der Verantwortung für alle möglichen Folgen abgenommen wird.

Die diplomatische Lage für Griechenland «st also, alles in allem genommen, keineswegs schlecht, und man kann auch nicht annehmen, daß eS jetzt in einer so bestimmten Form die Kon- siantinopel-Frage aufroffen würde, wenn es nicht seiner Sache ziemlich sicher wäre oder we­nigstens wenn es nicht in der Lage wäre, die diplomatischen Kräfte hüben und drüben richtig abzuschützen. Dor allem auch ist damit Frank­reichs Stellunguahnre herausgefordert und dadurch wird die Vermutung gerechtfertigt, daß. wer auch immer die eigentlichen Drahtzieher der neuen Verwicklung sein mögen, es barmtf abgesehen ist. eine endgültige Bereinigung der Meer.

Die gestern mittag überreichte deutsche Note beschäftigte sofort den französischen Miuisterrat. Roch gestern übergab P o i n r a r ö dem deut­schen Geschäftsträger eine Antwort, worin es heißt: Ich stelle mit Bedauern fest, daß diese Antwort nicht die in meinem Briefe erbetenen Zusicherungen enthält. Me französische Regie­rung hat ein Recht zu verlangen (?), daß vor dem 5. August mittags die Versicherung ge­geben wird, daß bis die unumgänglich nötige Einstimmigkeit für eine Abänderung erlangt sein wird, das Abkommen von zivei Millionen Pfund Sterling am 15. August erfüllt und die Summe bezahlt wird. Wenn diese Zu­sicherung nicht gegeben wird, hat die französische Regierung das Recht (?), um die Ausführung des Abkommens zu sichern, die Zwangs­maßnahmen zu ergreifen (!), die sie im In­teresse sowohl der eigenen Staatsangehörigen als ver Untertanen der übrigen verbündeten Mälrt.> für nötig erachtet. Diese Maßnahmen Werder« am 5. August zur Ausführung gebracht, so wie ich bereits mitgeteilt habe und die sranzö- sische Regierung glaubt nicht, daß sie es nötig hat, bereits jetzt den Plan bctynirt n neben he» sie hierfür «mögenrbeitet hat. Während dieser Vorbehalt über den Inhalt der Rote vom 1. Angnst gemacht wird, bemerkt die Regierung der französischen Republik lediglich, daß die deut­sche Regierung keinerlei Anflren- g » ngen macht (?), nm die Zahlung der Sum­men zu sichern, die seitens wirklicher Schuldner d. h. deutscher Privatleute, an die alliierten Ausgleichsämter abznführen sind, wobei bemerkt wird, daß diese Privatleute nach allen Auskünf­ten. die uns zugekonrmen sind, durch ihren An­kauf von AuslandSdevifen für den gegenwärti­gen Sturz der Mark mit verantwortlich sind. (?)

diesem Bestreben wird Bayern auch von Baden und Württemberg uuterHützt. Die Antwort Bayerns läßt zu weiteren verföhnli- cken Verhandlungen alle Wege offen. Der Brief des Reichspräsidenten hat in Bayern einen guten Eindruck gemacht. DaS Ergebnis der Beratu«lgen wird unmittelbar den Koali­tionsparteien vorgelegt werden. Man rechnet mit einer Erweiterung der Koalition und auch der Regierung durch Ausnahme der Bayerischen Mittelpartei. An dem baldige,« Zustandekommen der Koalition ist nicht zu zweifeln. Dem Eintritt der rechtsstehenden Mittelpartei" wird allerdings in Berlin mit Besorgnis entgegengesehen.

England ist pessimistisch.

London, 2. August. (Eigene Droht Mel­dung.) In maßgebenden politischen Kreisen Englands fleht man der Zukunft recht pcssimi- iisch entgegen. Die Verzögerung der KabineitS- bildnng in Italien ist Lloyd George ganz gele­gen gekommen, da sie als girier Grund anznsehen war, die Londoner Konferenz noch um einige Zeit zu verschieben. Lloyd George hat versucht, die «hm zur Verfügung stehende Zeit gut anszn- nutzen, aber ohne großen Erfolg. Man glaubt hier nicht, daß die Konferenz vom 7. August in der Reparationsfrage schon eine Entschei­dung bringen wird, besonders nicht deshalb, weil die Bereinigten Staaten wiederum nicht offiziell teftnehmen wollen und auch wei­teren Anleihen an Europa nicht geneigt scheinen.