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Nummer 175.
Fernsprecher 951 und 952
Sonnabend, 29. Juli 1922.
Fernsprecher 951 und 952
12. Jahrgang.
Verhandlungen zwischen Nord und Süd.
Re. des der
geht daher mit äußerster Energie vor, um einer WirtsckastskatastroWe vorzubeugen, und hat Militär und Streikbrecher zur teilweisen Ausrechterhaltung des Betriebes herangezogen. Mit welchem Erfolge, wird die nächste Zukunft lehren. Einstweilen hat sich jedoch der Bevölkerung die allergrößte Nervosität bemächtigt, weil man erst jetzt zu begreisen beginnt, was dieser Riesen- streik für dar Land zu bedeuten hat...
wird. GS verlautet, daß die bayerische gierung beabsichtigt, die Entscheidung ReichSgerichtS gegen die Erklärung Reichsregierung anzurusen.
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Einigungs-Bemühungen.
die ersteren dicht beieinander liegen und den großen Eisenbabngesellschvsten gehören, während die BraunkMenwcrke über große Gebiete zerstreut sind und infolge einer außerordentlich dichten Besiedelung an großer Arbeitslosigkeit leiden. Die Folge dieser VerhAtniffe ist, daß die Steinkohlcnarbeiter in und für sich weit besser bezahlt sind als die Braunkohlenarbeiter. Letztere streben deshalb in der Hauptsache weniger auf Sohnverbesserung als auf Garantierung einer Mindestarbeitszeit, wett sie aus diese Weise der großen Arbeitslosigkeit Herr zu werden hoffen. Bei den Steinkoblenarbeitern handelt es sich dagegen um reine Lohnerhöhungen, die die Unternehmer nicht bewilligen wollen, weil sie die Ansicht vertreten, daß die allgemeine Wirt- schastslage eine Herabsetzung der Löhne not- wendig mache.
Dies sind die sachlichen Gegensätze, zu denen noch persönliche Differenzen aller Art kommen. So wird den Unternehmern von seifen der Ge- loerkschast Vertragsbruch vorgeworfen, weil vor Ablauf der letzten Verträge zwischen Zechenbesitzern und Gewettsckaft neue Vereinbarungen getroffen werden mußten. Während sich die Anthrazitwerke an dies« vertraglich« Bestimmung gehalten haben, kehrten sich die Braunkohlenbesitzer nicht daran, weil sie angeblich mit Rücksicht aus die schwankenden Preisnotierungen überhaupt nicht mehr in d«r Lage seien, gleichmäßige Verträge für das ganze Land ochzuschließen. Durch die bereits erwähnte Verquickung der lnthrazitwerke mit den Eisenbahngesellschaften 'onnte es nicht ausbletben, daß der Streik auch üf die Eisenbahner Übergriff. Auch bei ihnen mdelt es sich um die Frage: Lohnerhöhung >?r Lohnabbau. Durch den Eintritt der Eisrn- ghner in die Bewegung hat die ganze Dnge- i -genheit natürlich eine außerordentliche Vec- ■fv>rfimg erfahren, denn nunmehr können die >.och vorhandenen Kohlenvorräte nicht einmal mehr im Lande verteilt werden. Die Regierung
Amerikas Sorgen Die großen Ausstände.
Die Hoffnungen, daß der Bergarheiterstreik in den Vereinigten Staaten durch Die Vermitt- lungsaküon des Präsidenten Harding in absehbarer Zeit beigelegt werden könnte, haben sich nicht erfüllt. Sticht weniger als 600000 Bergarbeiter stehen im Streik und außerdem 400000 Eisenbahner, so daß die Kohlenversorgung auf einen äußerst kritischen Punkte angelangt ist. I« der Eisen- und Stahlindustrie schrumpfen die Bestände an Heizmaterial bedenklich zusammen, und gelingt es nicht, englische Kohlen in genügender Menge zur Ergänzung herbeizuschaffen, dann ist eine schwere Wirtschaftskatastrophe nut unausbleiblichen sozialen Erschütterungen nicht zu vermeiden. Das Schiffahrtsamt hat bereits Vorkehrungen getroffen, um eine Flotte von vierzehn Schiffen nach Wales zu entsenden, wo sie durch eimmddreißig britisch« Fahrzeuge ergänzt werden sollen, um aus diese. Wiese Die Einfuhr von 500 000 Tonnen im Monat nach den Vereinigten Staaten zu ermöglichen.
Zunächst hat sich Die Oessentlichkeit mit den Ausständen im Bergbau nur wenig beschäftigt. Diese Gleichgültigkeit war offenbar darauf zurückzuführen, daß zahlreich« Bergarbeiter nickt organisiert sind und Streikarbeit leisten, ferner daß große Kohlenvorräte im Lande , vorhanden waren, die den Bedarf der Industrie und der Haushaltungen sicherstellten. Man rechnete auch zuversichtlich damit, daß Die Streikkassen,^iach dem der Ausstand bereits mehr als sechzehn "Wochen gewährt hat, sich, sehr bald erschöpfen
Kein Zahlungsaufschub.
Berlin, 28. Juli. (Privattelegramm.) Die Entscheidung über das deutsche Moratoriumsgesuch für die auf Konto der französischen Privatforderungen zn leistenden monatlichen Raten ist negativ ausgefallen. Die Vertreter der alliierten Komisfion haben in ihrer Nachmittagssitzung einstimmig beschlossen, auf das Stundungsqesuch nicht einzugehen und Deutschland an die im Abkommen vom 10. Juni 1921 bestimmte Mora- tmcir s, Abzahlungen von zwei Millionen
Berlin, 23. Juli. (Privattelegrmmn.) Reichs- ernährungsminister Fehr begibt sich am Sonn- tag nach München, um seine EinigungSbemüh- ungen zwischen Berlin »nd München fortzu- feijen. Der ReickSanzler empfing Donnerstag Den bayerischen Gesandten von P reg er und ''väter den Abgeordneten Hermann Müller. Wie verlautet, hat sich der Kanzler im jetzigen Studium des Konfliktes mit München gegen sen sokottigen Zusammentritt des Reichstages ausgesprochen. — Eine Veröffentlichung des Schreibens des Reichspräsidenten an Graf Lerchenfeld ist nach Verständigung mit der bähe» rischen Regierung für heute abend geplant.
Vvltttt 6er Gewerkschaften.
Berlin, 26. Juli. (Privattesegrarnm.) Im Berliner Gewerkscha^Stag wurden am Donners- tag die Besprechungen über eine GrwerksMttS- aktion gegen Bayern fortgesetzt. Zu einem Beschluß ist eS infolge größerer Widerftänd« tn- nerhalb deS Kartells nicht gekommen. Man einigte sich schließlich, die weiteren Beratungcir xu vertagen, bis Maßnahmen deS Reiches gegen Bayern erfolgt seien.
Die Londoner Konferenz.
Pvinearö ist z« Verhandlungen bereit.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 28. Juli.
An amtlicher französischer Stelle wurde gestern abend erklätt, die letzten Abmachungen über die Reise Poincarös werden in London getroffen werden. PoinrarS habe auf die letzten engli- schey Eröffnungen geantwortet, er werde nach London kommen, sobald es dem englischen Pre- mier angenehm sei und überlasse es Lloyd George zu bestimmen, ob zunächst eine ausschließlich französisch-englische Aussprache stattfinden soll, oder ob Italien und Belgien gleich hinzuzuziehen seien. Die franzöfische Regierung ermatte einen dementsprechenden Bescheid aus London. In hiesigen französischen Kreisen rechnet man ernstlich mit der Möglichkeit, daß Lloyd George die Hinausschiebung der Londoner Unterhaltung doch bis September herbeiführt.
gen wären, an ihre Arbeitsstätte zuräckzukehren. Diese Zuversicht hat sich, wie erwähnt, nicht be- ftätigt. Achnlich wie in Deutschland, wo allgemein wirtschaftliche Erwägungen durch parteipolitische Forderungen häufig in den Hintergrund gedrängt werden, hat die amerikanische Bergarbeitergewerkschast irgend Welche Rücksichten aus die Konkurrenz säht (Mt der amerikani- scheu Industrie nicht anerkannt, sondern vielfach Lohnforderungen gestellt, die die Rentabilität der Unternehmungen in Frage stellten. Das war besonders deshalb mißlich, weil die Ver- bältnisse im amerikanischen Bergbau je nach Art des Betriebes und Lage des Distriktes ganz und gar verschieden liegen. Eine weitere Erschwerung aber beruht in der Ungleichmäßigkeit der OrganisationeW der Arbeitnehmer, die sogar eine der Hauptursachen der gegenwärtigen Streikbewegung ist. Di« Gewerkschaft der Bergarbeiter, die United Mine Workers of America, nahm nämlich das Recht für sich in Anspruch, bei ihren Forderungen gleichzeittg im Namen der Nichtorganisierten zu verhandeln, was aber die Unternehmer ablehnten.
Eine weitere Komplizierung der 'Sachlage besteht darin, daß die Forderungen der Steinkohlenarbeiter uni) der Braunkohlenarbeiter völlig von einander verschieden sind. Die Stein- kMenbergwerke sind nämlich in weit geringerer Zahl gegenüber den Braunkohlenbergwerken. Beide unterscheiden sich auch noch dadurch, daß
Bayern und bas Reich.
Die Neigung ,« ruhigen Verhandlungen. (Privat-Telegramm.)
Berlin, 26. Juli.
Die ruhige Haltung der Reichsregierung, sowie die sachliche Behandlung der Angelegenheit deS KonfiMes mit Bayern durch das Reickska- binett hat in gewissen Kreisen der bayettschrn Bevölkerung, wie von linksstehender Seite gemeldet wird, Eindruck gemacht. In Nordbayeru ist, wie die Kundgebung des Nürnberger Stadtrates zeigt (?) die Haltung der Bevölkerung gegen die bayerische Regierung gerichtet. Man wünscht auf alle Fälle einen Konflikt mit der Reichsregierung zu vermeiden und erwartet von Der bayettfchen und von der Reichsregierung, daß sie alles tun, um den Konflikt beizulegen. Diefe Stimmung greift auch, veranlaßt durch die Vermittlungsversuche in Augsburg Platz. Die bayerische Regierung wird zu einet
Arbeiter schon dadurch gezwun- Sitzung zusammeutreten, in der sie sich mit der Kundgebung der Reichsregiernng beschäftigen
Pfund, d. h. vierzig Millionen Goldmatk als gebunden zu erflären.
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Die Finanzkontrolle.
Rotterdam, 28. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der „Courant" meldet ans Patts: Die Repa- rattonSkommifsion hat alle Entscheidungen aus- nesetzt. um die Aussprache Lloyd Georges mit Poinearü abzuwatten. In der DonnerstagS- sitzung erstattete Dubois Bericht über eine Ausdehnung der Finanz-Kontrollvorschristen aus die deutschen Bundesstaaten.
Beratungen im Kabinett.
Keine Einberufung deS Reichstags.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 28. Juli.
Das Reichskabinett ist gestern nachmittag un- ter dem Vorsitz des Reichspräsidenten zu einem Minifterrat zusammengetreten. Dieser Minl- sterrat wird voraussichtlich die endgültige Entscheidung über die Maßnahmen der Reichsregie- rung in der bayerischen Frage bringen. Während man früher geneigt war, von einem Eingreifen deS Reichspräsidenten Abstand zu nehmen, und die Entscheidung lediglich zwischen dem Eingreifen deS Reichstags und dem Anrufen deS Reichsgerichtes lag, ist in letzter Zeit, besonders veranlaßt durch die Rede deS Ministerpräsidenten Lerchenfeld, wieder der Gedanke, den Konflikt durch eine Verordnung des Reichspräsidenten zu lösen, in den Vordergrund getreten. Die Einberufung des Reichstages muß als unwahrscheinlich gelten, da der RttchstagsprSfldent Loebe sich dagegen ausgesprochen hat. Er hält die Einberufung des Reichstages im Augenblick für wenig geeignet und weist vor allem auf die Schwierigkeiten hin, die eS machen würde, gerade in der jetzigen Sommerferienzeit fo viel Abgeord. uete zusammenzurufen, daß der RttchStag auch wirklich möglichst vollzählig zusammentreten könnte. Das Kabinett wird also zwischen einet Verordnung des Reichspräsidenten und der Anrufung des Reichsgerichts zu entscheiden haben.
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Süddeutsche Staatspräsidenten.
Stuttgart, 28. Juli. (Privattelegramm.) Der württembergiscke Staatspräsident Hiebet, der badische Staatspräsident Hummel und der hessische Staatspräsident Ulrich treffen zu einer Besprechung zusammen, in der sie die durch das bayrische Vorgehen geschossene Lage in ihrer staatsrechtlichen Bedeutung für ihre Länder besprechen werden. Die Staatspräsidenten sowie die Regierungen Wütt- tembergs, Badens und Hessens stehen, wie bereits festgestellt werden kann, voll hinter der Haftung der Reichsregierung.
Amerikanische Kohlennot.
England als Lieferant für Amerika.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 28. Juli.
Infolge deS SBergarbeiterftreilS in Amerika arbeiten jetzt die Kohlengruben in England mit vermehrtet Belegschaft, da aus Amettka große Bestellungen auf Kohle eingegangen sind. Amerikanische Unternehmer haben dreihunderttausend Tonnen Kohle bestellt unter der Bedingung, daß diese Kohlen sofort gelie- fert werden können. DaS amettkanische Schiff- fahttsamt hat ferner Dampfer mit einem Schiffsraum von 500 000 Tonnen für den Transport von Kohlen von England nach Amerika bereitgestelli. Man nimmt an, daß die Amerikaner sich darauf vorberttten, monatlich zwei Millionen Tonnen britischer Kohle zu kaufen, von denen etwa die Hälfte a«8 Süd-Wales Tom. men wirb. Die Amerikaner haben auch versucht, schottische Kohlen zu bekommen, hoben aber keine Bestellungen aufgegeben, weit die schottische Kohle für Amerika zu teuer wat.
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Schutz 6er kArbeitswilllgen.
Newyork, 28. Juli. (Eigene Drohtmel- düng.) Präsident Hatding enthob infolge des andauernden Bergarbeiterstreiks die Kommfffion, die mit der Kohlenvettttlung betraut war, ihres Amtes. In verschiedenen Bergwerken versuckst man, die Arbeit wieder aufzunehmen. Zum Schutze der Arbeitswilligen wurden Schutztruppen itt die Bergwerke gesandt. Die Streikenden versuchen die Dockarbeiter für sich zu gewinnen, um die Ausschiffung der englischen Kohle M verhindern. Zum Berkaus und tut Verteilung der Kohlen ist Vorsorge getroffen.
Berliner Rundfahrt.
3m Brennpunkt des Fremdenverkehrs.
Einer unserer Mitarbeiter, der schon Wiederholt In unsere» Zeitung das Leben und Treiben in» modernen Berlin beleuchtet hat, sithrt un« in den nachfolgenden Zeilen an den Mittelpunkt desFrcmdenverkehr« VerReichötzauPtstad» „Untern Linden.. untern Linden gehn spa- ziern die Mägdelein- summt es in einem Berliner Operettenschlager. Jetzt ist unter den Linden der internationale Fremdenbetrteb in Schwang. Neben dem Kaffee Bauer Wurde, ohne Dach und Hall« der Freiluft-Zentralbahnhof für Fremden- rundfahrten eingerichtet. Man muß diekes ®e* trübet an einem schönen sonnigen Morgen —'1 es gibt auch solche in diesem tränenreichen Sommer — gesehen haben. Von neun Uhr an fahren die Rundreise-Äutos vor. Das eine hat den Ehrgeiz Fernbahn zn spielen, denn es hat Pots, dam zum Ziel, das andere ist so eine Ott Stadt- bahn für die Fremden, weil es nur rund durch Berlin fährt. Beide Autos ähneln einem Schifssrumps, der auf Rädern ruht, und man wird das Bild eines bevorstehenden Staprllau- jes nicht los, solange die Wagen halten. Ein paar elegante, meist junge, föhnige Gestalten, bet eine und bet andere kann den früheren Offizier nicht verleugnen, warten dis ihre Stunde schlägt, bis sie die Sehenswürdigkeiten der Stadt, oie Reize der Mark erflären können. Chauffeure fitzen großartig an ihrem Motor. Schleichende Gestalten nähern sich den Wagen; schließen eine Kette etwas zudringlicher Anpreiser unwickti- bet Reiseandenken. Fliegendes Warenhaus bet Frvmdenindustrie, bunt von Ansichtskarten, halb entbreitet ftatteiuben Landkarten, Photographie- alben, sinMerlichen Dingen, auf denen Gruß vorr Bettin steht. Ramsch von Anno dazumal, da Reiseandenken nicht anders als verkitscht her. gestellt wurden.
Ein Hotelportier streckt großartig seinen Armin das schwirrend« Bild. Menschen in Reise-, anzügen erklettern, ausgepumpt mtt der erwar- tungsvollen Spannung wie man sie immer in fremden Städten empfindet, die den Gast wohlig umarmenden Ledersitze. Mr jeden hat das Be- qleitpettonal der Autos irgend eine aus Dem Mrasenschatz des Herkömmlichen losgelöste. Persönlich gefärbte Ansprache. DaS ist die Kunst dieser Begleitmannschaften, daß sie zu individualisieren versteht. Natürlich wird jeder Gast in seiner Muter sprach« angeredet. Das Personal hat einen fast unfehlbaren Blick für Nationalitäten. Und eS spricht die fremden Sprachst nicht nur, eS beherrscht sie auch. Am besten, am reinsten, ganz konversationsmäßig das englische. Etwas zögernd, vielleicht auch etwas reserviert, wird französisch geredet. Und die Nasallauts zeugen dafiir, daß das Berliner ongh und angh unMerwindlich ist. Italienisch geht etwas schleppend, und ein Universal-Slawisch ist für Russen, Tschechen nnd Polen zurecktfixtert. Kurz vor der Abfahrt wandern die Rundfahttenbe- gletter durch die Kaffees ttngsum. Mahnen die Fremden zum Einsteigen. Ein Amerikaner, ganz und gar Gentleman, bittet mit vollendeter Gebärde den Erklärer, zum Tisch seiner Landsleute, stellt ihn vor, benimmt sich durchaus gesellschaftlich. Nickt nur, wetz er In dem ;vnu p-resario den früheren Offizier wittern könnte, sondern weil man eben in Amerika aus der Haut des guten Benehmens nicht heraus kann. Kellner schwirren an, kassieren. Sprechen fast mtr englisch. Gucken jeden Berliner, der Kaffee mit Ton ans dem a und Kuchen bestellt, mitleidig an, haben mir Sinn, Ohr, Auge für ihr« Engländer und ihre Amerikaner, mit denen sie vollkommen englisch spoken, als hätten sie nte Spreewasser gesehen. Kaffee mit Kuchen! DaS sind sie von neun dis zehn Uhr morgens nicht gewohnt. Diese Sttmde gehört Ham and eggs. iEier auf Speck). ALeS Übrige wird nur unter Protest serviert.
Bevor man absährt, gibt? noch zwei kleine Zwischenfälle, einen den nur ein Aufmerksamer merkt, und einen andern, den alle gewahr werden. Tas erste Intermezzo besteht darin, daß ein sehr aufgeregter Herr im Strobihut und Nankinghose wie von der Tarantel gestochen herutw- fckießt und die Begleitmannschaft der Rund- fabrautos recht unzart anvustet. Da sei noch ein Platz frei — und dott auch einer und das sei eine unerhörte Wirtschaft! Wozu hübe ich Euch denn, wozu bezahle ich Euck» denn! Das ist der Herr Unternehmer. Er kriegt nickt genug. Obwohl jede Fahrt fass täglich zwei und dreimal gemocht werden muß. In diesem internationa- fen Bild Witten nur zwei Erscheinungen nid# international. Tas ist die gaffende Meng« und der tobende Herr Unternehmer. Der Wirft nicht mal deutsch, sondern nur berlinerisch. DaS zweite Intermezzo ist denn dieses;, der Reisebegleiter erhebt sich int Wagen und bittet zuerst tn deutscher Sprache, dann englisch, französisch unv wenn es die Zusamensetzung der Gäste erfordert auch noch in einer anderen Sprache., nach links zn schauen, wo ein Photograph postiert ist. der die gante Gesellschaft abknipst. Bei der Rückkehr werden die Bilder fettig sein. Ein hübsches An-