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Nummer 166

12. Jahrgang

Mittwoch, 19» Zuli 1922

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 und 953

Das Ende öer Nathmau-Möröer

360

erbitterter Kamps.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 18. In».

Die Kasseler NeuefteuNachrichten erscheine»wSchentltch sechsmal und zwar abends. Der AdonnementSpreir beträgt monaMch 37. Mark bei freier Zustellung in« Hau«, in der TeschLftSstelle abgeholt 35. Mark monatlich. Auswärts durch die Poft bergen 37. Mark monatlich etnfchl Zustellung. Bestellungen werden jederzeit entgegengenommen. Druckers«, «erlag und Redattion-. Schlachthofstratz« 28M. Für unverlangt eingesandte Beiträge kann die Redattion «ine Verantwortung oder Oewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des BezugSgeldeS oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnüngsmästiger Lieferung ausa«schloffen.

schäft die Deutsche Bolkspartei drängt. Die Rr- britsgemeinschaft der sozialistischen Parteien stöbt auf ernste Schwierigkeiten. Nachdem die Meür- hcitssozialisten in ihrer FraktionS-Mhung vom Montag die Erweiterung einer Regierungskoa- lition nach rechts gegen drei Stimmen abzuleh- neu befttstossen haben und die Fraktionsgemein, schast mit den Unabhängigem abgelehnt hatten, richteten sie an die Unabhängigen folgende drei Fragen, die für die Frage der Arbeitsgemein­schaft als Grundlage dienen sollen: 1. Wie ver­haltet Ihr Euch zur Frage des Eintritts eines Mitglieds der Deutschen Volk spartet in die Re- gierung? L Seid Ihr mit der Vertagung der Regierungsumbildung bis zum Herbst einver­standen? 3. Wie steht Ahr zur Frage der Reichs- tagsauflösu ig? Die Unabhängigen beschäftigten sich gleichfalls in einer Fraktionssitzung mit der Frage der Arbeitsgemeinschaft. Sie sckfcinen auf ihren Eintritt in die Regierung keinen unbeding- ten Wert mehr zu legen. Dir Nachrichten von den Parteileitungen der U. S. P. ans dem Reiche, die sich fast alle gegen eine Arbeitsgemein- schast mit der SS. P. D. aussprechen, haben ihren Eindruck auf die Fraktion nicht verfehlt. Damit hat auch die Idee der Arbeitsgemeinschaft inner­halb der unabhängigen Fraktion verloren. Die wichtigste Frage für die Unabhängigen bleibt die Gestaltung des Schutzgesetzes.

Die LlnadbLnölgen.

Berlin, 18. Juli. (Privattelcgrmnm.) Die Unabhängigen haben gestern rrachmittag, wie verlautet, folgendes beschlossen: Die von der S. P. D. angebotene Fraktionsgemeinfchast ist für ihre» Parteitag zurückzustellen Gegen die Der- lagnng der Regierungsumbildung keinen Ein­bruch zu erheben. Trotz aller schweren Beden­ken den Gesetzen zum Schutze der Republik zu- ,ustimmen. An den Reihen der Unabhängigen befanden sich zahlreiche Gegner des Gedankens. Durch den Beschluß der Unabhängigen, für die Gesetze zum Schutze der Republik zu stimmen, ist die verfassungsmäßig erforderliche Zweidrittel- Mehrheit nunmehr gesichert. Für die Gesetze stehen nunmehr von der Deutschen Volkspartei

3nfettt»n»pr«ife-. *> Einheimische Auftrag«: Dt« einspaltige ««zeigen,eite M. <., tote einspaltig« R-!lame;elle M. 11,. b) Auswärtige Aufträge: Die einspaltige Anzeigen,eil« M. 4., die einspaltige Reklame,eile M. 11., alles einschließlich Teuerungszuschlog und An^igensteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Für di« Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegedeneu An,'eigen, sowie für Aufnahme- boten und Plätze kann «ine Bewähr nicht übernommen werden, Druckerei: Schlacht- Hofstraße «/za. Se'chäfrsftelle: Kölnische Straße 5. Telephon Nummer »51 und 952.

Wie sich der Kampf wischen den Parteien der Linken und der Rechten, zwischen Pilsudski und Korfanty weiter abfpieken wird, laßt sich noch nicht klar übersehen. Am übrigen handelt es sich bei dem Kabinett ohnehin nm ein Proviso­rium; denn im Herbst sollen die R e u w a h - len stattfinden, die angesichts der tiefgehenden Erbitterung zwischen rechts und links zu einem

Polens Kabinett.

Fortsetzung der deutschfeiudltchen Politik.

bis zu den Unabhängigen gerechnet rund auf 409 Stimmen zur Verfügung.

politische Wetterwatte.

Entspannung im ReichStagk

Die chronische R e gierun gskrisis in Polen hat eine-.Lösung" gefunden, durch die sie nicht beseitigt, sondern vielmehr erst recht akut wird. Seitdem der Staatschef P i l s u d s I i vor mehr als vier Wochen das Kabinett P o n i. k ow s k i zu Fall brachte, weil ihm die auswärtige Politik des Ministerpräsidenten und des Außen­ministers Skirmunt zu ergebnislos und weil er vor allem über den ausgeprägten Mißerfolg auf der. Genueser Stornierens entrüstet war, hat man es mit einer ganzen Serie von Kandidaturen von Skulski bis zu Przauotoski versucht, unter de­nen übrigens auch Korfanty war, der zunächst keinen Anklang fand. Nachdem man alles durch- probiert hatte, gab Pilsudski das Rennen auf und überließ die Ernennung des Ministerpräsi­denten dem Sejm, wobei der zähe Korfanty mit der knappen Mehrheit von 219 Stimmen der Rechten gegen 206 der geschlossenen Linksvppo- sitton durchs Rennen ging. Die Wahl Kor­fanty s, der es vom deutschen Reichstags- «bqeordneten und fanatischen Agitator jetzt glück- lich bis zum polnischen Ministerpräsidenten ge­bracht hat, bedeutet eine offene Kampf­ansage gegen die gesamten Oppositionspar­teien in Polen, gegen die nationalen Minderdei- len (die deutsche Partei hat die Kandidatur für einen Schlag ins Gesicht der Deutschpolen er­klärt und endlich auch gegen den Staatschef Pss- sudski. Am Rennen der deutschen Vereinigung im Sejm gab der Abgeordnete Hasbach folgende Erklärung ab:Ich bedauere, mein Bestemden darüber feststellen zu müssen, daß es noch im Seim Abgeordnete gibt, die nicht verstehen kön­nen, daß eine Kandidatur Korfanchs für die Minderheit direkt ein Schlag ins Gesicht ift*

Die sozialistische Fraktion, aus der der Staatschef PilsudSki hervorgegangen ist, hat be­reits erklärt, daß »die Aufrechterhaltung des par­lamentarischen Zlksammenwirkens zum Kampfe gegen die Reaktion unerläßlich« sei, und sowohl Pilsudski als auch die Oppositionsparteien be­streiten die verfassungsmäßige Zulässigkeit der Ernennung des Ministerpräsidenten durch das Parlament gegen den Willen des Staatschefs, welch letzterer denn auch bereits die Risderleguna seines Amtes in Aussicht gestellt hat. (Polens Danziger Generalkommissar Pluzenski wird als einer der ailssichtsreichsten Kandidaten für den Nachfolger des polnischen Staatschefs Pilsudski genannt. Die Warschauer Linkspresse bekämpft bereits Pluzenski.) Das Kabinett Korfanty ist jedenfalls ein Kampfkabineti ausve- sprochenster Art, sowohl in innen- wie in außen- £ » Beziehung. Wenn man sich erinnert, b>a8 Korfanty den unerhörten Putsch in Ober- fchlesien inszeniert hat, und wenn man bedenkt, daß die Warschauer Regierung ihn damals we­nigstens offiziell fallen ließ, so muß man es als einen ungeheuerlichen Verstoß und Vorstoß be- rekchnen, daß dieser Mann jetzt an die Spitze des polnischen Staates berufen worden ist. Die Wir- mng der Ernennung dürfte sich auch bald fiihl- bar machen: denn eS liegt auf der Hand, daß die zurzeit schwebenden Verhandlungen über die Ausführung des deutsch-polnischen Ver­trages dadurch nicht erleichtert werden! Aber die berden Linksparteien in Polen befürchten überhaupt eine Erschwerung der auswärtigen ^Eük die sich für Polen ohnehin sehr ün- gunsiig gestaltet hat, wenn eine so ausge­sprochene Kampfnatur wie Korfanty den Ton

der Notwendigkeit, großzügige Hilfe zu leisten. Freilich sagen Viele: diese ewigen Sammlun« .gen! liebe Mitbürger, die Ihr Eure (Am

Selbftmvkö auf Burg Saales.

Bad Kvsen, 18. Juli. (Prioat-Telegramm.) Gestern abend wurden durch mehrere Kriminalbeamte auf der Burg Saaleck die beiden Attentäter auf Rathenan, Fischer und Kern, ermittelt. Als die Polizei zur Festnahme schreiten wollte, fluchteten sie auf den Burgtnrm, wo sie sich erschossen. Die Polizei hatte, wie wir weiter hören, die Burg schon um 3 Ahr umzingelt, sodaß an ein Entkommen der Mörder nicht mehr zu denken war. Gegen 7 Ahr abends rammte man das Tor, um die beide« Mörder aus dem Turm zu holen. Als die Beamten die Treppe hinausstürmteu, rief einer der Tater ihnen entgegenIhr Feiglinge", worauf unmittelbar z w e i S ch ii s s e fielen. Bei Oeffnung der Tür fand man die berden Tater in ihrem Blute schwimmend. Beide waren tot. Der Bewohner der Burg befindet sich augenblicklich auf Reisen. Wie bekannt, ist die Burg Saaleck der Oeffentlrchkeit nicht zugänglich.

ganz besonders heftigen Wahlkampf führen dürf­ten, zu einer Kraftprobe zwischen Pilsudski und Korfanty. Tie Kriegskosten wird das po- litisch zerrissene, wirtschaftlich schwache, finanziell zerrüttete polnische Staatskunstprodukt ttagen, das von Krise zu Krise immer mehr abwärts schreitet. Dr. P-k.

Die Otot der Rentner.

Fürsorge von Hilfswerk und Rentnerbund.

Trotz mehrfacher Hinweis« auf diese Vev einigimg zu Gunsten der durch die steigenden Presse in Rot Geratenen scheint bei vielen Mit­bürgern noch nicht das richtige Verständnis für diese Vereinigung von zwei Wohlfahrtsunter- nehmen aufgegangen zu fein. Tenn die Zahl der Beitrittsmeldungen und die Höhe der einmali­gen Spenden entsprechen noch durchaus nicht

Das teure Bauen.

Wie lange wird man noch bauen können k Wit Entsetzen wird man gewahr, haft di« Lage auf dem Baumarkt Immer schwierige» wir». Wenn es nicht möglich ist, das Dänen au erleichtern und zu beschleunige«, kann di« Wohnungsnot nie beseitigt werden. Hebei» dieSiedlungStätigkeit schreibt manFolgendeO Wir müssen siedeln oder untergehen!" Die­ses kl! ge Wort hat jetzt mehr Geltung denn je. Der Siedlungsgedanke muß belebt werden in einer Zeit, da es nicht nur gilt, Hunderttausend den ein Dach über dem Kops zu schassen, sondern dazu auch nrinbeftenS ebensovielen Stadtmüdcn den Weg zur ernährenden Scholle zu ebnen. Als der Siedlungsgedanke vor jetzt etwa drei Jahren noch in den Kinderschuhen steckte und Baustofsmangel seine Durchführung illu­sorisch zu machen drohte, griff Siedlungsorga­nisator Detlev Sckmnde im mitteldeusschen Braunkohlengebiet in Vollste und anderen Or­ten nahe Magdeburg zu dem naheliegenden Mit­tel. die Kleinwohnungsbauten von den Siedlern mit ihren Familien aus den Zie­geln der auf r Abbruch preiswert erstandenen, unrentabel gewordenen Ziegeleien der Urngc- 1 (tertb zu errichten. Auch die unter Schmndes Leitung ausgebauten Siedlungen in den han- i noverschen und lüneburgischen Mooren verdan­ken einer Selbsthilfe ihre Entstehung. Jn- . zwischen haben sich die Verhältnisse grundlegend . geändert. Tas Kleinwohnungs- und Sied­lungsbauwesen konnte sich entwickeln und wurde ' dank einer Anzahl wertvoller Gesetzesmaßnah­men in den Stand gesetzt, sich

über ganz Deutschland nattirgemäß besonders über jene Gegenden, HK wichtige Rohstoffe für die Industrie entnommen werden, auszubreiten. Schon aber trat ein neuer Feind auf den Plan. Dem nach und nach abebbendsn Baustoffmangel folgte eine nicht we­niger siedlungsfeindliche Baustioff-Teue- r u n g, die in der Zeit zwischen Spätherbst 1921 und dem Beginn der diesjährigen Bauzeit sich bei der Durchführung des Kleinwohnungsbau­wesens als recht hemmend erwies, in den letzten Baumonaten jedoch geradezu einhaltgebietend. Wirkte. Auch jeder Nichssachmann wird ein weiteres Ansteigen der Preise auf dem Bau­markt Voraussagen können und dem Siedlungs- Wesen das Todesurteil sprechen müssen, wenn jetzt nicht alle Kräfte zu einer Rettung ange­spannt werden. Zahlen sprechen hier eine deut­liche Sprache: So betrug die Steigerung bei den meisten Baustoffen, wie auch die Ar­beitslöhne allein, in der Zeit von etwa Oktober 1921 bis April d. I. hunderssünszig bis zwei­hundert Prozent und mehr. Die Herstellung einer kleinen Wohnung mit siebzig Quadratme­ter Wohnfläche bei bescheidener Ausstattung er­forderte im Vorjahre noch etwa 80 bis 120000 Mark, heute aber bereits weit mehr als das Doppelte. Wenn man die Banstoffkostcn vom 1. Juli 1914 gleich 100 setzt, so ist bis zum 1. Juni d. Z.

eine Preissteigerung

aus etwa 8160 eingetreten. Die Höhe der Index» zssser wirft besonders niederschmetternd, wenn, wie die Ermittlungen der Sozialen Sautot rt- schaft" ergeben, die Baustoffpreise allein in der Zeit von Anfang Mai bis Anfang Juni, also in einem Monat, wieder unglaublich gesttegen sind. Nachdem mtnmehr durch die Novelle vom 18. Mai d. I. zum Wohnungsabgabegesetz die Landesdarlehen um das fünffache, die Gemein­dedarlehen auf die Sätze des Landesdarlehens, vorbebaltlich einer Ermäßigung bis auf ein Drittel erhöht werden, beträgt die gesamte Bei­hilfe zum Bau einer Wohnung im genannten Umfange bis zu 105 bis 126000 Mark. Unter diesen Derhältnissen wird es notwendig sein, >ie Siedlungsbauten noch mehr als bisher so parsam tote möglich durchzuführen, da jede E> iöhung des Beihilfesatzes eine Verringerung der Anzahl der unterstützten Wohnungs- bezto. Siedlungsbauten zur Folge haben würde. Was oll aber werden, wenn die Lage noch schlechter wird? Alles hängt von der deutschen Geldent­wertung ab, und diese kann nur bann einge- dämmt werden, wenn wir erreicht haben, daß das Versailler FriedenN>iktat geändert wird.

Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Die innerparlamentarische Lage hat auch ge- lern noch keine volle Klärung gefunden. In allen Fraktionen der bürgerlichen Mittelparteien wurde man sich über das Prinzip der bürgerlichen Ar­beitsgemeinschaft einig. Debet die Boraussetzun­gen und Bedingungen, unter denen die ArbeitS- glmeinschast in Erscheinung treten soll, schweben die Berhandlungen noch, insbesondere auch über die Teilnahme der Bayrischen Volksvar lei, auf deren Eintritt in die Arbettsgemein-

Die ArbettsgememMaft.

Die Vorgänge in den Parteien.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 18. Juli.

DerBerliner Lokalanzeiger" erklärt: lieber die angebahnte bürgerliche Arbeitsgemeinschaft von der Volkspartei bis zu den Demokraten ist zu sagen, daß sie marschiert. Indessen werden auch hier die letzten Bausteine in dem vorläu­fig von drei Säulen getragenen Bau, in dem vielleicht später als vierte Säule die bayerische Bolkspartei zugefiigt wird, wohl erst nach den großen Sommerferien eingeleitet wer­den. DasBerliner Tageblatt" veröffentlicht eine Zuschrift der Abgeordneten Marx, Dr. Stresemann, Petersen und Koch be- trefenb der Stellung der bayerischen Bolkspar- tet Es heißt in der Zuschrift: ES ist allerdings von Herrn Marx betont worden, daß die derzei­tige Einbeziehung der bayerischen Bolkspartei in die Arbeitsgemeinschaft angesichts der Stel­lung der bayerischen Volkspartei nicht tunlich fei. Stresemann betont ihm gegenüber, daß man nach Abschluß der jetzigen Verhandlungen we- gen des Gesetzes zum Schutze der Republik auch an die bayerische Bolkspartei herantreten will In der Auffassung, daß es sich bei der Arbeitsge­meinschaft nicht nm einen bürgerlichen Block ge­gen die Sozialdemokratie handelt, waren sich alle Beteiligten vollständig einig.

anzugeben hat.

Der flrupellose Agitator Korfanty ist nicht nur ein ausgesprochener Deusschenfcind, so daß unter seinem Recfime sich die Spannung «wischen Polen und Deutschen noch verschärfen dürfte, foitoern er tritt auch für eine offensive Po­litik gegen Sowjetrußland ein, gegen das er infolge des deutsch-russischen Vertrages von stärkstem Mißtrauen erfüllt ist. Dabei fehlt es dem voluischen Staatswesen an jeglicher*- ker^eckung für eine aggressive Politik, bis auf Bündnis mit Rumänien, denn die Kleine Entente hat auf die Anschlußbestrebungen Polens tue mcht mißzuverstehende Antwort aegeben: Polen und die Kleine Entente", das heißt man will Palen nur als Mitläufer gelten lassen" Nun erfreut sich Korfanty zwar der Sympa­thien desgroßen Bruders", nämlich Frank­reichs, dem er ja eine Art wirtschaftliches Pro­tektorat über Oderschkesien in die Hände gespielt hat; aber unter den Parteien der Linken in Po­len herrscht eine sehr bedeutsame, politisch viel­leicht nicht gering einzuschätzende Mißstimmung über die französische Vormundschaft, die den Po­len feinen entsprechenden Gewinn eingetragen habe.

Sturm gegen Korfanty.

Schwierige Lage in Polen.

(Privat-Telegramm.)

Warschau, 18. Juli.

Neue Forderungen unserer Feinde.

Berlin, 18. Juli. (Privattelegramm.) In par­lamentarischen Kreisen ist allgemein die Anschau­ung verbreitet, daß die Frage der Regierungs- nnänldung im Augenblick vor den neuen For­derungen der Garantie-Kommission, man spricht von geradezu ungeheuerlichen For­derungen auf dem Gebiete der Finanzkon- trolle, in den Hintergrund treten müsse. Nach einer Parifer Blättermeldung ist die deutsche Re­gierung feit mehreren Tagen damit beschäftigt, den Plan der Finanzkontrolle zu prüfen, der ihr von feiten des Garantie-Komitees vorgeleat wor­den sei. Roch ht dieser Woche wird der Plan mit den Bedingungen der Reichsregierung der Wie- dcra11nnam!trmc-f ommiffton zugehen. Dieser Plan enthalt die Kontrolle t der Ausgaben, 2. der Ein­nahmen, 3. der Statistik, 4. der tauf. Schulden.

Die Wahl Albert Korfantqs zum Mini­ster p r ä f i d e n t e n hat in der gesamten Linkspresse die lebhafteste Entrüstung hervorge­rufen. Die gewaltigsten Proteste, bei betten der Wunsch nach Revanche durchschwirrt, ertönen wie eine Alarmglocke und lassen die Situation außerordentlich schwierig erfdjeinen. So richtet *. B. imRobotnik" das Zentralkomitee der P. P. S. an alle demokratischen Baterlandsfreunde einen Appell, gegen die triumphierende Reaktion zusammenzustehen. Der Robotnik" schreibt: Polen hat bereits mehr als eine Regierung «nd verschiedene Minister ge­kannt, aber noch niemals eine derartige Provo­kation, wie sie das Kabinett Korfanty darstellt. Roch niemals hat die Demokratie eine solche Einstimmigkeit «. eine solche Einigkeit ge­zeigt, tois gegenwärtig, um ihre Entrüstung ge­gen das Kabinett Korfanty auszudrücken. Sie iS mehr als eine. Opposition, sie ist bereits ein