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Nummer 165

i Dienstag, 18» Juli 1922,

Fernsprecher »451 und 952

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Beratungen über die politische Krise

Lt« Staffeln Neueste« Nachricht«, erscheinen wöchentlich s«ch«mal und zwar abend». Der Abonnemenlsprei» beträgt monatlich 37. Mark bei freier Zustellung in» Hau«, ta der Geschäftsstelle abgeholt 35.Mark monatlich. AuSivärtS durch di« Post bezogen 37. Mark monatlich einschl Zustellung. Bestellungen werden jederzeit entgegengenommen. Druckerei, «iertag und Redaktion Schlachthofstrabe 28/30. Für unverlangt eingesandte Beiträge kann bte Redaktion eine Verantwortung ober Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgeldes Oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnüngSmäßiger Lieferung ausgeschloffen.

binett in feinem alten Bestand, so wird Reichs­kanzler Dr. Wirth das'Außenministerium nicht neu besetzen, sondern es neben dem Kanzleramt wciterführen. Ob überhaupt das Kabi­nett erweitert werdcil muß, ist eine Frage, die man an zuständiger Stelle gegenwärtig nicht unbedingt bejaht. Eine bestimmte Entscheidung werden die nächsten Tage bringen.

Die innenpolitische rage.

Besprechungen beim ReichsprLfidsk.cn.

(Privat-Telegrmnm.)

Berlin, 17. Juli.

Der Reichspräsident, der am Sonn­abend nach Berlin zurückgekehrt ist, hat die Füh­rer der Parteien einzeln empfangen und mit ihnen die Lage besprochen. Die parlamentarische Situation hat durch diese Besprechungen noch keine Klärung erfahren. Der Präfident empfing noch am Sonnabend nachmittag die Führer der Sozialdemokraten, des Zentrums, der Demokra­ten und der Unabhängigen. Auch die Deutsche Bolkspartci wurde zu einer Konferenz eingeia- den, zu der einige Herren unter Führung des Abg. Beckrr-Hcffen erschienen. An die Ausspra­che des Reichspräsidenten knüpfte stch in vorge rücktet Stunde eine Verhandlung der Führer der drei Regierungsparteien mit dem Reichs­kanzler an. Entscheidungen find noch nach keiner Richtung hin gefallen.

Neue Danklerkonferenz.

Rotterdam, 17. Juli, (Eigene Drahtmel­dung.) DieMornrngpost" berichtet aus Paris: Morgan hat sich in einem Telegramm an die Re- parationSkommisflon zur Wiederaufttahme der Bankierbesprechungen über die deutsche Anleihe bereit erftärt. Morgan hält aber an der Vorbedingung fest, daß ein Verzicht der Re- parationskonrmission auf Zwangsmaßnah­men gegen Deutfchland, Beschlagnahmungen und Sanktionen vorher ausznsprcchen sei.

gnfertlenipietfe: a) Einheimische Aufträge: Die einspaltige Anzeigenzeile M. 4., die etnfpalttge Reklamezeile M. 11,. b) Auswärtige Aufträge: Die einspaltige Anzeigenzeile M. 4.-, die einspaltige Reklamezeile M. 11-, alles einschließlich DeuerungSzuschlag und Anzeigenfteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Für die RichtigkeU aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Ausnahme- baten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden, Druckerei: Schlacht, hosstraße 28/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5, Telephon Nummer 951 und 952.

Die Regierungsumbildung.

Persönlichkeiten sind noch nicht bestimmt.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 17. Juli;

Das Reichskabinett hatte am Sonntag eine Sitzung. Die inuerpolitischc Lage war aber nicht Gegenstand der Beratung. Zuvor hatte der Reichskanzler eine Besprechung mit dem Reichs­präsidenten. Alle Mutmaßungen über gewiße Persönlichkeiten, di« in das Kabinett Eintreten sollen, sind nach dem jetzigen Stand Der Dinge durchaus verfrüht. DaS Außenmini­sterium soll nur dann neu besetzt, werden, wenn das Kabinett umgebildet wird. Bleibt das Ka-

»as <Karanttekom!tre.

Berlin, 17. JuK. (Privattelegramm.) Das Reichskabinett hielt am Sonntag nachmittag eine Sitzung ab. In dieser berichteten der Reichsfinanzminister Tr. Hermes und Staats­sekretär Schröder über die laufenden Besprechun­gen mit dem Garantie-Komitee, das inzwischen Berlin versoffen hat, um in Paris über die bisherigen Verhandlungen mit der Reichsregierung Bericht zu erstatten. Man versichert, daß die Meinungsverschie­denheiten zwischen der deutschen Regiening und dem Garantickomitee mit Bezug auf die ge­troffenen Maßnahmen beseitigt sind. Ge­wisse Gesetzesvorlagen werden .dem Reichstage in Kürze vorgelegt werden. Die Reichsregierung wird nun im Namen der Re­parationskommission neue Schatzschcine ansgeben und eine Konsolidierung der schwe­benden Schuld vorberctteu.

So kommt man von selbst auf einen Ausweg, der schon einmal, bei Oberschlesten, unter demsel­ben Reichskanzler gewiesen wurde; Man schasst ein Kabinett der Persönlichkeiten, ei Kabinett derK öbfe". Wie würde ein solches Kabinett unter den gegenwärtigen Verhältnissen und nach der Entwicklung, die zu der jetzigen Entscheidung Veranlassung gegeben hat, Wohl charakterisiert werden. Richt anders, als ein Kabinett der Republikaner. Wird ein sol­ches Kabinett der Persönlichketten gebildet, dann stehen di: Fralttoneu und die Parteien als solche außerhalb einer unmittelbaren Verant­wortlichkeit. Gewiß werden diejenigen parla- n-entarischen Persönlichkeiten, die in einem sol­chen Kabinett vereint werden sollen, eine Be­rufung nicht annehmen, ohne die Billigung ihrer Fraktion zu haben. Indessen Mi die Entschei­dung bei einer derartigen Lösung doch leichter als in dem Fall, in welchem der Ministerparlamen- larier als Vertrauensmann seiner Fraftion am­tiert und in allem und jedem an die Marschrute seiner Fraktton gebunden St.

Freilich treten nun auch bei einer solchen Lö­sung parteipolitische Erwägungen mit hinzu. Auch ein Kabinett derKöpfe" kann nicht einen Tag amtieren, wenn es nicht von einer parla­mentarischen Mehrheit gedeckt wird. So ist dieses Kabinettproblem im Grunde nur eine andere Seite des KoalittonSproblems! Darum ist es erklärlich, wenn es die Parteien sich sehr Wohl überlegen, ob sie einem ihrer Mitglie­der den Eintritt in das Kabinett gestatten sollen. Run haben wir aber in unserer jungen parla­mentarischen Geschichte in Deutschland doch schon einen bezeichnenden Vorgang: den Fall Heinze. Der Abgeordnete der Deutschen Dolkspartei Dr. Heinze ist seinerseit ebenfalls ohne die misdrück- liche Bestätigung seiner Fraktton und auf eigene Verantwortlichkeit in di- Regierung mit einge- treten. Aebnliche Verhältnisse können sich auch fetzt berausbikden. Freilich sind die Dinge ge- , genwärtig viel schwerer zu meistern, weil, wie i das im Einzelnen oben schon ausgeführt ist, eine Rücksichtnahme auf die varlamentarische Mehr­heit eines solchen Kabinetts auszummchenden Parteien nicht außer Acht gelassen werden darf. Da.die große Koalitton von Stresemann bis , Breitschnd nicht verwirklicht werden kann, wird man nrm sein Augenmerk darauf richten müssen, datz Vertreter sowohl von rechts wie von l i,n k s bei dieser Neltordnung der Dinge ver­treten sind.

Unsere gegenwärtigen RegieningsvrhSltnisse weisen nach dieser Richtung bin ebenfalls einen Weg: zwei Ministerien sind frei, das Außen­ministerium Infolge der Ermordung Ra- kbenaus und das Wiederaufbau Mini­sterium. das man bei der letzten Kabinetts- Reubildung unbesetzt gelassen hat, aber auch scbon damals mit dem Gedanken, bei erster sich kietender Gelegenheit einer der Koalitton hinzu­tretenden Partei es anbieten zu können. Damals dachte man für diesen Fall an die Deutsche Dolkspartei. Fetzt freifidj ist das Außenmini­sterium das wichtigere. Der deuttche Botschafter in Washington. Dr. W i ed f e ld t, ist nach Ber­sin Berufen. Wiedfeldt gehört der Deutschen Dolkspartei an und besitzt ihr unbedingtes Vertrauen. Die Deutlcke Volkspattei bat erneut perobe in den letzten Tagen ihr Bekenntnis zur Republik und zur Mitarbeit auf dem Boden der oeaenwärttgen verfasiunaSmäßigen Staatsform bekundet. Hier ist also die eine Möglichkeit ge­geben. Die zweite läge darin. daS Wiederauf­bauministerium einem maßvollen Angehörigen bet Linksparteien anzubieten, der durchaus nickt abgestempelter Parteimann der Unabhängi­gen Sozialisten zu sein braucht, der aber auch, wie er immer sieben man. d'irck seine Person und durch fein bisheriges Wirken die unhedimste Garantie dafür bieten muß. daß er feine Kräfte >em StaatSaanzen ebne Einfeittakeit widmet. Da ttckten sich die Blicke auf den ehemaligen Chcf-

Unter ver fremden Kontrolle.

Auskunft über die Ausgaben.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 17. Juli.

Halbamtlich wird mitgeteilt: Auf eine An­rage eines Abgeordneten hat der Reichsver- kehrsministor geantwortet, daß der Unterschied zwischen Betriebsausgaben und Aus­gaben des außerordentlichen Haushalts der Reichsbahn, die für werbende Anlagen auS- gegeben werden, den beteiligten Stellen der a l. liierten Regierungen gegenüber klar- lestellt sei. Die Reichsregierung habe wiederholt owohl der Reparationskommission, wie dem Garantiekomttee gegenüber ausführlich betont, daß die Anforderungen des außerordcnttichen Haushaltes für die Ausgestaltung der Reichs­bahn mit Rücksicht auf den gesunkenen Geldwert nur zur Deckung des allerdringlichften Bedarfes hinrcicken und hinter den Aufiven- dungen der Vorkriegszeit weit zurückbleiben.

die vielleicht in einem der Konzertsäle Chicagos von einem großen Orchester gespielt oder von einer Sängerin gesungen werden. Als ich in Denver gesuagen habe, bin ich, wie man mir Pater erzählte, von den ÜRatritfen eines auf Hetzer See befindlichen Schiffes gehört worden. In Amerika hat augenblicklich eine förmliche Telephonpest eingesetzt. Jeder Kommis, «der Liftboy trägt seindrahtloses" Telephon bei sich. In den Zeitungen steht allmorgendlich das drahtlose Tagesprogramm, das von sämtli- chen großen Sendestatt onen zu gleicher Zett mit der gleichen Wellenlänge abgeschickt wird. Um 8 Uhr morgens kommt der Wetterbericht, um 10 Uhr erzählt das Telephon, was in der Welt Neues vorgeht, um 12 Uhr hält Senator £. in Pittsburg eine wichtige Rede, um 2 Uhr werden tvieder Neuigkeiten berichtet, um 4 Uhr spricht Miß N. in St. Louis Wer die Frauenbewegung in Mexiko, um 6 Uhr werden Märchen für kleine Kindergedrahtet, um 8 Uhr singt in San Franzisko irgend ein Mitglied der Newyorker Metropolitan-Opcr das Prcislied aus den Mei­stersingern, Tag für Tag kommt ein neues Pro- aramm heraus, und alle zwei Stunden schalten sich Millionen Menschen in die Sendkreise der G-oßfimkstationen Pittsburg, Newyork usw. ein, um das Neueste aus aller Welt zu verneh­men. All das könnten ja die Deutschen bei ihrer Intelligenz mit Leichtigkeit nackahmen, soweit sie es noch nicht besitzen, könnten es gar nicht besser machen Wenn ihr Staat nicht durch den Krieg und seine unylückseligest Folgen so arm geworden wäre. Eines aber ist es, durch daS sich der Amerikaner bis jetzt noch gewalttg vor dem Deutschen auszeichnet: das ist das, wat man drüben dieebucation* nennt, es ist

der flute Ton, daS flentlemenhaste Benehmen, das das ganze öffentliche Leben beherrscht. Und diese haben mit der günstigen oder ungünstigen Lage der Volkswirtschaft eines Sandes nichts zu tun. Tausende von Automobilen rollen durch die Straßen von Rewhork, der Stadt, die mehr Automobile in ihren Manern beherberg*

DasmodemeAmmka

Wie eine Frau Amerika sieht.

Frau Frieda Hempel, die bekannte deutsche Säuger»», plaudert in eiucra Brief in der Reuen Bad. LandeSzeitung" über die neuen amerikauifcheu Drrhältnisfe. Wenn Sie auch alles nur mit einer rosigen Brille anfieht, so find ihre Ausführungen doch interessant zu lesen

tebafteur des unabhängigen Parteiorgans in Berlin, Dr. Hilserding. Dieser ist gerade wegen seiner Mäßigung in Konflikte mit der unabhängigen Partei geraten. Eine solche Ent­wicklung würde vielleicht auf das innere Gefüge der Unabhängigen nicht ohne Einfluß bleiben können. Die Trennung der Gemäßigten von den Radikalen wäre eine mögisiche Folge. So sehen sich die Dinge zur Stunde an. Es sind hier nur Möglichkeiten anfgezeigt. Aber es wird nach Lage der Umstände immerhin gut fein, da toir unS mit ihnen beschäftigen.

Obgleich ich internationale Sängerin bin und ! heute in Frankreich, morgen in Schweden, Über­morgen in England singe, so gibt Ü dock drei Länder, in denen ich mich besonders wohl fühle: das sind Deutschland, meine Heimat, Amerika und England. . In Deutschland haben nur we- ; tilge Leute eine Ahnung davon, welche Welle der , Deutfchfreundlichkeit (?) augenblicklich , durch die angelsächsische Welt läuft Eine Stim- ; mung für Deutschland, die ganz unabhängig ist : Von -er Begeisterung für die deutfche Mu­sik, deren Triumphzug durch die Welt durch den Krieg nur auf ein paar Jahre unterbrochen war, und hie heute wieder Siegerin auf der gan­zen Front ist. Mein Weg führte mich von New­york über London und Paris nady Deutschland, und überall, in jedem englischen und französi­schen Restaurant hört man Wagner und Mozart, imTheater des Champs-Elysees" löst augen­blicklich ein Wagner-Zyklus größte Begeisterung anS. Eine deutsche Konzertsängerin kann sich gar nicht recht vorstellen, was für ein anstren­gendes, aufreibendes Leben ihre Kollegin in Amerika durchzumachen hat. Drüben verbring« ich mein ganzes Leben eigentlich auf der Bahn. In einer Saison gebe ich ungefähr fünfundsieb­zig Konzerte, damit hmigen die Annehmlichkeiten einer Bahnfahrt von rund 40000 Meilen zusam­men. Wenn sich die Tournee nicht anders legen ließ, ist es schon vorgekommen, daß ich von einem Konzert zum anderen 50 Stunden mit der Bahn gefahren bin. Ich habe von der Eifenbahnver­waltung einen Privatwagen mit drei Zimmern, Bad und Küche gemietet. Tas Reisen wäre ja mich sonst ganz unmöglich. Was Wer Haupt die

Schnelligkeit und Eleganz der Brrkehrsnttttel und die auf einer glänzenden Technik aufgebau­te Raffiniertheit des Luxus und Komforts des täglichen Lebens in Amerika betrifft, so ist das Land jenseits des großen Teiches geradezu ideal zu nennen. Ein Telephongespräch von San Franzisko nach Newyork, das über die immerhin nicht ganz unbescheidene Strecke von 5500 Kilo­meter läuft, erhält man in sieben Minuten. Da könnte das deutsche Fräulein vom Amt manches lernen. Die Konzerte, so auch manches meiner eigenen, Werden zum Teil drahtlos Weitergegeben. Ein paar unscheinbare Ausnahmeapvarate stehen dann auf dem Po­dium; eine der großen Sendestattonen, die in der Nähe liegt, arbeitet mit ihren Hochfrequenz- Maschinen, und irgendwo aus einer verlasse­nen Farm in Arkansas sttzt die Familie um daß .drahtlose Telephon" herum und hört Beetho­vens Neunte oder gar eine Arie aus der Aida.

TlvfchwöHung der «Kefadr?

Berlin, 17. Juli. (Privattelegramm.) Ob Wohl die innenpolitische Krise noch nicht behoben ist, habe» doch die Sonntags-Besprechungen des Reichspräsidenten mit den Mehrheitssozialisten eine Abschwächung der Gefahrkurve ge« bracht. Der Reichspräsident Ebert will am heu­tigen Montag seine Besprechungen mit den Parlamentariern zum Abschluß bringen und in den nächsten Tagen nach Freudenstadt zurück­lehren. Ob das möglich sein wird, dürste erst heute abend zu übersehen sein.

(Sin Arbeitsblock der Mitte.

Bollspartei, Demokraten, Zentrum.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 17. Juli.

Die parlamentarisch« Arbeitsgemeinschaft, die zwischen der Mehrheitssozialdemokratie und den Unabhängigen abgeschlossen wurde, hat, wie der Deutsche", das Blatt der christlichen Gewerk­schaften, aus parlamentarischen Kreisen erfährt, zur Folge gehabt, daß zwischen der Zen­trumspartei, der Deutschen Volks­partei und der Demokratischen Partei cbenfalls eine parlamentarische Arbeitsgemein­schaft zustande kommt. Es sei nicht auSgeschlof- en, daß au» die Bayerische Volkspar­te i in diese Arbeitsgemeinschaft etnbezogen wird. Für den Fall einer ReichStagsauflSsung würden diese vier Parteien jedenfalls ziemlich bestimmt eine politische Einheitsfront bilden.

Kabinett See Köpfe.

Sine Lösung der Krise?

Darüber ist man sich schließlich einig, daß eine Reichstagsaufiöjung im jetzigen Augenblick unserer Wirtschaft den Todesstoß geben Würde. Die Mark Würde völlig vernichtet. Die Kredit- üerhandlungen Würden auf die lange Bank ge- schoben, wir wären innen- und außenpolitisch für Monate hinaus schachmatt gesetzt. Aber Was Wohl das Wichtigste ist: Was wäre denn aus einer solchen Reichstagsauflösung zu erwarten? Hat man denn irgend welche fiebere Annahmen dafür, daß eine grundsätzliche Äenderung der jetzigen Mehrhettsverhälttttsse eintreten würde? Niemand, der mit den Dingen näher bertraut ist, Hirt) diese Frage bejahen können. Man wird also alles daran setzen müssen, was geeignet er­scheint, diese Reichstagsauflösung zu verhindern, »freilich gibt es auch hier Grenzen; sie sind ge­geben durch die Parteiprinzipien, die zu verletze'., oder zu mißachten keine Partei sich ungestraft ge­statten kann. Diese Parteiprinzipien sind in großem Maße ein Hindernis bei der Einigung des Volkes.

AmDeutschlandsZahlrmgen

@i»e falsche französische Darstellung.

(Eigene Drahtmeldung.)

Rotterdam, 17. Juli.

DieTimes" berichtet aus Paris: Am Sonn­abend hat di« Reparationskommission die Be­ratungen über die deutschen Zahlungen fortge­setzt. Dubois überreichte im Namen Frankreichs ter Kommission eine Aufstellung derDividen- den-Ausschüttungen der deutschen Jndu- striegesellschaften für 1921. Die Ausstellung Hal den Zweck, zu beweisen, daß Deutschland noch lange nichtamEnde seiner Zahlungssähigkeit angefangt sei (?) und einen steigenden Kapital­reichtum auftoeife. (!) Das Memorandum der Engländer stoße auf beit geschloffenen Wider­stand Frankreichs und Belgiens. DerTemps" erklärt in einem Leitartikel über das Stundungs- gesnch Deutschlands: Frankreich würde neue Sicherheiten verlangen, anstatt nachzugeben. Solange Deutschland nickst die alli­ierten Gläubiger »oll und ganz befriedigt hab«, müffe ihm von der Entente verboten werden, eine eigenen Staatsangehörigen zu entschädigen.

Gntfchüdigungslafien.

Paris, 17. Juli. (Eigene Drahtmcldung.) Der deutsche Botschafter in Paris hat der fran­zösischen Regierung eine deutsche Note überreicht, in der die Berliner Regierung mitteitt, daß sie ich gezwungen sieht, die Reparationszah­lung e u für die französischen Prtvateigen- t ü m e r, die während des Krieges beschlagnahmt wurden, auf Grund des Versailler Vertrages zurückzugcben sind, e i n z u st e l l e n. Die franzö- ische Regierung hat eine Rote an die deutsche Regierung gerickstet, in der sie das Verlangen ausspricht, daß das Wiesbadener Abkommen vom 20. Juli 1921 in Kraft trete.

Gute Aussichten für den Block.

Berlin, 17. Juli. (Privattelegramm.) Die .Berliner Montagspoft" teilt mit: Die Anre­gung des Zentrums, eine Arbeitsgemeinschaft der bürgerlichen Milte von der Deutschen Volks­partei bis zu deu Demokraten zu bilden, war am Sonntag Gegenstand einer Besprechung zwischen dem Zentrumsfübrer Marx, dem Vor­sitzenden der Deusschen Bolkspartci Stresemann und den beiden demokratischen Führern Petersen und Koch. DaS Ergebnis dieser Verhandlung war günstig. Die Frage zur Bildung einer par­lamentarischen Arbeitsgemeinschaft der drei Parteien wird nun in den Fraktionsfitzungen dieser Parteien selbst zur Beratung gestellt werden. DaS Ergebnis dieser Beratungen kamt nicht zweifelhaft sein.

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