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Hessische Abendzeitung
Kaffeler Abendzeitung
Nummer 163
Sonnabend, 15, Juli 1922
12. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952
Fernsprecher 951 und 952
Leine Klärung in der Regierungsfrage
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Mission noch das Gehalt bezw. den Sold
und zwar weil man in Frankreich sehr bc<
«-ns ihrem betreffenden Heimatlande be- stürzt über die Vorschläge und den neuen ziehen. Diesen Ziffern irgend etwas hinzu;«- Schritt Breadburys ist und eine allgemeine. kü<zen. Kieke ihre Wirkuna abschwäÄent * Ernüchterrmtl im Voll Platz gegriffen hat.
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3m Anhattischen oder in Apolda?
Magdeburg, 14. Juli. (Privat - Telegramm.) Wie der Staatsrat für Anhalt mitteilt, befinden sich nach einer Bekanntmachlrng des Regierungspräsidenten in Magdeburg die beiden flüchtigen Mörder Dr. Rathenaus, Fischer und Kern, in Anhalt. Die anhalfische Sicherheitspolizei hat umfassende Masinabmen getroffen, mn das Land abzusperrcn. Prefie und Publikum werden gebeten, die Fahndungsarbeiten nach den Mördern zu unterstützen. Beide Täter benutzen noch Fahrräder. — Dagegen wird von einer anderen Stelle gemeldet: Gestern abend sind in Ni-ter-Roßlar bei Apolda zwei junge Leute beobachtet worden lder Bezeichnung nach die Mörder Rathena,ts Ker« und Fischer), die gegen ä$8 Uhr abends bei Apolda die Bahn überschrir- ten haben, nachdem sie sich vorher bei einem Friseur in Nieder-Rosilar hatten rasieren lassen.
Rsgiemngs-Gr-wettemng
Parteiverhandlungen mit dem Kanzler.
(Eigener Drabtbericht.)
Aus der Versorgung.
Die Suche nach den Rathenau-Mörderu. (Privat-Telegramm.)
Gardelegen, 14. Juli.
Auch die gestrigen Ermittelungen der Polizei haben noch zu keinem Ergebnis geführt. Die Verfolgung der Spuren wird augenttiiklich weiter durchgeführt. Eine für die weitere Verfolgung der Mörder nickst unwichtige Aussage machte bei seiner gestrigen Vernehmung der Besitzer einer Gastwirtschaft in Jerchel bei Gardelegen. Bei ihm sprachen am Sonnabend zwei Radfahrer vor in der Kleidung, wie sie in der Beschreibung angegeben ist. Sie verlangten eine Karte von Gardelegen und Umgegend, die möglichst bis in das Braunschweigische führe. Als der Wirt erllärte, daß er eine solche Karte nicht habe und sie auf eine an der Wand hängende Landkirte aufmerksam machte, fertigte der eine der Gäste eine Skizze an und zwar von der Gegend in Richtung nach Braunschweig. Dem Wirt erklärten sie, daß fie ihre Karte verloren hätten.
InsertionSpretse: n) Einheimische Auftrag« Die etnfpatttge Anzeigenzeile M. 4.—, die einfpatttge Reklame,eile M. 1L—. b) Auswärtige Auftrag« Die einfpattige Sln^igenzeile M. 4.-, die einspaltige Reklamezeile M. 11—, alle« einschließlich Teuerung»,Uschlag und Anzeigenfteuer. ffür Anzeigen mit besonder» schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Ausnahme- baten und Plätze kann eine Bewähr nicht übernommen werden. — Druckerei: Schlacht, hofstrgße 2R/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5, Telephon Nummer 931 und 952.
Die fremden Ausbeuter.
Ungeheuere Gehälter für die Besatzung, (Privat-Telegramm.)
Berlin, 14. Juli.
Im Hinblick ans die gestiegenen Lebensmittel- Preise in Deuffchland hat die alliierte Botfchaf- ttrkonferenz die Bezüge der Mitglieder der interalliierten Militär-Kontrollkommission in Deutschland für die Monate Juni und Juli folgcnder- maßen festgefetzt: 1- Für den Vorsitzenden General ein Gehalt lwn monatlich 103 800 Mark (bis zimi Mai dieses Jahres 71500 Mark. 2. Sonstige Generäle, Obersten und Oberstleutnants 76 475 Mark (bisher 53 025 Mark. 3. Majore in der Stellung eines Abteilungschefs 54625 Mark (bisher 37 875 Mark). 4. Sonstige Majore 49 175 Mark (bisher 34100 Mark). 5. Hauptleute, Leutnants, Nnterlentnants 46 425 Ml. (bisher 32 000 MaN). 6. Unteroffiziere 25 250 Mark (bisher 17 500 Mark). 7. Gemeine 15 300 Mark (bisher 10 600 Mark), alles m o - natlich! — Hierzu ist noch zu bemerken, daß außer diesen ungeheueren Bezügen die Angehörigen der interalliierten Mikitär-Kontrollkom-
Berlin, 14. Juli.
Die Abgeordneten Müller und WelS haben im Namen der sozialdemokratischen Partei dem Reichskanzler davon Mitteilung gemacht, daß die Mehrheitssozialisten auf Erweiterung der Regierung nach links bestehen muffe. Der Reichskanzler hat infolgedeffen gestern eine längere telephonische Unterredung mit dem Reichspräsidenten gehabt. Es steht noch nicht fest, wann der Reichspräsident nach Berlin zurückkehrt. Die gestrige Kabinettsitzung hat sich mit der inncrpolittfchen Lage und der Frage der Regierungsumbildung befaßt. Im Lause des Nachmittags hat der Reichskanzler mit den bürgerlichen Regierungsparteien wegen der Umbildung des Kabinetts Fühlung genommen. Für heute ist eine Sitzung des Interfraktionellen Ausschuffes vorgesehen, in der die Frage der Regierungsumbildung entschieden werden wird.
Kegen eine Nebenregierung.
Berlin, 14 Juli. (Privattelegramm.) Wie aus parlamentarischen Kreisen berichtet wird, lehnt auch die demokratische Reichstags- fraktion das Eingreifen außerparlamentarischer Instanzen, wie es die Gewerkschaften sind, durchaus ab. Eine solche Ncbcnrcgierung dürfe nicht geduldet werden. Die politische Lage wird durchaus ruhig beurteilt. Der Sieichspräsident und der Reichskanzler seien die verfassungsmäßigen Persönlichkeiten, die die Dinge zu entscheiden hätten. Entgegen anderslautenden Nachrichten wird festgestellt, daß die demokratische Reichs- tagsfraktion einmütig hinter dem Reichswehrmi- nistcr Dr. Geßler steht.
habe also ein Recht, an seinen Schutz zu denken. „Wenn ich Franzose wäre, würde ich eine Herabsetzung der Armee ablehnen." — (Um den „Wert" dieser Aeußerung beurteilen zu können, muß man sich daran erinnern, daß Gerard ein nichtswürdiaer Hetzer und Verleumder Deutschlands rm Weltkriege war.)
Der Hetzer Gerorv.
Paris, 14. August. (Eigene Drahtmeldung.) Die Blätter veröffentlichten gestern abend in großer Aufmachung eine Unterreduug mit dem früheren amerikanischen Botschafterin Berlin, Gerard, worin sich dieser solgen- dermaßer äußert: Er habe Vertrauen auf die Stärke der deutschen Republik, da die Monarchisten eine Minderheit seien. Was die bolschewi- Mschc Gefahr anbelangt, so werde das deiftsche Volk stark genug sein, sie abzuwchren. Er sagte dann wörtlich, er sei überzeugt, daß der dentsch- russiscke Vertrag eine militärische Konvention enthalte. (?) Frankreich habe Recht, seine Armee zu behalten, umsomehr, da Trotzki erflärt habe, daß die russische Armee nm mehr alö Millionen vermehrt worden fei. Frankreich
Um die Wiedemulmachung
Die Alliierten zur deuffchen Rote.
(Eigener Bericht.)
Berlin, 14. Juli.
DaS deutsche Moratorinmsgefuch ist ähnlich wie die Vorschläge des britischen Vertreters in der Reparations-Kommission, Breadbnry. ES entspricht den nichtamtlichen Besprechungen, die in Berlin mit der Garantie-Kommission stattgefunden haben. Es verlautet, daß Poinearö sich vor allem weigere, nach London zu reisen nnv, zwar mit der Begründung, daß er erst den Bericht der Earantic-Kounnission, welcher in der nächsten Woche fertig wird, abwarten wolle. Je- doch kann die deutsche Regierung nicht länger warten und man rechnet darauf, daß Pojcnar» in der nächsten Woche nach London reisen wird
entschieden wird. Es handelt sich auch nicht um die am 15. Juli fällige Rate, die noch durch die vorhandenen Devisenbestände gedeckt werden kann, sondern um die dann später nach dem Zahlungsplan fällig werdenden Summen. Eine Moratoriumsgewöhrirng liegt schon im Interesse der Entente selbst, aber die Frage müssen wir uns vorlegen, welche Bedingungen abermals cm eine sollte Gewährung geknüpft würden, und ob diese Bedingungen dann geeignet wären, die durch die jüngsten Ereignisse erschütterte Reichsmark wieder einigermaßen beweglich zu wachen. Wie die Dinge jetzt staben itnb wie sie sich in absehbarer Zeit entwickeln, muß man mit der allergrößten Sorge um unsere wirtschaftliche Situatton betrachten. J. B.
Die Gespensterseher.
* Frankreichs Furcht vor Deutschland.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 14. Juli.
Der „Ternps" besprach gestern in seiner Abendausgabe die Haltung, die die französische Regierung z» dem deuffchen Gesuch um Za h - lungsaufschub einnehmen soll. Das Blatt wendet sich dagegen, daß man Dentschland ein Moratorium fiir die Jahre 1923 und 1924 gewähren solle und betont, daß von 1922 bis 1925 Deuffchland unter diesen Umständen alle seine Kräfte barmt setzen werde, seine Industrie zu entwickeln, seinen Einflittz im Ausland aufzubauen und Kapital in guten Münzen anzuhäufen. (I!) Während dieser Zeit würden Frankreich und Belgien unter der Last des Wiederaufbaues und England unter der Arbeitslosigkeit zusammenbrechen. (?) Im Jahre 1325, wenn man von Deuffchland dann die Wiederaufnahme seiner Zahlungen verlangen werde, könne man kaum im Ernst daran denken, daß Deutschland wieder bezahlen werde. Im Gegenteil, es sei sehr wahrscheinlich, daß es sich dagegen wehren und somit durch das heute gewährte Moratorium 1925 den Kriegvorbereiten werde. (Anscheinend leiden die Franzosen am Verfolgungswahn. Der Versailler Vertrag ist ihr böses Gewissen, das sie dauernd in Angst hält!)
Mark-Gnttvkcklung.
Zusammenhang mit der Außenpolitik.
Am Devisen- und Effektenmarkt hat sich nach einer kurzen, aber scharfen Hausse eine Abschwächung gezeigt. Wir haben es schon oft erlebt, daß ganz plötzlich der Dollar, und zwar, was das Betrübeudste ist, von innen heraus, einen plötzlichen Antrieb erhält, daß er ruckweise in scharfen Sprüngen zu einer gewissen Höhe klettert, diese zwar nicht ganz innehalten kann, dann aber um einen Punkt herum sich bewegt, der immer noch weit über dem vorangegangenen Niveau steht. So war es, als um Spa herum der Dollar von 60 auf 80, dann später nach London von 120 auf 160 kletterte, bis er vor Genua 200 erreichte, um dann auf 250 zu stehen. Die Folgen des unenffchiedenen Ausganges von Genua druckten sich in einem Dollarstand von über 300 aus, die gescheiterten Anleiheverhandlungen von Paxis fanden ihren Ausdruck in einem Dol- larstand von 350 und die Folgen des Rathenau- Mvrdes und der wiederholten Akbeitsruhe, die vielfach Ausschreitungen zur Folge hatten, wa» das Hinauffchnellen des Dollars auf 450 und 550! Wenn nun auch eine rückläufige Bewegung zu beobachten ist. so wäre es doch allzu opti- mcstisch angesehen, daß nun der Dollar wieder auf den Stand, den er vor vier Wochen hatte >n absehbarer Zeit zurückginge.
Was immer wieder vergessen wird, das ist der unmittelbare, enge, ja unlösliche Zusammen- Hang der Markentwicklung mit der Außenpolitik. Noch nie ist diese Verbindung so deutlich in die Erscheinung getreten, als gegenwärtig. Nich! nur, daß die unmittelbar wirtschaftlich in- teremeiten Kreise des Auslandes von dem Marksturz ganz außerordentlich überrascht waren und ihn mit größter Sorge beobachteten, die bezüglichen Vorgänge haben selbst die Kabi- "eite und die leitenden Staatsmänner, ja sogar dre Parlamente der Gläubigerstaaten eingehend beschäftigt. Llovd George mußte auf eine Reche von Anfragen im Unterhaus Rede und Antwort stehen. Er fogte, daß die Entwicklung der Dinge wohl eine offizielle Erklärung der eng- lifchen Regierung erforderlich macht- In Frank- wich und Italien hat man sich in der gleichen Werfe mit den Dingen besaßt. Ueterall stand man unter dem Zeichen der Bestürzung. Wenn auch jetzt wieder sich gewisse Stimmen geltend machen, die den unglaublichen Satz aufftellen, daß Deuffchland selbst und absichtlich diese Ent- ^ertung herbeigcfiührt habe, um sich seinen Ver- pflichtungen zu entziehen, so hat dock andererseits die richtige Erkenntnis all dieser Zu- farmnenhange wesentliche Fortschritte gemacht. Um) wem, man es auch nicht klar und deutlich au-spricht. so läßt man es doch zwischen den Zeilen erkennen: Unter der Herrschaft der Ver- Bestimmungen ist Deuffchlano absolut leistungsunfähig!
A Der -Manchester Guardian" sagt mit Recht, bte Auflösung Deutschlands die Auflösung Mitteleuriwas zur Folge haben werde. Es sei Unglück, daß die Deutschen in Ver- lalkles behandelt wurden wie noch kein besiegtes Volk nach einem Kriege behandelt würd'. „Die nrnge Republik befindet sich in einer un- möglichen Sage. An einer Stelle ist ihr etwas weggenommen, cm einer anderen Stelle wird sie besetzt gehalten. an einer dritten Stelle wird sie geteilt. Den hauptsächlichsten Teil der Eisen-. und einen großen Teil der Kohlenlager hat sie verloren. Dazu hat sie Schulden, die sie nicht kezahlen kann und die ihr di- Kreditfähigkeit nehmen. ES ist kein Wunder, daß die Feinde der Republik in D>euffchland Anhänger finden. Ober es ist em Wunder, daß die Mehrheit der Bevölkerung das alles ausbäkt. Diese Tatsache zeigt, daß mehr politischer Sinn im Volke steckt.
man gemeinhin annimmt.' Hier ist die Sage in Deuffchland durchaus richtig geschildert. Man »kennt das auch an anderen Stellen immer mehr und mehr, und es ist nickt unwicktiq, festzustellen, daß die gegenwärtigen Benrühungen der Reichsregierung ein neues Moratorium zu erlangen, gerate bei unserem schärfsten Geaner. in Frankreich nicht mehr auf den unbeugsamen Wider- stand stoßen und daß man mit dem Rar nach An- Wendung ter Gewalt nicht mehr fo rasch bei ter ist.
Die neuen Moralorinms-Verhand- 1 ungen sind einfach eine Folge des Markstur- ^£‘=. Dftr sind durch diesen in eine Sage binein- gedranqt, in der eS nnS völlig unmöglich ist, den inneren Etat zu stabilisieren, wodurch wir andererseits wieder in die Unmöglichkeit der Sch mmaserfullunq nach außen bin versetzt find, linier Ziel muß zetzt fein, ein Moratorium für eine längere Dauer, mindestens für zwei Jahre zu betommen. Vorbereitende Verhandlungen deut- scker Reaieruna^Vertreter in Paris find im Gange, Eine Enffckeidung ist noch nicht a-sal- len, so daß also ein amtlicher Antrag der ReickS- remerung auch nock nicht gestellt werden konnte. Es ist sehr wahrscheinlich. daß die Frage auch gar nickt ohne weiteres in Paris, sondern erst bei einer noch zu berufenden Boffchasterkonfereni
•BertolrruRg der Spuren.
Magdeburg, 14. Juli. (Privat-Telegramm.) Es bestehen Anzeichen dafür, daß in der Gegend von Thale zahlreiche Helfershelfer der Rathencm-Mörder sich anfhalten, die einerseits den Mördern keine Dienste leisten, andererseits aber versuchen, die Polizei irrezusühren. Er- schtvert wird die Verfolgung jedenfalls dadurch, daß gerade in der heutigen Zeit in den in Betracht kommenden Gegenden zahlreicheRav- fahrer anstanchen, die häufig in ihrer Kleidung eine gewisse Aehnlichkeit mit derjenigen Habei, in denen man die Rathenau-Mörter verniutet. Dadurch kommt es auch, daß aus den verscknedenen Gegenden immer wieder Meldungen darüber einlanfen, daß die Mörder gesehen worden find. Neuerdings verfolgt ein großes Kommando von Kriminalbeamten eine neue Spur, die nach Calbe-Bismarck führt. Systematisch werden sowohl die Dörfer und Wege in der Altmark wie int Harz täglich von Kriminalbeamten mit Spürhunden abgesucht.
Der Welthandel.
Abnahme von Jahr zu Jahr.
Sie Anzeigen mehren sich, datz die zwangt» friebeu»»erttäge immer weiter zum Untergang führen. Satz darunter nicht nur die unter- drncktenLiinder.sondern auch Me„®legeeftaoten* und die Neutralen zu leiden habe«, da» kann man an» ben nachstehenden Ausführungen ersehen» Die Zusammenschrumpfung des Welthan- dels hat van 1920 auf 1921 beträchtliche Fortschritte gemacht. O. P. A u st i n, ter Statisttker der National City Bank in Newyork, berechnet diese Abnahme auf rund ein Drittel. Er stützt sich dabei auf amtliche Berichte aus den fünfundzwanzig wichtigsten Handelsländern der Erde Ohne Deutschland, ohne das alte Oesterreich-Ungarn und alles was östlich davon liegt, aber einschließlich Rumäniens. Diese sünsund- zlwanzig Länder repräsentierten vor dem Kriege Mei Drittel des gesamten Welthandels, sodaß man aus dem Gesamtwerte ihrer Ein- und Ausfuhr im Betrage von 79 Milliarden im Jahre 1920 und 52 Milliarden Dollar für 1921 auf: einen Gefamt-Welthandel von hunderi- arhtzehn Milliarden Dollar im Jahre 1920, aber nur von neunundsiebzig Milliarden im Jahre 1921 schließen könne. Der Rückgang des Jahres 1921 habe die Fertigwaren stärker getroffen, nämlich mit 50 Prozent, als die Rohstoffe mit 47 Prozent: für Großbritannien fei der Un- ter sch ied noch bedeutender 48 Progent und 27 Prozent. Arn stärksten sei der Unterschied in der Ausfuhr; Länder mit Warenausfuhr hätten einen viel stärkeren Ausfall, als solche mit land- wirffchastlicher Ausfuhr, deren Rückgang durch, schnittlich zwanzig Prozent betrage. Nahrungsmittel und Rohstoffe seien nämlich überall gesucht, an dem Einkauf t>on Fertigwaren tz>erde überall gespart.
Der Rückgang der Industrie
springt besonders bei der Erzeugung von Eisest und Stahl in die Augen. In den Vereinigten Staaten arbeiteten nach einer fachmännischen Aufstellung im „Stähl und Eisen" in dem erzeugungsreichsten Monate Juli 1920, von 435 vorhandenen Hochöfen 293, ein Jahr später aber nur noch 69, bei weitem noch nkchtdersechste Teil der vorhandenen, und Dezember 1921 erst wieder 125, also zwei Siebentel. In E n g l a n d arbeiteten von 487 Hochöfen ebenfalls im Juli 1920 303, ein Jahr später unter dem Einflüsse des Bergarbeiterausstandes gar nur 15, im Ok, toter 1921 wieder 82 und im Dezember 90, also nock lange nickt der fünfte Teil; der Bergarteiterausstand war aber nicht allein schuldig an die, fern Darniederliegen der Hochösenarbeit, denn schon in den drei Monaten vor feinem Beginn hatte sich die Zähl der arbeitenden Hochöfen von, 232 auf 109 vermindert. In Frankreich und Belgien trat die starke Abnahme etwas später ein; Frankreich hatte Januar 1920 69, Januar 1921 93 Hochöfen von 220 vorhandenen int Betriebe, deren Zahl bis Oktober 1921 auf 51, also auf weniger als ein Viertel fiel, um dann wieder langsam zn steigen; Belgien hatte im Januar 1920 12, im Dezember 27, also die Hälfte seiner 54 Hochöfen im Betriebe, deren Zahl bis Oft ober 1921 auf H, also auf kaum mehr alZ ben fünften Teil der vorhandenen fiel und dann wieder anstieg. Unter den 56 arbeitenden Hocköfen Frankreichs befanden sich im Dezember 1921 24 im ehemaligen Deutsch- Lothringen von 65 vorhandenen. Gerate auf diesem Gebiete leigt sich auch der Ausfall des deutschen Bedarfs; Deuffchland hat Effenman- gel, ist Ober infolge seiner Verarmung nicht in der Sage, ihn durch Einfuhr ans dem Auslände zu decken. Daß Handel und Jndifftrie am Ende des Krieges nicht auf der Hohe standen, wie zu dessen Anfang, ist natürlich; daß sie sich nicht wieder erholen, fondern Weiter zurückgehen, ist die Folge der wahnsinnigen Frieden s- f ck l ü f f e, durch bie alle am Weltverkehre beteiligten S'änber geschädigt werten.