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Meier Neueste

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitnng

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Nummer 161.

Fernsprecher 951 und 952

Donnerstag, 13» Juli 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Finanz- nnd Wiedergutmachungs-Fragen

Mordtaten der Truppen.

Llm die Wiedergutmachung.

Die neuen Verhandlungen in Paris.

(Eigener Drahtbericht.

Paris, 12. Juli.

DerPetit Parisien" fragt, mit welchem Auf­trag die deutsche» Delegierten Fischer und Schrö­der nach Paris getommen seien und welches die Absicht der Wiedergutmachungskommisston den deutsche« Delegierten gegenüber sei. Es scheine, so meint daS Blatt, dass Fischer und Schröder keine im voraus diktierten fertigen Pläne mitge- bracht Hütten. DemPetit Parisien- zufolge würden die Mitglieder der Reparationskom­mission wahrscheinlich folgende Haltung ein­nehmen. Die Mehrzahl der Mitglieder der Re° parationSkommission scheint der Ansicht zu sein, daß Deutschland dir Zahlung vom 15. Juli zu eisten habe, um so mehr, als diese Zahlung nicht ünfzig Millionen Goldmark betragen werde, andern in Wirklichkeit auf Grund der bisher von Deutschland an Amerika geleisteten Zahlun­gen auf dreiuntwrcißig Millionen Goldmark her­untergesetzt sein wird. Tann seien die Mitglie­der der Wiedergutmachungskommisston der An- icht, daß man, bevor man in der Frage des Mo­ratoriums eine Entscheidung treffe, den Bericht der Garantiekommission über deutsche Budgetkontrolle abwartrn müßte.

Senfelte der Grenze?

Bafel, 12. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Schweizer Blatter berichten, daß nach glaubwür­digen Nachrichten die Mörder Rathenaus sich in Salzburg und zwar im Hotel Stein anfhal- tcn. Der Besitzer dieses Hotels sei ein Set- liamnömann des Kronprinzen Rupprecht und Mit der Baronin von Maurbner verheiratet.

Dorsscytlg oitegeörStft.

London, 12 Juki. (Eigene Drahtmeldung.) Lloyd George sagte im Unterhause, er müsse rS ablchnen über die Reparationssrage irgend eine Erklärung abzugeben. Er bemerkte aber, daß in wenigen Tagen die Sachlage sich so entwickeln könne, daß eine Erklärung über diesen Gegen- tand wünschenswert wäre.

Aus der Haager Konferenz

Sitzungen der UnterauSschiiffe.

(Eigene Drahtmeldung.)

Mir den Fall des Abbruches.

Brüssel, 12. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) In dem belgischen Blatt<Soir" wurde neuer­dings erklärt, die belgische Regierung habe chren Vertretern neue Instruktionen erteilt und zwar bezüMich der Besprechungen mit der Sowjet- Delegation. Ein Mitglied der belgische« Regie­rung hat jetzt erklärt, diese Meldung sei unrich­tig. Rur für den Fall, daß Frankreich sich zurückziehen sollte, sei die belgische Dele­gation beanftragt, ebenfalls abzureisen.

Keine Besserung?

Sregieruugsfrage« Finauzuot Streiks.

ebenfalls die für gestern vormittag angesetzte Sit­zung der Kommission für die Türken. Die Ausschüsse für Privateigentum und für die Kre­dite sind gestern zu einer Sitzung zusammengc- treten, jedoch ohne die Russen. Mitteilungen über diese Beratungen wurden n«M gemacht.

Denkschrift, die wir gestern bekannt gaben, den Alliierten übermittelt und um Herabsetzung der Liefermenge um dreißig Prozent gebeten. Heber das etwaige Ergebnis herrscht völlige Ungetoi heil. Ebenso ungewiß ist der Ausgang der Ver­handlungen um den Zahlungsaufschub. Die französische Presse behauptet, Deutschland habe den Mliierten dafür Sachleistungen ange­boten. I» Berliner Börsenkreisen glaubte nian gestern daraus hoffen zu dürfen, daß diesmal eine gswisse Zahlungserleichterung gewährt werde. Mit solcher Hoffnung sind wir ja schon mehrmals hereingefallen. Es ist daher auch dies­mal Borsicht zu empfehlen. Nur das Eine weiß man genau, daß Deutschland die ungeheuren Reparationssummen nicht mehr zahlen kann. Möglich, daß es am 15. Juli noch einmal gelingt, oDer die Nussigen Raten sind gänzlich aussichtslos. Die in Berlin trotz des Buch­druckerstreiks erscheinenden sozialistischen Blät­ter suchen die außenpolitischen Beziehungen so hinzustellen, als hätten wir von den Mliierten

GchwierigeNachsorschungen

Auf richtige« oder falschen Spuren T

(Eigener Drahtbericht.)

Oebisfelde, 12. Juli.

Die Verfolgung der Rathenau-Mörder gestal­tet sich insofern schwierig, als von Packebusch aus die Beamten der Berliner Polizei durch Angaben aus der Bevölkerung auf Spuren geleitet wurden, die sich nachträglich als gänzlich irr- tümlich hcrausftellten. Der dadurch entstan- dene Zeitverlust, sowie die Absplitterung der ver- felgenden Polizeikräste kommen den Mördern natürlich zugute. Der im Laufe des Nachmittags in der Bevölkerung der hiesigen Gegend bckannt- gewordene Aufruf des Berliner Polizeipräsi­diums hat eine ganze Reihe von Zeugen veran­laßt, die die Mörder gesehen haben wollen, sich zu melden, doch bedürfen ihre Angaben drin­gend der Rachprüfuug. Die anscheinend wichtigste Meldung stammt von einem Bolks- schullehrer aus Oebisfelde, der einige Kilometer westlich von Oebisfelde zwei junge Leute mit Fahrrädern nm elf Uhr vormittags Äffchen ha­ben will, deren Signalenient denen der Mörder entsprechen soll. Der eine soll sich nach dem Wege nach Weserlingen erkundigt haben. Wenn auch die Möglichkeit besteht, daß die Angaben nicht richtig sind, tmb die Täter bereits südlicher, als ursprünglich angenommen, vorwärts gekommen sind, so wird die Fahnung in dem engen Kreise Mischen Packebusch und Gardelegen fortgesetzt.

Haag, 12. Juli.

Das Arbeitsprogramm der Konferenz ist für estern und heute etwas abgeändert worden. Die Bersammluug der Kommission für das Privat­eigentum in Rußland, die gestern zusammen mit der russischen Delegation ftattfinden sollte, ist auf heute mittag verschoben worden.

Deutschlands Sinanznot.

Frankreichs Absichten am Rhein.

(Eigene Drahttneldung.)

Paris, 12. Juli.

DerEclair" bezeichnet Deutschlands Finanz­lage als Staatsbankerott »nd sagt, daß die Fri­sten für die Besetzung der Rheinlande unter die­sen Umständen noch nicht zu laufen begonnen hätten, daß also Frankreich das Recht sich vor- behalte, diese Pfänder bis zur völligen Zahlung Deutschlands in seiner Hand zu behalten. Frank­reich müsse deshalb daran denkenchas ganze linke Rheinufer zu seinem Vorteil auS- zubeuten, umsomehr, alS die Mehrheit der großen deubschen Industrie ihren Sitz aus dem linken Rheinufer hätte. Der französische Aus­beutungsplan der Rheinlande müsse folgendes umfassen: 1. Eine finanzielle Organisation des Rheinlandes durch eine hohe Zollgrenze, das von Deutschland getrennt wäre, während die Zölle Frankreich gegenüber erniedrigt wären. 2. Es müsse ein separates System für die Rhein- lande geschaffen werden. 3. Es müsse anstelle der Mark der F r a n k e n als Zahlungsmittel treten. 4. Es müssen die Beamten preußischen Ursprungs durch Rheinländer ersetzt werden. 5. Die Vollmachten der Interalliierten Kommisflon müßten erweitert und eine gewählte Natio­nalversammlung für die Rheinlande ein­berufen werden. Der Artikel schließt damit, daß gerade die Einberufsung einer gewählten Natio- naloersammlung im Rheinlande die Legende von dem französischen Imperialismus endMltig zer­stört werde (?) und daß andererseits Frmik- reich entschioffen sei, sich bezahtt zu machen. (!)

Französische Rüpel.

(Ein Vlutweg in Oberschlesien.

®te oberschlestsche Bevölkerung der deulsch- gedliebenen rette atmet erleichtert auf, batz fi« von ben franzvgschen Morbdnben endlich be- frett ist. Wie sich dieses französische Gesindel benommen hat.geht ans folgendenSchildernngcn hervor, «in GeschSstSrnann an« Raffel schreibt r Da es für unsere Kasseler Bevölkerung die ja auch für Oberschlesicn gesammelt hat, sehr wissenswert sein dürste, was mit den achtund- zwauzig Deutschen, die dem Selbstschutz an« gehören und bei den letzten Aufständen in Ober« schlesien von den Franzosen verurteilt worden sind, geschehen ist, gebe ich folgendes bekannt: Ich traf auf meiner Reise von Berlin nach Wei. mar den Bergwerksdirektor Souheur aus Glei- witz, welcher mit seiner Gattin vergeblich ver­sucht hat, etwas gegen den Abtransport der acht- uNdzwanzig Mann in das besetzte rheinische Ge­biet zu tun, was ihm aber nicht gelungen war. Diese achtundManzig Mann sind über Cottbus« Weimar nach Aussagung des -Stationsvorstehers in Weimar zu je zwei Mann

mit Ketten an Händen und Füssen gefesselt und von je sechs Franzosen bewacht, auf der deutschen Eisenbahn in Begleitung von drei Regierungsvertretern in Gefangenschaft be« fördert worden, einer davon aus lebenslänglich. Der Redakteur Riemmm soll nach Aussagung des Herrn Direktors Souheur auf dem Transport infolge Entträstung gestorben sein. Sv geht es deutschen Männern, die ihre Heimat verteidigten

Besorgnisse in England.

Berlin, 12. Juli. (Privattelegramm.) Aus London verlautet, die britische Regierung wolle Amerika veranlassen, etwas gegen die wei­tere Entwertnug der deutschen Mark zu tun. Ferner solle der Handelsattache der amerikani­schen Botschaft in Berlin nach Washington be­richtet haben, daß in Deutschland eine Kata­strophe unmittelbar bevorstehc. Eine Bestä­tigung der ersten Nachricht war in London nicht zu erhalten. Aber in offiziellen Kreisen gibt man deusijch zu verstehen, daß für Deutschland etwas Dringendes geschehen mfiffe, da sich sonst die Alliierten vor der Alternative sähen, monarchi­stische Revolution oder wirtschaftlicher Zusam­menbruch. Schon wird in diesen Kreisen eine baldige Einberufung des Obersten Rates angeregt zu dem Ziele, die Mittel zu finden, um Deuftchland vor einer Katastrophe zu bewahren, unter deren Rüittvirkungen die Alliierten zwci- ellos schwer leiden würden.

AuS einer Schilderung aus Oberschlesien et» sieht man, wie die Franzosen in den letzten Ta­gen vor ihrem Abzug gehäuft haben. In den Ortschaften hinterlassen sie blutige Spuren. Mit Recht haben die Redner beim Einzug der deutschen Truppen daran erinnert, wie viele Opfer hie Kugeln der Franzosen in der Besät« zungszeit Oberschlestens forderten und daran, wie einst französische Kavallerie mit gezogenem Säbel in Beuthen in harmlose Straßengän- Rr hineinritt und diese niederzumetzeln der- chte. An schlimmere Verbrechen noch mußten die Redner in Gleiwitz erinnern. Aber so furchtbar diese Erlebnisse auch sind, sie wurden und sie werden in den Schatten gestellt durch die Art und Weise, wie die Franzosen ab« ziehen. Neunzehn Männer, Frauen und Kinder fielen dem französischen Blutbade in Hin­denburg zum Opfer. Acht Opfer hatte Glei« Witz in den letzten Tagen zu beklagen. Selbst die Ruhe eines Toten war den Franzosen nicht -eilig. Der mit Kugeln aus französischen Alpen- ügergswehren gespickte Sarg eines Toten wird immer ein besonderes Stück barbarischer Kultur- bszengung in Oberfchlesien sein. Die Beschie- >ung des Stadtteils Petersdorf war die Fortsetzung, die zunächst mit der Ermordung von zwei Einwohnern enbete, die sich geweigert hatten, als Bemitte den Mörderzug weiter zu transportieren. Nun konnten die Franzosen allen ihren Mordtaten zum Trotz dennoch auf der Eisenbahn nicht weiter kommen. Sie stiegen aus und ließen ihre Panzerautmnobile wieder ausladen, um unter deren Schutz eine weitere Strecke ihres Mutigen Weges zurückzulegen. Plötzlich fällt in dem kleinen Sanhstädtcheu Peiskretscham ein Schuß. Ein einziger Schuß ! Niemand weiß, wer ihn abgegeben hat. Kein Franzose ist verletzt, kein Franzose ge­bötet. Und trotzdem läßt der Kommandierende der Franzosen sofort die Revolverkanonen der Panzerautomobile entsichern und ein förmliches

Bombardement auf die friedliche Stadt und ihre Bürger eröffnen. Ein Haus ist i« we- lügen Minuten gänzlich zerstört. Neun harm­lose Bürger der Stadt sind in wenigen Mi­nuten Lerchen. Ern Auw mit nichtsahnenden Jniassen naht und gerät in das mörderische Feuer der Franzrfen. Wiederum Tote und Verwirndete. Der Chauffeur ist allein von siebzehn Kugeln getroffen! Das Auto selbst stellt nur nach einen wüsten Trümmerhaufen dar. Nach dieser Bluttat von Peiskretscham ist der Blut­durst der Alpenjäger Leronds ein wenig gestillt. Sie setzen ihren Marsch fort Die Franzosen kommen nach Groß-Strehlitz, der neben dem Oppelner Kreise nur noch der einzige ist, in dem die Franzosen ihre brutale Willkür fortfet« jen können. Das besorgen sie aber auch gründ­lich. In Groß-Strehlitz und in den benachbar­ten Landorten ziehen die Franzosen, vis an die Zähne bewaffnet, umher, um die Deutschen in fürchterlicher Weise zu mißhandeln. Ein Fran­zose, derselbe, der die Frau eines Beamten in Groß->StrehAtz vor einigen Monaten grundlos erschoß, und der ttoh aller Anzeigen bei den verantwortlichen franzHkschen Stellen nie eine Strafe für seine Mordtat erhielt, überfällt in einem Dorfe einen Eisenbahnaffistenten und mißhandelt ihn derart schwer, daß er ins Krankenhaus gebracht werden muß. Um eine äußere Ursache für ein neues Blutbad zu bekom­men. zieht eine franzSstsche Abteilung mit einer

Man spricht in fast allen Parteien immer sehr diel von der Notwendigkeit des Wideraufbaues, in Wirklichfeit geschieht aber recht wenig, um den Ausbau zu fördern. Von allen Seiten stellen sich fortwährend Hindernisse in den Weg. Seit zwei Wochen wird in Parlamenten und Ausschüssen das neue Schutzgesetz Mr die Republik beraten, man redet hin und her und beschimpft sich gegen« fettig, indessen zerschmilzt unsere Mark ois auf einen Pfennig und die Teuerung wächst ins Nebelhafte, was aber die Parlamente sehr wring zu kümmern scheint. Die Notenpresse der Reichsdruckerei steht still, weil die Berliner Buch­drucker streiken, die Reichsbank hat infolgedessen nicht genügend Papiergeld, und die Banken im Reiche sind in Verlegenheit, wenn an Zahltagen große Summen gebraucht werden. Aber die Par­lamente berührt das weiter nicht. Die Re­gierung sieht dem Spiel der Gewalten zu und läßt sich von den Parteien und Gcwerffchasten ßühren, wohin es gehen mag. So notwendig diese Sonderschutzgesetze auch sind, scheint sie doch nicht zu überleaen, daß die Republik am besten geschützt würde durch praktische Arbeit am Aufbau der Wirtschaft und Festigung der Finan- zen. Das wäre natürlich eine schwere Arbeit und es müßte auf manchen Gebieten gründlich refor­miert werden. Aber wer will das wagen? Vor­läufig bauen wir die Gesetze aus. Das Am­nestiegesetz hat im Rechtsausschuß bereits eme feste Fassung erlangt, wonach gewisse Ver­gehen gegen Regierung und Republik aus den Zähren 1920 und 21 straffrei fein sollen, die Vergehen aus dem Jahre 1922 aber bestraft wer­den Damit wird die vielgerühmte .Gleich­heit vor dem Gesetz' ausgeschaltet, aber dafür ist es ia eben ein Ausnahmegesetz. Gestern berich­tete ein Berliner Telegramm, daß eine Entspan­nung der Lage eingetreten sei, aber daS trifft doch nicht ganz zu. Die Parteikämpfe um die R e- gierungserweiterung und dasSchutz. g e s e tz sind noch nicht erledigt. Die Führer der sozialdemokratischen Parteien und der Gowerk- schasten wenden sich gegen die gemäßigte Haltung der bürgerlichen Parteien und sie betonen dabei, daß, wenn nicht in allerkürzester Frist, das heißt nach im Laufe dieser Woche, daß Schutzgesetz zu ihrer Zufriedenheit angenommen werde, wenn ferner nicht der (Eintritt der Unabhängigen in die Regierung erzielt wird, kein anderer AuS- toeg als die Entscheidung durch Neuwahlen bleibe. Die Gewerkschaftsvertreter sind nach wie vor geneigt, die Reichstagsauflösung berbeU wführen.

Entgegenkommen zu erwarten. Das ist zum min­desten eine einseitige Auffassung, die durch nichts gerechtfertigt ist. Wenn auch die Devisenkurse sich gegenwärtig ein wenig abschwächen, so hat das dock keine Bedeutung angesichts der vorher erfolgten überaus hohen Steigerung. Söll eine wirkliche Besserung eintreten, dann müssen wir von Grund auf damit beginnen: durch vermehrte Erzeugung und kaufmännische Wirtschaft!

K. F. Dr.

Inzwischen entwickelt sich eine ernste Krise auf wirtschaftlichem Gebiet, die infolge des poli­tischen Lärms beinahe unbemerkt geblieben ist. Im Ruhrgebiet ist man jetzt bemüht, einen Bergarbeiter-Ausstand zu verhü- t e n. Reichsarbeitsminister Dr. Braun hat gestern in Essen die Verhandlungen mit dem alten Bergarbeiterverband begonnen. Die Berg­arbeiter verlangen, wie uns mitgeteilt wird, daß die Lohnzahlungen den gegenwärtigen Geldver­haltnissen besser angepaßt werden, sie verlangen Weiter eine durchgreifende Erhöhung des Min­destlohnes. Weitere Schwierigkeiten entstehen aus der Frage des sogenannten Köpfens der Gedinge. Um die Forderungen durchzusetzen, will der alte Bergavbeitewerband die M ässe n. kündignng einreichen, um auf diese Weise das Streikverbot der alliierten Besatzung, soweit es den besetzten Teil des JndustriegeÄetS be­trifft, zu umgehen. Die Verbandsleinmg hat schon die Kündigungsscheine eingesammelt und halt sie bereit, um sie zu gegebener Zeit den Unternehmern zuzustellen. Diese Woche wird noch mit Verhandlungen ausgeßAlt sein. Sollte rs wirklich zum Streik kommen, so würde damit 3em gesamten deutschen Volke der schwerste Schlag zugefligt. Nicht nur die Industrie wäre m Gefahr, die Betriebe schließen zu müssen, auch Me Eisenbahnen, Elettnzitäts- und Gaswerke, zahllose Kleinbetriebe und schließlich auch der Hausbrand wären bald am Ende, da nirgends große Kohlenvorräte liegen. Es kann sich ds- uoch Jedermann vorstellen, welche verheerende Wirkung ein solcher Zustand haben würde: Wei­tere Rot, Teuerung, Geldentwer­tung wäre die unausbleibliche Folge!

Nicht genug, daß wir tu Deutschland unter dauerndem Kohlemnangel leiden, auch die Franzosen und Belgier mahnen die deutsche Regierung, daß die zwangsweisen Kohlenlieferungen im Rückstand seien. An den monatlichen ffahezu zwei Millio- nen Tonnen sohlen angeblich eine ViertelmMon Tonnen. Die Regierung weiß beim besten Er« ftillungswillen nicht, woher sie die Kohlen neh­men s!oA. Große Kohlengrüben sind uns durch die entrißenen Gckbiete genommen, im Ruhrge­biet wird die geförderte Menge immer geringer, und nun kommt noch die Streikgefahr hinzu. Dir Lage ist also aufs Aeuß erste angespannt. In brer Rot hat die Reichsregierung die Kohlen-