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Kasseler Abendzeitung

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Nummer 159.

Fernsprecher 951 unb 952

Dienstag, 11» Zu« 1922.

Fernsprecher 951 nnb 952

12. Jahrgang.

Das Lrövgen zur Reichstags-Auflösung.

Abzug der Truppen.

Ans dem Wetterwinkel Oberschlefien.

Die interalliierten Truppen haben Oberschl^ fien verlassen, die verstümmelte Provinz ist wie­der in deutscher Hand. Was wir verloren haben, ist vorläufig nicht wieder gutzumachen. Unsere Hoffnung bleibt die Zukunst. Eines Ta­ges werden die Sünden unserer Feinde hier wie an andern Stellen des Kontinents chre Korrektur erfahren, denn Völker lassen sich ebenso wenig vergewaltigen wie sonstige Organismen. Das Selbstbestimmungsrecht der Völler, das die Entente heuchlerisch auf ihr Banner geschrieben hatte, um die Front der Mittelmächte in Verwirrung zu bringen, was ihr denn auch vorzüglich gelungen ist, wird einst die geheiligten Rechte der Nationen auf einen ungeschmälerten Volkskörper zu Ehren bringen. Das ist eine der Hoffnungen, die das deutsche Voll trotz Not um» Elend aufrechterhalten und nicht verzweifeln las­sen. Je willkürlicher die Gegner handeln, desto mehr werden die Oberschlesier durch den Druck zusammengehalten. Mit Empörung mußte man jetzt sehen, daß sechSundzwanzig Deutsche als Gefangene von den alliierten Truppen mit nach dem Rheinland genommen wurden, weil sie gegen die alliierten Truppen gearbeitet hätten. Die Verurteilten sollen nach einem erKoungenen Abkommen des französischen Generals Le Roird mit deutschen und polnischen Vertretern ihre Strafe im Rheinlande verbüßen, da die deutsche Regierung dagegen Einspruch erhoben hat, sie in Oberschlesien in Haft zu halten.

Die Zuversicht zum Wiederaufleben gründe: sich nicht zuletzt aus das tapfere Aushar. ren, das die Oberschlesier während der hinter ihnen liegenden harten Prüfungszeit bewährt haben. Ihnen gebührt der heiße Dank des Va- tcrlandes. nicht nur bafür, daß sie jeder muttg das tragische Schicksal, feindlicher Willkür preis- gegeben zu sein, über sich ergehen ließen, sondern daß sie ein Beispiel gaben, wie freudiges Bekenntnis zum angestammten Vater­laube und engster Zusammenschluß aller sei­ner Glieder im Angesicht des Feindes dem Lande allein die Zukunft sichern kann. Dieser Dank muß sich aber nicht nur in platonischen Beteuerungen betätigen, sondern durch die Tat, und das sollte bei uns in einem Augenblick beherzigt werden, wo zahlreiche Kräfte am Werke sind, um Deutsch­land ganz und gar in ein Chaos versinken zu lassen. Gerade Oberschlesien aber, das eben erst von dem Albdruck der feindlichen Besatzung er­wacht ist. ist einer der schlimmsten Gefahren­punkte auch in der Zukunft. Es hieß« die Annen verschließen. wollte man meinen, mit dem Ab­züge der verhaßten Franzosen sei nun alles wie- der in schönster Ordnung und man dürfe sich von r eu em jener Sorglosigkeit überlassen, die gerade in dieser uns jetzt auf so schmöbliche Weise ver­stümmelten Proving das ganze Unglück verschul­det bat: Merkt man in Warschau erst, daß un­ser Selbsterhaltungstrieb unter dem Drucke der bestehenden Verhältnisse nachzulassen beginnt, dann wird man sich nicht genieren, die einsiwei- lrn noch inoffiziellen Umtriebe gegen den in deutschem Besitz verbliebenen Teil Oberschlesiens mit aller Offenheit zu unterstützen und neu« Bente für das unersättliche Polen zu schaffen.

Mit unserer Versöhnungspolitik, so gut sie gemeint war, haben wir gerade Polen gegenüber stets die schlechtesten Erfah­rungen gemacht. Unser Entgegenkommen hielt man für Schwäche. Die Dinge liegen aber beute keineswegs so, daß alle Trümpfe in der Hand Polens liegen, so sehr man dies mich in War­schau angesichts der milttärpolitischen Unterstüt­zung von fetten Frankreichs anzunehmen scheini. Unsere Stärke gegenüber Polen wird, so sehr auch unser eigenes Wirtschaftsleben zurzeit danttederliegen mag, stets unsere Wirt­schaftskraft sein, von der das ökonomisch- Gedeihen Polens für alle Zeiten abhängig blei­ben wird, selbst wenn die Fristen ftir die Ligut- dation der oberschlesischen Verpfftchttrngen abgr- laufen sein werden. Erst dann wird ja Polen seine Lebensfähigkeit zu erweisen haben. Bi? dahin aber muß sich Deutschland alle Vorteile, die sich mi? der Situation eraeben, nachdrücklich sichern. Gewiß wollen wir Frieden mit Polen, und wenn wir auch blutenden Herzens über die Grenze schauen, wir erwarten nicht? von der Ge­walt, alles von dem gerechten Lauf der Ge­schichte. An Polen aber wird es sein, unsere tra- gischen Erinnerungen nicht stets von neuem zu erregen und unser nationales Empfinden nicht herauszufordern. Die? gift besonders von allen Usviratione.i auf den deutsch verbliebenen ober- schlesischen Besitz. Der Geitter Entscheid, der uns den wertvoMen Teil des Landes enttitz, mochte zur Rot die Welt von der Gerechttgkett der Sache Polens Überzeitgen, nachdem Männer wie Be- t ef* und andere Gegner Deutschlands Mr die polnischen Ansprüche eingetreten sind. Niemand in der Welt aber würde -4 verstehen, wenn die

den konnte, die uns am liebsten von unserer gan­zen Provinz im Osten leinen Stteifen Landes mehr gelassen hätten. Hg.

Lebergabe des Gebiets.

Oppeln, 10. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Gestern vormittag wurde die Regierungc-gcwalr in den deutschgebliebenen Gebieten dem deutschen Gesandten Dr Eckhardt überge­ben. Die französischen, englischen und italieni­schen Kommissare nahmen daran teil. In Ver­bindung damit erfolgte der Flaggenwech­sel. Die fremden Kommissare reisten bald dar­auf ab. Ein Zwischenfall hat sich nicht ereignet.

Eine Reichölagskrise?

Noch kein Ergebnis der Besprechungen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 10. Juli.

Die für Sonntag /6 Uhr angesetzte Be­sprechung der Regierungsparteien mit dem Reichskanzler über die Möglichkeit bet Erwei­terung bet Regierungskoalition fand nicht zur angefetzten Zeit, sondern wesenttich früher statt, ohne daß ein positives Ergebnis zu verzeichnen wäre. Die einzelnen Parteien legten ihren Standpunkt unverbindlich bat, wobei sowohl bei den Demokraten, wie beim Zentrum zum Ausdruck kam, daß die beiden Parteien zu dem drohenden Bruch zwischen Unabhängigen und Mchrheitslozialisten einerseits und den bürgerlichen Koalitionsparteien andererseits noch nickt Stellung genommen Hütten und daß dies erst am Montag geschehen könnte- Aus diesem Grunde ist ein Ergebnis der interfraktio­nellen Besprechungen vor Dienstag kaum zu er­warten. Die ursprünglich für Sonntag ange- setzten Besprechungen fanden nicht statt, diese sollen am heutige« Montag abgehalten werden.

Drohende Haftung der Linke«.

Berlin, 10. Juli. (Privattelegramm.) Der Vorwärts" schreibt: Die Vertreter der sozia­listischen Reichstagsfraftionen haben im Verlaufe der Besprechungen mehttach zu et- tennen gegeben, daß sie die Situation alS äußerst ernst betrachten und keineswegs batcöt denken, sich mit einem verwässerten Gesetz zum Schutze der Republik zufrieden zu geben. Unter den obwaltenden parlamentarischen Verhältnis­sen tritt die Auftösung des Reichstages immer mehr in den Bordetgrunb. DieFreiheit" schreibt: ben Besprechungen hat auch der

Vertreter bet Unabhängigen erklärt, daß die Partei unter keinen Umständen eine Koali- tton mit der Sttnncspartei eingehen werde. Unsere Genossen werden gut «m, sich geistig und organisatorisch bereits einzustellen auf einen Wahlkampf von nie bagctoefcner Heftigkeit und grundlegender Bedeutung für das sozialistische Proletariat". DieRote Fahne" veröffentlicht einen Ausruf der Zentrale der Kommuni­stischen Partei. ES wird darin gefordert: Auflösung des Reichstages, Neuwahlen unter bet Losung Arbeiterregierung.

Zum Schutz der Republik.

Gesetzesberatung im Ausschuß.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 10. Juli.

Die Paragraphen 7, 8, 9 des Gesetzes zum Schutze bet Republik, bie bie Fragen bet ver­botenen Bereinigungen behandelt, wurden angenommen. Auch die Paragraphen übet die Beschlagnahme und das Verbot von Druckschriften wurden nach der Regie­rungsvorlage im Rechtsausschuffe angenommen. Gestrichen wurde dagegen der Paragraph 13, bet bestimmt, daß Mitglieder ehemaliger landes­herrlichen Familien, wenn sie wegen einer der im Gesetz bezeichneten strafbaren Handlungen verurteilt worden sind, durch Beschluß der Reichstegierung aus dem Reichsgebiet ausge- roiefen werden können. Dagegen beschloß der Ausschuß in Paragraph 14 des Gesetzentwurfes zu bestimmen, daß Mitglieder vormaliger lan­desherrlicher Familien das Betreten des Reichs­gebiets untersagt oder auf bestimmte Teile oder Orte des Reiches ihren Aufenthalt beschränkt werden kann, wenn sie ihren Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt im AuSlande haben. Die Geltungsdauer des Gesetzes ist auf fünf Fabre vom Tage der Berkündung ab sestaesehk. Am gestrigen Sonntag wurde die zweite Lesung des Gesetzes vorgenommen.

Der Kohlenmangel.

Deutschland ersucht um Milderung.

«Eigener Drahtbericht.)

Paris, 10- Juli.

Beaehrlickkeit de? weißen Adlers nach nach einem

Die deutsche Regierung hat bei der Repa<

Gute tracbten wollte, dellen e ckt e ? Deutsch- 1 ------- -- --

tu tu selbst von denen nicht mehr angetasiet wer- rationökommission der Alliierten eine Herab

setzung bet beutschen Kohlenlieferun­gen beantragt, lieber den Inhalt dieses Gr- suches meldet betMalin", daß Deutschland eine Herabsetzung der Kohlenquantität von dreißig Prozent verlange, mit der Begründung, daß das Reich zu dieser Henmtersetzung gezwungen roäee, einmal durch den Bettust der oderschlefi» schen Kohlengebiete von zwanzig Prozent, dem diese Berminderung zuzuschreiben sei, zum an­deren aber infolge der Berminderung der eige­nen KohlenfSrderung, bie zehn Prozent ausmache.

Die Nachforschungen.

Weitere Spuren durch beschlagnahmte Briefe (Pttvat-Telegramm.)

Berlin, 10. Juli.

Die Kriminalpolizei teilt einiges aus ben bei dem Studenten Günther gefundenen Briefe« mit. Günther hatte zwei verstossene Briefe bei sich, die er als Kurier in München abgehen sollte. Der eine Bries ist von dem Grafen Reventlow an einen Doktor von Scheub- ber°Rister i« München gerichtet, der dort einen angeblichen WirtschaftsverbandAusbau" leitet, deren Wirklichkeit die Verbindungsstelle zwischen den deutschen und russischen Monarchisten extremer Richtung ist. Er vettucht dttngend eine Verbindung zwischen Ludendorff und einem Herrn von S vermutlich einem rus­sischen Monarchisten herzustellen. Der zweite Brief ist von einem Mitarbeiter Reventtows an den Sanitälsrat Pittmget in München ge­richtet. Pfttinger war Nachfolger EscherichS in der Leitung der Otgesch. Der Bttes diente der Herstellung einet eigenen Verbindung zwischen den Berliner mtb den Münchener Mo­narchisten. Im Anschluß an die bei Günther gefundene« Briefe hat die Polizei eine weitere Zentrale der Organisation C in Elberfeld ermittelt. Beim Grasen Reventlow wurde am Sonnabend eine Haussuchung vorgenommen und der Graf zum Verhör auf das Polizeipräsidium gebracht.

Weil er die Ermordung billigte.

Weimar, 10. IM. (Privattelegramm.) Das Presseamt Thüringen teilt mit: Am 6. Juli ist in Weimar bet Graf von Schlitz, genannt von Görtz unb von Wrisberg, verhaftet worden. Es wirb ihm zur Last gelegt, sich eines Der- gehens gegen Paragraph 5 Ziffer 1 der Berord nung zum Schutze bet Republik vom 26. Juni insofern schuldig gemacht zu haben, als er öffent­lich vor Zeugen bie Ermordung eines Mitglie­des der jetzigen Reichstegierung und bie Ermor­dung eines Mitgliedes einer republikanischen Landesregierung gebilligt hat.

3m Ausland festgenommen?

Berlin, 10. Juli. (Privattelegramm.) Nach einer Mellmng des BlatteABC" wurden in Bigo (Spanien) zwei auf einem deutschen Dampfet festgenommene Männer ins Gefängnis ringttiefett, bie «niet bem Verdacht stehen, an dem Morde an Dr. Rathenan mitschuldig zu sein. Der spannische Innenminister antwortete auf eine Anfrage, daß ihm hiervon amttich noch keine Meldung erstattet worden fei.

(Sin Ultimatum im Haag.

Frankreich verlangt Klarheit vo« Rußland.

(Eigener Drahtbericht.)

Haag, 10. Juli.

Ein Bericht des Sonderberichterstatters bet Agentur HavaS kündigt an, daß bie französische Delegation im Haag zweifellos im Laufe bet heutigen Sitzung erfläten wird, bie sranzö fische Regierung erachte ihre wettere Teil­nahme nicht mehr für möglich, wenn bie Sowjets ihre Haltung nicht ganz gründlick än­dern sollten. DasEcho de Paris" glaubt zu wissen, daß Poincare gestern an die Delegation im Haag dementsprechende Weisungen habe er­geben lassen und daß sich auch die polnische, japanische und b e l g is ch e Delegation mit der französischen Delegation solidarisch erkläre. Der Russe Ktaffin habe darauf tntfmerffam gemacht, daß die von ihm in den Konferenz- sitzungen gemachte« Aeußentngen nicht so wön- lich zu verstehen seien, soweit sie sich auf den Privatbesib beziehen und bie von französischer Seite mH Mißfallen ausgenommen wurden. Sie feien vor allem mit Rücksicht anf bie kommuni­stische öffentliche Meinung (!) gefallen, nichts­destoweniger sei er aber zu weiteren Kon- geffinnen bereit So würde Sowjet-Ruß­land nicht nur neunzig Prozent des Besitzes der früheren Eigentümer zurückerstatten, sondern auch noch mehr. Die französische Regierung erachtet es jetzt für notwendig, eine Klärung der Lage herbeizuführen, da sie sich mit solchen Doppelsinnigkeiten nicht einverstanden erkläre.

AktimgtseNschasten.

Gründungen der Neuzeit.

®te schwierig« Wirtschaftslage 1>at da,« geführt datz «tri« Privat Unternehmungen sich i» 4U«ten.Gese«schaft-n verwandeln. Man schrei», uns #bc« diese Erscheinung das Nachfolgend«:» Noch nie sind so viele Aktiengesellschaften entstanden, wie in der Zeit nach dem Kriege. Nur die wenigstens aber sind Neugründungen; in der Hauptsache handelt es sich um Umwand­lungen bestehender Firmen in Aktiengesellschaf­ten. In der Zeit der Geldentwertung sind für den Betrieb eines Unternehmens so gewaltige Summen nötig, daß sie häufig für den Inhaber unerschwinglich sind. Einen Teilhaber zu nehmen, macht Schwierigkeitet-; neben persönlichen Bedenken kommt vor allem In Betracht, daß auch die Mttel dieses Teilha­bers bei fortschreitender Geldentwertung bald nicht mehr ausreichen werden. Für Unterneh­men. die gift fundiert sind und einen guten Namen haben, kommt die Umgritnbitng deswe­gen in erster Linie m Bettacht, weil es °itf diese Weise möglich wird, laufend das erforder­liche Kapital und den erforderlichen Kredit zu erhalten Banken, die in erster Linie sich der Durchführung solcher Umwandlungsirans- akttonen annehmen, haben die Möglichkett,

an den Kapitalmarkt heranzutreten, und dadurch den neu entstande­nen Aktien einen Markt zu verschaffen. Sie be- tonmteu Einsicht in die geschäftlichen Grundla­gen der Unternehmungen unb werden infolge- dessen auch tn der Lage sein, für oeu notwen­digen Kredit zu sorgen und auch das Maximum dieses Kredites zu bestimmen. Finanzielle Sorgen sind die Aktiengesellschaften meistens enthoben, da durch immer neue Aktienemissio­nen für die nöligen Mttel gesorgt wiid. Ein wetteret Grund für die Zunahme der Umgrün- dungcn ist die Verteilung deö Risi­kos. Selbst der Unternehme, der Wer die nötigen Mittel und über den nötigen Kredit verfügt, um ein Unternehmen ohne finanzielle Störungen betreiben zu können, will nicht sein ga.rzes Kapital in ein Unternehmen hineinstek- len, besonders heute nicht. Wo zwar augenblick­lich große Gewinne erzielt werden, aber wo man niemals weiß, wann der Rückschlag cintritt. Dann kann es sehr leicht vorkommen, daß nicht bloß die Gewinne, die in besseren Zei­ten erzielt wurden, ausbleiben, sondern daß auch darüber hinaus Verluste entstehen. Der Einzelunternehmer. der sein Geld in einem Un­ternehmen festgttegt hat. läuft Gefahr, dieses völlig zu verlieren. Beteiligt sich aber jemand durch Aktienübernahme an einer Wtiengesell- schaft, so ist

fein Risiko begrenzt

durch die Höhe der Summe, die er für die Ak« tten hergegeben hat. Das Risiko wird also verteilt Wenn auch daS Erscheinen der Ak­tiengesellschaften in diesen Menge« als durch unsere Wirtschaftslage bedingt, mithin als un­abänderlich in den Kauf genommen werden muß, j« begrüßen ist diese Entwickelung nicht. Das Verschwinden der vielen kleinen und mitt­leren Unternehmen, das Verschwinden deS selbsstmdigen Mittelstandes auS Handel und Ge­werbe entpersönlicht die Wrtschaft in schädlicher Weise. Der Privatunternehmer steht seinem Unternehmen mit anderem Interesse ge« aenüber, als einer ans seinem Unternehmen hervorgegangenen Mttengesellschaft, in der er als angestellter Direktor lange nicht die bishe­rige Machtbefugnis haben tarnt. Im Inter­esse unseres Wirtschaftslebens wär« es notwen­dig, daß das Privatunternebmen unb damit auch die Privatinitiative mehr in den Vorder­grund treten; diese Notwendigkeit steigert sich in dem Maße, wie die Schwierigkeiten in der Wirtschaftsführung wachsen.

Die neuen Steuern.

Einkommenstenrrfätze vom 1. Juli ab.

Der Steuerausschuß des Reichstages beschloß folgenden Tarif: Die Einko-mmensteuer beträgt für die ersten angefangenen oder vollen 100000 Matt 10 Prozent, für die weiteren 50000 Mark 15 Prozent, für die weiteren 50000 Mark 20 Prozent, für die weiteren 50 000 Mark 25 Pro­zent, ftir die weiteren 150 000 Mark 30 Prozent, für die weiteren 200000 Matt 35 Prozent, für die weiteren 200000 Mark 40 Prozent, für die weiteren 200000 Mark 45 Prozent, für weitere 1000000 Mark 50 Prozent, für weitere 1000000 Matt 55 Prozent, für die weiteren Beträge 60 Prozent des steuerbaren Etuko-mmens. Ferner wurden die abzugsfähigen Sterbekas- senbeiträge von 100 auf 1000 Matt erhöht unb die ab-zugs fälligen Versicherungsbeträge auf 8000 Matt. Auch wurde ein Anttag auf Allzu gs- fähigkeit der Kirchensteuer angenommen. Die Abzüge werden für den Steuerpflichtigen und seine Ehefrau auf je 480 Matt bei rtnem Einkommen bis zu 100OCO Mark, für Kinder ans je 960 Matt bei gleichem Einkommr«, für die