Meier Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung EA Hessische Abendzeitung
4.i€ Safieler meuenen 9iad>rtd)ten ertdgetnen wöchentlich lechSmal und zwar abends. Der AvonnementSprels betragt monatlich 28.— Mark bei freier Zustellunz ins Haus, in der Selchäftsstelle abgeholt 28.—Mark monatlich. Auswärts durch die Poll bezogen 28.— Mark monatlich einschl Zustellung. Bestellungen werden jederzeit entgegengenommen. Druckerei, «erlag und Redaktion Lchlachthokstrabe 28/30. Sär unverlangt eingekandte Beiträge kann die Redaktion eine iberantwortung oder Gewähr in keinem italle übernehmen. Rückzahlung deS Bezugsgelder oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnüngrmätziger Lieferung ausgeschlossen.
Nummer 141. Fernsprecher 951 und 952 Dienstag, 20. Juni 1922. Fernsprecher 951 und 952 12. Jahrgang.
JnserttonSpretse: a) Einheimische Aufträge: Die einspaltige Anzeigen,eile M. 4.—, die einspaltige Reklamezeile M. 11.—. b) Auswärtige Aufträge: Die einspaltige Anzeigenzeile M. 4.—, die einspaltige Reklame,eile M. 11—, alles einschließlich TeuerungSzuschlag und Anzeigensteuer, itür Anzeigen mit besonder» schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme- baten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden, — Druckerei: Schlacht- hosstraße 28/30. Geschäftsstelle: Kölnische Strafte 5, Telephon Nummer 951 und 952.
Die Streitfrage der Setreideumlage.
Problem Rußland.
Kopfzerbrechen im Haag.
Die Haager Vorkonferenz, die der eigentlichen Sachverständigen-Konferenz vorausgehl, hat gezeigt, daß kein genaues Tagungs-Pro- granimi vorbereitet war. Diese Tatsache ist bezeichnend für Vie ganz verworrene Lage, in der sich die Beziehungen der Mächte zueinander im Augenblicke, wo Vie russische Frage endgültig gelöst werden soll, befinden. Der Hauptgrund für diese Unklarheit dürfte im wesentlichen -n einer falschen Einschätzung der amerikanischen Psyche beruhen. Man hatte sich in den europäischen Kabinetten beinahe ein volles Verfügungsrecht über das amerikanische Gold angeniaßt. Niemand wüßte zu sagen, mit weichem Grunde/ Aber es galt seit Jahresfrist in fast Men europäischen Zentren als anerkannter Glaubenssatz, daß Amerika seinen Gläubigern die ungeheuren Schulden erlassen müsse, die ste während des Krieges bei ihm eingegangen waren. Fragte man nach den Gründen, weshalb das rmerikanische Voll eine so ungewöhnliche Großmut, wie sie der Verzicht auf fünfundzwanzig Milliarden dar gestellt hätte, Europa bezeigen sollte, so wies man auf die Notwendigkeit Amerikas hin, die HandelÄeziehungen mit Europa wieder auszunehmen. Gelänge dies nicht, dann n>üßte sich die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten in geradezu erschreckender Weise vermehren und die schlimmsten Folgen für das in-- dustrielle und wirtschaftliche Leben der Union nach sich ziehen.
Es mag zugegeben werden, daß diese Auffassung durch Aeußerungen maßgebender amerikanischer Persönlichkeiten genährt wurde. Offenbar hat auch bis zu den Tagen von Cannes eine gewisse Geneigtheit auf amerikanischer Seite bestanden, die wirtschaftliche Lage Europas durch eine Tat so ausgreifender Uneigennützigkeit zu erleichtern. Mer das/ was Amerika als geringste Gegenleistung forderte, war, daß die europäischen Mächte alles tun würden, um untereinander zu einer Verständigung Wer die großen politischen und wirtschaftlichen Fragen zu gelangen, die bisher der ökonomischen Wiederaufrichtung Europas im Wege standen. Hier hat sich besonders Frankreich als Hindernis erwiesen, indem eS seine imperialistischen Pläne nicht ausgeben zu wollen erklärte. Zum andern bat die Stellung? uahme gewisser europäischer Staaten gegenüber Sowjet-Rußland offensichtlich dazu beigetragen, die Stimmung in den Vereinigten Staaten dem -Interesse für die europäische Wiederherstellung zu entfremden. In diesem Punkte svielt wiederum England die ausschlaggebende Rolle.
Amerika steht den Bolschewisten zu- rächst einmal grundsätzlich feindlich gegenüber. Es verabscheut ihre Methoden und wünscht keinerlei Beziehungen mit ihnen, während es andererseits von aufrichtiger Sympathie mit dem russischen Volke erfüllt ist. dem es zu helfen wünscht. Ans diesem Grunde lehnt es die Union ab, sich mit den Sowjet-Delegierten an den Verhandlungstisch zu setzen, und sie sandte nach Genua nur einen sogenannten Beobachter nrtb beabsichtigt, auch setzt im Haag nicht offiziell vertreten zu sein. Das einzige Zugeständnis, das Washington gemacht hat, besteht in der Zusage. einen Sachverständigen der Kommission anzugliedern, die demnächst die Zustände in Rußland durch eigene Beobachtung feststellen wird. Was unter diesen Umständen, besonders wenn Frankreich ebenfalls auf seiner ablehnen, de« Haltung beharrt, aus der Haager Kon- serenz herauskommen soll, ist schwer einzu- schen, denn eine wirksame Verständigung mit den Russen ohne die Beteiligung der beiden genannten Staaten ist undenkbar. Rehmen Washington und Paris im Haag an der Besprechung mit den Russen aber teil, bann würde der Erfolg trotzdem um nicht? gewisser sein, weil der Gegensatz zwischen England einerseits und Frankreich und Amerika andererseits in xr rnfftfdli Frage so unüberbrückbar ist, daß rin praktisches Ergebnis kaum zn entehr sein dürfte. England hat bisher die Haltung bet Moskauer Regierung nach jeder Richtung unterstützt. Besonders die letzte Unterhausrede des englischen Premierministers war dazu angetan, die Stillung des Sowjetregimes außerordentlich zu stärken. Gerade diese Rede hat in Amerika keinen günstigen Eindruck hervoraeruftn.
Man ist in Washington der Ansicht, daß die Moskauer Regierung auf dem besten Wege war, ihre Methoden den euroväischen Bedürfnissen anzuvasfen, und daß sie nur durch das ent» gegenkommende Verhalten der Weststaaten, die sie als gleichberechtigte Teilnehmer nach Genua luden, in ihrem Widerstande bestärkt wurde. In der Tat ließ das Auftreten der Sowjetbelegierten in Genua einen Schluß aus die innere Wandlung der Moskauer Regie- rnng zu, und da der Haag eine Fortsetzung von Genua fein soll, so muß man erwarten, daß die Abgesandten von Sowjetrußland ihre eigensin- niae Haltung beide halten werden. Dabei ist in
Betracht zu ziehen, daß ihnen heute ein Zurück- weichen fast unmöglich gemacht ist, nachdem man sie so hat gewähren lassen. Sie haben in der Aufnahme, die sie in Genua gefunden haben, eine Rechtfertigung ihrer Politik gesehen und dem russischen Volke den Glauben beigebracht, daß die Westmächte vor ihnen kapituliert haben. Ohne ch m't sich selbst in Widerspruch zu setzen und ihre Sache vor dem Volke zu schädigen, wäre ihnen also eine Zurücknahme ihres bekannten Memorandums, wie es von Frankreich gewünscht wird, nicht möglich. — So liegen die Dinge gegenwärtig. Rußland versteift sich auf seine Grundsätze. Dasselbe tut Frankreich und Amerika. Und England hat sich mit solchem Nachdruck für die Bolschewisten eingesetzt, daß eine Lösung des Knäuels nicht mehr möglich erscheint. Der einzige Rettungsanker bleibt die nach Rußland zu 'entsendende Studienkommis- ston, die es vielleicht im besten Falle dabin bringen kann, daß Grundsätze aefunden werden, wie sich die verschiedenen Staaten mit Sowietruß- lond einzeln verständigen. Dann wäre fteilich der umfangreiche Apparat zweier kostspieliger Konferenzen überflüssig gewesen. Hg.
(Sine gefährliche Klippe.
Regierungskrise nm die Getreideumlage. (Privat-Telegramm.f
Berlin, 19. Juni,
Die Sozialdemokraten drohen, falls die Getreideumlage vom Reichstag abgelehnt werden sollte, mit dem Austritt aus der Reichsregierung. Diese Stellungnahme erklärten am Sonnabend die sozialdemokratischen Bertre- ter im interfraktionellen Ausschuß, als die parlamentarische Lage besprochen wurde. Das Z e n- trum hat noch keine Stellung zur Getreide- umlagc genrmtmen, während die demokratische Fraktion in sich gespalten ist. teils für, teils gegen die Getreideumlage. Die Lage wurde als durchaus kritisch bezeichnet, da beim Ausscheiden der Sozialdemokraten aus dem Kabinett eine äußerst prekäre Situation entstehen würde. Man ist sich in parlamentarischen Kreisen darüber klar, daß bei etwaigen Wahlen, die bei Auflösung des Reichstages wegen der Ablehnung der Getreideumlage und der dadurch entstehenden Kabinettskrise eintreten müßten, eine Spaltung durch das ganze Land in Konsumenten und Produzenten eintreten würde. Die Spaltung würde durch alle Parteien gehen.
* * •
Gntfcveivung Mitte der Woche.
Berlin, 19. Juni. lPrivattelegramm.) Die Koalitionsparteien bemühen sich, eine Mehrheit für die Getreideumlage zustande zu bringen. Die Erörterung im Reichstage wird zwar am heutigen Montag begonnen, jedoch in erster Lesung nicht zu Ende geführt werden, so daß Abstimmungen etwa Mitte dieser Woche erfolgen werden. Man hofft allgemein, bis zu diesem Zeiwunkt eine Verständigung unter den Koalitionsparteien erzielen zu können.
*
Zunächst an einen Ausschuß?
Berlin, 19. Juni. (Privattelegramm.) In der heutigen Reichstagssitzung wird der Reichsernährungsminister Fehr die Getreidc- umlage begründen. Die erste Lesung wird die Hauptwortführer der Parteien auf den Plan rufen. Mit irgend einer Krisenentwicklung im Reichstage ist zunächst nickt zu rechnen, da die Vorlage erst an einen Ausschuß geht.
England und Frankreich.
PoknearS? Besuch in London.
(Eigener Drahtbericht.)
London, 19. Juni.
Der französische Ministerpräsident, der mit seiner Gemahlin am Sonnabend in London eilt« getroffen ist. wurde ohne besondere Begeisterung empfangen. In Pariser Blättern wird betont, daß Poinears nicht in offizieller, sondern in p r i- Vater (?) Eigenschaft nach London reife. Seine Erklärungen können als Widerstand aufgefaßt werden gegen die Politik der persönlichen Konferenzen zwischen den französischen und englischen Premierministern, da PoinearS die diplomatische Erledigung auf dem schriftlichen Wege immer vorgezogen hat. Es ist aber selbstverständlich, daß sich eine Aussprache zwischen England und Frankreich über die Haager Verhandlungen und über die schwebenden Fragen bei der Ae- legenheft des Besuches nicht vermeiden läßt und von allen Ländern mit SpannuW erwartet wird.
*
Drei oder vier Lage.
London, 19. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Soweit in offiziellen Kreisen bekannt ist, hat die französische Regierung Poincars keinerlei Anweisungen gegeben, während seines Aufenthaltes in London irgendwie Unterhaltungen po-<
Mischen EharatterS zu führen. PoincaröS Aufenthalt wird sich wahrfchcinlich über drei oder vier Tage ausdehnen. Die Arbeiten der englischen Hilfsliga zum Wiederaufbau der Stadt Verdun werden am Montag abgeschlossen.
Oesterreichs Zusammenbruch
Erneute starke Preissteigerung.
(Eigene Drahtmeldung.)
Wien, 19. Suni.
Man muß die Hoffnung auf eine Besse- rnng der Lage Oesterreichs leider wieder z u - rückschrauben. Die.Entspannung auf dem Geld- und Warenmarft ist nur von kurzer Dauer gewesen. Am Sonnabend hat die P r e i s st e i gerung neu eingesetzt, Alle Preise der notwendigen Lebensmittel stiegen abermals um dreißig bis ftinfunddreißig Prozent. Die ausländische Kreditgewährung übt fast gar keinen Eindruck auf die Gestaltung der inneren Lage aus und dadurch wächst die Agitation für den Anschluß an Deutschland.
*
Für den Anschluß
Wien, 19. Jüni. (Eigene Drabimelldurrg> Am Sonnabend nachmittag veranstaltete die LViener Studentenschaft eine Kundgebung für den Anschluß Oesterreichs an Deutschland. Ein Redner überbrachte die Grüße deS Rektors, die der Hoffnung Ausdruck geben, daß der Anschluß bald verwirfiicht «erben möge. Der Redner sagte unter anderem: ..Wenn die drei Gruppen der Studentenschaft heute auch verschiedene Wege gehen, streben sie doch alle, wie der heutige Tag beweist, dem einen Ziele zu daß wir, wen,, her rechte Zeitpunkt gekommen sein wird, gemeinsam in unser deutsches Mutterland einziehen werden." Die Kundgebung ist deswegen von so außerordenllicher Bedeutung, weil eS zum ersten- mal geschah, daß sowohl die radikal-völffsche alb auch die national-freiheitlicke und die flerikale Studentenschaft einmütig zusammengehen.
Die Haager Konferenz.
Bessere Beurteilung der Aussichten.
(Eigener Drcchtbericht.)
Haag, 19. Juni.
In der heute Nachmittag beginnenden Sit- zung sollen die einzelnen Kommissionen eingesetzt werden. Präsident v. Karnebeek hat bereits seinen Vorschlag für diese Teilung der Sitzungen fertiggestellt. Außer den Großmächten werden auch Holland und Belgien Sitze in jeder Kommission haben. Die Veröffentlichung der Namen der russischen Delegationsmitglieder hat hier allgemein einen guten Eindruck gemacht, namentlich die Ernennung Krassins. Nur die Teilnahme Rakowskis wird nicht sehr gün- stig beurteilt. Im allgemeinen glaubt man an einen gemäßigten Charakter bet russischen Delegation unb man beurteilt hiernach, wie auch nach der übrigen Stimmung die Aussichten der Unterhandlungen mit den Russen jetzt gut Von heute ob halten die Engländer und Holländer nach dem Vorbild von Genua Pressebesprechungen, während sich die französisch« Delegation ausfällig im Hintergrund hält und sich in keiner Weise um die Oeffentlichkeit zu kümmern scheint. Rur die französischen Journalisten machen sich trotzdem lebhaft bemerkbar.
e
Frankrelck» lenkt ein.
Paris, 19. Juni, lEigene Drahtmeldung.) Ein offenbar halbamtlicher Artikel des „Temps" läßt auf eine bevorstehende Wendung der französischen Politik aegenC6cr Rußland schließen. Im Widerspruch zu ihrer bisherigen Haltung und im Widerspruch mit ihren zahlreichen früheren Erflärungen scheint die sranzöfische Regierung sich neuerdings nun doch an direkten Berhanblungen mit den Vertretern bei Sowjets im Haag zu beteiligen.
Tagung in Leipzig.
Spaltung tat Deutschen Beamtenbund.
(Privat-Telegramm.)
Leipzig, 19. Juni.
Hier fanden am gestrigen Sonntag bebrüt- sl-me Tagungen statt, bie den Beamten und Ge- werkschtstsorganisationeu von großer Wichtigkeit sind. Von dreizehn Beamtenverbänden waren zweiundsechzig Vertteter versammelt, um einen neuen Beamtenbunb zu gründen. Da es sich bei diesen dreizehn Verbänden, die k-iSher dem Deutschen Beamtenbund angeschlossen waren, im wesentlichen um die Verbände handelt, bie in einem ausgesprochenen Gegensätze zu ber Beamtenpolitik der jetzt-en Tpitzenorgam- sation stehen, so ist durch bie Neugründung bie Spaltung beS Deutschen Beamtenbundes ÄS eine vollzogene Tatsache «««sehe«.
Rund um die Srde.
Drahtloser Ueberseeverkehr.
eine lehr wichtige Errungenschaft ist der AnS- bau der drahtlosen Telegraphie, die da« Telegraphieren von Dentschland au« rund um die Srde ermöglicht. Neber die neuerding» bet, drflerte Einrichtung wird nn« geschrieben:
Im Postamt 24 in Berlin ist soeben die Be- triebSzenttale der .Transradio" (Drahtloser Uebersee-Verkehr A.-G.) eröffnet worden in Gegenwart von Vertretern verschiedener Reichs- behörden, der Industrie und Presse. Die Teilnehmer befanden sich in Räumen, in denen die unsichtbaren Fäden über viele Tausende von Kilometern nach allen Teilen der Welt zusammenlaufen und mit denen des europäischen u. deutschen Netzes verknüpft sind — eine konzentrierte Ueberwindung von Raum und Zeit. Heute sind wir bereits dem Zeitpuntt erheblich näher gerückt, wo man in der Sage sein wird, nicht nur an den Antipoden zu empfangen, sondern auch die Zeichen aufzunehmen, die einmal um die ganze Erde herumgegangen find. Da die hierzu notwendige Zeit etwa eine Siebentel Sekunde beträgt, so läßt sich das Zeichen beim Abgang filieren unb ebenfalls beim Wiedereintreffen am Uusgangsort nach Beendigung feiner Weltreise. Die Fortschritte, die in den Telefunken-Laboratorien seit Beendigung deS Weltkrieges erzielt worden find, haben die Zen, tralisierung des Sendens und Empfangs der Großsstttion Rauen mitten im Verkehrszentrum der Stadt Berlin ermöglicht. Die erste Einfüb- rung der Neuerung in den praktischen Betrieb erfolgte seitens der deutschen Telegraphenver- VÄttma durch
Zentralisierung des ReichSfunkbetrisl-es im Haupttelegraphenamt in Berlin, lieber die neue Einrichtung der Transradio-Betriebszentrale hat bei der Eröffnung der neuen Einrichtung der Direktor der Transradio-A.-G., Sols, folgende interessante Mitteilungen gemacht: Seit Ende 1914 bestand als einfacher Wechseloerkehr mit je einer Antenne auf jeder Seite ein lieber« see-Verkehr Nauen — Nordamerika, der gute Ergebnisse zeitigte. Diese waren hauptsächlich darauf zurückzufuhren, baß die beiden den Betrieb abwickelnden Stationen, Nauen unb Sayv-illk, lediglich für einander bereit standen, unb deshalb Senden und Empfang auf die jeweils günstigsten Zeiten für jede Verkehrsrich- tung verlegen konnten. Als Juli 1919 bie amerikanische Regierungsstation Anapolis den Verkehr mit Nauen wieder aufrahm, konnte Anapolis nur ftir wenige Stunden des Tages für Nauen freigemacht werben. EL war deshalb unbedingt erforderlich, diese wenigen Stunden voll auSzunntzen, u z. durch Einführung des Duplex.Verkehrs, b. h. des gleichzeitigen Sendens unb Empfangs nach beiden Rich- tungen — die Einrichtungen hierfür wurden für Nauen in Geltow provisorisch installiert; die hergestellie Verbindung ergab einen befriedigenden kommerziellen Verkehr. An Stelle der Re- aienmgSftation Anapolis trat später die der Radio Corporation of Amerika gehörige Privatfla- tton Marion. Der ftetig zunehmende Verkehr auf biefer Linie verlangte zwangsläufig
eine weitere Verbesserung des Dupler-Verkehrs, der dadurch erzielt wurde, daß Sende- und Empfangsstationen nicht tote bishxr nur telephonisch, sondern jetzt durch eine Tastleitung verbunden wurden, sodaß ber Sender Nauen von der Empfangsstelle Geltow auS gesteuert werden konnte. Dies brachte wieder eine wesentliche Verbesserung, war aber noch immer nicht der Jdealznstand. Letzterer wurde erst erreicht durch die inzwischen erzielten Fortt'chrit- te in ber Verstärkung ber Selektionsfähigkeit auf der Empfangsseite. Diese ermöglichten erst bie Uebertragimg der schwachen Empfangszeichen auf einfachen Telephonleitungen übet große Strecken. Da das Tasten des Senders über eine längere Telegraphenleitung an sich technisch schwierige Probleme nicht enthielt, war damit die Lösung — Vereinigung der Taste des Empfangs an einer dem Hanpttelegraphenamt möglichst nabegelegenen Zentralstelle — gegeben. Hieraus entstand die heutige Transradio-Betriebszentrale für Ueberseeverkehr.Sie stellt gewissermaßen baS «Großhirn* der Kombination von tret Sendern und sieben Empfängern bar, ans denen die heutige Großfunkstelle Nauen-Geltow besteht. Als solches ist sie mit dem Haupttele- graphenamt unb über dieses sowohl mit beut allgemeinen Drahtnetz, als auch mit dem deutschen Inlands- unb Auslands-Funknetz in engste Verbindung gebracht. Es sind durch diese Einrichtung alle diejenigen
Verzögerungen und Irrtümer ausgeschaltet, die durch das bisher notwendige Umtelegraphieren Zwischen Haupttelegraphenamt, Geltow und Nauen zwangsläufig entstanden, Das Europa- Funknetz der deutschen Telegraphenverwaltung, daS tztzn Äöntßit»«fterfjmtfe« und Nauen