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Mete Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
12. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952
Sonntag, 18. Znni 1922
Nummer 140.
Fernsprecher 961 und 952
Bwtpnise und KoWn-Verteuemng.
England und Frankreich.
Der Besuch Poincarss in London.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 17. Juni.
Wie die Btläter betone», soll der Besuch des Präsidenten PoincarS in London zu einem großen gesellschaftlichen Ereignis ausge- ftaltet werden, das die konservativen Kreise der Londoner Aristokratie zu einer demonstrativen Freundschaftskundgebung für Frankreich benut
zen wollen. Am Sonnabend findet unter an- dercm ein Pola-Wettspiel und ein großes Diner statt, bei dem Lord Derby den Borfitz führen wird. Am Montag wird zu Ehren Poincarss ein Frühstück veranstaltet, an dem alle alliierten Botschafter trilnehmen werden.
Die Kohlen werben teurer.
Höhere Löhne, höhere Preise.
(Privat-Telegramm.)
Esten (Ruhr), 17. Juni.
AlMrrie NNMfirderettschafi!
Genf, 17. Juni. (Eigene Drahtmeldung-s Der SenatsauSschutz hat am Mittwoch den Be- richt des Kriegsministers über dir Fortdauer der militärischen BereitschaftS-Matz- nahmen entgegengenommen. Der Bericht war vertraulich. Der „Marin" will erfahren haben, ratz der Kriegsminister die Gesamtlage als «n- verändert ernst bezeichnet habe, da man noch nicht wiste. ob Deutschland die Bedingungen des Moratoriums erfüllen werde.
der Vollsitzung ergab 49 Stimmen für und 16 Stimmen gegen die Borlage.
Der Schiedsspruch des vom Reichsarbeitsministerium eingesetzten Ausschustes steht eine Erhöhung der Tariflöhne im Ruhrkohlenbergwerk von durchschnittlich fünfundreitzig Mark für die Schicht vor und zwar fünfundzwanzig Mark ab 1. Juni und weitere zehn Mark ab 1. Juli. Als Ausgleich der Lohnerhöhung komt nach dem Schiedsspruch lediglich eine entsprechende Erhöhung der Kohlenpreise in Frage. Diese neue schwere Belastung des Wirtschaftslebens ist aber nur erträglich, wenn die Bergarbeiter fich zu dem Ucberschichtenabkommen bereitfinden. ^teröOn hängt die Durchführung der Kohlenpreiserhöh- ung und damit die Lohnerhöhung ab.
Ilm öle Wiedergutmachung.
Besprechung der Reichsregierung.
Verbilligung des Brotpreisesr
Berlin, 17. Juni. (Privattelegramm.) Zwischen dem Reichsernährungsministerium und dem Reichsfinanzministerium schweben gegenwärtig Verhandlungen über Verbilligungsmatz- nahmen auf dem Gebiete der Brotversorgung.
neter Wirtschaft, ferner der Anschluß an Deutschland, um Oesterretch auS seiner Abgeschlossenheit zu befreien. Das österreichische Wirtschaftsgebiet ist mit dem deutschen eng der- knüpft und kann nur durch die Verbindung gedeihen. Aber den Anschluß wollen ja die Alliierten, vor allem Frankreich, verhindern, das betritt eine neue »Gefahr* erblickt. Vorläufig sind Deutschland — ebenso tote Oesterreich — die Hände gebunden durch den Versailler Vertrag und die Weimarer Verfaffung. Eine Streichung der betreffenden Paragraphen wäre Voraussetzung. Man gebe unS nur einmal die Hände frei— tote schnell würde Deutschland und damit Europa wieder aufblühen! K. F. D.
»ie große Aussprache.
Berlin, 17. Juni. (Privattelegramm.) Die große politische Aussprache im Reichstag sollte ursprünglich am Mittwoch nächster Woche begiw »en. Wie dem „Berliner Lokalanzeiger' jedoch von amtlicher Seite erklärt wird, soll d^e Aussprache bereits am Montag stattsinden uw» bis DienStag abend beendet fein. Die dürste sich natürlich in erster Linie auf da» Repa- rationSproblem und alle damit mr Zu sammenhang stehende Fragen, wie das deutsch- belgische Bemelman - Abkommen und die Morgau-Anleihe beziehen.
Die Brotversorgung.
Gesetzentwurf über die Getreideumlage.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 17. Juni.
Der Reichsrat hielt am Freitag in später Abenvsttmde eine öffentliche Sitzung ab, die vom Minister für Ernährung und Landwirtschaft Fehr geleitet wurde. In der Hauptsache galt sie der Verabschiedung deS Gesetzentwurfes über die Regelung des Verkehrs mit Getreide aus der Ernte 1922. Die Ausschüsse des Reichsrates haben lange und eingehend über die Vorlage beraten und sich schließlich auf den Boden der Regierungsvorlage gestellt. Die Borlage verlangt wieder, wie im Vorjahre, eine Umlage von zweieinhalb Millionen Tonnen. Die Abstimmung in
Kritische Tage.
Gibt eS Auswege aus der Wirrnis?
Ueberall kriselt eS: in Berlin, In Wien, im Haag. Man sucht nach Auswegen aus der Wirrnis und findet sie nicht, weil alle Wege künstlich versperrt sind. Es wäre so leicht, aus der Zwangslage herauszukommen, wenn nicht aus Habgier und Furcht die Franzosen.die Wege verbarrikadiert hätten, damit Mittel- und Osteuropa gefangen bleiben. Daß durch diese Freiheitsbeschränkung Alle leiden, weil die Er-
Aus 6er Haager Konferenz
Beschlüsse werden nicht gefaßt.
(Eigener Drahtbericht.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 17. Juni.
Im Reichskabinett wurden am Freitag die Beratungen Über die letzte Entente-Note zum Abschluß gebracht. Das Ergebnis issi daß die Reichsregierung eine Antwort an die Repa- rationSkommisfion vorläufig nicht gvben wird, sondern zunächst die Verhandlungen mit dem Garantie-Komitee abwarten will, du am DienStag beginnen. Im Laufe deS gestrigen Tages haben Besprechungen zwischen dem Reichskanzler und den Führern der Koalitions- Parteien stattgesundcn, die aber nicht der Erörterung der letzten Ententenote gegolten haben.
Die Fischerei-Vflege.
Verbesserung der Volksernährung.
Dir «och in grob« «ast» befte»ett»e Sorgen« die Ernährung de« de-itfchenDolk«« »eranlähidi, amt tch«nLt«Uen,alleWebietezu etforWjutitbcr M* vlotwendigkeit der Fifchereidflege fjtM »er nächst«» ende Aufsatz beachtenswert« Anftchlüg«.
Seefischerei und Binnenfischerei unterschei- den sich heutzutage in Deutschland in mehrfacher • Hinsicht recht wesentlich. Während in der Seefischerei lediglich der Fang, unter möglichster Schonung deS Mischbestandes, die Haupttattgkctt deS Fischers ausmacht, nimmt in der Binnen, fischerei die Hege und Pflege des Fischbeitandes den Fischer stark in Anspruch. Wer auch hier gibt es verschiedene Grade; in der Fluß- und Seefischerei hat die Hege und Pflege der Fische nicht die Bedeutung wie in der Teichwirtschaft, welche im wahrsten Siurw des Wortes eine Fischzucht ist und genau die Merkmale trägt, wie irgend ein anderer Zweig der landwirtschaftlichen NutzÄehhaltuug. Bei den zahlreichen Bestrebungen angesichts der traurigen Wirtschans- lage Deutschlands, die landwirtschaftliche Er- zeugung zu steigern, ist auch die Fischerei nicht unberücksichtigt geblieben. Besonders hat die bei der Preußischen HauptlandwirtschchtSkanuncr gebildete Fachabteilung für Fischerei dieses Problem eingehend behandelt. In einer unlangff erschienenen, von dem Preußischen Landesober- ischmeister Ministerialrat Dr. Sehdel verfaßten Schrift, findet sich eine wertvolle Zusammenstellung der hauptsächlichsten
für die Produktionssteigermig der Fischerei in Betracht kommenden Gesichtspunkte. Dr. Seydel legt dar, daß bei der S e e- slscherei diese Steigerung nur durch Aus- dchnung des Fanges tn Frage kommen tarnte. Wer indeffen die gegenwärttgen Verhältnisse in der Hochseefischerei kennt, dem erscheint es noch viel wichtiger, daß endlich auch einmal von deutscher Seite Schritte unternommen werden, den Anlandungen deutscher Fischdampfer int Ausland einen Riegel vorzuschieben. Allein int Monat März haben nach den Veröffentlichungen des Auslandes hundertundsechs deutsche Fischdaurpfer rund 3 Millionen Pfund tn dem holländischen Fischereihafen Yumwewge- landet; ähnlich liegt es anderwärts, befonbcrS. tn dem englischen Fischereihafen Aberdeen. Kein Wunder, daß das Ausland sich gegen dreien Wettbewerb, der mich nicht un Interesse bet deutschen Volkswirtschaft liegt, M wehren beginnt. — In der Binnenfischerei ist eine der wichtigsten Aufgaben, zukünftig auch die Seen nach den Grundsätzen wie die Teiche zu bewirtschaften. Es kommt bei den Seen wie : bei bett Teichen besonders tn Betracht; eine richtige Uferpflege, weil die User eine wesentliche
, Futterquelle für den Fischbestand darstellen; eine . Entfernung vor überreichlichem KrautwuchS und von Scklammaffen; Auswahl schnellwüchsiger
1 Fischrassen. die nach neuzeitlichen, noch Weiter: : zu erforschenden Methoden zu füttern sind. All, gemein ist auch in der Binnenfischerei wie in
. der Hochsee- und Küstenfischerei die Anwendung von Fanggeräten, die den Fischbestand möglichst
1 schonen, unbedingt notwendig. Wichttg ist ferner
1 ein Schutz der Fische
Krebst für Oesterreich.
Die geplante ausländische Finanzhilfe.
(Privat-Telegramm.)
Men, 17. Juni.
Wie aus Rom berichtet wird, wurde in der italienifchen Kammer gestern der Gesetzentwurf eines Kredttß von siebzig Millionen Lire für Oesterreich behandelt. In der Begründung des Gesetzes heißt es, daß England einen Betrag von zwei Millionen Pfund Sterling, Frankreich eine Million Pfund Sterling und die Tschechoslowakei eine halbe Milliarde Kronen dafür hergeben sollen, um Oesterreich aus seiner bedrängten Lage zu befreien. Der italienische Kredit von siebzig Millionen Lire würde auf ein Jahr gegeben und könne später verlängert werden. Dieser Gesetzentwurf ist noch in das Etatsjahr 1921-22 einzustellen.
' Haag, 17. Juni.
Gestern morgen wurde der Vorschlag des belgischen Delegierten Cattier angenommen, nach dem Vorbild von Genua eine russische Kommission zu hüben, der drei Untertan- Missionen nachgeordnet sind, die die Fragen Privateigentum. Schulde,,, Kredite zu behandeln haben. Die Nachmittagssttzung wurde eingeleitet durch eine Rede des englischen Delegierten Young, der eine Art Programmrede hielt und zur Befriedigung der Anwesenden ausführte, daß die Haager Konferenz lediglich technische Bedeutung habe, worüber, so sagte Young, bet einige« Staaten noch Unklarheit zu bestehen scheine. Die Aufgabe der Konferenz sei n i ch t. Beschlüsse zu fassen, dies sei Sache der Negierungen. Danach ist die Konftrenz gewissermaßen eine Studienkommission. Der Rest der Sitzung ging mit Besprechungen über die Vettretung verschiedener Staaten, z. B. Ungarns hin. Heute und morgen findet leine Sitzung statt.
schaftsnot zu beheben. Was sind fünfunbflinfzig Millionen Franken, die Frankreich vielleicht zu leihen bereit ist, angesichts solcher Zerrüttung. Das würde für kurze Zeit wirken, bis die Not von neuem yervotträte. Ueberdies erklärten die alliiettrn .Sachverständigen", die zu Dutzenden bt Wien hernmlungern, daß ausländische Kredite notwendig seien. Aber geholfen haben sie bis jetzt nicht. Auch der Völkerbund war nicht intitanbe, etwa- zu tun. Ueberall ist es dieselbe Stümperei. Wenn etwas helfen kann, dann ist es einmack eine Aenderuna des Svstems, das heißt gesteigerte Produktion bei geord-
gegen schädliche Wwässer und gegen Fischfeind-, besonders Wassergeflügel. Ein Kampf gegen die Seuchen hingegen, der in der Nutzviehhaltung der Landwirtschaft so bedeutungsvoll ist, Vers spricht in der Fischerei keinen großen Erwlg. Allein die allgemeine Anwendung der wohl erprobten Maßnahmen, die weitgehende Nutzbarmachung der wissenschafüichen Forschungsergek- niffe in der Praxis kann nur dann erreicht werden, wenn nach dem Beispiel der Landwirts schäft auch das fischereiliche UnterrichtSwe- s e n eine großzügige Ausgestaltung erfahrt. Insbesondere kommt die Einrichtung von kurzstrsti-, gen Unterrichtskursen sowie von Muster- und Lehrtartschasten in Frage. Ferner verdient die Förderung des Genoffenschastswesens grojite Beachtung. Daß bei allen wirtschaftspolitischen Maßnahmen die Fischerei eine ihrer Bedeutung entsprechende Berücksichtigung finden muß, sollte selbstverständlich sein. Aber wer kennt letzt die volkswirtschaftliche Wichttgkeit der Fischerei! Wer weiß ferner, daß die Erträge der Binnengewässer größer sind als die der Küstengetoasser und btträchtltch höher als die der Hochseefncherer l Wer ist sich darüber klar, daß durch weitgehende Einbürgerung des Fischverbrauchs bte Ernah- rungslage Deutschlands nicht unwesentlich gebessert zu werben vermag. W. W.
Gegen Strerkauöwüchse.
Lebhafte Erörterungen im Reichstage.
(Eigener Bettcht.)
Berlin, 17. Junk.
_®er Reichstag erledigte am Freitag einigt kleine Vorlagen. Dann stand die Zwcmgsanleihe mit einem Antrag auf Anpassung der E i nkom- mengest; gn die Geldentwertung auf de;
Belgiens SieNungnahme.
H a a g, 17. Juni. (Privattelegramm.) Das Auftreten Belgiens im Haag und ganz besonders die positive Rolle, welche der belgische Telegationsführer Cattier anzunehmen fdjeint, erregt sehr starkes Aussehen. Schon vor der Eröffnung wurden zwischen der belgischen und der englischen Delegation Besprechungen über die Frage des Privateigentums in Rußland abgehalten, Demnach erflätte Cartter offiziell, daß Belgien keinesfalls die Rolle des Zuschauers im Haag spielen will. Belgien schlägt damit eine völlig veränderte P olitik als bei der Konferenz in Genua ein.
zeugung und der Verbrauch gehemmt werden, kümmert die verblendeten französischen Gewalt- polittker nicht. Diese Stümper sind nie imstande, die Menschheit zur Höhe zu führen, weil ihr Horizont nicht über Frankreichs Grenzen hinauS- reicht. Rur weil sie unfähig sind, großzügige Politik zu treiben, deshalb müssen die im Kriege unterlegenen Völker im Elend schmachten. Die Franzosen sind zwar die hauptsächlichen, doch nicht die allein Schuldigen, denn die britischen und amerikanischen Staatsmänner stehen ihnen zur Seite. Wenn diese wollten, konnten sie Frankreich zur Vernunft bringen. Daß sie es nicht tun, beweist, daß sie nicht wollen. Daran ändern alle Londoner Phrasen nichts. Es ist sehr bezeichnend, daß selbst der Anleiheausschuß, die internationale Konferenz der Bankiers, mit ihren sachlichen und vernünftigen Darlegungen vergeblich gewesen ist. Wie Genua, so war auch Paris ein Mißerfolg. Wild es im Haag besser werden? Die mangelhafte Vorbereitung und die bekannte Voreingenommenheit, mit der die Tellnehmer dotthin gegangen sind, lassen schon den Fehlschlag voraussehen. Was sollen alle diese unwürdigen Komödien? Im Haag wild hauptsächlich bas ruf« fische Problem verhandelt. Amerika, Frankreich, Belgien und Italien haben erftärt, baß sie nicht verhandeln, sondern nur „beobachten" wollen. Demnach bleiben nur England und Rußland für die Auseinanbersetzung übrig. Da aber Pom- carS auf der Lauer liegt, Llohd George einen Strich durch die Rechnung zu machen, so wirb auch diese Veranstaltung zwecklos enden.
Daneben quält sich Deutschland unter der Sklavenlast und zermürbt sich in der Sorge r.m die Ernährung des eigenen Volkes. Am Montag soll im Reichstag die Zwangsanleihe und die Getreideumlaae beraten werden. Beides ftrtb Fragen, die weiten Kreisen des Volkes schwere Bedrängnis verursachen. Eine kritisch- Lage wird durch die Beschlußfassung über bte Getreideumlage entstehen. Die Deutsch- nationalen, die Bahrische Volkspattei, ein Teil des Zentrums werden gegen die Umlage stimmen, die Haltung der Deutschen VoWpartei und der Demokraten wird geteilt sein. Aus Oppo- frtion stimmen vielleicht auch die Kommunisten dagegen, weil ihnen die Regierungsvorlage nicht weit genug geht. Die Regierung wird also bte Stimmen der Sozialdemokraten, eines Teiles des Zentrums, der Demokraten und der Unab- bängigen für sich beben, fo daß sie Aussicht auf eine nur knappe Mehrheit hat. und dabei kann man noch nicht wissen, wie der Zufall spielt. Für den Fall der Ublehnung spricht man in parlamentarischen Kreisen sogar von einer Regie- ntngSfrtfe, wett eS den Sozialdemokraten bann nicht mehr möglich sein würde, in der Regierung zu bleiben. Mer es ist zu berücksichtigen, daß solche Kombinationen oft nur dazu dienen, auf bte Parlamentarier vor der Beschlußfassung Einfluß auszuüben. Wie dem auch sei, es ist nicht zu verkennen, daß die innere Lage in diesen Tagen außerordentlich ernst ist. Ebenso schwan- kend ist die Aussicht der Zwangsanleihe, doch scheint die Regierung nach der bisherigen KennMiS der Patteienstellung mit einer Mehr- beit für ihre Vorlage zu rechnen.
Während in Deutschland der innere Kampf fortbauert, wütet in Oesterreich bas Fieber der Entkräftung. Der völlige finanzielle Zusammenbruch ist da. Zwar ist jetzt die neue No- tenbank vom Bankhaus Rothschild und an- deren großen Finanzhäusern gegründet worden, die eine Regelung der Geldverhältuisse versuchen wollen, und man schöpft daraus neue Hoffnung. Es ist erstaunlich, wie schnell man in Wien an eine Wendung glaubt. Schon gestern lagen Meldungen über eine bessere Stimmung an der Börse vor. Bon ferne betrachtet, ist es doch nicht so wahrscheinlich, baß bieS schon bie Rettung bedeutet. Die von ben Banken zur Verfügung gestellten Gelder reichen nicht aus. um die Witt-