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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung MZ» Hessische Abendzeitung

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Nrrmmer 137. ' Fernsprecher 951 und 952 Donnerstag, 15. Juni 1922. Fernsprecher 951 und 952 12. Jahrgang.

Jnserttonsprets«: *) Einheimisch« Aufträge: Die einspaltige Anzeigenzell« M. 4., die einspaltige Reklamezetle M. 11.. b) Auswärtige Aufträge: Die einsvaltige Anzetgenzells M. 4., di« einspaltige Reklamezetle M, 11., alles einschließlich Deuerungszuschlag und' Anzetgcnsteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag Für die Richttgkett aller durch Fernsprecher auf gegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme­daten und Plätze kann eine Bewähr nicht übernommen werden, Druckerei: Schlacht- hofftraße 28/30, Geschäftsstelle: Kölnische Straße ö, Telephon Nummer 951 und 952

Die deutschen Zugeständnisse sind hinfällig.

Die Gegensätze.

Kundgebungen von rechts und links.

Es ist eine häßliche Erscheinung im deutschen Reiche, daß die Kluft Mischen den extremen Teilen des Volkes immer noch fortbesteht. Die Bemühungen der mittleren Gruppen, eine Brücke zu schlagen oder noch besser die klaffende Lücke ganz auszufülkn, sind dis jetzt erfolglos gewesen. Immer wieder wachsen neue Hinder­nisse aus dem Boden, die sich einem Zusammen­schluß sperrend in den Weg fteiien. Zwar wird von regierungs-amtlicher Seite bei jeder Ge­legenheit zur Einigkeit gemahnt, die gerade in der Zeit unserer Not so dringend erforderlich ist, aber schon manche Nachgeordnete Stellen und die damit verbundenen Parteien in den Einzel- fiaaten und Provinzen lassen diese Ermahnung unbeachtet und suchen zuerst ihren Partei­vorteil nachhause zu bringen. Demgegenüber macht sich eine Opposition geltend, die mit schärfsten Mitteln um verlorenes Geibiet kämpft. So kann das deutsche Volk nicht geeinigt wer­den. In diesem gegenseitigen Kampfe wird lei­der ganz vergessen, daß wir alle unsere Kräfte, anstatt sie vom inneren Zwist schwächen zu las­sen, zum Besten des Volkes viel nützlicher der- werten konnten und müßten. Wie im Meinen, so ist es ir*. Großen. Wie zwischen den Radi­kalen von links und rechts, so bestehen Ge­gensätze zwischen Nord und Süd. Was be­deuten da schöne Reden? Amtlich herrscht aller­dings seit etwa einem Jahre Ruhe zwischen Nord und Süd. Preußen und Bayern leben friedlich nebeneinander her, nachdem man in Berlin auf die bayrische Eigenart Rücksicht ge­nommen hat.

In diesen Tagen weilte der Reichsprä­sident in Bayern, um mit dem Zweck der Erholung eine innerdiplomatische Aufgabe zu verknüpfen. Bei seinem Besuch in München, wo er mit der bayrischen Regierung, mit den Abge­ordneten des Landtags und den städtischen Be­hörden persönliche Mihlung nahm, sind goldene Worte gesprochen worden. Ministerpräsident Graf Lerchenfeld lenkte die Gedanken aus den geschichtlichen Vorgang, als das Haus Wt- telsbach zwischen Oesterreich und Preußen zu wählen batte und sich für Preußen entschied, womit der Anschluß Bayerns an das deutsche Reich besiegelt wurde, der in guten und schlimmen Tagen standgehalten hat.Da­ran fest zu halten ist der Wille aller verfas- sungsmäßigen bayrischen Regierungen gewesen. Die jetzige Staatsregierung bat diese Aufgabe von ihrer Vorgängerin übernommen/ Neben dieser Betonung der Zusammengehöticckeit wies der Ministerpräsident aber auch auf die Erhal- wng der bayrischen Eigenart hin und brachte die Erwartung seiner Regierung zum Ausdruckdaß die von der Verfassung sanktio­nierten Hohcitsrechte vor allem auf dem Gebiete der Verwaltung und der Justiz mit Sorgfalt und Verständnis von Reichs wegen ge­wahrt bleiben-. Eine Bestätigung dieser Ge­danken sprach der Reichspräsident in seiner Er- widerunz aus:Zusammenarbeit, ge- giündet auf dem Boden gegenseitigen Verständ­nisses uid Vertrauens, Achtung voreinander, die dem andern Teil Gerechtigkeit werden läßt, sind die beiden Faktoren, die unerläßlich sind ftir die gemeinsame erfolgreiche Arbeit im Dienste unseres Vaterlandes." Das sind für- wahr gute Grundsätze, die das Reich stärken könnten, wenn sie allgemein in die Tat umgesetzt würden.

Zur gleichen Zeit bemühte sich aber eine bay­rische Volksgruppe, ihr Mißfallen über den Besuch des Reichspräsidenten zu zeigen. Der Person des Herrn Ebert können die Kund­gebungen nicht gegolten Hecken, denn er ist ein Mann, der auch den gegnerischen Parteien keinen ernstlichen Verdruß bereitet bat und dessen taft- volle Zurückhaltung allgemein anerkannt wird. Für Fehler der Regierung ist er nicht verant­wortlich. Die Auslassungen des Mißfallens wa­ren vielmehr gegen dieBerlinerReichslei- t u n g, die deutsche Regierung, gerichtet. Tas Herunterholcn der schwarz-rot-goldenen Fahne vor dem Münchener Bahnhof, das Pfeifen bei der Ankunft des Reichspräsidenten entsprangen dieser Abneigung gegen Berlin. Man mag das als Dummejuugenstreiche betrachten. Aber dahinter steht dock ein beträchtlicher Volksteil, der den Boden dafür bildet. Schon in den Ta­gen vor des Reichspräsidenten Ankunft haben einige Parteien, darunter die National-Sozia­len, Entschließungen gefaßt und veröf­fentlicht, daß sein Besuch nicht erwünscht sei. Daß diese Entschließungen selbst von der Mün­chener Polizei ernst au'geraßt wurden, zeigen die umfassenden Schutzmaßnahmen und die polizei­liche Ermahnung, keine Ruhestörungen zu be­geben Glückliche rwe-ft nahm der Besuch einen ungehinderten programmäßigen Verlauf.

Ueble Folgen hätten dagegen die Gewalttätig­keiten von linksradikaler S-°fte in Königs­berg. Dort platzten die Gegensätze hart auf­einander. Bei der Feier zu Ehren Hinden­

burgs, der als Ehrenbürger Königsbergs die­ser Stadt einen Besuch abstattete, zeigte sich die Zügellosigkeit verhetzter Elemente. Mau sollte doch meinen, derBefreier Ostpreußens" hätte es verdient, von allen Bevölkerungsschichten mit Dankbarkeit und Achtung begrüßt zu wer­den. Die linksgerichtete Mehrheit der Königs­berger Stadtverordneten erhob Widerspruch ge­gen Hindenburgs Besuch, weil die Gelegenheit angeblich zu politischen Zwecken ausgenutzt wer­den sollte. Möglich, daß einige nationale Ver­eine eine politische Kundgebung beabsichtigt hat­ten, aber sie traten nach außen nicht in die Er- fcheimina. Die Gegenparteien unterließen es aber rächt, planmäßig die Veranstaltung zu st ö - ren. Sie erschienen mit Knüppeln und versuch­ten, eine kleine Abteilung Reichswehrsoldaten, die an einer internen Parade auf einem Kasernen- hof teilnehmen wollten, zu entwaffnen. Der Er­folg war ein Toter und vier Verwundete auf der Seite der Angreifer. Was sollen denn solche Raufereien. Glaubt man denn ixenit et­was zu bessern? Die Angreifer, die wie immer von den Hetzern vorgeschickt wurden, dünken sich vielleicht als Helden und sind doch in Wirklich­keit nur die törichten Werkzeuge der im Hinter­grund bleibenden Anstifter. Durch Roheften und Verbrechen, seien es Knüppel, Waffen oder Gift, erreicht man keine politischen Ideale und keine wirtschaftliche oder soziale Besserung. Wenn die Politik Nutzen bringen soll, muß der Haß schweigen und Sie Vernunft reden. Rur mit geistigen Waffen können Gegensätze aus­geglichen werden. Die Einigkeit des Volles und die darauf beruhende Aufbauarbeit kann nur durch klare Erkenntnis und einsichtiges Streben gefördert werden! K. F. D.

Deutschlands Geldnot.

Besprechung über die Mark-Entwicklung.

, ' (Privat-Telegrarnm.)

Berlin, 14. Juni.

Gestern nachmittag hielt das Reichskabinett eine Sitzung ab, an der außer M i n i st e r n und mehreren Staatssekretär en auch Reichs- bankpräsident Haven stein mit einer Anzahl Finanzsachleuten teilnahmen. Die Ber- sammelten nahmen zuerst den Bericht des Staatssekretärs Bergmann über die Verhandlun­gen des A n l e i h e k o m i t e e s in Paris entge­gen. Einmütig kam das Bedauern darüber zum Ausdruck, daß daß Anleihekomitre stch in­folge der augenblicklich polittschen Verhältnisse genötigt gesehen hat, seine Arbeiten vorläufig zu vertagen. Bis zur Wiederaufnahme der Au- leiheverhandlungen wird die Regierung ihre Aufgabe darin sehen» einstweilen den Aenderun- gen der Baluta-Berhältnisse vorzubeu­gen. Sie wird deshalb, sobald dies erfolgt sein sollte, mit der Reparationskommission ins Be­nehmen treten, um durch eine vorläufige Verstän­digung über die Weiteren Zahlungen eine un­günstige Entwicklung des Markkurses zu verhüten.

Die Zugeständnisse find hinfällig.

Berlin, 14. Juni. (Privattelegramm.) Die Kabinettsberatungen werden heute vormittag fortgesetzt. Die Aussprache in der gestrigen Sitzung über den Bericht des Staatssekretärs Bergmann hatte volle Einmütigkeit darüber er­geben, daß die deutschen Zugeständnisse der Fi­nanzkontrolle und der Sistierung des Bankno­tendruckes durch die Vertagung der Anleihe h i n- fällig geworden find. Doch will die Reichsre­gierung nicht den Weg absoluter Ablehnung be- schreiten, sondern auch dieses Mal wieder eine Verständigung mit der Reparationskommission suchen. Die entscheidenden Verhandlungen mit der beute in Berlin eintreffenden alliierten Ga­rantie-Kommission beginnen am Freitag.

Wiedergutmachungsfragen.

Die Finanzkontrolle «nd «ahrtalflncht.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 14. Juni.

Die NePrrattonSkommission verhandelte seit gestern über die Ergänzungsnote zu ihrer Rote vom 31. Mai, insbesondere über die Finanz­kontrolle und die zu ergreifenden Maßnah­men gegen die Kapitalflucht. Die Rote wird wahrscheinlich heute zum Abschluß kommen und der deutschen Regierung übermittelt wer­den. Die Reparationskommission, die gestern zu einer offiziellen Sitzung zusammentrat, hofft ihre Arbeiten im Laufe des heutigen Tages beenden und Ende der Woche nach Berlin senden zu kön­nen. Die Kommission beschäftigte sich weiter m den österreichischen Schulden.

«

attfoiftertrife in Frankreich?

Paris, 14. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Rach den für Frankreich unzweifelhaft un­günstigen Folgen der gescheiterten An- leiheverhaudlunMn spricht man in französischen

parlamentarischen Kreisen erneut wieder lebhaft von einer bevorstehenden Ministerkrise und zwar wird als der kommende Mann Briand oder Barthou genannt. Die größte Aussicht von beiden soll aber Barthou haben.

» Anfrage an Voincarö.

Paris, 14. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) In einem Schreiben an Poinearö kündigt Tardieu an, daß er den Ministerpräsidenten am Donners­tag über die gegenwärtige Lage des Repa- rationsproblems zu fragen beabsichtigt.

Deutschland und Rußland.

Schwierigkeiten mir der Ukraine.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 14. Juni.

Die Verhandlungen über die Ausdehnung des Rapallovertrages auf die Ufrainc, Georgien und die Kaukasnö-Republiken gehen nur sehr langsam vorwärts. Durch die Ablehnung Rakowskis, ein Zusatzabkommen zum Rapallo- vtrtrag zu unterzeichnen, durch das die gegeIl­se i ti g e n Ansprüche ausgeglichen werden, wie im Rapallovertrag, ist ein unerquicklicher Zustand geschaffen. Beide Seiten sind jetzt da- mit beschäftigt, ihre Ansprüche gegenüber dem anderen Teil sestzustellen, und die Verhandlun­gen über die gegenseitige Aufrechnung werden nun lange Zeit in Anspruch nehmen. Aus ukrainischer Seite werden die Verhandlun­gen von dem Berliner diplmnattfchen Vertreter der Ukraine, Herrn Nutzem, geführt.

*

Aufrechnung öer Ansprüche.

Berlin, 14. Juni. (Privattelegramm.) Ge­stern hat eine Besprechung im Auswärtigen Amt mit den zuständigen Ressorts des Wirtschasts- ministeriums. des Wiederaufbauministeriums, des Arbeitsministeriums und des Wehrmini, steriums stattgeftmden, in der di« deutschen Ansvrüche an die Sowjetregierung der Ukraine besprochen wurden. Wenn es nicht noch in letzter Stunde gelingt, die Aufrerü- nungsverh indlungen durch einen gegenseitigen Verzicht auf Entschädigung zu ersparen, so wird vorläufig mit der Ausdehnung des Rapallover- träges auf die Mrkaine nicht zu rechnen sein Mit Georgien und Transkankasien be­stehen keine derarttg großen Schwierigkeiten, doch wird auch dort der Abschluß nicht eher erfolgen, alS bis die Frage mit der Ukraine geregelt ist.

Dor der Haager Konferenz.

Frankreich wird teilnehme«.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 14. Juni.

Der französische Ministerrat hat gestern vormittag, gestützt auf die neue englische Ant­wort, den Beschluß gefaßt, eine Studienkommis, sion nach dem Haag zu entsenden. Sogwich wurde entschieden, daß der Kammer Gelegenheit gegeben werden soll, sich zu dieser Angelegenheit zu äußern. Dem Parlament wird ein Gesetzent­wurf vorgelegt werden, der vorschlägt, de» übrig gebliebenen Rest der für Genua gewährten Kre­dite für die Enffendung einer französischen Ab­ordnung nach dem Haag zu verwende». Da sich der Ministerrat über die Wahl der französischen Delegierten noch nicht einigen konnte, be­hielt der Ministerpräsident freie Hand für die Zusammenstellung der Delegation.

Deutsche Sprache!» Lettland.

Im öffentliche« «nd private« Verkehr.

(Eigene Drahtmeldung.)

Riga, 14. Funk.

Der Berfassimgsausschuß der lettländischen Konstituante hat die Beratung der Gesetze über die Minderheitssprachen begonnen. Der Gesetz- entwurf über die deuffche Sprache ist in folgen­der Fassung in erster Lesung angenommen wor­den: 1. Jeder lettiändische Bürger hat das Recht ans unbehinderten Gebrauch der deutschen Sprache in Wort und Sckstist im öffentlichen und privaten Verkehr. Jnsbesimdere darf die deutsche Sprache frei benutzt werden im Post-, Telegra­phen» und Fernsprech-Verkchr, bei öffentlichen Veranstaltungen und Vorführungen, in jeder Art öffentlicher Anzeige, Inschriften, Kundgebungen und sonstigen Druckerzeugnissen sowie in ge­schäftlichem, mündlichem und schriftlichem Ver­kehr. 2. In den Sitzungen des Landtags uns den Versammlungen der Selbstverwaltungs­organe find Reden i« deutscher Sprache gestattet. 3. In den Gerichten mit Ausnahme Lettgallens dürfen sich die Parteien der deuffchen Sprache in Wort und Schrift bedienen. 4. In den Zentral- ämtrrn des Staates und in allen staaüichen und kommunalen Behörden, in den Städten Lett­lands mit Ausnahme Lettgallens müssen schrift­liche Eingaben und mündliche Erllärungen in deutscher Sprache entgegengenommen werden.

Besatzungs-Luxus.

Alles auf Deutschlands Kosten.

Di« bcMtto« Regierung hat auf Wunsch der "Parteien jetzt dem Reichstag eine Denkschrift unterbreitet, die di« Last d«g feindlichen BrsatznusSunfugS darlegt.

Zählt man alle Ausgaben zusammen, die seit Waffenstillstand bis Ende März 1922 vom Deut­schen Reich für die Besatzungsmächte geleistet werden mußten, so kommt man auf eine Summe von fast z w a n z i g Milliarden Mark. Diese Ausgaben sind völlig unproduktiv und ihre Höhe hat vereinzelt selbst auf der Gegenseite zum Nach­denken Anlaß gegeben. Um ein weiteres An­wachsen auf neue Milliarden zu verhüten, hat der Oberste Rat jetzt Höchfisummen ftir die B e» satzunaskosten der einzelnen Armeen fest­gesetzt; für die französische Armee betragen sie 440 Millionen Franken, für die belgische 102 Mil­lionen Franken und für die englische Armee 2 Millionen Pfund Sterling jährlich. Diese Sum­men bedeuten zumal beim jetzigen schlechten Stand der Mark eine unerträgliche Belastung des deutschen Volkes. Eine Besserung ist erst zu erwarten, wenn entweder dir Besetzung ganz auf- gckhoben, oder die Besatzungsstärke auf wenige Tausend Mann Polizei truppen herabgesetzt wird. Unabhängig davon aber muß, und zwar sofort, das Personal der Rheinland-Kommis­sion ganz wesentlich abgebaut werden und das mit dem Vertrage von Versailles nicht im Ein­klang stehende Delegiertensystem mutz völlig ver­schwinden. Die ^nkschrist der deuffchen Re­gierung teilt mit, daß Mein das Personal der Rheinlandkommission und ihrer Delegierten drei« zehnhundert Köpfe beträgt. Nur Mr die Rhein- landkommission hacken vom 1. Mai bis Ende Dezember 1921 fast hundertachtzig Millionen Mark aufgewendet werden müssen. Allerdings wohnen die Mitglieder der Rheinlandkommisston

für dieses Geld in Deutschland glänzend.

Der Vorsitzende bewohnt das Dienftgebäudc des OberpäsidiumS in Koblenz. Für die Einrichtung sind auz den Schlössern Koblenz und Brühl Möbel und aus Frankfurt a. M. Salonmöckel be­schafft und eine Reihe von Zimmern neu einge­richtet worden. Die EinriMung dieser Wvh- nung Hat über 15 Millionen Mark gekostet. Ein anderes Mitglied der Rheinlandrommission be­wohnt die Dienstwohnung des Koblenzer Re­gierungspräsidenten. An baren Auslagen für Äe Einrichtung waren über 700000 Mark not­wendig. Jeder Bezirksdelegierte hat Anspruch auf eine Wvhmmg, die mindestens der für einen Brigadegeneral vorgesehenen Wohnung gleich- werttg sein mutz, d. h. sieben Herrschaftsz-immer, darunter ein großer Salon, Empfangsräume, ferner zwei Dienstbodenzimmer uns eine Küche. Ferner erhebe» die Bezirksdelegierten Anspruch auf je sechs oder sieben Geschäftsräume (Vorzim­mer, Dienstzimmer deS Delegierten, Dienftzim- mer des ersten Adjutanten, Dienstzimmer des anderen Adjutanten und Dienstzimmer der Sek- retäre). Und nun bedenke man daß es elf B e» zirkS- !'nd Mnfundsiebzig Kreis dele­gierte gibt. Dazu kommen die Ansprüche des Hilfspersonals in Uniform und Zivil und seinen Angehörigen. Auch wird häufig über die aufge- Whrten Ansprüche erheblich hinausgsgangen.

Einige Beispiele

mögen das zeigen: der Delegierte des Kreise? Kreuznach, der die Delegrertengeschäfte deS Kreises Meisenheim miterledigt hält sich ne­ben seiner Wohnung in Kreuznach eine zweit« möblierte Wohnung in Meisenheim, die er noch nie benutzt hat, die das Reich acker bezahlen muß. Für einen Delegierten in der französische» Zone mutzten aus mündlichem Befehl tot Juli 1920 beschafft werden; ein Schlafzimmer i» Goldbirke, ein Schlafzimmer in Wumenmaha- goni, ein Speisezimmer, ein Empfangssalon, ei» Damenzimmer, ein Fremdenzimmer, eine Küche und ein Dorraum. Die Sache hat schon damatt saft 250000 Mark gekostet! Ein kinderlos verhex rateter Delegierter in der Rheinpsal» mit einem Dienstboten bewohnt eine ganze Villa mit neun Wohn räumen nebst Zubehör, ferner Hai er einen an die Villa angrenzenden ®emarj «garten und einen Tennisplatz für sich beschlagnahmt. Für einen Kreisdelegierten in der englische» Zone mußten beschafft werden: ein Wohnsalon in Empire-Ausführung aus MMagoni mit Bronze, ein Ankleidezimmer, Ausführung in fei­nem Mattlack, ein weißlackiettes Schlafzimmer, ein Schlafzimmer poliert Kirschbaum mit Weitz Ahorn, ein Speisezimmer aus Nußbaum mit weiß Ahorn u. ein Schlafzimmer für das Dienstperso­nal. Außerdem mußten im einzelnen beschafft werden: Damast, eine Betthimmelhinterwand aus blauer Seide, drei Rohseide-Dekorationen, zwei Steppdecken aus rosa Seide Mr Gäste, ein blauer Seidenvorhang, eine Spitzendecke, eine Filetdecke, ein indischer Teppich, ein Bouchet-Tev- pich, eine Bonbonniere mit Deckel, vier Vai en und vieles andere alles auf Kosten des deut­schen Volkes. Deutschland muß auch die Kosten Mr die B o r d e l l e im besetzten Gebiet aufbrin. gen, di« für die Besatzungstruppen eingerichtet