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Nr. 132.

Zwölfter Jahrgang.

Kasseler Neueste Nachrichten

Beilage.

Freitag, 9. Iuni 1922.

Kamps mit Eisriesen.

«Deutsche Bergsteiger io den Kordilleren.

Zn feinem soeben erschienenen Buche6iib. amerilo, die auffteigenbe Welt i" entwirf Solin Rotz die folgenden fesselnden, abenteuer, lieben Schilderungen von alpinen Grotztaien deutscher Bergsteiger in den bolivianischen «ordiUeren, die wahrend de» Krieges geschahen, in der Keimst rannt bekannt geworden find.

Eines schönen Tages wird nach Bolivien ein findiger yanlee kommen, dessen Sinnen nichi nur auf Ai inen und Bergwerke, auf Kupfer und Zinn eingestellt ist und zu seiner Ueberrafchung finden, daß dieses von Fremden und Touristen noch kaum berührte Land dicht aneinandrrreiht eine Eis- und Bergwelt, gegen die die Schweizer Berge Lein und ärmlich erscheinen, die Tropen­wunder Indiens und die gesunde, trockene Hitze Aegyptens. Und dieses alles ist von Newyork aus Inh erst einmal die Verbindungen ausge- baut, nicht schwerer erreichbar als Europa. Dann werden sich dort, wo bisher nur ärmliche Indios ihre Lamas treiben, Kuchäuser, Hotels und Sa­natorien erheben. Doch halt! Eine Schwierig­keit vergaß ich, eine Sperre, die die Natur zig und die vielleicht doch verhindert, daß hier auf dem Dache Südamerikas einmal der bevorzug­teste Luftkurort der Newporter oberen Zehntau­send ersteht. Die bolivianische Hochebene, von der aus die Bergwände gen Himmel streben und von der schluchtartig abstürzende Täler unmittel­bar in die subtropischen und tropischen Provin­zen Kinunterführen, liegt viertausend Meter hoch. Nur ein ganz gesundes Herz vermag diese Höhe zu ertragen, und selbst den Gesunden, Kräftigen Mt in der ersten Zeit oft genug die Bergkrank­heit an. Hierin und in dem Mangel jeglicher alpiner Hilfsmittel, in dem Fehlen von Schutz- Hütten und Stützpunkten, in der Unmöglichkeit Führer oder Träger zu beschaffen, liegt der Grund, daß die ganze Bergwclt der boliviani­schen Fels- und Eisriesen Äs heute so gut wie unerschlossen ist; der Anfang $u einer alpinen Erforschung wurde erst vor einigen Jahren gemacht-

Vier Deutsche, Adolf Schulz, Rudolf Dienst, Eduard Overlack und Bengel, waren es, die während es Krieges auf dem 6405 Meter hohen Illimant die deutsche Fahne aufpflanzten. Ru­dolf Dienst und Lohse bezwangen außerdem den um ein weniges niedrigeren, aber noch schwerer ersteigbaren Husina Potosi, während sich den Anstrengungen des unermüdlichen Rudolf Dienst im Verein mit Schulz schließlich selbst der höchste Berg Boliviens, der Jllampu, beugen mußte, an dessen steilen Eiswänden im Jahre 1898 der englische Bergsteiger Martin Conway gescheitert war. Monatelang hatte ich in La Paz von mei­nem Hänschen mtS, das wie ein Nest am Berg- bang hing, da? Massiv des Jllimani vor mir. Ich sah es morgens in dem intenstven Rot deS Rosenquarzes aufleuchten und sah es über das schimmernde Weiß seiner Schrieefelder und Glet­scher und Mer den Purpur des Abendglühens bis in die tiefen Schatten der blauen Stunde verdämmern. Um einen Begriff von den Schwie­rigkeiten der Besteigung des Jllimani zu bekom­men, mutz man sich flarmachen, daß die indiani­schen Träger in blinder Gespensterfurcht vor den Berggeistern sich weigerten, die Gletscher zu be­treten, daß Decken, Schlafsäcke und Lebensmit­tel unter der Firngrenze zurückgelassen werden mutzten. Ohne genügende Mäntel, nur mit dem nötigsten Proviant wurde die Eisregion ange­gangen, nachts hochten die Bergsteiger frierend auf dem blanken Eis, tagsüber erklommen sie die Felsgrate und schleppten obenorein die schwere Fahnenstange mit der deutschen Flagge in der eiskalten dünnen Lust. Dabei empfingen die kMncn Bergsteiger, als sie nach ungeheuren Anstrengungen und Mühen schließlich wieder heruntergestiegen waren, zunächst nur Angriffe, Hohn und Spott. Es war mitten im Krieg, und man war um diese Zeit in Bolivien nicht sehr deutschfreundlich. Die Behauptung der Bergsteiger, den Jllimani bezwungen zu haben wurde zunächst als Lüge abgetan. Und als man die auf dem Gipfel des Berges aufgepslanzre deutsche Fahne endlich mit dem Teleskop entdeckt hatte, brach eist recht ein Sturm der Mnvörung aus, und unter Führung der alliiertenfreuud- lichen Presse entrüstete sich das ganz« Land, datz Ml! II I IIIII

Fräulein Ghef.

39) Montan von Hedwig Courths-Mahler.

Sie nickte ernsthaft. »Ja, ich weiß. Väterchen hat mir das alles erzählt, als er noch bei mir war. Aber nur in der Nacht kann ich ihn sehen, wenn ich schlafe und träume. Engel sieht man nur im Traum. Es muß ganz still und ruhig sein, sonst kommen sie nicht nahe heran. In der Calle Florida war Väterchen nicht bei mir. Da ist es zu laut, und zu viel Menschen sind dort. Aber in der Nacht lege ich all die schönen Sachen, die Tante Mona mir gekauft hat, in meinem Zimmer hin, damit Väterchen alles sieht und sich darüber freut."

Brcnken strich ihr über die Stirn. »Sei ge­trost, kleine Otti, du wirst dein Väterchen immer um dich haben weil du ihn im Herzen trägst," sagte er hswegt und sich noch einmal vor den beiden Damen verneigend, entfernte er sich schnell.

Mona nahm nun mit Mutter und Kind das Mittagessen ein. Sie speisten auch jetzt noch auf dem Zimmer. Tilly war darüber ein wenig ver­drießlich.Meinst du nicht, Mona, daß wir un­ten im Speisesaal dinieren könnten? Fetzt müs­sen wir doch auf Georg nicht mehr Rücksicht neh­men. Und man wird ja ganz tieffinnig, wenn man immer so allein in seinen vier Wän­den sitzt."

Zwar batte Mona nicht das Bedürfnis, zwi­schen fremden Menschen zu sitzen. Ihre Trauer um den Bruder war zu echt und zu tief, als daß sie nack Zerstreuung verlangt hätte. Sie begriff Tillys Wunsch nicht. Aber sie sagte doch bereit­willig:Wie du willst, Tilly, wir können auch un­ten speisen." Da wurde diese sehr heiter und plauderte wie ein fröhliches Kind, dem man einen Wunsch erfüllt hat.

Gleich nach Tisch ließ sich Kapitän Hansen Melden. Mona empfing ibn sofort.

Donnerlüchting Fräulein Lerfen, so erstaunt war ich mein Lebtag nicht als heute morgen, da mir Herr Brenken meldete, datz sie in Buenos

man gewagt habe, die deutsche Fahne auf dem bolivianischen Berg aufzupflanzen.

Wochenlang dauerten diese Schmähungen und Angriffe. Die kühnen Bergsteiger, ließen sich da­durch nicht anfechten. Es kam ihnen nicht auf den Ruhm, sondern lediglich auf die alpine Leistung an, und sie gingen darum nur noch un­auffälliger an die weiteren Erstbesteigungen, die sie vorhatten. In der Folge wurde der uner­steigbar schemende Grat des Huanina Potosi bezwungen und endlich auch der höchste Gipfel Boliviens, der 6617 Meter hohe Jllampu. Diese letzte Besteigung war die kühnste von allen. Nach den ersten abgeschlagenen Versuchen, die Spitze zu erreichen, kehrten die beiden Männer, Dienst und Schulz, erschöpft in das letzte Lager zurück, das in einer Eishöhle aufgeschlagen war. Der Proviant war bis auf geringe Reste ausgezehrt. Die Träger, Bergarbeiter, konnten in ihrem Bergwerk nicht länger entbehrt werden, und matt hatte sie mit den Decken und SchlaWcken hin- unteraehen lassen müssen. Die beiden gaben trotzdem den Versuch nicht auf. Da man noch eine Nachtrast im Eis ohne die Gefahr deS Er­frierens nicht wagen durste, ruhten sie den Tag über in der Sonne aus und gingen daran, mit Anbruch der Nacht, beim Scheine des Mondes die Eisspitze zu erklettern. Nachdem sie Tag und NaÄ geflettert, erreichten sie um vier Uhr nachmittags in rasendem, eisigem Sturm die Spitze. Mit frosterstarrten Händen pflanzten sie eine Heine Fahne auf und müssen dann eilen, wieder hinunterzukommen. Vor sich haben sie keinerlei Stützpunkt mehr. Die Träger sind schon unten im Bergwerk. Ta Gesichr besteht, daß sie in ihrem erschöpften Zustand den gan­ten. auf dem Anstieg eingeschlagenen Weg nicht mehr leisten können, beschließen sie, auf gut Glück eine neue kürzere Linie zu versuchen, durch den großen Eisfchlund. der sich Mischen dem Fllamvn und seinem 6560 Meter hoben Zwil- lingsaipfel Ancohnma auf tut. Das Wagnis ist ungeheuerlich. Jsi auf dieser Linie der Abstieg unmöglich, so kehlt den Erschöpften die Kraft, umzukehren und die Anstieglinie wieder zu er­reichen. Allein das tollkühne Wagnis gelang, und in etwa elf Stunden führten sie den Abstieg aus von den 6600 Metern des Givsels bis zu »26-0 Meter, wo das Bergwerk sie aufn.ahm.

Aus aller Well.

Hamvurger Hafenrüuder.

Dieser Tage gelang es einem Detektiv, im Hamburger Freihafen einen fehr bedeu­tenden Güterdiebstahl zu vereiteln und zahlreiche bereits ausgeKhrte Diebstähle aufzudecken. Der Detektiv, der rm Auftrage einer Handelsfirma verschißene Fälle zu bearbeiten hatte, bemerkte, daß Schiffer einer großen Everführer-Firma eine ihrer Kastenschuten loswarfen und abfahren wollten. Da er durch vorheriges Beobachten den Anschein gewonnen hatte, daß es sich um Schmuggelgeschäfte handle, benachrich- rigte er den Wasserschutz, von dem dann das schon in Fahrt befindliche Fahrzeug zurückgeholt wurde. Eine genaue Durchsuchung ergab, daß die Schute mit Gütern im Werte von vielen hun- detttausend Mark beladen war. Zwischen dem eigentlichen Boden und dem Bohlenbelag sand man mehrere Ballen Stoffe, dimer Blusen, Sei- denstrümpse, Musik - Instrumente und andere Sachen verstaut. Diese Waren sollten an Bord eines holländischen Dampfers gebracht werden, der nach Batavia auslaufen wollte. Auch die Gü­ter eines zweiten, gleichfalls nach Batavia be­stimmten Dampfers sind auf dieselbe Weise von den diebischen Schiffern entwendet, versteckt nn& geschmuggelt worden. Der Wert der gestohlenen Kaufmannsgüter läßt sich noch gar nicht über­sehen. Die Schiffer wurden verhaftet und ha­ben bereits ein ssteWndnis abgelegt.

L rennende Wülder und Moore. 1

Am ersten Pfingsttag entstand im Wolfs- brucher Moor (Hannover) in der Nähe der Torf­werke .Bruchhaufen" ein großer Moor- und Heidebrand. An ein Löschen war bei der Trocken­heit und dem starken Winde nicht zu denken. Bald stand ein größerer Tannenbestand in Flam­men. Schätzungsweise sind über Mauzig Heftar

Aires sind. Davon habe ich ja keine Ahnung ge­habt." sagte er in seiner frischen, lebhaften Art.

Mona reichte ihm die Hand. »Sie waren ja schon mit derFreia" unterwegs, Herr Kapitän, als meines Bruders Nachricht eintraf, die mich bestimmte, fogleich abzureifen." Und sie erzähste ihm in kurzen Sorten, wie alles gekommen war, und wie sie ihren Bruder gefunden Batte.

Dann kamen Sie also gerade noch zur höch­sten Zeit," erwiderte er teilnahmsvoll.

Gottlob noch zur Zett, um ibm das Sterben leicht zu machen."

Sie plauderten eine Weite und besprachen auch allerlei Geschäftliches. Mona teilte ihm mit daß sie die Absicht hatte, am Dienstag mit der Germania" heimzureisen.

Später machte Hansen auch die Bekanntschaft von Tilly und ihrer Tochter. Mt Otti fteun- dete er sich gleich an, und Otti war zuttaulich zu ihm, wie zu allen guten Menschen. Das Kind hatte ein sehr seines Empsiüden für echte Güte. Aber Frau Tilly machte keinen günstigen Ein­druck auf dm alten Seebär, trotzdem sie, wie es chr einmal, Männern gegenüber, zur Meilen Natur geworden war, mit ihm kokettierte oder vielleicht gerade darum. Hm! Und das will sich Fräulein Lersen in ihr Haus nehmen? Da wird sie nickt viel Freude erleben, dachte er und 'ah die schöne Frau so kritisch an, daß sie sich achsel­zuckend abwandte.

Erst als der Kapitän von feiner Begegnung mit Brenken sprach, wurde sie wieder aufmerk­sam.Donnerlüchting, Fräulein Lersen, das ist ein Prachtkerl. Den habe ich gleich in mein Herz geschlossen, trotzdem ick kaum eine Stunde mit ibm zusammen war. Da- wäre so ein Ebes für die Firma Lersen und Söhne." So sagte Hansen und sah Mana forschend an. Und als er merkte, daß sie ein wenig errötete, schmunzelte er ganz veronükft.

Mona sagte hastig, um ihre Verlegenheit 1« verbergen:Ja. ia, Herr Kapitän, ich weiß. da?, ich Ihnen nicht imponierend genug bin als Ehef der Firma aber Sie müssen schon mit mir iürlieb nehmen.*

Wald vernichtet. Dies ist noch umso mehr zu bedauern well es der einzige Wald im ganzen Kreise ist. Auch sind Kattoffel- und Getreidefel­der vernichtet. Der Schaden wird auf Millionen geschätzt. Gin Wakdbrand vernichtete bei Dalle und Eschede ungefähr zweitausend Morgen Wakdbestand und ebensoviel Moorland. Der vor etwa drei Wochen ausgebrochene Waldbrand inderOstmark, dem viertausend Morgen zum Opfer gefallen sind, ist noch immer nicht ganz gelöscht. Das Feuer glimmt noch un­terirdisch weiter. Bei windigem Wetter schlagen große Flammen auf, und es bestehl die fehr ernste Gefahr, daß das Feuer auch noch auf das benachbarte Moorland überspringt.

Das Geständnis de« Mörders von Ulsnis.

Der grauenhafte vierfache Raubmord in Ulsnis bei Flensburg, dem, wie wir feiner« zeit berichteten, vier blühende Menschenleben zum Opfer fielen, hat jetzt durch das Geständnis des verhafteten neunzehnjährigen Knechtes Jo­hannes Greve aus Fleckeby bei Eckernförde feine Aufklärung gefunden. Danach stellt sich das Verbrechen als ein Raubmord dar, wie er in der Geschichte der Kriminalistik seinesgleichen sucht. Um sich einen Anzug kaufen zu können, hat der Bursche seine Opfer, eine Landwirtsfrau, ihre beiden Kinder und ein Dienstmädchen, eins nach dem andern, hingeschlachtet. Tatsächlich sind ihm aber nur 106 Mark in die Hände gefallen, so daß er seine Absicht nicht einmal hat ausführen kön­nen. Schon gleich nach der Tat war auf ihn ein gewisser Verdacht gefallen, well seine Hände Heine Verletzungen auswiesen; Greve erklärte dies damit, daß er sich an einer Kette verwundet habe. Ausschlaggebend aber war die Feststel­lung, daß die unter den Fingernägeln der ermor­deten Frau Schmidt gefundenen Haare, die sie dcm Mörder bei ihrem Todeskampf abgerissen batte, mit dem Haar des Greve übereinstimmen. Das Verdienst de- Aufklärung des Verbrechens haben vor allem Kieler Kriminalisten, die sich n Ulsnis als Landarbeiter verdungen hatten.

* Beim Baden ertrunken. Am zweiten Pfingsttage sind in den Gewässern in der Um­gegend Groß-Berlins nach den bisherigen Meldungen vier Personen beim Baden ec- trunken.

* Späte Rückkehr von der Front. Ein Gutsbesitzer im Streife Soest sandte im Jahre 1915 ein Feldpostpaketchen zum Balkan-KricgS- schauvlatz. Jetzt, also nach 7 Jahren, ist das Paketcken als unbestellbar zurückgekommen. Der Inhalt, zweihundertfiinfzig Zigaretten, war unversehrt.

* Im Streit erschlagen. Mehrere auf dem Rittergut Meavw bei Pommern beschäftigte Schnitter gerieten auf dem Wege von Megow nach Pvritz in Streit, in dessen Verlauf ein -Wanzigjfthriger Schnitter einem Arbeitskollegen mit einer Hacke so wuchtig auf den Kopf schlug, daß der Tot sofort eintrat Ter Mörder wurde kestgeu-nnmeu Erst kürzlich wurde in der Nabe von Phritz ein zweiungfünfzigjähriger Knecht von einem andern erschlagen.

* Ein kühnes Schwimmerstück. In München war ein zwölfjähriger Knabe beim Baden in der Isar ertrunken. Nachdem der Versuch der Feuerwehr, den Knaben nt finden etiW'tif|S re« blieben war. meldeten sick fünfzehn Mitglieder des Münchener Männer-Schwimmoereinz frei- willig. Sie gingen in das reißende Wasser und ließen nicht ab mit ihrem Tauchen, bis sie die Leiche des Knaben gefunden hatten.

* Ein Apothekerscherz. Nach Rummels­burg in Pommern kam vor einigen Tagen ein biederes Bäuerlein in die Apotheke und forderte für einen Familienangehörigen, der nicht recht aus dem Posten war, einige Blut-Egel. Der Apo- rbeker konnte diesen Wunsch aber nicht sofort er­füllen, denn er hatte Blut-Egel nicht vorrätig. Mer als Mann von guter Laune und drasti­schen Witzen antwortete er dem Bauer, er solle nur auf das Finanzamt gehen, da gebe es genug ... Blut-Egel. Das Bäuerlein machte sich auch schnurstracks auf den Wen. Aber er kam bei dem Finanzamt schön an. Als er bescheiden seinen Wunsch nach Blut-Egeln äußerte, wurde man fehr erbost und wollte ihn wenig freundlich an die ftifrf-e Mfft fetzen, bis der Bauer si-b auf den

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Apotheker als Referenz berief. Die Folge war, daß das Finanzamt sich beleidigt fühlte und daß der Apotheker eine Strafanzeige bekam. Das Amtsgericht Rummelsburg verurteilte ihn we- gen Beleidigung der Beamten zu zweihundert Mark Geldstrafe und in die Kosten. Diese zwei­hundert Mark ist der Scherz unter Brüdern wert und der Apotheker hat noch die Genugtuung, daß alle Lacher auf feiner Seite sind.

* Der Silberraub unter dem Kutscherbock. Eine eigenartige Ueberrafchung erlebte ein Droschkenkutscher in Berlin, der an einer Stra­ßenecke zu einer kurzen Ruhepause Halt gemacht hatte. Als er wieder auf feinen Bock stieg, sand er unter feinem Sitz ein Paket mit Silber­zeug. Er übergab den Fund der Polizei, und diese stellte fest, daß die Silberfachen vom dem Gute Ziehen bei Schwedt an der Oder stammen. Hier wuvde seinerzeit, wie auch von uns be­richtet, ein Einbruch verübt, bei dem den auch heute noch nickt ermittelten Tätern für mehr als emo Million Silberzeug in die Hände fielen. Das Auftauchen des Funde» bestätigt die Ver­mutung, daß man es mit Berliner Verbrechern zu tun habe. Wie das Silber unter den Kut­fcherbock der Dvoschke gekommen ist, ist noch ganz rätselhaft.

* Die räuberischenSieger" am Rhein. Erst jetzt wird ein Vorfall bekannt, der sich vor einiger Zeit in Bonn jugetragen hat. Nach amtliche« Ermittelungen wurde damals ein älterer Stadt­verordneter und Gewerkschaftssekretär in Bonn, der sich von einer Sitzung auf dem Nachhauseweg befand, in Bonn ohne jede Veranlassung von mehreren französischen Soldaten überfallen, miß­handelt und zu berauben versucht. Als sich der Ueberfalleue tatkräftig zur Wehr setzte, eilten noch mehrere französische Soldaten herbei, die sich ebenfalls aufs schwerste tätlich an ihm vergriffen. Auf die Hilferufe ches Ueberfallenen hin eilten andere Zivilpersonen herbei, worauf die Solda­ten flüchteten. Die Verletzungen, die der lieber« fallene erlitten hatte, waren so erheblicher Na­tur, daß er für lange Zeit arbeitsunfähig ist.

* Pftngsttod in den Bergen. Während der Feiertage sind, wie ans Zürich gemeldet wird, durch Lawinenstürze vierPersonenumge- kommen. Weitere vier Perfonen wurden schwer verletzt, eine wird vermißt. Eine aus drei Perfonen bestehende führerlose Tou­ri stengruppe aus Sitten ist zwischen Dom und Täschhorn verunglückt. Einer fand so­fort den Tod; von den beiden anderen Schwer­verletzten ist inzwischen einer verstorben.

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Er sah sie lachend an.Na, vorläufig bin ich doch aam zufrieden. Fräulein Serien. Abgese­hen davon, daß Sie eine Frau sind, stehen Wie dock stramm auf dem Posten. Alle Hochachtung! Aber für Sie selber wüßt ich schon etwas Besse­res. als Prinzipalin spielen. Aber kommt Zeit, kommt Rat." .

Am Nachmittag fuhren die Damen mit Otti in Gesellschaft des Kapitäns nach derFreia". Sie wurden an Bord köstlich bewirtet, das lieb sich Hansen nickt nehmen. Einiae Stunden hiel­ten sie sich auf. Und Tilly bekam zum ersten Male eine Ahnung von der Bedeutung ihrer Schwägerin als Chef des Hauses Lersen und Söhne als sie diese im Verkehr mit ihren Leu­ten beobachtete. Es schwirrten Zahlen und Ge­schäftsberichte an ihren Ohren vorüber, daß uc nur staunen konnte, aber langweilig erschien es ihr doch. Was konnte es sie interessieren. waS dieFreia" für Ladung an Bord batte und was sic in Buenos Aires noch aufnehmen wollte? Sie war froh. ÄS man wieder an Land fltng.

Am nächsten Vormittag begleitete Samen feine iunae Prinzipalin zu einiaen argentinische Firmen, die mit Serien und Söhne in Serbin» buna standen .Da Sie nun einmal hier sind, Fräulein Serien, können Sie dock auch einige Revräfentationsbesuche machen Man ist überall bannig neugierig auf unser Fräulein Chef. Na und Sie können sich, dünst mich, schon sehen lassen. Wer weiß, ob Sie noch jemals nach Ar. gentinien kommen. Man muß das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden. Und persönliche Bekanntschaften erleichtern den geuhäftlichen Verkehr," hatte Hansen gesagt.

Mona sah ein. daß er recht hatte, und willig­te kurz entschlossen in diese Besuche Sie fuh­ren nach der Calle San Martin, wo Mona zu­erst Geschäfte auf der Bank erledigte, und be- fuckten dann verschiedene Gefchäftshäufer.

Mona wurde überall mit einem staunenden Interesse anfaenommen.

Hierzulande standen wenig Fraue» im Ge- toäftsleben und nicht eine an der Spitze eines Untrrnebmens. daS sich nur im entferntsten mit

dem Welthaus Srfen und Söhne hätte messen können. Jedoch auS dem befremdliche» Staunen wurde toneU Bewunderung und Hochachtimg, als Mona mit ruhiger, aber bestimmter Sicher­heit allerlei schwierige Geschäfte erledigt« und dabei Energie und einen klaren Blick verriet.

Man wollte sie einlaben und feiern, aber sie bat. davon abzufehen, da sie in ihrer doppelten Trauer um Vater u. Bruder nicht in der Stim­mung war. neben den geschäftlichen auch noch gefettiae Pflichten zu übernehmen. Kapitän Hänfen war stoli auf fein Fräulein Chef und drückte das in feiner derben, aber ehrlichen Art aus.

Am Nachmittag befuckte Moua mit Tilly und Otti in Hansens Begleitung den Zoologischen Garten. Otti war in großer Erregung über die Tiere und hätte sie am liebsten alle gestreichelt. Sie hatte soviel zu fragen, wie man es an dem fönst fo stillen Kinde gar nicht gewöhnt war. Ueberbaubt zeigte sie sich jetzt etwas lebhafter unter Monas Einfluß. Die Sorge um Väter­chen. die ihr kleines Herz beschwert Batte, war nun von ihr genommen und die Mutter sanfte nicht mehr so viel mit ihr. da diele sick in Mo­nas Gesellschaft doch etwa? zusammennahm.

Die Zärtlichkeit für die liebe flute Tante Mona erfüllte Ottis flanzcs Herz, u. diese forste dafür daß das Kind heitere Eindrücke bekam. Sie liebte es mit einer mütterliche» Innigkeit, und es überkam sie oft eine heiße Anasi um tiefe? zarte, überreife Wesen. Hatte sie dock iet* keinen Menschen mehr,, der durch Bande beü Mutes zu ihr gehörte, als Otti!

(Fortsetzung folgt.)

Humor in ernster 3<fc.

Eine vorsorgliche Wirtin. Stubent zu» Zimmervermieterin:Lassen Sie's sich gesagt fein, meine liebe Frau, die Zimmerve Mieterin, wo ich zuletzt wohnte, die hat sogar geweint, als ich wegzog." Zimmervermieterin:Na, das haben Sie bei mir nicht zu bestüchten. ich lasse mir immer vorher zahle«."