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Nummer 132

Freitag, S. Juni 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Die Kasseler Steuerten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal and groat a b end s. Der AbonuementzpreiS beträgt monatlich 28.- Mark bet freier Zustellung Ins Hau». tn der SeschästSftelle abgeholt 26. Mark monatlich. LuSwürtS durch die Post bezogen 28. Mark monatlich einschl Zustellung. Bestellungen werden jeberjet: entgegengenommen. Druckerei Verlag und Redaltton Schlachthofstraße 28/30, Kür unverlangt eingesandte Beiträge rann die Redaktion eine Berantwortung oder Bewähr tn keinem Kalle übernehme». Rückzahlung des BezugsgeldeS oder klnsPrüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschlossen.

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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Frankreich als Hindemis der Anleihe.

Das teure Brot.

Getreidenmlage und Preisfestsetzung.

Die Brotversorgung ist das Gebiet in der Er- nÄhrungswirtschast, das jedem Einzelnen am meisten nahegeht. Insbesondere werden davon die Landwirte als Getreideerzeuger und die Ver­braucher betroffen. Es war für die Ernährungs- Minister und ihre Aemter eine außerordentlich wichtige Aufgabe, die Bevölkerung zufrieden zu stellen, aber mit der Lösung dieser Aufgabe sind weite Kreise nicht zufrieden. Die Verbrau­cher klagen über den zu hohen Brotpreis und die Landwirte über den zu niedrigen Ge- tteidepreis. Die landwirtschaftlichen Organisatio­nen haben gegen die weitere Zwangsbewirtschas- tung des Getreides Einspruch erhoben, aber die amtlichen Stellen haben trotzdem auch für dieses Jahr die teilweise Erfassung durch Um­lage beschlossen. Wie wir gestern telegraphisch berichteten, ist der Entwurf eines Gesetzes zur Regelung des Verkehrs mit Getreide bereits aus­gearbeitet und zwar sind dabei folgende Haupt­punkte beachtet worden: Erfassung durch Umlage in der gleichen Höhe wie im vorigen Jahre, bes­sere Unterverteilung durch die Kommunalver- bände und jeweilige Festsetzung des Preises. Dieser amtliche Charakter der Preise darf bei der Beurteilung der BrotpreiS-Erhöhun- gen nicht übersehen werden, besonders deshalb, weil sich gewohnheitsmäßig der Unwille der Ver­braucher zu Unrecht immer gegen die Stellen Wendet, die den erhöhten Preis erheben. Die amtlichen Organe, die den Brotpreis bestimmen, sind indessen so zusammengesetzt, daß sie ein» Gewähr dafür bieten, die Interessen und den Geldbeutel der Verbraucher eher zu bevorzugen, als zu benachteiligen.

Es müssen zwingende Gründe gewesen sein, dre Veranlassung Mgeden haben, den Brotpreis neuerdings hinaufzusetzen. Diese Gründe sind leicht zu finden und zu nennen: in der Haupt­sache ist es die Entwertung des Geldes die auch die Brotpreise aufbläht. Mit den tat» sachlichen Vorgängen auf dem Getreidemarkt hat der Brotpreis nichts mehr zu tun. Das ist eine Folge der teilweisen Zwangsbewirtschaftung des Brotgetreides, die sich von heute auf morgen nicht avstreisen läßt. Es ist bemerkenswert, daß di- zuständigen amtlichen Stellen glauben, auf diese Umlage noch nicht verzichten zu können. In der Auswirkung ist die Umlage ein Verfahren, durch das die Landwirte gezwungen werden, einen Teil ihrer Ernteerträge zu einem Preis an die Reichsgetreidestelle abzugeben, der weseni- lich niedriger ist, als es die Inlandspreise für Brotgetreide sonst sind. Damit wird den Landwirten zweifellos ein Opfer auferlegt das in dieser Form andere Berufsstände nicht z» tragen brauchen. Die Regierung will schon um deswillen nicht auf die Getreideumlage verzich­ten, weil fie sich auf Anordnung der Alliierter' gezwungen sieht, die sogenannten Lebensmtttel- zuschusse abznbanen. Trotzdem ist die Umlage ein schlechter und unzulänglicher Ersatz für die frühe­ren Zuschüsse. Diese hätten seinerzeit zweck- toBtger angelegt werden können, wenn für die die ausgegeben wurden, nicht nur ausländisches Brotgetreide, sondern vor allein bochwertrae Düngemittel aufaekauft worden iwen. Mit gleichzeitiger vollständiger Aus- hebuug der AvangSbewirisckaftunq für Getreide diese Wirtschaftspolitik die deussche Land- m J**! Stand gefetzt, die Erzeugung erheblich zu steigern. Auf diese Steigerung Hemmt cs an.

Wir haben durch den Versailler Vertrag vor­nehmlich rm Osten wertvoll Korn- und Kartof- fekgeblete verloren. Umso wichtiger ist es, daß die Landwirtschaft in Deutschland sich auf die bowste Stufe der technischen Entwicklung einzu- stellen vermag. Das geht nur, wenn die Erträge aus l^r Wirtschaft ausreichend find, da der Be- titeb ,kch nicht mehr in der Dreifelderwirtschaft övst, sondern ein kostspieliger und empfind- ttcher Mechanismus geworden ist. Während ii ^utL*ranb die Landwirte von jeder staat- -^^n Zwang^bewirtschaftung frei sein wollen, v<wnichen t,ie Farmer »n Kanada, die Raat- Mk Bewirtschaftung wieder einzuführen, und Awar deshalb, weil die Weizenpreise in Amerika gefallen such. Die staatliche Bewirtschaftung ge­währleistete den kanadischen Farmem einen an­gemessenen Preis, der Veranlassung gab, immer "ue Boden flächen dem Weizenbau zuzufiihren. Richt? kennzeichnet schärfer die Wandlung aus den Gchceid'Miärkten, als daß die günstige" Ernteaussichten in den Ueberschußländern di: Brotpreise in den ZufchuMndern so aut wie gar nicht beeinflussen. Darin drückt M die Wirkung der staatlichen Zwischenbond au8.

Wenn es vor dem Kriege einen mustergültig eingerichteten Markt gab, so war es der Ge- twidemarkt. Er war Handels- und verkehrstech­nisch international ausgebaut und jo vervollkommnet, daß in den sogenannten Zu­schußländern Hungersnöte nichi mehr entstehen konnten. Der Hemdrt übersah die gesamten Ge-

treidevorväte auf der Erde, um sie dahin zu füh­ren, wo sie gebraucht wurden. Heute sind die Vorräte wohl auch noch ju übersehen, aber die zerrütteten Wechselkurse der Zufchußländer er­weisen sich alZ fast unüberfteigbare Zollmauern. Weiter kommt hinzu, daß Rußland aus einem Ueberschußland zu einem Zuschußland geworden ist. Die Nachfrage Rußlands nach Brot­getreide ist so stark, daß sie auf den ausländischen Getteidemärkten die Senkung des Getreidepreises verhindert. Für Deutschland sind bisher die Ernteaussrchten als nicht besonders günstig be­zeichnet worden. Die Zwangsumlage wird diese Aussichten nicht verbessern, da das freie Getreide dann umso höher im Preise steigen muß, wobei der Fnlandsvreis durch den Auslandspreis ge­bunden ist. Was aber im nächsten Jahr werden soll, das ist wesentlich davon abhäitzgig, ob der Gewinn der Landwirtschaft ausreichen wird, um die Erzeugung im Inland zu steigern.

Frankreichs Widerstand.

Morgan droht mit Maßnahmen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 8. Juni.

Das Anleihekomitee ist gestern nachmittag zu­sammengetreten, um von der Antwort der Repa- rattonskommiffion Kenntnis zu nehmen. Das Komitee hat dann den Text geprüft, ist aber da- mit noch nicht zu Ende gekommen. Die Ver­handlungen sollen heute fortgesetzt unv abge­schlossen werden. Gestern fand ein sehr lebhafter Meinungsaustausch statt. ES verlautet, dass vor allem Morgan auf eine Aufhebung beS französischen Widerstandes dränge. Er soll damit gedroht haben, daß, wenn Frank­reich kein Entgegenkommen bekundet, Amerika die Mittel in der Hand habe, von Frankreich die be­schleunigte Rückerstattung der während des Krieges aufgenommenen Anleihe zu verlangen.

Deutsche Sachverständige.

Berlin, 8. Juni. (Privattelegramm.) Die ReichSregicrung hat zur Unterftf*ung des deut scheu Vertreters bei den Pariser Anleihe-Ber- haudlungen sechs Sachverständige bestimmt, de­ren Rat je nach Bedarf eingeholt werden soll. Die Sachverständigen find Reichsvankprüfident Havenstein, die Bankiers Mekchiox, Mendelssohn und Urbig svwkr Ludwig Hagen und Geheimrat Deutsch. Dr. Mel­chior befindet sich in Paris. Staatssekriär Bergmann wird vermuttich Ende dieser Woche zur Berichterstattung in Berlin eintreffen.

Um Sie Schuldsumme.

Reparations-Ausschuß und Anleihe. (Eigener Drahtberickst.

Paris, 8. Juni.

In einer weiteren Sitzung, in der die Re­tz arati o nsko mm issi o n gestern über dir an das Anleihekomitee zu erteilende Antwort beraten hat, wurde der Text des Antwortschrei­bens festgelegt, worin sich die Reparationskorn- miffion zu der Frage ausspricht, ob eine weitere Herabsetzung der deutlschen Schuld in Aussicht gestellt werden dürfe. Die Repar«- ttonskommiffion hat sich mit drei gegen eine Stimme dahin geäußert, daß datz dem Anlei- hekomitee erteilte Mandat erweitert wird Die Vertreter Englands, Italiens und auch Bel­giens ließen Frankreich allein. Auch der amerikanische nichtamtliche Beobachter Boydon stimmt» der franzöfischen Meinung nicht zu. Der französische Standpuntt geht jetzt dahin, daß Frankrrich sich erst bann mit einer Herabsetzung der deutschen Schuld einverstanden erklären kön­ne. wenn man ihm andererseits entgegenkommr, d. h. wenn die Bereinigten Staaten die fran­zösische Schuld ebenso hcrabsctzen wie Frankreich feine Wiedergutmachungs-Forderungen Deutsch­land gegenüber vermindern würde.

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SiontreUi) siitzl allein.

Paris, 8. Juni. Frankreich Hai durch die öf- fentlch bekanntgegebene Isolierung einen schweren Schlag erlitten. Besonders die Tatsache, datz Belgien diesmal die Gefolgschaft versagt hat, hat die französische Oesfentlichkeit sehr betroffen. Heute morgen versuchen dir Blätter den Beschluß der RcparationSkommission in Frage zu stellen, indeni sie anführen, daß dieser Beschluß gemäß dem FrirdenSvertrap, einstimmig gesatzt werden mässe, um wirksam zu sein. Dies» Behauptung entbehrt aber jeder Grundlage, weil gestern der Präsident der Retarationskormmssiorl erklärt

hatte daß der gefaßte Eutscheid, obwohl er nur durch Mehrheit, nicht durch Einstimmig, kett gefaßt wurde, gültig ist. Es wird jetzt aber darauf hingewiesen, daß durch diesen Ent- scheid, nach franzöfischer Ansicht, die ganze Fra­ge des 31 Mai und die Sanktionsfrage wieder neu aufgeworfen wird.

Die Schulden der Alliierten.

Auch die kleine Anleihe gescheitert? (Eigener Drahchericht.

Parts, 8. Juni.

Die franzöfische Regierung hat ihren Bot- schaster in Washington und in London angewiesen, bei der amerikanischen und engli­schen Regierung genaue Feststellungen vorzuneh­men, inwieweit die beiden Regierungen einer allgemeinen Regelung der interalliier teu Kriegsschulden geneigt find. Wäh­rend die Berichte aus London ziemlich günst lauten, berichtet der Botschafter aus Washington, daß die amerikanische Regierung nicht geneigt sei, diese Frage zu erörtern. Infolge dieser Tatsache wird das Schicksal der A»lei- heverhandlungeu sehr pessimistisch beurteilt. Man glaubt selbst nicht mehr an ein Zustandekommen einer Heinen Anleilst, die für alle Teile unbefriedigend wäre, sondern glaubt, daß die Fortsetzung der Verhandlungen einer neuen Konferenz Vorbehalten bleiben wird.

Gin diplomatischer Tee.

Zusammenkunft führender Persönlichkeiten. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 8. Juni.

Der Minister des Aeutzrrn Dr. Rathenau hatte für gestern nachmittag Einladungen zu einem Tee ergehen lassen, der im Garten des Ministeriums-stattfand. Da der ReichsprSstdrnt Ebert am Abend nach Freudenstadt abreifie, wo er einen Kuraufenthalt nimt, konnte er nur kurze Zeit an dem Nachmittagstee teilnehmen. Bon Ministern, Staatssekretären und höhe­ren Beamten des Auswürttgen Amtes waren fast alle erschienen, die gegenwärtig in Berlin weilen. Ebenso waren die in Berlin anwesen­den fremden Botschafter und Gesandten, zum großen Teil mit ihren Damen, fast vollzäh­lig gekommen. Auch Tschitscherin gehörte mit mehreren Begleitern zu den Gästen. Fürst und Fürstin Bülow, die soeben in Berlin ein- getroffen waren, promenierten in lebhafter Un­terhaltung mit Freunden und Bekannten durch den Garten, für dessen Verschönerung die Für­stin früher viel getan hat. Auch von den Mit- arbritern von Bechmann-Hollwegs und seinen Nachfolgern sah man mehrere, sodaß eigenttich alle Kreise, die hier gewirtt hatten, vertreten waren und ebenso waren, mit Ausnahme der Kommunisten, alle Parteien von den Teutschnationalcn bis zu den Unabhängigen durch bekannte Parlamentarier vertreten. Sehr zahlreich waren die Mitglieder der Finanzwett und der Großindustrie und ebenso wenig fehlten die Kreise der Gelehrtenwelt, Kunst u. Literatur.

Katholische'Volitiker.

Der Reicheksnzlsr und Graf Lercheufsld. (Eigener Drahtbertcht.

Konstanz, 8. Juni.

In dem badischen Konstanz am Bodensee tra­fen sich in diesen Tagen zahlreiche deuttil/e katho­lische Politiker. Reichskanzler Wirth betonte, oatz durch diese Konferenz niemand verlebt wer­den solle. Mit Rack^ruck vertrat er den Gsdau feit der Erhaltung der Rcichseinheit und htch dabei besonders eine freundliche Zu- sammenarbiet mit Bayern hervor. Wiederholt bin ich gefragt worden: Werdet Ihr Deutsche auch zusammenhalten oder werdet Ihr auscin- andcrfallrn? und immer wieder habe ich betont, datz wir uns von dem Gedanken der Reichsein­heit nicht trennen wollen. Rach dem mit stür­mischem und tanganba'icKbem Beifall begleite­ten Ausführungen des Kanzlers erhielt der bayerische Ministerpräsident Graf Lercheufeld das Wort, der ebenftills die Rotwcrrdigkett einer Verständigung und Versöhnung unter den Völ­kern betonte. Der Standpunkt der Gewalt und der Revanche dürfe nicht mehr auftommen. In der Außenpolitik wie in der Jnnenpolttik müsse sich der Grundsav der Berstäudigunq durchsetzen.

Hessische Siedlungen. Landbegehr und Umsiedlung auf« Land.

Der JshreSbertöht der Sledlungsg-sellschaf« »Sesgjehe Setmat ®. m. d. S. Raffel für bas L-Seschäftlstahr vorn l.AtzrUlS20diö31.Miir, 1921 gldt ein umfaffenbeS Bild bet Tätigkeit, die von dieser SefeUschast entfaltet worden ist. Die beiden in unserer engeren Heimat be­stehenden SiedlungsgesellschaftenHessische Hei­mat" undHeimstätte" ergänzen sich gemeinfam gegenseitig bei der Durchführung der Siedlungs­aufgaben in Hessen und Waldeck. DerHessischen Heimat" liegt im wesentlichen die Landdeschafi- fung, derHeimstätte" die Herstellung der Bau­ten und beiden gemeinsam die Finanzierung ob. Der 1920 Überaus stürmische Landbegehr ebbte im vergangenen Jahre ab. Auch nahmen die neu mit der Änliogerstedlung betrauten Kul­turämter ihre Tätigkeit auf. So wurden be­sonders die an die Gesellschaft gestellten An­sprüche auf Beschaffung von Anliegcrland gerin­ger. Auch die Wünsche auf Neuansiedlung ließen nach. Unvermindert stark war die Nachfrage nach Gütern. Im Einvernehmen mit dem Landes- kutturamt wurde mit diesem ein Abkommen da­hin getroffen, datz sie alle laufenden Stnträge auf Beschaffung von Pachtland von derHessischen Heimat" übernahmen und andererseits nichts da­gegen einwandten, daß dieHeimat" die von ihr in Angriff genommenen Sachen auf Beschaffung von Eigentum zu Ende führte und weiter selbst Anliegerstedlung insoweit tteiben sollte, als fie im Wege des Vorkaufsrechtes Land für die An- liegersiedlung bereitstellte. Bon der Regierung wurde derHessischen Heimat" für Siedlungs- Iwecke die Domäne Burghasungen zum Kauf angeboten. Mit Rücksicht auf die Boden- beschaffenhett der Domäne verzichtete sie auf de­ren Ankauf, nachdem sie zuvor dafür gesorgt hatte, daß die Wünsche der anstoßenden Gemein­den Ehlen und Altenhasungen ans Zuweisung von Pachtland bei der Neuverpachtung entspre­chend berücksichtigt «wurden. Ferner war die Re­gierung damit einverstanden, daß dieHessische Heimat" bei dem Ankauf domänenfiÄalischen Streulandes bei der Gemeinde Bergen als Käufer austrat. Da dieses Streuland nahe den Toren Frankfurts liegt, war eine Maßnahme gegen Spekustttion besonders notwendig. In Waldeck wurden Staatsdomänen nicht pacht- frei. Im Verfolg der Ausübung des Vorkaufs­rechtes wurden im letzten Jahre 656 Morgen er­worben (1612 im Vorjahr), und Ävar hauptsäch­lich für die Zwecke der Änliegersiedlung; so in Romsthal, Mansbach. Fleckenbühl, teilweise Buchenau und Bauhaus. Sehr erheblich zuge- iwmmen hat die Fläche, die dieHessische Hei­mat" im Wege des freien Ankaufs erworben hat. Sie betrug 2065 Morgen, gegenüber 385 Morgen Waldrodland im Jahre 1920. Die Verkäufer find aber Überwiegend nicht Private, fondern Staat, Kommunakverbände und Gemeinden. Infolge der vielen begonnenen Siedlungsprojekte blieb die Tättgkeil

auf dem Gebiete der Anliegerffidlung eine umfangreiche. Es wurden im ganzen 1582 Morgen Anliegerland, überwiegend Waldrod­land, aufgeteilt und damit weitere 918 Klein­betriebe im Sinn» des Reichssiedlungs-Gesetzes geftärft. Es wurden den Gemeinden in Hessen (Rüdigheim, Mrnsbach, Breitzbach, Bauhaus, Bergen) 404 Morgen Ackerland und 956 Morgen Waldrodland (in Mansbach, DoLmarshaufen, Haina, Fleckenvühl, Bergshausen, Lisvenbausen) aitfgeteilt; in den Gemeinden in Waldeck (Usseln, Wetterburg) 222 Morgen Ackerland. Die Besied­lung der Domäne Selbach (Waldeck) wurde zur überwiegenden Hülste fertiggestellt. Bis auf einen konnten die Siedler in ihren neu erbauten Häusern den Winter über wohnen. Dieser eine Siedler wurde mit dem Aufbau in An-betracht seines Alters nickst fertig. Er wurde durch einen anderen ersetzt, nachdem er feine Einlage zurück- nnd seine geleistete Arbeit gut bezahlt erhalten hatte. Außer den clf Siedlern wurden nodi zwei neue Kleinsiedlungen angelegt, so daß einschließ­lich der beiden Restgüter die Zahl der angesiedel­ten Familien sich auf fünfzehn beläuft. Die An­siedler-Gemeinde erhält ein neues Spritz- und 'Deckhaus, Friedhof. Steinbruch und Brunnen als Gemrindevermögen und ferner eine gut ein» gerichtete Schulklasse. Mit Unterstützung des Landerdirektors ist die Gemeinde mit der Staats­straße durch eine neunhundert Meter lange neu­gebaute Vizinalstraße verbunden. Auch elettrische Versorgung ist durchgeführt. Die Siedler haben ihre Gehöfte überwiegend selbst gebaut, nach den von der Gesellschaft gelieferten Plänen und un­ter Aussicht des von der Gesellschaft beauftragten Architekten und Bauführers. Aus dem Scheid (Waldeck), einer in den Edersee hineinragenden Halbinsel, wurde für zehn Angehörige der Ma­rine, Deckoffiziere und Ingenieure, eine länd­liche Siedlung in der Weise errichtet, daß zu jeder der zehn Heimstätten eine Landzulage von vier bis acht Morgen von un besseren Land als Eigentum des Siedlers gehört, während bßs übrige Land als gemcrtA*iK3 Acker- und