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Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 129, Fernsprecher 951 UN- 952 Sonntag, 4. Juni 1922. V Fernsprecher 951 und 952 12. Jahrgang.

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Die internationale Anleihe stockt.

Komm tjeütger Geist!

Ci»« Pfiugstbetrachtrmg.

Von

Artur Brauiewetter.

4 ist ein höchstes Gut, tat Vergleich zu dem Elle anderen gering und nichtsbedeutend sind. Und ein rechtes Leben ist im letzten Grunde nichts i tbereS als das unausgesetzte Streben nach diesem höchsten Gute. Nur daß man es nicht, einfach feftlegen kann, daß es nicht für je­den dasselbe ist. Für den Deutschen ist das höchste Gut der deutsche Geist. Unsere Feinde Haffen und furchten hin und wollen ihn mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln vom Erdboden vertilgen. Wir aber haben um so mehr die heilige Pflicht, ihn als unser höchstes Gut uns zu erhalten und auf unsere Nachkom­men zu vererben. Tun wir das nicht, so be­gehen wir die unvergobbare Sünde wider den heiligen Geist. Denn deutscher Gdist und heiliger Geist gehören für uns untrennbar zusammen, daran ist nichts zu ändern. Oder wie? Wenn jemand auf undeutsche Weise noch so viel Geld und Gut zusammengerafst ist er sicher, daß seine Söhne und Töchter ihm nicht einmal sagen: Geld und Gewinn haft Du uns vermacht. Wer Du tatest es auf Kosten des deutschen Geistes. Darum hat es uns weder Freude noch Segen gebracht. Es ist durchaus nicht undankbar, daß das geschicht. Denn in unserer Äugend, das darf man getrost sagen lebt der deutsche Geist.

Aber das ist das Sonderbare dieser Zeit, daß sie, so ganz dazu angetan, an Stelle der ver­gänglichen GMer und Werte, die wir verloren auf ewige Güter uns zu weisen, dem Ver« günglichen ein« größere Bedeutung, als je, beilegt. Und fo wirten und leben wir unter allerlei Gesichtspunkten. Aber unter dem G» sichtspunft der Ewigkeit leben wir nicht. Das Leben unter dem Gesichtspunkt der Ewigkiet sehen, das ist eigentlich Nicht schwer. Jede Se­kunde unseres Daseins, der unausgesetzte Wech­sel in den Schicksalen der Völker, das unaufhör­liche Schwinden und Sterben um uns her, die Abnahme der eigenen Kräfte machen es uns handgreiflich klar. Mer das Loben unter dem Gesichtspunkte der Ewigkeit leben, daß ist die Kunst, die gelernt sein will. Wir werden unser Laben doch wohl ein wenig mehr auf E w i g - keit einstellen müssen. Sonst werden wir die immer Unbefriedigten, die unäblässta Mangel Leidenden bleiben. Im Begriff des höchste« Gutes aber liegt eS, daß es Ewigkeits­werte in sich birgt. Sonst ist es oben kein höchstes Gut. Der deutscheGeistist solch ein Höchsts Gut. Denn alle? kann man uns nehmen, uns an Hab und Gut arm machen, uns unter­drücken und knechten, wie man will den deut­schen Geist kann uns niemand nehmen. Unter Drangsal und Verfolgung wird er nur wachsen und erstarken. Den deutschen Geist aber gibt der Heilig« Geist. Denn er ist der Leben spendende Geist. Der große Rufer zum Neuen ist er. Und Pfingsten ist dar Fest dieses schöpferischen, neu gebärenden Geistes.

Ein geistreicher Mann hat einmal gesagt: Wir werden alle als Originale geboren. Die meisten ab« sterben als Kopien. Wir fühlen es nie so deutlich wie heute. Dir originellen Men­schen, die selbständige Gedanken haben, dir, was das Mchtigste ist, den Mut besitzen, unter eige­ner Verantwortung zu handeln, fehlen alleror­ten. Darum fehlen uns die rechten Führer. Denn wer Andere führen will, muß selber ge- gefvhrt und entflammt sein vom heiligen Geiste. Alle, die Großes und Bleibendes geschaffen, wa­ren die vom Geist Getriebenen. Ohne ihn ge­lingt nie ein schöpferisches Werk. Im Grunde der deutschen Volksseele ruhen gesmrde und gute Kräfte. Aber sie müssen geweckt werden. Der Wecker ist der Psingstgeist. Das heißt bk von einem lebendigen und innerlich erlebten Christus ausgehende Kraft eines Glaubens, der fähig ist. das Gute zu schaffen, Werl er an den Sieg des Guten glaubt und sich diese Zuversicht «cht nehmen läßt.

Was uns heute am meinen not tut, das ist die Kraft. In zweierlei Beziehung: Die Kraft zum Wagen und zum Tragen. Das Tra­gen ist oft schwerer als das Wagen. Die Kraft der Geduld und Hoffnung, des Glaubens wirb der Liebe Kraft. Die Kraft, sein redliches Wollen verlästert, seine selbstlosen Absichten in niedrigen Eigennutz umgedeutet zu sehen. Mit «taem Wort: Die rechte Widerstandskraft gsgeu

all die Widerwärtigkeiten und Hemmungen des heutigen Lebens, gegen all die absichtlichen und unabsichtlichen Mißverständnisse, mit denen un­sere liÄen Nächsten uns begegnen, gegen die groben Keulenschläge und die seinen Nadelstiche mit denen man uns das Leben oft so bitterschwer mach:. Und auch diese Kraft kommt durch den Geist. So komm, heiliger Psingstgeist, erfülle uns mit dieser Kraft, daß wir wieder stark und froh werden und wissen, daß ein von Dir er­fülltes und geführtes Volk unüberwindlich ist. Schäue, baue, was zerrissen, und geflissen, Dich zu schauen und auf Deinen Trost zu bauen.

Anleihe-Schwierigkeiten.

Die Bankier-Verhandlungen stocken. (Eigener Drahtbericht.

Paris, 3. Juni.

Die Verhandlungen der Pariser internatio­nalen Bankierkonferenz haben sich vorläufig zer­schlagen. Die Konferenz, die erst vor zwei Tagen wieder zusammengetreten war, hat sich vertagt, und M>ar diesmal auf ganze acht Tage. Der Grund ist in Folgendem zu suchen: Die Bankiers find von dem Grundsätze aus­gegangen, daß eine Reparaftons - Anleihe an Deutschland nur dann Vertrauen finden könne, wenn die Reparationslasten des Anleihe­schuldners, nämlich des Deutschen Reiches, bedeu­tend herabgesetzt würden. Eine solche Herab­setzung ist aber von den Franzosen scharf bekämpft worden; die Franzosen wären Höch- fiens bereit gewesen, einer Herabsetzung zuzuftim- men, die sich dadurch kennzeichnet, daß zum Bei­spiel andere Rcparationsgläubiger gegenüber Deutschland auf ihr Reparationsguthaben ver­zichten, so zum Beispiel England. Wie berichtet wird, will England nichts davon wiffen, so­lange nicht Amerika seinerseits seine Anleihe- guthaben aus dem großen Kriege ermäßigt. Ein solches Opfer wollen sich aber nach wie vor die Amerikaner nicht zuumten lassen. DerMalin" schreibt:Das-Unglück will es und die inter­nationalen Bankiers kommen nicht dagegen auf, nämlich, daß Amerika die volle Rückerstattung feiner Guthaben von Frankreich und England fordert, und daß England von irgend einem Ver­zicht, was es auch sein mag, nichts wiffen will.

Streit um die Verteilung.

Paris, 3. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Gegenüber den Hinderniffen in der Anleiheftage haben Die internationalen Bankiers den Ausweg gesucht, vorderhand eine kleine Anleihe aufzu- ti eiben, und zwar im Gesamtbetrag von vier Milliarden Mark. Dabei hat sich aber sofort eine neue SchwierWett ergeben und das ist diejenige der Verteilung unter die einzelnen Repa­rationsgläubiger. Man toollte Deutschland eintaufendvierhundert Millionen Mark zukom­men lassen, um seinen Kredft wieder herzustellen. Der belgischen Priorität wollte man eine Milliarde zu gestehen und schließlich Amerika für feine Besatzungskosten eine andere Milliarde; der Rest, nämlich sechshundert Millionen, wäre für Frankreich und die anderen übrig ge- blieben. Gegen diesen amerikanischen Vorschlag hatten die Franzosen ei« Sattes Rein. Während der acht Tage, die die Dankierkonferenz jetzt aus- setzt, werden die Verhandlungen zwischen den einzelnen Regierungen fortgesetzt werden.

Morgan« Meinung.

Genf, 3. Juni. (Eigene Drahtmeldmrg.) DerTemps" hat den amerikanischen Finanz- mann Morgan über die Ausarbeitung und di« vorausfichtliche Dauer der Finanzanleihe he­ft ogen lassen. Morgan macht das Zustandekom­men der Anleihe von großen Zugestän-niffen Deutschlands und auch der Entente abhängig. Er lehnte eS ab, den Propheten in dieser An- gelegenheU zu spielen. Sein Aufenthalt in Pa­ris sei vorläufig bis Ende Juni vorgesehen.

Für die Vressefreihelt.

Gegen Unterdrückung im besetzte« Gebiet.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 3. Juni.

Der Vorstand des Verbandes der deutschen Presse hat folgende Entschließung gefaßt:Der Reichsverband der deutschen Presse richret die Aufmerksamkeit der ganzen Kulturwelt auf die fortdauernde Unterbindung der Pressefrei­heit im besetzten rheinischen Gebiet. Immer wieder werden aus nichtssagenden Gründen Zeitungen aus dem besetzten und unbesetzten Gebiet verboten. Tas Recht der freien Mei­nungsäußerung wird der Presse im besetzten Ge­riet mehr und mehr eingeschränkt und den Re--

dattenren die Ausübung ihres Berufes dauernd erschwert. Gegen diese Unterdrückung der in allen Kulturländern verfassungsmäßig als Grundrecht eines Volkes gewährte Pressefreiheit erbebt der Reichsverband der deutschen Presse non neuem mit aller Entschiedenheit Ein­spruch. Er wendet sich insbesondere an den Freiheitssinn und das Gerechtigkeitsgefühl der Presse aller Kulturländer, ihn in seinem Kampf gegen diese Unterdrückungspolitik zu unterstützen."

Am öie Finanzkontrolle.

Fortsetzung derDerhandlungen nachPfingsten (Privat-Telegramm.)

Berlin, 3. Juni.

Die Reichsregierung hat den Staatssekretär Dr. Bergmann mit der Fortführung der Verhandlungen mit der Pariser Wiederher- stellungs-Kommission beauftragt. Die Verhandlungen über die von der Reichsregie­rung zugestandene alliierte Finanzkon­trolle sollen unmittelbar nach dem Pfingstfest aufgenommen werden. Die Reichsregierung hofft, daß sich noch eine Milderung der Kon trolle erzielen lassen werde. Die Vorbereitungen zur E i n st r l l u n g des bcutfdxn Notenneu druckes find bereits aufgenommen worden. Zum 1. Juni ist eine große Anzahl Kündigungen in der Reichsdruckerei ausgesprochen worden.

Der polnische Terror.

Weitere Tlebsrfällo in Oberschlesien.

L- (Eigener Drahtbericht.

Oppeln, 3. Juni.

Der Terror scheint sich auf dem Lande weiter auszudehnen. In den Städten tritt an­scheinend eine Beruhigung ein. Der Flücht­lingsstrom tvird stärker. In Bobrek und Julien- Hütte fanden in der vergangenen Nacht Ueber­füll e durch Insurgenten statt. Die interalliierte Kommission hat beschlossen, ein italienisches und ein englisches Bataillon in die gefährdeten Be- Sitte zu entsenden. In Rybuik, Pletz und So- rau haben neue Verfolgungen von Deutschen stattgefunden. Im Landkreis Kat- towjtz ist Ruhe eingetreten. In Rvbnik sind in der vergangenen Nacht fünfzehn Geschäfte geplündert und die Deutsschen miß­handelt worden. AuS Römergrube find alle Beamten und viele Arbeiter wegen der Gefah­ren und Drohungen geflohen. Der deutsche Pa- stör aus Sonnt mußte fliehen. Infolge des pol­nischen Terrors find die Postbeamten in den Gebieten pes polnisch werden Teils sehr bedroht.

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Die Lage wird bedrohlicher.

Breslau, 3. Juni. (Privattelegramm.) Hilferufe liegen vor aus Birkendahl, Schop- Pinitz, Mutzlowitz, Laurahütte, Bogusckütz, Niko­lai, Loslau und Rybnik. In Eichenau ist der deutsckte Vostagent mißhandelt und die Postkasse geraubt worden. In Loslau find sämtliche deutsche Postbeamten zum Verlassen des Postamts gezwungen worden. Postdirettor Konrad in Rybnik wurde von fran­zösischen Truppen gestern abend verhaftet. Die geflichenen Beamten find zur Rückkehr kaum zu bewegen. Es ist mit Einschränkung des Dienft- betriebes für das polnisch werdende Oberfchle- sten zu rechnen. Die ordnungsmäßige Uebergabe an die polnische Verwaltung ist hierdurch in Frage gestellt. Der Oberbürgermeister von Meiwitz wandte sich wegen der starken Ansamm­lung von Flüchtlingen, die bedrohlichen Charakter aunimmt, an den deutschen Rcaass- mächtigten. Auch in Beuthen hat der Flücbt- lingsstrom stark zugenommen. Nach allen Nach­richten scheint die Lage bedrohlicher zu werden.

Deutsche Gesetze.

Zm polnisch werdenden Teil Sbsrschlesiens. (Eigene Drahtmeldung.)

. Oppeln, 3. Juni.

Wegen des Uebergahetermines für Oberschlesten haben sich unerwartete Schwie­rigkeiten eingestellt. Die Botschafterkonferenz hat nämlich nach der Rattfikation des (Genfer Ab­kommens den Wunsch geäußert, daß diesem Ab­kommen noch weitere Zusatzbedingungen hinzugefügt werden, die nähere Bestimmungen über die Fortdauer des deutschen Rechtes In Oberschlesten enthalten sollen Diejenige.! deutschen, nachderBesetzung Oberschlesiens, erlassenen G e s e tz e, die von der Interalliierten Kommission nicht anerkannt worden sind, sollen in dem polnisch werdenden Teil auch nach der UeSergabe keine Gültigkeit haben. Hieraus lwt sich die formelle Schwieriakeit ergeben, ob dieses Zusatzabkommen ebenfalls ratisiziert wer­den muß oder nicht. Die Frage unterliegt zur reit der Prüfung d-r beiden Bevollmächtigten.

Die Wohnungsnot.

Der Rückgang des Baugewerbes.

3u bett vielen nachteiligen Erscheinungen, di» mit der Wohnungsnot zusammenhiingen, ge- hört e« auch, vatz daS Baugewerbe durch die hohen Preise und die AnrentadilttSt nieder, gehalten wird. Man schreibt «ns Folgende« r Im Preußischen Landtag wurde am 26. Mui über die Mißstände im Wohnungswesen ver­handelt. Dabei wurde von Vertretern der Re­gierung ausgefühtt, daß die Wohnungs» Zwangswirtschaft für absehbare Zeit beibehalten werden müsse, ebenso daß es sich deshalb auch nicht ändern lasse, daß - die länd­lichen Bauten mehr oder weniger auf Kosten der Großstädte ausgeführt würden. Bei der Woh­nungszwangswirtschaft wird in der Regel über« seihen, daß es sich nicht um das Problem des entwerteten Hausbesitzes allein han­delt. Bei der Untersuchung der Frage ist tiefer zu schürfen, sind auch andere Vorteile und Nach­teile der Zwangswirtschaft zu prüfen. Vor al­lem ist darauf zu achten, daß es nicht nur einen notleidenden Hausbesitz gibt, sondern auch ein Baugewerbe, dem die Entwurzelung droht. Im Jahre 1913 wurden in Groß-Berlin allein rund 800 neue Wohnhäuser errichtet, die dem Wohnungsmartt einen Zuwachs von etwa 7500 Wohnungen aller Größenklassen brachten. Das war eine Uebererzeugung, denn im gleichen Jahr standen von rund 900 000 Wohnungen etwa 33000 Wohnungen aller Größenklassen leer. Allein diese Uebererzeugung regulierte die Mie­ten, hinderte die Hausbesitzer also, eine mögliche Wohnungsnot auszunutzcn. Der Wohnungsbau in den anderen Greß-, Mittel» und Kleinstädten war'verhältnismäßig ebenso umfangreich, sodaß auch überall ein Mebrangebot vorhanden war. Diese rege Bautätigkeit war indessen nicht nur der Vorteil der Hausbesitzer und der Grundstücksspekulanten, sondern auch der der Mieter, die eine reiche Auswahl von Wohnungen zur Verfügung hatten. Auf dem Baumarft wurden Jahr für Jahr MMar-> den Goldmark umgesetzt. Rach der Berufsstati- ftil von 1907 waren

im Baugewerbe zwei Millionen Menschen im Hauptberuf tätig. Die Anzahl der vom Sau* markt Beschäftigten war mittelbar noch größer, denn die Eisen- und Holzindustrie lieferten einen großen Teil ihrer Erzeugnisse für den Baumarkt. Die Grupp» Steine und Erde, in der über siebenhunderttausend Personen haupt­beruflich tätig waren, ist auch dem Baumarft zu­zurechnen. Von diesem Baumarft der Vor­kriegszeit, der im Jahre 1913 eine Bevölkerung von über zehn Millionen Menschen mittelbar und unmittelbar ernährte, ist heute nicht mehr viel vorhanden. Das nahezu völlige Erliegen des Wohnungs-, des Geschäfts- und Fabrikneu­bau s hat zur Abwanderung zahlreicher gelerns ter Kräfte in andere Berufe geführt. Wett höher ist indessen die Gefahr zu veranschlagen, daß e8 einen Nachwuchs im Baugewerbe so gut wie gar nicht mehr gibt. Gewiß, die SBaiw Handwerker beziehen mit die höchsten Löhn«, Das könnte an sich einen Reiz ausüben, deut Baumarft reichlich neue Kräfte zu zu führen. In­dessen fehlt es an Arbeitsgelegenheit. Wir bat­ten nicht nur einen Saunt ar ft, wir hatten auch eine Baukunst, die eine glänzende und machtvolle Entwicklung versprach. Die geistigen und körperlichen Energien dafür find noch vor« Händen, allein si« liegen brach, waS in sich die-

Gefahr eines Rückschrittes

schließt, was darüber hinaus auch den Verlust großer volkswirtschaftlicher Werte bedeutet. So­lange die Zwangswirtschaft für das Wohnungs­wesen aufrecht erhalten wird, ist nicht daran zu denkess, daß die rückläufige Bewegung im Bau­gewerbe zum Sttllstand kommt. Im Gegenteil, sie wird zunehmen, je geringer die Tätigkeit auf dem Baumarft ist. Wir müssen also damit rech­nen, daß das blühende Daugüverbe in sich zu- sammenbricht, da es nicht künstlich mit der Hoff­nung auf Besserung durchgezogen werden kann. Ein neues Baugewerbe, das in dem Umfang wie in der Vorkriegszeit seine Arbeit wieder aufzunehmen vermag, läßt sich nicht von heute auf morgen aus dem Boden stampfen. Wert­volle Erfahrungen sowie technisches Können geben dem Nachwuchs verloren, der bann nur mühsam heranzuziehen ist. Gerade toell- das Baugewerbe Millionen von Arbeitskräften be­schäftigt oder beschäftigen tarnt, deshalb ist es ein wichtiger Hebel, die Wirtschastsftast und den WirtschastSmarft tat Innern zu heben.

Die gute deutsche Schule.

Kein Analphabet in Elsaß-Lothrlngen.

Vor einiger Zeit rückten in die französischen Kasernen wieder neue Rekruten ein. Zn einer innerftanzösischen Kaserne ließ sich der Komman­dant die Rekruten vorstellen, die Innerfran- zofen aus der einen, die Elsässer und