Hessische Abendzeitung
SCte Kasseler Neueuen Nachrichten erscheinen wüchenUich sechsmal und zwar abend». Der AdonnementLprels t-eträflt monatlich 18.— Mark bei freier Zustellung t«r Hau«, in der Geschäftsstelle abgehvkt 26.— Mark monatlich. Auswärts durch die Post bezogen 28.— Mark monatlich etnfchl Zustellung. Bestellungen werden jederzeit entgegengenommen. Druckerei, Bcrlag und Redattton. Echlachthofstraße 28/8V. Für unverlangt eingefandt« Beiträge kann die Redaktion eine Berantwortung oder Gewähr in keinem Falls übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgelder oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnüngSmätziger Lieferung ausgeschlossen.
JnfertionSpreiss a) Einheimische Aufträge: Die einspaltig- Anzeigenzeile M. 4.—, die etnspaMge Reklame,eile M. 11,-. b) Auswärtige Aufträge: Die einspaltige Anzeigenzeile M, 4.—, die einspaltige Reklamezeile M. 11—, alles einschließlich DeuerungSzuschlag und Anzeigeusteuer. Für Antigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Ausschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher ausgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme» datSn und Plähe kann «in« Sewähr nicht übernommen werden, — Druckerei: Schlacht» hofftraß« 28/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straß« r. Telephon Nummer 951 und 952.
Mckr Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Nummer 128.
Fernsprecher 951 und 952
Sonnabend, 3. Juni 1922. Fernsprecher 951 und 952
12. Jahrgang.
Frankreichs Anspruch ans Zwangsmaßnahmen.
Ausländische Hilfe.
Die internationale Anleihe.
Wie aus unseren gestrigen Telegrammen zu entnehmen war, hjird das Zustandekommen einer internationalen Anleihe für Deutschland tot Auslände günstig beurteilt. In London sowohl als auch in Paris glaubt man in Finanzkreisen, daß die Verhandlungen einen schnellen Fortgang nehmen werden, nachdem in der deutschen Antwortnote den Geldgebern zngestchert worden ist, daß einem alliierten Finanzkomitee gewiffe Einsicht in den deutschen Reichshaushalt gewährt werden soll Kommt es zu bestimmten Abmachungen, so müssen wir uns klar darüber sein, daß die nächste Zeit uns vor eine neue soziale Entwicklung stellen wird, die seit dem Umbau unserer wirtschaftlichen Verhältnisse vom November 1918 nicht ihresgleichen gesehen hat. Nicht revolutionär, nicht mit Gewalt wird diese Umwälzung sich vollziehen, aber eine Umwälzung wird es sein Daß sie organisch sich durchsetzt, daß die vollständige Umlegung des Steuers sich so vollzieht, daß das Reichsschiff nicht vom Sturm gefaßt an die Klippe oeworfen Wird und zerschellt, daß müssen unsere Ausgaben sein.
Die äußere Anleihe ist eine Lebensbedeutung für deutsche Wirtschaft und damit für die Existenz des deutschen Zwlkes in seiner Gesamtheit Dor diesem elementaren Grundsatz und vor der Anerkennung seiner Berechtigung müssen alle anderen Interessen schweigen Wenn je, dann ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, um endlich den entscheidenden, wenn auch schweren Schritt zu tun, unsere Finanzen unter aller Kraftanstrenguug in Ordnung zu bringen, damit wir nicht in österreichisch« und Nlsstsche VerhM- nisse hineinsteuern, vor denen wir ja unmittelbar stehen. In Genua ist die Basis für die jetzige Gestaltung der Dinge schon gelegt worden. Dort wurde der von deutscher Seite aufgestellte Grundsatz auch formell anerkannt, daß die Staaten mit schlechter Valuta nicht verpflichtet werden könnten, durch eigene Kraft ihren Haushalt wieder in Ordnung zu bringen. An diesem Kernsatz haben wir ange- knüpst. Die Reparationskommisston hat sich der Anerkenntnis dieser Berechtigung nicht entziehen können. Sie hat in dem der deutschen Regierung unterbreiteten Entwurf verlangt, daß die deutsche Regierung jedes weitere Anwachsen der schwebenden Schuld verhindern soll, ja verhindern m u ß, wenn eine Anleihe zu Stande kommen soll. Dagegen hat die deutsche Regierung erklärt, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen solche Anstrengungen nicht durchgeführt werden können, wenn Deutschland nicht eine ausreichende Unterstützung im Wege einer äußeren Anleihe erhält.
Diese Aeußerung ist für unz wirtschaftlich und politisch von einem ganz außerordentlichen Ge- wicht. Es wird mit ihr zum Ausdruck gebracht, daß für Deutschland ein Ausgleich des Budgets unter den Bedingungen des Londoner Ultimatums ganz ausgeschlossen ist, daß es über auch nicht möglich ist unter den Bedingungen des jetzigen provisorischen Memorandums. Das Anerkenntnis aus dem Munde der Reparativ nskommission ist um so bedeutsamer, als diese Kommission noch kurze Zeit vorher von Deutschland die Aufbringung von sechzig Milliarden neuer Steuern gefordert hat. Alles und Jedes geht zurück auf den historischen Entscheid des obersten Finanzinstituts der Welt, der Bank von England, die aus die deutsche Bitte um Gewährung einer Anleihe erklärt hat, daß Deutschland .unter der Herrschaft der gegenwärtigen Bedingungen" nicht krRntfähig sei. Daraus ergibt sich, daß die Verhandlungen über die Schaffung einer internationalen Anleihe neue Bedingungen und Voraussetzungen schaffen müssen, um Deutschland in Stand zu setzen, seine Verpflichtung auch wirklich abtragen zu können. Die Begrenzung der Reparationslast auf das Mögliche und Durchführbare wird also das Erste sein, aus dem sich die Aenderung gewisser Bestimmungen des Versailler Vertrages als selbstverständlich ergeben muß.
Es ist notwendig, die Alliierten darauf hinzuweisen, daß wir für die Gewährung einer Anleihe schwere und opferreiche Zuge- st ä n d n i s s e geinacht haben. Diese Zugeständnisse bewegen sich in den bekannten Punkten: Zunächst wird der Stand der schwebenden Schuld mit dem 31. März 1922 als Höchstbetrag öftgtt, hop rweihundertsweiundsiebzig
Milliarden Mark. Was darüber hinausgrht, wird ausgeglichen, wobei aber der überschießende Betrag um diejenige Summe verhindert wird, die Deutschland für die Beschaffung von ausländischen Geldmitteln aufwenden muß. Wir werden weiter auf die Steigerung der Einnahmen und auch auf bi: Beschaffung der i n- neren Anleihe bedacht sein müssen. Ferner denkt man an die Begebung von Schatzwcch- seln und zwar an langfristige, mit etwa einer Lauffrist von neun Monaten.aufwärts. Dane, bett sollen auch neue Steuerquellen erschlossen werden, fall? die Verhältnisse es zulassen. Alle diese Zugeständnisse sollen aber nur Geltung haben, wenn wirklich die internationale Anleihe zu für rrns annehmbaren Bedingungen und mit angemessener Frist zu Stande komutt.
Frankreichs GewalwoMtt.
Das »Recht" auf Zwangsmassnahmen. (Eigener Drahtbericht.
Paris, 2. Juni.
Poinears hat gestern nachmittag in der Kammer eine große dreistündige Antwortrede auf die verschiedenen Interpellationen gehalten. DaS Wichtigste ist. was er zum Verhältnis zu England, das heißt in der Frage der Politik gegenüber Deutschland sagte. Er stellt sich ans de» Standpunkt, daß die französische Regierung ihre Rechte (?) aus Sonderaktionen gegen Deutschland auf Grund des Versailler Ber träges nichtausgeüen werde. PoincarL weist iveiter darauf hin, daß die Attentäter von Petersdorf nur geringe Ärafe erhalten hätten und erklärt, daß, wenn Oberschlesien von der Ententebesatzung demnächst im Laufe eines Monats, nachdem das oberschlestsche Abkommen sowohl von den Deuffchen wie von den Polen ratifiziert worden sei, geräumt wird, die in oberschlesischen Gefängnissen sitzenden Attentäter nach Frankreich mitgenommen würden.
*
Deutschland« Unterwerfung.
Paris, 2. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) „HavaS" gibt das erste offiziöse Urteil über die bcutfdfc Antwortnote. Der Havas-Kommentar nennt die deutsche Note ein wichtiges Zugeständnis, da sie fast alle Forderungen der alliierten Note vom 13. April erfülle und den Verzicht Deutschlands ausspreche, Widerstand gegen die Finanzkontrolle zu leisten. Ha- vaS hält die neue Note des Reparationsproblems noch nicht für endgültig und betont zmn Schluffe, daß Frankreich seine „militärischen Rechte" nicht aufgeben wird und über eine Aufhebung der Besetzung der drei Rheinstädte Düffeldorf, Duisburg und Ruhrort mit den Alliierten zurzeit nicht debattieren könne.
tim die Anleihe.
Die Beratung über die deutsche Finanzlage. (Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 2. Juni.
Am Mittwoch fanden zwei Sitzungen des An- leihe-Komttees unter Morgans Vorsitz statt. Die Erörterung der deutschen Finanzverhältnisse erstreckte sich, dem „Watin" zufolge, auf die Etataufwendungen und die noch fortdauernde Schaffung neuer Beamtenstellen in Deutschland. Am Freitag soll die Frage der deutschen Kriegsanleihe und Kriegspenfionen zur Besprechung kommen. Auch am Donnerstag nachmittag trat das internationale Anleihe- Komitee zu einer Sitzung zusammen, die noch abends andauerte. Es verlautet, daß innerhalb des Komitees noch große Gegensätze bestehen.
Französische Quertreiberei.
Paris, 2. Juni. (Eigene Trahtmeldung.) Die in französischen Kreisen verbreiteten pessimistischen Gerüchte über den Stand der Anleihefragen gehen «icht auf die Diskussion des Anleihe-Komitees zurück, sondern auf eine« Meinungsaustausch, der dieser Tage zwischen Vertretern der französischen Regierung und den amerikanischen Finanzmännern stattgefunden hat. Die Erörterungen des AnleihekomitecS haben sich bisher hauptsächlich um die deutschen Finanzen gedreht.
e
Frühesten« Anfang August.
Paris, 2. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Die Zwischenpause auf der Morgan-Konferenz ist mit internen Besprechungen der Konfc- renzmitglieder mit dcr französischen und englischen Großfinanz ausgefüllt. In Paris sind neun englische Bankiers eingetroffrn. Auch die in Frankreich weilende Delegation von vierzig amerikanischxn Bankiers Mrd M
Freitag in Paris bleiben. Frühestens Anfang August können erst entscheidende Handlungen in der Anleihestage vorliegen. Ter Anregung Bergmanns, Morgan möchte sich zur persönlichen Informierung auch nach Berlin begeben, ist zunächst nicht stattgegeben worden.
Bayrische Erklärung.
Um dis Reichsflagge und die Schutzpolizei. (Privat-Telegramm.)
München, 2. Juni.
Der Minister des Innern Schweyer erklärte heute im Landtage, daß die Herunterholung der deutschen Reichsflagge von dem Bahnhofs, platze in München von der bayrischen Regierung aufs schärfste verurteilt werde. Der angedrohten Protestkundgebung der Nationalsozialisten während des Besuchs deS Relchspräsi. deuten in München wird die Polizei rücksichtslos entgegentreten. Der Minister sagte, daß die Nationalsozialisten in gefährlichster Weife die Volksleidenschaften aufpeitsche. — Außerdem wandte sich der Minister nachdrücklich gegen die Forderung der Entente auf Auflösung der Sch u tz p o l i z e i und erklärte, die bayrische Regierung halte an dem staatlichen Charafier der Landespolizei fest, weil die Landespolizei unbedingt ein Instrument in der Hand des Staates sei und bleiben müsse.
timtriebe in Oberschlesien.
Schwere Ausschreitungen gegen Deutsche.
(Eigene Drahtmeldung.)
Breslau, 2. Juni.
Während in Kattowitz eine gewiffe Entspann nuitfl der Lage festgestellt ist, geht es umso schlim- iner in den Landgemeinden des Kreises Aust her. In Laurahütte wurde das Gebäude der „Laurahüttcr Zeitung" durch Handgranaten gesprengt und geplündert. Bergwerks, direstor Hilpk wurde von Banditen in seiner Wohnung fast zu Tode geprügelt. Eine Anzahl deutsche Geschäfte in Laurahütte wurden ge- plündert. Möbelwagen auswandernder Deutscher umgeworsen, und die Besitzer überfal- len und mißhandelt. In Eichenau find die Zustände besonders schlimm. Auf dir deutsche Postagentur wurde ein Neberfall ausgeübt, Geld und Wertpapiere g e r a u b t und der Verwalter schwer mißhandelt. Die Geschäftsleute haben den Ort fast sämtlich verlassen, nachdem zahlreiche Geschäfte von den Auftühreru ausgeplündert und die Warenvorräte fortgeschleppt waren.
Aurückziehung der Desatzung.
P a r i 8, 2. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Der „TempS" kündigt an, daß nach der nunmehr erfolgten Ratifizierung des deutsch-polnischen Abkommens durch Deutschland und Polen die interalliiertenTruppenaus Oberschle- fien innerhalb vier Wochen zurückgezogen würden. Die Kosten der Besatzungsarmee, sowie die Ausgaben für die interalliierte Kommission werden aus lokalen Einnahmequellen'bestritten.
»
Belagerungszustand.
Kattowitz, 2» Juni. (Privattelegramm.) Die interalliierte Kommission hat über den Stadt- und Landkreis Kattowitz und Gleiwitz, Kreis Hindenburg und Kreis Rybnik den B e > lagerungszu stand verhängt. Dort müssen die Lokale um 8% Uhr geschlossen werden. Die Zeitungen sind unter Pressezensur gestellt.
Oesterreichs neues Kabinett.
Ein letzter Rettungsversuch.
(Eigene Drahtmeldung.)
Wien, 2. Juni.
Die „Neue Freie Presse" charatterisiert den neuen Bundeskanzler Dr. Ignaz Seipel als einen Politiker von durchdringendem tattrschen Urteil und so starker Kompetenz, daß er dem ganzen Kabinett den Stempel seiner bestimmenden Persönlichkeit cufdrücke. Das Ausland wisse, daß Seipel Ordnung und Ruhe aufrecht erhalten und die bürgerliche Staatsform vor gewaltsamen Angriffen schützen werde. Tas ;,3>eue Wiener Tagblatt" sagt, in schwerster Stunde für Oesterreich übernehme Seipel die ungeheure Last der Regierung. Tas Ausland müsse bedenken, daß jetzt der letzte Versuch mit einer bürgerlichen Regierung und einer bürgerlichen Einheitsftont in Oesterreich unter Seipels Führung gemacht werde. Das Ausland müsse sich in diesem sehr ernsten Augenblicke bewußt fein, was für Mitteleuropa der Zusammenbruch Oesterreichs infolge Mißlingens dieses letz- ten bsirLerlichen Rettungsversuches bedeute, ,
Deutsche im Ausland.
Zn der Dobrudscha und Bessarabien.
In der Dobrndswa und Bessarabien lebt «ine grotze Anzahl von Deutsche», unter denen fich Stele befinden, die dem alten Kurhessen entstammen. Mit jenen Koloni- ften besah« sich die Kasseler Ortsgruppe des Serein» fite da« Deutschtum im Auslande.
Allmählich scheint auch weiteren Kreisen zu dämmern, welch gewaltige Rolle das Auslauds- deutschtnm in unserer gesamten Kulturentwicklung spielt und welche hervvrragende Aufgabe seiner beim Moderausbau unseres Wirtschaftslebens noch harrt. Besonders bei der Frage der Wiederanknüpfung der deuffchen Handelsbeziehungen, der Attivgestaltung unseres Außenhandels, . der Beseitigung ausländischer Vermittler, der direkten und zuverlässigen Preisgestaltungs- nacbrickten vorn Weltmärkte richten sich die Augen vieler auf die zahlreichen noch im Reiche befindlichen ehemaligen Ausländsdeutschen, die zum guten Teil noch heute auf die Enffcha- dignng ihres von feindlichen Staaten beschlagnahmten Eigentums warten. Sie sind auf Grund ihrer genauen Personen- und Landeskunde die geeignetsten Wegbereiter für den deuffchen Kaufmann und die deutschen Waren. Soweit die materiellen Fragen also eine Rolle spielen, haben gewisse Kreise bereits die Bedeutung und den Wert der Auslandsdeuffchen erstaunt.
Daß daraus aber auch die Pflicht erwächst, uns nun unsererseits eingehender um das Aus- landsdeutschtum zu kümmern, sein Wohl und Wehe ausmerffam zu verfolgen und ihm jederzeit hiMbereii beizuspringen, diese Erkenntnis fehlt noch weitesten Kreisen unseres Volkes. An der Erfüllung dieser Pflicht arbeitet aber schon seit mehr als vierzig Fahren der Verein für das Deutschtum im Ausland (Deuffcher Sfiulverein) der keineswegs nur .einer der vielen Unter« stützungsvereine" ist, sondern der vor allem die große pädagogische Aufgabe hat, unserem Volle über die Bedeutung des Auslandsdeuffchtmns die Augen zu öffnen. Denn es will doch schließlich etwas besagen, wenn heute jeder dritte Deutsche ein Auslands deutscher ist, wenn es fast ebenso viel Deuffche tot Ausland wie Franzofen in Frankreich gibt, und die Masse der Reichsdeutschen weiß nichts davon und will vielleicht nichts davon wissen. Weil bisher unser Volk so wenig vom Deutschtum im Ausland gchört hat, war es Kr unsere Truppen 1918 wie eine Offenbarung, als sie tief in das innere Rußlands eindringend immer wieder auf de u t s ch e Siedlungen trafen bis hinunter zum Kaukasus. Damals war es auch, wo ein fast verges- fcnei Teil deS Auslandsdeutschäums wieder ent- deckt wurde: Die deuffchen Bauern to Bessarabien und der Dobrudscha.
Um die Erforschung dieses fast verlorenen Deutschtums hat sich der bekannte Fachmann des Aus<andsdeuffchtums und der Auswanderung, Professor Dr. Paul Träger in Berlin, höchst verdient gemacht. Vom deuffchen AuslandSin- ftitut in Stuttgart, das sich u. a. die wissenschaftliche Erforschung des Auslandsdeuffchtums in aller Welt zur Aufgabe gemacht hat, wurde Träger alsbald nach der militärischen Besetzung in dieses wenig bekannte Gebiet enffandt. Spater war Prof. Träger noch mehrmals auch im Auftrage der Heeresleitung in der Dobrudscha and hat nun eine Arbeit geliefert, die sowohl in ihrem wissenschaftlichen Inhalt als auch in ihrer drucktechnischen Ausstattung eine auherordenr- liche Leistung darstellt. »Die Deuffchen in der Dobrudscha, zugleich ein Beitrag zur Geschichte der deuffchen Wanderung in Osteuropa (erschienen in Stuttgart int Verlag Ausland und Heimat) ist ein stattlicher Band mit einer Karte des Landes und Abbildungen im Text nach meist eigenen Ausnahmen und dürste besonders die interessieren, die während des Weltkrieges selbst in jener Gegend gewesen sind. In ein»« einleitenden Kapitel gibt der Verfasser einen kurzen Ueberblick über die Dobrudscha, ihre Bewohner, über die Kriegsschicffale und das bunte Gemisch der Völkerschaften. Er schildert sodann die Wanderungen der deutschen Bauern vor ihrer Niederlassung in der Dobrudscha und na- mentlich die Siedtunaszüge, die nach Südrußland gingen und beschreibt die crfie deuffche Abwanderung aus Rußland unter genauer Angabe der Quellen und Materialien, die mit sorgsamen Fleiß und umfassender Kenntnis benutzt sind. Auf Grund feiner persönlichen Reffen und Studien kann Prof. Träger über das Deutschem und über die verschiedenen Wanderungs- bewegungen, über rassehhgienische Fragen, Ge- sundbeits-, Wohnungs- und Ernährungsver- häktnisse, Sterblichkeit und NackLormnenschaft, übe: Dorfanlage, Haus, Hof und Mrtschaft, landwirtschaftliche Methoden und Heimarbeit berichten. Er entwirft auch ein c-nschaulicheZ Bild scher die Dorkverwaltnng, über die Stellung des Schulzen, über den Gemeinsinn der Bauern, et beschreibt Schule, Kirche und Sekteuweftn, wobei nicht immer gerade Erfreuliches zu berichten ist, und schildert packend das geistige Leben dieser hon allen Kultureinflüssen üb geschlossenen