Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
DU Ränder ileuefter Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und »war ab en»«. Der ebeimementeprel# betragt monatlich «— Mark bet freier Zustellung inS Hau«. ®u«. ®6rte durch »te Bost bezogen Mark monatlich einschließlich Zustellung. Bestellungen werden ieserjrtt von »er ®efd;äft5fteH« oder »en Boten entgegengenommen. Druckerei. Verlag an» Redaktion. Schlachthosftraße 28/30, Für unverlangt eingesandte Beiträge kann di» Redaktion eine tierantroortnng oder Lewühr in keinem Falle übernehme». Rückzablung des BegugSgelde« oder «usprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschlossen.
Nummer 125. Fernsprecher 951 und 952 Mittwoch, 31. Mai 1922. Fernsprecher 951 und 952 12. Jahrgang.
Insertto nSpreis« ») Linheimische auf träge: Die etnfpatttge »njetgenjetle M. 3.—. die einspaltige «ettamejetle M. b) Auswärtige Aufträge! Die einspaltig» Anzeigenzeile M. 3.—. die einspaltige Reklame?eile M. 8— alles einschließlich Teuerungszuschlag und Anzeigensteuer. Für Anzeigen mit desonderS schwierigem Sag hundert Prozent Ausschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme« baten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden. - Druckerei! Schlacht- tzosstraße 28/30. Geschäftsstelle: kölnisch« Straße ö, Telephon Nummer 951 und 952
Neue Hindernisse in öer Anleihefmge.
Die Anleihe.
Dunkle Punkte des Keedttplnns.
Die bedrohliche Kabinettskrisis ist wieder einmal gelöst — bis zur nächsten, und die Differenz Wirth-Hermes ist überbrückt, bis der schon lange vorhandene Gegensatz zwischen den beiden Staatsmännern, von denen der Reichskanzler dem linken, der Reichsfinanzminister dem rechten Fs"'gel des Zentrums angehört, sich aufs neue geltend machen wird. Die Beilegung der Differenz ist dadurch erfolgt, daß Dr. Wirth angesichts der Haltung des Reichsra'oinetts und der Stimmung der Reichstagsmehrheit sich im wesentlichen auf den Boden der Zugeständnisse stellte, welche Dr. Hermes bei seinen Vorbesprechungen m Paris in der Frage der Anleihegarantien gemacht hat. Der Kardinalstreitpunkt war hierbei die Festlegung des Stichtages für die Stillegung der Notenpresse. Von Seiten des Anleiheausschusses der Reparationskommission war bekanntlich die Forderung aufgestellt worden, daß, um der zu« neh'-nenden, die deutsche Valuta immer mehr verwässernden Noteninflation vorzubeugen, die schwebende Schuld auf den Betrag vom 31. März d. I., Ido sie 271,935 Milliarden Papier- mark betrug, fixiert werden soll, während die Mehrausgaben im übrigen durck innere Anleihen oder durch Begebung von Schatzwechseln und letzten Endes also durch einen weiteren Ausbau des Steuersystems, aufgebracht werden sollen. Doch wurde von alliierter Seite zugestanden, daß die Balanzierung des Etats, die mit der Festsetzung vom 31. März 1922 eintreten sollte, sich nicht auf die in Gold und Devisen zu zahlenden Revarationsleistungen sowie auf Die Besatzuugskosten beziehen solle. (!) Durch die Rückfrage des Reichskabinetts an die Revara- tionskommifsion ist unterdessen die „Katastro- phenklausel* wenigstens dem Sinne nach eingefügt, da die Kommission sich dem Staatssekretär Bergmann gegenüber auf den Standpunkt gestellt hat, wie bei allen Verträgen, so gelte auch für die vorliegende Abmachung die selbstverständliche Klausel der „höheren Gewalt".
Wenn das Reichskabinett nach langen Erwägungen den 31. Mär, als Stichtag für die Einstellung des Notenbetriebs annahm, so geschah das vor allem aus folgenden Erivä- tzungen heraus: Wenn die Verhandlungen über die Anleihe sich zerschlagen, so würde jene Bedingung ohne weiteres hinfällig werden; denn die Zugeständnisse der deutschen Regierung sind unter der Voraussetzung erfolgt, daß uns die Unterstützung durch die internationale Anleihe „in angemessener Frist und unter erträglichen Umständen" zu Teil werde. Wenn aber der langfristige Kredit zustande kommt, dann ist darauf zu rechnen, daß die deutsche Valuta sich heben wird, und damit würde die bisherige Rckordarbeit der Noienpresse ja von selbst hinfällig werden. Int übrigen wäre es sehr verfehlt, auch nach den Zugeständnissen des Reichskabinetts und angesichts des zweifellosen Willens der Bereinigten Staaten von Amerika, bei den Pariser Verhandlungen im Gegensatz zu Genua wirklich Wiederaufbäupolitik zu treiben, die außerordentlichen Schwierigkeiten zu unterschätzen, die sich einem Gelingen der Kreditaktion entgegenstellen. Zunächst muß darüber Klarheit bestehen, daß die Anleihe eine sehr l a n g f r i st i g e sein, sich auf etliche Jahrzehnte erstrecken mußte; denn im anderen Falle würde der Vorteil der Rückzahlungen gegenüber den bisherigen Ratenzahlungen nur gering sein.
Weiter darf der Sinn des Kredits nicht nur der sein, den Gläubigern zu helfen, sondern aut- dte Finanzlage des Schuldners zu bessern. Wenn, wie es die Pariser Presse verlangt, die Anlethe im wesentlichen in der Form gedacht sein soll, daß ihr Löwenanteil auf dem Umwege über Deutschland an Frankreich in Form von Reparationen gezahlt ivird, dann könnte der Zweck, die deutsche Wirtsojafl wieder in geregelten Gang zu bringen, die Valuta zu heben und zu stabilisieren, nicht erreicht werden. Und dann iväre das eben ein unproduktiver Kredit, was über kurz oder lang auch die Repa« rationsgläubiger merken würden. Vor allem aber die Kreditoren, die schwerlich Neigung haben werden, ihr Geld zu riskieren, um fremde Schulden zu bezablen. Tas will also sagen, Deutschland hat nicht nur Anleihegarantien zu geben, sondern es muß auch solche verlangen, nämlich vor allem die, daß der Kredit zur Sanierung der deutschen Wirtsclast, der deutschen Valuta verwendet wird. Es handelt sich also mn sehr verwickelte, nicht bloß wirtschaftliche, sondern auch volitisch bedeutsame Fragen, die bei den Verhandlungen in Paris zu lösen sind, denn ein produktiver Kredit hat, wie schon wiederholt betont, weiter zur Voraussetzung die Zurückfübrung der Reparationsbelastung auf ein erträgliches Maß, den Abbau der erdrückenden Besatzungskosten und den Verzicht auf eine Pott«? der Sanktionen. Ob die
Entspannung und die Rückkehr zur politischen und wirtschaftlichen Vernunft wirklich schon so weit gediehen find, um ein positives Ergebnis der Pariser Verhandlungen auf diefer Grundlage zu ermöglichen, das erscheint durchaus nicht als sicher, wenn auch die Hinausschiebung des Termins vom 31. Mai, des kritischen Tages, für den die Reparationskommission Repressalien angekündigt hatte, als günstiges Zeichen anzusehen ist. Dr. =k.
Die internationale Anleihe.
Der Rapallo-Vertrag als Hindernis k (Privat-Telegramm.)
Berlin, 30. Mai.
In informierten Bankkreisen steht man der Entwicklung der Verhandlungen über die Anleihe in Paris sehr skeptisch gegenüber. Man befürchtet, daß der amerikanische Sachverständige nicht bereit sein wird, sein Votum für die Begebung einer internationalen Anleihe zu Gunsten Deutschlands angesichts der jetzigen Situation abzugeben. Wie verlautet, wendet sich Morgan, übrigens auch Banderlip, gegen den Rapallo-Vertrag, der cs Amerila unmöglich mache, Deutschland die nötigen finanzielle» Mittel für feinen wirtschaftlichen Wiederaufbau und für die Leistung der Reparationen zur Verfügung zu stellen. Der Reichsregierung ist die Stellungnahme der amerikanischen Sachverständigen durch mehrere Telegramme aus Paris bekanutgegeben. Man steht jedoch bisher keine Möglichkeit, jetzt noch diesen Schwierigkeiten, die sich als Folge des Ravallo- Vertrages einsteüen, aus dem Wege zu gehen.
«
Weitere deutsch-russische Verträge.
Berlin, 30. Mai. (Privatielegramm.s Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, hat die deutsche Regierung Verhandlungen mit den Vertretern der Sowjetregierung, der ukrainischen Regierung und der übri- gen Sowjetrepubliken über den Abschluß von ähnlichen Verträgen wie den Rapallo. Vertrag ausgenommen. Die Verhandlungen werden in B e r l i n geführt. Zu den ukrainisch- georgischen Verhandlungen ist von russischer Seite Litwinow bevollmächtigt. Litwinow verhandelt zurzeit mit dem Auswärtigen Amt.
Unter der fremden Kontrolle/
Knebelung des deutschen Verkehrs.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 30. Mai.
Die bereits angekündigte Eisenbahn- uote der Botschafterkonserenz ist nunmehr der deutschen Botschaft in Paris überreicht worden. Es handelt sich um ein Dokument mit sehr um- fangreicktcn Anlagen. Die Rote verbietet u. a. den viergleisigen Ausbau der Strecke Köln- Aachen-Düren. Sie wünscht ferner die Beseitigung zahlreicher Eisenbahnrampen, weil diese angeblich militärischen Zwecken dienen könnten und sieht außerdem den Abbruch mehrerer im Bau befindlicher Eisenbahnstrecken in Westdeutschland vor.
ÄM geteilten Oherschlesien.
Die Aeberuahme durch die Polen. «Eigener Drahtbericht.
Breslau, 30. Mai.
Der Besetzungsplan für den polnischen Teil Oberschlesiens liegt nunmehr vor. Tie Ucbernahme der Eisenbahnen erfolgt durch die Polen am 5. und 6. fluni. Die Postämter werden am 8. und 9. fluni übernommen, die sonstigen Verwaltungsbehörden gehen am 10. fluni in die Hände der Polen über. Dem Bernehmcn nach rücken als erste die französischen Truppen ab, ihnen folgen die italienischen und zum Schluß die englischen Truppen. Das polnische Heer und zwar die dritte, achte und drei- undzwauzigste Division rücken nach Oberschlesien; dauernd in Oberschlefien bleibt aber nur die dreiundzwanzigste Division. Die militärische Bcsetzuttg von Kattowitz ist für den 10. Juni vorgesehen, die voraussichtliche Neberuahme von Ntzbnik fött am 19. Juni erfolgen.
Der ReicheprcisiScn- an Sie Oberschkrfier.
Berlin, 30. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Der Reichspräfident hat an die zurzeit in Nürnberg tagenden vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlefler folgendes Telegramm gerilittet: Den verbündeten Verbänden heimattreuer Lberfchlefier fpreche ich herzliche Wünsche auS zu ihrer Tagung, die in der gegenwärtigen Schicksalsstunde Oberschlesiens von besonderer Bedeutuna ist. Die Bereinigten Berbäude, die
für das Deutschtum in Oberfchlesien bereits fo viel getan haben, werden nicht Nachlassen, auch weiterhin für die Stärkung und Kräftigung des Deutfchtums einzutteten.
Die deutsche Antwort.
Weitere Verhandlungen. — Kein Einmarsch. (Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 30. Mai.
Gestern vormittag hat ein Sonderkurier der Kriegslastenkommission die deutsche Antwort auf die Reparations - Note überreicht. Die Reparationskommission hielt darauf am Nachmittag eine offizielle Sitzung ab, um von der deuftchen Antwort Kenntnis zu nehmen. Obwohl die deutsche Antwort nach der Auflassung der RepartOionslommission kein reines Ja darstellt, glaubt man nach dem „Jntranfigeant" allgemein, daß dieses „Ja mit Vorbehalt" die Fortführung der Verhandlungen ermöglichen werde. Man meint, daß nunmehr von einer Besetzung des Ruhrgebietes nicht mehr gesprochen werden könne. Dies wäre nur nötig gewesen, wenn die Antwott Deutschlands die Bankier-Konferenz beunruhigt und die Reparationskommission gezwungen hätte, die Angelegenheit dem Obersten Rat oder den alliierten Negierungen zu übergeben.
•
Keine Ausdehnung der Rheinbesetzung.
Paris, 30. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) £3ie °7.uZ der Sitzung des MinisterrctS berichtet wird, find die dem Kriegsminister erteilten Aufträge zur Vorbereitung einer Ausdehnung der Besetzung deS Rheins rückgängig gemacht worden. Der Beschluß lautet dahin, daß die bereits abtransportierten Truppenverbände bis auf weiteres an den Orten verbleiben, wo sie sich befinden. Die »och vorgesehenen Transporte haben zu unterbleiben. Truppen der aktiven Regimenter find, wenn leine Grgenausträge erfolgen, bis 2. Juni in Garnison zu bringen.
Oesterreich und Ungarn.
Eine neue österreichische Negierung. (Eigener Drahtbericht.
Men, 30. Mai.
Die Verhandlungen zur Bildung einer nett’ en Regierung in Oesterreich wurden gestern den ganzen Tag über fortgesetzt Allge- mein gilt es alS höchstwahrscheinlich, daß der Obmann der christlich-sozialen Partei, Dr. Seipel, das Bundeskanzleramt und der großdeut- sche Abgeordnete Dr. Frank das Vizekanzler- amt übernehmen. Minister des Aeußeren wird der bisherige Handelsminister Grünberger. Die übrigen Minifterstellen werden zwischen bett Ebristlich-Sozialen und den Großdeutschen verteilt. Die Wahl der netten Regierung durch den Nationalrat wird möglichst schon heute erfolgen.
*
CRegitrungsffcg bei den ungarischen Wahlen.
Budapest. 30. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Der erste Wahltag brachte für die Regierungspattei einen großen Sieg, denn sie hat sechsundsiebzig Mandate errungen gegenüber sieben Mandaten der Opposition: in brehtnb= zwanzig Bezirken kommt es zwischen Regie, rungsparteien und Oppositionsparteien zu Stichwahlen. Interessant ist. daß gerade die größten Gegner der Regierung Bethlen durchfielen, darunter der ehemalige Ministerpräsidnt Fttedrich.
Um Nord-Schleswig.
Vertrag zwischen Deutschland und Dänemark. (Privat-Telegrammft
Berlin, 30. M-ü.
Der Reichsrat hielt am Montag abend unter dem Vorsitz des Staatssekretärs von Simson vrm Auswärtigen Amt eine öffetttliche Sitzung ab. Auf der Tagesordnung stand der Gefetzent- tvttrf über den Vertrag Mischen Deutschland und Dänemark betteflend die Regelung der durch den Uebergang der Staatshoheit von Nordschleswig auf Dänemark entstandenen Fragen. ES handelt sich um eine ganze Reihe von Abkommen, von denen achtzehn zu einem Handels-Vertrag zusammenMfaßt sind, außerdem mn acht weitere Abkotmnen, die in diesem Handelsvettrag nicht aufgcnoimnen sind. Der Vertreter her Provinz Schleswig-Holstein, Tön nes, gab eine Erklärung ab, derzusolge die Provinz Schleswig-Holstein dem Bettrag zustimutt, weil sie den tatsächlichen Verhältnissen Rechnung tragen müsse. Dagegen erkennt die Provinz die auftje$roungcne Grenze nicht an und verlangt demzufolge eine enflprecksende Korrektur. Der Bettrag wurde angenommen-
Die Hausgehilfen.
Um den neuen Gesetzentwurf.
Die Codierung de» Verhältnisse» zwischen Seer, ichast uni» Dienstboten, oder Arbeitgeber und HauSgehilfen, wie man heute sagt, hat schon manche Schwierigkeit hervorgerufen, da der alte familiäre Standpunkt geschwunden und der neue noch nicht bestimmt festgelegt ist. ES wird und darüber Folgende» geschrieben t In der Oeffenilichkeit ist das Scheitern des Hausgehilfen-Gesetzeniwurfs im sozialpolitischen Ausschuß des Reichswirtschaftsrats kaum beachtet worden. Die abweichenden Meinungen bezüglich vieler Einzelheiten der Regierungsvorlage waren nicht so erheblich, daß über sie nicht ein Kompromiß geschlossen werden konnte, nachdem die Einführung eines neuen Hausdienst- rcchtes anstelle der im Revolutionssturm vernichteten Gesindeordnungen grundsätzlich als not« N-endig anerkannt worden war. Die verhänguis- volle Klippe war die Normierung der Arbeitszeit, die auf eine dreizehnstündige Ar- beitsbereitschaft sestgestellt werden sollte als Gegenstück zu einer ununterbrochenen elfstündigen Ruhezeit. Die Arbeitnehmer der freien Gewerkschaften traten für eine festumgreuzte Arbeitszeit ein und enthielten sich, weil ihren Wütt- schen in diesem Punkte nicht entsprochen wurde, bei der Gesamtabstimmung der Stimme. Der Gesetzentwurf wurde daraufhin mit neun gegey vier Stimmen (christliche Gewerkschaften) abge- lchnt. Als die Gesindeorduungen durch den Aufruf des „Rats der Volksbeaufttagten an das deutsche Volk vom 12. November 1918" aufgehoben wurden, verkündete dieser Aufruf, daß in Zukunft lediglich die freie Uebereinkunft zwischen den Herrschaften und den Hausgehilfin, wie die Dienstboten nunmehr bezeichnet wurden, für das gegenteilige Verhältnis bestimmend sein würde. Auf Grund der praktischen Erfahrung hat eine andere Auffassung Platz gegriffen. Die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches über den Dienftvettrag tragen den besonderen Verhältnissen des häuslichen Gesindes nicht hinreichend Rechnung und bedürfen dringend der Ergänzung. Eingehendere landesrechtliche Bestimmungen sind seither nur für Bayern ergangen.
Eine reichsgesetzliche Regelung der Stellung der ton Haushalt tätigen Arbeitnehmer ist nicht nur an sich notwendig, sondern entspricht auch der Reichsverfassung, in der ein ein» heitliches Arbeitsrecht für alle Arbeitnehmer- gruppen vorgesehen ist. Die Regierung ist übrigens der Meinung, daß durch die gesetzliche Fesfi logung der Rechte und Pflichten dem vielbeklag- ten Mangel an Dienstpersonal abgeholfen werden könnte, eine durchaus schiefe Auffassung, denn die Abneigung gegen den Eintritt in häusliche Dienststellen ist hauptsächlich auf den Drang nach ilngebundener Lebensführung zurüLufüh- icn. Immerhin wurde auch vom Reichsverband weiblicher Hausangestellten die Dringlichkeit einer gesetzlichen Regelung der rechtlichen Stellung der Hausgehilsen dargelegt. Die meisten Bestimmungen des Gesetzentivurss können seitens der Dienstherrschaft als angemessen hinge- uommen werden, schon deswegen, weil sie längst als selbstverständlich gelten; zum Beispiel die Bestimmungen: Der Hausgehilfe hat den Weisungen des Arbeitgebers zu entsprechen, sich einwandfrei zu führen und den Verhältnissen des Haushaltes sich anzupassen. Er kann einen besonderen Schlafraum und ein eigenes Bett, einen verschließbaren Schranks und einen heizbaren Raum, gesunde und auskömmliche Kost verlangen. Anderes ist bedenklich, zum Beispiel, daß auf einen sittlichen Lebenswandel der Hausgehilfen unter achtzehn Jahren geachtet werden soll, wodurch also ältere Personen von der Aufsicht über ihre Sittlichkeit befreit zu fein scheinen.
Der schwierigste Puntt ist die Arbeitszeit. Von der vorgeschlagenen dreizehnstündigen Ar- beitsbereitschast gegen mindestens zwei einftün- dige Pansen ab, fo daß eine eMündige Arbeitszeit verbkribt. Durch diese Regelung soll den verschiedenen Strömungen und Interessen ein annehmbares Kompromiß dargeboten werden, das aber bei den Kampfern des Achtstundendogmas entrüsttten Widerspruch gefunden hat. Mit demselben Recht können unsere Hausfrauen gegen die starre Begrenzung der Arbeitsbereit- fdraft auf eine bestimmte Stundenzahl sich auflehnen. Die gewohnten bürgerlichen Lebensformen erheischen nun einmal eine Bereitschast der dienstbaren Geister auch über die siebente oder «Hie Abendstunde hinaus, ohne daß ihre Ueberansttengung zu befürchten wäre. Der Verfasser des Entwurfs bemerft in der Begründung, daß „dir Reste und Schlacken des alten Herrschaftsverhältnisses" fallen müßten, andererseits den Besonderheiten des Hausdienstverhältnisses, das häufig enge Beziehungen zur Familie in sich schließe, Rechnung zu tragen sei. Starre Rechtsformen seien hier nicht angebracht, vielmehr müßte im Hausdiewstrecht eine größere Anpas- sungsmöglichkeit an örtliche und individuelle Verschiedenheiten geboten werden. Um die in-