Nr. 123. — 12. Jahrgang.
Kasseler Neueste Nachrichtea
Eonnfag. 28. Mal 1923.
vorausgcsagt, die bessere Mannschaft-, jedoch entsprich! das Torverhältnis nicht dem jederzeit offenen Spielverlauf. Kassel spielte die zweite Halbzeit, nachdem zwei Spieler wegen Verletzung ausgeschicdcn waren, nur mit neun Mann. Der Platz war sehr schlecht und die Hitze beeinträchtigte bei allen Spielen die beiderseitigen Leistungen. — Die Kurhessen-Jugend verlor das Spiel infolge ihres mangelnden Schießvermö- gens im feindlichen Schußkreis, wodurch eine Reihe Torgelegenheiten unaus^enutzt blieben. — Die Damen konnten trotz anerkannt beflerem stocktechnischen Spiel gegen die körperlich stärkeren Erfurterinnen nicht auflommen; sie mußten zudem kurz nach Spielbeginn mit 10 Spielerinnen durchhaltcn. Tas letzte Spiel sand zur heißesten Tageszeit um 2,30 nachmittags statt. — Am Sonntag empfängt 1848 die sympathische Mannschaft von Marburg 1850. Sport fährt nach Göttingen zum dorttgen A. S. C., eine Nicht leichte Ausgabe. W. E.
s
2. Spieltag der Tnrncrsclmst.
Nachdem mit dem besten Erfolg der 1. Spieltag cchgehatten wurde, der durch seine würdige Ion» allgemeinen Anklang fand, stehen wir nun Heutes am Sonntag vor dem zweiten dieser Art. Auch hier stehen sich wieder auf dem Hose der Polizeikaserne 56 Mannschaften in dauerndem Siel von früh 8 Uhr bis gegen mittag auf vier Feldern gegenüber. Die Musikvcreinigung des Polizeivercins hat sich auch hier wieder in den Dienst der Sache gestellt. — Das von den Turnern gesiegte I a u st b a l l f p i e l verdient eine besondere Beachtung, da es ein großes technisches Können der Spieler verlangt und durch seine Art jede unfeine Handlung unterbindet. Die Spiele der Damen finden wieder am Nachmittag statt. Sie müssen nach Rothenditmold zum Henfchelplatz wandern. Auch hier herrscht zuerst der Faustball, danach das gute deutsche Schlagballspiel. Hierin treten sich Turn- und Rasensport und T. u. Sp. V. von 1848 gegenüber. — Ten Abschluß bildet ein Handballspiel. Hier tritt sich eine sogenannte Städtemannschuft. ausgesucht aus den besten Spielern der A-Klasse der Kasseler Turnerschast, in folgender Aufstellung gegenüber: Lohrey, Jäscula, Welsch, Guth, Bierschenk, Müller, Schneider, Friedrich (48), Marcinkowsky, Blackert, Mind; Krenter. Becker, Friedrich (K. T.), Hofsmann, Blumenstein, Negrasus, Maurer, Schaub, Müller, Thomas, Guth. Diese Aufstellung soll auch zum Gauturnfest und zur Sportwoche beibehalten werden.
*
Wcrbcabend für die Jugendherbergen.
Für den schon angekündigten Werbeabend des Ziveigausschuffes Niederhessen-Waldeck für deutsche Jugendherbergen wurde als Redner Lehrer Schirrmann aus Altena i. W. gewonnen, der Mann, der die erste Jugendherberge schuf, der nnermüdtich durch die deutschen Lande reist, um der gesunden Jugendbewegung eine Lanze zu brechen, der allenthalben zur Gründung von Zweig- und Ortsausschüssen und zur Gewinnung von Einzelmitgliedern, Spendern und Förderern aufruft. Durch billige Unterkuuschütten soll bekanntlich der Jugend das Wandern erleichtert werden, daß sie gesund nup stark werde, tf?r Gemüt vertiefe durch enges Zusammenleben mit der Natur, daß sie Selbsterziehung unb Gemeingeist übe und sich so in staatsbürgerliches Denken einfiihre, daß sic verwurzelt werde mit tausend Fäden in den Mutterboden heiliger Heimatliebe. Weit ist das Werk schon vorgeschritten. Zwanzig Zweigausschüsse sind in? Leben gerufen. Männer und Frauen aus allen Volksschichten handhaben selbstlos die Geschäftsführung. Die Zahl der Uebernachtungen geht in die Hunderttausende. Daß Hessen nicht zurückbleibe, dazu soll der Wcrbeabend neuen Anstoß geben. B.
Neues aus Raffel.
ÄwtthunSett Zahre Bttldergrkre nö?
Am 17. Juni 1722 schlug Christian Davis am Hntberg bei Berthelsdorf feine Axt in den ersten Baum zum Hausbau der Niederlassung der in ihrer Heimat um des G'aubenswillen bedrängten, von Graf Zinzendors aufgencmme- nen mährischen Brüder mit den Worten: „gier hat der Vogel fein Hans gesunden und die Schwalbe ihr Nest, nämlich Deine Altäre, Herr Zebaoth". Wie die Brüdergemeinde diesen Tag festlich begehen will, so ist darüber hinaus die Anregung gckotnmen, auch in den deutschen evangelischen Landeskirchen in den Gottesdiensten am 1. Somitag nach Trinitatis, dem 18. Juni, dieses Tages zu gedenken und sich des reichen Segens zu erinnern, der von der Brüdergmeindc aus das geistliche Leben des evangelischen Deutschlands ausgegangen ist. Das Ev. Konsistorium in Kassel hat die Geistlichen aufgefordert, an dem genannten Sonntag im Hauptgottesdrenst deS Segens zu gedenken, den Gott so offensichtlich auf diese Gründung eines von starker Gottes- und Heilandsliebe ergriffenen Mannes gelegt hat. In einer entsprechenden Bekanntmachüng heißt cs: Nicht nur der Hinweis auf die Einzel- persönlichkeit des Grafen Zinzendors, an dem sich Jesu Wort erfüllt hat: „Wer in Mir bleibt, der bringet viel Frucht" — sondern auch der Blick auf die Gesamtheit der Brüdergemeinde, bereit Missionskraft bis heute unerreicht ist, sind Mahnung und Ermunterung für uns Christen und Arbeiter der Gegenwart: Gott kann und will auch heute große Tinge tun, wo man in Dank und Demut sich ihm zur Verfügung stellt! Ein Ausruf zur Sammlung einer „Herrenhuter Mimoitsspende". der jetzt durchs Land geht, wird den evangelischen Gemeinden warm empfohlen. Ten Einzelgemeinde« bleibt überlassen, ob und in welcher Form man sich an dieser Sammlung freiwilliger Gaben beteiligen will.
Das Kraftwerk be! Borken.
Um in der Elektrizitätsversorgung vom Staate unabhängioer zu werden, haben sich die Streb ie zu einem Elektroverband zusammengeschlossen. Unter der Hand ist. wie ebenfalls schon bekannt, der Wan gereift, aus Gründen der Ersparnis der Transportkosten auf ben Braunkohlen- selber« bet Borken ein großes Kraftwerk zu errichten. Es gibt dies eine Gewerkschaft. an der der Staat und die Städte mit je
100 Millionen beteiligt sind, und zwar in der Weise, daß, um den nötigen Einfluß zu behalten, die Städte für die eine Hälfte des Betriebskapitals, deren Finanzierung durch Großbanken sichergestellt ist, die Bürgschaft übernehmen. Die Sicherheit bieten die Braunkohlenwerke selbst, die jährlich auf 95 Jahre 168000 Tonnen Braunkohlen liefern und 60 000 Kilowattstunden erzeugen. Das Werk soll als gemeinnütziges Unternehmen ohne Verdienst und Zuschuß arbeiten und nur im Falle der Beteiligung der Städte ist deren Einfluß aus dieses sichergestellt.
Bürgerschule Luisenstraße.
Eine gesprengte Eltern-Versammlung.
Gestern abend sand eine Versammlung der Eltern der Bürgerschule an der Luisenstraße statt, in der radikale Elemente wüste Szenen machten. Sie brüllten nieder, was anderer Meinung war und wollten auch den Rektor als Versammlungsleiter absetzen. Keinen anderen Wahlvorschlag für die kommenden Elternbeiratswahlen wollten sie gelten lassen, als ben von ihnen eingebrachten. Schließlich löste der Rektor die Versammlung aus. Daraufhin machten die Radikalen eine neue Versammlung auf. Sie warfen alle, die ihnen nicht paßten, hinaus und drohten sogar mit Gewalt. Schon wurde die Schuvo angerufen. Die Beamten brauchten aber nicht mehr einzuschreiten. Die neue „Eltern- Versammlung" nahm ihren Wahlvorschlag an. Dieser ist aber auf ungesetzliche Weise zustande- gokommeu. Deshalb ist bereits Einspruch bei der Schulverwaltung erhoben worden.
Wie uns ein Teilnehmer an der gesprengten Versammlung mitteilt, haben sich schon bei der letzten Schulentlassung Szenen ereignet, die das Eingreifen der Schupo erforderlich machten. Die Aufsichtsbehörden sollten endlich einmal die Ver hältnisse in dieser Schule näher beleuchten, denn der alte Elternbeirat bat, statt den Lehrern ihr Wirken zu erleichtern, diese zu Feinden erklärt. Wenn alle Eltern Zu den Elternversammlnn- gen kämen, ständen die Wenigen, die den radikalen Elementen entgegentreten, in besserer Front. Jedenfalls kann es so Wie jetzt nicht weitergehen. Unbedingt muß das eine durch- gcsetzt werden: Fort mit der Politik aus der Schule!
Höhere Mädchenschulen.
Kürzlich fand in Homburg v. d. H. die diesjährige Hauptversammlung des Hess.-Nass. Proviuzialvereins für das höhere Mädchenschulwesen statt. Die Festver- semmlung brachte zwei Berichte über die wichtige Frage der Semeinschafts-erziehung. Fräulein Studienassessor Stock-Marburg sprach als Vertretern des Gedankens der Koedukation. Studiendirektor Dr. Schoof-Hersfeld setzte sich für getrennte Erziehung der Geschlechter ein. Die Äusspruache zeigte, daß man der zur Behandlung stehenden Frage größtes Interesse entgegenbrachte und die Schwierigkeit der Losung voll einschätzte. — Bei der Neubildung des Vorstandes wurde Kassel als Vorort und Oberstudiendirektor Dr. Friedrich zum ersten Vorsitzenden gewählt. Als nächster Tagungsort wurde Hersfeld bestimmt. Die Blütenpracht der sonnigen Maientage gab der ganzen Tagung eine besonders festliche Unzrahmnna.
Dre Aermsten.
Vor kurzem wurde an dieser Stelle geworben füre die „Vereinigte Fürsorge", die durch den Zusammenschluß des Hikfswerks des Verbandes Kasseler Frauenvereine und der Fürsorgcabiei- lung des Rentnerbundes ins Leben gerufen ist. I« der großen Zahl der Armen, denen hier Hilfe gebracht. Werben, soll, befinden sich vornehmlich Veteranen der Arbeit und deren Angehörige, darunter viele Witwen und Töchter, die nicht mehr arbeitsfähig sind. Deren Not ist unbeschreiblich Kohlen unb Holz sind für sie unerschwinglich. Viele von ihnen konnten sich im letzten kalten Winter nicht mehr regelmäßig eine warme Mahlzeit bereiten oder ein Zimmer wärmen. Wer au den Fürjorgestellen viele solcher Bedrückten gesehen hat, kann sich des tiefsten Mitleids nicht erwehren.
Viel ist schon durch öfentliche und private Fürsorge getan. Unendlich viel bleibt aber noch zu tun. denn . . . der Kreis derer, die der Hilfe bedürfen, wächst täglich mit der zunehmenden Teuerung. Von den vielen, vielen Hunderten, die schweigend ian der Stille leiden, haben die Wenigstens ein Jahreseinkommen von mehr als zweitausend Mark, viele ein solches von 700, ja 200 Mark. Und unter diesen Aermsten der Armen sind viele Dutzende von Namen, die in der Stadt wie im ganzen Hessenlande den besten Klang haben!
Keine Mittel, das nackte Leben zu fristen, dazu Altcö, Krankheit, Hilflosigkeit und ost keinen Anspruch auf irgend welche Rente . . . da m u ß neben den öffentlichen Hilfsmaßnahmen von Stadt und Staat private Fürsorge einfetzen. die diskret und liebevoll jeden einzelnen Fall prüft und rechtzeitig dort eingreift, wo cs nötig ist. Helfen kann hier ein Jeder Tretet der Vereinigten Fürsorge bei. unterstützt sie durch eure Mitgliedschaft!
Gebt schnell, gebt reichlich! Ein jeder steuere nach Vermögen! Anmeldestellen sind: Sämtliche Banken, sowie Hilfswerk (Obere Karlstraße 14). und Rentnerbund (Bismarckstraße 12). Die Herzen auf, die Hände auf die die Aermsten der Armen!
Rktershilfe!
Es wird gebeten, die noch nicht abgelieferten Sammelbüchsen und Sammellisten, wenn Betröge eiiigegangen sind, beim Bankhaus H. Schirmer, Kölnifckestraße 12, alsbald einzulicsern. Listen und Büchsen ohne Erttag werden an das Soziale Amt, Rathaus, Zimmer 83 (2. Stock) zurückerbeten.
Rentnerbund.
Die Ortsgruppe Kassel hält Montag nachmittag 4 Uhr im großen Stadtparksaale ihre Iah resmitgliederversamnÄung ab. Bei dem so regen Interesse, das unsere Mitbürger diesem ans schwerer Not entstandenen Unternehmen bisher durch Rat und Tat bewiesen haben, steht zu hoffen, daß außer den Mitgliedern auch zahlreiche Gäste, welche die Ortsgruppe herzlich willkommen heißt, der Perfammlung beiwohnen werden. Besonders der zu Beginn der Tagesordnung gestellte Jahresbericht des Herrn v. Colomb, dessen unermüdlicher Arbeit das Erreichte in erster Linie z„ denken ist, dürste weitere Kreise lnteressie- ' ren. Nichtmitglieder, außer den besonders gela.
denen Gästen, werden gebeten, auf der Empore Platz zu nehmen, um Irrtümer bet den Abstimmungen zu vermeiden.
Wie wird das Wetter?
Der gestrige Freitag brachte in Kassel eine Höchsttemperatur von 28 Grad Cellsms, in der Nacht war die tieffte Temperatur 15 Grad. Heute früh 7 Uhr Barometerstand 767,6 und eine merkbare Abkühlung, lieber die allgemeine Wetterlage schreibt unser ll-Mitarbeiter: Wir liegen gegenwärtig in der Einflußzone eines nunmehr wieder ganz Deutschland beherrschenden Hochdruckgebiets. Einzelne Teiltiess werden jedoch für lokale Gewitter sorgen; im übrigen ist mit vorwiegend heiterem und warmem Wetter zu rechnen.
Für Anfang Juni orakelt Wilhelm Krebs von der Holsteinischen Wetterwarte: Tie Wende des Mai zum Juni, die in der bevorstehenden Berichtswoche, vom 28. Mai bis 3. Juni stattfindet, verspricht an vorberechneten Störungen, drei westliche, bereit letzten beide durch kurz voranschreitende südöstliche abgelenkt werden können. Deshalb erscheint zuerst zwar KÄrmeres, wenn auch nicht ganz niederschlag- sreies Wetter angezeigt, dann aber, in den ersten Junitagen rauhes, noch weniger beständiges Wetter mit Neigung zu Temperatursturz.
Die Wetterdienststelle Weilburg besagt für Sonntag und Montag: Bei nur ganz geringer Gewitterneigung bei westlichen oder nordwesflichen Winden nicht sehr heiß.
Alexander Fiorino.
Zu seinem /ichtzigsten Geburtstage.
Unser in weiten Kreisen bekannter Mitbürger Al e x a n d e r Fiorino begeht am Sonntag in größter geistiger und körperlicher Frische seinen achtzigsten Geburtstag. Sein Kunstsinn ist Nett über unseren heimatlichen Kreis bekannt.
Aus Alexander Fiorinos Geburtshaus am Steinweg, mit der Rückseite nach den Kolonaden unb dem prächtigen Blick nach der Karlsaue, ist im Laufe der Jahre gar mancher Thermometer und Barometer in dir Welt hinausgewandert und hat zur Verbreittmg des Namens „Fiorino", ter bei Beginn des vorigen Jahrhunderts in Kassel noch gänzlich unbekannt war, wesentlich beigetrazen. Bekannt ist, daß zu jener Zeit gesetzliche Vorschriften veröffentticht wurden, wonach ein eher Israelit verpflichtet war, für seinen alten Familiennamen einen neuen zu wählen. Daß der Zufall im Leben häufig ausschlaggebend ist, bewahrheitet sich auch hier bei dem italienisch klingenden Eigennamen „Fiorino". Als nämlich der Vorfahre des jetzigen Jubilars zur Nennung des neuen Nmncns vorgeladen war, ließ ein vor ihm sichender älterer Mann im Lause der Unterhaltung mit seinem Nachbarn das Wort „Fiorino" (eine italienische Münze, gleich 1,199 Mark) fallen. Das Wort „Fiorino" hatte es dem unfreiwilligen Zuhörer angetan, und als ihm die übliche Frage nach dem Namen vorgelegt wurde, gab er ohne Besinnen den neuen Familiennamen „Fiorino" an ...!
In feinen Jugendjahren nahm Alexander Fiorino einen mehrjährigen Aufenthalt in England, wo ihm Gelegenheit geboten wurde, feine kaufmännischen Kenntnisse zu vervollkommnen Von'hier zurückgekehrt, war er in der damals sehr bekannten Firma „Aschrott" tätig, bekleidete darauf den Posten eines Sensals und grün« bete kurz danach, ausgerüstet mit gediegenen Kenntnissen, mit seinem Teilhaber Sichel die bekannte Bankfirma „Fiorino und Sichel", die hellte zu den geachtetsten von Kassel zählt. Seit annähernd zwanzig Jahren hat sich Fiorino in das Privatleben zurückgezogen, um sich mit Muße der Kunst, den.Wissenschaften unb den mannigfaltigen humanistischen Bestrebungen zu widmen. Zahlreich und wertvoll sind seine Sammlungen von Gemälden, Radierungen, Mniaturen, Münzen usw., die zum Teil hiesigen Instituten, wie der Gemäldegalerie und dem Landesmuseum zum Geschick gemacht wurden. Seine vorzüglichen Sprachkenntnisse — er beherrscht in Wort und Schrift die französische, englische, tialienische und spanische Sprache — befähigten ihn sowohl während des Krieges, als auch heute noch, als Dolmetscher herangezogen zu werden.
Wenn Schiller sagte „Dem Einen isst die Wissenschaft die hohe, himmlische Göttin, dem Anderen eine tüchtige Kuh, die ihn mit Butter versorgt", so muß man dem Jubilar rühmend be- ftätigen, daß bei hm trotz seines vielseitigen Wissens, wahre Hoheit stets Bescheidenheit war. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, daß der alte Herr ungefähr achtzig Vereinen als tätiaes unb verständnisvolles Mitglied angehört. So zählt unter anderem das freie, deutsche Hochstift in Frankfurt a. M. den Jubilar seit sechzig, der hiesige kaufmännische Verein seit fünfzig, desgleichen die Kasseler Liedertafel seit annähernd fünfzig Jahren zu einem ihrer eigfrigften Jünger. Trotz seiner achtzig Jahre versäumt er selten die Proben des letztgenannten Vereins und beteiligt sich auch heute noch an den Wanderungen, die seine Freunde Mittwochs und Freitags unternehmen.
Hoch angerechnet müssen dem Jubilar die Verdienste werden, die er sich im bürgerlichen Leben im Dienste der Wohltätigkeit, als Vorsitzender des .Jsraelittschen Waisenhauses", wie auch der wohltätigen Gesellschaft „Humanität" erworben hat und die ihm allgemeine Wertschätzung zugetragen haben. Möge darum dem rüstigen Ehrengreis ein noch reich gesegnetes Lebensalter bescheiden sein und mögen seine Werke der Barmherzigkeit, womit er sich mit Vorliebe beschäftigt, reiche Früchte ttagen und wie der Mitwelt ihm selbst zum dauernden Segen gereichen. Gustav Wentzell.
LokMnachklchten vom Tage.
'' Kasseler Federstahl A. G $cr Jahresabschluß hatte ein günstiges Ergebnis. Das tot terucbmeu war ständig gut beschäftigt. Ter Gewinnsaldo einschließlich des Vortrages aus 1921 beträgt zweieinhalb Millionen Mark. Auch im neuen Jahre hat sich der Geschäftsgang weiterhin befriedigend entwickelt. In dem Geschäftsbericht beißt es: Die starke Nachfrage hielt in den ersten Monaten unvermindert an und bat zu erbebl.cfen Umsatzsteigerungen gegenüber Wm Vorjahre geführt Neuerdings macht sich aber eine Zurückhaltung in allen Käuferschichten bemerkbar. von der sich noch nicht übersehen läßt, welche Entwicklung sie weiterhin nehmen wird, zumal die gewaltige Steigerung aller Materialpreise. der schon bedenklich hohen Löhne und
A0000000000000000000<xxx>0000000
| Heute: |
| Zürnen, Spott, Spiel l 8 Geste 2 der ersten Beilage. 8 I Sie Fm ols WkiStti» f 8 Gelte 2 Ser zweiten Beilage. g ooooooooooooooooocooooooooooooo Gehälter, sowie aller sonstigen Gestehungskosten noch ständig im Fortschreiten begriffen ist. Zurzeit sind wir in allen Abteilungen.nach wie vor voll beschäftigt. Die von der ordentlichen Gene, ralversammlung am 12. Apwril d. Js. beschlossene Erhöhung des Grundkapitals durch die Ausgabe von 300 000 Mark 6 Proz. Vorzugsaktien mit mehrfachem Stimmrecht ist durchgeführt und die Eintragung in das Handelsregister am 13 Mai v. Js. erfolgt. Unsere Buchschulden schließen wieder die zu zahlende Körperschaft^ steuer uns Gewerbesteuer ein. Die Vereinigten Licht- und Kraftwerke Aft.-Ges., Osterode, haben für das erste am 30. Juni 1921 abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende von zwanzig Prozent zur Auszahlung gebracht, die unter Zinsen ver einnahmt sind.
Letzte Tepesches.
Politischer Streik m Vwm.
Die Regierung droht mit Gewalt. (Eigener Drahtbericht.
Rom, 27. Mai.
Der infolge des Straßenlautpfes im Quartier San Lorenz» für die Stadt Rom proklamierte Generalstreik wird von der Arbeiterschast durcharkühri. Die Streikleitung will an der Aktion bis zur Freilassung der verhafteten Kommunisten festhalten. In der Kammer ließ die Regierung erklären, daß sie, falls innerhalb eines Tages der Streik nicht eingestellt werden sollte, den Abbruch desfclben mit Gewalt er- zwingc.-i werde. Die Regierung hat eine Unter suchung der Borgänge angeordnet und läßt wei- ter erklären, daß die unbedachten Kundgebungen der Minderheitsparteien aufhören müßten.
Amerikanisch^ Hiife?
Frankfurt a. M., 27. Mai. (Privat-Tele- grtumn.) Die Frankfurter Zeitung erfährt aus Rewyork: In Finanzkreisen herrscht der Eindruck vor, daß eine A n l e i h e in Höhe von enter Vkilliardr Dollar für Deutschland besSrwartet werden könne. Teilweise werde diese Anleihe in Fonn einer Kreditoperation und teil, weise durch direkte Goldverschiffungen gegeben werden. Die „Newyork Times" erklärt, der ft. nanzielle Horizont Europas werde klarer.
Varis unb Genua.
Paris, 27. Mai. (Eigene Drahtmeldnng.) In der Kammer wurde gestern die Genua-De- batte fortgesetzt. Poinar^ hielt mit seiner großen Rede noch immer zurück. Dagegen griff er verschiedene Male mit Zurufen in die Debatte ein, als es zu Zwischenfällen kam.
Verfolgte Kommunisten?
Paris, 27. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Die Regierung Poinrarös bat beschlossen, gegen die beiden angesehensten Führer der kommunistischen Partei Marcel Zachin und CouturierS eine strafrechtliche Verfolgung wegen ankimilitärischer Propaganda und wegen Aufforderung zum Ungehorsam im Heere einleiten zu lassen. Beim Kammerpräsidenten ist bereits Antrag auf Aushebung der Immunität der beiden Angeklagten eingereicht worden.
Der rufsssche Vertreter in Derttn.
Berlin, 27. Mai. (Privattelegramm.) Krasfi» ist gestern abend in Berlin eingdroffeit.
Kasseler Kurse
vom 26. Mai 1922.
1919
«'/,•/, »aifeUr LandeSkredit-Kag.-Obl. „ Serie 20
4°/o „ , • • ano.Serttn
Serie 19
. 21
• m „ 16
B'/.'/c „ . .
3 7.7. .
3'/.°,'. .
3'/.°,'. .
87.
,»/. 1802 «offe'ti Gta’tank'.oe
!•/, 1»!S
,7.7. 1887 3'/-'/° 1893
97,7, 1901 .
Hann -Mund.
Marburger
5»/„ Banmann & teberer-DM.
4Raffeier Fevecflahl-Ovl.
5"/„ Fröhlich & Wofff.Ovl
4-/. <$ro6e Staffelet 6lra$enl>uUn06t
57, Hetrsckel & Sosn „
4"/, Herlule«bra»cret .
Maschinenfabrik Ralfet 4t 6». „
57« Salzmann & Uo. „
47,7, Ver. Oar>fa hnien ,
4•/„ Wild unger Mineralquelle» „
«7,7. . . .
«rode Raffelet SUaben: uha-Akl n>
Krabafinetoder Tonwerke
Hefsifcher Bankverein .
5crfule8btauere: e
RafWlet siederflahl e
Mafchinenfadrn Bcü » Henkel .
Stahl 4 Nolle .
Wenderach .
ver. 3a6fa teilen
Nach- An. frage geb»
100.-
103 —
97.—
—
86.—
88.—
91.—
87.—
90.—
88.-
DU 0
89.-
92.—
80 —
85.—
— —
77*—
70.-
73.—
92.—
—
88 —
—
i 1
f s
11.
11
— - 99.—
94.- 99.-
96.- 99.—
220 —
770.-
2000
910.—
1500
1650
670.— 250,— 795.—
2050
92.',.- 1560
1700
2800
Apothekendkenst.
Folgende Kasseler Avocheken haben morgen. Sonntag, geöffnet und in der darauf folgenden Woche Nachrdicnst: Adler-Apotheke, Fuldadrücke 8, Herkules-Apotheke, Wilh. Alle- Nr. 273, Hof-Apothrie, Bahuhofstr., Hohenzol- Icrnapctheke, Hoheuzollernstr. 93, Stern-Apo«
Weinbaus einzerstutien -°S
ihcke, ü»er|t< Gaue 4