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Nr. 123. 12. Jahrgang.

Kasseler Neueste Nachrichtea

Eonnfag. 28. Mal 1923.

vorausgcsagt, die bessere Mannschaft-, jedoch entsprich! das Torverhältnis nicht dem jederzeit offenen Spielverlauf. Kassel spielte die zweite Halbzeit, nachdem zwei Spieler wegen Verlet­zung ausgeschicdcn waren, nur mit neun Mann. Der Platz war sehr schlecht und die Hitze be­einträchtigte bei allen Spielen die beiderseitigen Leistungen. Die Kurhessen-Jugend verlor das Spiel infolge ihres mangelnden Schießvermö- gens im feindlichen Schußkreis, wodurch eine Reihe Torgelegenheiten unaus^enutzt blieben. Die Damen konnten trotz anerkannt beflerem stocktechnischen Spiel gegen die körperlich stärke­ren Erfurterinnen nicht auflommen; sie mußten zudem kurz nach Spielbeginn mit 10 Spielerin­nen durchhaltcn. Tas letzte Spiel sand zur heißesten Tageszeit um 2,30 nachmittags statt. Am Sonntag empfängt 1848 die sympa­thische Mannschaft von Marburg 1850. Sport fährt nach Göttingen zum dorttgen A. S. C., eine Nicht leichte Ausgabe. W. E.

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2. Spieltag der Tnrncrsclmst.

Nachdem mit dem besten Erfolg der 1. Spiel­tag cchgehatten wurde, der durch seine würdige Ion» allgemeinen Anklang fand, stehen wir nun Heutes am Sonntag vor dem zweiten dieser Art. Auch hier stehen sich wieder auf dem Hose der Polizeikaserne 56 Mannschaften in dauerndem Siel von früh 8 Uhr bis gegen mittag auf vier Feldern gegenüber. Die Musikvcreinigung des Polizeivercins hat sich auch hier wieder in den Dienst der Sache gestellt. Das von den Tur­nern gesiegte I a u st b a l l f p i e l verdient eine besondere Beachtung, da es ein großes techni­sches Können der Spieler verlangt und durch seine Art jede unfeine Handlung unterbindet. Die Spiele der Damen finden wieder am Nach­mittag statt. Sie müssen nach Rothenditmold zum Henfchelplatz wandern. Auch hier herrscht zuerst der Faustball, danach das gute deutsche Schlagballspiel. Hierin treten sich Turn- und Rasensport und T. u. Sp. V. von 1848 gegen­über. Ten Abschluß bildet ein Handball­spiel. Hier tritt sich eine sogenannte Städte­mannschuft. ausgesucht aus den besten Spielern der A-Klasse der Kasseler Turnerschast, in fol­gender Aufstellung gegenüber: Lohrey, Jäscula, Welsch, Guth, Bierschenk, Müller, Schneider, Friedrich (48), Marcinkowsky, Blackert, Mind; Krenter. Becker, Friedrich (K. T.), Hofsmann, Blumenstein, Negrasus, Maurer, Schaub, Mül­ler, Thomas, Guth. Diese Aufstellung soll auch zum Gauturnfest und zur Sportwoche beibehal­ten werden.

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Wcrbcabend für die Jugendherbergen.

Für den schon angekündigten Werbeabend des Ziveigausschuffes Niederhessen-Waldeck für deut­sche Jugendherbergen wurde als Redner Lehrer Schirrmann aus Altena i. W. gewonnen, der Mann, der die erste Jugendherberge schuf, der nnermüdtich durch die deutschen Lande reist, um der gesunden Jugendbewegung eine Lanze zu brechen, der allenthalben zur Gründung von Zweig- und Ortsausschüssen und zur Gewin­nung von Einzelmitgliedern, Spendern und Förderern aufruft. Durch billige Unterkuuschüt­ten soll bekanntlich der Jugend das Wandern erleichtert werden, daß sie gesund nup stark wer­de, tf?r Gemüt vertiefe durch enges Zusammen­leben mit der Natur, daß sie Selbsterziehung unb Gemeingeist übe und sich so in staatsbür­gerliches Denken einfiihre, daß sic verwurzelt werde mit tausend Fäden in den Mutterboden heiliger Heimatliebe. Weit ist das Werk schon vorgeschritten. Zwanzig Zweigausschüsse sind in? Leben gerufen. Männer und Frauen aus allen Volksschichten handhaben selbstlos die Ge­schäftsführung. Die Zahl der Uebernachtungen geht in die Hunderttausende. Daß Hessen nicht zurückbleibe, dazu soll der Wcrbeabend neuen Anstoß geben. B.

Neues aus Raffel.

ÄwtthunSett Zahre Bttldergrkre?

Am 17. Juni 1722 schlug Christian Davis am Hntberg bei Berthelsdorf feine Axt in den ersten Baum zum Hausbau der Niederlassung der in ihrer Heimat um des G'aubenswillen bedrängten, von Graf Zinzendors aufgencmme- nen mährischen Brüder mit den Worten:gier hat der Vogel fein Hans gesunden und die Schwalbe ihr Nest, nämlich Deine Altäre, Herr Zebaoth". Wie die Brüdergemeinde diesen Tag festlich begehen will, so ist darüber hinaus die Anregung gckotnmen, auch in den deutschen evan­gelischen Landeskirchen in den Gottesdiensten am 1. Somitag nach Trinitatis, dem 18. Juni, dieses Tages zu gedenken und sich des reichen Segens zu erinnern, der von der Brüdergmeindc aus das geistliche Leben des evangelischen Deutsch­lands ausgegangen ist. Das Ev. Konsistorium in Kassel hat die Geistlichen aufgefordert, an dem genannten Sonntag im Hauptgottesdrenst deS Segens zu gedenken, den Gott so offensichtlich auf diese Gründung eines von starker Gottes- und Heilandsliebe ergriffenen Mannes gelegt hat. In einer entsprechenden Bekanntmachüng heißt cs: Nicht nur der Hinweis auf die Einzel- persönlichkeit des Grafen Zinzendors, an dem sich Jesu Wort erfüllt hat:Wer in Mir bleibt, der bringet viel Frucht" sondern auch der Blick auf die Gesamtheit der Brüdergemeinde, bereit Missionskraft bis heute unerreicht ist, sind Mahnung und Ermunterung für uns Christen und Arbeiter der Gegenwart: Gott kann und will auch heute große Tinge tun, wo man in Dank und Demut sich ihm zur Verfügung stellt! Ein Ausruf zur Sammlung einerHerrenhuter Mimoitsspende". der jetzt durchs Land geht, wird den evangelischen Gemeinden warm empfohlen. Ten Einzelgemeinde« bleibt überlassen, ob und in welcher Form man sich an dieser Sammlung freiwilliger Gaben beteiligen will.

Das Kraftwerk be! Borken.

Um in der Elektrizitätsversorgung vom Staa­te unabhängioer zu werden, haben sich die Streb ie zu einem Elektroverband zusammengeschlossen. Unter der Hand ist. wie ebenfalls schon bekannt, der Wan gereift, aus Gründen der Ersparnis der Transportkosten auf ben Braunkohlen- selber« bet Borken ein großes Kraft­werk zu errichten. Es gibt dies eine Gewerk­schaft. an der der Staat und die Städte mit je

100 Millionen beteiligt sind, und zwar in der Weise, daß, um den nötigen Einfluß zu behal­ten, die Städte für die eine Hälfte des Betriebs­kapitals, deren Finanzierung durch Großbanken sichergestellt ist, die Bürgschaft übernehmen. Die Sicherheit bieten die Braunkohlenwerke selbst, die jährlich auf 95 Jahre 168000 Tonnen Braun­kohlen liefern und 60 000 Kilowattstunden erzeu­gen. Das Werk soll als gemeinnütziges Unter­nehmen ohne Verdienst und Zuschuß arbeiten und nur im Falle der Beteiligung der Städte ist deren Einfluß aus dieses sichergestellt.

Bürgerschule Luisenstraße.

Eine gesprengte Eltern-Versammlung.

Gestern abend sand eine Versammlung der Eltern der Bürgerschule an der Luisen­straße statt, in der radikale Elemente wüste Szenen machten. Sie brüllten nieder, was an­derer Meinung war und wollten auch den Rektor als Versammlungsleiter absetzen. Keinen an­deren Wahlvorschlag für die kommenden Eltern­beiratswahlen wollten sie gelten lassen, als ben von ihnen eingebrachten. Schließlich löste der Rektor die Versammlung aus. Daraufhin mach­ten die Radikalen eine neue Versammlung auf. Sie warfen alle, die ihnen nicht paßten, hinaus und drohten sogar mit Gewalt. Schon wurde die Schuvo angerufen. Die Beamten brauchten aber nicht mehr einzuschreiten. Die neueEltern- Versammlung" nahm ihren Wahlvorschlag an. Dieser ist aber auf ungesetzliche Weise zustande- gokommeu. Deshalb ist bereits Einspruch bei der Schulverwaltung erhoben worden.

Wie uns ein Teilnehmer an der gesprengten Versammlung mitteilt, haben sich schon bei der letzten Schulentlassung Szenen ereignet, die das Eingreifen der Schupo erforderlich machten. Die Aufsichtsbehörden sollten endlich einmal die Ver hältnisse in dieser Schule näher beleuchten, denn der alte Elternbeirat bat, statt den Lehrern ihr Wirken zu erleichtern, diese zu Feinden erklärt. Wenn alle Eltern Zu den Elternversammlnn- gen kämen, ständen die Wenigen, die den radi­kalen Elementen entgegentreten, in besserer Front. Jedenfalls kann es so Wie jetzt nicht weitergehen. Unbedingt muß das eine durch- gcsetzt werden: Fort mit der Politik aus der Schule!

Höhere Mädchenschulen.

Kürzlich fand in Homburg v. d. H. die diesjährige Hauptversammlung des Hess.-Nass. Proviuzialvereins für das höhere Mädchenschulwesen statt. Die Festver- semmlung brachte zwei Berichte über die wich­tige Frage der Semeinschafts-erziehung. Fräulein Studienassessor Stock-Marburg sprach als Vertretern des Gedankens der Koedukation. Studiendirektor Dr. Schoof-Hersfeld setzte sich für getrennte Erziehung der Geschlechter ein. Die Äusspruache zeigte, daß man der zur Behand­lung stehenden Frage größtes Interesse ent­gegenbrachte und die Schwierigkeit der Losung voll einschätzte. Bei der Neubildung des Vor­standes wurde Kassel als Vorort und Oberstudiendirektor Dr. Friedrich zum ersten Vorsitzenden gewählt. Als nächster Tagungsort wurde Hersfeld bestimmt. Die Blütenpracht der sonnigen Maientage gab der ganzen Tagung eine besonders festliche Unzrahmnna.

Dre Aermsten.

Vor kurzem wurde an dieser Stelle geworben füre dieVereinigte Fürsorge", die durch den Zusammenschluß des Hikfswerks des Verbandes Kasseler Frauenvereine und der Fürsorgcabiei- lung des Rentnerbundes ins Leben gerufen ist. I« der großen Zahl der Armen, denen hier Hilfe gebracht. Werben, soll, befinden sich vor­nehmlich Veteranen der Arbeit und de­ren Angehörige, darunter viele Witwen und Töchter, die nicht mehr arbeitsfähig sind. Deren Not ist unbeschreiblich Kohlen unb Holz sind für sie unerschwinglich. Viele von ihnen konnten sich im letzten kalten Winter nicht mehr regelmä­ßig eine warme Mahlzeit bereiten oder ein Zim­mer wärmen. Wer au den Fürjorgestellen viele solcher Bedrückten gesehen hat, kann sich des tief­sten Mitleids nicht erwehren.

Viel ist schon durch öfentliche und private Für­sorge getan. Unendlich viel bleibt aber noch zu tun. denn . . . der Kreis derer, die der Hilfe be­dürfen, wächst täglich mit der zunehmenden Teu­erung. Von den vielen, vielen Hunderten, die schweigend ian der Stille leiden, haben die We­nigstens ein Jahreseinkommen von mehr als zweitausend Mark, viele ein solches von 700, ja 200 Mark. Und unter diesen Aermsten der Ar­men sind viele Dutzende von Namen, die in der Stadt wie im ganzen Hessenlande den besten Klang haben!

Keine Mittel, das nackte Leben zu fristen, da­zu Altcö, Krankheit, Hilflosigkeit und ost keinen Anspruch auf irgend welche Rente . . . da m u ß neben den öffentlichen Hilfsmaßnahmen von Stadt und Staat private Fürsorge einfet­zen. die diskret und liebevoll jeden einzelnen Fall prüft und rechtzeitig dort eingreift, wo cs nötig ist. Helfen kann hier ein Jeder Tretet der Vereinigten Fürsorge bei. unterstützt sie durch eure Mitgliedschaft!

Gebt schnell, gebt reichlich! Ein jeder steuere nach Vermögen! Anmeldestellen sind: Sämtliche Banken, sowie Hilfswerk (Obere Karlstraße 14). und Rentnerbund (Bismarckstraße 12). Die Herzen auf, die Hände auf die die Aermsten der Armen!

Rktershilfe!

Es wird gebeten, die noch nicht abgelieferten Sammelbüchsen und Sammellisten, wenn Be­tröge eiiigegangen sind, beim Bankhaus H. Schir­mer, Kölnifckestraße 12, alsbald einzulicsern. Li­sten und Büchsen ohne Erttag werden an das Soziale Amt, Rathaus, Zimmer 83 (2. Stock) zurückerbeten.

Rentnerbund.

Die Ortsgruppe Kassel hält Montag nachmit­tag 4 Uhr im großen Stadtparksaale ihre Iah resmitgliederversamnÄung ab. Bei dem so regen Interesse, das unsere Mitbürger diesem ans schwerer Not entstandenen Unternehmen bisher durch Rat und Tat bewiesen haben, steht zu hof­fen, daß außer den Mitgliedern auch zahlreiche Gäste, welche die Ortsgruppe herzlich willkom­men heißt, der Perfammlung beiwohnen werden. Besonders der zu Beginn der Tagesordnung ge­stellte Jahresbericht des Herrn v. Colomb, dessen unermüdlicher Arbeit das Erreichte in erster Li­nie z denken ist, dürste weitere Kreise lnteressie- ' ren. Nichtmitglieder, außer den besonders gela.

denen Gästen, werden gebeten, auf der Empore Platz zu nehmen, um Irrtümer bet den Abstim­mungen zu vermeiden.

Wie wird das Wetter?

Der gestrige Freitag brachte in Kassel eine Höchsttemperatur von 28 Grad Cellsms, in der Nacht war die tieffte Temperatur 15 Grad. Heute früh 7 Uhr Barometerstand 767,6 und eine merk­bare Abkühlung, lieber die allgemeine Wetter­lage schreibt unser ll-Mitarbeiter: Wir liegen gegenwärtig in der Einflußzone eines nunmehr wieder ganz Deutschland beherrschenden Hoch­druckgebiets. Einzelne Teiltiess werden jedoch für lokale Gewitter sorgen; im übrigen ist mit vorwiegend heiterem und warmem Wetter zu rechnen.

Für Anfang Juni orakelt Wilhelm Krebs von der Holsteinischen Wetterwarte: Tie Wende des Mai zum Juni, die in der bevorstehenden Berichtswoche, vom 28. Mai bis 3. Juni stattfindet, verspricht an vorberechneten Störungen, drei westliche, bereit letzten beide durch kurz voranschreitende südöstliche abgelenkt werden können. Deshalb erscheint zuerst zwar KÄrmeres, wenn auch nicht ganz niederschlag- sreies Wetter angezeigt, dann aber, in den ersten Junitagen rauhes, noch weniger beständiges Wetter mit Neigung zu Temperatursturz.

Die Wetterdienststelle Weilburg besagt für Sonntag und Montag: Bei nur ganz geringer Gewitterneigung bei westlichen oder nordwesflichen Winden nicht sehr heiß.

Alexander Fiorino.

Zu seinem /ichtzigsten Geburtstage.

Unser in weiten Kreisen bekannter Mitbürger Al e x a n d e r Fiorino begeht am Sonntag in größter geistiger und körperlicher Frische sei­nen achtzigsten Geburtstag. Sein Kunstsinn ist Nett über unseren heimatlichen Kreis bekannt.

Aus Alexander Fiorinos Geburtshaus am Steinweg, mit der Rückseite nach den Kolonaden unb dem prächtigen Blick nach der Karlsaue, ist im Laufe der Jahre gar mancher Thermometer und Barometer in dir Welt hinausgewandert und hat zur Verbreittmg des NamensFiorino", ter bei Beginn des vorigen Jahrhunderts in Kassel noch gänzlich unbekannt war, wesentlich beigetrazen. Bekannt ist, daß zu jener Zeit ge­setzliche Vorschriften veröffentticht wurden, wo­nach ein eher Israelit verpflichtet war, für sei­nen alten Familiennamen einen neuen zu wäh­len. Daß der Zufall im Leben häufig ausschlag­gebend ist, bewahrheitet sich auch hier bei dem italienisch klingenden EigennamenFiorino". Als nämlich der Vorfahre des jetzigen Jubilars zur Nennung des neuen Nmncns vorgeladen war, ließ ein vor ihm sichender älterer Mann im Lause der Unterhaltung mit seinem Nachbarn das WortFiorino" (eine italienische Münze, gleich 1,199 Mark) fallen. Das WortFiorino" hatte es dem unfreiwilligen Zuhörer angetan, und als ihm die übliche Frage nach dem Namen vor­gelegt wurde, gab er ohne Besinnen den neuen FamiliennamenFiorino" an ...!

In feinen Jugendjahren nahm Alexander Fiorino einen mehrjährigen Aufenthalt in Eng­land, wo ihm Gelegenheit geboten wurde, feine kaufmännischen Kenntnisse zu vervollkommnen Von'hier zurückgekehrt, war er in der damals sehr bekannten FirmaAschrott" tätig, beklei­dete darauf den Posten eines Sensals und grün« bete kurz danach, ausgerüstet mit gediegenen Kenntnissen, mit seinem Teilhaber Sichel die be­kannte BankfirmaFiorino und Sichel", die hellte zu den geachtetsten von Kassel zählt. Seit annähernd zwanzig Jahren hat sich Fiorino in das Privatleben zurückgezogen, um sich mit Muße der Kunst, den.Wissenschaften unb den mannig­faltigen humanistischen Bestrebungen zu widmen. Zahlreich und wertvoll sind seine Sammlungen von Gemälden, Radierungen, Mniaturen, Mün­zen usw., die zum Teil hiesigen Instituten, wie der Gemäldegalerie und dem Landesmuseum zum Geschick gemacht wurden. Seine vorzüg­lichen Sprachkenntnisse er beherrscht in Wort und Schrift die französische, englische, tialienische und spanische Sprache befähigten ihn sowohl während des Krieges, als auch heute noch, als Dolmetscher herangezogen zu werden.

Wenn Schiller sagteDem Einen isst die Wis­senschaft die hohe, himmlische Göttin, dem An­deren eine tüchtige Kuh, die ihn mit Butter ver­sorgt", so muß man dem Jubilar rühmend be- ftätigen, daß bei hm trotz seines vielseitigen Wis­sens, wahre Hoheit stets Bescheidenheit war. Be­sonders bemerkenswert ist die Tatsache, daß der alte Herr ungefähr achtzig Vereinen als tätiaes unb verständnisvolles Mitglied angehört. So zählt unter anderem das freie, deutsche Hochstift in Frankfurt a. M. den Jubilar seit sechzig, der hiesige kaufmännische Verein seit fünfzig, des­gleichen die Kasseler Liedertafel seit annähernd fünfzig Jahren zu einem ihrer eigfrigften Jün­ger. Trotz seiner achtzig Jahre versäumt er sel­ten die Proben des letztgenannten Vereins und beteiligt sich auch heute noch an den Wanderun­gen, die seine Freunde Mittwochs und Freitags unternehmen.

Hoch angerechnet müssen dem Jubilar die Verdienste werden, die er sich im bürgerlichen Leben im Dienste der Wohltätigkeit, als Vor­sitzender des .Jsraelittschen Waisenhauses", wie auch der wohltätigen GesellschaftHumanität" erworben hat und die ihm allgemeine Wert­schätzung zugetragen haben. Möge darum dem rüstigen Ehrengreis ein noch reich gesegnetes Le­bensalter bescheiden sein und mögen seine Werke der Barmherzigkeit, womit er sich mit Vorliebe beschäftigt, reiche Früchte ttagen und wie der Mitwelt ihm selbst zum dauernden Segen ge­reichen. Gustav Wentzell.

LokMnachklchten vom Tage.

'' Kasseler Federstahl A. G $cr Jahresab­schluß hatte ein günstiges Ergebnis. Das tot terucbmeu war ständig gut beschäftigt. Ter Ge­winnsaldo einschließlich des Vortrages aus 1921 beträgt zweieinhalb Millionen Mark. Auch im neuen Jahre hat sich der Geschäftsgang weiter­hin befriedigend entwickelt. In dem Geschäfts­bericht beißt es: Die starke Nachfrage hielt in den ersten Monaten unvermindert an und bat zu erbebl.cfen Umsatzsteigerungen gegenüber Wm Vorjahre geführt Neuerdings macht sich aber eine Zurückhaltung in allen Käuferschichten be­merkbar. von der sich noch nicht übersehen läßt, welche Entwicklung sie weiterhin nehmen wird, zumal die gewaltige Steigerung aller Material­preise. der schon bedenklich hohen Löhne und

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| Heute: |

| Zürnen, Spott, Spiel l 8 Geste 2 der ersten Beilage. 8 I Sie Fm ols WkiStti» f 8 Gelte 2 Ser zweiten Beilage. g ooooooooooooooooocooooooooooooo Gehälter, sowie aller sonstigen Gestehungskosten noch ständig im Fortschreiten begriffen ist. Zur­zeit sind wir in allen Abteilungen.nach wie vor voll beschäftigt. Die von der ordentlichen Gene, ralversammlung am 12. Apwril d. Js. beschlos­sene Erhöhung des Grundkapitals durch die Ausgabe von 300 000 Mark 6 Proz. Vorzugsak­tien mit mehrfachem Stimmrecht ist durchgeführt und die Eintragung in das Handelsregister am 13 Mai v. Js. erfolgt. Unsere Buchschulden schließen wieder die zu zahlende Körperschaft^ steuer uns Gewerbesteuer ein. Die Vereinigten Licht- und Kraftwerke Aft.-Ges., Osterode, haben für das erste am 30. Juni 1921 abgelaufene Ge­schäftsjahr eine Dividende von zwanzig Prozent zur Auszahlung gebracht, die unter Zinsen ver einnahmt sind.

Letzte Tepesches.

Politischer Streik m Vwm.

Die Regierung droht mit Gewalt. (Eigener Drahtbericht.

Rom, 27. Mai.

Der infolge des Straßenlautpfes im Quartier San Lorenz» für die Stadt Rom proklamierte Generalstreik wird von der Arbeiterschast durcharkühri. Die Streikleitung will an der Ak­tion bis zur Freilassung der verhafteten Kommu­nisten festhalten. In der Kammer ließ die Re­gierung erklären, daß sie, falls innerhalb eines Tages der Streik nicht eingestellt werden sollte, den Abbruch desfclben mit Gewalt er- zwingc.-i werde. Die Regierung hat eine Unter suchung der Borgänge angeordnet und läßt wei- ter erklären, daß die unbedachten Kundgebungen der Minderheitsparteien aufhören müßten.

Amerikanisch^ Hiife?

Frankfurt a. M., 27. Mai. (Privat-Tele- grtumn.) Die Frankfurter Zeitung erfährt aus Rewyork: In Finanzkreisen herrscht der Ein­druck vor, daß eine A n l e i h e in Höhe von enter Vkilliardr Dollar für Deutschland besSrwar­tet werden könne. Teilweise werde diese An­leihe in Fonn einer Kreditoperation und teil, weise durch direkte Goldverschiffungen gegeben werden. DieNewyork Times" erklärt, der ft. nanzielle Horizont Europas werde klarer.

Varis unb Genua.

Paris, 27. Mai. (Eigene Drahtmeldnng.) In der Kammer wurde gestern die Genua-De- batte fortgesetzt. Poinar^ hielt mit seiner gro­ßen Rede noch immer zurück. Dagegen griff er verschiedene Male mit Zurufen in die Debatte ein, als es zu Zwischenfällen kam.

Verfolgte Kommunisten?

Paris, 27. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Die Regierung Poinrarös bat beschlossen, gegen die beiden angesehensten Führer der kom­munistischen Partei Marcel Zachin und CouturierS eine strafrechtliche Verfol­gung wegen ankimilitärischer Propaganda und wegen Aufforderung zum Ungehorsam im Heere einleiten zu lassen. Beim Kammerpräsidenten ist bereits Antrag auf Aushebung der Immuni­tät der beiden Angeklagten eingereicht worden.

Der rufsssche Vertreter in Derttn.

Berlin, 27. Mai. (Privattelegramm.) Krasfi» ist gestern abend in Berlin eingdroffeit.

Kasseler Kurse

vom 26. Mai 1922.

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Apothekendkenst.

Folgende Kasseler Avocheken haben morgen. Sonntag, geöffnet und in der darauf folgenden Woche Nachrdicnst: Adler-Apotheke, Fuldadrücke 8, Herkules-Apotheke, Wilh. Alle- Nr. 273, Hof-Apothrie, Bahuhofstr., Hohenzol- Icrnapctheke, Hoheuzollernstr. 93, Stern-Apo«

Weinbaus einzerstutien -°S

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