Meier Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Donnerstag, 25. Mai 1922,
Nummer 121
Fernsprecher 951 und 952
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12. Jahrgang.
Aussicht auf eine Dollaranleihe.
Empor die Herzen!
Gedanke» zum Himmelfahrtsfest.
Don
Artur Brausewetter.
Wollen wir in diesen immer härter werdenden Zeiten bestehen, so gilt es, zwei Künste des Lebens zu lernen. Die erste: mit festen Füßen auf der Erde stehen. Wie wenige, die es heute können. Die meisten vermögen sich in die heutigen Verhältnisse nicht mehr zu findest, stellen unausgesetzt müßige Vergleiche an Mischen dem schönen Einst und dem traurigen Jetzt, sind außerstande, in wirtschaftlichen Dingen und bei Geldausgahen die völlig veränderten Umstande und Summen zu begreifen und machen sich und den Ihren dadurch das Leben zur Qual. Man möchte ihnen eine warnende Tatsache vor Augen führen, die nämlich, daß jede Zeit nur d i e Menschen brauchen tonn, die zu ihr paffen, die anderen aber rettungslos zugrunde gehen läßt. Wir haben diese Zeit nicht gemacht und gewollt. Nun sie uns aber gegeben ist, müssen wir sie auch hinnehmen, und. was das Wesent. lichere ist, nützen. Mit festen Füßen auf der Erde stehen, die Dinge nicht immer darauf ansehen, wie sie sein sollten, sondern wie sie sind, sich nicht ihnen untertan, sondern sie sich dienstbar machen, wirken und schaffen mit ganzer Hingabe und Lust, mag es auch manchmal schwer ifein, das ist die Weisheit» die diese Tage uns lehren wollen. In diesem Sinne gilt das Wort: »Tapfer sein, ist auch Religion/
Wir meinen oft, durch klingendes Wort uno absonderliche Taten werden wir eine Aenderung der Dinge herbeiführen. Gang und gar nicht Sondern lediglich dadurch, dass ein jeder auf dem ihm verordneten Posten steht und dort still und treu tut. was ihm verordnet ist. Es gibt eine Grundlage von unveränderlichen ethischen Gesetzen, die für jede menschliche Gesellschaftsform giltig sind, meint einmal Kungfutze, daneben gibt es ein Prinzip der Entwicklung, das die Urfache ist, daß alle Dinge in einem bestimmten Kreislauf der Erscheinungen sich ändern. Aus dem Faktor der Beständigkeit in den Grundverhältniffen und dem Faktor der Ent- w i ck l u ng in den sekundären Verhältniffen setzt sich der Geschichtsverlauf zusammen. Und diese Gesetze historischen Geschehens bleiben dieselben durch alle Zeiten hindurch Von dem ewig Wechselnden, rastlos sich Entwickelnden Men Ge- sclehens innerlich überzeugt, müssen wir handelnd vorwärtsftreben. Dann wird selbst diese Welt, so miserabel sie ist, dem Tüchtigen nicht stumm bleiben.
Das ist aber nur die eine Kunst, die wir zu lernen haben. Eine zweite, scheinbar ihr entgegengesetzt und doch ihr organisch verbunden, bleibt. Mit den Füßen fest auf der Erde. Aber Herz und Haupt himmelwärts gerichtet, das tft die rechte Losung. Was soll das Reale an sich? meint einmal Goethe zu Eckcrmann. Wir haben Freude daran, wenn es mit Wahrheit dargestellt ist. Aber der höhere Gewinn für unsere Natur liegt doch allein im Idealen. Chri- stits kam auf die Welt, ein Himmelreich zu gründen. Aber, das wird so oft vergessen, nicht ein Himmelreich das im Himmel allein verankert liegt, uns dort erst nach dem Tode zuteil wird. Sondern ein Himmelreich hier auf Erden. Nicht nur, daß wir unsterblich sind, daß, die wir geliebt und verloren, zu einem schöneren, voWommneren Sein eingegangen sind, will ein innerlich verstandenes Christentum uns lehren. Reim daß wir bier auf Erden schon Bürger des Himmelreichs find. Mehr: daß das Himmelreich inwendig in uns selber ist.
Nicht, daß wir in müßiger Schwärmerei verzückte Augen himmelwärts richten. Rein, daß wir bier treu und stark daS Unsere tun, durch die Freudigkeit, mit der wir unsere Pflichten auf uns nehmen, durch die Würde und Geduld. mit der wir den Leiden uns beugen, durch die helfende Liebe und daS willige Verständnis, das wir dem Nächsten entgegenbringen, durch die Innerlichkeit und Wahchaftigkeit eines Glaubens, der in der LiÄ« tätig ist, diese arme Erde mit Ewigkeitskräften erfüllen. Himmelfahrt ist das Fest der Erfüllung dieser Liebe. Christus auf ewig vereint mit dem Vater, dem Urquell und Urbegriff der Liebe. Uns aber hat er daS Vermächtnis seiner Liebe hinterlaffen, hat uns zu der gleichen Liebe gerufen, mit der uns geliebt hat. Worin besteht im letzten Grunde die Liebe? In der Willigkeit und Fähigkeit, mit dem anderen zu leiden, mit dem anderen sich zu freuen. Es gibt nicht viele Menschen, die mit unS leiden können. Im Leid ist man bald allein. Wie gar mancher hat diese schmerzliche Erfahrung gemacht. Rur der Leidend« kann mit dem Leidenden leiden. Der nur, der die große Liebe htt Herzen trägt: das Mft- leiden mit der sich ängstigenden und sehnenden Kreatur. Es gibt nicht viele Menschen, die sich mit unS freuen können. Selbst- und neidlos über das Glück sich zu freuen, das einem anderen zuteil wird, das ist vielleicht die reirffte und voll
kommenste Aeußerung der L i e b e. Wo ist solche Liebe? Himmelfahrt mahnt unS an die schnelle Vergänglichkeit des Lebens, weist uns zugleich auf das Einzige, das Bestand und Wert hat über alle Vergänglichkeit hinaus. Ewig ist die Liebe. Denn Gott ist die Liebe. Und Himmelfahrt ist das Fest der Ewigkeit der Liebe. »Gleichwie ich Euch geliebt habe/ sagt Christus.
Anreihe-Vechandlungen.
Der Abschluß der Hermesschen Misst»».
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris. 24. Mai.
Die amtlichen Stellen und die Pariser Preffe bestätigten gestern nachmittag die Nachricht der „Chicago Tribüne", daß eine Einigung Mischen Dr. Hermes und der Rcparationskommis- siou zustande gekommen ist. Auf welche Punkte man sich geeinigt hat, ist noch nicht bekannt. Irgend eine amtliche Mitteilung wird vorläufig nicht ausgegeben. Die Mission von Dr. Hermes ist damit vorläufig abgeschlossen. Der Reichö- minister wird wahrscheinlich am Mittwoch abend nach Berlin zurückkehren. — Dr. Hermes wird heute abend mit dem Berliner Expreßzug nach Berlin zurückfahren und noch am Donnerstag im Kabinettsrat über seine Verhandlungen Bericht erstatten.- Eine frühere Rückkehr ist unmöglich, weil der in London weilende englische Vertreter der Reparationskounnifsion Sir Bradbury erst heute in Paris M-ückerwartet wird, und Dr. Hermes mit ihm noch eine Rücksprache über die Anleihefrage zu nehmen wünscht.
* Glue deutsche Antwort.
B e r l i n, 24. Mai. (Privatttlegnrmm.) An unterrichteter Stelle verlautet, daß eine Rückkehr des Ministers Dr. Hermes nach Paris zunächst nicht in Aussicht genommen ist. Die auf die Note der Reparattonskvmmisston bis zum 31. Mai notwendige «rttwort wird wahrscheinlich von Berlin aus der Reparationskommisston übermittelt werden. Ueber die wichtigsten Fragen besteht bereits jetzt berechtigte Hoffnung auf Einigung.
Hundert Millionen Dollar.
Die Plane der ausländischen Banke«.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 24. Mai.
Die Pariser „Chicago Tribüne" teilt mit: Die Reparationskommisston hat beschlossen, daS An- gebot von Dr. Hermes, so wie eS am letzten Sonnabend einigen Mitgliedern der Reparationskommission unterbreitet worden war, als den Ansprüchen der Reparatwnskonmtifsion entsprechend anzusehen. Die Reparations- kommisston wird keine weiteren deutschen Angebote zugefiellt erhalten, bis Morgan und die anderen Bankiers in Paris im Laufe dieser Woche mehrere Sitzungen abgehalten haben. Die Bankier-Konferenz beginnt am heutigen Mittwoch und wird über die Aussichten einer Hun- dert-Millionen-Golddollar-Anleihe beraten, mit anderen Worten: die Besprechungen zwischen Hermes und der ReparationSkmmniffion find vertagt und werden vorausfichttich erst bann wieder ausgenommen werden, wenn die Ergebnisse der Bankier-Konferenz vorliegen.
Kritik in Frankreich.
Parlamentsbefprechuug über Genua. (Eigener Drahtbericht.
Paris, 24. Mai.
DaS ftanzöstfche Parlament ist gestern wieder zusammengetreten. Tardieu verlor in der Debatte über die auswärtige Polittk der Regierung kein Wort über die Sanktionen nach dem 31. Mai. Er Warf der Regierung Poinrarö vor, in den wichtigsten Fragen der Genueser Konferenz ins Schlepvtau der Belgier geraten zu fein und stellte sich auf den Standpunkt, dass entgegen der ameri- konischen und englischen «ufiaffung die gegen- wärtige internationale politische Lage nicht von Wirtfchastsfragen beherrscht werde. Tardieu be- schuldigte die ftanzSsische Politik in Genua, alle Gelegenheiten versäumt zu haben «nd rief auS: Rach dem Vertrage von Rapallo war Frankreich frei! Poincarö warf ein: Es ist auch jetzt noch frei! Tardieu: Aber es geht nach dem Haag, um Genna fortzufetzen. PoincarS: Rur mit dem Willen des Parlaments. Tardieu verkündigte hierauf die These, die feiner Meinung nach in Genua hätte verteidigt werden follen. Frankreich müßte geltend machen, daß von ihm Rachstcht gegenüber Deutschland verlangt werde, während hingegen Amerika und England von Frankreich die Bezahlung der Kriegsschulden fordern. Poinrars er
widerte: Alles daS ist bereits gesagt worden. Broschüren in diesem Sinne werden in tausenden von Exemplaren verteilt.
Kablnktts-Berawngkn.
Besprechungen über Genna und Paris.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 24. Mai.
DaS ReichSkabinett hat gestern fast den ganzen Tag über die am Montag abgebrochenen Beratungen über die Konferenz von Genua und die Reparationsverhaudlungen fortgesetzt. Die Nach. mittags-Sitzung ging erst gegen halb neun Uhr abends M Ende. Ueber das Ergebnis miautet nichts. Ein amtlicher Bericht über den bisherigen Verlauf der Befprechungen wird nicht aus- gegeben. DaS bestätigt die Antmhme. daß ein abschließendes Ergebnis solange überhaupt nicht erzielt werden kann, alS nicht Minister Dr. Hermes über seine Pariser Verhandlungen und Ein- drücke Bericht erstattet hat. Da er erst am Don- uerstag in Berlin eintrifft, wurden die Berhand- hingen bis dahin ausgesetzt. Infolgedessen findet heute keine Kabinettsfitzung statt.
Die internationalen.
Keine Ausficht auf Einigung.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 24. Mai.
Die Nenner- Kommission der drei Internationalen nahm gestern ihre Beratungen aus. Der Russe Radek verlangte zunächst vor Eintritt der Verhandlungen Garantien dafür, daß er nn- ter den Seichen Umständen und der gleichen per- sönlichen Sicherheit fich befinden müsse wie die übrigen Delegierten. Bon feiten der Meilen Internationale wurde daraufhin erklärt, daß keinerlei Beschränkungen für die Redetätigkeit Radeks innerhalb der Beratungen der Neuner-Kom- mifsion gegeben feien. In einer längeren Rede legte daraufhin der Engländer Maedonald den Standpunkt der zweiten Internationale dar. Er erklärte, daß nach Anficht der zweite« Anter- nationale die Sprengung des Bauarbeiter- Kongresses durch die Kommunifiem und ähnliche Maßmchmen der zweiten Internationale nicht die Ueberzeugimg gegeben hätten, daß genügend Garantien für ein wirklich loyales Zusammen- arbeiten mit den Kommunisten in der dritten Internationale gegeben seien. Eine Aussicht auf eine Einigung besteht zurzett nicht.
Deutschland und Polen.
Ratifizierung des Abkommens.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 24. Mai.
Der stellverttetende Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses beabsichtigt, für Donnerstag den Auswärtigen Ausschuß einzuberufen. Die Sitzung ist deshalb dringend notwendig, weil die Ratifikation des deutsch-polnischen Abkommens mSglichst schnell erfolgen muß. Eine Vorberatung ist aber im Auswärtigen AuS- schuß notwendig. Die Ratifikation soll noch innerhalb dieser Woche erfolgen, kSnnte alfo nur in einer Plenarfitzung am Freitag oder Sonnabend »«genommen werden. Wahrscheinlich wird der Auswärtige Ausschuß fich zunächst nur mit der oberschlesischen Frage beschäftiMn und erst nach Ankunft beß Ministers Hermes zu einer neuen Sitzung bezw. Beratung der Reparatious- und der Genua-Frage zusammentreten.
Die Haager Konferenz.
Maßnahme« zur Degreuzuug der Kosten.
(Eigene Drahttueldung.)
Paris, 24. Mai.
Das holländische Außenministerium teilte mit, daß die Ausgaben für die vergebenen Delegationen, die an der Stonferettj im Haag teilnehmen, nicht von der holländischen Regierung übernommen werden, dagegen habe fich die hollän- dische Regierung entschlossen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Maßnahmen eine Ausbeutung der delegierten und Pressevertreter zu verhindern. Die Hotelbesitzer im Haag haben ihrerseits den Beschluß gefaßt, ihre Tarife während der Konferenz nicht zu erhöhen. Für die Verhandlungen der Konferenz hat die holländische Regie- ruW d«, Friedenspalast zur Verfügung gestellt.
Deutscher Schiffbau.
Es geht wieder aufwärts.
Angestidt« be« ungeheuren Verluste, 6ie die bentfAe Schiffahrt durch die erzwungen» Auslieferung aller großen Schiffe erlitten hat, tft es rin kleiner Trost, wenn man erführt, datz der Da» neuer Schiff« doch wieder zunimmt. Der nachstehende Bericht macht darüber erfreuliche Mitteilungenr Fm Friedensvertrag ist Deutschland gezwungen worden, feine Handelsflotte bis auf einen kleinen Rest von Schiffen den Siegern auszuliefern. Alle Schiffe über 1600 Tonnen mußten übergeben ioerden, sowie die Hälfte aller Fahrzeuge von 1600 bis 1000 Tonnen. Was den deutschen Reedereien verblieb, war im wesentlichen nur für Küstensahrt geeignet. Die englischen Schiffahrtsinteressenten konnten ich vergnügt die Hände reiben: die bis zum stLiegsausbruch immer stärker werdende und imhzer unangenehmer sich bemerkbar machende Konkurrenz der deutschen Handelsflotte mit ihren über fünf Millionen Tonnen war erledigt. Seitdem sind rund drei Jahre vergangen, eine Zeit, in der die deutschen Reeder, so ver» zweisett die Situation für sie war, die Hände nicht in den Schoß gelegt haben. Gewisse Summen flössen ihnen als Entschädigung für die abgelieferten Schiffe aus dem Reedereientschädi- gungsgesetz zu. Reichte dies Geld, zumal sich der Wert der Mark inzwischen um ein Vielfaches verringert hatte, auch nicht für vollen Ersatz ans, so trug es doch mit dazu bei,
der deutschen Schiffahrt neues Leben einzaislößen. Bekanntlich haben zunächst deutsch- Reedereien ausländische Schiffe gechartert, dann aber auch eine Reihe ehemals deutscher Schiffe, die abgeliefert waren, zurückgekanft. Auch von dem Ankauf mehrerer fertiger Schiffe aus ausländischem Besitz ist berichtet worden. Zugleich aber wandte sich der deutsche Schiffbau, der ahrelang hauptsächlich für die Zwecke der Kriegsflotte gearbeitet hatte, nun ganz dem Bau von Handelsschiffen zu. Der Zeitungsleser hat namentlich im letzten Jahre häufig vom Stapel-- touf einzelner deutscher Schiffe erfahren; er kann aus den Inseraten deutscher Reedereien entnehmen, daß heute auf fast allen Linien wieder deutsche Schiffe fahren, aber ein einigermaßen richtiges Bild von der Arbeit der deutschen Werften kann er fich daraus doch nicht machen. Jetzt ist jedoch zum ersten Mal feit dem Kriege wieder eine amtliche deutsche Statistik über den deutschen Schiffbau heransgegeben worden. Die Zahlen, die sie mitteilt. werden jeden, der am WiederauMühen der deutschen Wirtschaft Interesse hat, mit Befriedigung erfüllen. Umfaßt diese Statistik amh nur den Zeitraum von 1914 biS 1920, so gestattet sie doch auch einen Schluß auf das folgende Jahr. — Im letzten Friedens- iahr vor dem Kriege, 1913, sind auf den deutschen Werften 440000 Bruttotonnen für die Handelsschiffahrt gebaut worden. In den KriegSjabren überwog selbstverständlich der Kriegsschiffbau. Tie Tomrenzahl für Handelszwecke ging daher stark zurück: 1915 waren es noch 201000, 1916 noch 196 009 Bruttotonnen, 1917 aber nur noch 65 000 und 1918 gar nur noch 88 000 Tonnen, die an Handelsschfffsrmrm fertiggestellt wurden. Auch die Donnenzahl für 1919 ist noch sehr bescheiden: 155000 Bruttotonnen, von denen aber 130000 für ausländische Rechnung gebaut wunden. Erst 1920 setzt
der Um- und Auffchwung
ein: In diesem Jahre wurden 327000 Bruttotonnen fertiggestellt, von denen 84700 Tonnen für ausländische Rechnung gingen, fo daß die deutsche Handelsflotte um 242300 Tonnen neuen Schiffsraums wuchs. Ende 1920 aber befanden sich auf deutschen Werften noch 892 Schiffe mit 1714300 Bruttotonnen im Bau. Daraus tonn man sich unschwer ein Bild davon machen, wie- erheblich der deuffche Handelsschiffsraum tm vergangenen Jahre zugenommen haben nmß> Man rann aber daraus auch, wenn man mit der letzten Zcchl die von 1918 vergleicht, die austerordentlich gestiegene Leistungsfähigkeit der deutschen Werften erfennen. Wurden noch 1914 42 300 Donnen deutschen Handelsschiffsraumes auf ausländischen Helgen erbaut, so hat man bisher noch nichts davon gehört, daß ein deutscher Schiffs« Bauauftrag ins Ausland vergeben wäre.
Grsuche an den Reichstag.
Dreiundzwanzigtausend Bittschriften.
«Bieftwr ist dem Reichstage ein neues Verzeichnis, und zwar das achtzehnte, der eingelau- fenen Petitionen überreicht worden. Im Ganzen find jetzt beim Reichstage 23075 derartiger Bittschriften ein gegangen. Den größten Teil, zum mindesten drewiertel, nehmen die Gesuche in Beamten- und Befoldungssragen und so- dann die Wünsche einer ganzen Anzahl von Gr- metnben um Versetzung in eine höhere Ortsklasse ein. Sehr stark find wieder die Fmp f- gegner mit ihren Bittschriften erschienen und sehr umfangreich sind die Gesuche in sozialen An-