Hessische Abendzeitung
Nrrmmer 110.
Freitag, 12. Mai 1922.
Fernsprecher 951 und 952
12. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und 952
SBftrtion6pretf« *) Linhetrirtsch« Sütfträge: Dte etnfpalttge Anzeige«, rUe M. 3—, trte einfpaiage SisUam-z-U« M. bl AuSwLrttge Aufträge: Di- etnfpalrig« AnzrigenMI- » „Z einfpaMge Si-N-mezeU« M. 8 — alles einkchüebltch r-u-rungSziUchlag und Auzetg-usteuer. Für Anzeigen mtt besonder» schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Für die RichttgkeU aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme, daten und Plätze kann eine S-währ nicht üdcrnonimen werden. — Druckerei: Schlacht- hofltratze 38/3». Geschäftsstelle: Kölnische Straße s. Telephon Summer «1 und 852
die Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abendtz. Der UbonnementSprei« beträgt monaNich Mark' bet freiet Zustellung tnS Haus. Au«.
6CT.? Ml.eon btiOfita M°rk monatlich einschließlich Zustellung. Bestellungen werde» tederzeit von der Geschäftsstelle «der den Bote» entgegengmioulmen. Druckerei, ”2®““”* »chlachthofstratze -st/30. Füi unverlangt eing-fandt- Beiträge kann m dkedaktton «ine Verantwortung oder Bewähr in keinem Fall- übernehm-». KückzahslMg des Bezugsgeldes oder Ansprüche «egen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung auSgeschloffen.
Kasseler Neueste Mch
Kaffeler Abendzeitung ' ‘
Dauemöes Schwanken in Genua.
(Eigener DrahAericht.
ein»
Genua, U. Mai.
Die Gefahr, die der Genna-Konferenz von vrankreichs Seite droht, wird fortdouernv als außerordentlich ernst angesehen. Belgien har allerdings unter gewissen Bedingungen Neigung gezeigt, einen versöhnlichen Standpunkt einzn nehmen. — Die englischen Freikirchen, die mit der Arbeiterpartei, den Gewerkschaften und den geistigen Arbeitern für Ende Juli eine Frie-
zugegangenen Mitteilungen nicht ohne Fühlungnahme mit führenden Mitgliedern der Reparationskommisiwn erfolgt ist. Ob sich mit dem endgültigen Ablauf des einstweiligen bedingten ZaHlungsaufschubS am 31. Mai irgend wetzte außenpolitische Schwierigkeiten ohne weiteres ergeben, ist noch sehr fraglich. Zunächst ein»
Genua, 11. Mai.
Die russische Note ist gestern nachmittag den alliierten Delegierten übergeben worden. Aber kurz daraus wurde Tschitscherin zu dem italienischen Außenminister Schanzer gebeten. Das Ergebnis der Unterredung war, daß die russische Delegation an der Tür ihres Büros ein Plakat angeschlagen hatte: „Die russische Antwortnore wird heute nicht verkündet. Diese Nachricht hat in sämtlichen Kreisen der Konferenz große Bestürzung und die verschiedenartigsten Auslegungen hervorgerufen. Die Antwortnote wird vor- aussichttich heute überreicht werden. — Eine weitere Meldung besagt darüber: Das Geheimnis ist heraus. Tie Nüssen haben ihre Antwort gestern tatsächlich Facta übergeben. Nackchem Lloyd George und Schanzer von dem Text der Note Kenntnis genommen hatten, erklärte ersterer, es sei ganz ausgeschlossen, daß die Note auch nur zur Basis von weiteren Diskussionen dienen könne. Darauf ließ Schanzer Tschitscherin dringend zu sich rufen. Nach längerer und lebhafter Diskussion gab Schanzer die Note Tschitscherin zurück. Inzwischen find die russischen Delegierten in Rapallo versammelt, um dort die Möglichkeit einer Milderung zu beraten.
Aus der Mitte.
Berlin, 11. Mai. (Privattelegramm.) Die „Germania" hält die Rote für geeignet, um dem drohenden Termin des 31. Mai die Giftzähne auszubrechen. Das „Berliner Tageblatt" schreibt: In ihrer einsichtigen Nüchternheit und ihrer präzisen Form legt die deutsche Antwortnote ein neues Zeugnis von dem ernsten Willen Deutschlands ab, im Rahmen des Möfstichen alle Reparationsverpflichtungen zu erfüllen, wie auch von seinem Verfug, über den toten Punkt Hinwegzukommen.
Die Neparationskommission erklärte sich in ihrer Antwort vom 13. April mit dem deutscherseits eingenommenen Standpunkt keineswegs einverstanden und betonte nochmals, daß eine beträchtliche Vermehrung der Steuern im Interesse Deutschlands selbst unumgänglich notwendig sei. Sie selbst gab der Meinung Ausdruck. daß die Hoffnung mif eine Anleihe Deutschlands im Auslande so lange „vergeblich bleiben werde, so lange Deutschland nicht eine sebr ernste Anstrengung zur Wiederherstellung des Gleichgewichte? seines Haushalts gemacht habe". Schon die damalige Antwort der deutschen Regierung hielt sie »für eine Weigerung, irgend einen wirksamen Versuch zu machen, sich die notwendigen fremden Devisen für die Bezahlung der Reparationen zu beschaffen". Zum Schluß ließ die Antwortnote der Reparationskommission dann noch durchblicken, daß »unter der starrsinnigen Haltung, die sich aus der deutschen Note ergäbe", von dem nachgefuchten vorläufigen Zahlungsaufschub keine Rede sein könne, erklärte sich aber auf der anderen Seite bereit, „jede praktische Anregimg zu prüfen, die von der deutschen Regierung zur Lösung der Schwierigkeiten, in der sie sich befindet, vorgebracht werden könne".
Die Frist des deutschen Gesuches um den Zahlungsaufschub läuft bekanntlich am 31. M a r a b. Die neue deutsche Antwortnote, die jetzt an die Revarationskommifsion abgegangen ist, kommt unter anderem mit Recht zunächst einmal auf die Konferenz von Genua zurück und bittet erneut um Fristverlängerung im Hinblick auf die eingangs schon erwähnte Abwesenheit der kauptlä-Mich in Betracht kommenden Kabinettsmitglieder. Im übrigen aber stellt sich die deutsche Antwortnote wiederum auf den Standpunkt, daß die Aufbrin» gung von sechzig Milliarden neuer Steuern unmöglich ist. daß auch gegen die Finanzkontrolle unter allen Umständen deutscherseits Einspruch erboten werden mnß. Inzwischen hat ja nun die Tagung von Genua insofern Früchte getragen, als sich mich der Finanzausschuß der Konferenz von Genua dahin ausgesvrochen hat. daß der Ausgleich zwischen Einnahmen und Ausgaben in den Budgets der valutaschwachen Staaten in einer Zeit schwankenden Geldwertes nicht durch eine mechanische Erhöhung der Steuern erzielt werden könne. Als bestes und beinahe einzigstes Mttel für eine Gesundung der barniederliegenden Finanz- Wirtschaft dieser Staaten hat dieser Finanzausschuß den Weg einer internationalen Anleihe bezeichnet Die Aufbringung dieser internattonalen Anleihe ist also nicht mehr so ohne weiteres als „Schimäre" zu betrachten, sondern es bestehen berechtigte Hoffnungen, daß ein« solche Anleihe wahrscheinlich mit Hilfe Amerikas zustande kommt.
Unter diesem Gesichtspunkt dürste auch die jetzige Antwort der deutschen Regierung an die RevarationskomMisfion eine bessere Aufnahme finden, als die früheren. Auch glauben wir schon deshalb zu der Hoffnug berechtigt zu fein, daß die jetzige Antwortnote den Weg zu materiellen Verhandlungen eröffnet, als sie nach den mrs
Die Meinung der Linken.
Berlin, 11. Mai. (Privattelegramm.) Der .Porwäris" erklärt voll Optimismus: Es werden noch Verhandlungen kommen, in denen Schwierigkeiten auftanchen werden. Es kann noch, obwohl das besser nnterbleibt, erregende Zwischenfalle geben. Aber die Weiche für den 31. Mai ist nicht auf Zusammenstoß, sondern auf Weitersahrt gestellt. Tie „Rote Fahne" behauptet, für die deutsche Regierung gäbe es nur zwei Möglicksseiten, entweder sie erklärt den völligen Bankerott ihrer Erfüllungs- wlitik oder sie muß solche Garantien zu schaffen uchen, die ausländische Kapitalisten verlocken konnten, irgend welche Summen für Deutschland aufzubringen. Aber beide Möglichkeiten stellen nur eine Lösung für die Kapitalisten dar.
Zuschuß zum GeLreiöeprerö.
Erleichterung der Vrotverfovguug.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, U. Mai.
Der Harrptimsschuß des Reichstages bewilligte nahezu eine Milliarde Mark als Zuschuß zur Berbilligung des ausländischen Brotgetreides. — Der Reichslandbund hat von der Regierung eine Erklärung gefordert, ob sie bereit sei, Maßnahmen zu ergreifen, um ein» Berbilligung des Brotgetreides für die wirtschaftlich Schwachen durch die Gesamtheit der wirtschaftlich LeistnngSsähigen hrrbeizuführen. Alsdann werde der Reirbslantchund sich mit allen Mitteln dafür einsetzr«, daß seine Mitglieder ausreichende Getrcidcmcngcn dem freien Handel zur Verfügung stellen und in Derbinduna mit den Ankäufern von ausländischem Getreide für die verschiedenen Abschlüsse des kommenden Wirtschaftsjahres die Brvwer- sorgung der Bevölkerung zu sichern.
denSdemonstratton planen, haben eine Botschaft a« Llohd George gerichtet, in der sie ihn auffordern, fein Frirdenswerk fortzusehen. Lloyd George hat in einem Telegramm geantwortet, in dem es heißt: „Die menschenfreundlichen Kräfte der Welt schließen ihre Reihen zu einem neuen Kreuzzug gegen die Tyrannei der rohen Gewalt. Genna hat die Friedensglocken erllinaen lassen und wir werden nicht ruhen, bis der Krieg auch auf dem Wirtschaftsgebiet zu Ende ist." (!)
*
Keine Konferenz der GignatarmSchte.
Genna, 11. Mai. (Eigene Drähtmekdung.) Wir in hiesigen gut informierten Kreisen be stimmt verlautet, hat Lloyd George seinen Plan, die Signatar Mächte zu einer Konferenz einzuterufen, infolge der strikten Weigerung Frankreichs so gut wie aufgegeben.
Wiedergutmachung.
Antwort an die Reparationskormnisfion
Aus dem Änhalk.
Genua, 11. Mai. (Eigene Trah(Meldung.) Die russische Antwort besteht ans zwanzig nnt Schreibmaschine eng beschriiwenen Seiten. Sic ist von einem Brief begleitet, in dem Tschft- scherin erklärt, die Antwort basiere auf dem Prinzip von Cannes. Es werden dann die 13 Artikel des Memorandums einzeln geprüft. Bei § 1 wird bemerkt, daß die Bestimmungen betreffend die politische Propaganda und die Niklstinteresfierung der Sowjetrepublik an der Orientfrage nicht angenommen werden könne. Auf den zweiten bis vierten Artikel die sich au die alten BorkricgSfchnlden Rußlands beziehen, steht die Antwort des Prinzips der Anerkennung aus, aber es wird dabei bemerkt, daß diese Schulden solange nicht bezahlt werden können, /'S die Sowjetregierung die nötigen Kredite nicht erhält. Ans den fünften Artikel wird geantwortet, die russische Regierung betrachtet die Rückzahlung ihrer Schulden an die kleinen Gläubiger als ihre Sache, werde aber solange nicht bezahlen als sie keinen Kredit erhalten habe. Auf den siebenten Artikel, betreffend die Rückerstattung des Privatbefitzes führt die Antwort zuerst die Geschichte der Sozialisierungen dieser Besitzungen an und bemertt, daß während der französischen Revolution das Privateigentum ebenfalls weggenommen und nie Fnmckerstattet wurde. Auch die Entschädigungen wurden damals nicht bezahlt. Die russisch« Delegation schlägt daher vor, diese Frage einem Sachverständigen Ausschuß z« übertragen und inzwischen an die Erörterungen der übrigen triftigen Punkte des Memorandums zu gehen.
Ännen und Außen.
Rufferrvertrag, Ernährung und Kohlen.
«ever den Aerttag mit Rußland, sowie üöer Deutschlands ErniiHrnngs. und MoSlcufraßeit übermittelt uns ein geschätzter Mitarbeiter die nachfolgenden beachtenswerrenAnszeichnnngenr In Deutschland hört man von gewisser Seite Stimmen, die in dem deutsch-russischen Vertrag einen Fehlschlag erblicken wollen. Man geht so weit, was unseres Erachtens weit Libers Ziel geschossen ist, das Abkommen als praktisch nutzlos zu bezeichnen, weil irgend eine Bestimmung der russischen Konstitution seine Derzeitige Annullierung gestatte. Vorträge gewisser, soeben aus Rußland heimgekehrter Publizisten suchen diesen pessimistischen Eindruck noch zu verstärken, indem sie, zum so und so vielten Male die angebliche Isolierung der Sowsetregie- rung inmitten ihres Russenvolkes verkünden. Andere Beobachter. zufälligerweise genau der gleichen Parteirichtung, behaupten gerade das Gegenteil, und man muß allerdings sagen, daß die Sicherheit und Zielbewußtheit des außenpolitischen Auftretens der Sowjet- l e u t e dieser letzteren Auffassung eher Recht zu geben scheint. — In den weitesten deutschen Kreisen, sei es in Industrie, Handel, Handwerk oder Landwirtschaft, wird der Vertrag gutaeheißen aus Gründen, die wir an dieser Stelle schon mehrfach dargelegt Daten.
: Daß auch in R u ß la n d die Verbindung mit Deutschland allgemein begrüßt wird, geht aus den Aeußerungen der verschiedensten russischen Zeitungen hervor. Der Professor R. A. Gre- deskul, einst rühriges Mitglied der Kadettenpartei (konstitutionelle Demokraten) jetzt eifriger Dolschewisst, schreibt der „Kraßnaja Gaseta" aus Genua anläßlich des Abschlusses des deutsch-russischen Vertrages: „Was wird sein? Ja, was wird sein? Deutschland ist kein bolschewistisch es Land, dort herrschen auch nicht mehr die Führer des Weltkrieges. Deutschland ist eine bescheidene, arbeitsame demokratische Republik. Ein Beispiel für Wohlanstand und Kultur. Warum hat es sich aber dann in die Arme der Bolschewisten geworfen? — Weil Deutschland es nicht mehr aushalten konnte, weil man es erdrosselt, mit Füßen tritt und Stücke Fleisches aus seinem Körper schneidet. Weil man es ins Gesicht schlägt und verspottet." — In einer anderen Zeitung wird der Entscheid der juristischen lÄitentekommifsion. daß der Rapallo-Frieden nicht dem Versaiter Vertrag widerspreche, behandelt. Die Diplomaten hätten sich von neuem blamiert. Mit lautem Geschrei hätten sie verkündet, der deutsch-russische Frieden widerspräche dem Versailler Frieden. Er nitiffe gelöst werden. Und nun sei die Entscheidung der Juristen-Kommifsion gekommen. Tie Sowjetgesandtschrst habe dadurch einen neuen Sieg errungen und Mer Welt gezeigt, „tote man mit Frankreich und England zu sprechen habe". — In einem weiteren Leitartikel wird sogar er» klärt, daß der Entscheid der Furistenkommission einem Wesen nach nichts anderes bedeutet als die Verurteilung des Versailler Friedens, als einer empörenden Erscheinung: anders kann man das Geständnis der Ju- ristenkommifKsn, der russisch-deutsche Frieden widerspreche dem Versailler Frieden nicht, gar nicht auffassen. Welch ein Widerspruch: Verur- eilt der Rapallo-Frieden doch den Versailler als ein genaues Gegenteil und gibt selbst ein Beispiel dafür, wie die Völker Frieden machen ollen."
- Wie letzthin in Deutschland bekannt gcwor- ' den ist, ist der Finanzminister Dr. H e r m e s ein Gegner des Vertrags. Bedauerlich wäre aber, wenn daraus ein Riß in der Regierung entstände, der zum Objekt parteipolitischer Machen- scbaften gemacht würde. Die Gefahr besteht zweifellos, daß gegen das, wenn man so will, eigenmächtige Vorgehen Wirths und Rathenaus eine neue Agitation gegen diese beiden entfessellt würde, wobei Herr Hermes, zweifellos gegen seinen Willen, leicht zum Exponenten der Agi- tation gemacht werden könnte Sckon begannen in Frankreich die bekannten Sticheleien, daß die Mgenwärtige deutsche Regierung wackele tnti> nicht mehr recht verhandkungsMig sei. Eine Umgruppierung des Kabinetts unter starker Beteiligung der deutschen Dolkspartei und möglicherweise unter Beförderung von Hermes an leitende Stelle wird heute scbon in Paris in Erwägung gezogen. SelbWerstänMch in durchaus teikdeuziöser Weife.
Bei seinem Wechsel vom ErnährnngS- ins Finanzministerium hat Hermes feinem NaÄsol- ger eine kniffliche Erbschaft hinterlassen. Herr Fehr steht sich im Augenblick einer Front der maßgebenden Gewerkschaften, der christlichen und der freien, gegenüber, die aegen die von ibm te» abfichtigt« Kartoffel-Bewirtschaftung Sturm laufen. Die Ablebnnna des Umlaaever- sabrens für Kartoffeln hat in der Arbeiterschaft böfes Blut gemacht, und die vom Ernährungs- Ministerium als Ersatz dakür vorgeschkaaene Regelung hat nicht befriedigt. Die Gewerkschaften
LLmDeAffchSandSÄMurige
Die Rechtspresse zur deutsche» Stete.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 11. Mai.
Die „Tägliche Rundschau" schreibt über die deutsche Wiedevgntmachungsantwort: Mit keinem Worte berührt die Rote im Zusmmnenhang mit der äußeren Anleihe die Deckungsfrage. Sie soll offenbar den Pariser Verhandlungen von D. Hermes Vorbehalten bleiben, ist aber von so großer Bedeutung, daß wir zu den neuen deutschen Vorschlägen endgültig überhaupt nicht Stellung nehmen können, bevor wir nicht wissen, in welcher Art die Pariser Fiuanzdirektoren die Frage lösen wollen. — Der „Berliner Lokal- Anzeiger" schreibt: Klingt einem der Wortlaut noch im Ohre, de« die letzte Note des Wicder- gutmachungs - Ausschusses des FeindbundeS hafte, so drängt sich die Erkentnis auf, daß die Regierung an dem unverschämten Tone des Herrn Dubois vorbeigchört hat. Wird die irrsinnige Gesamtsumme nicht beseitigt, die Deutschland schuldet, werden seine Verpflichtungen nicht unmittelbar auf cm seiner Leistungsfähigkeit entsprechendes Maß herabgesetzt, dann ist alles Andere doch nur für die Katz,
Fortführung der Verhandlungen.
Genua, 11 Mai. (Eigene Drahtmeldung.) An zuständiger Stelle wird die augenblicklich« Lage in Genua mit einem gewissen Oplimis. miiS beurteilt. Man glaubt als sicher annehmen zu können, dost die Russen die größten Steine des Anstoßes aus ihrer Rote ausmerzen werden, odnß der Weg für weitere Verhandlungen geebnet iß. bte alsdann einen günstigen Verlauf in verföhnlichem Sinne nehmen dürften.
Der Kampf um beu Frieden.
Lloyd George, der Mann vsr schöne» Worte,
mal müßten ReparationAkommission und auch wohl BLtschasterrat darüber entscheiden, ob eine schuldhafte oder nichtschuDhafte Nichterfüllung der für das Moratorium festgesetzten Bedirw.un- gen vorliegt. D e u t s ch e r s e i t s wird vor dem Ablauf der von bet' Revarationskommission festgesetzten Frist, nämlich dem 31. Mai, alles ge- t a n werden, um auf dem Wege der Verhand- lungen erneut den guten deutschen Erfül- lungstoillen, aber zugleich auch die physische Ohnmacht, aus eigenen Kräften ermk- len zu können, offensichtlich darzulegen.
Die zurückgegebene Antwort.
Abänderung der ruffische« Stete.
(Eigener Trahrbericht.
Die Antwort der deutschen Regierung ist am Mittwoch dem Berliner Vertreter der Repara» tionskommisston übergeben worden. Die deutsche Regierung hatte in einer früheren Rote unter Hinweis der wachsenden finanziellen Schwierigkeiten seit dem Stundungsgesuch vom 14. Dezember 1921 um eine Nachprüfung der Enftcheidung vom 1. März 1922 ersucht und dar allem die Notwendigkeit einer äußeren Anleihe betont. Denn nur auf diesem Wege , konnten, so hieß es in der damaligen deutschen Note, di« erforderlichen Mittel zur Deckung der Reparationslast beschafft werden und nur eine,1 derartige Anleihe konnte eine Stabilisierung der Wechselkurse herbeiführen. Des weiteren wurde in einer deutschen Note vom 10. April di« Forderung auf Schaffung „von sechzig Milliarden neuer Steuern" als „über das Steuerkompromiß hinausgehend" und als „praktisch undurchführbar" ab gelehnt, wie auch gleichzeitig gegen die .vorgeschlagenen Kontrollmaßnahmen als im Widerspruch zu den unzweideutigen Zusagen der Alliierten in ihrer Note vom 16. Juni 1919 stehend" Einspruch eihoten wurde. Zugleich wurde auf die Zwangsanleihe hingewiesen, deren Ertrag der von der Neparationskommission geforderten Erhöhung (von oben erwähnten fechzig Milliarden) der Steuererträge entsprechen würde.