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Kasseler Neueste Nachrilh

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Nummer 108.

Fernsprecher SKI und 952

Mittwoch, 10. Mai 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Rußlands Antwort wird entscheiden.

Die Fremdengesahr.

Besucher aus dem Auslande.

Seit über Jahr und Tag besaßt sich unsere Oeffentlichkeit mit den unerfreulichen, wenn nicht bedenklichen Erscheinungen, die gleichzeitig und in ursächlichem Zusammenhang mit dem Herein- fluten osteuropäischer Menschenwogen immer wieder in Berlin und auch in anderen deutschen Orten zu verzeichnen sind. Politische, wirtschaft­liche und gefühlsmäßige Momente überwiegen je nach der Einstellung des Beobachters; aber ziemlich übereinstimmend führen sie jedesmal zu der Schlußfolgerung und Forderung, daß das Lebensintereffe des deutschen Volkes es gebietet, der von Osten hereindrängendrn Woge mit mög- l'chster Eile einen Damm zu ziehen. Ueber die­ser nur zu berechtigten Abneigung gegen weite­ren Bevölkerungszuwachs aus Rußland, Gali­zien, Baltenland usw. droht nun aber eine an­dere Gefahr übersehen zu werden, die weniger ins Auge fallend und auch nicht im entferntesten von gleich abstoßenden Erscheinungsformen, doch kaum weniger als der osteuropäische Zustrom das Lebensinteresse unseres Volkes bedroht. Es hartdelt sich um die zunehmend« Vorliebe von Staatsbürgern der valutastarken Länder für einen mehr oder weniger langen Ausenthalt in Deutschland.

Hat jene Russen, Qstgalizier, Ukrainer, Tür­ken, Armenier die politische oder wirtschaftliche Not zu uns getrieben, so ist es im andern Fall das menschlich ebenso begreifliche Bestreben, für fein Geld möglichst viel Nutzgüter einzutauschen, mit andern Worten, mit geringen Aufwendungen ein höchst komfortables Leben zu führen. Oester- reich, wo die Erfüllung dieses Traumes in den Jahren unmittelbar nach Kriegende am greif­barsten winkte, ist mit der Zeit buchstäblich leer gekauft worden, und gleich wie jene Heuschrecken- schwärme, die ein kahl gefressenes Stück Land flugs mit einem vertauschen, wo noch ungenütz­tes, leicht zu haschendes Futter wirckt, wälzen sich ganze Horden von Amerikanern. Holländern, Dänen, Schweden und auch Engländern heuer den deutschen Grenzen zu, um dort für Wochen und Monate ein gutes und außerordentlich bil­liges Leben zu führen. JA deutschen Kurorten und Sommerfrischen hat man sich bereits auf dieseHeuschreckenschwärme" eingestellt und die Preise danach gerichtet. Derartige Spekulationen werden begünstigt durch von einem Teil der deutschen Presse inWier noch mit einer Art Wohl­behagen, wenn nicht Stolz verbreitete Meldun­gen wie etwa die, daß dreihunderttausend Ameri­kaner sich zur Europareise rüsteten, daß im from­men Oberammergau schon Festspielerläuierungen in der englischen Sprache fertiggestellt seien und ähnlicher mehr. Angenommen, die ersterwähnte Meldung träfe zu. und wir haben leider keinen Grund, sie anzuzweifeln, dann muß man sich wirklich fragen, ob es denn innerhalb unserer Regierung keinen Menschen gibt, der durch das gleißnerische Bild einiger Millionen in Mark umgewechselter Dollars die ungeheure Gefahr einer derartigen Invasion valutaftarker Auslän­der erblickt? Wiegt denn die jetzt bereits in Er­scheinung tretende wucherische Ausbeutung deut­scher Rot durch gesinnungslose Palutaspekulanten gar nichts? Ist die Erholung, die Gesundheit unseres arbeitenden Volkes etwas so nebensäch­liches. seine Stimmung über die Zustände im Vaterland so unerheblich, daß auch nicht die min­desten Anistakten getroffen zu werden brauchen, die Gefahr abzudämmen?

Mittel und Möglichkeiten gäbe es für eine verantwortungsbewußte, den Willen zur Tat aufbringende Regierung durchaus. Wir sind durch nichts gehakten, jedem Ausländer, der uns mit seiner Anwesenheit beglücken will, und den deutschen K-nsularbehörden einige lächerliche Groschen Paßgebühren hinzuschmeißen bereit ist, die Grenzen unseres Landes zu öffnen. Wie machen es denn die andern, und zwar zum Teil gerade die, die ihre Landsleute in diefem Jahre bei uns, aus unsere Kosten zu füttern gedenken, wie machen es die denn mit uns? Einem Deut­schen, der nach den Bereinigten Staaten, nach England, nach Frankreich reisen will, wird dies praktisch so gut wie mnnöglich gemacht. Im gün­stigsten Falle maß er sich einer hochnotpeinlichen Prüfung auf sein« internsten Angelegenheiten unterwerfen, um dann vielleicht auf Grund eine- Nachweises der unbedingten Notwendigkeit sei­ner Reise die Erlaubnis zu erhalten. Wir da­gegen, weltbürgerlich, versöhnungsdurstig und furchtbar wohlhabend, um hungrige Gäste in unbegrenzter Zahl und ganz nach ihrem Belie­ben zu beköstigen, wir öffnen ihnen weit die Arme, um sie dann zu verschränken und zuzu­sehen, wie das eigene Volk sich von den verge­benen Resten sättigt. Uber im Ernste gesprochen: Was wir in dieser Hinsicht erleben und. falls nicht alSbald Einhalt geboten wird, in diesem Jahre noch erleben werden, ist ein unerhörter Skandal. Hält sich die Regierung dem unmit­telbar aus dem Volk dringenden Notschrei gegen­über weiterhin die Ohren zu. dann wird es

Sache des Parlaments sein, ihr die Ohrgänge gowaitsaur frei zu machen. Man sollte meinen, daß für eine solche Aktion alle deutschen Par­teien zu haben sein werden. W.

Am 6re russische Antwort.

Abwartende Haltung de« Franzose«.

(Eigener Drahtbericht.

Genua, 9. Mai.

Barthou versammelte gestern die Journali­sten der Kleinen Entente um sich und machte ihnen die Mitteilung: Es kommt für die Stel­lungnahme der französischen Delegation nur darauf an, ob die Russen mit Ja oder Rein antworten. Danach entscheidet es sich, ob die französische Delegation bleibt oder nicht. Aus die Frage, was dann die anderen Mächte tun würden, antwortete Barthou, das sei ihre Angelegenheit. Wenn aber die anderen Mächte weiter beraten, so bleibe die Konferenz nicht mehr die Konferenz von Genua, sondern eine Konferenz in Genua. Man erklärt in den russischen Konferenzkreifen, dass die Antwort Sowjet-Rußlands auf daS Memorandum der Alliierten nicht vor Dienstag abend oder Mitt­woch endgültig gegeben werden könne.

*

Die Suche «ach einer Formel.

Genua, 9. Mai. (Eigene Drahtnuckdrmg.) Hinsichtlich deS Artikels 7 des Ruffcn-Memoran- dums sucht man jetzt nach einer Formel, welche die Rnssen MfriedensteSt, He Ansprüche Belgiens und Frankreichs aber nach Möglichkeft berücksichtigt. (!) DaS Kompromiß hofft man auf der Grundlage des mittleren eng­lischen Vorschlages der 99jährigen Pachtdauer zu st'wen. In der Kredtt-Frage ist man nm eine Lösung bemüht, die de« russischen Wünschen in Bezug aus Höhe und Form des zu erwartenden Kredites einigermaßen entgegeickommt.

Deutschland und Rußland.

Sonderberatungen in Genua.

(Eigener Drahtbericht.

Genua, 9. Mai.

Die italienischen Zeitungen melden: Rach der Unterredung zwischen Lloyd George «nd Wirth ist der Direktor der Reichsbank aufgesordert wor­den, sofort einen Plan über Mitte! auszuarbci- ten, um die Neuausgabe von Papier- geld in Deutschland zu unterbinden, ferner über die LeistungSmöglichkeit Deutschlands für den Wiederaufbau Rußlands, wenn man ihm dazu die Mittel des internationalen Konsottiums zur Verfügung stelle. In den Un- terhandlungen einer Anzahl alliierter Sachver­ständiger ist mit Rücksicht auf die russtfche For­derung nach einer sofottigen Anleihe der Ge­danke aufgetaucht, daß man eine internationale Anleihe zur Bekämpfung her Hungersnot in Rußland auf den Markt bringen könne.

Wtedergutmuchungsfragen.

Neue Besprechungen in Paris.

(Eigene Drahimeldung.)

Paris, g. Mai.

SioaKsekretör Bergmann ist von Genua vor einigen Tagen nach Paris zurückgekehrt und hat besondere Besprechungen mit einzelnen Mit­gliedern der Reparntionskommission gehabt, über die noch feine näheren Mitteilungen gemacht werden können. Die gestrige Mttteilung des ,/kcho de Paris", daß Wirtfchaftsminitzer Schmidt nach PattS kommen werde, wird hier al§ gänzlich unwahrscheinlich bezeichnet. Außer- dem ftebt es auch noch nicht fest, wann Finanz­minister Dr. Hennes nach Paris kommen wird, jedoch rechnet man nicht damit, daß er morgen oder übermorgen kommt. Staatssekretär Berg - mann weilt augenblicklich nicht in PariS; er wird aber jedenfalls, wenn Minister Hennes hier­her kommt, auch hier fein, um ein Einverständ­nis zwischen der Reichsregiernng und der Brpa- rationskommission anzubahnen.

Die Jvaizatziungea dieiben.

Paris, 9. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Der Matin" meldet, daß der Reparationsausschuß

sich am Sonnabend mit dem Anträge des Staats­sekretärs Bergmanns, neue direkte Verhandlun­gen mit den Deutschen über die Rrparations frage aufzunehmen, befaßte. DerMatin" er­fährt, daß zunächst weitere Auskünfte von Staatssekretär Bergmann eingeholt werden sol­len, besonders auch darüber, daß eS sich nur um die nach dem 31. Mai fällig werdenden Repa­rationszahlungen handeln könne. Staatssekre­tär Bergmann trifft Dienstag in Paris ein.

Aus 6er Gemm-Konsereuz.

Das Ergebnis ist noch ungewitz. (Eigener Drahtbericht.

Genua, 9. Mai.

Die französische Havas-Agentur gab gestern abend folgenden Bericht über Genua aus: Die Sage ist unverändert geblieben. Die rus­sische Antwort wird Dienstag Abend über­reicht. Die sranzöflsche Delegation trifft ihre Vorbereitungen zur Abreife, da ihre Aufgabe in Genua erfüllt zu fein scheint. Sie wird aber die Antwort der Russen ab warten. Wie in dele­gierten-Steifen erzählt wird, sollen die gestrigen Besprechungen der Russen mit Lloyd George im allgemeinen nicht Unbefriedigend ver­laufen fein. Heber die Antwort der Russen ver­lautet, daß ste die Möglichkett zu weiteren 23er- Handlungen nicht abschneiden werde. Bon einem Abbruch der Konferenz fei nicht He Rede.

*

Verkehr der »elegierten.

Genna, 9. Mai. (Eigene Drahtmeldmig.) Bei der bulgarifchen Delegation sand ge­stern ein Essen statt, an dem Dr. Wirth und Dr. Rathenau teilnahmen. Der Führer der schweizerischen Delegation Matta erstattete gestern dem Reichsanßenminifter Rathenau einen Besuch äb, den dieser erwiderte.

Abbau 6er Konferenz.

, Abreise einiger Delegationen.

«Sgene Drahtmeldung.)

Genua, 9. Mai

Am Dienstag verlassen die Dänen, Schweden und Rumänen Genua. Die jugoslawische Delegation hat ihre Abreise aus Freitag festgesetzt. Die Rorweger und Spanier reisen voraussichtlich Sonntag ab. Die französische Delegation rechnet jetzt da­mit, daß sie Ende der Woche aus Genua abreifen kann. Ein Teil der russifchen Delegation, der unter Führung Joffes gestern früh in Berlin eingetroffen war, ist gestern abend, entgegen der ursprünglichen Absicht, ohne Aufenthalt in Berlin nach Moskau weitergereist.

Ungeheure Kosten.

Genna, 9. Mai. (Eigene Drahtmeldmig.) Man schätzt an der Hand der Kopfzahl der Dele­gierten He Gesamtkoften der Genua-Kon­ferenz, wenn sie am Sonnabend zu Ende geht, auf zwei Milliarden Franken.

Die Teilnahme des Vapftes.

Die FriedenSmahnung an Ne Völker.

(Eigene Drahtmeldung.)

Rom, 9. Mai.

Bon der Kurie nahestehender Seite wird er­klärt, daß He beiden Briefe des Papstes schon von Benedift geplant worden seien. Man sehe das Prestige des Heiligen Stuhles wieder wach- fen. Obwohl der Vatikan bei der Konferenz nicht direkt vertreten fei, ja man sei sogar froh, nicht vertreten zu sein, denn der HeMge Stnhl wäre da in seiner Bktionsfreiheit nur behindert. Reber den angeblichen Besuch Tschitscherins in Rom sei tot Vatikan noch nichts bekannt.

tim die Kirche in Stuhland.

Genua, 9. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Ter Papst wird diese Woche noch den Kardinal Pizardo nach Genua z» den Delegationen der Mächte entsenden, um anzuregen, daß in die Be- dingungen des Vertrages mit Rußland folgende Fassung ausgenommen werden so«: Die religiöse Freiheit und die Zurückgabe der katholische« Sttcheugüter in Rußland. -

Die Tuberkulose.

Der Kampf gegen die Krankheit in Kassel«

Der Vereis TnberrrrlosefLrsorg» im St«. gieruugSbezirr Raffel, Sc» Geheimer Medizinal, rat Röckwitz als Rückgrat der $uberZulofe<x. tän:t>funR bezeichnete, hat, wie fei» Geschäfts­führer LandeSoberselrotär Locher gestern in der Aaaptversammlnag zum Ausdruck brachte, im letzte» Jahre wieder eine autzerordentlich rege Tätigkeit zum Wohle der Tuberkulofe- Kranke» entfaltet, die fich heute noch ans einer aufwilrtSstciger.de» Linie bewegt.

In der Mrsorgeftelle des Vereins Tuberku-- losesürsorge werden setzt wöchentlich sechs urteilt* zeitliche ärztliche Sprechstunden durch Sanitäts- rai Dr. Meder für Männer, Dr. Clara Zimmer­mann für Frauen und Dr. F. Schotten für Kfti- der abaehalten. Im Lause des Jahres mußte eine vierte Fürsorgerin vom Hessischen Diako- nissenhause erbeten werden. Die besondere Sorge des Vereins galt mit Rücksicht aus die große Ansteckungsgefahr, die sie für ihre Um­gebung bilden, auch in diesem Jahre wieder den Schwerkranken, die soweit als nur irgend mög­lich, in Krankenhäuser oder nach dem Philipp- stift gebracht werden. Es gelang achtzehn Schwerkvankc aus den Familien herauszuholen. Um der großen Ansteckungsgefahr für die Fa­milienangehörigen zu begegnen wurde zur Durchführung einer laufenden Desinfektion ein Posten Bett- und Leibwäsche beschafft, der auf Antrag der Mrsorgerinnen den Familien der Schwerkranken leihweise zur Versügung gestellt !vird. Die im vorigen Jahre eingeführten Be- strahlungskuren mit künstlicher Höhensonne für skrofulöse, rachitische und an Drüsen erkrankte Kinder wurden auch in diesem Jahre fortgesetzt. Anschließend an jede Bestrahlung echalten die Kinder einen halben Liter beste Vollmilch mit einem Stück Schwarzbrot, zweimal wöchentlich mit Zusatz von Kakao oder Schokoladenpulver. Weitere Milchtrinkkuren wurden für den Winter in den Stadtteilen Bettenhausen, Rothenditmold und Wehlheiden eingerichtet, an denen an jeder Stelle zehn Kinder teilnahmen. Insgesamt wur­den 134 Kinder einer Bestrablungskur und 194 Kinder einer MilchttiEur mit nachweisbar gu­tem Erfolge unterzogen. Zu den Bestrahlungs« kuren wurden auch eine Anzahl Kinder aus dem Landkreise Kassel zugelassen. Da der Andrang der kranken Kinder zu den Bestrahlungen mit künstlicher Höhensonne immer größer wird, wer­den zwei künstliche Höhensonnen beschafft, die in der Mrsorgestelle zur Ausstellung gelangt sind. Zur Feststellung enter möglichst einwandfreien Diagnose, stellte sich immer mehr die Notwendig­keit einer Röntgen-Durchleuchtung bei vielen Kranken, namentlich bei Kindern, heraus, die in dem Röntgen-Institut des Kasseler Landkran« kenhauseS vorgenommen wurden. Im letzten Jahre wurden 101 Personen durchleuchtet. Be­sondere Aufmerksamkeit ist dem weiteren Aus­bau des Mrsorgewesens auf dem Lande ge» widmet worden.

Aerztlfthe Beratungsstellen sind in allen Kreisen des Regierungsbezirks Kas« sel eingerichtet, bis auf die Kreise Gersfeld und Melsungen. In den Kreisen Frankenberg und Kirchhain werden die Kranken in der medizi­nischen Poliklinik in Marburg beraten. Zehn Kreise haben bis jetzt noch keine besonderen Kreisfürsorgerinnen eingestellt In einigen be- sonders dringenden Fällen wurden den Fami­lien der in Heilstätten untergebrachten Kranken ein mäßiges Hausgeld, und in einem Falle einem Kranken zur Instandsetzung seiner neube­zogenen Wohnung eine Beihilfe gewährt. Als besonderes KräftigungZmittel wurve an 50 Per- onen Krankenkost ausaegeben. An 118 Kranke, darunter 29 Kriegsbeschädigte, wurden in der Poliklinik 6528 Liter Vollmilch unentgeltlich ver­abfolgt, außedem wurden in 1075 FÄlen Milch­scheine ausgestellt. Ob die Mittel für die Be­schaffung der Milch bei den heutigen hohen Preisen sowohl für die bestrahlten Kinder als auch für die Erwachsenen in den bisherigen Mengen auch für das neue Geschäftsjahr auf« bringen können, will zweifelhaft erscheinen. Die bis Ende März 1922 in einer Heilstätte be­findlichen 209 Personen verteilen sich auf die ein­zelnen Heilstätten wie folgt: Phrlippstift zu Im­menhausen 73, WalderholungSstätte Kragrahof 52, VolkSanatorium Weilmünster 22, Heilstätte Oberkausungen 17. Bad Lippspringe 17, Ceci- lienstift zu Bad Lippsprinqe 9, Eftholungsbeint Steinau 9, Kinderheilanstalt Soden-Stolzenberg 4, Kinderheilanstalt Bad Orb 2, MarienMft zu Bad Ltppsprtnge 1, Sülzhayn 1, Salzuflen 1 und Lupusheibstätte Gießen 1 Person. Ein­schließlich der 124 einer BesttablunMur unter« zoqenen Kinder befanden sich' 833 Personen in Heilfürsorge. Die erzielten Erfolge waren in den meisten Fällen gut Richt hoch genug kann die Zusammenarbeit mit der Wohnungz. Inspektion der Stadt Kassel bewertet wer« den; durch sie wurde der Verein in die Lage ver­setzt, einer Anzahl von Familien, in denen Tu« berkulose vorkonrmt, zu einer besseren Wohnung zu verhelfen; es tonnten auch die notwendigen