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Donnerstag, 1 MSl 1928,

Kasseler Neueste Nachrichte»

15. Jahrgang. Nr. 103.

konfisziertes Eigentum zu

An.

xr in B atu durch lanid und Frankreich

die Armeen, die aus Eng-

ische Aerzte verband erhebt nun gegen ziert wurden, sämtlich zerstört worden. Sollen gene Kalendervierteljahr geschuldeten Steuer be- äesc Angriffe schärfiten Protest und stellt fest, wir hierfür keine Entschädigung erhalten? Wenn rechnet werden. Die Vorauszahlungen werden

kamen öder von dort finan- ch zerstört worden. <Sof

Aus Breslau wird berichtet: Der Ver­band polnischer Aerzte Schlesiens hat anläßlich der Ermordung Dr. Styzynskis einen offe­nen Bricf an den Präsidenten Calonder in !Gens gerichtet, in dem die oberschlesischen deut­schen Aerzte in maßloser Weise angegris- f en werden, ihnen systematische Bekämpfimg der polnischen Berufsgenossen vorgeworsen wird und sie unter anderem als die geistigen Urheber derGleiwitzer Helden", das heißt der Mörder jStyzynskis, bezeichnet werden. Der oberschle­sische Aerzteverband erhebt nun gegen diese Angriffe schärfiten Protest und stellt fest.

chende Vorauszahlung (2 Prozent dieses Betra­ges) zu erfolgen. Diese Verpfiichtung gilt zu­nächst nicht für diejenigen Berufe, In Venen die Umsatzsteuer pauschaliert ist (Banken, Rechtsan­wälte. Notare ujw.). Haben Steuerpflichtige in den abgelanfenen drei Monaten einen Umfaß von nicht mehr als 5000 Mark gehabt, so wird ihnen nachgelassen, die enfiprechende Voraus- zahlung erst zusammen mit der nächsten Vor­auszahlung zn leisten.

Die im übrigen nicht rechtzeitig, t>. h. in­nerhalb des MonatS April, eingehenden Vor­auszahlungen werden ohne weiteres im Zwangs- Wege beigetrieben, wobei, wenn auch keine Vor­anmeldung abgegeben ist, die Vorauszahlungen mindestens auf ein Viertel der für das vergan-

> tuna folgendes:

Die Novelle zum Umsatzsteuergesetz bat das - System der vierteljährlichen Vorauszahlungen ! eingeführt. Die Regelung mußte in anderer ; Weise erfolgen als bei der Einkommensteuer, denn bei der Umsatzsteuer sind aus naheliegen- : den Gründen die im letzten Vierteljahr verem- : nahmten Entgelte (getätigten Lieferungen) für die Höbe der Vorauszahlung maßgeb-nd und nicht die Veranlagung für das Vorjahr. Die , Steuerpflichtigen, bei denen der Steuerabschnitt mehr als ein Vierteljahr beträgt, haben alsbald in einer kurzen Voranmeldung den Gesamtbe­trag der in den Monaten Januar. Februar und Mär, 1922 vereinnahmten (gegebenenfalls der für die bewirkten Leistungen vereinbarten) Ent­gelte, soweit sie nach dem Umsatzsteuergesetz steuerpflichtig sind, anzugeben. Gleichzeitig mit der Abgabe der Voranmeldung hat eine entspre-

Neues Hartgeld.

Die Ausprägung von Ersatzmünzen.

Der ReichssinanMinister bat dem Reichstage den Entwurf eines Gesetzes über die Aus­prägung von Ersatzmünzen im Nennbeträge von einer, zwei, drei und fünf Mark zugehen lasten. Danach wird der Reichsrat bis auf weiteres er­mächtigt, anstelle der früheren eingezogenen Sil­bermünzen über eine, zwei, drei und fünf Mark Ersatzmünzen mit diesem Nennwerte in ab­weichender Gestalt und aus anderem Metall Her­stellen zu lasten. Aus der Begründung ergibt sich, daß Geldzeichen über kleine Nennwerte seit dem Kriege bis Ende 1921 geprägt worden sind: an Fünfvfennig-Stücken 1820000000 Stück zu etwa 66 Millionen Mark, an Zehnpfennig-Stük- ken 968000000 Stück zu etwa 97 Millionen Mark, a.r Fünfzigpfennig-Stücken 563 000 000 Stück zu etwa 282 Millionen Mark, zusammen also etwa 2850000000 Stück zu 445 Millionen Mark. Infolge des gesunkenen Wertes der Mark kann für die auf eine zwei, drei und fünf Mark lautenden Nennwerte eine Verwendung von Edelmetall nicht in Frage kommen. Die Ab­machungen über die Wahl des Ersatzmetalls und die Prägungen stehen vor dem Abschluß. Die Ausgabe der neuen Münzen wird für Ende Mai oder Anfang Juni beabsichtigt. Eine Ergänzung oder Aenderung des Münzgesetzes wird aber bei dem gegenwärfigen Stand un­serer allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung doch nicht für ratsam gehalten.

Leipzig, 3. Mai.

Wie im Verlaufe der Sitzung des Bundes­tages deuficher KriegSgräbcrfürsorge mitgetcilt wurde, sind die Vorbereitungen des allgemeinen Volkstrauertages so weit gediehen, daß die größeren politischen Körperschaften sich bereit erklärt haben, die Durchführung des Volks- trauertages im Sinne des Bolksbundes zu un­terstützen. Der Allgemeine Deufiche Gewerk- schaftsbund und der Reichsbund deutscher Kriegsbeschädigter stehen der Angelegenheit noch ablehnend gegenüber, insbesondere deshalb, weil die Befürchtung besteht, daß der Tag zu natio­nalistischen Feiern benutzt werden könnte. Diese Bedenken wurden als unbegründet bezeichnet. Das Reichskabtnett befaßt sich, wie von Vertretern des Reichsministeriums des Innern mitgeteilt wurde, augenblicklich mit dieser Frage. Es steht zu erwarten, daß ein Gesetzentwurf für den allgemeinen Volkstrauertag in allernächster Zeit dem Reichstag zugehen wird.

Aerztc-Organisationen gegenüber den polnischen Kollegen den Tafiachen nicht entsprechen, was schon daraus hervorgehe, daß gerade Dr. Sty- zynski trotz seiner polnisch-nationalen Einstellung ein besonders rühriges Mitglied des oberschlesi­schen Aerzteverbandes gewesen ist.

Umsatzsteuer.

Die vierteljährlichen Vorauszahlungen.

Der Reichstag hat die Novelle zum Umsatz­steuergesetz angenommen. Das Gesetz hat rück­wirkende Kraft vom 1. Januar 1922 ab. Der Satz beträgt 2 Prozent. Die Ausfuhr durch den Fabrikanten unterliegt, mag es sich um Ge­genstände handeln, die der allgemeinen Umsatz­steuer oder Luxusstcuer unterliegen, seit dem 1. Januar 1922 demselben Satze. Die ersten Um­sätze nach der Einftckr sind grundsätzlich steuer- vflichfig, soweit es sich nicht um Gegenstände bandelt, die sich auf der Freiliste lb befinden. Die Ausführungsbestimmungen werden in die­sen Tagen im Zentralblatt für das Deutsche Reich veröffentlicht werden. Gleichzeitig werden sie in einer amtfichen Ausgabe veröffentlicht weiden. Es wird im eigenen Interesse der Steuerpflichtigen liegen, sich die neuen Aus- sühnlngsbesiimmunqen nach Erscheinen zu be­schaffen. Gegenwärfig ist von besonderer Bedeu-

OTsememer VEstmuertag

Zum Andenken an die Gefallenen.

(Privat-Telegramm.)

Der Fall Hermes.

Die Weinfendung vorm Untersuchungsausschuß.

Im Untersuchungs-Ausschuß des Reichstages zum Fall Hermes erstattete am Dienstag Abg. Semler (Deufichnatl.) den Bericht über die Weinliefernng des Winzerverbandes. Es frage sich: 1. Liegen Beweise für die Vorwürfe einer ehrenrührigen Handlung bezw. Mißbrauch? der Dienstgewalt schon in der Tatsache der Wein­lieferung an lmd für sich? 2. Liegen Beweise in den inneren Zusammenhängen obiger Tatsachen zwilchen Weinbezug und Zucker­lief erung? Die Auskünfte lauteten dahin: daß billige Weinlieferungen, gewisser- maßen zum Selbstkostenpreise gewvhnbeits- mäßigc Sitte bei dem Winzerverbande seien. Irgend Welche Zusammenhänge zwischen dem Weinbezng und der Zuckerbelieferuna seien nicht festzustellen gewesen, und auch -eine Be­stechung laste sich aus den Akten nicht bewei­sen. Der Briefwechsel Mischen dem Minister bezw. der Dienststelle und dem Winxrverband habe ergeben, daß beim Winzerverband mehrfach nachgefragt worden sei, ob nickt bei der Preis­stelle ein Irrtum oder ein Preisfehler unterlau­fen sei. Das sei verneint worden.

Minister Dr. Hermes erflärte, es handle sich eigentlich nur um zwei Weinfendungen im Frühjahr 1920 und 1921. Der billige Preis sei nicht besonders auffallend, weil gleichzeitig min­dere Weine zu stöberen Preisen geliefert worden feien. Die erste Sendung fei istm durch Mini­sterialrat Heukam-v angeboten worden. Das Be­wußtsein, den Wein zu einem Gesckenk- vreise erhalten zu staben, sei ihm nicht ge­kommen. Er weise diesen Dorwurf mit allem Nachdruck zurück Es sei istm aber bekannt, daß es des öfteren vorkomme, daß Produzenten un­ter Verzicht auf Konjunkturpreise dann und warm abgäben. Persönlich habe er sich um diese ganze Weingeschichte kaum gEmmert. Der Ausschuß vertagte sich dann auf unbestimmte Zeit zur Durchsicht aktenmäßigen Materials.

Aus Oberschlesien.

Protest deutscher Aerzte gegen Verleumdungen.

Rußlands Zukunft.

Die Sowjetrepublik als kapitalistischer Staat.

Aus Genua wird folgende sehr bezeichnende Erklärung des russischen Delegierten Krassin berichtet: In einer längeren Unterredung legte Krassin seine Auffastung über den deutsch- russischen Vertrag, von der Streitfrage Mischen den Alliierten und von der Lage in R u ß l a nd dar. Zrnn deutsch-russischen Ver­fing Mrte er aus: »Ich bin sehr froh, daß diese

derexsetts haben zum Beispiel die Engländer ge- walfige Vorräte aus Archangelsk weg- geführt und die Japaner haben uns in Wla­diwostok Milliardenwerte weggenommen. ES rnd uns unsere Kohlengruben und Naphthafel-

Verständigung auf der einzig gefunden Basis znstandegekommen ist, daß beide Staaten einen Strich durch die Vergangenheit machen, um in künftiger Zusammenarbeit die beiderseifigen Jn- teresten, hüben die wirfichastlichen Verhältnisse in Rußland, drüben diedeutscheJnstustrie und Intelligenz, zu sichern. Es fehlte bis­her nur an Willen und an Mut, mit uns in wirtschaftliche Beziehungen zn treten." Als in dem Gespräch die Furcht vor der bolschewistischen Propaganda erwähnt wurde, sagte Krassin: Tiiefe Gefahr war früher viel größer als jetzt, wo wir das größte

Interesse an guten Beziehungen

zu Ihrer finanziellen Welt und Industrie ha­ben." Zu den russischen Verhandlungen mit den Alliierten legte Krassin dar:Die größte Schwierigkeit besteht darin, daß man alle Fragen nur von dem Standpunkt der Interessen der einen Partei betrachtet. Wr hatten vorge- fchlagen, die Fragen auf der Basis der Beschlüsse von Cannes zu entscheiden, mit dem Vorbehalt, daß wir gewisse Berichtigungen und Ergänzun­gen Vorbringen würden. So enfitehen im Para­graph 3 infolge ungenauer Formulierung Wider- spräche. Es heißt darin unter anderem, daß Er­satz für Schoden nur für beschlagnahmtes Eigen­tum verlangt wird. Wie ist es aber, wenn dar Eigentum gänzlich verloren ist? Da die ganze Intervention sich auf unserem Boden abgespielt hat, haben wir selbstverständlich nicht allzuviel

die Ernährungsfrage zur beiderseitigen Zufril- daß hie Informationen des Präsidenten Calon- denheit zu regeln. Guter Wille, zur rechten Zeit der über eine feindselige Tätigkeit der deutschen angewendet, hat immer gute Früchte getragen.

wir die Verluste ersetzen sollens die durch Maß­regeln unserer Regierung verursacht sind, so

verlangen auch wir Schadenersatz

für die durch die Maßregeln der Entente ver­ursachten Schäden, deren Betrag vielleicht zehn­mal größer sein wird, als das, was man von uns verlangt. Wir sind bereit, die privaten Eigentümer durch Gewährung gewisser Rechte zu entschädigen. Mr werden unsere Verpflich­tungen gewiß halten, schon weil dies un­ser geschäftlicher Kredit erfordert. Wir aber gehen besser ohne Abkommen nach Hause, als mit einer Belastung von zwanzig Milliarden anerkannten Schulden. Ich glaube indes, daß der Wille zur Verständigung besteht, und Mar auch bei den Franzosen. Aus die Frage nach den Zukunstsaussickten Rußlands er­widerte Krassin:Wenn wir Kredite bekommen, die uns eine systematische Wiederherstellung er­möglichen, bin ich überzeugt, daß wir in drei Jahren keine Hungersgefahr mehr haben, in fünf Jahren mit der Getreide­ausfuhr beginnen können und in fünfund­zwanzig Jahren eine Entwicklung haben wie Amerika. Das in Rußland herrschende Sy­stem erklärte Krafsin folgendermaßen:Wir ha­ben jetzt ein System, das wir als Staats­kapitalismus bezeichnen. Wir haben

vom Kommunismus Abstand genommen.

Wir sind Kommunisten an der Spitze eines nicht kommunistischen, sondern kapitalistischen Staates. Mit dieser interessanten Aeußerung schloß der russische Fachkommissar für den Außenhandel seine Darlegungen.

crüs die nach der EAlärung im Januar 1923 zu veranlagende Umsatzsteuer verrechnet. Sollte sich bei der endgülfigen Veranlagung ergeben, daß der Gesamtbetrag der Vorauszahlungen um mehr als 20 vom Hundert hinter der Veran­lagung zurückbleibt, so erhöht sich die Steuer um 10 vom Hundert des überschießenden Betrages.

Dos Recht auf die Fulda.

Rechte der Mühle «nd der Allgemeinheit.

edtten heute find wtr veranlatzt, ite&mal« auf die in den, kiir,Iichsn Artikel-Sherer Sutoaftau" angeschnittene Frage der Recht« ans da« Wafi-r der Fnlda näher ein,ng«hen aus Grund einer von Etadtrat Geheimrat Bogt gegebenen Dar!egung seiner Recht« Geheimrat Vogt, der Besitzer der Vogt'schen Mühle, setzt in einer Zuschrift auseinander, daß die von ihm beantragte Eintragung der in Frage kommenden Rechtsverhältnisse in das Wasserbuch durch die Vorschriften des neuen Wassergesetzes veranlaßt ist. Hierbei handelt es sich nicht etwa um die Forderung eines höheren Staues, tote es nach dem erwähnten Artikel den Anschein ha­ben könnte (es handelt sich um den höheren Stau im Vergleich zu den Verhältnissen vor 1913. Die Schristltg.), sondern lediglich um Ein­tragung des bestehenden Rechtes aus Grund von Verträgen, die zwischen dem Staat, der Stadt und Geheimrat Vogt abgeschlossen sind, als es sich darum handelte, zur Verhütung der Hoch­wassergefahr das frühere feste Steinwehr durch ein bewegliches (Walzenwehr) zu ersetzen D,e vertragsmäßigen Stauhöhen sind im Auftrage des Regierungspräsidenten zu Kassel an dem landespolizeilich genehmigten Walzenwehr durch Stauzielmarken in 1911 und 13 festgelegt, und die Bedienung des Wehres erfolgte felbstver- ständlich innerhalb der hierdurch festgelegten Grenzen. Ueber die Frage der Herabsetzung der in 1910/11 festgesetzten Stauhöhen ist zwischen den beteiligten Behörden und dem Mühlenbe­sitzer weiter verhandelt worden. Diese Ver­handlungen führten im Jahre 1919 zur Annah­me eines Vorschlages des damaligen Wasserbau­dezernenten bei der hiesigen Regierung, Geh. RegierungS- und Daurat Unger, durch den eine wesentliche Herabsetzung mit Vogts Zustimmung herbeigeführt wurde. Diese Vorschriften der Ungerschen Denkschrift sollen ebenfalls in das Wasserbuch eingetragen werden, nachdem sie m 1919 auch die Zustimmung der Minister fiir öf­fentliche Arbeiten, für Handel und Gewerbe und für Landwirtschaft, Domänen und Forsten ge­funden batten. Diese Zustimmung des Land- wirtschastsminisiers ist erst noch eingehender Prüfung der VorflutverhälMifle der Aue durch die staatlichen Wasservehörden erfolgt.

Was hier von Geheimrat Vogt gesagt wird, stimmt. Die klare Fassung der für ibn gegebe­nen Sachlage erfordert eine ebenso klare Dar­stellung dessen, um was es sich bei unserem ersten Artikel handelte. Ohne auf nähere Einzelheiten heute einzugehen Geheimrat Vogt bemerkt sehr richtig, daß es einem Zeitungsleser ohne Kenntnis der in Bewacht kommenden Verträge nicht möglich ist, sich ein Urteil in dieser immer­hin nicht gerade einfachen Sache zu bilden, sei folgendes erklärt: Die Art der in unserem Artikel wiedergegebenen Veröffentlichung der Regierung forderte direft aus, Stellung zu dem Antrag Vogt zu nehmen. Das ist durch die ebenfalls schon bekanntqogebenen Einsprüche erfolgt. Geheimrat Vogt besteht auf seinem Schein und verlangt das ist, was wir unter weittragend" verstehen die Verbriefnng die­ser Rechte auf ewige Zeit. Weite Kreise der Bürgerschaft und Sachverständiger stehen nun auf dem Standpunkt, daß die v o l l e Aus­nutzung der Wasserkräfte durch die Mühle al­lein nicht maßgebend sein darf; auch die Rechte der Anlieger, sonsttger Interessenten und vor allem der Allgemeinheit müssen gewahrt bleiben.

In zahlreichen Versammlungen sind bekannt­lich Beschwerden gegen den gegen früher erhöh­ten Stau erhoben worden lUtb wiederholt ist ha­bet daS Stadtbauamt aufgefordert worden, es möge eine Anfllärung geben. Wiederholt ist von Irrtümern gesprochen worden, die bei der Erbauung des Walzenwehrs vorgekommen sind und das in dem ersten Arttkel angezogenc Gut­achten von Geheimrat Unger stellt auch unum­wunden einen solchen Irrtum sest. Bevor nun

Briefmattkn,Notgelö.

Die Ausstellung im Landesmuseum.

Also, sprach der Herr, der sich meiner in der Ausstellung für Briefmarken und Notgeld im Landesmuseum annahm, die Briefmarken sind in zwei Abteilungen gegliedert: Vor und nach 1914. Und ich habe mir beide Abteilungen ge­nau angesehen. Offen gestamden ... ein leises Reidgefilhl kam aus, daß es Leute gibt, die sich so ganz der Sammeltättgkeit hingeben können und den Ordner der Schätze, die sie zugetragen haben, denn ... Schätze sind es, die es Hier zu bestaunen gibt. Man braucht das große Schild, wonach jeder Diebstahlsversuch ohne Rücksicht auf die Person zur Anzeige gelangt, nicht auf sich selbst zu beziehen, aber ... angebrmht ist diese augenfällige Warnung auf alle Fälle I

Soll ich die einzelnen Ausstellungen aufzäh- ken? So viel Raum gibt es gar nicht in dieser Zeit des teuren Papiers! Es ließe sich auch kein Zweck absehen, denn ... wer Interesse an Brief­marken hat oder wer jeden Freund, Bekannten, Nachbarn oder Kellner um Notgeld anhaut, der komme selbst und schaue nach. Bereuen braucht er es jedenfalls nicht. Interessant ist beispiels­weise eine Sammlung von Stadtpvstmar- k e n ... o hübsche Erinnerung an die Zeit, in der die Reichspost noch nicht allmächtig war! Eine so reiche Sammlung dieser Marken ist nur fetten zu sehen. Das Beste, was da ist, der Clou" der Ausstellung, ist eine komplette Sammlung von Marken aus Sowjet-Ruß­land. Die teuerste Marke Nennwert! stellt sich im Wert auf 22 500 Rubel ... gegen solche Zahlen ist selbst Giesberts ein Waisen­knabe!

Nun zu der Notgeldausstellung. Ein Kasseler Sammler Schreckenberg ist sein Name hat allein über 6000 Scheine zusam­mengebracht. Die künstlerischen Städteansichten fesseln ungemein. Ferner dar Revolutionsgeld von Braunschweig und Traunstein in Bayern. Seltene Stücke sind Solzgeld aus HaderS-

feld im Wienerwald. Prachtvoll machen sich die Leinen- und Seidengelder aus Bielefeld. Interessant sind verschiedenste Arten von Por­zellangeld und ... Fehldrucke: Auf der Vorder­seite sieht 50 Pfennig, auf der Rückseite 25 Pfen­nig? Nur vier Stücke existieren davon.

Auch unsere Kasseler Fünfzigpsen- nig-Scheine haben hier ihren Platz. Sie ftrtb in acht verschiedenen Stücken vertreten, teils mit, teils ohne Stern hinter der laufenden Num­mer. Auch dir blaue Farbtönung weicht ver­schiedentlich ab. Seit langer Zeit habe ich wie­der mal die vollkommen verschwundenen 1 Pfen­nig-Stücke aus Pappe und Papier wiedergesun- den. Es ließe üch noch viel mehr sagen über die Ausstellung, über eine große Photographien- scnnmlung und über eine seltene Sammlung von bildseittg srankierten Ansichtspostkarten aus mehr als 225 Ländern, über eine komplette österreichische Feldpostmarken-Sammlung usw., aber... geht selbst hin imb seht selbst ...! -a-

Bei der PreiSverteiluny wurden aus­gezeichnet mit einem ersten Preis für Marken vor 1914 für seine herrliche Sammlung Herr O. S. in Hann.-Münden, und für die prachtvolle Sammlung von Marken nach 1914 (einschließ­lich Sowjet-Rußland) Herr Zehles-Frankfurt. Letzterer erhielt auch einen Ehrenpreis für seine vorerwähnte Kartensammlung. Weitere Ehren­preise wurden zuteil für Marken nach 1914 den Herren Kraußbauer und Bahr, beide in Kassel, und selbstverständlich Herrn Schreckenberger- Kaflel für die Notgeld-Parade.

Buntes Allerlei.

Das Land der Erdbeben.

Das Eödbeben, das, wie wir kürzlich berich­te !en, Japan heimgefilcht hat, und das zu den schwersten in den letzten dreißig Jahren bet* zeichneten Erschütterungen gehört, ist nur ein Glied in der Kette der Beben, die sich in Zwi­schenräumen im Lande deS Mikado ereignen.

Der Jahresdurchschnitt beträgt rund 1300 Erd­stöße verschiedener Grade, wobei aus je 2% Jahren ein schweres Erdbeben trifft. Die größ­ten Erschütterungen der jüngsten Zeit fallen in das Jahr 1855, in dem in Tokio 6700 Menschen durch die Katastrophe umkamen, in das Jahr 1891, als in Mino und Owari 17175 Personen getötet wurden und in das Jahr 1896, das in Sanrikat 9242 Todesopfer forderte., Der etwa 150 Kilometer nordwestlich von Tokio gelegene Berg Asama-Yama ist der bedeutendste unter den tätigen Vulkanen Japans. Er hat eine Höhe von rund 2500 Meter und ist von Karuizawa, der nächsten Bahnstation der von Tokio ausgehenden Linie, bequem an einem Tage zu besteigen. Sein letzter großer Ausbruch erfohste im Sommer des Jahres 1783; ein breiter Lavaflrom ergoß sich damals ans dem Krater und vernichtete einen Urwald und mehrere Dorf«.

Soewe« Weltbllb.

In bet anläßlich der Frankfurter Gothe-Dvche erscheinenden Programmschrift schrieb Georg Brandes über Goeche die folgenden lapi­daren Sätze: Goethe ist unter den Geistern, was der Stille Ozean unter den Meeren des Erdballs ist. Der Stille oder Friedliche Ozean ist zugleich der größte und tiefste. Wirklich still ist nur ein Gürtel von ihm. Nördlich und südlich dieses Gürtels ist der Sttlle Ozean von Winden und Passaten bewegt, hat er Strömungen und Gegen­strömungen, warme Fluten und kalte. Ja, er hat ErAbcbenwellcn wie kein anderes Meer. So ist auch Goethe der größte und tiefste der schaffenden Geister der Neuzeit. So gibt es auch in seinem Leben und Wirken einen breiten, friedlichen Gür­tel, im übrigen Stille und Sturm. warme Flu­ten und kalte, Strömungen und Gegenströmun­gen, Erbbebenwellen. Er war im kleinen ein Bild der schaffenden, ordnenden, erhaltenden Kraft des Weltalls. Er schuf und verstand mit K' her Sicherheit, hatte ebensoviel Einbildnngs- wie Vernunft. Er ging nickt auf Selbst­erkenntnis, sondern auf Erfassung der Natur aus. Selbstbespiegelung war ictn fremd. Sekbstent-

wicklung alles, und er hütete diese SekbstenMick- lung mit einem Selbsterhaltungstrieb, der ihn warnte und ihm den Weg wies, einem Instinkt, der zugleich Weisheit war. Er war ein Schöpfer in der Schöpfung, eine Vernunft in der Allver- iiunft, eine Natur in der Allnatur, wie man von einem Staat im Staate spricht. Und er ist für sich allein eine ganze Natur.

Der fliegende Wllflen-Arzi.

Ein Arzt, der feine Praxis mit Hilfe langer Reifen im Fulgzeug ausübt, ist ein in Syrien lebender Arzt, Dr. M a r t i n e t, der seine Pa­ttenten unter den wandernden Beduinen-Stäm- men der Wüste hat. Von seinem Standquartier in Palmyra aus fliegt er über die weiten Sand­strecken der Wüste hin. und die flare Luft ge­stattet ihm, die Lager der Beduinen-Stämme schon aus großer Entfernung zu erkennen. Er landet dann an einem solchen Lager, und da sein Rus als Arzt unter den Nomade sehr verbreitet ist. so strömen sie von allen ^ten herbei, um seine Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dr. Marti* net hat schon in zahlreichen Flügen mehr als hundert Schwer- und Leichtkranke behandelt.

Der DRorftö der Heuschrecken.

Südafrika leidet gegenwärtig unter dem furchtbarsten Angriff der Heuschrecken, den es seit zwanzig Jahren zu verzeichnen hat. Diese flügel­losen Heuschrecken, die, wie ihre geflügelten Ver­wandten, auf der Wanderschaft die schrecklichsten Verheerungen anrichten, haben den Namen Voetgangers", weil sie zu Fuß gehen. Lord B r y c e hat einmal den Marsch der Heuschrecken als sckaurig-schön beschrieben; sie leuchteten in der Sonne wie riesige rote Schneedecken. Ein anderer schildert sie wie den seltsam gefärbten Rauch eines Ukwaldfeuers am Horizont, der all­mählich zu einem dichten, gelben Nebel von wimmelnden Millionen" anschwillt, durch die der Reiter sich seinen Weg bahnt, bis der wid r- liche Gestank ihm Erbrechen verursacht. Ein durchgreifendes Mittel gegen die Heuschrecken ist bisher noch nicht gefunden worden,.