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Hessische Abendzeitung

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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Nummer 103.

Fernsprecher 951 und 952

Donnerstag, 4. Mai 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Neue Verzögerung in Genua.

lands eine neue Konferenz einzuberufen.

tim den allgemeinen Frieden.

Die Aussicht für Barthous Versuch, das Kabinett für die von ihm empfohlene entqegenlommcnde Haltung zu gewinnen, wird durchweg ungünstig beurteilt. Man rechnet ernstlich mit der Möglichkeit, daß die Einig­keit zwischen Barthou und Poincars nicht zustande kommt und daß Barthou auf die Rück­kehr nach Genua verzichtet. Barthou wird heute, Mittwoch, vormittag, in Paris eintreffcn. Für zwei Uhr ist ein Ministerrat einberufen. Es wird angenommen, daß Barthou erst am Sonn­tag oder Montag wieder in Genua eintreffen wird, falls die Antwort der Sowjet-Delegation auf das (noch nicht überreichte) Memorandum erst am Sonntag erfolge. DieLibertS" meint, Barthou bringe nach Paris Vorschläge

Schwierigkeiten in Varis.

Sine Kabinsttsitzunq zur Genua-Konterenz.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 3. Mai.

Das russische Vroblem.

Unschlüsstgkeit der Alliierten.

(Eigener Drahtbericht.

Genua, 3. Mai.

Lloyd George ließ heute durch seinen Privat sekretär den Prefsevertrrtern mitteilen, das neue Dokument der Alliierten stelle kein Ultimatum

Teffwriser Ausstand.

Berlin, 3. Mai. (Privattelegramm.) Die städtischen Arbeiter drohen aus Anlaß der gestrigen Vorfälle mit dem Generalstreik. Bei der Straßenbahn ist, nach derSeit", der Streik bereits zur Tatsache geworden. Auf dem Bahnhof Elbtngerstraße erschien bereits die gestrige Aöendschicht nicht mehr zur Ablösung.

tim Rußland.

Das neue Dokument tu Genua.

Stockung der Beratungen.

Lloyd George und Barthou auf Reisen. (Eigener Drahtbericht.

Genna, 3 Mai.

Hier wird das Gerücht bestätigt, daß Lloyd George nach der Vollsitzung am Mittwoch

Lloyd Georges, die einem Ultimatum glei­chen. Wenn wir Lloüd George nicht Wider­stand leisten, wird er uns dazu bringen, seine Pläne anzunehmen, die die Abrüstung und den Verzicht auf die Reparationen bedeuten.

Dringliche Beratungen.

Deutschland mutz die Verpflichtungen erfüllen (Eigene Drahtmeldung.)

Genua, 3. Mai.

Ein halbamtlicherHavaS"-Bericht meldet, Lloyd George habe sich in seiner gestrigen Unterredung mit Barthou nochmals ein­gehend über die Probleme ausgesprochen, deren Regelung er als dringlich ansieht und über die sich die französische Regierung in den nächsten Tagen zu entscheiden haben wird. Das Haupt­gewicht lege Lloyd George aus die schleunigste Susammenberusung der Konferenz der Sig- natarmächte, auf der die allgemeine Hal­tung gegenüber Deutschland feftgelegt werden soll, falls dies bis zum 31. Mai seinen Verpflichtungen nicht nachkommen werde. Lloyd George hat mit Nachdruck betont, daß Deutsch­land den Versailler Vertrag respek­tieren müsse und er habe nochmals seinem Wunsche Ausdruck gegeben, daß Poinears per­sönlich an den Beratungen teilnehme.

Genua, 3. Mai. (Eigene Drahttneldung.) Lloyd George legt großen Wert auf eine bal­dige Regelung der territorialen Fragen in Ost- Europa, wobei er offenbar die Absicht hat, über die Teilung Ost-Galiziens den Völkerbund entfcheiden zu lassen. Im Hinblick aus die Kon­ferenz der Signatarmächte hat er der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß es in der Frage des europäischen Friedens-Abkommens zu einer Einigung komme und daß das Problem der internationalen Kriegsschulden durch die Mitwirkung der Bereinigten Staaten in einer alle Teile befriedigenden Weise gelöst werde.

Durchführung von Lieferungsverträgen ausgesprochen hatten, trotz der nicht immer gürt« stigen Erfahrungen des vergangenen Herbstes. Es sollen gemäß dem Vorschlag der Minister­konferenz die Lieserungsverträge mit den gro­ßen Verbrauchergruppen mit allen Mtteln ge­fördert werden, eine Maßnahme, die übrigens durchaus im Sinne der seit langem von beiden Seiten angeftrebton Annäherung und engeren Verbindung zwischen Erzeuger- und Verbrau­chergruppen liegt. Eine zweite Maßnahme, auf deren Durchführung von den zuständigen Stel­len mit aller Energie hingestrebt werden soll, ist eine Vermehrung der Wagengestel. l u n g. durch die zu erhoffen ist, daß wir in dem nächsten Erntejahr von den Evnährungsschwie- rigkeiten dieses Winters verschont bleiben wer­den. Noch eine dritte Maßnahme ist in Erwä­gung gezogen worden, die einem anderen Hebet* stand zu Leibe geben soll: die Nachprüfung der Vorschriften über die K o n z e ssi o n i e- rung des Kartoffelhandels. Gelingt es auf diese Weise, das in der letzten Zeit uner- ttäglich gewordene Treiben wilder Aufkäufer einzudämmen und so der unlauteren spekulati- ven Preistreiberei das Wasser abzugraben, so dürfte im nächsten Jahr ein Sicherungsventil geschaffen sein gegenüber den jüngst aufgetre- jenen Auswüchsen. Es ist wirtlich notwendig, daß etwas geschieht, um die Bevölkerung im Herbst vor unliebsamen Ueberraschuirgen zu be­wahren. Man sollte doch glauben, daß die be­teiligten Kreise genügend Einsicht haben, um

Zusammenstöße in Berlin.

Sechzig Personen festgenommen.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 3. Mai.

Gestern kam es vor dem Berliner Rathause, während die Stadtverordneten über die neuen Lohnforderungen der städtischen Beam ten und Arbeiter berieten, zu einem Tumult, do sich große Arbeitermenyen angesammelt hat­ten, die eine drohende Haltung einnnhmen. Es wurden etwa sechzig Personen festgenom­men. Bost den Zusammenstößen der De­monstranten mit der Schntzpolizei sind sechzehn Personen imrch Säbelhiebe und Bajonettstiche verletzt worden. Bier Verletzte mußten ins Krankenhaus überführt werden Die Kund­gebungen dauerten bis gegen Mitternacht und führten an verschiedenen Stellen der Stadt, bei­spielsweise am Schlesischen und am Stettiner Bahnhof zu größeren Aktionen der Schutzpolizei. Für heute vormittag ist eine Sitzung des Gro­ßen Berliner Betriebsräte? einberufen, um zu dem Antrag Stellung zu nehmen, als Protest ge­gen das gestrige Eingreifen der Schutzpolizei den Generalstreik in Berlin zu erklären.

Jndustrieerzeugniffe, vor allem zwölfhundert Lo­komotiven an. Woher es diese Maschinen be­schaffen will, ist zwar noch nicht klar, aber man erkennt daran, daß die deutsche Konkur­renz ausgeschaltet werden soll. Auch Ita­lien, Belgien und Japan sollen an diesen Lie­ferungen teilnehmen, für die die Kredite gegeben it erben sollten. Trotzdem heißt es in dem En­tente-Dokument, die Alliietten könnten die rus­sischen Forderungen nicht anerkennen, denn die alliierten Mächte seien nicht ver- antworttich für die großen Schäden, die Ruß­land feit der Revolution erlitten habe. Also es wird versucht, auf alle mögliche Weise an Ruß­land Geld zu verdienen. Diese Absicht hat die Sowjetregientng natürlich längst durchschaut Daher ihr Festhalten an dem Standpunkt, sich vor der Abhängigkeit zu hüten. K. F. Dr.

Die Franzosen weigern sich.

Genua, 3. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Die Franzosen haben sich gestern sämtlich gegen das Memorandum an Rußland, hauptsächlich Segen des Artikels über die Rückgabe des be­schlagnahmten und ausländischen Privateigen­tums ausgesprochen. Batthous Stellvertreter, der Delegierte B a r r ö r e, hat in der Kommis­sionssitzung die Unterzeichnung des Me- morandums verweigert, sodaß wieder eine Verzögerung eintritt. Barrere erklärte, daß er nicht mit genügend Vollmachten zur Unterzeich- nung ausgerüstet sei. Bon englischer und ita- lrenischer Seite werden alle Anstrengungen ge­macht, um dock» noch zu einer Einigung zu kom­men und man glaubt, daß die Franzosen schließlich, wenn auch mit Vorbehalt, unterzeich­nen werden. Das Vorgehen der Franzosen hat in Genua großes Aufsehen hervorgerufen.

Französische Drohung.

Vorbereitung zumEinmarsch nachDentschland (Eigene Drahtmeldung.)

Köln, 3. Mai.

Die Nachrichten über französische Vorbereitun­gen zum Einmarsch nach Deutschland, falls die deutschen Reparationsleistun­gen bis zum 31. Mai nicht erfüllt wür- den, mehren sich. Die StraßburgerNeue Zei­tung" veröffentlicht eine Meldung aus Frank­reich. wonach der am 31. Mai beginnende fran­zösische Einmarsch in Deutschland sich nicht nur nach der Ruhr, sondern auch nach Süd- deutschland erstrecken soll. DerBaseler Anzeiger" meldet aus Lyon: Die Kolonial- Regimenter in Lyon und Marseille haben Abmarschbefehl zum 23. Mai erhalten. Die Regimenter werden an den Rhein gebracht.

Karloffelverforgung.

Verwertung der diesjährigen Ernte.

Man bemüht sich jetzt, die rtertoffelbeefeeg. ung aus der diesjährigen ernte zu organisie­ren, um willkürliche Preisbildung zu ver. hüten, die eine neue Teuerung und Notlage Hervorrufen würde. Der nachstehend« Be­richt zeigt den Stand dieser Angelegenheit. Unter dem Druck von Ernährungsschwierig- keiisn und der fortschreitenden Teuerung wer­den in der letzten Zeit lebhaft die Fragen der Nahrungsmittel-Versorgung im kommenden Wirtschaftsjahr erörtert, lieber die Gestaltung der Getreidewirtschaft schweben noch die Verhandlungen; dagegen hat die kürzlich er­folgte Besprechung der Ernährungsminister der Länder mit dem Reichsernährungsministerium über die Kartoffelversorgung int kom­menden Erntejahr einige Klarheit geschaffen. Auch in dieser Frage standen sich und stehen sich heute noch die Auffassungen zum Teil gegen­über. Nachdem die Entscheidung in der Konfe­renz der Ernährungsminister gefallen ist, er* scheint es zwecklos, vom neuem in eine Erörte­rung über die Zweckmäßigkeit der Ausdehnung des Umlageverfahrens auf die Kartosfelbewirt- schaftung einzutreten. Dagegen ist es von In* tereffe, rückschauend auf die Argumente kurz ein« zugehen, die von den verschiedenen interessierten Seiten vorgebracht wurden. Die Stellungnahme der Landwirtschaft war von vornherein bekannt: sie erklärte, nur der völlig freie Ver­kehr zwischen Erzeuger und Verbraucher könne zu der Produttionssteigerung führen, die im Interesse der von außen und innen geschwäch­ten deutschen.Volkswirtschaft erforderlich sei. Von Verbraucherseite war dagegen un­ter Anführung von beachtenSwertLn Gründe« für die künftige Kartoffewewirtschastung eine Umlage, ähnlich wie bei der Getteidebewirt* schaftung, gefordert worden. Demgegenüber wurde darauf hingewiesen, daß verschiedentlich auch von Stellen, die Verbraucherintereffen ver­treten,

gegen eine Zwangsbewirtschaftung

der Kartoffeln Stellung genommen wurde, u. <L vom Vorstand des Deutschen Städietages. Eine ähnliche Auffassung trat in einer Sitzung zutage, die im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft unter Teilnahme von Vertretern der Städte, Konsumvereine und anderer Ver- brailchergruppen stattgefunden hat. Man ging bei der Begründung dieser ablehnenden Haltung ,nm Teil von den Erfahrungen der Kommunal verbände und Konsumvereine zurzeit der Zwangswirtschaft aus. Die Städte hatten bei der Kartoffelbewirffchastung Millionen­verluste zu beklagen, und sie sind bei ihr« heutigen schlechten Finanzlage nicht mehr im­stande, nochmals ein derartiges Risiko auf sich zu nehmen. Zudem fehlen den Städten meist die erforderlichen technischen Anlagen zur sach­gemäßen Aufbewahrung größerer Mengen von Kartoffeln. Die Konferenz der Ernährungs­mini st e i sah sich nun auf Grund der von ver- «Siebenen Seiten vorgebrachten sachlichen Arau­mente und auf Grund der früher gemachten Er­fahrungen in die Lage gesetzt, eine Entscheidung zu fällen, die zwar kaum den Wünschen aller an dieser Frage interessierten Kreise vollkommen Rechnung trug, die aber anknüpfte an eine An­regung der Städte, die sich für eine möglichst weitgehende

rer der französischen Delegation, Barthou, ist nach Paris gereist, um mit dem Kabinett zu beraten. In Pariser amtlichen Kreisen ver­lautet, daß PoincarS unter keinen Umständen auf eine Diskussion der Reparationsfra­ge vor dem 31. Mai eingehen wird. Er habe bis jetzt an Lloyd George noch keine Antwort über die Einberufung der Signatarmächte gege­ben. Lloyd George bestehe aber darauf, die Einberufung früher zustande zu bringen. Be­züglich des Friedenspaktes lägen noch keinerlei offizielle Abmachungen vor. Man sammle jetzt die Meinungen einzelner Staaten.

Man hat Tschiffcherin als den bedeutendsten Diplomaten in Genua bezeichnet. Das ist viel­leicht übertrieben, doch nicht ganz unberechtigt. Bei schmierigen Verhandlungen kommt es zwar nicht allein aus den klugen Kopf an, sondern auch auf die Trümpfe, die er beim Spiel einzu­setzen hat. Und Tschitscherin hatte die Hand vol­ler Trümpfe, denn er wußte, daß die Gegner viel um die Wiederherstellung der Beziehungen zu Rußland geben würden. Hauptsächlich ist es England, das an Rußland ein doppeltes Inter­esse hat: als Absatz- und Ausbeutegebiet. Auch Frankreich nröchte aus zwei Gründen gerne wie­der mit dem großen osteuropäischen Reiche in Verbindung treten: weil es eine Sicherung für Polen und zugleich eine Bedrohung für Deutsch­land hätte werden können. Tschitscherin war also in der Lage, demgegenüber hohe Forderungen zu stellen. Als die Ententeländer ihre Bedin­gungen den Russen diktieren wollten, konnten sich diese erlauben, den deutsch-russischen Vertrag als Warnungstafel aufzusteüen. Der Abschluß dieses Vertrages war ebenso wie von russischer Seite, auch von der deutschen Seite eine kluge Tat, und in Gemeinschaft für Rußland war es für unsere Abordnung eine willkommene Gelegenheit, end­lich auch einen Trumps austvcisen zu können. Diese Sachlage hat es verursacht, daß die Alli­ierten ihre Londoner Denkschrift, wodurch sowohl russische als auch deutsche Interessen schwer ge­schädigt worden wären, fallen ließen und jetzt ein neuesMemorandum" ausgearbeitet haben, das den Russen unterbreitet werden soll. Soeben wurde aus Genua berichtet, daß die bei­den Entwürfe, der englische und ftanzösische, sich auf einer mittleren Linie genähert haben. Trotz­dem haben die Franzosen ihre Unterschrift verweigert, sodaß die Ueberreichnng an die Russen wieder verzögert worden ist.

Die neuen Vorschläge sind zwar im allgemei­nen ermäßigt, aber in gewissen Teilen noch so anspruchsvoll, daß die Russen nicht darauf ein­gehen werden. Wie unser Mitarbeiter aus Ge­nua berichtet, bieten die Alliierten K r e b i t e für den Aufbau der russffchen Landwirtschaft und Industrie an. Landwirtschaftliche Gebiete sollen ausländischen Gesellschaften pachtweise in Form von Konzessionen überlassen werden. Die indu­striellen Besitzungen sollen den früheren Be­sitzern. besonders wenn diese Besitzer Ausländer waren, zurückgegeben werden. Die Russen sollen sich ferner verpflichten, die alten Schulden der Zarenregierung und die danach fol­genden Schulden der Kerenski-Regie- r n n g anzuerkennen und sie an Frankreich und England zurückzuzahlen. Das ist ein heikler Punkt. Voo kurzem hatte Tschitscherin erklärt, daß die Sowjetregierung wohl die alten Schul­den des Zarenreiches anerkennen und auch das Privateigentum den Ausländern zurückerstatten werde. Wer die Schulden der Kerenski-Regie- rung könne sie nicht anerkennen. Wenn Ruß­land alte Verpflichtungen übernehme, müsse es enffprecheude Gegenforderungen stellen. Die Alliierten hätten in den Kämpfen gegen die Sowjettruppen ungeheure Beute weggeschleppt, so die Engländer in Archangelsk und die Japa­ner in Wladiwostok; außerdem hätten alliierte Truppen die werwollen Ravhtbafelder in Baku zerstört. Diese Schäden, die zehnmal höher zu bewerten seien als die Ententeforderungen, müß­ten verrechnet werden. Am besten sei es, wenn beide Teile auf Entschädigung verzichteten, wie es im deutsch-russischen Vertrag geschehen sei. Rußland braucht zum Wiederaufbau Geld, des­halb hat es eine Zwei-Milliarden-Dollaranleihe angeregt, die die Sowjetregieruna ebne Ein­mischung verwenden will. Dieses Geld, so äußerte der Russe Krassin, darf nicht zu Eitt- schädiqungszahlüngen verwendet werden, son­dern nur zum iIPneren Aufbau Rußlands. Aus dieser Aeußerung erficht man, daß die Rus­sen etwas aus dem Schicksal Deutschlands ge­kernt haben. Wenn die Anleihe nur gegeben würde, damit die Summen schneller in die Taschen der Alliierten zurückflössen, hätte sie gar keinen Wert. Geliehenes Geld kann nur helfen, wenn es werbenden Zwecken dient, andernfalls ist es eine umso schlimmere Belastung.

Einen verfänglichen Satz hatten die Franzo­sen in die neuen Vorschläge eingefügt, wonach ein provisorisches Regime in Rußland errichtet werden solle, bis die russische Regierung eine dem Auslande angepaßte Rechtsprechung ringe« fuhrt hätte. Auf englisches Betreiben ist dieser Satz gestrichen worden, und es wird nur gesagt, men nehme an, daß in Rußland eine Recht­sprechung eingefuhrt werde, die den Schutz der Ausländer gewährleiste. Diese Zusicherung wurde jetzt den Alliierten genügen, um die Gel­der bereit zu stellen, die zur Ausdeutung Ruß­lands dienen sollten. Ein Industrie-Kon­sortium hat einen neuen Plan mit einem Kapital von fünfundzwanzig Millionen Pfund Sterling zu Grunde gelegt. Davon soll England sechzehn Millionen übernehmen, Frankreich bietet

dar, es stelle aber ein gewisses Mindestmaß dar, das man Rußland gewähren möchte, wenn es Hilfe und Anerkennung seitens der Mächte er­warte. Sollten die Russen ab lehn en, so sei es wahrscheinlich, daß die Kaufleute der ganzen Welt zunächst keinerlei Vertrauen auf Rußland setzen könnten. Natürlich sei damit die prinzipielle Annahme des Memorandums ge­meint. da die einzelnen Artikel später erörtert werden könnten. Lloyd @eorge glaubt, e8 fei nicht möglich, die Beratung dieses Memoran­dums etwa einer neuen Konferenz zu unterbrei- »<«* mn M m ..... «Ki US

Tage mit Poinear^ zu treffen. Der Füh-1einer schlimmen Lage Mitteleuropas und Rutz-