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Kasseler Neaeste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Nummer 100

Sonnabend, 2S. April 1922

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

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Noch keine Besserung in Genua.

Rußland gegen polen.

Eine Warnung an Frankreich.

Der russische Diplomat Tschitscherin, dessen Vorfahren bereits unter Katharine II. Diplo­maten waren, hat in einer sehr offenen und fast groben Note an den polnischen Ministerpräsiden­ten Skirmunt eine Bombe geworfen, die im En­tentelager verheerend wirkt. Ob die zweite ge­worfen wird, hängt ganz von der Entente ab. Die russische Delegation hat nämlich in ihren Koffern das Material aus dem zaristischen Geheimarchiv zur Kriegsschuldsra- g e. Was bis jetzt daraus bekannt wurde, stellte Poincars bereits derart bloß, daß er keine Ant­wort fand. Man versteht, daß die Entente vor der Veröffentlichung dieses Materials zittert. Denn die Kriegsschuldlüge ist die Basis, auf der Poincars allein haßerfüllt gegen uns operieren kann. Aber auch dieser erste Hieb Tschitscherins dessen Wirkungen vielleicht darin liegen, an­gesichts der französischen Haltung Rußland freie Hand gegen Frankreichs Bollwerk im Osten, ge­gen Polen, zu verschaffen ist eine glänzende und heftige Abwehr des europäischen P o in- c a r i s m u s. Die Diplomatie der Verlogen­heit hatte den deutsch-russischen Staatsvertrag als Grund angesehen, sich moralisch über Deutschland zu entrüsten und Deutschland «nd Rußland zubestrafen". Daß Poincars seine Senegalesen marschieren lassen wollte, weiß jetzt jedermann. Daß Frankreich nicht ab- rüsten, sondern nur den Ententestaaten, nicht aber Deutschland durch Lloyd Georges Av- rüstungs- untfc Kriegsverhinderungsplüne die Grenzen sichern will, sieht jetzt fest. Deutsch­land und Rußland sollten vogelfrei ge­genüber der Entente und der kleinen Entente fein und bleiben.

Polen, der Raubstaat, dessen Bevölkerung zu Zweidrittel nichtpolnisch ist, hat in diesem fran­zösischen Plan eine hervorragende Rolle. Es war nach Genua gegangen, um sich den Länder­raub santtionieren zu lassen und es mußte dafür die Dirmmheit begeben, an der diplomatischen Bestrafung" Deutschlands teilzunchmen. Hier setzt der unerwartete russische Vorstoß ein. Polen hatte mit Rußland und den übrigen Randstaaten am 18. März in Riga sich verpflich­tet, mit Sowjetrußland zusammen in Genua zu operieren. Es hatte mit Rußland einen Ver- ttag abgeschlossen, der es an Rußland band. Rußland konnte Polen diftieren, bei der Stange zu bleiben und da? russische Interesse war der deutsch-polnische Staatsvertrag, gegen den Po­len Stellung nabm, obwohl es nicht offiziell der Entente angehört. Tschitscherin sieht darin eine Anmaßung, einen unerhörten Präze­denzfall, eine schwere Verletzung der souveränen Rechte Rußlands Man sieht, die Sprache ist Woskow itisch, da die Tat echt polnisch-hinterhäl­tig gewesen. Die Note fordert politisch Klarheit darüber, ob Polen mit Frankreich gegen Ruß­land und Deutschland geben oder sich Rußland unterwerfen will. Das ist ein Ultimatum in aller Form. Es ist gleickzeittg die Antwort auf Poincarss Offensive der Wotte gegen Ruß­land und Deutschland. Rußland trifft Frankreich in Polen.

Die polnische Diplomatte sitzt in der russischen Kneifzange. Rußland spricht, als ob es alle Machtmittel anwenden will, und seine Rote Armee wäre Wohl geeignet, die Barriere zu zer­trümmern, die Clemenceau und die nachfolgende französische Politik im Osten zwischen Rußland und Deutschland in widernatürlicher Form er­richteten. Fällt sie unter russische Politik, dann ist Frankreichs Spiel in Europa ausgespielt. Es konnte im Westen Deutschland nur drohen, weil es auch im Osten seinen Sporn in die deutsche Seite geschlagen hatte. Somit bttngt die rus­sische ultimative Forderung an Polen eine Klä­rung im einem Sinne, den Poincars vermeiden wollte. Darüber hinaus zeigt sich zum ersten Male, was ein deutsch-russischer Block, von dem in wirtschaftlicher Beziehung als Tat­sache gesprochen werden kann, auch politisch aus­zurichten vermag. Er kann Rußland und Deutschland die diplomatische Selbstbestimmung wiedergeben. Er verhindert vielleicht, daß Poin. eure angesichts dieser neuen Lage Ende Mai marschiert. Marschiert er aber, dann opfert er die R a n d st a a t e n. Unterwerfen sich die Rand­staaten Rußland nicht, dann haben sie einen russischen Anprall auszuhalten, der sicherlich stärker ist als der letzte auf Warschau gerichtete.

Das ist die augenblickliche Laae. Tie En­tente kann zweierlei tun: Sie kann auf Frank­reichs Ostpolitik beharren, die England eigent­lich prinzipiell verwarf, und Rußland in Acht und Bann erklären. Aber dann löst sic Aktio­nen Rußlands ans. die kriegerischer Natur sein könnten. Rußland hat in Genua nichts mehr zu verlieren, aber es hat alles zu gewinnen. Der deutsche Reichskanzler hat soeben derartige Methoden abgetehiik. Ist das. was Psincarä, Llovd George, Tschitscherin tun. für ihn unwe­

sentlich? Er verzichtet auf öffentliche Diskus­sion und auf jede Führerrolle. Das ist bedenk­lich, denn er läuft Gefahr, daß die Aera der alliierten Allianzen beginnt (Europapakt), Deutschland ausgeschlossen bleibt und der konti­nentale Block niemals selbständige Politik machen kann. Wenn die deutsche Politik auf halbem Wege stehe« bleibt, schließlich darauf hofft, daß die Reparattonskommission die Rechtswidrigkeit poincaristischer Sanktionen einsehen und sie ver­bieten werde, bann heißt das in dem Augenblick auf Wirkung verzichten, wo alles danach drängt.

Schlechte Aussichten.

Eine Verschärfung der Unstimmigkeiten.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 28. April.

Auch heute liegen wesentlich neue Tatsachen- Meldungen aus Genua nicht vor. Der neue Zwischenfall mit Rnßland ist noch « n -- gelöst. Die Konferenz hat, abgesehen von der russischen Frage, die Hauptarbeit den K o m Mis­sionen überlassen. Soweit die deutsche« In­teressen in Frage kommen, werden diese Korn- Missionen voraussichtlich bis weit in den Mai hinein zu tagen haben. DieNeue Züricher Zei- tung" meldet, daß Reichskanzler Dr. Wirth am Mittwoch vormittag über eine halbe Stunde lang eine Besprechung mit Lloyd George gehabt hat, in der Lloyd George dem Reichskanzler sei­nen Plan, die alliierten Ministerpräsidenten nach Genua einzuladen, mitgeteilt hat. DieHa- vas-Agentur" stellt in ihrem Bericht vom Don­nerstag mittag eine Verschärfung der Un- stimmigreiten von Genua fest.

* * * Barlhou ist unzufrieden.

Genf, 28. April. (Eigene Drahtmeldung.) DerTemps" meldet aus Genua: Barthou er­klärte französischen Pressevertretern gegenüber die Lage wie folgt: Der bisherige Verlauf der Kon­ferenz ist ergebnislos. Frankreich hat Nachgiebigkeit vis zum äutzersten bewiesen. (?) Der deutsch russische Vertrag hat die Russen zu einem Sprengungsversuche ermutigt. Ich glaube nicht, daß wir noch lange hier zu tun haben. (!)

Die Polen vor der Abreise?

Genua, 28. April. (Eigener Drahtbericht.) Der Vertreter desMatin" äußerte: Ich erfahre aus zuverlässiger Quelle, daß die Polen sich zur Abreise von Genua bereithalten. Die pol­nische Delegation hat die ganze Schwere der Situation nicht in ihre Antwortnote gelegt, hat aber beschlossen, an keiner Konferenz mehr teil- zunehmei,, falls es zu einer neuen Beleidigung Polens durch die Russen kommt.

Llngünstigerllmschwung der Londoner Wetten

London, 28. April. (Eigene Drahtmel­dung.) Die Wetten bei Lloyds in London über den Ausgang der Konferenz von Genua haben eine Verschiebung erfahren. Für einen er­gebnislosen Ausgang der Konferenz landen die Wetten am Donnerstag abend vier zu eins, während früher das Ergebnis weit günstiger für die Genua-Konferenz stand.

Das russische Vroblem. Noch keine Entspannung der Krise.

(Eigener Drahtbericht.

Genua, 28. April.

In der heutigen Sitzung der ersten politischen Komifsion wird den Russen ein Memorandum der A l l i e r t e n übergeben werden, dessen erster Teil eine Zurückweisunader russischen Forderungen darstellt. Der zweite Teil bringt die Ankündigung der Gewährung von Krediten in noch unbekannter Höhe, aber nicht an die Moskauer Regierung, sondern an die russischen Genossenschaften Das Memo­randum stellt kein Ultimatum dar, ist aber sehr bestimmt gehalten. In Vorkenntnis dieser Rote der Alliierten veröffentlichte gestern die russische Delegation iette Erklärung, in der es heißt: Rußland hegt nicht den geringsten Wunsch nach einem Bruch muS aber das Prinzip seiner Souveränität auf Gegenseitigkeit wahren Dem Sonderberichterstatter derTemps" in Genua gegenüber erklärte Tschitscherin:Ich bin nach Genua gekommen, nachdem ich bereits in Brest-LitowSk war, aber in Brest-Litowsk lagen wir zu Boden und hatte« keinerlei Mittel zum Kampfe mehr. Wir hatten das Messer an der Kehle, während es hier nicht so ist.«

e * ostutzlanv bleibt fest.

Genf, 28. Avril. (Telegraphische Meldung.) Die Russen in Genua erklären, der einzige Weg, zu einer Einigung zu kommen, fei die Strei -

chung aller gegenseitigen Forderun­gen, wie es im deutsch-russischen Vertrag ge­schehen sei. Militärische Abmachungen zwischen Deutschland und Rußland beständen nicht. Tschiffcherin sagte über seine Haltung: Rutz- land kapituliert nicht und wird nicht ka­pitulieren. Es wünscht die Versöhnung. Die ganze Polftik von heute, die darauf hinaus läuft, Rußland mit der Aussicht eines agressiven Vorgehens seitens der Großmächte in Schrecken zu jagen, wird zu nichts führen.

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Die Alliierten beschuldigen Rußland.

London, 28. April. (Eigene Drahtmeldung.) Reuter meldet aus G e n u a: Die Lage ist äugen- blicklich zweifellos sehr ernst. Die Verzöge- ruttfl der Beratungen der Konferenz ist auf die Halsstarrigkeit der Russen zurückzuführen. (?) Die Berufung der alliierten Ministerpräsi­denten nach Genua wird als letzter Versuch ange­sehen, trotz des russischen Widerstandes zu einem Erfolg der Konferenz zu kommen.

tim Europas Frieden.

Deutschland wird wieder ausgeschaltet. (Eigener Drahtberichl.

Genua, 28. April.

Der Einberufung einer Konferenz der Mächte, die den Versailler Vertrag unterzeichnet habe«, nach Genua ohne die Hinzuziehung Deutschlands haben alle Delegierten zuge­stimmt. Frankreich hat sich aber die Entscheidung noch Vorbehalten. Jedenfalls verlangt es die Einschränkung, daß die bisherigen Beschlüsse der Reparation--Kommission «nabge- ändert zu bleiben haben hinsichtlich der am 31. Mai eintretenden deutschen Zahlungsver- pflichtungen. Es ist möglich, daß an diesem Vor­behalt der Zusammentritt des Obersten Rates scheitert. DerTemps" hofft, daß die Konferenz der Alliierten in Genua mit einem neuen Diktat gegen Deutschland enden werde. Die Tagung der Signatar-Mächte des Versailler Ver­trages ist angeblich auf den 7. Mai angesetzt.

Stellungnahme der Deutschen.

Genua, 28. April. (Eigene Drahttneldung.> Wie es scheint, hat die deuffche Delegation bei der englischen Delegation um nähere Auskunft über die beabsichtigte Einberufung der Signatur- Mächte des Versailler Vettrages nachgesucht. Es heißt, die deutsche Delegation erörtere die Mög­lichkeit, öffentlich zu den Vorschlägen Lloyd Ge­orges Stellung zu nehmen.

Frankreichs Drohungen.

Dtäne für den Einmarsch nach Deutschland. (Privat-Telegramm.)

Frankfurt a. M., 28. April.

Die jetzt in Koblenz festgesetzte« Marsch- Pläne sollen in Kraft treten, falls es noch im Mai oder Anfang Juni zu Zwangsmaß­nahmen und im Zusammenhang damit zum Kriege gegen Deutschland kommen sollte. Vor­derste Marschziele sind zunächst für den nörd­lichen Flankenschutz die Gegend von Haldern an der Lippe, für die Hauptabteilung die Gegend von Hamm, für die Lahn-Abteilung die Ge­gend von Wetzlar und für die Main-Gruppe die Gegend von Hanau. Wenn die Deuffche» dem Einmarsch der Franzosen und Belgier be­waffneten Widerstand entgegensetzen sollten, würde weiter nach Osten vormarschiert werden und zwar im Norde n in Richtung auf Münster und im Süden auf den Thüringer Frankenwald.

Der deutsche Standpunkt.

Eine Erklärung Dr. Rathenaus.

(Eigener Drahtbericht.

Genua, 28. April.

Bor deutschen und ausländischen Journalisten hielt Außenminister Dr. Rathenau gestern eine Ansprache, in der er den Standpunkt der deutscheu Delegierten skizzierte. Er sagte u. a., es sei ihm mitgeteilt worden, daß die Ab­sicht bestehe, die Konferenz in den nächsten Tagen zu einer Vollsitzung zusammenzurnfen. Die wichtigsten Ergebnisse der Konferenz seien, daß man sich über eine Reihe von Klauseln über die wirtschaftlichen Grundsätze zu einigen ver­mochte. Er hoffe, daß die Verhandlungen zwi­schen den Alliierten und den Russen zu einem günstigen Ergebnisse gelangen werden. Wenn die Vorschläge Lloyd Georges zur Festigung des europäischen Friedens zustande kommen, werde dies den Beifall der ganzen Welt fin­den, Dr. Rath nau bemerkte schließlich, ein in einer französischen Zeitung erschienener und an- ge'-sich von ihm verfaßter Bericht über s-ine Tä­tigkeit in London und fficptia fei erfunden.

Handel und Preise.

Die Lage des Groß- und Kleinhandels.

Leber Angebot und Nachfrage im vorige» Monat, sowie Uber die Sn«wt«Nnng der Preise in Dentschland gibt der nach, stehende Bericht ein genaues Bildt

Der Monat März charakterisiert sich dadurch, daß die Markentwertung bisher nicht erlebte Fortschritte machte. Dies gilt mcht einmal so sehr für die Bewertung der Mark im Aus­lande (wenn auch der Dollarkurs am 15. März gegenüber dem Durchschnitt des Monats Februar um 38,4 v. H. gestiegen ist), als auch für die I u- tanb bewertung, die in zum Teil noch unge­heuerlicheren Preissprüngen in Erscheinung trat. Steigen und Fallen der Preise liegt nicht im­mer und allein auf der Warenseite, sondern hängt auch von anderen Faktoren ab, die auf der Geldseite zu ftiefen sind. Das Matz dieser Ein­wirkungen von der Geldseite tote von der Wa­renseite und den dadurch entstehenden Druck auf die gesamte Preislage festzustellen, ist

Aufgabe der Indexziffern,

sowohl der Groß- und Kleinhandels-, als auch der Lebenshaltungs-Indexziffern. Für die Fest­setzung des Markwertes im Auslande ist kein Judex nötig. Dort ist das deutsche Geld Ware und hat an den Hauptbörsenplätzen seine Wert- notterung, die in der täglichen Feststellung der Devisenkurse zum Ausdruck kommt, dem Autzenwert des Geldes, dessen Einwirkung auf den B i n n e n w e r t der Mark natürlich nicht gering ist, da Deutschland auf große Ein­fuhren aus dem Ausland angewiesen ist. Der Außenwert des Geldes wirkt in erster Linie auf den Großhandel, der unter dem Druck deS Außenhandels steht und von den Valutastößen ulmnittelbar und heftiger getroffen wird, wäh­rend sich diese auf die KleinhandelSprei- s e im allgemeinen erst später und nicht immer in demselben Grad auSwirken. Während der Binuenwett des Geldes sich bisher im großen ganzen der äußeren Geldentwertung, d. h. mehr oder weniger den Weltmarktpreisen angepaßt bat. machen wir bei Prüfung der Großhandels- Indexziffern im März die Erfahrung, daß die vorwiegend im Inland erzeugten Waren (Getreide, Lebensrnittel. Kohle, Eisen) um 29,2 v. H., die vorwiegend aus dem Ausland ein­geführten Waren dagegen nur um 21,7 v. H. ge. stiegen sind. Die st ä r k st e Bewegung

unter den Lebensrnitteln

hatten Getreide und Kartoffeln zu bet* zeichnen, die von 3773 im Vormonat auf 5135 (oder um 36,1 v. H.) emporschnellten. Deren Preise sowie diejenigen für V t e h und Fleisch haben das durch die Geldentwerlnng angezeigte Maß überschritten. An den Preissteigerungen haben fast ausnahmslos alle Lebensmittel teilge- nommsn. Nur einige Gemüsesorten, Schellfische und Eier konnten sich in einer Reihe von Ge­meinden etwas verbilligen, während Brot, Fleisch und Fette allenthalben ganz beson­ders im Preise anzogen. Nach Ermittelungen des Statistischen Reichsamtes betrug die Reichs­indexziffer für den Durchschnitt des Monats März für die Ernährungskosten 3152 gegenüber 2727 im Februar dieses Jahres, mithin eine Steigerung von 15,6 v. H., gegenüber dem Monat März vorigen Jahres aber eine solche von mehr als 165 v. H. des damaligen Standes. Gegenüber Februar 1922 sind die Lebenshal­tungskosten um 15,7, gegenüber Januar 1922 um 40,4, gegenüber März 1921 um 155,5 v. H. ge- liegen. Weit mehr als die Ernährungs- und onstigen Kosten der Lebenshaltung haben bi« Ausgaben für

Heizung und Beleuchtung

im Durchschnitt deS Monats März gegenübet dem Vormonat zugenommen. Die auf den Stich­tag des 15. März berechnete Großhandelsindex- ziffer stand auf 5229: dies bedeutet gegen den Vormonat (4103) eine Steigerung von 27,4 v. H., gegen don Monat März 1921 (1300) eine solche um rund vierhundert Prozent. Die Ursachen dieser Preisbewegung liegen, soweit nicht künst­liche Preistteibereien das Uebel vermehren, beim Brotpreis in der Forderung der Entente auf Beseittgung der vorn Reich bis­her gewährten Zuschüsse, im übrigen in allgemein volkswirffchaftlichen Gründen, in der Zerrüt­tung der deuffchen Währung als Folge der laufenden Reparationslei st ungen un* ihrer Rückwirkung auf den Jnlandsmarkt.

Krise im Fernen Osten.

Russisch-japanische Spannung.

Während der offizielle Vertreter der japoni» chen Regieruitg auf der Washingtoner Ksnf> renz, Baron Schidehara, bei der Eröffnung der Tagung die beruhigendsten Erklärungen M» beabsichtigte Räumung Sibiriens durch Japan abgab, kommen in >Her Zeit fast täglich neue Rach-ichten über eine zunehmende Regsamtett