Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 95
Sonntag, 23. April 1922.
Fernsprecher 951 und 952
Fernsprecher 951 und 952
12. Jahrgang
Französische Mne gegen Deutschland
dürsti« gezimmertes StaatSschffflein zwischen beit Fortgang der russisch-deutschen Verhandlung Scilla und CharMus geraten konnte. Unseren verständigt gewesen ist, ohne daß sie den Inhalt
Eingriff in die durch den B-rsawer Ber- ÖL« ®
die Drähte besetzt, obwohl die Lire fünfzehn Mark gilt. Ein solches Gespräch kostet viele Tausende. Vorher hallen sie Kricgsrat Wer ihr gemeinsames Auftreten. Das tun all« Nationen, hecht es: die öffentlichen Meinungen sollen sich zu den üblichen Klumpen ballen, ein jedes Volk soll in allen seinen Zeitungen genau über dieselben Dinge sich entrüsten lassen und denselben Forderungen begeistert zujauchzen. So war es im Kriege und so soll es auch hier bleiben, wo sie den Frieden machen wollen, den zweiten Frieden, beim der erste in Paris scheint doch nicht der richtige ,u sein. *" " ..... *" ' sationen, di« Italien
London, 22. April. (Eigene Drahtmel- dung.) Rach der „Affociated Preß" erklärt man in gut informierten amerikanisNjen Kreisen, daß der deutsch-russische Vertrag für die Union- Staaten keine Bedeutung habe, und die Regierung werde gegen de« Vertrag von Rapallo keinerlei Protest erheben. Im Meiste«
trag gewährleisteten Rechte bedeutet, und daß es auch auf Europa mir eine rein psychologische Wirkung auszuüben vermöge.
dieser Besprechungen an die italienische und englische Regierung weitergeleitet hat.
„______, ttt man, aß! man von
zweihundert Millionen Kosten gelesen hatte, aber hier beginnt man die Ziffer zu verstehen.
Stoeifel am Erfolg« flm die deutsche Arbeit in Rußland. (Eigene Drahtmeldung.)
Genua, 22. April.
.Wie gestern schon augrkündigt, tritt heute die politische Kommission zusammen, ohne Beisein der deutschen Vertreter. Tas Memorandum, ebenso wie die Rote wird einer Unterkommission zum Studium überwiesen, die zur Zeit gebildet wird. Barthou hat dieser Kommission die Mitteilung mtt auf den Weg gegeben, daß für Frank- reich dte Anerkennung der russischen Schulden kein Grund für die Anerkennung der Sowjet- Regierung zu sei« braucht. Tschitscherin protc stiert gegen diese Auffassung mtt dem Hinweis darauf, daß der französische Kammerbefchinß ein unmittelbares Gesetz bildet und daß die heutige Auffassung Barchons sich aus diesem Gesetz nicht herausheben lasse. Die Franzosen versichern, Lloyd George stehe aus dem russischen Standpunkt.
Verhaftungen in Genua.
Russische Monarchisten mit falschen Paffem
(Eigene Drahttneldung.)
Genua, 22. April.
Frankreichs Kampfstellung
Der Generalstab macht Pläne.
(Eigener Drahlbericht.)
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Genua.
Der veränderte KurS.
die ganze Riviera von Genua entlang; fünfzig Kilometer und mehr. Wie soll man da alle fragen können? Wie die Wichtigkeiten und Weisheiten zu Papier bringen? Sonderbare Menschen doch diese Korrespondenten, die sich hier wie noch nie in Menge« zusammengefunden haben! Alte Bekannte finden sich; sie haben sich nicht mehr gesehen, seitdem sie hinter irgend ei. nem Heer herliefen und für die Güte einer Armee und Kriegführung Reklame zu machen
Genua, 22. April.
Gegenüber den Befürchtungen der Alliierten, Deutschland könnte durch den Vertrag mit Rußland eine Dtonopolstellung zur Ausbeutung Rußlands erhalten. weist der italienische Volks- Wirtschaftler Attilio Gabiati darauf hin, daß diese Furcht, wenigstens vorläufig, nicht begründet sei. Selbst bei angestrengtester Tättgkeit in weitgehendstem (Engagement vermöchte Deutschland auf Jahre hinaus in dem verarmten Rußland kaum mehr als eine Primitive Industrie- und Finanzbasis zu schaffen. Die Anlegung der zu einer eigentlichen wirtschaftlichen Eroberung unermeßlichen Kapitalien müßte den Ländern mtt einer vollwertigen Valuta überlaffen bleibe«.
* * *
Steine Bedeutung für Amerika.
Die Vreffe in Genua.
Die Journalisten in Tätigkeit.
Ein Bild von ber Außenseite ber Genueser Konferenz, von be« Pressevertretern, die die Berichte in alle Welt fenben, ist in der nachstehenbe« Schilderung enthalten. Mr die Journalisten, die von der Preffe der ganzen Welt nach Genua entsandt worden sind, sind von der italienischen Regierung umfangreiche Einrichtungen zur Beherbergung und Berichterstattung getroffen worden. In der Baseler Nationalzeitung gibt Dr. Ludwig Bauer einen interessanten Bericht über das L e b e n und Treiben im Genueser Pressehaus. Er schreibt; In der Casa della Stampa, in dem Albergo dei Giornalisti ergießen sich wahre Ströme von Journalisten, immer neue Bäche münden da, alle Sprachen erklingen, merkwürdig oft das Deutsche. Woher nur so viele Deutsche kommen mögen? Sie halten
Eine gewisse Nervosität wurde in diese« Tagen dadurch hervorgerufen, daß die Genueser Polizei glaubte, ein Komplott gegen die russische Delegation aufgedeckt und vereitelt zu haben. Die verdächtigen Russen, die meist aus Paris gekommen find und die am Bahnhof in Emp- ang genommen und wieder abgeschvben wurden, hatte« sich j« Hotels zweite« und dritten Ranges als Kaufleute unter deuffchem Namen eingetragen und besaßen Pässe, die angeblich vöm Berliner Poitteiurastbemen ausgestellt waren und sich als gefälscht herausstrMen. Bis jetzt wurden zwölf Männer und vier Frauen, unter ihnen bekannte rusfische Monarchisten, verhaftet.
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Eine Verschwörung?
Genua, 22. April. (Eigene DmhtmeKmng.) Me wir erfahren, befindet sich unter den sechzehn russischen Gegenrevolutionären die hier verhaftet worden sind, wett ste angeblich einen Anschlag gegen die russische Delegation planten, auch der bekannte Weißgardist Sawinko. Die Polizei bemüht sich, die Tettnahme Sawin- kvs an dem ansebliche« Komvlott aufzuklärcn.
Amerika bleibt fern.
London, 22. April. (Eigene Drcchtmel- dung.s Der amerikanische Korrespondent der „Daily Mail" berichtet, daß man sich in den Bereinigten Staaten allgemein beglückwünscht, daß Amerika an der Genua-Konferenz nicht teilnimmt.. Trotz aller optimistischen Nachrichten aus Europa glaubt man dort immer noch nicht, daß es gelingen werde, die wirtschaftliche Lage Europas in irgend einer Weise zu ändern. Andererseits müsse man die Tatsache feststellen, daß durch die Handlitngsweise Barthous sich die Stellung Frankreichs in der öffentlichen Meinung Amerikas erheblich geändert habe.
flm die russischen Schulden.
Fraukreith und die Sowjetregieruug.
«fciaenet Drohtbettcht.)
Rach der deutschen Antwort.
Hoffnung aus ungestörten Fortgaug.
(Eigener Drohtbericht_f
Genua, 22. April.
Dw deutsche Antwortnote hat in Kreisen der Alliierten, mtt Ausnahme der franzöfischen Delegation, einen guten Eindruck gemacht und die Hoffnung ist berechtigt, daß die Arbeiten der Konferenz wieder einen ungestörten Fortgang nehmen. Der italienische Minister des Äwswxrtigen, Schanzer, hat die Form der deutschen Rote dankbar anerkannt. Sie stellt sich als ei« Schutz zur Erhattung der Konferenz in einem Augenblicke dar, wo die Acußerungen des fran- zösifchen Ministerpräfidenten Poincarö beweisen, daß jedes andere Form« für die Erörterung der Frage des Wiederaufbaues von Europa ungünstiger wäre als das von Genua. Es müßte also Deutschland nicht nur an dem Fortbestehen der Konferenz, sonder« auch an einer ungefürten Atmosphäre der Kollegialttät sehr gelegen sein. Die sehr versöhnliche Rote wird dies erreichen, ohne daß eine Zurückziehung des deutsch-rusfischen Vertrages erfolgt, und ohne daß dieser Vertrag vo« Rapallo der Konferenz von Genua zur weiteren Erörterung vorgelegt wird.
Paris, 22. April.
Der diplomatische Mitarbeiter der „Cablo- gramm-Agentur" teilt mit: Die französische Regierung hat eine wichtige Euffcheidung getroffen, deren Tragweite man nicht übertreiben und deren Sinn man nicht entstellen darf. Poin- c a r e e will den deutsch-russischen Vertrag mit Gewaltmitteln zerstören. Er wird zwei Dtnge versuchen: 1. Die Unterschrift des französisch-englischen Garantievertrages mit Garantien für die Ostgrenze und 2. Einberufung des Oberen Rates. Falls die Alliierte« den stan- ^Nschen Standpunkt hinsichtlich der deuffch-rus- sischen Gefahr nicht teilen sollten, würde Frank- reich die notwendigen Handlungen allein aus- ftchren. Diese Euffcheidung wurde durch eine tn Paris eingetroffene Meldung veranlaßt, daß die deutsche Kavallerie an der Grenze des »olui- schcn Korridors aufmarschiert sei. Der französische Generalstab hat sich an die Ar- “nbJ,Ot bereits einen Plan für einen militärischen Aufmarsch fertig. Die Lage Frawkeichs wird noch dadurch kompliziert, daß zwischen Barthou und Poincaree in der Frage j bes deutsch-russischen Vertrages ein Konflikt im Kabinett ausgebrochen ist. ,
Sine französische vrotestnote.
hatten. Die Beiden da begegneten sich zum letztenmal in den Tagen der versuchten Dardanellenforcierung, wo sie in Konstantinopel Hymnen dichteten und die anderen in der Champagne. Wer die Gesetze ihres Mefiers führen sie wieder zusanmten, Hände werden geschüttelt; Gerüchte umhergetragen; sie tauschen sie aus wie Schuljungen ihre Marken. Was anderen Weltgeschichte scheint, ist ihnen Meldung, Nachricht. Erwerb, den besten wohl auch Leidenschaft. Da lausen sie von Delegatton zu Delegation und lassen sich Berichte geben. Ei« Ereignis diese Konferenz von Genua? Vielleicht, wahrfchein- lich; man wird es erst viel später wissen, wenn ihr Früchte sich zeigen. Aber dann wird von den Journalisten hier keiner mehr an sie Lenken. Dann werden sie und mit ihr die anderen Menschen hinter anderen Dingen her sein. — Dem Beispiele Lloyd Georges folgend, hat am Freitag vormittag in Genua der Reichsminister des Mentzern, Dr. Rathenau, um 11 Uhr die gesamte in Genua vertretene Presse tot Hotel
ausgesprochenen Gegnern gegenüber stehen die Neutralen, die das deuffch-russische Vorgehen als berechtigt ansehen. Daneben ist es bezeichnend, daß Rußlands füdfiche Nachbarländer, selbst auch Neutrale, den Russen angeboten haben, ähnliche Vertrüge abzuschließen. Erwägt man das Für und Wider der neu entstandenen Verhältnisse, so ergibt sich jedenfalls eine Stärkung unserer Lage, die uns bei den Verhandlungen in Genua sehr dienlich sein kann, wenn sie geschickt ausgenützt wird. K. F. Di.
Ein Riesenpalast mit einem
System von Bienenzellen fürs Telephon.
Neue Linien und Apparate. In wenigen Minuten spricht man mit Berlin und Paris und die Stimme klingt dank den Verstärkern läutet als in Wirklichkeit. Alles in Licht getaucht. Telephonistinnen und Boys, die alle Sprachen sprechen, und fortwährend diensteifriges Getue. Was wird bloß später mtt diesen sunkelnagel. neuen Kappen mtt der Aufschrift ,Casa della Stampeff werden? Werden sie in einem Museum oder beim Trödler enden. Fetzt drängt und stößt sich hier alles: Legitimationskarten werden ansgegeben. Es ist dafür gesorgt, daß man sich möglichst viel und lange anzustellen hat- Die Beamte« sind von bestrickender Liebenswürdigkeit, aber der ganze Tag vergeht doch tat aufreibenden Kampf um irgendeinen Wisch, den man in Kürze bestimmt nicht brauchen wird, und es gibt noch andere Anmeldungen, künM- che Engpässe werden geschaffen. Das neue Rie- senhotel mit der sonderbaren und wohl einmaligen Bezeichnung „Albergo dei Gionali- stff war wohl erst als Sanatorium oder Spital gedacht, jedenfalls nicht als Hotel. Riesenzimmer, in denen ein lächerlich schmales Bett und ein Keiner Schrank sich ganz verlassen ausnehmen; eine armselige elektrische Lampe blinzelt durch jeden Schlafsaal. Die Einrichtung eiligst msammengeborgt, winzige Waschbecken und tte- ige Eimer; keine Stühle und Ottomanen, alles eben herbeigerasft von da und dort, und es geht; steilich nicht immer zum Besten. Die Journali. ften jammern. Ihr Hotel ist am Rande der wetten Stadt, und trotz des Autos frißt es ihnen zuviel ihrer Zeit! Und die
Delegationen sind überall verstreut,
Genua, W. April. (Eigene Drahtmeldung.) Gestern nachmittag wurden Gerüchte verbreitet über eine starke Opposition von stanzöfischrr Zs'te gegen eine gütliche Beilegung des Zwi-
?rund der deutschen Rote. Diese Gerüchte verstärken fich jetzt zur bestimmten Nachricht. Bariho« hat eine Note in Borberei- tanfl. tue sich gegen die deutsche Note wendet und wahrscheinlich an das Präfidinm der ^Äerenz gerichtet fein wird. Aufmerlsamkeitf zieht auch die Erkrankung des französische« Delegierten Colrat auf sich. Colrat ist das Mit- glied einer Gruppe, die Poincaree nahrsteht.
''ber eine Ministerkrise verstärkt die Wchffchemlichkett, M: Poincaree durch einen »Ät inH ^,ua H Ncie" die Nationalisten will- die noch weiter rechts stehen als er bisher.
Sin Sünden Dock.
Genua, 22. April. (Eigene Drahtmeldung.) Ter Generalsekretär der italienischen Abordnung. Giannini, wird von dem italienischen Außenminister Schanzer vor einen Disziplinar- r«i gestellt werden, denn man glaubt in ihm die Persönlichkeit zu sehen, die von Rathenau über
Durch die deutsch-russische Osiek-lieber- Affchung ist die große Konferenz in Genua stark in Verwirrung geraten. Die führenden Entente- Vertreter, deren Absicht es war, ihren Ländern bei der europäischen Wirffchasts-Regelung möglichst große Vorteile für lange Zeit hinaus zu sichern, stehen mit einem Male vor völlig neuen Aufgaben. Das Programm ist verschoben, der Kurs geändert. Anstatt die Beratungen nach ihren eigenen Wünschen zu lenken, sind fw jetzt gezwungen, sich tagelang mit dem neuen deutsch-russischen Problem zu beschäftigen, das wahrscheinlich dem ganzen Verlauf der Konferenz eine andere Richtung geben wird. Der Mischen Deutschland und Rußland abgeschlossene Vertrag bleibt bestehen! Man atmet erleichtert auf. Angesichts der zunächst feindseligen Haltung der Alliierten, die das unerhörte Verlangen stellten, daß die deuffche Abordnung den Vettrag rückgängig machen sollte, tauchte die Besorgnis auf, ob die deuffche« Vertteter fest bleiben würden. Wer die Zweifel waren = mal glücklicherweise unbegründet. Die deutsche Antwort weist das gegnerische Verlangen entschlossen und sachlich zurück. Das ist der einzig richtige Weg, den Dcuffchland gehen kann und gehen muß. Der neue Vertrag ist feit Bestehen der Republik der erste Trumpf, den wir in die Hand bekamen, und es war notwendig, daß wir ihn ausspielten. Dazu hatten wir um- so mehr Anlaß, als die russischen Vertteter lich rn voller Uedereinftimmung mit den Deutschen befinden. Warum richtete fich denn der Kampf gegen die deuffche Abordnung und nicht gegen die russische? Wett die Alliierten glaubten, die Denffchen wie bisher einschüchtern zu könne«. Aber die einmütige Haltung der Deutschen und Russen befestigte unsere Lage.
Es ist nicht recht verständlich, daß der Berliner »Vorwärts' ängstlich schreibt, wir hätten den Vettrag zwar abschließen, aber noch geheim halten können. Gerade dieses Blatt wußte baa. sonst so viel gegen Geheimdiplomatte zu schreiben. In diesem Falle wäre Geheimhaltung ein schwerer Fehler gewesen, denn nur dadurch können wir der Entente gegenüber Ei n d r n ck machen, daß wir endlich einmal ein Plus aufzuweisen haben. Schon der bisherige Erfolg bestätigt diese Auffassung. Rach einigen Tagen hysterischer Entrüstung ist das Geschr-i der Alliierten fast verstummt, und sie finden sic? mtt den gegebenen Taffachen ab. Jetzt müssen sie sich, so bitter es ihnen auch sein mag, darauf umstellen, daß sie in ihren Plänen mit einer neuen wirtschaftlichen G.rötze zu rechnen haben, die auch politisch von gewisser Bedeutung ist. Wenn in deutschytattonalen Mattern der Erfolg zu verkleinern verfracht wird, so ist das augenscheinlich ans Partei - Polittk zu- ttickzrfführen. Demgegenüber ist bemerkenswer:, daß alle Parteien von der Deutschen Volkspartei bis zu den beiden Gruppen der Sozialdemokraten den Vertrag willkommen heißen als efften Schritt znm wirklichen Wiederaufbau Europas, sowie als ein Gegengewicht, das wir uns der Entente gegenüber geschaffen haben.
Man betrachte nun eimal die Haltungder Alliierten. Da fallt es zunächst günstig auf, baß England sehr schnell die Besonnenheit wiedergefunden hat. Im Grunde genommen deckt sich ja das Äbkommen mit der angekündigten Polittk Lloyd Georges, die allgemeine Wirffchastslage zu bessern. Rur daß ihm durch das gesonderte deutsch-russische Vorgehen die Zügel entglitten sind, widerspttchi feinen Plänen. Wer der Engländer ist in erster Linie Kaufmann, und er wird veffuchen, gemeinsam mit unserem Abkommen noch das Beste Nr sich herauszuholen. Dachin geht bereits sein Vorschlag, den deuffch-rufsischen Vettrag in allgemeine europäische Abmachungen einzugliedern, i^eßt heißt es für die deutsche Delegation auf der Hut sein, damit unsere soechen errungenen Vorteile gesichett bleiben. Wie Lloyd George die neue Lage auffaßt, geht aus einer Aeußerung hervor, rn der er für eine ruhige Weiterentwich
Antritt und sich gegen die übereilte frcm- zomwe Politik wendet, die alles über den Haufen werfen möchte.
Frankreich ist natürlich in einem Gefühl von Aerger und Angst noch sehr erbost. Auf Umwegen wird in verbissener Wut gegen Deutschland gearbeitet. PoincarS versucht Einfluß ans die alliierte Reparatioirskom- nnfftou au&uiüiben, die um jeden Preis ans dem deutsch-russischen Abkommen eine Verletzung des Versailler Verttages herauslesen soll, um auf irgendeine Art eine Handhabe zn Gegenmaßnahmen ,u gewinnen. Das Jnttiguenspiel wird diesmal nicht so leicht fein wie sonst, denn man bat es nicht mit Deutschland allein, son- < bem auch mit Rußland zu tun. Mtt den i Franzosen stoßen nur noch die Polen ins i aleiche Horn, die auf einmal ahnen, doch ihr not-