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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 94.

Fernsprecher 951 und 952

Sonnabend, 22. April 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Die deutsche Delegation bleibt fest.

Qualitäts-Arbeit.

Die Stärke der deutsche« Industrie.

Von

Alfred Manns.

Im Jahre 1919 und z u Au fang IWO begeg­nete man vielfach dem Bestreben derAusfuhr um jeden Preis- und zwar erstreckte sich damals die Ausfuhr nicht nur auf Fertigfabrikate, son­dern auch auf Halbzeug, ja, sogar Rohstoffe. Das geschah teils aus Gewissenlosigkeit, teils aus Verkennung der elementarsten Gesetze der Nationalwirtschaft. Nachdem diese Art wilder Ausfuhr bedeutenden Schaden angerichtet hatte, kamen die Exporteure aus Handel und Industrie fast überall zur Besinnung, aber nun warf sich tue Frage auf, welches die rationellste Methode seidurch Arbeit den Export zu echvhen-. Hier erkannte man bald zwei vollkommen verschiedene Dioglichreiten zum Ziel zu gelangen. Nun muß allerdings gesagt werden, daß die vollkommene Gegensätzlichkeit erst in den äußersten Konse­quenzen liegt und daß es andererseits Grenzge­biet gibt, wo die Gegensätze sich verwischen bezw. herüber- und hinüberlaufen. Die erstgenannte Gruppe schafft unter den zu Schlagwörtern ge­wordenen BegriffenNormalisierung und Typi­sierung-, das Leitmotiv der alten Richtung ist Qualitätsarbeit-,

Die Normalisierung und Typi­sierung kemmt in Reinkultur aus Ame­rika zu uns herüber. Ihr mächtigster Anhän­ger ist der Autokönig Henry Ford. Es ist nun zu untersuchen, ob und in welcher Form diese Methode für Deutschland paßt. Die äußerste Konsequenz hat zum Merkmal die Massen- produltion. Wenn man sich erinnert, wie der industrielle Aufschwung Deutschlands nach dem Kriege 1870*71 seinen Anfang nahm, so muß man bekennen, daß dieser Anfang, der bil­lige und nicht immer in ihrer Art gute, sc* schweige denn beste Waren, auf den Auslands­markt brachte, dem deutschen Ansehen nicht über­all zum Vorteil gereichte. Ramschwaren um es kraß zu sagen paffen nicht zum deutschen Wcsenskern. Es konnte also nicht ausbleibcn, , daß unsere Industrie sich schnell ans sich' selbst besann und zwar so rapide, daß die Abwehr- markemade in Germanh- zum Ehrentitel wurde. Es sei hier nur an die verblüfften Ge­sichter der Engländer erinnert, als das damals prächtigste Schiff der Welt, der Lloydda-mpfer Kaiser Wilhelm der Große- mit einem riesigen Plakatmade in Gcrmany- in Southampton einfuhr. Untersucht man objektiv den Wert der mit der Massenfabrikation verbundenen Norma­lisierung, so kann man nicht zu einer glatten Ver­urteilung gelangen. Manche Halbfabrikate, wie Schrauben und gewisse Armaturen, gibt ez auch heute noch bei uns in einer so ungeheuren Viel­fältigkeit, die unbedingt verteuernd und er­schwerend für die Herstellung des Endfaürikates wirken muß. Auf diesem Gebiete sind für die gesamte nationale Industrie bis zu einem gewis­sen Grade Einheitsthpen durchführbar und auch anznstreben.

Mit den genannten und ähnlichen Fabrikaten ist aber gleichzeitig die Grenze erreicht, über die hinauSzugehen weder den deutschen Ver­hältnissen noch der deutschen Eigenart ent­spricht, denn man gerät hier ins ameri­kanische. Es ist aber ein sehr großer Feh> r, zu übersehen, daß für uns noch lange nicht paßt, was sich in Amerika scheinbar bewährt hat. Eine Massenfabrikation nach Einheitsmustern kann als Nutzfaktor nur bei Rohstoffen und Halbzeug, zum Beispiel Nieten, Draht, Blech, gewertet werden, für die Fertigfabrikation bedeutet sie trotz aller äußeren Erfolge niemals einen Fort­schritt. Eine Massenherstellung von Maschinen und Feinmechanik nach ein und demselben Modell wird stets in gewisser Beziehung ein Hohn fein auf die organische Entwicklung, denn'sie gebietet Stillstand und degradiert zur toten Materie, was der lebendige Geist ersann und was er weiter­bauen wollte. Aber auch die werktätige Intelli­genz, die bislang in Deutschltnd selbst der ein­fache Arbeiter für sich in Anspruch nehmen durste, wird durch die sogenanntezweckmäßige Arbeitsteilung bis zu ihrer äußersten Möglich­keit-, vernichtet.

Ein anderer Grund gegen die mechanffche Durchführung der Typisierung ist die zwangs­läufige Vergewaltigung der Selbstbrsummung der Ä b n e h m e r. Ein Fortmodell zum Bei­spiel wird überall dort, wo es durch ungeheure RKlame den Markt erobert hat, geraume Zeit dominieren; die besonderen Wünsch der Konsu­menten 4berben von diesen selbst scheinbar frei­willig durch das Moment der Billigest ausge- schaliet. Auch hier gehen der Technik die un­schätzbaren Werte verloren, die sich aus dem ständigen Meinungsaustausch zwischen dem gabrikanten und dem Käufer über die Avbeits- istungen und eventuellen Mängel des betriebs- tätigcn Apparates ergeben. So logisch und ver­nünftig auch die volle AuSwert""" ame-:, kanifchen Systems und der Typistevung tu» m

Dir Lleberrrichung der Note.

(Sine russische Note

Standortmaschinen verlegen.

Richt unserer Volkswirtschaft und nicht un­serem Ruf können wir nützen, wenn wir den Weltmarkt mit unseren Massenfabrikaten über­schwemmen, wohingegen die deutsche Qua­litätsarbeit immer und stets begehrt sein wird. Je sorgiWtiger ein deutsches Er­zeugnis durchdacht und ausgeführt wird, um so sicherer ist ihm der Enderfolg. Die Industrien, die sich darauf einstellen, haben sich zum Teil so» gar gegen die Konkurrenz der Amerikaner in deren eigenem Lande durchzufetzen vermocht. Wir dürfen uns nickt eigensinnig dem Nützlichen verschließen, und müssen ernstlich prüfen, was zu normalisieren uns dienlich ist, aber im übrigen wollen wir unsere Eigenart bewähren, deren Hauptmerkmal zielstrebige geistige Regsamkeit ist, die von keinem Stillstand weiß und dauernd an ihrer Weiterentwicklung arbeitet.

Entspannung in der Konferenz.

Genf, 21. April. (Eigene Drahtmeldung.) Sämtliche Zeitungen stellen heute auf Grund der Bcrickste ihrer Sonderkorrespondenten aus G e - tue fest, daß eine Beruhigung und eine Ent- pannung dort eingetreten ist und kein Ab­

bruch der Konferenz zu befürchten sei.

vor der Veröffentlichung in Genua, zur Kennt­nis genommen und an demselben Tage noch ein- sttmmig seine Genehmigung ausgesprochen.

Berlin, 21. April. (Privattelegramm.) Der Zwischenfall, der mit dem deutsch-russischen Vertrag, nicht durch ihn, heraufbcschworen war, ist aus der Welt geschafft. Die Ueber- reichung der deutschen Antwortnote wird nur die Bedeutung einer Formalirät haben, denn der wichtigste Inhalt ist den Alliier­ten bereits feit gestern nachmittag bekannt und mich der endgültige Text wurde schon in der gestrigen Sitzung bekanntgegeben.

Die deutsche Antwort.

Dee deutsch-rusfische Vertrag bleibt.

(Eigener Drahtbertcht.)

Genua, 21. April.

die deptsche Antwortnote an die Alliier­ten hat die deutsche Delegation folgende Richt­linien feftgelegt: 1. Die Beschuldigung einer illoyalen und unaufrichtigen Handlungs­weise wird unter genauer Darlegung der Vor­gänge, die zum Vertragsabschluß führten, zu­rückgewiesen; 2. auch die unkorrekte Art der Alliierten, durch die der Ausschluß der Deutschen von der politischen Unterkommission für die Dauer der russischen Verhandlungen durch eine unzuständige Vereinigung von Mach, ten zustandgekommen ist, wird tadelnd her­vorgehoben; und 3. wird mitgeteilt, daß wir nach Abschluß des Vertrages mit Rußland an ihm einfach stillschweigend festhalten, ihn aber niemals der Diskussion der Konferenz entziehen wollten das beweist! ja auch schon die sofor­tige Veröffentlichung aber an den weiteren Einigungsverhandlungen der Alliierten mit den Russen nicht mehr interessiert sind, weil wir uns ja bereits mit ihnen geeinigt ha­ben. Die Aufführung dieses Punktes ist durch eine vorliegende französische Erklärung bestimmt worden, daß die Franzosen die Kommission ver­lassen würden, falls die Deutschen zu den russi- schen Verhandlungen wieder erscheinen sollten.

Fortschreitende Beruhigung

Besprechungen zur Verständigung.

(Brivat-Telearamm.)

Der Vertrag mit Rußland

Zustimmung in Regierungskreisen.

(Eigener Drahtbericht.1

Hannover, 21. April.

Weitere deutsche Mitarbeit.

Am russische Zukunftsfragen.

(Eigener Drahtbertcht.)

Genua, 21. April.

Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, erklärten die deutschen Delegierten noch folgen­des: Deutschlanv überläßt es den Alliierten, ohne Deutschlands Zutun die Verhandlungen mit Rußland weiterzuführen und die Fragen zu regeln die im deutsch-russischen Vertrage geklärt worden sind. Bei jeder russischen Frage aber, die darüber Hinausgeht, besonderss aber in russischen Zukunftssragen, wird Deutschland nach wie vor in den Kommis­sionen Mitarbeiten. Die Regelung dieser Frage ist mit den Alliierten besprochen, feie Eini­gung also gesichert. Damit haben die A l l i i e r- t e n aus die vorgestern noch verlangte Annullie­rung oder Vorlage des Vertrages zur Genehmi­gung, oder Beseitigung unseres Vertrages durch Deutschland selbst, Verziüft geleistet.

Antwort an die Entente-Sachverständigen. (Eigener Drahtbericht).

London, 21. April.

Nach russischen Mitteilungen beantwor­tet die russische Rote die einzelnen Punkte des Londoner Memorandums in drei Gruppen. Die erste betrifft die Berantwortlich- keitsfrage. Die Forderungen der Alliier­ten, die in den Bestimmungen der Londoner Sachverständigen zum Ausdruck kommen, sind « n e r f ü l l b a r, da das russische Volk und so­mit Rußland selbst die geforderten Summen nicht zahlen kann. Rußland kann auch für die Schäden, die fremden Staatsbürgern aus den Sozialisierungen erwachsen sind, keine Ent­schädigungen zahlen. Rußland bietet eine gegenseitige Annullierung der For­derungen an und verlangt von den reichen Staaten Anleihen. Tie zweite Gruppe beant­wortet die juristischen Punkte. Die Einmi­schung fremder Staaten in die russischen An­gelegenheiten kann von der russischen Regierung nicht geduldet werden. Die anderen Punkte der Sachverständigenbestimmungen werden mit Voraussetzung der Gegenseitigkeit angenommen.

die letzten Konsequenzen zu sein scheint, auf die russischen Vertrag bereits am 16. April, also Dauer ist es für uns Deutsche nicht einmal Wirt- - ~

sch östlich, denn es verflacht das technische Stre­ben nach Vollendung, es wird uns letzten Endes die Gunst des Auslandes verscherzen, das sich daran gewöhnt hat, in der deutschen Ma­schine ein bis ins fein ft e durchdachtes und für das besondere Bedürfnis zu- geschnittene Fabrikat zu erblicken. Zu­dem liegt die amerikanische Methode weder dem deutschen Vollscharatter noch der deutschen Psyche, nock» ist das Ausland um deutsche

Einigkeit der deutschen Abordnung.

Genua, 21. April. (Eigene Drahtmeldung.) Innerhalb der deutschen Delegation in Genua besteht völlige Einigkeit. Es kann von irgend welchen Unstimmigkeiten keine Rede sein. Es besteht weder zwischen dem Reichskanzler Wirth und Minister Rathenau, noch irgend wel­chen anwesenden Mitgliedern der Delegation irgend eine Unstimmigkeit. Die Verhandlungen gehen weiter. Auch mit den Russen be­steht völlige Einstimmigkeit darüber, daß eine Zurücknahme des Vertrages nicht in Frage kommt. Die Stiminung innerhalb der deut­schen Delegation ist gut, ja man kann sie sogar als hoffnungsvoll bezeichnen.

Wädmngs-Vwblem.

DieStabilisterurrg" der Wechselkurse.

Die Finanzve»wirru::g in allen Staaten ha« de» Wunsch ouftommen taffen, «in festes Kursverhälrnis zwischen den Ländern zn schaffen. Sem stehe» aber grundlegend« Schwierigkeiten entgegen, worüber in dem nachstehenden Aufsatz Einige« gesagt wird. In der englischen Presse wird mit leicht be­greiflichem Elfer seit einiger Zeit eine neue ökonomische Zauberformel- erörtert, die wie so manche schon der aus den Fugen gegange­nen Weltwirtschaft wieder auf die Beine helfen soll. Sie heißt:Die Stabilisierung der Wech- selkurse-. Dem jeden geregelten Handelsverkehr zwischen den einzelnen Nationen außerordentlich hemmenden, ewigen und gänzlj<h unbere­chenbaren Auf und Ab des gegenseittgen Geld­wertes möchte man ein Gude machen, wieder ein Tausch- und Zahlmittel schaffen, dessen Be­ständigkeit und allgemeine Anerkennung in je­dem Lande zu jeder Zeit eine Kalkulation des Warenein- und -Verkaufes über und inner­halb der Landesgrenzen ermöglicht. DaS ist bekanntlich heute in den meisten Staaten nicht der Fall. Nehmen wir nun als Beispiel das Wertverhältnis von Mark und Dollar. Vor dem großen Wirtschafts-EhaoS, d. h. vor dem Weltkriege war mit geringen Schwankungen nach oben und unten 1 Dollar gleich 4,20 Mark wert. Der deutsche Importeur amerikanischer Waren konnte auf den Pfennig genau und sicher die Frage beantworten, was ihn an allen Unkosten die fremde Ware kosten würde, und zu welchem Preise er sie mit Nutzen an deutsche Käufer abfetzen könne. Das Wertverhältnis stand fest, es galt heute wie morgen, wie in zehn Jahren. Der Krieg hat das alles von Grund auf geändert. Die Goldmark geriet ins Rutschen, aus ihr wurde die Pcchiermark und wie sich das Verhältnis von Pajüer zu Gold im Jnlande einschneidend und schmerzlich fühlbar änderte, so auch das Wertverhältni- von Pa- piermark zu fremdem Gelde. Gerade die letzten Wochen haben uns unerhörte

Verschiebungen und Schwankungen dieses Wertverhältnisses gebracht, statt 4,20 Mk. alten Stils mußten wir 300, 345, 330. 319, 304 usw. Mark für ein Dollar bezahlen! WaS hier am Dollar geschieht, widerfahrt auch dem engli­schen Pfund, dem Schweizer Franken, der schwedischen Krone usw. Kein Kaufmann weiß, was er morgen für die gleiche ausländi­sche Ware bezahlen soll. Das lahmt natür­lich Handel und Wandel in ständig wachsendem Maße. Niemand getraut sich recht zu kaufen, niemand zu verkaufen. Das merkt begreifli­cherweise ein vorwiegend auf den internationalen Handel angewiesenes Volk wie das englische am deutlichsten. So sucht man nach Abhilfe und Heilung. Die soll dieStabilisierung der Wechselkurse-, d. h. der verschiedenen Geldwerte, bringen. Und zwar soll das geschehen durch eine Art Höchst preis Politik in Währungen, d. h. man will sich mit dem nun mal Gegebenen ab­finden, es aber dadurch ins Gleichgewicht brin­gen, daß man ein von nun an geltendesfe­st es- Wertverhältnis dekretiert. Sagen wir also, der Dollarsoll- fortan 300 Mark wert sein. Der Gedanke hat viel Aehnlichkeit mit dem Ei des Kolumbus: klar, einfach und anschei­nend praktisch. In Wirklichkeit aber liegen die Dinge nicht so einfach. Es ist nur ein papie­rener Damm, den man dem Gießbach der Geld­entwertung entgegensetzen will. Er wird ihn mühelos zerreißen. Die Ursachen der

allgemeinen WährungszcrrMnng liegen viel zu tief und sind noch viel zu mäch­tig, als daß eine solche Vereinbarung der Staa­ten auch nur einen AygeubtickSerfolg haben könnte. Warum sollten wir uns beisprelsweise mit einem Wertverhältnis von 1 Dollar gleich 300 Mark einverstanden erklären, wenn wir auS irgend welchen Gründen der Hoffnung sind, das Verhältnis werde sich in absehbarer Zeit wie­der zu unseren Gunsten ändern; haben wir doch in der Nachkriegszeit bereits fünfzig Mark für einen Dollar bezahlt! Ja, wenn wir mit eini­ger Sicherheit wüßten, daß der Dollar uns bald und auf lange Zeit 400, 600 Mark kosten wird, dann könnte uns daran gelegen sein, ihn auf 300 festzufetzen.. Aber wer weiß das! Sollen wir aus demselben Grunde darauf verzichten, bei einem möglichen Steigen des MarkwerteS «uS der Ausfuhr unserer Waren mehr Dollar­werte herauszuholen, als wir gegenwärtig ver­mögen? Nein, dies Rezept ist untauglich, wie ö viele andere. Will man das tobende Meer der weltwirtschaftlichen Zerrüttung glätten und wieder für friedlichen Handelsverkehr fahrbar machen, so entferne man die Vulkane, die im­mer von neuem die Wasser aufivühlen und je­des Schiff mit Untergang bedrohen, die fog. Reparationen des Versailler Ver­trages! Erst wenn man den Wirtschaftsver­kehr Europas aus diesen Fesseln befreit hat,

Genehmigung in Moskau.

Riga, 21. April. (Eigene Drahtmeldung.) Ter Moskauer Korrespondent derMorning- Poß" erfährt: DerPrawda" zn.folge hat der dtat der Volksbeanftragten den deuisch-

Berlin, 21. April.

Die bis heute früh aus Genua vorliegenden Meldungen berichten noch nicht von einer end­gültigen Beilegung des Zwischenfalles auf der Konferenz von Genna, stellen aber durchweg eine fortschreitende Beruhigung der Ge­samtlage fest. Am gestrigen Tage sanden Sitzun­gen der Kommissionen nicht statt, dagegen erfolg­ten Besprechungen zwischen Dr. Rathenau und Lloyd George einerseits und Schan- zer andererseits, die der Herbeiführung einer Verständigung galten und wobei lediglich das Fernbleiben der Belgier und Franzosen anfge- ällen ist. Die schweizerische Depefchen-Agentur kündet an, daß die deutsche Antwort heute vor­mittag 11 Uhr überreicht werden wird.

In einer stark besuchten Versammlung der Mehrheitssozialdemokralen sprach gestern abend Minister des Innern Severing über die gegen­wärtige Lage und äußerte sich dabei auch über Genua. Die Verhältnisse hätten iuuner mehr zu einem Anschlüsse an Rußland ge­drängt und aus dieser Erkenntnis heraus sei das Vorgehen Tr. Wirths und Dr. Rathenaus zu begrüßen. Aus einem anderen Blatte stände allerdings, ob es taktisch richtig war, den Ver­trag im gegenwärtigen Augenblicke zu veröffent­lichen. Er habe aber zu Wirth und Rathenau das unbedingte Vertrauen, daß sie sich zu diesem Schritte erst nach sorgfältiger Prüfung entschlos- en haben und daß sie auch für ihr tattjsches Vor­gehen die volle Verantwortung tragen.