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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 93.

Fernsprecher 951 und 952

Freitag, 21. April 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Kamps nm den deutsch-russischen Vertrag.

Unser Erfolg.

Bedeutung des deutsch-russichen Vertrags.

Der Aerger der Alliierten über den Abschluß des deutsch-russischen Vertrags ist begreiflich. Während sie versuchten, mit Rußland Avmachun- gcn zu treffen, die eine Ausbeutung Ruß­lands zugunsten der Entente bedeutet hät­ten, wurde zwischen den Deutschen und Russen der Wirtschafts-Vertrag auf Gegenseitigkeit zu­stande gebracht. Damit ist die Mauer, die die Alliierten gegen das bisher allein stehende Deutschland im Osten auflichten wollten, niedergerissen worden. Die in Genua am meisten erörterte Frage war nun die: Welche Folgen. dieser Vertragsabschluß für die Konfe- renz von Genua haben wird. Allerdings ist in die Konferenz insofern eine Schwierigkeit hineiu- geraten, als die Kreise der Entente empfindlich gestört sind. Deren Tendenz ging dahin, erst un­ter sich zu Abmachungen mit den Russen zu kom­men, die Russen aus solche Vereinbarungen zu verpflichten und erst später Deutschland heranzu- zichen und vor eine vollendete Tatsache ju stel­len, und zum Beitritt zu diesen Abmachungen »einzuladen". Diese Taftik war den Russen, wie auch den Deutschen klar geworden, und es war ausgesiirochenermaßen die Absicht, sie zu durch- kieuzen. Damit werden der Entente Waffen ent­wunden, die sie gegen Deutschland anwenden zu können glaubte.

Was Lloyd George und die englische Dele­gation am meisten peinlich berührt, ist die Tat­sache, daß der Gedanke des internationalen Aiff- bausuwdikats unter englischer Leitung nunmehr endgültig zerschlagen ist. Die Russen hatten die­ses ShnLiöat aber auch schon zuvor offen abge­lehnt und erklärt, daß sie nur zu Einzcl- abmachungen separat mit den betreffenden Län­dern bereit seien. Die englischen Han­delskreise hatten aber das besondere Ziel, in Rußland sich wirtschaftliche Konzessio­nen zu sichern und Rußland gewissermaßen als koloniales AuSbeute-Tckjekt zu betrachten. Das war auch den Russen bekannt. Deutschland hat von vornherein erklärt und sich verpflichtet, das nicht zu tun, vielmehr auf der Grundlage des Prinzips der vollen Gleichberechti­gung die wirtschaftlichen und handelspolitischen Beziehungen zu Rußland zu pflegen. Uebrigens sind deutscherseits ganz bestimmte Pro­gramme und Pläne ausgearbeitet und mit den Russen auch schon besprochen und vereinbart worden, die sich sowohl auf die Besserung des ganzen rlksfischen Transportwesens, wie auf die Urbarmachung seines Landes, aus die Hebung seiner Bodenschätze und auf die Verbesserung der Produktivität seiner Industrie beziehen.

Ueber die Wirkung des Vertrags gegenüber den Alliierten erklären eingeweihte Diplomaten, daß nach der Konferenz von Genua ein politt-- scherUmschwung, sowohl in Frankreich Wie in England, zu Luchen sein werde. Wenn es auch richtig ist, daß die Russen sich eine starke Stellung durch diesen mit den Deutschen abge­schlossenen Handelsvertrag in Genua und geqert- iiber den dort versammelten Ententemächten ge- schasfen haben, so ist andererseits aber auch die Position Deutschlands erheblich gestärkt worden. Ein wirtschaftlich geeinigtes Deutsch­land und Rußland kann die Entente in all ihren wirtscbaftlichen und finanziellen und vor allem auch volitischen Entschließungen nicht übergehen. Die Wirkung der ganzen Operation ist die: Deutschland ist mit einem gewaltigen An­hieb zu einer aktivenAußenpolitik übcr- gegangenDurch sein Vorgehen ist der Gegenseite die Freiheit der Entschließungen genommen. Dort wird man unter einem gewissen Zwange bandeln müssen, also in einem erheblichen politi­schen und diplomatischen Nachteil seim Die Be­fürchtungen daß unter diesen Umständen die Konferenz von Genua auffliegt, werden auf diplomatischer Seite nicht geteilt. Denn das würde das größte Armutszeugnis für die En- tente-Staatsmünner sein, die vor aller Welt ein« gestehen müßten, daß sie durch die Taktik DeutsÄands samt und soud-rs geschlagen wur­den. Die betreffenden PMtiker und Parlamen- mrrer würden eine derartige peinliche Situation nicht ertragen können. Man glaubt vielmehr, daß gerade setzt die Entente alles daransetzen wird um einigermaßen mit Anstand aus der Affäre berauszukommen.

Ob den Russen noch viel daran gelegen ist, an der Genna-Konferenz teilzunehmen, werden die nächsten Tage ergeben. Sie haben jetzt nicht mchr so sehr das Interesse, mit der Entente zu einem Einvernehmen zu kommen, da ste wissen, daß allein diese Einigung mit den Deutschen ihnen auch eine wirtschaftliche Machtposition gibt, die es ihnen nicht so schwer wie seither macht, materielle Hilfe zu erhalten. Soweit im Ententelager Bestürzung über die Entwick­lung der Dinge herrscht, handelt es sich vorwie­gend mn die regierenden Kreise, die natürlich : ;re Position ans das stärkste bedrängt fiihlen. Dafür wird man sich darauf eintzellen müssen.

Paris, 20. Aprtl.

träges geleistet habe, werde von den Russen da­durch belohnt, daß Deutschland am wirtschaftli­chen Wiederaufbau Rußlands für die deutsche Industrie und für den deutschen Handel eine besondere Vergünstigung erfahren habe.

Gin anderer Vertrag?

Weiter« franzSsische Befürchtungen. «Eigene DtaSttneldung.)

fei nickt fortzudenken aus einer gedeihlicken Entwickelung der deutschen wirtschaftlichen Str äf­fe. An die Ausstellung schloß sich die Ta­gung desZenttalveteins für deut­sche Binnenschiffahrt-, an der Männer der Wirtschaft aus allen deutschen Gaue» und Vertreter der schaffenden Stände und der Wis­senschaft teilnahmen. In Essen und Duisburg,

Französische Quertreiberei.

Kampf gegen ben Vertrag.

«Eigen.- DrahtvreldunL.)

Genua, 20. April.

Gestern abend wurden Nachrichten von fran­zösischer Seite ausgegeben, nach denen sich Frankreich znriickziehen wolle, falls Deutschland den deutsch-russischen Vertrag nicht aufgebe. Eine Prüfung dieser Nachricht ist noch nicht möglich. Die allgemenie Lage gibt die-

Die franzSsifchen Bemühungen.

Paris, 20. April. (Eigene Drahtmeldung ) Nach demEcho de Paris" hat Poincars die Frage des deutsch-russischen Vertrages der R e - parationskommission unterbreitet, in dem er auf die Widersprüche (?) des Ver­trages von Rapallo und dem Artikel 260 des Versailler Vertrages aufmerksam machte. Gleich­zeitig hat PoincarS den Botschasterrat als den Hüter des Versailler Vertrages eingeladen, die Punkte festzustellen, i« denen der deutsch- russische Vertrag den Versailler Vertrag verletzt.

fen im rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk hat der Kongreß getagt. Es würde hier zu weit füh­ren, auf diese hochbedeutsame Tagung näher cinzugehen. Doch möchten wir einige Sätze aus der Rede des Essener Oberbgrmstrs. Dr. Luther beim Schluß der Essener Tagung hervorheben: Neben dem rein wasserwirtschaftlichen Ziele er.

Sine deutsche ffirflärung.

Genua, 20. April. (Eigene Drahtmeldimg.) Der deutsche Reichswirtschaftsminister Robert Schmidt hielt in der gestrigen Sitzung der Unterkommisfion des Wirtschaftsausschusses in Genua eine Rede, in der er unter anderem aus­führte: Das WährungSproblem stehe an ersterStelle und es entscheide über den Er­dig aller wirtschaftspolitischen Maßnahmen. Wenn es uns gelingen wurde, die handels­politische Isolierung aufruheben, so hätte die Konferenz in Genna auch für den Bölkersriedenein gutes Fundament gelegt.

Wasserkraft und Wege

Eine Wasserbau-Ausstellung in Essen.

®<e teuren Dahnsrachten uub die teuren Kohlen lagen immer mehr erkennen, wie notwendig die Benutzung der Wager stratzeu T'-'b Wasserkräfte für Deutschland ist. ueber die Wafferbauauöftellung in Egen liegt uns der nachfolgende Bericht vor» Im Reichskohlenrat ist von berufener Seite kürzlich festgestellt worden, daß Deutschland vom 1. August 1920 bis 31. Dezember 1921 vierund­zwanzig Millionen Tonnen Kohlen an den Feindvielverband geliefert hat, obwohl das Aus. land mit Kohlen übersättigt ist, sodaß in Frankreich vielfach Feierschichten eingelegt wer. den müssen und Arbeitslosigkeit entstanden ist. Aber die deutsche Industrie hungert nach Kohlen, die Bahnen sind kaum für drei Tage mit Kohlen versorgt. Angesichts dieser katastrophalen Lage, die durch das fortschreiten, de Eindringen der englischen Kohle verschlim­mert wird, zeigt sich die dringende Notwendig­keit des Ausbaues unserer Wasser» straßen u. der Ausnutzung unserer Wasser­kräfte, der sogenannten weißen Kohle. Da eg von besonderer Bedeutung, daß am letzten März» tag und in den ersten Apriltagen in Essen im Herzen des Industriereviers, auf welches sich mehr als achtzig Prozent des ganzen Binnen» fchissahrtsverkehrs konzentriert, und das die größten Binnenhäfen Europas enthält, eilte Wasserbau- und Binnenschiffahrts-Ausstellung stattgeftmden hat, die erste ihrer Art im Reich, die auch eine holländische Abteilung enthielt, ein Beweis freundnachbarlicher Mitarbeit. Dies«

baß für einen gewissen Zeitraum die Oppositton der Gegenseite sich in schärferen Bedrängungen Teuffchlands Geltung verschafft. Indessen kann die Tatsache, daß Deutschland dem ganzen Osten gegenüber freie Hand hat, nicht ohne Rückwirkung auf die Entente und vor allem auf die von ihr abhängigen Völkerschaften an der Ostgrenze Deutschlands, namentlich auf die Polen, auf die Tschecho-Slowakei und die Übrigen Länder der Heinen Entente usw. bleiben.

ungeheure Bedeutung der Wasserwirtschaft \ ' vor Augen geführt, die beim Wiederaufbau eine : große Rolle zu spielen berufen ist, denn ste : trägt zur Beseitigung der Verkehrsnot und zur ; Verminderung der Beförderungskosten der- . ter bei und so auch zur Mäßigung der Teue- rungsnotlage, indem die Gestehungskosten ver- ' mindert werden. Regierungs- und Baurat Skalweit. Direktor des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikates, sagte mit Recht in seiner Be­grüßungsrede, daß der Ausbau unseres Wasser- ftraßennetzes im ureigensten Interesse von In­dustrie, Handel, Handwerk und Landwirtschaft liege, also der schaffenden Stände, der Träger der deutschen Wirtschaft, denen dadurch die erforderliche Beschäftigung ge­sichert würde. Der Wasserbau wirke in Produk­tiver Weise mit an dem so notwendigen Aus­bau unserer Berkehrseinrichtungen. Der Betrieb unserer Wasserstraßen solle zahlreichen deutsche« Erzeugnissen weiteren Absatz ermöglichen. Der Vertreter des Reichsverkehrsministeriums, Staatssekretär Kirschslein, betonte, baf; die Für- derung des Wasserstraßenbaues der Reichsregie, rung besonders am Herzen liege. Durch den Ausbau der Wasserstraßen hoffe man auch die innerdeutschen Ländergrenzen zu über» brücken, und daß die Wassevsttaßen eines der vornehmsten Mittel barstellen werden, um

die Reichseinheit zu fördern

und die Länder im Interesse der Gesamtwirts schäft enger zusammenzuschließen. Geheimrat Soldau, Vertreter des preußischen Ministeriums für Landwirtschaft Domänen und Forsten, hob mit Recht die Notwcubigkeit hervor, daß es sich hetkte darum handele, jeden Tropfen Wassers über und unter der Erde möglichst wirtschaftlich auszunutzen. Man müsse die ober- und un» terirdischen Wasferschätze kennen, ebenso wie die Veränderungen, denen sie im Laufe der Zeiten «nterworfen find. Eine der- waltungstechnische Aufgabe bestehe darin, ein Katasteramt für die gesamten einheimischen Wasserschätze zu schaffen.Schiffahrt tut not*, dieses Wahrwort stellte Oberbürgermeister Lu­ther seiner Ansprache voran. Diese Erkenntnis bestehe schon fett langer Zeit und müsse dem ne» samten Volk immer wieder zum Bewußtsein gebracht werden. Wenn heute die Binnen- s ch i f f a h r 1 besonders eingehender Behand­lung bedürfe so sei damit nicht gesagt, daß Deutfckland feine früheren Pläne bezüglich der Weltwirtschaft aufgegeben habe. Aber eine

planvolle Binnenschiffahrtspolitik

Aeberredungs-Versuche.

Wirth und Rathenau bei Lloyd George.

«Eigener Drahtbettcht.)

Genua, 30. April.

Die gestrige Unterredung des Reichskanzlers Dr. Wirth und des Außenministers Dr. Rathenau mit Lloyd George dauerte säst zwei Stunden. Der Ton der Unterredung war ohne Schärfe und sehr versöhnlich. In der Dache aber gingen die Auffassungen weit auseinander. Lloyd George warf die Frage auf, ob die Deutschen nicht bereit wären, den von Deutsch­land mit Rußland abgeschlossenen Vertrag wie­der zurückzuziehen. Dann stänbe ihrem Wiedcreintreten in die mit der russischen Frage sich befassenden Kommission nichts mehr im Wege. Die Frage hatte die Form eines Vor­schlages, nicht einer Forderung und eine Droh­ung wurde nicht vorausgeschickt. Selbstverständ­lich besteht deutscherseits nicht die Absicht, den russischen Vertrag wieder aufzugeben. Viel­leicht könnte der Gedanke austauchen, den Ver­trag in die zwischen den Alliierten und Rußland abiUlchlizhcntzen Abmachungen einzugliedern.

*

Deutsch-russische Lehereinstimmung.

Genua, 20. April. (Eigene Drahttneldunz.) Als Dr. Wirth und Rathenau von ihrer Be­sprechung mit Lloyd George in das Men-Hotel zurückkehrten, erschien Tschitscherin bei ihnen. Ein gemeinsames Vorgehen der Deut­schen und Russen ist nicht unwahrscheinlich. Die deutsche Antwortnote wird den Alliierten heute nicht mehr überreicht werden. Mo ist noch nicht sertiggestcllt. Ihre Fassung hängt natürlich von den schwebenden Verhandlungen ab. Tschitsche­rin war gestern bis zur späten Rachmittagstunde bei der deutschen Delegation. Es ist eine sehr weitgehende deutsch-russische Hebet« einstimmung in der Beurteilung der gegen­wärtigen Krise und der gemeinsam zu ergreifen­den Schritte erzielt worden.

bedingt durch die ununterbrochene Kette von Konferenzen des Reichskanzlers und des Außenministers mit alliierten Staatsmännern und mit dem Führer der russische» Delegation, die den ganzen Tag ausgefüllt haben. Wäh­rend die Deutschen über eine Antwort an die Alliierten verhandeln, bemühen sich diese, die Mai Russen von den Deutschen fernzuhal- t e n. DaS hat den Zweck, eine Isolierung der Deutschen vorzubereiten, für den Fall, daß ihre Antwort keinen Verzicht auf die weitere Betei­ligung an der Konferenz bedeutet. Daneben lau­fen aber auch deutsch-russifche Verhand­lungen über ein gemeinfomcS Aktionsprogramm.

Der Berliner Korrespondent desPetit Pa- risten" berichtet, et glaube unterstreichen zu dür­fen, daß neben dem Vertrag von Rapallo noch ein anderer Vertrag zwischen Deutschland und Rußland abgeschlossen worden sei, in dem die genauen Bedingungen für die Beteiligung Deutschlands am wirtschaftlichen Wie- _______... ________

deraufba« Rußlands feftgelegt feien., diesen beiden Industrie- u. Verkehrsmittelpunk- Der politische. Dienst, den die deutsche Regierung der rusfischen durch die Nntcrzeicknung des Per-

Vor einer Entscheidung.

Entweder Annullierung oder Ausschluß?

«Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 20. April.

Hebet die Besprechungen, die gestern in Ge­nua zwischen Dr. Wirth und Rathenau einer­seits und Lloyd George andererseits -attgefun- dcn haben, verlautet wenig Bestimmtts. Der Petit Parisien" saßt das Ergebnis To zusam­men, daß Lloyd George die deutsche Delegation vor die Wahl gestellt habe, entweder den SScrtrng mit Rußland zu annullieren, ober den Ausschluß aus ber Rußland-Kom­mission zu gewärtige». Die deutsche Delegation werde ihren Entschluß erst heute bekannt geben. Gestern abend hätten noch Besprechungen zwi­schen der deutschen und russischen Delegation stattgesunden Auch über diese Besprechungen ist nichts Zuverlässiges zu erfahren.

Das Wähmngs-Vroblem.

4 Eine Konferenz der Notenbank«».

«Eigener Drahtbericht.)

Genua, 20. April.

Der englische Delegierte Sir Robert Hotne kam gestern in ber Finanzkommisston auf seinen Vorschlag, eine alliierte Konferenz ber Ro. ten-Banken einzubetufen, zurück. Er legte eine Resolution vor, wonach sogleich alle Ban­ken, bie Banknoten auSgebcn, zu einer Konfe­renz außerhalb Genua und ohne Zusam­menhang mit bet Genueser Konferenz zusam- menberufen werben sollen, um bas ganze Valu­ta-Problem unb auch die Frage ber Schulben- zahlungen zu regeln. Da eine betartige Konfe- renz nicht ohne Amerika abgehalten werben könnte, müßte auch die amerikanische Staatsbank eingetoben werben. Sir Robert Home reift heute nach London ab. Vorher fall noch über triefen Vorschlag entschieden werden.

set Nachricht eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Der Standpuntt, ber am Dienstag in bet Note an Deutschland geschloffep angenommen wurde, wurde allerdings einem solchen Verfahren ganz entgegenstehen. Dort ist ausdrücklich betont worben, daß nicht der Inhalt des Vertra­ges, sondern der Augenblick seiner Veröffent­lichung unb bie Form seines Zustandekommens baS Mißbehagen verursacht. Immerhin ist es bemerkenswert, daß auch Lloyb George in seiner Unterhaltung mit ber brutschen Delegation außerordentlich kräftig darauf gedrungen haben soll, baß bet Vertrag aufgegeben wirb.

LLm die deutsche Antwort.

Andauernde Sonderkonfesenzen.

(Eigene DtaHtmeldung.)

Genua, 20. April.

Die Antwortnote ber deutschen Delegation auf die Rote der Alliierten und der Kleinen Entente wirb erst morgen überreicht werden kön­nen. Die gemeinsame Beratung der deutschen Delegation unb bet Sachverständigen, die m- sprünlich am Vormittag stattfinben sollte, wurde später auf nachmittags angefetzt, bann auf ben Abend verschoben. Diese Verzögerung wurde

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