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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

Donnerstag, 20. April 1922,

Nummer 92

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 und 952

Die Erregung in Genua

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Der schmollende Lloyd Georg.

Basel, 19. April. (Eigene Drcchrmeldnng.)

Baseler Nachrichten" melden a«S Genua: deutsche Außenminister Rathenau hat

Dienstag um eine Besprechung mit Lloyd <

Facta als 'Vermittler.

deutschen Delegierten erblickt.

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Tonnen Braun.

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Dt, Itafieler R-chrtchten trfdxiatawöchentlich jechsmai m>d zwar ad,»da Der

Ab<nmement«pr»>r beträgt monottt» 15. Mark bet freier Aufteilung tn5 Hauch DuS. roärts durch bte Poft bejogen 15. Mart monatlich einfchttetzlich Zustellung. Bestellungen werden jebetjrtt von der »efchäftllstelle oder den Boten entgegengenommen. Drutterei, Verlag und Redattion .. Schlachthofftrabe 28/30. Jur unverlangt eingefandte Beiträge kann die Redaltton eine Verantwortung oder Gewahr in tetnem Jolle übernehmen. Rüchjahlm-' e._ BezugsgeldeS ober Einsprüche wegen etwaiger nicht ordnungSmäbiger Lieferung ausgeftglosten.

Die 7tnitraten für Deutschland.

Genua. 19. April. (Eigene Drahtmeldung.) Es ist bereits morgen ein P r o t e st der Neutra­len gegen den Ausschluß Deutsch­lands von den Verhandlungen zu erwarten.

nen wir die Ueberraschung Lloyd George« nicht verstehen. Deutschland und Rußland unterzeich­neten den Vertrag mit Anerkennung des Grund­satzes von Wilson, daß es keine Sieger und keine Besiegten mehr geben soll. In diesem Sinne wurde denn auch der Vertrag von Brest- Litowsk als aufgehoben erklärt."

sofort nach Genna zurückgrkehrt, «m den Vor­sitz in der Konferenz wieder zu Übernehmer» und, wie er betont, eine Sprengnug der Konferenz unbedingt zu verhüten.

neu Steinkohle und 1,875.1 kohle abgelrefert; oberHch

Keine Lleberraschung.

Die Alliierte« Ware« verständigt worden.

(Eigene Drahimeldung.)

Paris, 19. April.

Eln anerkennendes Lrtell?

Genna, 19. April. (Eigene Drahtmeldmig.)

ZnferUon»prelle> «whelmlfche aufträge: Dte etnfpalttge «metgenjetle $t_ US. bte elnlpaMge ReUomerelt, M. 6,25. b) «utwärNge Aufträge: Dte etnfpalttge anjetgeruelle M. 2jC. bte etnfpalttge tRetlamejette M. «25, alle« etnfchltetzltch Deuerung»,Uschlag und angelgenfieuet. Pür Anzeigen mit befonber« schwierigem Sag hundert Prozent Auffchlag, Für bte Silchtigleli aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme- baten unb Blähe tann eine Bewähr nicht übernommen werden. - Druckerei: Schlacht Hoftirabe 28/30. Äelchäftrstelle: j.atnifche Strafte 5, Telephon Rümmer 951 unb toi

dem Zusammentritt der gestrigen Vollsitzung zu­sammentrat. beschäftigte sich mit der Prüfung des deutsch-russischen Vertrages. Sie kam zu dem Er­gebnis. daß keine dieser Bestimmungen de« Be­stimmungen des Vertrages von Versailles ent­gegenläuft und daß demz'folge auch keine Verletzung des Versailler Friedensvcrtrages von selten Deutschlands vorliegt.

Die deutsche Morönuug.

Verschlechterte Lage in Genua?

(Eigene Drahimeldung.)

Berlin, 19. April.

Gestern nachmittag und am späte« Abend eingelaufene Meldungen stellen im Allgemeinen fest, daß die Veröffentlichung des deutsch-russi­schen Abkommens die Lage der deutschen Dele­gation auf der Konferenz erheblich verschlech­tert hat. Abgesehen von der sehr ernst gehal­tenen Rote, die die Alliierten an die Deutschen gegeben haben, sprechen einige Meldungen ohne Weiteres davon, daß die Veröffentlichung des Abkommens sowohl die englischen wie die italie­nischen Delegierten veranlaßt habe, sich mit be­stimmter Absicht von den Deutschen fern zu - halten, wie die Franzosen es schon feit Beginn der Konferenz getan haben.

5)ie Haltung der Regierung.

Besprechung in den Reichstags-Parteien.

(Brivat-Tklegramm.»

Berlin, 19. April.

Der Schritt der deutschen Abordnung in Genua wird an Berliner Regierungsstelle sehr zurückhaltend beobachtet. Man hat jedoch den Eindruck, daß die Berliner Regierungskreise nickt von dem drutsch-rusfischen Vertrage selbst, wohl aber von seiner Veröffentlichung im jetzi­gen Augenblicke überrascht worden sind. Die in Berlin anwesenden Mitglieder der Fraktio­nen des Reichstages werden sich heute mittag im Reichstage versammeln, um Stellung -zu der durch das deutsch-russische Abkommen ge­schaffenen Lage zu nehmen. Es verlautet, daß mehrere deutschen Sachverständigen heute aus Genua in Berlin eintreffen werden.

am Dienstag_______ _________ ______MW..

George in besten Billa nachgesucht. Die Be­sprechung kam aber nicht zustande, weil Lloyd George angeblich dringlich beschäftigt war, was ihn jedoch nicht abgehalten hat» nach zehn Minu­ten einen längere« Spaziergang in der Rahe sei­ner Billa zu machen. Der Vorgang wird in Genua allgemein besprochen, da man in ihm ein deutliches Ab rücken der Engländer von den

Rmh einem Bericht derChicago Tribüne" wurde von einem Mitglieds der deutschen Dele­gation zum Abschluß deS deutsch-russischen Ver­trages folgende Mitteilung gemacht:Die Ver­handlungen begannen vor etwa vierzehn Tage« i« Berlin, worüber der englische Bot- schafter in Berlin offiziell verständigt wurde. Während Lloyd George mit den Vertre­tern der anderen Mächte in feiner Billa in Ge­nua verhandelte und die deutsche Delegation auSschloß, kamen die Rusten zu unS und baten, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Wir stimmte« zu und unterrichteten sodann die Engländer und Italiener. Deshalb Kn-

Vrotest der Alliierten.

Gegen den Ventschausfischen Vertrag.

(Eigener Drahtbericht.)

Genua, 19. April.

Die Delegierte« der Alliierten und der Klei­nen Entente traten gestern nachmittag zu einer Sitzung zusammen, um zu dem deutsch-russischen Vertrage Stellung zu nehmen. Als Ergebnis dieser Sitzung würde folgende Rote an dte deutsche Delegation gerichtet:Die Unterzeichne­ten haben mit Ueberraschtmg erfahren, vast wäh­rend des Stadiums der Konferenzarbeiten Deutschland, ohne die anderen vertretenen Staaten zu informieren (?) heimlich einen Ver­trag mit der russischen Sowjetregie­rung abgeschlossen hat. Die unterzcichn^en Mäckte müssen der deutschen Delegation ihre Meinung dahin ausdrückery daß der Abschluß eines solchen Vertrages während der Konferenz eine Berlctztmg der Bedingungen darstcllt (?) die Deutschland einzuhalten sich verpflichtet hat, als es die Einladung zur Konferenz angenom­men hat, und man Deutschland Gelegen- heit gab, an den Kommissionen in gleicher Weise wie die anderen Mächte teilzunehmen. Wäh­rend die Konferenz tagt und Deutschland in der Kommission und Nnterkommifsion ist, dte mit den Verhandlungen über einen europäischen Frieden mit Rußland auf der Grundlage der Bedingungen von Cannes beauftragt sind, ha­ben die deutschen Vertreter in dieser KommWon hinter dem Rücken ihrer Kollegen im geheimen einen Vertrag mit Rußland über die Fragen ge­schlossen, die sie in einer Zusammenarbeit mit den Vertretern der anderen Rationen behandeln sollten. Unter diesen Umständen betrachten die Nnterzeichueten es als nicht recht und bil- l i g, daß Deutschland, nackdem eS sich auf eigene Faust mit Rußland geeignigt hat, a. den Be­sprechungen über eine Einigung zwischen den vertretenen Ländern und Rußland teil- nimmt und setzt deshalb voraus, daß dis deutsche Delegation durch ihr Verhalte« auf fernere Teilnahme an ben Besprechungen der Kom­mission für eine Vereinbarung zwischen Ruß­land und den verschiedenen auf der Konferenz vertretenen Länder« verzichtet." Unter­zeichnet ist dte Rote vm» Lloyd George, Facta, Bo -ou. Theunis, Benesch, Stimmte, Rimt- sch-M Diamandt, JshL-

12. Jahrgang. *

Kehren für öle Entente.

Alle drei Minuten ein deutscher Zug.

Sus Grund Etlicher StatUiifcn Werdest folgende interessante Ziffer« über dte bis« Se-rtgen Kohlenlieferungen Deutsch­lands an die Entente veröffentlicht: Aus dem Ruhrgebiet wurden bisher im ganze« 32.077,826.842 Tonnen Kohle, und zwar 9,671316,021 Tonnen Koks, 20.530,527.923 Ton-

Rom, 19. April. (Eigene Drahstneldung.) Der italienische Ministerpräsident de Faeta ist zusammen mit dem Schatzminister am Montag

Das Ergebnis der Umfrage 1921 läßt sich nun fokgeudermaßen prsammenfassenk die Angaben über die Zahl der tuberkulosekran­ken Schulkinder schwanken zwischen 0,5 Prozent (Mühlheim) und 21,6 Prozent (Karlsruhe), die über Lungentuberkulose Mischen 0,1 Prozent

Großftadt-Kinder.

Unterernährung und Krankheiten.

Unter ben traurigen Wirkungen beS Natztb MngSmange:e im Kriege unb nach bettt Kriege hat Deutsch land noch jetzt zu leiben. Der uaflrftebenbe Bericht gibt ein Bild vorn «esuttbhettszuftanb der Kinder in Hegen- Nassau, darunter auch in Raffel.

Me Wunden, die im Krieg dem deutschen VolkAörper zugefügt worden sind, zeigen sich am deutlichsten im Gesundheitszustand der Kin­der. Me Nachkommenschaft ist aber das wert­vollste Kapital, das unser Volk für die Zukunft besitzt. Wir müssen mit allen Mitteln zu er­reichen versuchen, die Unterernährung und die Seuchen, die der Krieg mit sich ge­bracht hat, und unter denen vor allem die Kin­der zu lsiden hocken, zu ü b e r w i u d e n. Dank­bar erlernte Deutschland dabei die Hilfe an, die uns die Quäker und manche gamtlie im neu­tralen Ausland gebracht bat. 1920 sand der erste internationale Kinder-Hilfskongretz in Genf statt. Damals wurde das deutsche Rote Kreuz ausgefordert. Nachweise über die Zahl der tuberkulöse», kranken und unterernährten Kin­der in Deutschland für das ausländische Hilfs- Werk beizubringen. Seit drei Jahren sind nun regelmässig in etwa vierzig deutschen Groß­städten, darunter auch Wiesbaden, Kassel mid Frankfurt, Untersuchungen für den Ge-. sundhettszarstand der Kinder angestellt wordeL

ein deutlicher Unterschied nach der Schulart, bezw. nach der soziale« Schichtung erkennbar, so wurde in Erfurt bei de» höheren Schülern ia 03 Prozent, bei den Mittelschülern in 0,4 Pro­zent, bei den Volksschülern in 4P Prozent FA- len Lungentuberkulose festgestellt. Auch zeigte sich, daß die Mädchen weniger stark als die Kna­ben unter der Unterernährung und den sonsti­gen ungünstigen Einwirkungen des Krieges «uh der Nachkriegszeit gelitten haben. Dasselbe geht daraus hervor, daß im Jahre 1921=22 im ersten Schuljahr bei Chemnitzer VoRsschÄlern

Für bte Großstädte der

Provinz Hessen-Nassau ergibt sich folgendes Bild: Kassel hat 36800 Kinder bis $u vierzehn Jahren, davon waren 5,9 Prozent wahrscheinlich tuberkulosekrank, sichere Lungentuberkulose hatten 0,5 Prozent, echte Skrofulose 0,9 Prozent. In Franfiurt schätzt man die Zähl der Kinder auf 100600, un­ter ihnen hatten 0£ Prozent sichere Lungentu­berkulose und 0,7 Prozent echte Skrofulose. Wiesbaden hat 15700 Kinder, davon sind 68 Prozent wahrscheinlich tuberkulosekrank. Me Zahl der stark unterernährten Kinder betrügt in Kassel wahrscheinlich 15 Prozent, während als überhaupt unterernährt hier fast die Hälfte aller Kinder, nämlich schützungswei!e 40,6 Prozent bezeichnet werden mutz. Für Wes- baden und Frankfurt fehlen die enttprechenden Zahlen. Die Milchbeliefreung hat sich im letz­ten Jahre gebessert, in Wiesbaden ist der Wlch- bedarr für Kircher sogar gedeckt, in Kassel im­merhin mit 79,7 Prvtzer-t des Bedarfes. In allen drei Städten Hessen-Nassaus wird die Milch noch öffentlich bewirtschaftet. Vergleicht man dieses Bild der GesunÄheitslage mit der Schilderung von 1920=21, so mutz festgestellt werden, daß fast überall die Zähl der Wer Haupt unterernährten und kranken Kinder abgenom- men hat. Das dürfte sicher auf dte zunehmende Besserung der ErnLhrnngsverhLltnisse zu. räckzuführen sein, konnte man doch 1921 sagen, daß für fast alle Kircher Nährwertstoffe genug vorhanden waren. Doch darf dabei nicht ver­gessen werden, Latz trotzdem in diesem Jahre wieder die Gefahr einer gewiffen Unterernährung den deutschen Kindern droht, denn die starke Verteuerung der LebenshÄ- tungskosten wird in vielen, besonders den kin­derreichen Familien die Eruä-rungsschwterig- ketten wieder steigern.

Verttages und als Umgehung der Genueser Konferenz auslegen wollen, so sind sie natürlich gänzlich im Irrtum, denn diese Entschließungs­freibeit besitzt noch Deutschland sowohl als auch Rußland. Würde etwa Frankreich die Koir- ferenz zur Auflösung bringen, dann wäre es vor aller Welt als der Friedensstörer gsbrandmarkt. Deshalb wird es sich auch noch sehr überle­gen, ob es fernerhin mit dem Eimnarschplan nach Deutschland spielen wird. ES gibt doch einmal eine Grenze, die zugleich einen Wende« puntt darstellen kann. Die Wirkung des Vertrages auf unfern Handel und Verkehr wird bei der Schwerfälligkeit Rußlands nur langsam in die Erscheinung treten, zumal Deutschland in größerem Matze der gebende Teil ist. Aber doch ist der neue Vertrag der erstewirkliche Erfolg der deutschen ebenso wie der rus­sischen Regierung und em Eckstein zur Wie­derherstellung des europäischen Friedens!

K. F. Dr.

Fortbestand der Konferenz.

Die Möglichkeit einer Spaltung. (Eigener Drahtbericht).

1 Genua, 19. April.

Zum Beginn der gestrigen Sitzung der En- tente-Delegationen,^.in der sie zn dem deutsch-russischen Vertrag Stellung nahmen, brachte Lloyd George einen sehr scharfen Ent­wurf ein, zu dxm die Versammelte« Stellung nehmen sollten. Dieser Entwurf ist charakteri­siert diümrch, daß in ihm der AusdruckMala fides" vorkommt. Aus den Verhandlungen kann man nach sicheren Nachrichten entnehmen, daß die Absicht besteht, die Konferenz «tcht scheitern zu lassen und eS bestehe guter Grund dafür, daß versucht werde« soll, sie w e i. terzuführen, selbst in dem Falle, daß Deutschlandsich zurückziehe, wie auch in dem Falle, daß Deutschland und Rußland zusammen ausfcheidcn. Dte letztere Möglichkeit hat trat eine akademische Bedeutung, weil ein Ulti­matum an die Russen in Vorbereitung ist, das sie vor die Notwendigkeit stellen wird, ohne Bedingungen, vor allen Dingen ohne Gegen­rechnung, die Borkriegsschulden anzuerkennen.

Mit Rußland.

Der deutsch-russische Wirtschafts-Vertrag.

Liegt ein Grund vor. den am 16. April in Rapallo abgeschlossenen deutsch-russischen Wirt- fchastsverttag. der auch die diplomatischen Be­ziehungen wieder auknüpft, fteudig zu begrüßen? Diese Frage ist ohne Zögern mit Ja zu beant­worten. Daß er in Rapallo während der Ge­nua-Konferenz unterzeichnet wurde, ist nur eine Nebenerscheinung, denn der Entwurf war schon in Berlin fertig, als die russische Delegation auf der Durchreise mit der deutschen Regierung ver­handelte. Das beweist das Stteben der Sow­jetregierung, zunächst mit Deutschland die Ver­bindung wiederherzustellen, da die beiden Län­der am meisten aufeinander angewie­sen sind und auch geographisch nahe Fühlung haben. Der daMischen geschobene polnische Keil wird in der Zukunft, wenn die beiden Venrags- länder einen regeren Verkehr entwickeln, kein so großes Hindernis sein, daß es die ehemaligen Direkten Nachbarn nicht zu überwinden vermoch­ten. Deutschland und Rußland haben jedenfalls dte gleichen Interessen, die die Besiegten ver­binden. Beide sind aus dem Kriege als Unter­legene hervorgeäangen, deren Völler in größter Not sind. Beider Ziel ist, nachdem sich der Bolschewismus in Rußland tot gelaufen hat, der Wiederaufbau der Länder. Rußland braucht die deutsche Technik und Organisation der Produktion, Deutschland braucht das rus­sische Absatzgebiet, Rohmaterial und Getreide. Beide ergänzen einander in wünschenswer­ter Werse. Es bleibt eine historische Frage, wie es möglich war, daß der Entschluß zur gemeinsa­men Sache erst jetzt gereift ist, nachdem einige Jahre versäumt sind.

Auf deutscher Sette hat immer fett bei Re­solution der Wunsch vorgelegen, mit Rußland zufaurmen zu geben. Me trüben Erfahrungen deS verlorenen Krieges hat die politischen Feh­ler erkennen' lassen, die unsere Abkehr von dem von Bismarck vorgezeichneten Wege zur Folge batte, und wir waren nun bemüht, daraus die Lehre zu ziehen und den Russen die Hand zur Versöhnung zu reichen. Die Unterdrückung und Demütigung, die uns von den westlichenSie« germächtertt zuteil wurde, drängte uns außer­dem dazu, eine Anlehnung im Osten zu suchen. Mer dort fanden wir lange Zett keine Gegen­liebe. Eine fanattfche Id«, die das verwirrte und haltlose russische Volk erfaßt hatte, glaubte mit dem Bolschewismus die Welt erobern zu können. Jahre hat der Wahn gedauert und schließlich jut Sewsivernichtung geführt. Es mußte ein völliges Chaos eintreten, ehe die Umkehr erfolgte. Jetzt ist es so weit. Der letzt- harte Winter, der mit Hungersnot und großem Sterben dte zerfallene Sowjetrepublik heim- suchte, hat dte Umkehr bewirkt. Jetzt tomnu auch von Rntzland der Wunsch zum Wie- derausdau, die Sehnsucht nach geordneten Zuständen, die nur erreicht werden können in der Zusammenarbeit mit dem ordnungs­liebenden deutschen Volke, dessen Krä;u> trotz der schweren westlichen Bedrückung noch aufvauend schaffen. Die ht Rußland endlich er­blühte Einsicht, die zu dem (aus der zweiten Seite veröffentlichen) Verttag mit Dctttschland geführt hat, scheint die Gewähr dafür zu geben, daß die Sowjettegierung ihre kommunistischen Lehren als untauglich über Bord geworfen hat. Rußland paßt sich langsam wieder der übrigen Welt an und kehrt auf den alten bewährten Weg von Recht und Gesetz uiä> zur Methode der Privatwirtschaft zurück. So Wunen die beide» Staaten, nadjbem sie eine feste und breite Grund­lage geschaffen habe», große Leistungen voll­bringe».

Durch den Verttag ist Rußland als rechttnä- jiger Staat von Deutschland aurüich aner­kannt worden, »ms umso bedeutsamer ist, als zur gleichen Zeit die Entente-Vertteter in Ge­nua noeb darüber stritten, ob sie Rußland aner­kennen wollten oder nicht. Me abweisende Be­handlung, dte den Russen in Genua von den Alliierten, insbesondere von de» Franzosen, zu­teil geworden ist, hat ihnen die Bestätigung ge­geben, daß sie mit der Anlehnung an Deutsch­land die richtige Wahl getroffen haben. ES ist erklärlich, daß die Alliierten durch dieses Ereignis, obwohl sie vorher eine Ahnung davon hatten, von einem heftigen Schrecken be­fallen wurden. Ihne» gegenüber steht jetzt nicht mehr ein "eretnfamteä deutsches Volk, daS sie nach Rachelust und Laune knebeln und prügeln können. Jetzt steht dahinter ein allerdingz noch BwackeS und unbeholfenes, aber großes russi- eS Doll, dar mit deutscher k-ilfe gestärkt wer­ft tonn. ES stehen zwei Völker zusammen, die sich gegenteilig stützen und 'chfießkich wieder aufrichte»! Zwar ist der Vsr g nur ei« wirt­schaftliches Abkommen, aber Im Grurrde lassen sich Wirtschaft und Polit" nicht «ernten, den» dte Politik erhält ihre Richtlinien von der 'Wirtschaft, deren Beschützerin sie sein muß.

Wenn die Alliierten dieses deutsch-russische Lammengehen cis ei-»,» Bruch des Versailler