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Kasseler Neueste Nachrich

Kasseler AbendzeLLung

Hessische Abendzeitung

Nummer 86.

Dienstag, 11. April 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

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Der erste Tag in Genua.

Innere Spannungen. Teuerung und Parteienzwist.

Eine erschütternde Tatsache, freilich in wei­teren Kreisen des Volkes kaum gewürdigt, ist dieser Tage in Gestalt einer ganz nüchternen Mitteilung der Oefsentlichkeit bekannt gegeben worden: In der letzt verflossenen Woche hat die Reichsbank neue Noten in dem phan­tastischen Betrage von nahezu acht Milliar­den Mark ausgegeben! Mit etwa einer Mil­liarde neuer Darlehnskassenscheine zusammen wurden also in einer einzigen Woche an papier- nen Zahlungsmitteln schier neuntausend Millio­nen Mark in den Verkehr gebracht. Diese Tat­sache ist wahrhaft erschütternd! Ueber die Wir­kungen einer derartigen ungemessenen Inflation kann man sich gar keine rechte Vorstellung machen. Die latastrophalen, unsere ganze Wirt­schaft, wie aber auch unsere Lebenshaltung zer­mürbenden Folgen werden sich erst tm Verlaufe der nächsten Wochen bemerkbar machen.

Der ewige Kreislauf, den wir nun feit dem Zusammenbruch mit wachsendem Er­schrecken Tag für Tag beobachten, nimmt eine rasende Schnelligkeit an. Die Preise von gestern sind heute schon nicht mehr wahr. Fast loder Kauf von Lebensbedürfnissen steht unter dem Druck des Borbehaltens, daß die nächste- Lieferung einer weiteren und noch gar nicht bekannten Preissteigerung unterliege, ja. daß die Preise vielleicht schon in der nächsten Stunde sich ändern können. Geordnete Berech­nung ist unter diesen Verhältnissen weder für das Privatpublikum, noch auch für die Indu­strie möglich Wer Einblick in biete Dinge hat, weiß, daß zum Beispiel sehr große Fabriken unb Unternehmungen Verluste, die in Dutzende von Millionen gehen, dadurch erlitten haben, daß sie mit alten, fest übernommenen Lieferungen noch im Rückstände sind, diese aber zu Preisen ab­geben müssen, für die sie heute noch nicht einmal die Rohstoffe sich wieder beschaffen können.

Die verhängnisvollen Wirkungen auf die Le- benshaltung sind Tag für Tag in erschreckendem Ausmaße zu beobachten. Dieser Zustand wird durch Veröffentlichung der Index-Ziffern für die ErnäHrungskosten auch noch amtlich be­siegelt. Diese Ziffer ist gegenüber den Kosten im Februar um fünfzehn Prozent gestiegen. Heute macht die Steigerung schon mehr als zwanzig Prozent aus. Nur mit einer dumpfen Resig- ' t ation und ohne jede größere Erwartung unter­hält man sich Wer Lohn- und Gehalts-Erhöhuw gen auf Grund der Steigerung, um im selben Augenblick zu beobachten, daß inzwischen die Steigerung der Lebensmittelpreise alles wieder Wer den Hausen geworfen hat. Wir befinden uns in einem Fieberzustand, wie er schwe­rer und verhängnisvoller die deutsche Wirtschaft noch nicht betroffen hat. Man hat längst in Ar­beiter-Organisationen eingesehen, daß es ein ver­gebliches Bemühen ist, durch fortgesetzte Lohn- und Gehalts-Forderungen der Teuerungswelle Einhalt zu tun. Die furchtbaren Wirkungen der Schraube ohne Ende aus diejenigen Schichten, die durch die Entwicklung der Dinge förmlich in einem Schraubstock gehalten werden, sind zu offenbar, als daß man sich heute noch mit irgend welchen agitatorischen Phrasen oder mit uto- pistischen Hoffnungen darüber hinwegtäuschen könnte. In immer weiteren Kreisen faßt endlich die Erkenntnis Fuß, daß wir auf diesem Weae der Mechanisierung nicht vorwärts kommen, daß vielmehr ganz andere Mittel einsetzen müssen, um das Hebet an der Wurzel zu fassen.

Und wo liegt diese Wurzel? Wir wissen alle baß die Verwüstung ausgeht von der Unsicher­heit. die sich aus der Gestaltung des Repa- rationSproblemS ergibt. Man stellt nur eine Alltäglichkeit fest, wenn man das betont. Und doch gibt es Binsenwahrheiten, die man immer und immer wieder sagen muß! Gerade die Politik ist reich an solchen Beispielen! Und das ist ja der Fluch, daß diese ursächlich wirt­schaftlichen Dinge politisch aufgezogen und behandelt werden. Das ist auch bet Fluch noch innen. Wir sehen das jetzt wieder bei dem Streit um die Getreide-Umlage. Um die Brot­preise nicht ins Ungemessene steigen zu lassen, hat sich die Regierung entschlossen, die gesetzliche Getreide-Umlage mit zweieinhalb Millionen Tonnen beizubehalten. Die Landwirtschaft wen­det sich gegen die Umlage. Sofort hat die So­zialdemokratie diese Frage ins Politische ge­zogen urtb der Reichsregierung geradezu ein Ul­timatum gestellt, des Inhalts, baß die Sozial- demokraten von der Regierung sich zurückziehen und alle Folgen eines derartigen Beschlusses die­ser Regierung aufbürden würden, wenn sie die Getreide-Umlage fallen ließe. Die inneren Span­nungen bewegen sich, wie diese Skizze zeigt, auf einem gefährlichen, mtt Explosivstoff unterminier­ten Boden. Wir dürfen unsere Augen nicht ver­schließen vor der Erkenntnis, daß wir Gärungen uns gegenüber befinden, von denen wir heute gar nicht wissen können, wie sie sich eines Tages entladen. Man beachte die Drohungen des radikalen Führers Menne, der dem Be­

amten- und Bürgertum den Kampf ansagte. Daß unheilvolle Kräfte am Werke sind, die wie­derum die Rot des Volkes für ihre politischen Zwecke und Ziele ausnutzen wollen, haben die Vorgänge dieser Tage wieder einmal in betrüb­lichen Formen gezeigt.

Die Genua-Konferenz.

Das Programm zur Eröffnung.

(Eigener Drahtbericht.)

Genua, 10. April.

Die heutige Sitzung wird sich folgendermassen abfpielen: Der italienische Ministerpräsident Facta wird eine kurze Begrüßungsansprache hal­ten. Darauf wird Lloyd George die Wahl Fac- tas zum Borfltzendeu durch Zuruf Vorschlägen. Nach der Wahl wird Facta eine Rede halten, in der die Italienische Stellungnahme zur Konfe­renz festgcstellt wird und wonach das Zustande­kommen der Konferenz auf die Annahme der Beschlüsse von Cannes aufgebaut ist. Darauf wird Lloyd George seine mit Spannung er­wartete Rede halten, in der er hauptsächlich auf das Weltabrüstungs-Problemim Hin­blick auf die Ostfiaaten zu sprechen kommen wird. Hierauf wird Barthou für Frankreich, TheuniS für Belgien und Tschitscherin für Russland sprechen; dann kommt Reichskanz­ler Dr. W i r t h für Deutschland zu Wort. Außer den drei H^uptkommisfionen »erden noch vier Nebenkommisflonen gewählt, sowie eine fünfte für Justiz, eine sechste für die Redaktton der Be- slUüsse und eine siebente für die Beglaubigung der Vollmachten gebildet werden. Diese Tages­ordnung hat die Zustimmung der Kleinen En­tente gefunden, die zu gleicher Zett unter dem Vorsitz von Nr. Benesch eine Sitzung abhielt.

Empfang der Deutschen.

Genua» 10. April. (Eigene Drahtmeldung.) Die Aufnahme der Deutschen von der italieni­schen Grenze an war mustergülttg. Abends kam der Sonderzug mit dem Reichskanzler Dr. Wirth, Außenminister Dr. Rathenau und Staats­sekretär Hemmer an. Da die Borfitzung der Alli­ierten, die um vier Uhr begonnen hatte, noch an­hielt, entfonbte der italienische Ministerpräsident den Staatssekretär Rosst zum Empfang der Gäste. DaS äussere Bah-nhofSbild war dann das bei grossen Empfängen übliche. Nach kurzer Ansprache des Staatssekretärs Rosst und des Präfekten von Genua begaben fich die Deutschen nach dem Eden-Hotel. Die deuffche Regierung wird aus der Konferenz, wie alle-Großmächte, durch fünf Delegierte vertreten sein. Diese Dele­gierten find: Reichskanzler Dr. Wirth, Aussen­minister Dr. Rathenau, Finanzminister Dr. Hermes, Reichswirtschaftsminister Schmidt und Reichsbankpräfident Havensteiu.

Die DrrSondiung«-Spra<ve.

Genna, 10. April. (Eigene Drahtmeldung.) ES ist vereinbart worden, dass als offizielle »on- erenzsprache französisch und englisch geb ten wird, ebenso ist die italienische Sprache bei den Berhandlitngen zugelaffen.

Die Amerikaner am Rhein.

Sin teuerer und zweckloser Nachlaß.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, $0. April.

Die PariserChicago Tribüne" berichtet, dass mit dem Rückzüge der amerikanischen Garnison vom Rhein sich die brennende Frage ergibt, was mtt den riesigen Vorräten au amerlkaul- chen Geschütze«, a« Gewehren und Munition geschehen soll. Es seien vor vier Jahren für über zehn Milliarden Dollars Mn- nitions-Borräte am Rhein aufgestabelt worden, für die noch keine Abnehmer gefunden worden sind. Ma« könnte diese Vorräte also nur im Rhein oder auf hoher See versenken. Es handelt sich um eine Milliarde Gewehrpatronen und um Zehntausende von Granaten «nd Schrapnells. Ein Abttansport nach Amertta käme zu teuer. Eine anderweitige Verwendung besonders der Gewehrpatronen ist «mnöSlich,

weil kein enropäisches Heer dieselben Kaliber besitzt wie das amerttanische.

Belgische Maßnahmen.

Schwierigkeiten nach dem Hamborner Mord.

(Privat-Telegramm.)

Duisburg, 10. April.

Eine Meldimg aus Brüssel besagt: Der belgische Kriegsminister ist gestern nach Paris abgereist, um mit Marschall Fach über die Er­mordung des belgischen Leutnants Graff zu sprechen . Wie derTemvs" erfährt, hat die bel­gische Justiz noch nicht festgestellt, ob der Verhaftete Franz Abisch (?) der Mörder ist. Die Belgier find jedenfalls entschlossen, den Mord vor einem Kriegsgericht zur Ent­scheidung zu bringen. A«ck> der belgische Po­lizist, der den deutschen Polizisten erschossen hat, obwohl er in berechtigter Notwehr gehandelt hat, wird vor ei« belgisches Kriegsgericht gestellt.

Sprengstoff Explosion.

Ei« Zwischenfall in Oberschlesie«.

«Eigener Drohtbericbt.) Gleiwitz (Oberschlesie«), 10. April.

Der Hütten-Friedhof des Staats-Bergwerks Gleiwitz war am Sonntag gegen Mittag der Schauplatz einer furchtbare» Explosion. Französische Truppen, die dort i« der Kapelle und in den daneben gelegenen Grüften ein Waf- fen-Lager vermuteten, stießen bei der Durchsu­chung des Friedhofts und der Grüfte auf einen Explosionskörper, der mit furchtbarer Gewalt sich cntütb. Die Kapelle und die nähere Umge­bung wurden in ein Trümmerfeld verwan­delt, die durchsuchenden Soldaten Opfer der Ka­tastrophe. Aus den Trümmern find bis gestern abend dreiundzwanzig tote und zehn schwerverwundete französische Soldaten geborgen worden. Auch der sranzösischerseits zur Führung der Truppe hinzugezogene Bohr­meister der Hütte Ist ein Opfer des Unglücks ge­worden. Die Unfallstätte wurde sofort von Apo- Beamten abgesperrt. Ebenso werden die Räu- mungsarbette« durch diese Beamte durchgeführt. Angesichts dieses Vorfalles hat der KreiSkon- trolleur von Gleiwitz Stadt zahlreiche Sonder­maßnahmen getroffen und die Schliessung sämtlicher Lokale um 8 Uhr abends angeord­net. Die Theater habe« um 6 Uhr zu schließen. MUfikalffche Unterhaltungen müssen um 6 Uhr abgebrochen werde«. Es steht zu erwarten, dass von heute ab ueuerdings der Belagerungs­zustand über Gleiwitz Stadt verhängt wird.

Llnklartzeit der LlrfacyL

Gleiwitz, 10. April. (Privattelegramm.) Die Explosion auf dem Hütten-Fricdhofe soll, wie hier verlautet, durch Explosion eines polni- schenHandgranatenlagerS erfolgt fein. Von anderer Seite wird gemeldet, dass das Un­glück auf die Explosion eines Sprengstoff- l a g e r S des Bergwerks zurückzusühren sei. Diese Sprengstoffe sollen in einer der Grüfte neben der Kapelle gelagert worden fein.

Die Beamten-Berbände. ReichSgewerkschaft «nd Beamtenbund.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, M. April.

Da in de« Eifeubahnerkreifen dar­über gellogt wird, dass Nachgeordnete Stellen vielfach bei der Difziplinierung der am letzten Streit beteiligt gewesenen Beamten über die von der Regierung aufgesiellten Richtlinien hinausgehen, ist eine demokratische Anfra­ge beim Reichstage eingegangen, in der die Re­gierung ersucht wird, auf die Nachgeordneten Stellen zu dringen, daß dem Wortlaute und dem Sinne der Richtlinien entsprechend verfah­ren wird. In der Sonnabend-Versammlung des Bundestages des Deuffche» Beamtenbundes gab der Streikführer Menne die folgende Erklä­rung im Namen der Reichsgewerkschast deuffcher Eisenbahnbeamten, der Reich sposigewerkfchaft u. des Deuffchen Justizbeamtenbundes ab, daß die Genannten bereit find, au der Klärung der Lage im Deuffchen Beauttenbund weiter mitzu­arbeiten. Die genannten Gewerffchasten ver­bleiben also im Deuffchen Beamtenbund-

Die Konferenzstadt.

Alte und neue Bilder.

ein berausch ende» Landschaftsbild. Sena« in der Geschichte. Adel und »spvpol ntirtu- to" Unter der Herrschaft der Dogen. ®te Verschwörung desFiesko". ein« Stadl in den Bergen. De» Palazzo Reale. Dantes Bolkslreiben. »MSnner ohne Er»««--? Man ntu6 bei hereinbrechender Nacht zu Schiff mit den kühleren Seewinden vom Süd­meere her in den Hafen von Genua eingefahreu sein, um die ganze Schönheit dieses Fleck­chens Erde in sich aufgenommen zu haben. Wenn an dem tief dunkelblauen Himmel Stern bei Stern steht, aus dem aniphitheatralisch anfstei- genben LandschastsbWe die Tausende von Lich­tern berüberleuchten, und die See mit ungezähl­ten Reflexen das feenhafte Spiel der leuchten­den Farben zurückwirst, dann enthüllt sich dem Beschauer das ganze köstliche Geheimnis jener Stadt, dte nicht nur Nationalstolz, sondern ge­rechte Bewunderung aller Freunde berauschen­der Landschaftsbilder .La Superba* genannt hat. In der Tat, Genua ist dieHerrliche"', als die die Stadt im Liede der Italiener besungen wird. Sie hält in ihrer derben Eigenheit selbst den Vergleich mit Venedig aus, wenn auch der Charatter der beiden Städte Oberitaffens so grundverschieden ist Grundverschieden und doch wieder ähnlich, weil selbst der unbefangenste Ge­nießer der Naturschönheiten nicht den historischen Blick verlieren kann, der dem Genüsse des Schauens das letzte Relief gibt und am Ende den endgültigen Eindruck bestimmt, den wir vom Gesehenen in der Erinnerung mit uns nehmen. In dieser Beziehung sind die Tradittonen bei­der Städte nahe miteinander verwandt, beide sind sie in den Anfängen der Geschichte des Heu- tigen Italiens verankert, denkwürdig ist Ihre Vergangenheit, durch Alter und hohen Kunst, wert geheiligt, die Zeugen einer früheren Zeit die ihre Mauern bergen.

Nur wenige ttalienische Städte gibt es, die eine solche Fülle von Palästen, Terrassen, Gär­ten und Basttonen aufzuweisen haben, wie Genua. Die Stadt ist bunt, nicht eintö­nig, und wenn auch die das Stadtbild über­ragenden Bergrücken! kahl sind und nur wenig Baumwuchs aufweisen, so ist doch der Anblick der turmartigen Häuser, die an dem steilen Ge­birgskranz heranklettern, außerordentlich ma­lerisch. Wie ein Symbol des mächtigen Empor- strebens der fleißigen, tentperametvollen, stolze« und klugen Bevölkerung ist der aufftrebenbe Bau der Stadt, die von dem Knie (Genu), das an dieser Stelle die Küste des Mittelmeers aufweist, ihren Namen empfangen hat. Wegen der eigen» artigen Anordnung der Häuser mitten in den Bergen sind die Straßen vielfach übereinander- gelegt, sodaß sie einander überbrücken, und die Häuser selbst sind von außerordentlicher Höhe. Viele von ihnen sind bunt bemalt, häufig in den verschiedensten Farben, was dem Gesamtbilde einen merkwürdig pittoresken Anblick verleiht. Die neuere Zeit hat allerdings das Stadtbild iark verändert, durch Schaffung neuer Straßen­züge, besonders jenes schönen breiten Korsos, der zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert ange­legt wurde und zahlreicher als in anderen Städten Italiens von prächtigen Renaissance- Palästen umsäumt wird. An dieser Prachtstraße Riegen die meisten der hervorragenden Baulich­keiten, die als Zeugen einstigen Wohlstandes in die Gegenwart hineinragen, auch jener Palazzo Reale, der Königspolast der an der schönen Viabalbi liegt, früher der Familie Durazzo ge­hörte und in dem die Sitzungen der internatio­nalen WrffchastSkonferenz stattfinden werden.

Alle diese Paläste ohne Zahl zeichnen sich durch ungewöhnliche gehaltreiche Größe aus, durch eine kaum je erreichte Hoheit und Gerau- migkeit der Vestibüle, Höfe, Treppen und Säle, verbunden mit malerischer Gruppierung und allseittger Behaglichkeit des Inneren. Das Volksleben von Genna ist von einer Bunt­heit wie alle echt itafientschen Städte. Stra- ;en und Hafen sind von einem geschäftigen Ge­wimmel erfüllt, bunt und mannigfaltig sind die Gestalten und ihre Kostüme, originell die Last­träger, die Bergamasken, die auf eine Jahchun- berte alte Tradition zurückblicken, und nicht zu­letzt verschönen das bunte Bild jene hübschen Frauen und Mädchen, deren schwarze Augen mit ben Blitzen der tausend Lichter wetteifern und deren Schleier, die weiß um den Kopf gewickelte Zendala, reizvoll von den schweren dunklen Haarflechten nieder fällt. Es ist ein tolles Trei­ben, besonders am Hafen, wo Schiffer mit dem wachsleinenen Hut und der roten Schärpe nicht müde werden, demSignore" einenöatetto* anzubieten, während andere ihre Limonaden, ihre Maulesel und sonstigen Dinge anpreisen, die der Fremde gebrauchen kann. In merkwü^ digem Gegensatz zu diesem Volkstreiben steift das Leben der modernen Welt, die auf dem vor­nehmen Korso an den eleganten Geschäftsläden vorbei flaniert oder in vornehmen Equipagen auf GuBMttAderu dahinnM.