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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

12. Jahrgang

Nummer 82.

Donnerstag, 6. April 1922

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 und 952

Mißtrauen gegen Die deutsche Abordnung?

Ausgefchaltet.

®l< Geuna-Konfersnz wird eine Komödie!

Lloyd George, der Ministerpräsident des einst­mals stolzen Großbritanniens, ist ein schwanken­des Rohr im Winde. Die britische Regierung hat ihre alte Machtstellung verleugnet, und Lloyd Geora.-tanzt, wie man inParis pfeift. Das kann schlaue Politik sein, es kann aber auch Schwäche sein, die Lloyd George durch einen Zickzack-Knrs zu verdecken sucht. Man rufe sich nur einmal in Erinnerung, was er in den wenigen Wochen seit Cannes gesagt und getan hat. Immer führte er schöne Worte vom Frieden im Munde, stellte mit Pathos fest, daß' die Wiederherstellung Europas dringend notwen­dig sei, daß Deutschland nur in gewissen Gren­zen belastet werden könne und daß die französi­schen Forderungen zu weit gingen. Sobald er aber einen mißbilligenden Wink von PoincarS erhielt, schwenkte er um und behauptete das Gegenteil. Dieses Spiel treibt er bis zum heu­tigen Tage, angesichts der Konferenz von Genua. Angeblich ist der Zweck dieser Konferenz die wirtschaftliche Wiederherstellung Euro­pas. Daß diese nur erreicht werden kann, wenn für Deutschland bessere Lebensbedingungen geschaffen werden und Rußland in geordnete Bahnen gelenft wird, ist jedem vernünftigen Menschen klar. Das weiß Lloyd George uns weiß Poinears. Da aber dementsprechend Frank­reich und Belgien ihrer Habgier Schranken auf­erlegen müßten, verbietet PoincarS die Behand­lung der deutschen Frage auf der Konferenz, und sofort stimmt Lloyd George ihm zn und erklärt, Deutschland sei am Kriege schuld, es müsse also die Folgen tragen. (!) Wenn man für Deutsch­land die Lasten ermäßige, würde dieser Teil der Lasten auf Frankreichs und Belgiens Schultern fallen, und das fei nicht zulässig. (!) Die Repa­rationsfrage dürfe also in Genua nicht kritisiert werden! Deutschlandbleiblausgeschal­tet, die sogenannte Wiederherstellung Europas bleibt eine Phrase, und Lloyd George bleibt einerlei, ob unfreiwillig oder freiwillig das schwankende Rohr im Winde.

Kana man mit Leuten von solch unehrlicher Gesinnung überhaupt verhandeln? Hat es denn Zweck, daß Deutschland eine Abordnung un­ter gewaltigem Kostenaufwand nach Genua schickt? Nach dem neuesten rednerischen Mroba- tenstückchen dieses Herrn George ist doch kein Zweifel, daß man, wie auf früheren Konferen­zen, so auch in Genua Komödie spielt. Poincars hat. ein Programm genau fest­gelegt, mit dem das Wohlergehen Frankreichs und Belgiens gewährleistet werden soll, während die übrigen europäischen Staaten im Abhängig­keits-Verhältnis gehalten werden. Lloyd Ge­orge hat nicht die Kraft, dagegen aufzutreten vielleicht auch nicht den Willen, denn obwohl England in wirtschaftlicher Hinsicht einen auf­nahmefähigen Kontinent wünschen möchte, liegt ihm vorläufig noch mehr daran, die Festlands- staaten, außer Frankreich, politisch machtlos zu sehen. In dieser Erwägung pendelt Lloyd Ge­orge hin und her, sagt einmal für Deutsch­land ein paar freundliche Worte, um sich den Anschein zu geben, als sei er von ehrlichem Wil­len erfüllt, und wendet sich alsbald wieder Frankreich zu, das er mit Taten und durch Nachgiebigkeit unterstützt.

Durchschaut man aber dieses Doppelspiel, so kann man unmöglich seinen Worten Glauben schenken, wenn er in heuchlerischer Weise vom »Frieden- redet. Es ist nach alledem noch eini­germaßen schleierhaft, was die deutsche Ab- ordnung in Genua will. Ahr Programm hat sie noch nicht veröffentlicht. Rach bisheriger Auffassung der Reichsregierung beliebte sie meist sehr zurückhaltend zu sein, um bei den Entent - machten keinen Anstoß zu erregen. Erst durch die Rede des Reichskanzlers in der vorigen Woche klang einmal ein energischer Ton. Würde sich die deutsche Abordnung darauf beschränken, nur auf vorgelegte Fragen, die die Alliierten mit der Tagesordnung vereinbar halten, zu antwor­ten, dann hätte ihre Anwesenheit dort wenig

Wert. Sie muß es als ihre Aufgabe erblik-. km, einerlei, ob innerhalb oder außerhalb der Tagesordnung, die deutschen Beschwer­de n und Wünsche zu Gehör zu bringen. Leise­treterei wäre besonders dem ftanzösischen Lärm gegenüber schlecht angebracht. Inzwischen wer­den ja in Berlin zwischen der deutschen und der russischen Abordnung Vereinbarungen über ein gemeinsames Vorgehen in wirfichchi-'

lichen Fragen getroffen. Möglicherweise kommt dadurch eine feste Haltung zum Ausdruck. Trotz­dem darf man sich noch keinen wirklichen Erfolg davon versprechen. Die Börse, dies-, empfind­liche Barometer der Wirtschafts- und politischen Lage, mißt der Konferenz von Genua keine be­sondere Bedeutung bei. Auch das Ausland sieht1 keine Besserung für Deutschland, wie aus dem Sinken der Mark hervorgeht. Bemerkenswert ist übrigens der Stand der Wetten in England, wobei es um die Fraae der Stabilisierung der europäischen Valuten geyn. eins für, neun da­gegen. Sind diese Wetten auch ein Unfug, fo geben sie doch ein anschauliches Bild von der Meinung der Engländer. Und die ist sehr be­zeichnend! K. F. Dr.

Die Konferenz in Genua.

Vorbesprechung in der deutschen Regierrrng. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 5. April.

Die deutsche Delegation für Genua hat gestern verschiedene Sitzungen unter dem Vorsitz von Dr. Rathenau abgehalten. Es wurde beschlos­sen, daß in Genua die Reparationsfrage in Verbindung mit der Leistungsfähigkeit von Deutschland zur Sprache gebracht wer­den soll. Die drei Unterkommissionen sind ebenfalls gestern zu ihren ersten Sitzungen zu­sammengetreten. Auch in der Reichskanzlei fand eine Chefbesprechung statt, in der über die Vorbereitungen von Genua und über die Be­sprechungen mit der russischen Delegation ge­sprochen wurde. Der frühere Staatssekretär Bergmann ist am Montag in Paris eingetrofftn und wird sich von dort nach Genna begebe«.

Französisches Mißtrauen.

Berlin, 5. April. (Privattelegramm.) Wie von unterrichteer Sefte mitgetcilt wird, herrsch! in den Kreisen der Wiederherstellungskommis­sion Befremden (?) über die Zusammen­setzung der deutschen Abordnung für Genua. Man wundert sich, daß diese Abordnung fast nur aus Herren besteht, die sich bisher hauptsächlich mit der Reparatrvnsfrage, dagegen nicht mit der russischen Frage beschäftigten. Man befürchtet, das; Deutschland die Absicht habe, in Genau in erster Linie die Reparationsfrage aufzurollen und nur zu diesem Zwecke die Abordnung so znsammengesftllt habe, wie sie jetzt bekannt wird

Dir franzöfischr Morvnung.

Paris, 5. April. (Eigene Drahtmeldung.) Gestern morgen hat der ftanzösische Ministerrat endgültig die Zusammensetzung der franzö­sischen Abordnung für Genua beschlossen. Sie besteht au3 Justizminister Barthou, der die Delegation führt, au§ dem ftanzösischen Ge­sandten in Rom, Barriöre, aus dem Staatssekre­tär Piquard, benf' Vizedirektor der Bank von Frankreich, Srydou, und dem Direttor der Han delsabteilung des Auswärtigen Amtes.

ÄM besetzten Gebiet.

Gewalttätigkeit der fremde» Senaten. (Eigener Drahtbericht).

Berlin, 5. April.

Gestern wurde aus fi 31 n-Mülheim berichtet, daß ein französischer Soldat einen Mülheimer Bürger getötet habe. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, trifft die Mel­dung tatsächlich zu. In Köln-Mülheim hatten französische Soldaten von einem Wirte am Abend Branntwein verlangt. Dieser hatte den Verkauf wegen des bekannten Verbotes betref­fend Ausschank an Besatzmigstruppen verwei­gert. Ei« Maurermeister Kuest, Vater von sechs Kindern, hatte versucht, die Erklärung des Wirtes den Franzosen verständlich zu machen. Er verließ dann das Lokal und wurde wenige Minuten später, ohne weiteren Wort­wechsel von einem der Franzosen erschossen.

Die EHießerei In Hamborn.

Berlin, 5. April. (Privattelegramm.) Tcr

belgische Gesandte hat gestern im Auswärtigen Amt vorgesprochen. Sein Besuch galt der Duisburg - Hamborner Schießerei. Eine Note der belgischen Regierung liegt bisher nicht vor. Dies ist Aufgabe der Pariser Bct- schafterkonferenz. Der Gesandte hat das deutsche Verlangen nach Aufhebuna des Btzlrsr-

rungszustandes im belgischen Besatzungs­gebiet avgelehut.

Eisenbahner-Tagung.

Recheuschaftsöerrcht über den Streik.

(Eigener Drohtbericht.)

Berlin, 5. April.

Gestern hat hier die außerordentliche Haupt­

versammlung derReichSgewerkschast deutscher Eisenbahnbeamten und Anwärter" begonnen. Die Tagung ist von mehreren hundert Vertre­tern aus dem Reich beschickt worden, die von dem jetzigen Vorstand Rechenschaft über die Politik der Gewerkschaft, die besonders anläßlich des letrten Eisenbahnerstreikes den größten Widerspruch bei einem Teil der Ange­hörigen gefunden hat, verlangte. Zu Beginn der Sitzung wurde der Beschluß derFachge- werlschaft technischer Eisenbahnbeamter" bespro­chen, die in ihrer vorgestrigen Sitzung die A b - setzungdesFührersMenne gefordert und ihr weiteres Verbleiben in der Reichsgewerk - schäft von dieser Forderung abhängig gemacht hat. Ungeheueres Erstaunen löste in der Ver- lcimmlung die Mitteilung des Versammlungs­leiters aus, daß Menne plötzlich erkrankt fei. Daraufhin sollte sich eine Kommission persönlich in der Wohnung Mennes über seinen tatsächli­chen Gesundheitszustand unterrichten. Die Ta­gesordnung enthält neben einem größeren Be­richt des ersten Vorsitzenden über die Ursachen, Wirdrngen und Folgendes Streiks einen Bericht des Geschäftsführers über die Verhand­lungen mit dem Reichskanzler über den Stand brr Disziplinarverfahren.

Tagung öerÄMernattonasen

EinEiuheitskongreß" wird nötig.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 5. April.

Gestern traten die Vertreter der drei Inter­nationalen wieder zu einer Vollsitzung zusam­men. Sie wurde eröffnet mit einer großen Rede des Engländers Macdonald, der Radeks Angriffe gegen die zweite Internationale euer- gisch, wenn auch im Ton versöhnlich zurückwies. Darin ergriff Serrati das Wort, der sich mit auffallender Schärfe gegen VanberveldeS Rede wandte und yie Forderung anfstrllte, man dürft keineBedingungenfürdas Zustandekom­men des sozialistischen EinigungskongresseS auf­stellen. Diefe beiden Reden füllten die ganze Vormittagssitzung aus. Tie Verhandlungen wurden nachmittags fortgefetzt. Durch persön­liche Fühlungnahme der Führer der drei Inter­nationalen soll der Versuch gemacht werden, eine Einigung über die grundlegenden Bedingungen zur Einberufung eines Einheitskongref- ses der drei Internationalen zu erzielen.

Sie Frankfurter Messe.

Gutes Mrtzgrschllft trotz hoher Preise.

tDrivat-Tcftarannn.i

Frankstiri a. M., 5 April.

Gestern fand hier auf der Messe die Begrü­ßung der Ausländer statt. Reben den Aus­länder« hatte sich eine Anzahl offizieller Perfön- lichkeiten eingefunben. Unter anderem war Reichswehrminister Dr. G e ß l e r zu brr Begrü­ßung erschienen. Tas Metzgefchäst ist in den meiste» Branchen andauernd gut, in einigen Ar­tikeln sogar Hervorrageiw, obwohl die Waren außerordentlich teuer sind. Gestern besuchten auch mehrere Mitglieder des Interfraktionellen Messeausschusses des Preußischen Landtages dft Frankfurter Messe und besichtigten deren An­lagen in einem mehrstündigen Runbgang. Der große Befuch machte sich auch ftn Straßenbahn­verkehr der Stadt geltend, dessen. Eiunahme- erträg an den beiden ersten Tagen der Messe fo groß gewesen ist, daß er alle bisherigen Messetage in den Schatten stellst

Sturm in SüSdeutschlanö.

Windschäden und Hochwassergefahr.

, (Privat-Telegramm.»

Karlsruhe, 5. April.

Seit Mitternacht tobt in -tanz Süddeutsch?and ein orkanartiger Südweststurm, der an den Trahtleitungen und Waldungen vielfachen Schaden angerichtet ha?. Da infolge der letz­ten Schneefälle im Gebirge fix diese Jahreszeit außerordentlich starke Stfmecmaffen lieget-, zum Teil ein bis anderthalb Meter, besteht Hoch­wassergefahr. Alle Bäche und Flüsse zei­gen starke Anschwellungen. Trr Rhein ist heute Nacht um einen Meter gestiegen. Der Neckar hat bereits bei Mannheim die Mer überschritt?« und das Vorgelönde überflutest

Berufs-Auslese.

Die Ardeits-Eiguuug de« Nachwuchses.

Zu der Seit vor Ostern mäffe» fich Mele Samt, liest mit der Frage beschäftigen, wotcyv« Beruf der schlUentraffeue «nabe oder da« Mädchen wähle« soll. Dabei ist auch dieTcrufSeignung von Bedeutung. Man schrridi uns Uber diese Frage

Die nahende Osterzell rückt als Schulende (leider immer noch nicht einheitlich für ganz Deutschland, für alle Schulgattungen) die Frage der Einreihung der Schulentlassenen in das Er­werbsleben in die bei dem Berufsnach­wuchs entstandenen Lücken wieder in den Brennpunkt des allgemeinen Interesses. Da tauchen neue Fragebogen für Eltern und Lehrer auf, die zunächst in den größeren > Städten mit ihren günstigeren Schulverhälims- sem erprobt werden, um dann ihren Siegeszug durch die Kleinstädte und Landorte anzutreteu. Die seelischen und sozialen Eigenschaften und Mängel sollen mit Hilse vorgelegter Fragebo­gen Schule und Elternhaus in sich ergänzender Arbeit seftftellen, um mit Hilfe des vom Arzte bestimmten körperlichen Zustandsbildes eine richtige Einweisung in unser Wirtschafts-, unser Arbeitsleben zu ermöglichen Diese verantwor­tungsschwere Kennzeichnung lastet besonders druckend auf der Volksschule, die ja rund nenn* Zehntel aller jugendlichen Berufswähler und -Wählerinnen stellt. Auch bei dem, der nicht fie­ser in die hier in Frage kommenden Zusammen­hänge zu blicken vermag, taucht sofort die schwere Zweifelsfrage auf: Ist eine derarttg bedeu- tungsvolle Kennzeichnung für ein ganzes, län­geres oder kürzeres Menschen- und vor allem ArSeitsleben in so jugendlichem Alter aus Grund der doch meist lückenhaften Beobachtung von Schule und Elternhaus miMch? (Von der experimental-psychologischen

Berufseignungs-Feststellung.

die heute durchweg nur als Ergänzung tret Schul- und Hauserfahrung betrachtet wird, sei zunächst noch abgesehen.) Schon die Tatsache, daß die körperliche Reife mit ihren den ganzen Menfchen, auch fein gesamtes seelisches Leben, gewaltsam und gewaltig umgestaltenden Folgen dem vierzehnjährigen Entlaßschulkinde noch be­vorsteht, dürste die Berechtigung einer derarfi- gen Maßnahme ziemlich zweifelhaft erscheinen lassen. Dieses Bedenken und der Widerspruch, der im Gegensatz zwischen Schulleistung und lebens-, berufsbiauchbarer Begabung besteht, veranlassen zahlreiche ernste, verantwortungsbe­wußte Volksschullehrer, die Beantwortung von Berufseignungsftagebogen abzulehnen, zumal wenn ihnen, wie es in viele« Stadtschulen meist der Fall ist, die unbebingt vorauszusetzen- be mehrjährige, d. i. mindestens drei« oder vier­jährige ununterbrochene Beobachtung-möglich« keil wegen häufige« Klaffenwechsels mangelt. Sie geben zu, daß das Schulzeugnis ket« rich- ttges Begabungsbild des Schulkindes gibt und auch nicht geben kann, well in den Schularten nicht nur die Veranlagung (und zwar für den vorgeschriebene« oder behandelten Erkenntnis- und UedungSstoff), die Fähigkeit zur Bewillttgung des SchuHenfumS enthalftn ist, sondern meist ebenso hoch «wertet der Auf­merksamkeitsgrad und der Fleiß bet der Schul­arbeit und der häusliche« Vorbereitung. Das ist aber ein Gradmesser, eine Bewertung, für die der Lehrer volle Verantwortung $u über­nehmen vermag, weil er Tag für Tag, Unter­richtsstunde um Unterrichtsstunde die tatsächli­chen Leistungen (und hierauf ist das Schwerge­wicht zu legen) feststellen. mit denen des Klaf­fendurchschnitts vergleichen und dementspre­chend abschätzen kann. Daß hieraus ein Schluß auf gewisse, schulisch wertvolle Begabungsver- hältniffe gezogen zu werden vermag, auch man­che Willens- und sozial gerichtete Eigenschaften zu Tage treten, leugnet kein Lehrer; aber er kann hieraus und das ist enficheidend fein ebenso klares und vollständiges Bild gestalten, wie aus den erwähnten Schulleistungen. Diese Unsicherheit bei einer umgebener schwerwiegen­den Urteilsbildung ist die Ursache jener ableh­nenden Haltung weiterer BollSschullebrerkreise, die der gegenwärtigen. Zeftströmung psychologi­scher Feststellungen bei Schulkindern ihr Perant- wortungsaefühl zu opfern, nicht geneigt find. Auch der Industrie ist mit derartiaen Halbbetten nicht gedient. Ganz abgesehen davon, ob Wir als Volk heute in der Laae find, eine nach vor­wiegend psychologischen Geflchtsymckten vorge­nommene BerufsauAcse vorzunehmen, waS stark bezweifelt werden kann, ist in unserer ge- genwärfigen Zeit die Einstellung der

Umgebung des Kindes,

vor allem der Eltern oder Fürsorger, z« nnse« rer Arbeits- und Wirtschaftsversaffuns in vielen Fällen nach der Erfahrung großer Industrien wichtiger als die besondere Eignung m>er Be­gabung. Hat der Junge, hat das Mädchen Lust zu der fraglichen Beschäftigung, Met diehaus- liche Umgebung, das ErzichuiMmMru >$bwx»