Nummer 77,
Freitag, 31. Marz 1922,
Fernsprecher 951 und 952
Fernsprecher 951 und 953
12. Jahrgang.
Sie Gefahr -er fremden Aivauzkonkrolle
Reichsaußenminister Dr. Rathenau, Reichs- wirtschastsminister S ch m i d t und Reichsfinanz. Minister Dr. KermeS. Als Vertreter der Gewerkschaften werden wahrscheinlich der demokratische Abgeordnete Erkelenz und der frühere preußische Ministerpräsident Steger- wolb, sowie der frühere ArbcitsMinifter Bü- schel mit nach Genna gehen. Alles in allem dürfte die deutsche Abordnung etwa fünfzig Personen mnsaffen. Ob der Reichskanster nach Genua fährt, ist immer noch ungewiß, da Dr. Wirth seine Teilnahme davon abhängig macht, ob auch die Chefs der alliierten Regierungen en der Sonfrrenz fn Genua teilnehme«.
Berlin, 30. März.
Me aus Parlamentarischen Kreisen mitgeteilt wird, wird die deutsche Delegation für Genua
gebung in der Frage der alliierten Reparativ,iS Rote zusammenzubringen.
Vorbereitung für Genua.
Zusammenstellung der deutschen Abordnung.
। (Privat-Telegramm.l
Vertretung des Völkerbundes.
Pari», 30. März. (Eigene Drahtmeldung.) Die gestrige Sitzung des Bölkerbundrates hat er- geben, daß Meinungsverschiedenheiten Zwischen Frankreich und England bestehen. Im Gegensätze zu Frankreich erklärte der englische Delegierte Fisher, daß es die englische Regierung für ausreichend hält, wenn der BSlkerbund nur durch eine Anzahl technischer Vertreter an der Konferenz teilnehmen werde. England bleibt bei seinem Standpunkte, daß es dem General-Sekretariat des Völkerbundes überlassen bleibe, Sachverständige nach Genua zu entsenden.
Reue FedibetrSge.
Berlin, 30. März. (Privattelegramm.) Wie gestern im Reichstag verlautete, sollen im Monat März die Etats der Eisenbahn und Post infolge des Marksturzes wieder Milliarden Fehlbeträge aufweisen. Tie Essen bahn nennt schätzungsweise einen Betrag von anderthalb Milliarden Mark.
JnlkittanSpretf« a) Sinh«,misch« Aufträge: Me etnfpalttge Anjeigeujelle M. 2L0, »ft rinfpaUlae Sie.tarne,eUe M 6.26. b) Zuiroärttge Aufträge: Me etnsHUttge Snzeigm^eUe a». 4.b», bU «nfpatttge Rellamezetle M. « 26, alles einschließlich reuenmgS,Uschlag und "U d-länverr schwierigem ®a« hundert Pro,em Aufschlag. Fne die Mchiigkeit aller durch Fernsprecher -ufgegebenen Anzeigen, sowie für Ausnahme, date» und Platze kann eine PewShr nicht übernommen werden. — Druckerei: Schlacht hosfiraße AM. «elchäftSslellei Kölnische ®tta6e ö. Telephon Nummer 951 und 952
Folgen derGntenteforöerung.
Geldentwertung und Besoldungsfragen.
«tiaentr Trahtbericht.)
Berlin, 30. März.
Eine Beamten Versammlung tagte in den Pha- russälen in Berlin, wo eine Entschließung vorgelegt wurde, nach der der fortschreitenden Rück- gang der Markkrast die neuen Beamtenge- HSlter - Erhöhungen bereits überholt habe. ES feien mindestens hundert Prozent der Gehaltserhöhung. rückwirkend vom 1. Mürz zu fordern! Die Entschließung gelangte einstimmig N» Annahme. Die Eisenbahner faßten in stark besuchten Versammlungen in RnmmrlSburg und Spandau Beschlüsse, eine sofortige Erhöhung der Gehälter und Löhne angesichts der fortschreitenden Teuerung M verlange«.
Vertrauen oder Mißtrauen
Der Reichstag zur RegierungserklSrung. (Privat-Telegramm.)
Anter der fremden Gewalt. lEigener Drohtbericht.)
Rotterdam, 30. März.
Reuter verbreitet die Meldung, daß der Be- fäMß der Reparationskommisfion vom 18. März wonach Deutschland am 1. Juli der alli- irrten Finanzkontrolle unterworfen wird, in Uebereinstimmung mit den Beschlüssen der Pariser Finanzlonserenz gefaßt worden ist. Die Londoner „Times" melden, daß nach Auffassung führender englischer Kreise die Finanzkontrolle über Deutschland endgültig sei (?) und daß nur noch über die Form der Ausführung der Kontrolle, nicht aber Wer die Tatsache selbst, Verhandlungen mit Deutschland möAich seien. — Die ReparationSkommisfion hat sich grundsätzlich für die Ausarbeitung eines internationale» Anleihe-Planes ausgesprochen und ferner Me Abkomme» Wer die Sachleistmtgen gebilligt.
NLickflchMosigkett!
Elektrisches aus Wilhelmshöhe.
Raw 6ee tlebernaffme des »enteilen Clektrtzi- tät8toe*U in WilhelmSHShe ist die S«adt da»» «bregegangen, in WUHellnSH»tze Drehstrom eit-,nfnhren. Die notwendigen Aendernngsae- d-iten haben solange Zeit beansprneb«, datz ein Deil der Wohnungen in Wi.helmshöh« «»st ,n Anfang dieses Jahres Drehstrom erhielt, wo. dnrch de« Mietern erhebli-he Unkosten entstan. de« find. 3« dieser Eaeye wird «n« gefthrieben,
ernst nimmt, weil seit drei Fahren die Reichs- regierungen jede erdrückende Forderung mit .Nein" beantwortet und dann doch die Erfüllung versprochen haben. Wollen wir diesmal einen Erfolg verzeichnen, dann ist größere Einigkeit nötig. Mit der Regierung muß der Reichstag und mit dem Reichstag das ganze Volk einmütig Einspruch erheben. EL wäre eine jämmerliche Kraftlosigkeit, wenn es jetzt noch nicht gelänge, eine Einheitsfront des deutschen Volkes zu schaffcnl K, F. Dr. .
„Begründung" der Vlüne.
Parts, 30. März. (Eigene DrähtmeDnurg.) „Journal des Debats" befaßt sich nochmals mit den Wirkungen der Reparationsnote hinsichtlich der Teuerung in Deutschland. Das Blatt ist überzeugt, daß österreichische Zu- täude in Deutschland gerade durch die Finanzkontrolle verhindert werden sollen. (?) Die Ursache der Teuerung in Wien fei die Kronenent- wertung, wo der geringste Arbeiter eine Million Kronen bezieht. Solche Zustände sollen durch die Finanzkontrolle w Deutschland unmöglich gemacht werde«. Wo keine Banknote« mehr gedruckt würde«, gäbe es auch keine Lohnsteigerunge«. (!)
*
Vorbereitung der Zwangsmaßnahmen.
Paris, 30. März. (Eigener Drahtbericht.) Der „TempS" meldet, daß die Reparationskom- mifsion, obwohl Deutschland leine Frist gestellt worden ist, bis spätestens 15. April die deutsche Zusage erwarten will. Die Vorbereitungen der Finanzkontrolle erfordern mehrere Wochen und sofern Zwangsmaßnahmen ergriffest werden müßten, sei es notwendig, diese Anfangs Mai eknznleiten, damit die Son- trollkommisston zum festgesetzten Termin um ersten Juli ihr- amtliche Tätigkeit in Deutschland auszunehmen in der Lage sei.
wenden Mietpartrten auch nicht das min- beste mit der Saumseligkeit zu tun, die in Bezug auf die Aenderungsarbeiten fest- i!stellen ist, die unzweifelhaft sbon seit Jahr und Tag hätten beendet werden können. Noch
Frankreichs Delegierte.
Parts, 30. März. (Eigene Drahtmelduna.) Wie private Pariser Blätter betonen, find die Br- chlüffe deS französischen Ministerrates über die Zusammensetzung der Delegation für Genua ab ichtlich in einer Form gefaßt, die PoincarS -derzeit gestattet, den einen oder den andere» der ttanzöfischen Hauptdelegierten zur Wirtschasts- konferenz in Genua selbst zu ersetzen.
Ä-.—o-- w aw» voraussichtlich aus folgenden Persönlichkeiten KOnUnt DIO v inOn$l OßtrOllC r bestehen: ms Vertreter der Reichsregierung
großen Wett gelegt und die Direktion des Elek- ttizitatswerkes hat auch in einer Reihe von Wohnungen bis Anfang dieses Jahres, aLso während nahezu vier Jahren, an dem bisherigen Zustand nichts geändett. Zu Aanstmg des laufenden Jahres wurde dann den Strom- beziehern mehrerer Häuser in Wilhelmshöhe mitgeteilt, daß nunmehr (alsto nach vier Jahren, gerechnet vom Tage der Uebernahme des Henkelscheu Betriebes) die Umänderungsarbeiten vorgenommen werden müßten, und zwar auf Kosten der Mieter, da sich der oder die betreffen- den Hausbesitzer weigetten, die UmänderungS- arveiten zu bezahlen. Wenn sich, so wurde gesagt, die Mietpatteien auch nicht dazu verstehen könnten, die Aenderungskosten zu Wernehmen, dann müßte das elektrische Licht entzogen werden. Sei in einem Hause die ein« oder die andere Pattei, die sich ausschließ«, während die anderen Parteien die Kosten zu tragen geneigt eien, dann müßten auch die Kosten für die Par. iei, die ausgefallen sei, mitbezahlt werden.
Zunächst wußte die Direftion allem Anschein nach selbst nicht recht, an wen sie sich wegen dieser Kosten halten solle, an den Hausbesitzer, der die Anlagen seinerzeit hat Herstellen lassen, oder an die Mieter. Diese sind zum Teil Klein-
rie Ra fielet Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und »war abends. Der AbdnnementSpreiS beträgt monatlich 15.— Mark bei freier finfteHung int Haus. Au«, wärt« durch die Po» bezogen 15.— Mar! monatlich einschließlich Zustellung. Bestellungen loerBen lebet».'it von ter Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei. Berlno und Redaktion: LchlachttzoMraie 28/A>, Jur unverlangt eingefandte Beiträge kann die Redaktion eine Aernnstoortung oder Wewühr in keinem ^alle übernehmen. Rückzahlung BezugSgeldeS oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung au«gefu)l6ffen.
Allerdings hat unser langmütiger Relchs- wnzler — er kann eben nicht aus seiner Hmtt heraus — den Eindruck seiner Rede zum Schluß ab geschwächt, als er sagte, daß einem Teil der uns auferlegten Bedingungen entsprochen werden könne. Er will den bishett- «en Weg der E r f ü l l u n g s p ol ittk weiter beschreiten und alles versuchen, was möglich ist. Diese Wendung der Rede beruht auf einer diplomatischen Absicht. Er hofft damit eine Brücke zu bauen, um den Abgrund Mischen beiden Lagern überschreiten zu können. Den Alliierten macht er den Vorschlag zur Milderung ihrer Ansprüche, der deutschen Regierung bietet er die Möglichkeit, im Arnte bleiben zu können. Verhandlungen sind vielleicht der einzig gangbare Weg. Aber eS genügt nicht, daß die Ansprüche gemildett werden, sondern es ist notwendig, daß die neuen Forderungen, um die es sich zetzt bandelt, gänzlich zurückgezogen und frühere Ansprüche weitgehend Herab- gemindett werden! Dreses Ziel zu erreichen, ist die Aufgabe der Regierung; Mar ein schwieriges Problem für die Herren Wtth und Rathenau, aber der größten MMe wett. Unsere bisherige» Kompromisse haben immer schlechte Folgen gehabt; wir find däbei immer tiefer in Schulden und Not geraten. Dr. Wirth sagte ja selbst; .Wir haben alles daran gesetzt, die ErMungspokitik nicht um ihrer webst willen zu treiben, sondern um den praktischen Nachweis zu erbringen, wo die Grenze des Erfüllbaren siegt, wo sie nicht überschritten werden kann, ohne der Weltwirtschaft tötliche Wunden zu schlagen.' Das Ergebnis dieser .Beweisführung- sind die letzten Forderungen, me uns völlig vernichten würden, und die Ankündigung der Finanzkontrolle, die uns gänzlich entbehren und versklaven soll. Wenn sich die Alliierten bisher durch WitthS und Rathenans .Beweisführung' nicht haben überzeugen lassen, werden sie auch jetzt ihre Obren verschließen. In Patts werden schon Stimmen laut, die erkennen lassen, daß man dott die cchlehnende Stell,mgnahme der deutschen Regierung nicht
SewerksHafttz- uhO Rrgtenmgs-vrogramm.
Berlin, 30. März. (Privattelegramm.) Die Gewerkschaften habe« bereits ihr Programm für Genua auSgearbettet und bet Regierung unterbreitet. Dieses Programm hat die Zustimmung der Regierung gefunden. Es bestätigt sich daß von de» christlichen Gewerkschaften Stegerwald in erster Linie als Dele- gietter in Aussicht genommen ist. Die Freien Gewerkschaften werden heute ihre Stellungnahme und die Namhaftmachung ihrer Bettreter dem Kanzler mitteilen. — Entgegen anders lau- tender Meldungen ist das Reichskabinett gestern zu einer Sitzung zusammengttreten. Die Festsetzung des Programms und die Ernennung der delegierten für Genna soll erst heute beschlösse« werden.
Motte ober Taten.
Was folgt auf die Regierungserklärung?
Es war endlich einmal eine deutliche Sprache, die der Reichskanzler Dr. Wirth als Vertreter der deutschen Regierung im Reichstag geführt hat. Er hielt den alliierten Gegnern ihre Sünden vor und erinnerte au die Konferenzen und Noten, in denen fle uns mit brutaler Gewalt unterdrückt und uns unerträgliche Lasten auferlegt haben. Dr. Wirth wies darauf hin, rvie die Alliierten aus Deutschland daz Letzte an Geld und Gut herauspressen, um das deutsche Volk am Aufftieg zu hindern und sich selbst daran zu bereichern. Es muß jeden ehrlichen Deutschen mit Empörung erfüllen, wenn man sich vergegenwärtigt, wie die fremden T r u p p en und Kontrollkommissionen in Deutfch- lanv in Saus und Braus leben. Für zwei Entente-Generale müssen wir mehr auchringen als für sämtliche Reichsminister, den Reichspräsidenten und den Reichskanzler mit Einschluß der Aufwandsgelder zufamniengenommen. Ein ein- facher Entente-Soldat kostet dreimal soviel wie ei« deutscher höherer Ministerialbeamter I Dabei stelle man sich vor, daß unser ganzes schönes Rheinland noch viele Jahre von den Entente- trwppe» — zum Teil schwarzen Franzosen — besetzt blechen soll und daß die vielen Hunderte Ko NU n isst onsmi tg l i e de r sich als die Herren von Berlin aufspielen! Das arme deutsche Volk aber darbt, leidet unter der durch die alliierte Politik verursachten Teuerung und kämpft mühsam mn fein täglich Brot! Es ist notwendig, diese Gegensätze der Lebensweise sich gründlich einzuprägen
Den Ausführungen des Reichskanzlers, soweit sie diesen Sachverhalt wessen, kann man mit allem Nachdruck z u st i m - men, und es wäre nur zu wünschen gewesen, daß er nicht erst bis heute damit gewartet hmte. Schon viel früher hätte er dazu reichlich Gelegenheit gehÄ>i. Dir letzte wahnsinnige Forderung der Alliierten, daß wir sechzig Milliar- den Mark durch Sondersteuer — davon vierzig Milliarden noch in diesem Jahre — aufbringen Men nur zu dem Zweck, die feindlichen Taschen zu füllen, hat un,erem langmütigen Kanzler endlich die Zunge gelöst. Dazu kommt die Drohung mit der Finanzkontrolle. Hat es erst so weit kommen müssen, bevor Herr Wirth ein- sah, daß sein bisheriges ständiges Ja -sagen verfehlt war? Jetzt sagte er endlich Rein, weil der neue Steuerdruck .eine völlig unmögliche Bedingung und eine unmögliche Zumutung* ist, ferner weil eine fremde Kontrolle »mit der Selbstbe- st i mm ung des Volkes und mit der Ehre einer großen Nation unvereinbar* ist. Gab es nicht schon Vieles, das unmöglich und unvereinbar war? Die von Jahr zu Jähr sinkende deutsche Valuta ist der beste Beweis da- fitr, daß die alliierten Forderungen die deutsche ■ Leistungsfähigkeit weit, weit übersteigen.
Ws am 1. April 1918 die Hentelschen Elek- tttzitütswerke in Wilhelmshöhe in den Besitz der Stadt Kassel übergegangen waren, wurde den Teilnehmern durch die Direftion der Städ- tischen Elektttzitätswerke eröffnet, daß von da an die Stxomlieferung nur noch auf Grund der allgemeinen Bedingungen u. Tarife für die Lieferung elettrischen Stromes aus dem Elektrizi- tätsweik der Residenzstadt Kassel erfolgen könne. Diese Bedingungen wurden natürlich un- ter zeichnet, und zwar nicht nur von den Haus- besitzern, sondern auch von de» weitaus meisten Mietern, zumal die Direftwn die wettere Lieferung deS elettrischen Sttomes von der Unterzeichnung der Bedingungen abhängig machte. Damals wurden die Teilnehmer des ehemals Henkevfchen Werkes ferner darauf aufmerksam gemacht, daß der Gleichstrom „demnächst (die Mitteilung erfolgte, was beachtlich erscheint, im Jahre 1918) durch Drehstrom ersetzt werde und daß mit diesem Wechsel in der Stromart Aenderungen in den Hausanlagen er- forderlich würden, die evtl, der Mieter auf seine Kosten nach Anordnung des Städtischen Elektrizitätswerkes ausführen lassen müßte.
Naturgemäß haben die Teilnehmer wohl in den meisten Fällen auf diese Bestimmung keinen
rentner, alleinstehende Frauen usw., die mit jedem Pfennig rechnen müssen und die daher jetzt nicht in der Lage find, die Kosten der Umänderung zu tragen. Die Leidtragenden sollten also nunmehr die Meter sein, die, wenn sie nicht ganz ftn Dunkeln sitzen woll- ten, oder wenn sie nicht ungeheure Kosten für die Beschaffung neuer Beleuchtungskörper fät Gas aufwenden wollten, wohl oder übel die Kosten der Aendenrng aufbringen müssen. Ob vom juristischen Standpuntte aus das Verlangen der Direktion der Elttti?,itätswerke berechtigt ist oder nicht, soll hier nicht erörtert werden, jedenfalls ist es geradezu unerhört, auf ihr kärglicher Einkommen anqe. wiesenen Mietern sozusagen die Pistole aus die Brust zu setzen und zu erklären, daß sie entweder die Kosten der Aenverung erstatten, oder auf den Strom verzichten müßten. Venn tm Jahre 1918 die Stadt das Henkel sche ElektttzitätSwerk übernommen hat. so bat sie damit den Teilnehmern gegenüber mindestens auch die moralische Verpflichtung übernommen, daß diese durch den Uebergang des Werkes in den Besitz der Stadt nicht geschä- btgt werden. Aucb die Ersetzung des Gleichstromes durch Drehstrom, die einzig und allein im Interesse der Verwaltung deS Städtischen Elektrizi. tätswerkeS liegt, berechttgte die Direk. tion nickt, die Kosten aus die Strombezieher abzuwäkzen. Diesen ist es natürlich vollkommen gleid-flfiltig, ob sie Drehstrom oder Gleichstrom beziehen; es wird ihnen also zugemutet, die Ko- sten einer Aenderung zu tragen, die ihnen auch nicht den geringsten Vorteil bietet.
Vor allem haben aber die in Bettacht kom<
Kasseler Nemste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Berti«, 30. März.
Im Reichstage iß die Aussprache über die Regicrungs - Erftänmg zur Reparations - Note gestern nicht z« Ende geführt worden. Am heutigen Donnerstag sollen «och die Redner der bayerischen Bolkspartei nnd der Kommunisten zu Worte kommen. Dann wird über das von den Deutschnattonale« eingebrachte Miss trauens Votum abgeßimmt;; dafür wird sich eine Mehrheit nicht ergeben, nachdem sich auch die Deutsche Bolkspartei entschlösse« hat, sich der Abstimmung zu enthalte«. Die Deutsche Bolkspartei hat jedoch dem Kanzler mitteilen lassen, daß sie auch für et» von den Regierungs- vatteie» ttnzubringendetz Vertrauensvotum nicht stimmen werde. Der Reichskanzler hat darauf erwidert, er fei der Meinung, daß eine deutsche Regierung, die nur von einem abgelehnten Mißtrauensvotum lebe« müsse, in Ge- nnu nicht lebensfähig sei, daß er deshalb ans ein Vertrauensvotum bestehen müsse. Deine endgültige Entscheidung hat sich Dr. Wirth nach der Rücksprache mit der Führer« der Re- gierungsparteie« vorhehalte«. Es ist «icht zu verkennen, daß sich daraus inner - politisch Schwierigkeiten ergebe« könnten, falls es nicht gelingt, die Mehrheit, die das Steuerkrompro- miß getragen hat, für eine gemeinsame Kund-