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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 72.

Fernsprecher 951 und 952

Sonnabend, 25. März 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

bedrohliche Wirkung der Enkente-Note.

Elnkrelfungspolltik.

Frankreichs harvschstichttge Pläne.

Von

Dr. Pani Ostwald-Berlin.

Wenn irgendwann, so wandelt die französi­sche Politik von heute die Bahnen, die ihr einst ein Napoleon I, gewiesen hatte. Denn die französischen Machtpolitiker von heute unter Führung ihres gegenwärtigen Ministerpräsiden­ten Poinoarö wollen das gleiche Wie der große Korse: die Unterwerfung des europäisch­asiatischen FestlandbloSes unter den französischen Machiwillen. Ja genau ge­nommen, sie wollen noch mehr, denn der Ehrgeiz eines Napoleon hatte schließlich nur das euro­päische Rußland in seine Pläne einbezogen, während Herr PoincarS und seine Freunde heu­te von einer Aitsdehnung des französischen /Machtwillens träumen, die sich bis an den Stil­len Ozean erstrecken soll. Gerade diese weit­ausschweifenden Ideen des französischen Im­perialismus werden im allgemeinen nicht genü­gend beachtet, so viel auch von der französischen Kontinentalpolitik die Rede ist. Und doch fügen sich nur so die von Paris aus mit Eifer betrie­benen Bündnisse mit Polen, der kleinen Enten­te, der Türkei, mit Finnland und Litauen, die freundschaftlichen Beziehungen zu Japan zu einem Ganzen zusammen.

Von Napoleon haben die heutigen französi­schen Machtpolitiker gelernt, daß nur Deutsch­lands und Rußlands Ohnmacht die Grundlage für die erwünschte untz erstrebte Machtstellung Frankreichs aus dem europäisch­asiatischen Festtandsblock abgeben kann, aber sie haben auch weiter von ihm gelernt, daß ein Uebergewicht an Heer und Waffen keine Siche­rung fyr die Dauer bietet. Soll vielmehr ein Mißerfolg, wie ihn der korsische Eroberer erle­ben mußte, ausgeschlossen sein, dann kann das nach ihrer Meinung nur dadurch geschehen, daß Deutschland wie Rußland alle Bewegungsfrei­heit nach außenhin genommen bleibt. So hat eS sich denn die französisch« Machtpolitik von heute angelegen sein lassen, diese beiden früheren Großmächte des europäisch-asiatischen Konti­nents nicht nur getrennt zu halten, sondern sie auch völlig etnzukrrisen. Um Deutsch­land wie um Rußland sind durch die geschickt betriebene Bündnispolitik Kreise gezogen, die es der Pariser Diplomatie jederzeit ermöglichen, in Moskau oder Berlin irgendwelche als unbe­quem empfundenen selbständigen Regungen zu unterdrücken. Bis vor kurzem war für Ruß­land dieser Kreis nach Osten noch nicht geschlos­sen, aber die Joffre'sche Ostastenreise, die mW- torischen Besprechungen des franzzöstschen Mar­schalls mit der Tokioer Regierung haben nun auch diese Lücke beseitigt.

Awei Einkreisungsringe hat so die französische Machtpolitik geschaffen, um ihre Herrschaft vom Atlantischen Ozean bis zum Stillen Meer sicherzustellen, und sie glaubt damit auch das Mittel gefunden zu haben, dem Angelsachsen- Ium gegenüber trotzen zu können. Sie hofft, über eine gefestigte, dem britischen Weltreich so­gar bedrohliche Machtstellung jetzt zu verfügen. Gewiß, immer ist die Idee eines festen Zusam­menschlusses der europäisch-asiatischen Fest- landsmäckste zu einem vom Atlantischen bis zum Stillen Ozean reichenden Mächteblocks ei­ne gefährliche und die einzige wirkliche ernste Bedrohung britischer Weltherrschaft gewesen, doch ist andererseits die Art und Werse, wie man von Paris aus an die Durchführung dieser Idee gegangen ist, nicht dazu geeignet, uns glau­ben zu machen, daß Frankreich das Gebot der Stunde richtig verstanden hat. Wie Deutschland vor dem Weltkriege es versuchte, allerdings vergeblich durch ein deutsch-russisch-frainosi-- sches Zusammengehen die angelsächsische SB eit» Herrschaft zu verhindern, so hafte Frankreich nach dem Weltkrieg das gleiche welthistorisch« Bestreben, und es fand zu ihrer Lösung einen ungleich günstigeren Boden.

Doch es hatte dann andere Wege ein» schlagen müssen, als es seit Versailles getan hat und die sich auch mit seiner Einkreisungspolitik üm wenigsten vertragen Nicht die Verewigung der deutsch-russischen Ohnmacht durfte das Ziel sein, sondern im Gegenteil der Wiederaufbau beider Staaten und die Versöhnung häften be­trieben werden müssen. Nur ein Festlandsblock, der freie und starke Staaten in sich vereinigt, kann für das britische Weltreich und die angel­sächsische Weltherrschaft eine Bedrohnung bedeu­ten, so aber hat die Pariser Politik besonders Deuft'chland dazu getrieben, gerade in England den Retter vor völliger Vernichtung zu sehen. Frankreichs Macht- und Einkreisungspoliftk kann daher nur eine kurzsichtige, von übertrie­benem Ehrgeiz diktierte Politik genannt wer­den, die statt aufbauend und erlösend nur ver­nichtend und zerstörend wirken muß. Weil ihr aber alle weitschauenden Ideen fehlen, weil sie nn Gegensatz zu allem steht. waS Frank­

reich als seine weltgeschichtliche Aufgabe Hütte erkennen müssen, weil sie eine einzige Ueberspan- nung einer einseitigen machtpolitischen Idee be­deutet, gerade darum wird unb muß sie einmal an sich selbst zugrunde gehen. Wir Deutschen sollten gerade jetzt im Hinblick auf dst bevor­stehende Genuakonferenz nicht müde wer­den, die französische Macht- und Ein­kreisungspolitik in dieser Richtung einer allgemeinen und öffentlichen Kritik zu unter­ziehen. Mag auch die Hoffnung gering sein, daß wir dadurch eine bessere Einsicht in den verantwortlichen französischen Kreisen vorberei­ten helfen, so haben wir davon schon gar nichts zu erhoffen, wenn wir nur schweigend alles hin­nehmen und uns bemühen zu erfüllen, w.s nicht zu erfüllen ist. Von zwei Seiten haben wir inbtrett Anregung dazu, daß wir uns regen sol­len: einmal von Amerika, das mit der Tages­ordnung für Genua nicht einverstanden ist, weil sie nun einseitig die englischen und französischen Wünsche vorbringt, ferner kommt eine Anregung von Rußland, das die Behandlung wirklicher europäischer Ausbaustagen verlangt. Also liegt für uns erst recht Anlaß vor, Deutschlands Stimme zur Geltung zu bringen!

Order LMungsZwayg. Erfüllung der Bedingungen ist «nmSglich.

lDrivat-Tslegramm.!

Berlin, 94. März.

Der Reichskanzler wird vermutlich am Dienstag vor dem Plenum deS Reichstages über die Reparationsnote sprechen. In seiner Be­sprechung mit den Parteiführern äußerte sich der Kanzler dahin, daß von einer Regierungs- krtfe zurzeit keine Rede sein könne, eine solche komme nur in Frage, wenn er am Diens­tag keine Mehrheft finden foHte. Der Reichs­kanzler hofft aber, daß seine Ausführungen die Zustimmung der Kompromißparteien finden werden. Im weiteren Verlaufe der Besprechun­gen betonte der Kanzler wiederholt, daß auch die Regierung Vie Bedingungen der Repa­rationsnote für widersinnig und u n e r f ü l l - bar halte. In parlamentarischen Kreisen rech­net man damit, daß auch in den maßgebenden Vertretungen der Arbeiterschast Entscheidungen gestossen werden, die die Rost verwerfen.

*

Vor der Kanzlerrede.

B e r l t n, 24. Mürz. (Privattelegramm.) Wie dasBerliner Tageblatt" mitteilt, dürste die Rede des Reichsbrnzlers in der Reichstagssitzung am Dienstag über dst Forderungen der Repa- rattonSkommission ungefähr folgenden Gedanlen- gang haben: Dr. Wirth wird wahrscheinlich her- vorheben, was Deutsckstand bisher an Geld und Waren für die Wiedergutmachung geleistet hat. Er wird dann wohl auf die Unklar- h e i t e n. die in der Note der ReparationSlom- mission enthalten find, eingehen und die Frage erörstrn, ob sich noch Berhandlungsmög- lichkeiten ergeben können. Im weiteren Vcr- laufe seiner Ausführungen bürfte der Kanzler, tote man in parlamentarischen Kreisen annimmt, erklären, daß dir Aufbringung der geforderten sechzig Milliarden neuer Steuern unmöglich ist.

Gegen öie Forderungen.

Stellungnahme der deutschen Industrie.

(Brrvat-Telegramm.)

Berlin. 24. März.

Bor der gestrigen Besprechung mit den Par- teisührern empfing der Reichskanzler am Nach­mittag die Bersteier des Reichsverbandes der deutschen Industrie, Geheimrat Büch­ner. Borfitzender des Verbandes, Dr. Kurt Sorge, der Berliner Bertrestr der Kruppwerke, sowie Geheimrat Deutsch von der A. E. G. Die drei Herren legten dem Reichskanzler zunächst den Standpunkt der deutschen Industrie zur Frage der ReParattonSnost vor. Auch sie er- klärten, daß sie dst Aufbringung der geforderten sechzig Milliarden neuer Steuern für un­möglich halten. Im übrigen trug die Be­sprechung streng vertraulichen Charakter. Die Besprechungen des Kanzlers mft den Industrie- Berstestrn werden fortgesetzt.

Vbwarteuve Haltung.

Berlin, 24. März (Privattelegrarmn.) In der Besprechung, dst der Reichskanzler aester«

mit den Fraktionsführern hatte, herrschte Ein- stimmigstit dari!<ber. daß erst abgewartet werden müsse, biS der amtliche Text deS Schreibens der Reparationskommission in der Uebersetzung feststeyt und dst einzelnen Punkte sachlich geprüft worden sind. Der Reichs­kanzler erllärte. erst dann zn der Reparations- note Stellung nehmen zu können. Sämtliche Parteiführer schloffen sich der Auffassung des Reichskanzlers an. Dieser sagte den Partei­führern zu, ihnen den amtlich übersetzten Text der Reparationsnost nach Fertigstellung so schnell wie möglich zusenden zu lassen.

Aus Ven XtorteUn.

Berlin, 24. März. lPrivattelegramm.) Als erste der Parteien des Reichstages hat sich gestern die deutsch nationale Fraktion mit der durch die Reparationsnote geschaffenen Lage befaßt. Es kam in der Fraktion dst einmütige Stimmung zum Ausdruck, daß der neuen Rost entschlossener Widerstand eMgegengesetzt werden müsse. Die demokratische Fraktion faßte folgende Entschließung: Da der authenti­sche Text der Note der Reparationskommis­sion noch nicht bekannt ist, hat die demokratische Fraktion beschlossen, erst Stellung zu »nehmen, wenn der Tert vo-liegt.

LLrEmheilen in der Note.

ArrLerharrdlungen in Paris.

(Eigene Drcchtmeldung.l

1 Paris, 24. März.

D"rPetit Parisstn" erfährt aus Berlin: Die Reichsregierung wird der Reporattonskom- Mission gewisse Fragen über Unklarhei­ten in der Note stellen unp nach Kräften über gewisse Dinge unterhandeln. Staatssekretär Dr. Fischer wird morgen (Sonnabend) nach Paris reisen. Reichskanzler Dr. Wirth sei der Ansicht, daß die Festsetzung der Fristen, besonders die förmliche Zustimmung zu dem Stundungsplan nicht angenommen werde, denn diese Fristen sei­en für die Einführung der verlangten Maß­nahmen zu kurz. Der Reichskanzstr müsse auch dst Verpflichtungen abkehnen, die Steuern nach dem andauernden Tiefgang der Mar! zu erhö­hen. Der Reichskanzler habe bereits gestern nachmittag mit dem englifchen und italieni­schen Botschafter eine Unterredung gehabt und wahrscheinlich werden diese beiden Botschafter ihre Regierungen in diesem Sinne unterrichten.

Wieder Einmarfchgelüste?

Eine Aeutzerung über Frankreichs Pläne. lPrivat-Telegramm.)

München, 24. März.

DerBayrische Kurier" und dieMünchener Neueste« Nachrichten" bringen eine auffehen- erregende Meldung aus Frankfurt a. M. über die' drohende Zerschlagung des Deutschen Reiches. Danach soll ein angesehenes Mitglied der Reparationskommission erklärt haben, daß der Einmarsch der Franzosen in Deutsch­land unabwendbar sei und daß Poincarz ent­schlossen wäre, sobald als möglich ein kurz- fristiges Ultimatum mit unerfüllbaren Be­dingungen zu stellen, um dann sofort das Ruhr­gebiet, Frankfurt a. M. und dst fogenaunte Mainlimie zu besetzen, den Norden vom Süden aLtrennen und das Reich in irgend einer Form zu zerschlagen. England und Italien würden ebenfalls einmarschieren, aber nicht ge­gen, sondern für Deutschland, um zu verhindern, daß Frankreich völlig frei in Deuftchland schallen und walstn könne. Italien werde wohl bis Kufstein gehen. EnSand werde sich in Nord- dcutschland sein Interessengebiet sichern, weil es aussiiÄslos sei. PoincarS in der Verfolgung seines Planes entgegcnzutreten. (??)

(Mr geben diese Meldung nur mit allem Vorbehalt wieder, da sie sehr unwahrscheinlich klingt. Wenn England und Italien nicht mit dem angeblichen französischen Eimnarschplan ein­verstanden sind, dann können sie ja den Ein­marsch überhaupt verhindern. Die Besetzung von Gebieten im Norden und Süden Deutschlands wäre als Gegenmaßnahme gegen Frankreich völ­lig unwirksam. Außerdem würde durch eine Zerschlagung Deutschlands auch die Möglichkeit der MedergutmachungSleistungen zerstört und somit für leine der Siegernationen ein Ge­winn erzielt werden. Ue Schriftstttung^

Deutsch-Amerikaner.

Die alte und die neue Heimat.

Allmählich haben die Denisrh-Amerikaner drü­ben ihre Sprache wtderg-fnnden, bic sie wah­rend veS Kriege« verloren zn habe« schienen. Konnten Sie damals nichts zugunsten Deutsch­lands erreichen, so bemühten sie sich nachtrüg. Itcv finanzielle Hilfe zn leiste,!. Auch HSrt man ab und zu von Bekenntnissen gum Deutschtum, wie der nachstehende Bericht zeigt. Während und nach dem Kriege ist in Deutsch­land über die Deutsch-Amerikaner manch hartes Wort gefallen. Man vermißte bei ihnen das kräftige Eintreten für die deutsche Sache, die Begeisterung für das oße Vaterland. Mag die­ser Borwurf in mancher Beziehung auch zu Recht bestehen. so darf man doch andererseits nicht vergessen, daß der Deutsch-Amerikaner auch seiner zweiten Heimat Dank schuldig ist und daß viele Deutschamerikaner sich in den berei­nigten Staaten eine sichere Position geschaffen haben, die sie aufs Spiel gesetzt hätten, wenn sie ii'ch gar zu sehr bloßgestellt hätten. Es hat eben jedes Ding seine zwei Seiten. Und dennoch ha­ben die Deutsch-Amerikaner viel sür das alle Vaterland getan, besonders jetzt nach dem Krie­ge, wo sie Millionen von Dollars sür sie deutschen, hungerleidenden Kinde, gesammelt haben. Daß die Deutsch-Amerikaner ihre alte Heimat nicht vergessen haben, geht am besten hervor aus dem Empfang des ersten Dampfers des Norddeutschen Lloyd in N«w- vork, desSeydlitz", der als erstes Schiff die Ep Verbindung zwischen Bremen und de, amerika­nischen Handelsmetropole wieder ausgenommen hat. Tausende von Amerikanern deutscher Her­kunft haben an dem Empfang des Dampfers teilgenommen und der Besatzung des Schiffes Beweise echtdeutscher Treue gegeben, die ohw Zweifel als ein hervorragendes

Bekenntnis zur deutschen Heimat aufzufassen und daher um so höher zu bewerte« sind. Die Begeisterung für Deutschland erreichst ihren Höhepunkt bei der EmpfangsseierlMeit, die im Lexington Avenue Theater stattsand. Das Theater war innen und außen mit Fahnen und Gnirlanden prächtig geschmückt, überall sah man den umkränzten blauen Lloyddampfer und den Bremer Schlüssel im Weißen Felde und draußen über dem Portal las man in flam­menden LetternWelcome Seydlitz". Das zweitaufend Menschen fassende Haus war bis auf den letzten Platz besetzt. Der Kapitän der Seydlitz", Fritz Rehs, wurpe mit brausen­dem Jubel empfangen. Diese Mimischen Kundgebungen wiederholten sich bei allen Re­den, die gehalten wurden und von denen beson­ders die des Hauptredners Professor FranciS Mchirp, des Vorsitzenden der vor einigen Jahren gegründeten©teuften Society of Ame­rica" ihrem Inhalt nach auch in ganz Deutsch­land bekannt zu werden verdient. Mit Nach­druck wies Professor S ch i r p auf die Notwen­digkeit politischer Attion seitens der Deutsch- Amerikaner hin. Niemand könne die Deutsch- Amerikaner hindern, die alte Heimat zu lieben, die heute zu Füßen eines gewissenlosen Konsortiums raubgieriger Mächte im Staube liege. Das deutsche Voll sei durch den Versailler Vertrag gemein belogen worden. Statt der vierzehn Punkte habe man ihm den Versail­lerFrieden" ausgezwungen,den ungerech. tesstn, unmenschlichsten, diabolischsten Pakt, den Haß und Raubgier je ausgedacht". Die Inter­essen der ganzen Welt verlangten, daß das deut­sche VE nicht zur Verzweiflung getrieften werde. Solange die DentschÄmerikaner eint Stimme hätten, müßten sie laut hinauSrufen, daß die Freiheit der Welt

ein freies Deutschland fordere.

Sehr bemerkenswert waren die Ausführungen des Redners über die bisherig« Haltung der Deutsch-Amerikaner:In der Vergangen­heit haben wir DeutfchÄmeftkaner uns in po* litischer Beziehung einer groben Unterlas­sungssünde schuldig gemacht, zu unserem eigenen Schaden und zum Schaden unseres Lan­des. Wenn wir bedenken, wie andere Volksele­mente, die lange nicht so zahlreich sind wie wir, seit den ersten Tagen der Geburt unserer Repu­blik bestimmen- auf die Geschicke des Landes eingewirft haben und nicht immer zu dessen Vorteil dann müssen wir doch zu der Ueberzeugung kommen, wenn die das können, warum wi, nicht?! Dabei werden wir stets daS Wohl unseres Landes im Auge haben.Ame- nka zuerst" wird unsere Devise sein, wenn- gleich wir, wie unsere Väter diese- Wort nicht in einem fort im Munde führen, wie dieHun- deftprozentiaen", die die WorteAmerikck znsiftt nicht aussprechen können, ohne sich hinzuzuden- lennach England". Die Stcuben Society of America kämpfe für Freiheit und Recht ge­gen die angelsächsische Vorherrschaft m den Vereinigten Staaten, gegen das Eingehen von Bündnissen mit fremden Mächten unb vor allem gegen den Vertrag von Versailles i" Dst erhe-