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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

12. Zahrgang

Mittwoch, 22. MLrz 1922

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Nummer 69 <

Deutsche Abordnung für Genua.

Besoldungsfragen.

Die gleitende Skala.

Die Aera der Lohn- und Gehalts- kämpf-, in die uns die erneute Teue­rungswelle versetzt, hat die Erörterung der Frag-, wie man die Löhne und Gehälter unter Vermeidung der üblichen Tarifkämpfe der Preis­kurve anpajsen tonn, wieder einmal in den Vor­dergrund des Interesses gerückt. Als Mttel zu diesem Zweck wird bekanntlich die sogenanme gleitende Lohn- und Gehaltsskala empfohlen, worunter man ein System versieht, bei dem der Lohn in kürzeren Zeiträumen auf Grund des Jttdex automatisch den Preisverhält- nissen angepasst wird. In einigen Ländern, wie England, Schweden und Holland, hat man dies System bereits für einzelne Berufszweige ein- gesührt; aber es handelt sich hier um Valuta- starke Wirtschaftskörper mit einer aktiven Zah­lungsbilanz, wo die Preisverschiebungen zu­meist nur mäßig sind; kann man in England doch jetzt zu einem Abbau der Löhne schreiten. In Deutschland liegen die Dinge natürlich in dieser Beziehung ganz anders. Immerhin hat man an einzelnen Orten, so in Flensburg, schon erfolg­reiche Versuche mit diesem System gemacht. Die Debatte darüber ist jetzt wieder in Fluß ge­kommen. Der Beamtenausschuß des Reichstags hat sich dieser Tage damit be­schäftigt, ohne daß er jedoch bisher zu einer end­gültigen Stellungnahme gelangt ist. Bei der Er- örterung Überwog zwar das Für das Wider, doch wurde die Frage von mehreren Seiten für noch nicht spruchreif erklärt.

Der Deutsche Beamtenbund hat sich soeben mit dem gleichen Problem beschäftigt und ist zu dem Standpunkt gelangt, daß eine strenge Bin­dung an die Reichsindexziffer nicht erfolgen dürfe, sondern daß die maßgeblichen Stellen auch alle sonst in Betracht kommenden Umstände berücksichtigen müßten". Als entschiedener Geg­ner der gleitenden Lohnskala hat sich der Aus­schuß der Bereinigung der Deutschen Arbeit- geberverbände bekannt, indem er sagt, .daß schematische Lohnheraufsetzungen ebenso schematisch die gesamte Lebenshaltung weiter verteuern würden und daß die gleitende Lohn­skala auch gar nicht die Konjun'kturverhältnisse in Betracht ziehe'. Nom entgegengesetzten Stand­punkt werden auch von den gewerkschaftli­chen Organisationen Bedenken wegen des gleitenden Lohnsystems erhoben, vor allem das, daß .eine automatische Lohnregulierung den Arbeitern jede Waffe, über das bloße Existenz- minimum hinauszukommen, aus der Hand neh­men würde'. In der unlängst veröffentlichten Denkschrift des ReichsarbeitSministe- riums werden die hier erwähnten Bedenken teilweise als berechtigt anerkannt und dement­sprechend Wird auch nicht die rein mechanische Anwendung des gleitenden Systems empfohlen. Vielmehr feien auch hierbei Tarifverhandtungen niemals völlig auszuschalten, um entweder den Arbeitern den berechtigten Anteil an einer gün­stigen Konjunktur einzuräumen oder umgekehrt der zeitweiligen Bedrtotgnis eines Gewerbezwei­ges Rechnung zu tragen.

Um den hier cnffgezählten Unzuträglichkeiten und Unzulänglichkeiten der gleitenden Skala aus dem Wege zu gehen, ist neuerdings der Vor­schlag gemacht worden, die prozentuale Anpas­sung nicht nach dem individuellen Einkommen vorzunehmen, sondern sie zu einem fixierten Mindestunterhaltun^betrag in Beziehung zu setzen. Das heißt, Gehälter und Löhne sollen in zwei Teile zerlegt werden, in den Grund­stock und den Teuerungs zuschlag. Wäh­rend der erste durch tarifliche Vereinbarun­gen festgesetzt wird, sollen die Teuerungszu- schläge nach der gleitenden Lohnskala automa­tisch auf Grund des Ind ex reguliert werden. Freilich würde dies System voraussetzen, daß bei dem Grundgehalt bezw. dem Grundlohn mehr als bisher der Familienstand der Arbeit­nehmer berücksichtigt wird, wogegen sich aber bekanntlich lebhafter Widerstand nicht nur in den Kreisen der Arbeitgeber, sondern auch in de- - »en der Arbeitnehmer geltend macht.

Mes in allem muß man sagen, daß dieses sehr schwierige wirtschaftliche Problem noch tei- t neswegs völlig geklärt und jedenfalls heiß u m- st r i t t e n ist. Auch darf man sich nicht etwa ein­reden, daß die gleitende Lohnskala ein Heilmit­tel gegen die Teuerung, gegen die Geldentwer­tung bildet. Vielmehr würde angesichts des drr- zeitigen Prozesses der chronischen Markentwer- ii tung die gleitende Skala eine steigende sein, und d so würde der Teuerungsprozeß sich fonsetzen. * Die Hilfe kann ganz gleich ob mit der gleiten­den Lohnskala oder ohne sie, nur dadurch kom- men, daß erstens der Fehlbetrag in der deut­schen Produktion durch mehr Ar beit ge« deckt, zweitens der Ueberschuß in den Ausgaben, besonders in denen des Reiches, des Staates und der Gemeinden, durch größere Sparsam­keit verringert wird. Es sind ja jetzt Bestrebuu.

igen im Gange, mehr auf Sparsamkeit in den Verwaltungen und Betrieben zu achten, aber ob die Absichten wirklich ausgeführt werden, hängt von der Einsicht der wirtschaftlichen Kreise, so­wie von Parlamenten und Stad-tverordneten- Versammlungen ab. Das beste Mttel, die Teuerung zu bekämpfen, istvermehrtePro- duktion Kommen mehr Waren auf den Markt, sodaß die Nachfrage befriedigt wird, dann gehen die Preise herunter. Würde also die Le­benshaltung billiger, dann brauchte man natur­gemäß keine Lohn- und Gehaltserhöhungen. Zu­gleich würde durch vermehrte Produftion die Warenausfuhr nach dem Auslande gestei- gcrt, was eine Besserung der Mark zur Folge hätte. Die erste Bedingung zu einer Besserung ist aber, daß endlich die Aussaugung der deut­schen Wirtschaft durch Reparationen, Kommis­sionen, Besatzung usw. aushört! Dr. *k.

Vorbemtung für Genua.

Die Abordnung unter Rathonaus FLHrung.

(Privat-Telegramm.l

Berlin, 21. Mürz.

Die deutschen Borbereitungen für Genna sind zu einem gewissen Abschluß gelangt. Die Borarbetten mit den einzelnen Ressorts sind im wesentlichen beendet. Voraussichtlich wird sich das Kabinett bereits in seiner nächsten Sit­zung mit dem Ergebnis der Borbereitungen be­schäftigen. Man erklärt eS für falsch, wenn man von einem eigentlichen Programm für die Kon- ferenz reden wollte, denn ein festgeschloflenes Programm eigne sich nicht für die große Masse des TrosseS. Ueberdies find die deutschen Delegierten darauf angewiesen, sich nach der Tagesordnung der Konserenz zu richten (T). Im Gegensatz zu früheren Gelegenheiten, bei de­nen das Reich nur durch einzelne Delegierte ver- treten wurde, müssen diesmal die zuständigen Ministerien, also daS Auswärtige Amt, das Fi­nanzministerium, daS WirtschastSministerium und das Wiederaufbauministerium, durch ihre verantwortlichen Männer, also durch ihre Mini- ster oder Staatssekretäre in der deutschen Delega­tion vertreten sein. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird D». Rathena« die Führung übernehmen.

Dr.Wkrtv als Repräsentant?

Berlin, 21. März. (Privattelegramm.) Es ist möglich, daß auch der Reichskanzler Dr. Wirth zur Konferenz von Genua fährt. Bestimmt wird er sich einige Tage in der Konferenz-Stadt auf­halten, wenn die Premierminister der übrigen in Genua vertretenen Staaten, besonders Lloyd George, die Konferenz besuchen. Die Anwesenheit des Reichskanzlers würde dann ober mehr reprä- sentattver Natur sein und die eigentliche FLHrung auch in diesem Falle bei Dr. Rathenau liegen.

Londoner SachverstSnbigen-Konfrrenz.

London, 21. März. (Eigene Drahttnel- dung.) Die Sachverständigen-Konferenz beginnt mit der Prüfung der verschiedenen Standpunkte hinsichtlich des beabsichtigten wirtschaftlichen Wiederaufbaues Europas. Man be­müht sich, eine Einigung über einen Entwurf zu erzielen, der der Konferenz in Genua vor­gelegt wird, die nunmehr bestimmt am 10. April zusammentritt. Delegierte von Frankreich, Ita­lien, Belgien und Japan sind anwesend. Nach dem jettige« Uebereinkommen werden die eng­lischen Delegierten für Genua in drei Gruppen abreisen. Davon die erste am 4. April.

Grnähmngs-Mmisterlum.

Di« Frage der Reubeftqung.

lPrivat-Telegramm.)

i Berlin, 21. März.

Wie die Bosfische Zeitung hört, kommt für daS freigewordene Reichsernährungsministerium in erster Linie Dr. H a g e d o r n in Betracht, der bereits unter Latocki im Ernährungsministerium eine hervorragende Rolle spielte. Ohne ausge­sprochener Parteimann zu fein, steht Dr. Hage­dorn der Deutschen Volkspartei am nächsten. Reben Dr. Hagedorn werden noch zwei andere Kandidaten qenannt, beide dem Zentrum ange­hörend, nämlich der zweite Vorsitzende der Zen­trumspartei von Guerard Wb Generaldirek­tor Kroner. Es scheint indessen, daß die Ent­scheidung der maßNbenden Kreise zugunsten

Dr. Hagedoms ausfallen wird, der Mgenwär- iig preußischer Staatsminister ist.

Künftige Ernährungs-Wirtschaft.

Berlin, 21. März. (Privattelegramm.) Heute vormittag begann im Reichsernährungs-Ministe- rium die Konserenz der ErnShrungsministcr der Länder, in der über die künftige Ernäh­rungs-Politik beraten werden fall.

Streik rmd Aussperrung.

* Kritische Lage i« Bayern.

(Privcck-Telcgramm.)

Augsburg, 21. MLrz.

Die bayrischen M e t a l l - Industriellen har­ten ihre Arbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit in den bestreikten Firmen aufgefordert. Da diese A u s f o r d e r u n g von den Arbeitnehmern abgelehnt wurde, erließ gestern der Verband bayrischer Metall-Industrieller eine Erklärung, in der mitgeteilt wird, daß in allen bayrischen Me­tall-Betrieben auch die Arbeiter der nicht bestreik­ten Beicizbe ausgesperrt würden. Die Aus­sperrung erfolgt am Schluß der regelmäßigen Arbeitszeit und wird nahezu hunderttausend Ar­beiter der Metallindustrie umfassen.

Sn der Hamburger Konfektion.

Hamburg, 21. MLrz. (Privattelegramm.) Nach Ablehnung der örtlichen Verhandlungen loegen Lohnerhöhungen durch die Arbeitgeber, haben die in der H e r r e n- und Dame n-K o n- fektion in Hamburg beschäfttgten Arbeiter und Arbeiterinnen beschlossen, in sämtlichen Betrieben die Arbeit niederzulegen. Dieser Be. schluß erstreckt sich auch auf die in den Reben- brauchen beschäftigten Personen, da nach dem Beschluß der Stteifleitung die Arbeit in allen Betrieben gänzlich zu rutjen hat,

Sn den Ostgebieten.

Danzig, 21. MLrz. (Eigene Drahtmeldung.) Wie in den Städten Koset, Granden-, Bromberg und Thorn, sind gestern auch in Danzig die Ar­beiter der Metall- Betriebe, einschließlich der GaS-, Wasser- und Elettrizitätsarbeiter, wegen einer fünfundvierzigprozenttgen Lohnerhöhung in den Ausstand getreten.

Fincmz-Verhandlrmgen.

Anleihe- und Moratoriums-Fragen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Rotterdam, 21. März.

DerTemps" berichtet: Am Sonntag trat in Paris eine Sitzung der Garantiekommisfion zusammen, um eine Entscheidung über einen et­waigen Zahlungsaufschub für Deutsch­land herbeizuführen. Es kam zu einem Ueberein­kommen. Die neuen Bedingungen für die Kon­trollmaßnahmen sollen in Berlin zur Er­örterung gelangen. Die Anwesenheit des Staatssekretärs Bergmann in Lo n d o n gilt den seit zwei Wochen schwebenden deutschen An­leiheverhandlungen in London. Berg- manns Rückkehr nach Berlin erfolgt aller Bor- auSficht nach Ende dieser Woche.

Eine Kommunisten Zentrale.

Aufdeckung «irres Gsheim-Bureaus.

lDrivat-Telesramml

Berlin, 21. März.

Bon der Abteilung la des Berliner Polizei­präsidiums wird mitgeteilt: Bei dem in der Amalienftraße wohnenden Mechaniker Walter Ahrend, einem Vertrauensmann der Kommu­nistischen Partei, wurde eine hochwertige, mit allen Erfordernissen reich ausgestattete Funk- Anlage entdeckt. Außerdem wurde ein Ver­zeichnis der Adressen zahlreicher kommunistischer Postbeamten und Angestellten, Adressen Berliner Telegraphen- und Teleyhonbau-Finnen und ge­heime Dienstvorschriften über den Funk- und Telegraphendienst vorgefunden. Ahrend ist ge­flüchtet. Der ou dem Unternehmen beteiligte kommunistische Stadtrat und Partei-Sekretär Crulwirz ist verhaftet worden. ,

politische Erziehung.

Das Vaterland über die Partei!

In den letzten Jahren ist die Zahl derjenigen Deutschen, die sich dem unerquicklichen und un­fruchtbaren Parteihader abwaudten und sich da­gegen sträuben, alles politische und wirtschaft­liche Geschehen durch die Parteibrille zu bettachten, unaufhörlich gewachsen. Kein LKun- ber, denn die Not der Zett ist zu groß und die Probleme, vor die unser Volk sich gestellt, fleht, sind zu um affend, als daß sie aus einer Ecke her­aus ganz überblickt und gewürdigt werden könn­ten. Im engen Kreis verengen sich der Sinn. Wer es nicht wahr haben will, daß jenseits des Berges auch noch Menschen wohnen mit gesun- den Ansichten und berechtigten Interessen, wird sich nicht beklagen dürfen, wenn er ins Hinter- treffen gerät und die Umwelt über ihn zur Ta­gesordnung übergeht. Der Mensch von heute ist zwangsläufig, der eine mehr und der andere weniger, auch politisch intereffieN, aber je grö­ßer sein polittsches Format, je weiter sein Ge- sichtskreis ist, um so weniger wird er sich in die spanischen Stiesel einer PaNet hineinzwängen lassen. Schon N i e tz s ch e, der doch Wohl ein moderner Kops genannt werden muß, sprach daS bekannte Wort, daß der denkende Mensch sich durch die PaNeien hindurch denke. Und von einer anderen beachtlichen Stelle stammt der Ausspruch, daß derjenige, der zu einer Partei schwöre, sich auch nicht wundern dürfe, wenn er mU dieser untergehe.

Damit soll nicht gesagt sein, daß jedes Par­teiergreifen unter allen Umständen vom liebet ist. Im Gegenteil, auch aus dem Parteikampfe kann und wird, wenn er ehrlich auSgefochten wird, mancherlei Segen erfpritzen. Meinungs­verschiedenheiten sind dazu da, daß sie ausgetia- gen werden, der Kampf ist der Vater aller Dm- ge,-krankhafter Harmoniedusel um jeden Preis bringt uns nicht weiter. Rur darf der Kampf nicht ausarten, nchit übertrieben. mcht um feiner selbst willen geführt werden. Die Hauptsache muß Immer die Hauptsache bleiben, und die ist: DaS Wohl des Vaterlandes, der Gesamtheit, nicht der ausschließlich Vorteil ir­gendeiner politischen oder wirtschaftlichen Jn- teressentengruppe. Doch gegen dieses oberste Ge, bot wird heute schwer gesündigt. Ter Egois­mus der Klassen wie der Einzelnen feiert Or­gien; alles geht seine besonderen Wege, unbe­kümmert um das Wohl der anderen, einzig und allein auf den eigenen Gewinn bedacht. Die Parteizugehörigkeit ist nicht wenigen nur noch Mittel zum Zweck, daher denn auch die unerfreuliche Tatsache, daß gerade in den Jah­ren nach der Revolution die Partei und damit die .politische Ueberzeugung' von gar vielen wiederholt gewechselt wurde, je nachdem der Wind ging. Sogar polittsche Parteiorgane soll es geben, die heute verdammen, was sie vordem als das einzig Wahre erflarten und veri fochten, V

,®te könnt' ich sonst so tapfer schmälen. Wenn tät ein armes Mädglein fehlen, Und segnet' mich und tat so groß! Und bin nun selbst der Sünde bloß.'

Sicherlich seltener aus reiner Willkür ob et anderen verwerflichen Beweggründen, vielmehr deshalb, weil selbst diesen Organen bsg Hemd näher sitzt als der Rock; erst recht heute, wo me wsamte Presse um Sein ober Nichtsein ver­zweifelt kämpft. Aber gerade deshalb sollte man sich auch auf jenar Seite bei der von geschäft­lichen Erwägungen diktierten Kritik an der un­bequemen Konkurrenz etwas mehr Zurückhal­tung auferlegen. Ferner steht Har zu Tage UNV kann immer wieder aufs neue beobachtet wer­den, daß ebenso wie ausgesprochene Parteizei­tungen selbst Parteien unter dem Zwang der Verhältnisse ihren Standpunkt zuzweuen in wesentlichen Fragen ändern, ja im Falle der äußersten Not beinahe vollständig preisgcben müssen. Die Parteipolitik ist, ob sie wollte oder nicht, vielfach zur einseitigen Interessenvertre­tung geworden, sehr zum Schaden des Bolks- ganzen, denn bei dieser Entwicklung gehen die einheitliche Linie unseres nationalen Wollens u. damit die nationale Stoßkraft immer mehr ver­loren. Deshalb wird jeder, ver es gut mit dem Vaterlande meint, dem Streit und der Zersplitterung der Parteien nicht noch Vor- ichub leisten, er wird nicht unterstreichen, was diese trennt, sondern was sie einander naher bringt zu geschloffenem Handeln. Daß unser gesamtes Parieiwesen der Resorm dringend be­darf, wird heute in keinem Lager mehr einst- lick, bestritten: so wie bisher kann es nicht Wetter geben, es müssen neue Höhen, neue Richtlinien gesucht und gefunden Wersen. Auf die Prlatus- frage: .Was ist die Wahrheit,' vermag heute keine von allen Parteien eine befriedigende Ant­wort zu geben.

Wohl nimmt eine jede sie für sich in Anspruch obwohl es dock, nur eine Wahrheit, aber die- £e Parteien s'.vt. Da» Hai nachgerade auch der