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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hesfische Abendzeitung

12. Jahrgang.

Sonnabend, 11. Marz 1922.

Fernsprecher 951 und 952

Nummer 60.

Fernsprecher 951 und 952

Amerikas Stellungnahme gegen Genna.

lehnt. Der Ausschuß beschloß die Vertagung, bis die Zustimmung des japanischen Parlaments hinsichtlich der Abrüstung der japanischen Flotte auch endgültig gesichert sei.

Frankreichs Angst.

Gsge» die deutsche Artillerievorschrift. (Eigener Drohtberlcht.)

Genna ohne Bedenttmg?

Eine Arußerung des italienischen Botschafters.

(eigener Drahtbericht.)

Genf. 10. März.

Der neu ernannte italienische Botschafter in Paris, Sforza, äußerte auf der Durchreise nach Paris gegenüber einem Vertreter derStampa", er messe der Konferenz von Genua, die er als eine enifache wirtschaftliche Zusammenkunft betrachte, keine allzugroße Bedeutung bei. Die wirtschaftliche Wiederaufrichtung Euro­pas sei gewissermaßen bereits im Gange. In bezug aus das russische Problem erinnerte er daran, daß er schon hn Jahre 1920 die gegen Rußland betriebeneStacheldrahtpolitik" als verfehlt bezeichnet habe. Die Bolschewisten müß­ten leben oder sterben, ohne daß man ihnen durch eine feindselige Aktion einen Grund für ihre eigene Rechtfertigung geben dürfe.

Die RitMnien.

Berlin, 10. März. (Privattelegromm.) lieber das Ergebnis der Aussprache erklärte der Reichskanzler, die Regierung werde die Richt­linien der Deutschen Volkspartei im Wesentlichen zu den Richtlinien der Re­gierungspolitik machen. Zur Ansar- bcftung von Einzelheiten werden auch Person - lichteten herangezogen werden aus Kreisen außerhalb des Parlaments. Dieses Ergebnis der gestrigen Besprechungen werde, so sagte er, alsbald politische Folgen nach sich ziehen. Es sei notwendig, das Finanzministerium endgültig zu befctien. Der Vorsitzende stellte hierauf das (M- verständnis der anwesenden Parteien ftst.

tim Amerika« Ablehnung.

Rom, 10. März. (Eigene Drahtmeldung.) Die 3rcffe nimmt Stellung zu der Ablehnungsnote der amerikanischen Regierung für Genua und erklärt zum größten Teil, daß es sich hierbei um ein bloßes Manöver handele. DerAvanti" ver­breitet diese Meldung weiter und fügt hinzu, daß sie nur bestimmt sei, der Konferenz von Ge­nua das Vertrauen zu entziehen. Staats­sekretär Hughes erklärt, die Konferenz trage nicht einen wirtschaftlichen, sondern mehr einen politischen Charakter. Amerika lönne sich des­halb in nützlicher Weise nicht beteiligen und die Regierung müsse aus die klar ausgesprochene Ueberzeugung des gesamten amerikanischen Bol­les die gebührende Rücksicht nehmen.

Amerika begründet seine Absage.

Genf, 10. Mürz. (Eigene Drahtmeldung) Aus Rom wird berichtet: Dir Bereinigten Staa­ten begründen die A b l e h n u n g der Teilnahme an der Konferenz von Genua damit, daß es ihnen vorläufig nicht möglich fei, an einer Kon­ferenz europäischer Staaten teilzunehmen, da diese bisher noch keine Maßnahmen ge­troffen hätten, um die Schäden des Krieges in den eigenen Ländern zu heilen und ihrer wirt­schaftlichen Lage wieder aufzuhelfcn.

Sie deutsche und russische Frage autzgeschattei

Zürich, 10, März. (Eigene Drahtmeldung.) Aus Paris liegen Nachrichten vor, wonach die offiziöse Havas-Bgentur in Frankreich die Nach­richt verbreitet, zwischen den Alliierren sei für Genua nicht mrr die gesamte deutsche Frä­st e, sondern auch die Frage des russischen Wiederaufbaues außerhalb der Tagesord­nung gestellt worden.

Aus Washington wird berichtet: Der amerikanische Berat-mgsausschuß der Washing­toner Abrüstungskonferenz nahm eine Reso­lution an, die sich g e g e n die B e s ch r ä n k u n g der Zahl der U-Boote ausspricht. Eine große Unterseebootflotte sei für die Verteidi­gung der amerikanischen Küsten unerläßlich. Wenn das U-Boot zu Zwecken verwendet werde, die nicht gegen die Gesetze der Humanitär ver­stoßen, so könnten gegen seine Berwendung gegenüber Handelsschiffen auch keine Einwände erhoben werden. Der SenatsauSschutz hat die vom Präsident Harding gewünschte sofortige Er­ledigung der Flottenabrüstung abge-

Berlin, 10. März.

In der Note des Generals Rollet an die deutsche Regierung wegen der Ausbildungsvor­schrift des Reichsheeres heißt es: Am 19. Ja nuar v. I. ist eine Ausbildungsvorschrift für die Artillerie genehmigt worden, die unter an­derem vorschreibt, daß der Zweck der Aus- b i l d u n g die Vorbereitung für den K r i e g ist. Die Kommission fleht in einer solchen Vorschrift eine Verletzung des Artikels 160 des Friedens-, Vertrages, wonach das Heer nur für die Er­haltung der Ordnung innerhalb des deutschen Gebietes und als Grenzpo­lizei bestimmt ist. Die Kommisflon nimmt Kenntnis von dieser Verletzung und erwartet, daß die Vorschrift spätestens bis 20. März auf­gehoben und der amtliche Wortlaut der Aufhe­bung ihr ordnungsgemäß zugestellt wird.

Noch nicht genug entwaffnet?

Genf, 10. März. (Eigene Drahtmeldung.) Echo de Paris berichtet, daß die neue Ent­waffnungsnote des Botschasterrates am Montag Paris verlassen habe. Die neue Note fei, entgegen anders lautenden Meldungeck, wie­der unbefristet, betone aber die Notwendigkeit, daß die darin geforderte Verminderung be­stimmter Organisationen schnellstens und ohne Verzögerung durchgeführt werde.

Wie manabrüftet".

Keine Einschränkung der Kriegsflotte.

(Eigene Drahtmeldung.)

Rotterdam. 10. März.

Französischer Gefchäftsnrw.

Beurteilung der Leipziger Messe.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 10. März.

Die halbamtliche Pariser Presse bringt an­läßlich des Zusammentritts der Pariser Konfe­renz Berichte ihrer Berliner Korrespondenten über den glänzenden Ausfall der 2e19« ziger Messe, die die besten Borlriegs;ahre um fast dreihundert Prozent übertreffe und die Beschäftigung der deutschen ^Indu­strie bis zum nächsten Jahre sicher stelle. «Ma­tt«" und Journal des DebatS" erwarten, daß die Finanzminister der Alliierten daraus die Leh­re ziehen. (!) ib-e Forderungen für dieses Jahr nicht zu mildem und ein Moratorium zu be­willigen, (!) da es Deutsch.'and industriell rmd wirtschaftlich immer noch besser gehe, als dem zu einem Fünftel gänzlich zerstörten Frankreich.

hatte, wie es der Sozialismus verstand, immer tocitere Kreise der Jndustriearbeitevschast in sei­nen Bann zu zwingen, den habe dieses Ereignis nicht überrascht. (Sehr richtig!) Da gelte eS, die eine Aufgabe voxanzustellen: uneigennützig und mit aller Kraft zu arbeiten an der Wiederherstel­lung einer wahren deutschen Volksgemeinschaft. (Lebhafte Zustimmung.) Im Anschluß daran untersuchte der Redner die Aufgaben der Wirt­schaftspolitik, zunächst der Arbeitgeber. Heute, wo die bindende Kraft des Obrigkeitsstaates fehlt, müsse auch der Industrielle aktiv an der Staatsleituna teilnehmen. Nicht neue Gesetze seien die Ausgabe der nächsten Zukunft, sondern Verständnis für andere Glieder der Volksgemein­schaft, insbesondere für die Bedürfnisse der Ar­beitnehmerschaft. Der Gedanke der Arbeits­gemeinschaft müsse sich mehr und mehr durch­setzen. Gerade die Besten unter den Industriel­len empfinden längst, daß nicht materielle Inter­essen, sondern die Freude am Schaffen ihre auf­reibende Arbeit lenkt. In diesem besten Sinne sei die gutgeleitete Industrie längst nationali- iert. Andererseits müsse bei der Arbettnehmer- chast wieder Vernunft und Veranüvortungs- gefüU einziehen, während sie heute der egoisti­schen Praxis des Sozialismus nachlaufe, die sich aus der ursprünglich altruistischen Theorie durch die Revolution entwickelt habe.

Appell an Amerika.

Hoffnung auf Hilfs?

Die Amerikaner wollen, wie uns gestern ein Telegramm bestätigte, nur einen nichtamt­lichen Vertreter nach Genua senden, der den Konferenzverhandlungen im April- Mai als Zuhörer beiwohnen soll. Trotzoem glauben manche Berliner Kreise, die Amerikaner zu affinem Eingreifen in die Erörterungen ver­anlassen zu können. Von dieser Hoffnung aus hat auch der Außenminister Dr. Raichenau int Hauptausschuß des Reichstages in seiner Rede, die wir gestern besprachen, am Schluß Ame­rika auf seine moralischen Verpflich­tungen gegenüber Europa hingewiesen. Man kann dem Gedanken, den Rathenau entwickelte, insofern zustimmen: Amerika hat durch sein Ein­treten cm der Seite der Alliierten in den Krieg den gewaltigen Kampf zu Ungunsten Deutsch­lands entschieden. Darum hat Amreika nicht allein eine moralische, sondern eine tatsächliche Verpflichtung, auch selbst mit Hand anzulegen bei der Ordnung derjenigen Probleme in Europa, die durch diese von ihm in erster Linie mit herbeigeführte Entscheidung des Krieges auf« gerollt worden sind. Wie in kriegerischer, mili­tärischer Hinsicht Amerikas Mitwirkung sich be­stimmend geltend gemacht hat, so müßte das jetzt auch in wirtschaftlicher, friedlicher Richtung der

Es folgte der dritte Vortrag. Vorsitzender des Reichs wirtschaftsiates Edler v. Braun referierte überDie Einwirkung des Versailler Vertrags und der Repa- rationen auf die Sozialpolitik". Der Redner bedauerte, daß der Versailler Verttag in Deutschland so wenig bekannt ist. In seinem dreizehnten Teil wird berichtet, daß unschützbare Wohltaten für die Lohnarbeiter bei den Bestnn- mungen des Vettrages herauskommen sollen. (Lachen.) Dabei herrscht in England und in fast allen Siegerstaaten, wie auch bei den Neutralen, eine Arbeitskrisis, wie seit zweihundert Jahren nicht. Deutschland hat zurzeit eine verhältnis­mäßig geringe Arbeitslosenziffer, es hat auch m der Sozialpolitik sogar die Ziele erfüllt, die im Versailler Verttag als Ideal hingestellt worden sind. Aber diese Blüte ist nur scheinbar, sie ist nur auf die ungeheuerliche Belastung der deut­schen Volkswirtschaft durch den Verttag zurück- zuWhren. Das muß zum Zusammenbruch und zum Verlust aller sozialen Errungenschaften fuh- reu, wenn nicht rechtzeitig eine Umkehr erfolgt. Ter Nutzeffekt unserer ganzen Volkswirtschaft ist unge^uer zurückgegangen. 1920 war unsere Han­delsbilanz mit mehr als zweieinhalb, unsere Zahlungsbilanz ohne die Reparationen mit meh. als vier Milliarden Goldmark vassiv. 1921 bringt feine Besserung, denn die Ausfuhr ist um mns- i'ndzwanzig Prozent der Menge nach, um drei­einhalb Milliarden dem Werte nach geringer als im Frieden. Wir verkaufen nicht nur den Uetzer-

Fall sein <

Wir wollen in diesem Rahmen nicht danach fragen, ob dir Hoffnung auf Amerika erfolgver­sprechend ist oder nicht. Der Appell an das Verantwortlichkeitsgefühl Ameri­kas war jedenfalls berechtigt, lieber die Rolle Amerikas in Genua ist man ja auch heute noch nicht unterrichtet. Daß aber Amerika sich ent­schlösse, einen Vertreter nach Genua zu schicken, der eine gewichtigere Aufgabe als die eines Horchpostens hatte, kann man nach Lage der Dinge kaum annehmen. Es ist ja selbsiver- siändlich daß eine derartige unmittelbare ameri­kanische Kontrolle in Genua auf bestimmte Dinge heilsam und sördernd, andererseits wieder aus- gleichend hindernd, oder besser gesagt, verhin­dernd einwirken könnte. Aber die ganze Einstel­lung Amerikas zu den Dingen in Europa, ins­besondere zu dem Reparationsproblem, ist nicht eine derartige, daß man eine ersprießliche För­derung all dieser Fragen erwarten könnte. Ame­rika halt sich demonstrativ von den europäischen Händeln fern. Das durch die Lage der Dinge gegebene Verantwvttlichkettsbewußtsein Amerikas gegenüber den durch den Ausgang des Weltkrieges geschaffenen Verhältnissen in Deuffch- land und in Europa wird von durchaus rechne­rischen, kaufmännischen, geschäftlichen Erwägun­gen zurückgedränat. Für Amerika ist dieses Deuffchland von heute ebenso Wenig kredit­würdig wie für England, dessen höchste wirt- schaftliche Instanz uns das ja noch ausdrücklich schriftlich bescheinigt hat.

Wenn Deutschland aus seinem Finanzfammer herauskonrmen und wenn es eine Stabilisierung seiner Währung erreichen und damit die Vor­aussetzung für die Abtragung seiner Verpslich- tungen schaffen will, dann ist das gar nicht mög­lich ohne eine große internationale An­leihe. Und dieze wiederum ist ohne führende Beteiligung Amerikas gar nicht denkbar. Nun liegen aber bestimmte Informationen aus Ame­rika dahingehend vor, daß selbst die ameri­kanische Regierung den Privatinteressenten, ins­besondere den Banken, nahegelegt hat, keinerlei finanzielle Transaftionen mit dem Auslände zu unternehmen ohne vorherige Fühlungnahme mit der amettkanifchen Regierung. Das bedeutet, daß sich Amerika die Kontrolle über all diese Dinge Vorbehalten will. Das bedeutet ins­besondere, daß auch Deuffchland fürs erste aus eine derartige amerikanische Kredithilse nichtrechnen kann. Man gebt wohl nicht sehl in der Annahme, wenn man bei dieser Stellung­nahme nicht allein wittschaftliche, sondern tiefere politische Gründe vermutet. Wir wissen, daß Amerika durch die Erfahrung, die es mit dem Auftreten der Franzosen bei der Konferenz von Washington gemacht hat, sehr verstimmt worden ist. Die unbegrenzten Rüstungsforderun- gen Frankreichs, die zu immer neuen gewaltigen Kostenausgaben veranlassen, in Verbindung mit den Milliardenaufwendungen, die durch die Un­terhaltung der Besatzungstruppen am Rhein be­dingt find, haben den vorwiegend geschäftlich ein­gestellten Amerikanern gezeigt, daß vorläufig un­ter solchen Verhältnissen internationale An leihe summen in einem großen Danaidenfap wirkungslos verschwinden würden.

Die Amettkaner stehen, wie aus ihrer großen Presse sich unzweifelhaft ergibt, auf dem Siand- punft, daß sich die heute noch in Europa herr­schende Unvernunft erst einmal auswben müsse, daß unter den obwaltenden, eben skizzierten Ver­hältnissen an eine wirtschaftliche vernünftige Regelung der Verhältnisse gar nicht zu denken ist und daß davon solange keine Rede fein kann, ehe nicht wirklich die wirtschaftlichen Er­wägungen die Oberhand über politische und

militättsche Dittaturpolitik erlangt hat. Es wird noch eine hatte Leidenszeit von uns überwunden werden müssen, bis wir zu diesem Stadium der Entwicklung gekommen sein werden. Auch Genua wird uns erst in einer Etappe diesem Ziele näher bringen können. Es werden noch Viele Genueser und andere Konferenzen vorüber­gehen, ehe man wirklich einmal so weit ist, daß die wirtschaftlichen Fragen ohne eine Beimen­gung von Dingen und Erwägungen, die immer wieder den Gesundungsprozeß komplizieren, be­handelt werden können. Solange wird es auch keinen Frieden in der Welt geben, der bei der Lebens- und Schicksalsgemeinschaft der Völker auf den Wirtschaftsfrieden sich aufbauen muß.

ßmigims Wer die Steuern.

Volkspartei bis zur Sozialdemokratie. (Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 10. März.

In der gestern abend von 5 bis 8 Uhr dauern­den interfraktionellen Besprechung brachte der Abgeordnete Becker (Hessen) die von der Deutschen Volkspartei aufgestellten Richt­linien für die von ihr verlangten sachlichen und persönlichen Garantien vor. Dar­über fand eine eingehende Aussprache statt. Sei­tens der Demokraten, fiir die der Abgeordnete Koch sprach, und des Zentrums wurden die Dar- legrkngen der Deutschen Bolksyartei warm be­fürwortet. Hernrann Müller erklärte für die Mehrheitssozialdemokraten, daß auch diese grund­sätzlich keine Bedenken gegen die neuen Schritte brr Deutschen Bolls Partei hätten, heute aber zu Einzelheiten noch keine endgültige Setllung neh- mcn würden. Wenn alle Parteien erklärten, daß ein möglichst großer Bettag aus der Zwangs- anlerhe für 1922 erhoben werden falle, so wür­den die Sozialdemottaten auch ihrerseits dar­auf verzichten, den Absatz des Mantelgesetzes besonders Präzisiert zu sehen.

Arbeirgebrrgeöanken.

Eine große Versammlung in Köln.

2lm Mittwoch fand in Köln die allgemein« Mitgliederveefautmlnng derDereiaignng der ©eutfdicn A-driigcbcrverdärid« statt. Kltr die SretMSregierung war Minister GieöSert«, fiir die prentzifg-e Ministerialrat Z<t!ing. Haus erfchienen. Auch zahlreiche Reiche tagsabgeordnrt« hatte» strg eingefunden.

Der Reichskommissar für das besetzte Gebiet, Fürst von Hatzfeld, begrüßte die Vertreter aus dem ganzen Reiche: Der deutsche Gedanke wird im Rheinland immer eine Stätte finden. lBeifall.) Gerade hier stehen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam zusammen. Sodann begrüßte der Vorsitzende der Vereinigung, Dr. Sorge, die Erschienenen. Als erstes der Refe­rate folgte nun der Vortrag des Professors Dr. Othmar Spann-Wien über: ,Die wif- senschaftliche lieber Windung des Marxismus"

Der Redner bebanerie, daß wir immer noch im Banne des Marxismus stehen, obwohl et in München, Budapest und Moskau gezeigt hat, daß er nicht lebensfähig sei. Hätte die Wissen­schaft diese Tatsache früher festgestellt, dann wäre alles besser geworden. Professor Spann behau- delte neben der goschichtsiheoretischen und politi­schen vor allen Dingen eingehend die wittschast- liche Theorie des Marxismus und wies ihre Un- Haltbarkeit nach. Er feierte zum Schluß den Ge­danken der vöMscheu Gemeinschaft. Das ganze deutsche Voll werde begreifen, daß die Lehren des Marxismus falsch sind. (Beifall.)

Den zweiten Vortrag hielt der Landtags« abgeordnete Direttor Dr. K a l l e - Biebrich a. Rh. über ,D ie Wirtschafts- und Sozial- politikimDienstedesVolksgemein- sch afts ge d anke ns". Der Redner schilderte die Zwietracht, die stets in der deutschen Ge­schichte die kraftvolle Entfaltung des Staates vou innen heraus gehindert habe. Heute ist es die dziale Zerklüftung, die das Volk auseinander­reißt. Dieses Schauspiel mußten wir auch nach dem unglücklichen Ausgang dos Weltkrieges im Zusammenbruch des alten Staates und in der Erschütterung aller Grundlagen durch die Revo­lution erleben. Wer vor dem Kriege beobachtet