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12. Jahrgang

Sonnabend, 4. März 1922

Fernsprecher 951 und 952

Nummer 54.

Fernsprecher 951 und 952

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Meter Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Wachsende Ernahmngs-Schwiengleiten.

Bolschewisten Gegner.

Ein Hauptquartier in Berlin.

Es ist ein Kennzeichen unserer Zeit, das; in öen meisten Ländern, deren Staatsordnung durch den Krieg und seine Folgen gestürzt wor­den ist, die Bekämpfung der neuen Wtaatsforrn vom Auslände aus erfolgt, daß also das E r i l den Boden für die Keime einer neuen S t a a t s- umwälzung in der fernen Heimat hergibt. So liegen die Dinge auch in Rußland, wo der Bolschewismus eine so völlige Desorganisation iegtid>?n Verkehrs und damit zugleich die Unter­bindung eines wirksamen Gedankenaustausches zwischen gleichgesinnten Elementen herbeigefühlt hat, daß die Gegner der bestechenden Staatsord-, nung sich gezwungen sehen, außerhalb der russi­schen Grenzen den Widerstand gegen die herr­schende Partei zu organisieren. Daß sich in Deutschland, und insbesondere in Berlin, ei­ne große Anzahl von Russen aufhatten, die dort politisch tätig sind, ist bekannt. Sie haben ihre Zeitungen und Zeitschriften, in denen sie für ihre .Ideen werben. Sie sehen der bolschewisti­schen Propaganda eine nicht minder nachdrückli­che Aktion zur Bekämpfung der Moskau­er Regierenden entgegen. Nach einer ®t*= d'.mg aus Kowno haben nun in der letzten Zeit die den Bolschewismus bekämpfenden Gruppen in Deutschland noch eine weitere Zufammenfas- sung und Verstärkung erhalten, indem die füh­renden russischen Sozialrevolution ä- r e nach Deutschland übergesiedckft find u. gleich- xÄtig Moskauer Menschcwistenführcr sich auf eine Einladung der Berliner Unabhängigen nach Berlin begeben haben. Auf diese Weife ist eine ansehnliche Gruppe radikaler russischer Svztali- sienführer in Berlin versammelt, die in engsten Beziehungen zu dem linken Flügel der deutschen Sozialdemokratie steht und von Deutschland aus den Kampf gegen das herrschende System in Sowietrutzland fortsetzt.

Mit Hilfe der deutschen Unabhängigen haben die sozialrevolutionären Führer die in Berlin erscheinende TageszeitungGolos Rossis" erwor­ben. die früher der Gruppe des Kadettenführers Miljukow gehörte und die in Zukunft das Zen­tralorgan der radikalen Sozialisten Rußlands werden soll. Man hatte bereits, in den letzten Monaten innerhalb der u n a b h ä n g ig c n S o- zialdemokratie eine auffallende Zunahme der Gegnerschaft gegen Sowietruß- l a n d beobachten können. Sie erklärte sich zwanglos durch die nahen Beziehungen, die die Führer der unabhängigen Sozialdemokratie mit den russischen Sozialrevolutionären verbinden Auf diese Weife kommt dem Einwirken der rus- sischen radikalen Sozialistenführer auf die deut­sche Sozialdemokratie eine nicht unbeträchtliche Bedeutung zu. Sicherlich wird in naher Zu­kunft mit gewissen Veränderungen innerhalb der sozialdemokratischen Parteien zu rechnen sein; während andererseits eine Beeinflussung der deutschen Polittk gegenüber Rußland infolge dir. ser Vorgänge erwartet werden darf.

Berlin ist jedenfalls durch die Uebersiedelung der russischen Sozialistensührer in ein Haupt­quartier aller derjenigen russischen Elemente verwandelt, die die Bekämpfung der Bolschewt- ßen aus ihre Fahne geschrieben haben. "Es er­scheint nicht ausgeschlossen, daß diese erst in ihren Anfängen begriffene Organisation m der Zukunft eine weitere Auswirkung erfährt, die für den Bestand der Sowjetherrschaft unter Um. ständen verhängnisvoll werden kann. Schon seit längerer Zeit hält sich in Berlin der bekannte Führer der Sozialrevolutionären Vi'- tor Tschernow auf, der unter Kerenski Minister und Vorsitzender der durch die Bolschewisten ge­sprengten konstituierenden Nationtalversammlung war. Er hat in mehreren Reden vor russischen Landsleuten die Pläne seiner Partei und seine Auffassung von der gegenwärtigen Lage in Ruß­land entwickelt Er sieht infolge der wirtschaft­lichen Neuorientierung Lenins und Trotzkys eine baldige Umwälzung voraus, zu der ntdbt das platte Land den ersten Anstoß geben wurde, obgleich die Sozialrevolutionäre in erster Linie eine agrare Revolutionspartei darstellen, sondern vielmehr die städtische arbeitende Bevölkerung, deren geistiae Umstellung eine unausbleibliche Folge der Wiedereinwauderung des Kapitals fein werde.

Nach der Auffassung Tschernows würden so­wohl die herrschende Intelligenz wie die Arbei­ter Opfer des neuen Kurses werden, indem das Kapital zunächst einmal den gesamten Beamten­apparat, in dem sich das Sowjetistische Rußland konsolidiert, einfach auf die Straße setzt, während die Arbeiter mangels geeigneter Organisationen sich Hilst und Wehrlos den staatlichen Trusts ge­genüber sehen werden. Dir neue Wirtschaftspoli­tik muß sich also als die beste Propaganda tn den Städten gegen die Macht erweisen, die sie beschlossen hat. Uebrigens glauben.die Sozialre- volutionäre nicht an eine Wiederauferstehung der Bolschewisten, ebensowenig an einen russischen Bo-

napartismus, da für beides in Rußland die Vor- aussetzungen fehlten. An die dritte Möglichkeit, nämlich die völlige Anarchie, die das jetzige Regime ablösen könnte, glauben die Sozialrevo­lutionäre ebenfalls nicht, sobald eine Gruppe von Männern wirklich mit schöpferischem Han­deln und energischem Willen auf die von den Bolschewisten verlassene Plattform trete Da­rin aber sieht Tschernow gerade die Aufgabe fer­ner Partei. Dagegen scheinen die Sozialrevo­lutionäre von einem aktivistischen Vorgehen ge­gen die Bolschewisten, wie sie es seinerzeit mit Erfolg gegen den Zarism'.rs unternommen hat­ten, nichts wissen zu wollen; sie scheinen viel­mehr. vielleicht nicht zuletzt aus taktischen Grün­den, rechts gerichteten gegertrevoluttonären Kreisen in dieser Beziehung den Vortritt lassen zu wollen um nachher mit itntfo größerer Aus­sicht aus Erfolg die Nachfolge anzutreten.

ZM Gmähmngsnot.

Die Landwirte verlangen freie Wirtschaft. (Vnvat-Tr'eerammO

Halle a. S., 3. März.

Gestern begann hier die Tagung des Land- Sundes für die Provinz Sachsen. Es wurde be­schlossen, P r o t e ft s« erheben gegen die Veibc- haltung des Umlageverfahrens. Der Landbund erklärte in einer Entschließung seine Bereitwilligleit, an dem H i l s s w c r k der deut­schen Landwirte teilzunehmen, fordert jedoch, daß die Hand des schaffenden Landmannes nicht durch die Fessel der Zwangswirffchast gebunden bleibe. Der Landbund der Provinz Sachsen fordert ferner die sokortige Aufhebung jeder wirtschaftlichen Fessel und erklärte, daß jede neue Umlage, selbst in veredelter Form, eine glatte Ablehnung durch die Landwirtschaft finden werde. Bei einer weiteren Zwangs­wirtschaft sei nicht mehr an die Hilfe «andwirffchast z« denken.

*

Proteste gegen die Brotvertrurrung.

Berlin, 3. März. (Privattelegramm.) Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion beauftrag- te ihren Vorstand, beim Reichskanzler gegen die ungeheuerliche Preissteigerung im Brotgetreide vorstellig zu werden und von der Regierung Maßnahmen zu verlangen, die die Brotversorgung der minderbemittelten Bolks- ttcise auf halbwegs erträgliche Preise sicherstellen.

Füllt öQs MSetMMfttz? Die Abstimmung im Reichstag.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 3. März.

Heute findet im Reichstag die namentliche Ab- stimrmmg über das Reichsmietengesetz statt. Me aus parlamentarischer Quelle mitge­teilt wird, läßt sich die Haltung der Par­te i e n zu diesem Gesetz jetzt so kennzeichnen, daß die Deutsche Bolkspartei, die Dcutsch-Demokra- tische Partei, die Denffchnattonale Vottspartei und die Bayrische Vottspartei gegen das Ge­setz find. Im Zentrum ist die Stimmung nicht einheitlich. Die Gewerkschaftler innerhalb der Zentrumspartei wollen für das Gesetz eintreten, während die übrigen Fraktionsmitglieder es ab­lehnen. Für das Gesetz find bislang nur die Mehrheitssozialisten und die unabhängigen So­zialdemokraten. Die Haltung der Kommunisten ist ungewiß. Die Regierung wird sich also bei der Abstimmung nur auf einen Teil des Zen- ttums, auf die MehrheitsfoziaWten und die Un­abhängige Sozialdemokratische Partei stützen können. Ob diese Stimmen genügen, um das Gesetz durchznbringen, ist zweifelhaft.

NeireMimsterpoften.

Finanz- und Landwirtsrhaftsministerium. (Privattelegramm)

Berlin, 3. Marz.

Reichsstnanzminister Dr. Hermes hatte gestern unmittelbar nach der Rückkehr des Reichskanz­lers mit diesem eine Unterredung, in der die schwebenden Steuerfragen eingehend erör­tert worden sind. Dr. Hermes hat den Reichs­kanzler dabei auf die Notwendigkeit hingewiesen, bei der Wichtigkeit der Aufgabe, die sowohl der Finanzminister als amh der Minister für Ernährung und Landwirtschaft zu erfüllen

haben, jetzt eine sofortige Besetzung der bei­den Aemter vorzunehmen. Dr. Hermes hat die­sen Standpunkt bereits fiühcr wiederholt zum Ausdruck gebracht, so hat er bei der letzten Ka­binettskrise nur aus Wunsch des Reichskanzlers die Verwaltung de§ Finanzministeriums über­nommen, aber damals schon diese Art der- ung lediglich als vorübergehend bezeichnet.

Am öas GiemrkompwmSß.

Etettungnahme der Sozialdemokraten.

(Privat-Telegramm.!

Berlin, 3. März.

DerVorwärts" schreibt: Die sozialdemokra­tische Reichstagsfraktion beschäftigt sich eingehend mit dem Steuerkompromiß. Das sozial­demokratische Mitglied des Steuerausschusses wurde von der Fraktion beauftragt, in der Frei­tag-Sitzung des Steuerausschuffes von der Deut­schen Bolkspartei eine Erklärung über ihre Stel­lungnahme zum Stenerkompromiß zu verlangen Sollte die Deittsche Vottspartei wie bisher ihre Zustimmung verweigern, dann wollen die So­zialdemokraten alle bisherigen Vereinbarungen als hinfällig erklären. DerZeit" zufolge hat die Deutsche Bolkspartei noch keine Einladung zu einer Teilnahme an den Besprechungen über das Stcuerkompromiß erhalten.

Besprechungen beim Reichskanzler.

Berlin, 3. März. (Privat - Telegramm) Reichskanzler Dr. Wirth hat Besprechun­gen mit den Fraktionsführcrn über das Steuer­kompromiß eiugeleitet. Die Führer der verschie­denen Fraktionen sind für heute nachmittag ein­geladen worden. DerDeutschen Zeitung" zu- solge verlautet in parlamentarischen Kreisen, daß der' Finanzminister in der Frage des Steuerkompromiffes an dem Wantelgesetz fest­hält, durch das die Z w a n g s a n l e i h e in den Vordergrund der finanziellen Maßnahmen ge­stellt wird. Die Deutsche Vottspartei hat bis jetzt ihre Stellrmgnnhme zu den Steuervor­lagen noch nicht endgültig sestgelegt.

Die Konserenz-VerMiebung

Lin Angriff auf Rußland?

lEiaerre Drahtmeldung.)

London, 3 März.

Dailp Herald" veröffentlicht eine Erklärung des bolschewistischen Gesandten in Rom, der be­hauptet, daß die wahren Ursachen der Ver­schiebung der Konferenz von Genua darin be­stehen, daß gegenwärtig eine neue kriegeri­sche Offensive in Vorbereitung sei. Die Aktion würde in Düdflawien, Italien und Un­garn vorbereitet werden. Eine Armee von ein- unddreitzigtausend Mann sei bereits in der Röhe von Belgrad aufgestellt, wo sich auch Generäl von Wränge! befindet. Die französische Diplo­matie unterstütze Wrangel und dadurch würde die Stellung der russischen Delegierten in Genua geschwächt. Die Armee Wrangel solle im Augen­blick der Konferenz von Genna gegen Rußland vorstotzen. Französtcherscits wird diese Mel­dung als völlig unwahr bezeichnet.

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Srfi Sndr April in Genua.

London, 3. März. (Eigene Drahtmeldung.) Der Korrespondent derWestminster Gazette" in Genua erfährt, daß die Konferenz von Genua nidjt am 10., sondern am 25. April eröffnet werden wird. Die Verschiebung der Konferenz sei erforderlich, um das religiöse Gefühl eines großen Teiles der Bevölkerung zu schonen, die in dem früheren Beginn der Konferenz eine Ver­letzung der Passionszeit erblickt hätten.

Sachleistungs-Abkommen.

Weitere amtliche Besprechungen.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 3. März.

Das Reichskabinett hat sich in seiner gestrigen Sitzung mit dem vorläufigen Abkom­men über die Sachleistungen beschäftigt. Die Besprechungen werden heute fortgesetzt. Der Reichskanzler wird in den nächsten Tagen im Reichstag eint entsprechende Erklärung abgeben. Beide rechtstehenden Parteien werden das Rathenau'sche Sachleistungsabkommen mit der Entente zur Besprechung im Reichstag brin­gen. Aus Paris wird gemeldet: Das soeben abgeschlossene neue Sachleistungs-AbLommen ist der Reparationskommission zur letzten Prüstmg unterbreitet worden. >

Ser (Setretöemartt.

Die andauernde Preissteigerung.

Wie Sie täglichen Probuttennrarktbevichr» seigert, wird das Brotgetreide ebenso wie andere Waren immer teurer. Irr dem nachstehenden Anssah ist ein genaues Bild von der Pretserrttvtcklrlng gegeben. Auf dem deutschen Getreidemartt ist feit Anfang des Jahres eine starre Auswärts­bewegung eingetreten, die vor allem in letz­ter Zeit sich außerordemlich verschärft hat. So ist der deutsche Weizenpreis, der Anfang des Jahres auf zirka 370 Mark pro 50 Kilogramm stand, aus 500 Mark gestiegen. Es ist ersichtlich, wie die deutschen Preise immer stärker nach einer Angleichung zu den Weltmarktpreisen streben. Die rm November v. I. in der Haupt­sache durch die Dollarhausie herbeigefühlte scharfe Preissteigerung konnte die amerikanischen Preise umgerechnet aus deutsches Geld mit Fracht und Versicherung in keinem Falle errei­chen. Ms dann der Dollarkurs wieder sank, gingen zwar die Preise wieder zurück, aber nicht im gleichem Maße. Während der Dollar feit Mitte Dezember durch den Januar hindurch bis Mitte Februar trotz einiger Schwankungen doch eine gewisse Stabilität gegenüber der deutschen Mark erreicht hatte, sttegen die Getreidepreise in diesem Zeitraum dauernd und haben bereits den zurzeit des höchsten Dollarstandes erreichten Preisstand überschritten. Es zeigt sich damit eine gewisse Loslösung der inländischen Preis­bewegung von dem Devisenstand. Wahrend vorbei die inländischen Getreidepreise im we­sentlichen von den Schwankimgen der Devisen abhängig waren und nur in zweiter Linie von den Getreidepreisen des Weltmarktes, reagieren nunmehr die Preise

stärker stuf den Weltmarktpreis.

Dieser ist seit Anfang des Jahres in stetigem Steigen begriffen. Hierfür kommen verschiedene Ursachen in Frage. In erster Linie haben die starken Käufe Englands in Argentinien, Australien und Nordamerika ein Anziehen der Weizenpreise bewirkt. Diese starken Weizen- käufe Englands sind jedoch keine Ausnahme­erscheinungen und können darum nicht allein-r die Steigerung des Weltmarktpreises verant­wortlich gemacht werden. Vielmehr scheint die Haltung der amerikanischen Weizenprvidu- zenten die Lage zu beeinflussen. Diese üben nämlich eine ziemlich starke Zurückhaltung. Er-, möglicht wurde diese Haltung durch die Millio- nenporschüsse, welche die Kriegs-Finanz-Korpv-- ratton auf Veranlassung des Farmerblocks tiu Senat den Landwirten verschafft hatte. Me Preise für Agrarprodukte waren in den Ver­einigtem Staaten fast auf den Vorkriegsstand ge­sunken, während industrielle Erzeugnisse immer noch zirka fünfzig bis hundert Prozent mehr als 1914 kosten. Das Verhalten der Kriegs-Finanz- Korporation ist daher durchaus geeignet, auch für Weizen, ähnlich wie für Baumwolle, wieder ge­sunde PreisverMtnisse zu schaffen wenn diese Unterstützung von den Farmern nicht miß­braucht wird. Das Anziehen der Preise an den amerikanischen Getreidebörsen wurde durch alarmierende Nachrichten über die Auswinterung großer Weizenanbauflächen unterstützt, di« dann vielleicht umgepflügt werden müßten und für den Weizenanbau dadurch verloren gingen. Wie weit diese Nachrichten den Tatsachen entsprechen, läßt sich schwer kontrollieren, da drüben vielfach solche Meldungen zur Beeinflussung des Mark­tes in Umlauf gesetzt werden.

Für das Inland kommen außer der Steigerung des Wettmarktt Preises noch eine Reihe anderer Ursachen für die scharfe Preissteigerung in Frage. Envr Dezem­ber batten die Käufe der Reichsgetreidestelle ein Anziehen der Weizenpreise im Gefolge. Außerdem hat der Verbrauchin Deutschland speziell von Weizen stark zngenmnmen und die Nachfrage bedeutend verstärkt. Die durch den harten Witter verursachte Kartoffelnot (die Mieten konnten nicht geöffnet und Transporte wegen Frostgefahr nicht ausgeführt wer­den) bewirkte eine gesteigerte Inanspruchnahme der Getreidevorräte nicht nur durch die Mühlen und Bäckereien, sondern auch durch die Nahr- mittelfabriken (Teigwaren). Auch der Eisen­bahnerstreik verursachte durch die in seinem Gefolge eintretende Knappheit an Zufuhren eine größere Bereitwilligkeit, höhere Preise zu bewil­ligen. Da Deutschland nicht in der Lage ist, fei­nen Weizenbsdarf selbst zu decken, ist es auf den Bezug von ausländischem Weizen ange­wiesen. Schon jetzt wird es Süddeutsch! and schwer, seinen WeizeNbedarf im Inland zu dek- ken. Es ist also damit zu rechnen, daß die in­ländischen Weitenpreise sich den Auslandspreisen angleichen, was bei einem weiteren Steigen der Auslandspreise, sowie bei dem neuerlich ein- setzenden Anziehen des Dollarkurses eine sehr ernste Belastung des Wirtschaftslebens in Deutschland bedeuten würde. Leider wird da» Problem der Getreidebeschaffung immer schwie-