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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

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Nummer 53.

Fernsprecher 951 und 952

Freitag, 3. Marz 1922.

Fernsprecher 951 mid 952 12. Jahrgang.

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Die Geld- und Sachleistungen.

SaGliefemngen.

Nach de» neuen Vereinbarnirge«.

Nachdem die Verhandlungen zwischen der deutschen Regierung und der alliierten Repara- tionskommisston in Berlin zu einem vorläufigen Abschluß gelangt sind, ist das Sachlieferungsab- komman auf eine neue Grundlage gestellt. Tie neuen Metrhdcn der Sachlieferungen werden sich nach folgender Richtung hin bewegen: Die hauptsächlichste und grundlegende Aenderung ist die Ausschaltung des im Wiesbadener Abkom­men vorgesehenen Verfahrens der Organisation und der Lieferungsverbände. Das Prinzip des neuen Abkommens ist vielmehr die freie Sicferung und der freie Verkehr. Da­mit erfährt auch das Wiesbadener Abkommen selbst, das ja inzwischen allerdings auch keine endgültige Gestalt erlangt hatte, da es von der Entente nicht ratifiziert worden war, eine ganz neue Basis. Dieses Abkommen ist in seinem entscheidenden Teil hinfällig geworden. Es sah die Schaffung großer Lieferungsverbände, also eine gewisse Zwangsorganisation unter staatli­cher Aufsicht und auf Grund gesetzlicher Sondcr- bestimmungcn vor. Durch diese Liefenmgsver- dände hätten sämtliche Aufträge für die Rcpa- rationsaufgabe geleitet werden müssen. Ein be­sonderes Reichskommissariat hätte für diese Aus­gabe geschaffen werden müssen. Das wird nun alles nicht mehr nötig sein. Der Geschästskreis des Mederaufbauministeriums wird sich infol­gedessen erheblich verengern.

Gewiß hat der freie Verkehr auch seine großen Bedenken. Es liegt ernste Gefahr vor, daß zu Kriegs- und Revolutions-Gewinn­lern nun auch noch die Reparations-Gewinnler kommen. Diese Bedenken werden verstärkt durch die Bestimmung des neuen Sachliefcrungsab- kommens, wonach einerseits keine geringeren Aufträge als für fünfzehnhundert Goldmark ver­geben werden sollen, daß aber andererseits eine Höchstgrenze der Aufträge überhaupt nicht festgelegt werden soll. Danach also wür­den Repararionsaufträge in die Millionen und Milliarden ohne weiteres im freien Verkehr ver­geben werden können. Im Laufe der Verhand­lungen hatte man einmal angeregt, die im freien Verkehr zu vergebenden Aufträge auf hundert­tausend Frank im Einzelfallc zu begrenzen. Man ist davon abgekommen, weil man sich sagte, daß diese Bestimmung ohne weiteres umgangen werden kann, indem dann größere Auftrage ganz einfach in die entsprechenden Teilbeträge zerlegt würden. Die jetzige Regelung wird aller­dings andere Hintertürchen auch nicht verschlie­ßen können. Man hat Wohl gewisse Sicherun­gen geschaffen, um unlautere Elemente einerseits und Reparations-Gewinnler andererseits aus­zuschallen. Man hat beispielsweise bestimmt, daß nur von amtlicher Seite anerkannte Handelsfirmen oder Hersteller als Lieferan­ten zugelaffen werden könnten, wie auf der Ge­genseite nur die Geschädigten selbst als Be- leger aufzutreten das Recht hätten. Im letzte­ren Fall können natürlich auch Vereinigungen von Geschädigten diese Rechte wahrnehmen. Ebenso können Behörden für ihren eigenen Be­darf die Waren beanspruchen.

Die amtliche Kontrolle deutscherseits wird da­durch gegeben sein, daß die Zahlungen für die im freien Verkehr zwischen den französischen und den deutschen Interessenten abgeschlossenen und gelieferten Bestellungen nur durch die be­treffenden Regierungen getätigt werden dürfen. Die fremdländischen Besteller werden den deutschen Lieferanten die von ihren Regie­rungen beglaubigten Bons übermitteln, die der deutschen Regierung auf Reparations- konto gutgeschrieben werden, lvährend die deutsche Regierung die deutschen Lieferanten in Papiermark bezahlt. Bei dem neuen Ver- fahren werden die Preise allerdings ein ganz anderes und zwar höheres Ausmaß haben, als das bei dem gebundenen Verfahren und der Auftragsvermittlung durch die Lieferungsver­bände der Fall gewesen wäre. Die Preise werden wohl dann allesamt Weltmarkts­höhe annehmen. Auch durch diesen Umstand werden sich starke Reparations-Gewirrn- Icr ergeben. Hier muß die Regierung ihrer­seits Vorsorge treffen, daß sofort d»e entsprechen­den finanziellen und steuerlichen Gegen­maßnahmen getroffen werden, um die Vor­teile der Gewährung dieser Weltmarktspretse nicht einigen wenigen, sondern der Gesamthett zugute kommen zu lassen.

Bei dem seitherigen Verfahren, bei dem Deutschland weit unter Weltmarttspreisen lie­ferte, ist gewiß das Reich im allgemeinen billi­ger weggelomrnen, andererseits haben aller­dings bei bestimmten Dingen, so bei Vieh- und Holzliefcrungen erhebliche in die Hunderte von Millionen Goldmark gehende Zubußen geleistet werden müssen. Um den deutschen Fabrikanten und Lieferanten dir Herstellung und Lieferung von Waren zu ermöglichen, für die auslän­

dische Rohstoffe verwandt werden müs­sen, ist eine Sonderklausel dahin gehend formu­liert worden, daß alle Sachlieferungen, bei de­nen zu mehr als fünfundzwanzig Prozent aus­ländische Rohstofse verwandt werden müßten, voll zu Weltmarktspreisen bezchlt werden. Diese neuen Methoden des Sachlieferungsabkommens werden nunmehr den Abschluß einer ganzen Reihe von Lieferungsabkommen mit a l l e n Al­liierten ermöglichen. J. B.

Ein Zahlungsaufschub.

Die diesjährige Goldschuldsumme. «Siaener Trahtbericht.)

Paris, 2. März.

Halbamtlich wird gemeldet: Die Reparations­kommission hat bereits über das Moratori­um für Deutschland entschieden. Danach find für das Fahr 1922 insgesamt sieüenhun- dertzwanzig Millionen Goldmark in Barzahlung von Deutschland zu leisten, wie in Cannes vereinbart worden ist unter Anreckmung der bisherigen Ratenzahlungen und mit Aus- setzung der Zahlungen auf drei Mouate. Echo de Paris" berichtet, daß die deutsche Regierung die festgesetzte Summe aner­kannt hat. Die glatte Erledigung dieser Frage ist das Ergebnis der vierzehntägigen Verhandlungen der Kommisfionsvertrettlng in Berlin unter Führung des Belgiers Bcmelman. Der Bericht der ReParationSkommisfion an die alliierten Finanzminifter wird in der am Frei­tag stattfindenden Sitzung entworfen werden.

Finanz-Beratungen.

München, 2. März. (Privattelegramm.) Das Reichsfinanzministenum hat die Mini­ster der Einzelstaaten zu einer besonderen Konferenz nach Berlin gebeten. Der bay­risch« Finanzminister ist bereits dorthin abge- rcist. Es handelt fich, wie verlautet, um eine Besprechung Wer die Tenerungsmaßnah- men «nd die Beamtenbesoldung.

Die Sachleistungen.

Stellungnahme der deutsche« Ausschüsse. tDrivabLelcsramm.)

Berlin, 2. März.

Der Ausschuß des ReichSverbandS der deut­schen Industrie tritt in den nächsten Tagen zilsammen, um fich mit dem Sachleistungsabkom­men zu befassen. Die Gewerkschaften wer­den am Freitag Stellung nehmen zu der freien Lieferung, in der fie eine ernste Gefährdung des Achtstundentages «Micken. In einer eingehen­den Besprechung des neue« Reparattons-Abkom- mens haben die Sachverständigen der betreffen­den Ausschüsse des Reichswirtschaft s- ratS Stellung dazu genommen. Eine weitere Bussprache soll am 10. März stattfindrn.

Kohlen fürlüe Alliierten.

Sie Lieferungen an Frankreich und Italien. (Privat-Telsgramm.l

Berlin, 2. März.

Wenn auch die Pariser BerhaWlunMM über die Minderlieferung deutscher Kohlen nach Frankreich abgebrochen worden stW, so rechnet man doch deutscherseits damit, daß nach dem Abkommen über die erweiterten Sachliese- rungcn die deutsch-italienischen Bespre­chungen noch einen befriedigenden Wschluß fin­den, da von deuffcher wie auch von italienischer Seite der Wunsch besteht, die Beratungen in Italien oder in Berlin fortzusetzen. Die Be­sprechungen Wer die Lieferung an Frankreich et- hofft man in den nächsten Tagen aufzunchmen.

Aus dem Bergbaubetrieb.

Beratung von Reformen.

(Privat-Telegramrn.l

Berlin, 2. März.

Im Zusammenhang mit den Beratungen Wer die neue Kohlenpreiserhöhuug fand beim Reichskohlenrat eine Sitzung des wirtschaststechnischen Ausschuffes für Kohlen­bergbau statt. Dieser Ausschuß hat aus dem Ge­biete der Sicherung de» Grubenbe­triebs bereits verschiedene Arbeiten in Angriff

genommen «nd gefördert. ES wurde beschlossen, durch lebhafte Beihilfe die Bestrebungen zur Förderung eines wirklichen Schlagwetteranzei­gers zu fchaffen. Eingehend bcfchästigte man fich mit den Fortschritten auf dem Gebiete der notwendigen Aufzeichnungen von Störungen in den Schächten und im Förderbetricb durch den Störungsmesser. In der Aussprache kamen wei­ter die Gesetzentwürfe über die fogenannte berg­rechtliche Flurbereinigung zur Erörte­rung. Diese gesetzlichen Maßnahmen find dazu bestimmt, Rechtshinderniffe aus dem Wege zu räumen, die heute noch den Bergbau häufig zwingen, rechtswirtschastlich abzubauen.

Angeklagte Abgeordnete.

Durch die Immunität geschützt.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 2. März.

Der Geschäftsordnungs-Ausschuß des Preu­ßischen Landtags hat beschlossen, beim Plenum zu beantragen, daß der Landtag die Genehmi­gung zur Strafverfolgung des Aüg. Dahlem versagt. Desgleichen wurde be­schlossen, einem Antrag des Oberstaatsanwalts in K a s f e l zur strasgerichtlichen Verfolgung des Abg. K n o t h - Frankfurt wegen öffentlicher Beleidigung «nd «nfreizung nicht stattzugeben. Ferner beschloß der Ausschuß, den Anttag der Staatsanwattschast bei den außerordenüichcn Gerichten ans Genehmigung zur Inhaftnahme des Abg. Kunze Wegen Aufforderung zu hoch­verräterischem Unternehmen abzulehnen. Weiter wurde der Fall beS Abg. Schalem er­neut beraten. Der Ausschuß beschloß, dem Land­tag anheim zu geben, die Genehmigung zur strafrechttichen Verfolgung deS Abg. Schalem wegen versuchten Hochverrates zu erteilen, die Genehmigung aber zu seiner Verhaftung zu ver- sagen. Endlich wurde v e r s a g t die Genehmi­gung zur strasgerichtlichen Bcrsolgung des Abg. Rusch wegen Kapitalverschiebung.

Berliner Radau-Sitzung.

Stadträte auf einer Bierreise.

(Brivat-Trlrgramm.)

Berlin. 2. Mär,.

Neber ungebührliches Verhalten der Stadt- räte Christ und Doefel beriet gestern die Bezirks­versammlung Berlin-Mitte. ES kam zu einer stürmischen Auseinandersetzung. Die beiden Stadträte, von denen Christ bereits aus fein Amt verzichtet hat, hatten anläßlich einer Bier­reise unliebsames Aussehen erregt. In der gestrigen Versammlung nahm auch der Unabhän­gige Brendel das Wort. Er schweifte von dem Thema ab und richtete schwerste Angriffe gegen das deutsche Offizierskorps. Besonders überschüt­tete er den Kronprinzen mit Vorwürscn und Beschimpsungen. Brendel schloß seine Ausfüh­rungen mit dem von seinem Parteigenossen Crispien geprägten Saß:Ich kenne kein Vater­land, das Deittschland heißt." (!)

Kabinettskrise in England.

Lloyd George stellt die DertranenSfrage.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 2. März.

In Londoner politischen Kreisen wird damtt gerechnet, daß LloydGeorgeinder nächsten Sitzung des Nutrrhauses die Vertrauens­frage stellen wird. Er beklagt fich darüber, daß gegen ihn im Parlament intrigiert wird, wodurch feine Stellung als Ministerpräsi­dent erfchwert werde. Er habe ei» Schreiben an Ehaurberlain als Führer der unionistischen Partei gerichtet, in dem er feine Ansicht in klaren Watten darWer zum Ausdruck bringt, daß er sich diesen demütigenden Bedingungen nicht unterwerfen könne. ES sei llar, daß die Krise ihren Höhepunkt ereicht habe, Der Rück­tritt Lloyd Georges, der die Seele der Koalttion sei, würde deren Ende bedeuten. Der Koalitions- ic^enntg könne bei der augenblicklichen Zusam­mensetzung des Unterhauses nur ein umonisti- sches Ministerium folgen, dessen Hauptaufgabe die baldige Auflösung des Parlaments sei. Die unimiistische Partei würde jedoch ohne eine Allianz mit den Liberalen bei den Neuwahlen einer Niederlage kaum entgehen können. Groß- btttannien sei irdoch heute nicht in der Lage, die Folgen deS Unheils zu überleben, daS eine von der Arbeiterpartei beherttchte oder von ihr ab­hängige Regierung zur Folge habe« würde.

Sklbstdilfe ist nötig.

Durch Arbeit zum Erfolg.

Anläßlich ein« großen Arbelterftier auf bett Krnhh.Werken ht Esten, bei weither akhkhnnbert feit CS Zähren bett Werken an. gehörige Arbeiter ausgezeichnet wurden, hielt der Chef de« SanfeS, Krnhp v. Bohle» und Salüach, die folgende »ielbemetMe Redet Dir Schwierigkeiten, die wir durch den Ties- stand unserer Mark im Gegensatz zu anderen Ländern bisher nicht in dem gleichen Umfang am eigenen Körper erkannt haben, werden sich offen erkennbar zeigen: müssen, wenn die Gesun­dung beginnt. Mit der unbedingt notwendigen Stabilisierung und etwa möglichen Besserung der Mark werden auch die Preise im In­land und auf dem Weltmarkt gleich­mäßiger und damit möglicherweise auch für deutsche Erzeugnisse niedriger werden. Dann kann für alle Wette wie für ihre Angehörigen leicht der schwiettgste Zeitpunkt kommen. Den­ken Sie an die Ungeheuern Summen, um die es sich für Wette, wie die unsrigen, handeli heute schon bei der Gesamtsirma etwa drei Mil­liarden Mark im Jahre allein an Gehältern und Löhnen! und Sie werden sich selbst sagen, wie schwer es auch für die finanziell am stärk­sten gerüsteten Unternehmungen sein wird, Wer die Spanne der Uebergangszeit hinwexp zukommen. In gegenseitigem und vertrauens­vollem Zusammenwirken wird und muß auch dies möglich fein, denn, wie ich eS fchon einmal in München aussprach, der Kranke wäre nicht zu heilen, der vor dem Einnehmen bitterer P i l* len, die ihn gesunden sollen, zurückschreckt.

Bei einer Reise, die mich im Sommer trott* gen Jahres zum Besuch der gewaltigen Erz- laqerstätten nach Schweden und Norwegen führte, wurde mir von dortigen Herren häufig die Frage vorgelegt, ob nicht auch Deutschland gleich den genannten und so vielen anderen Län­dern der Welt durch Zeiten völligen wirtschaft- ltchen Zusammenbruchs und völliger Arbeitslosigkeit hindurch uMe, ehe eine Gesundung eintrate. Ich habe diese Notwendig­keit stets unter dem Hinweis daraus verneint, daß in Deutschland der Arbeitswille stär­ke r als in anderen Ländern sei, daß dieser Ar- beitStoitie zum mindesten den Abfall der Wirt« schafiskurve weniger steil gestalten könne als in anderen Ländern. Freilich hinge die ganze Entwicklung nicht vom einzelnen Land, sondern von der Gesamtentwicklung Europas und der W e l t ab. Daher könne ich auch die Polittk der einzelnen Länder nicht verstehen, die, in» Gold schwimmend, aus die valutaärmeren Länder herabsähen und sie schlecht machten, weil sie ihnen Schwierigkeiten bereiteten. DaS einzige vernünftige Mittel bleibe eben immer wieder, daß sich alle Länder, vertreten durch wirtschaftlich denkende Köpfe, an einen Tisch setzen und durch gegenseitige Hilfe sich ge­genseitig den Fortschritt sichetten. Denn das eine ist doch klar: Deutschland muß, soll es seine alten und neuen Schulden zahlen, zunächst von den kapitalstatten Ländern Mittel erhalten, um mit diesem unbedingt notwendigen Zuwachs zum Betriebskapital seines Wirtschaftslebens neue Werte schaffen und dadurch neue und alte Bew Kindlichkeiten abtragen zu können.

Fehlen barf bei Behandlung derartiger welt­wirtschaftlicher Probleine kein Land der Welt, und es ist dringend zu hoffen, daß auch die Ver­einigten Staaten von Amerika sich dazu ver­stehen, Genua zu beschicken, wo anscheinend endlich einmal die ernsten Folgerungen aus der «genwärttgen Weltlage in gegenseitiger Aus- spräche gezogen werden sollen. Wie ost habe ich Amerikanern gegenüber in den letzten Mo­naten und Fahren zum Ausdruck gebracht, wie wenig fie sich deS Eindrucks klar seien, den ihr Verhalten in den Hirnen aller denkenden Men­schen machen muß. Nichts in der Welt inter« essiett die Masse der Amerikaner so sehr wie Spott und bei diesem in erster Reihe der Dottampf. Was würden die amerikanischen Zu- schmier bei einem Boxwettkamps sagen» wenn nach der ersten Runde der erfolgreiche, aber im­merhin schon etwas ermüdete Teilnehmer fich einem zweiten, ganz frischen Gegner gegenüber* sieht, mit dem er gleich wieder den Kampf auf* zunehmen hat; auch diesen zweiten Gegner setzt er matt, aber ein dritter, ganz besonders ro­buster und kräftiger Kerl, erscheint und zwingt ihn, der nun durch zwei Kämpfe schon reichlich ermattet ist, nochmals in den Ring zu treten. Diesmal bleibt der Reue Sieger. Aber mit überdrüssiger Miene wendet er dem mtn end­lich Niedergeschlagenen den Rücken und sagt zu den Awei andern:So, nun macht mit ihm, was ihr wollt, ihr könnt ihn meinetwegen auch totschlagen." Meine Herren! Ich wette, gelyncht würde in Amettka ein jeder, der so unspott­mäßig handelte. Aber handelt heute die amen- kanische Politik nn Grunde genommen anders? Hoffen wir, daß auch hier die Erkenntnis ein* setzt, ehe es zu spät ist. Aber bleiben wir vot allem auch darin Deutsche, daß wir uns sagen: 28enn dir auch kein anderer hilft, ie hilf vir