Einzelbild herunterladen
 

ssckr Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische AbendZeiMng

^ie »«fielet '-ntuev.tn Siactrieten erschein« wochenwa, lectiSmal und zwar a v end S. Der AdonneirenlkvrelS vetrt-ßt monallich 10. Mart bei freier SuftcCun.i ins Haue A::S. wärts durch die Post bezogen 10. Mark monatlich einschließlich Zustellung Best.llunge» »erben eaerjit: von der LeschäftLstelle oder den Boren enrgegengenommen. Drucker:i, erlag und iliedaliio,- Lchlachthofsiraße 28/3», Für unverlangr ctngcfanbte Beiträge kann die Redaltivn eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung de» BezugSge'.d eS oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung auSgeschlolsen.

Jnsertionspreise -X Einheimische Aufträge: Die e'.nspallige Anzeigenzeile M. 2.5:), die einspaltige Reklamezeile M. 6^25. di Auswärtige Aufträge: Die einspalliae Anzeigenzeile is.M-, die einspaltige Retlam:.-eile M. 6 25, alles einschließlich Teuerungszuschlaa und Anzeigensteuer. Für Anzeigen mit besondirs schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Für die Nichtigkeit aller durch ernsprecher ausgegebenen Anzeigen, ivwie für Aufnahme­daten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden, Druckerei: Schlacht Ho stratze 28/30. GeschäfiSstrlle: Kölnische Straße ö. Telephon Nummer 9"4 und 052

Nummer 51

Mittwoch, 1. März 1922,

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 unb 952

Bedeuten gegen die neuen Sachleistungen.

Wozu noch Genua?

Die cuglisch-foanzöfifche Verständigung.

Wie gestern unsere Telegramme berichteten, haben Lloyd George unb Poincars in ihrer Boulogner Besprechung am Sonnabend sichverständigt". Genauer gesagt, der französische Deutschenhasser Poincarä hat seinen Willen durchgesetzt, so daß 1. die Friedens- Verträge, die in Frankreich unterzeichnet worden sind, in Genua nicht erörtert wer­den, 2. an den Wiedergutmachungs-Be­stimmungen nichts geändert wird, 3. daß der Völkerbund an der Kouserenz teilnimmt und die Hauptfragen später allein weiter berät. Nur rein wirtschaftliche Fragen sollen in Genua ver­handelt werden. Lloyd George soll über diese Verständigung" sehr erfreut gewesen sein. Die beiden Herren hätten demnach wieder einmal eine Komödie gefviel t» die sich der bis­herigen Methode vollkommen anpaßt. Es ist doch klar, daß eine Trennung zwischen wirt­schaftlichen und politischen Angelegenheiten in einem Augenblick nicht mehr möglich war, wo alle Welt, soweit sie nicht in französischen Vor­stellungen befangen war, den unlösbaren Zu­sammenhang zwischen der bestehenden Weltkrise und den schweren wirtschaftlichen Lasten erkannt hatte, die auf den Schullern der mitteleuropäi­schen Staaten, in erster Linie Deutschlands, lasteten unb die ihren Ursprung in den politi­schen Beschlüssen des Obersten Rates hatten. So­lange man an diesen grundlegenden Verein­barungen von Versailles, Spa, London und Pa­ris nicht zu rütteln wagt, muß turnt sich in die unabweisbare Tatsache ergeben, daß eine Ge­sundung Europas für alle Zeiten unmöglich ist. Dtr_rcachwftjfVerstand, der Engländer, hatte. d-efes logische Verhältnis zwischen Ursache und Wirkung allerdings begriffen, und alle Schwie­rigkeiten der gegenwärtigen Lage drehten sich in der Hauptsache darum, auf welche Weise Frank­reich zu einer befielen Einsicht der Notwendig­keiten des Augenblicks gebracht werden konnte. Lloyd George war es, der sich sehr optimistisch äußerte. Er erklärte, er sehe die Konferenz von Genua für eine der wichtigsten Zusammenkünfte an, die die Wett je erlebt habe. Zum ersten- male würden alle Nationen Europas zusammen­treten, um Wer bett Frieden Europas zu bera­ten. Die Wieberherstellimg bcs Friedens sei von größter Bedeutung, denn wenn der Friede nicht gesichert sei, so könne auch kein wirtschaftlicher Wiederaufbau stattfinden. In Genua müsse ent Verband oder ein Pakt der Nationen ge­schaffen werden, der umfassender sei, als der be­stehende Völkerbund. Die Welt würde durch die Schaffung eines solchen Bundes von europäi­schen Nationen, die sich zusammentäten zur Auf­rechterhaltung des Friedens der Wett, wieder anfleben.

.Immer wieder also betonte der englische Mi­nisterpräsident die politische Seite der Kon­ferenz, die das Allheilmittel für die Krankbeit Europas werden solle. Gerade diese englischen Hinweise auf die Rolle Genuas für die Be­ziehungen der bisher feindlich gegenüberstehen­den Völker hatten in Paris verstimmt und den Anstoß zu der. man kann sagen, Rückberusung und dem folgenden Sturze Brians gegeben. Kam in der Haltung der Kammer gegenüber dem damaligen Ministerpräsidenten die unbe­dingte Abkehr Frankreichs von den Methoden Lloyd Georges zum Ausdruck, so blieb es Po- tncar 6 Vorbehalten, diese Gegensätzlichkeit noch mehr zu unterstreichen unb krasser zu for­mulieren. Frankreich sieht den Versailler Ver­trag als unabänderlich, seine Aufrechterhaltung als Vorbedingung für seine Beteiligung an der Erörterung internationaler Wirtschaftsprobleme an. Sehr interessant ist nun, wenn man die Tak- ttk verfolgt, mit der Poinearö über Lloyd George Sieger geblieben ist. Bereits vor einiger Zeit trat die offiziöse Pariser Presse dafür ein, daß auch der Völkerbund ein Recht hätte, in Genua vertreten zn sein. Noch deutlicher wies man svä- ter auf dieses Organ hin. das doch eigentlich für die Behandlung internationaler Fragen, wie sie für Genua vorgesehen seien, das gegebene In­strument fei, unb daß man deshalb recht gut auf diese Konferenz verzichten könne. Dieser Ge­danke schien nur so hingeworfen. Die jetzt zu­stande gekommene Verständigung zwischen Poin- care und Lloyd George ist aber der beste Be­weis für die in ihrer Art bewundernswerte Zielsicherheit des französischen Staatsman­nes. Er hat es tatsächlich dahin gebracht, daß die Reparation?frage von dem Programme der Genueser Konferenz a u s g e s ch l o s s e n blei­ben wird und daß der Friedensvettrag nicht er­örtert werden soll. Die von der Konferenz aus­geschlossenen Probleme aber soll der Völkerbund zur Entscheidung bringen.

Dies ist der Pferdefuß, den Lloyd George nickt rechtzeitig erkannt zu naben scheint. Ter Völkerbund, der erst durch den Versailler FriedenAvertrag geschossen worden ist. kann ganz unmöglich eben diesen Friedensverirag einer Revision unterziehen. Das wäre unlogisch,

selbst wenn Frankreich nicht das moralische Uebergewicht in diesem Rumpfparlament hätte. Wesentlich aber ist vor allem, daß der Völker­bund drei der wichtigsten Wirtschaftsstaaten, Amerika, Deutschland ünb Rußland, nicht zu seinen Mitgliedern zählt, so daß also seine Be­schlüsse und Entscheidungen stets nur zweifel­haften Wett beanspruchen dürfen. Die Genua- Konferenz dagegen wäre ihrer ganzen Zufam- mensetzung nach, trotz des Ausbleibens Ame­rikas, geeignet gewesen, die tiefiiegenden Keime der europäischen Wirtschaftszerrüttung bloßzu­legen und damit den Grund zu einem neuen Aufbau zu schaffen. Kommt die Konferenz von Genua in der Form, wie sie von Frankreich ge­wünscht wird, zustande, bann ist ihr ber eigent­lich berechtigte Vorwanb fltr ihren Zusammen­tritt bereits genommen* noch ehe sie Zusam­mentritt, erkennt man Deutlich ihre Ergeb­nislosigkeit. Für Deutschland wäre dem­nach in Genua nichts zu hoffen. Wir wer­ben hingehen müssen, weil uns bie Teilnahme vielleicht nichts schaden kann, nützen wird sie uns aber wahrscheinlich auch nichts.

Deutsche Euchlerftungeu. Die Bedenken gegen das Abkomme«.

(Eigene Drahtmeldung.j

Berlin, 28. Februar.

Aus Wirtfchaftskreiscn wird demLokalanzei­ger" zur Neuregelung der Sachleistungen unter anderem mitgeteilt: Das Abkommen zwischen der 9?eitf*5rcgtenntg der Reparationskommission wird für Deutschland geradezu unheilvolle Fol­gen hoben müssen. Wenn die Mitglieder der Enteutestaaten in Deutschlanb Einläufe «acht»», mufften sie früher in Devisen bezahlen. Jetzt fällt dies fort und bie Industrie erhält keine De­visen mehr, bie dos Reich zur Bezahlung der NeParationSlastcn unbedingt notwendig hat. Au­ßerdem werden die Angehörigen der beteil'gten Feindbundstaaten in bie Lage versetzt, Waren, bie sie von uns erhalten, wieder nach Deutschlanb einzuführen. Sie hoben besonbcrs bie Möglich- kett, uns in den Staaten, in bie wir bisher aus­geführt haben, Konkurrenz zu machen. Voraus­sichtlich dürfte das Abkommen über die Sachlei­stungen auf ein Jahr abgeschlossen werden.

Amßerung aus der Industrie.

Dresden, 28. Februar. (Privattelogramm.) ReichstagSabgeorbneter Dr. Sorge, ber Präsi­dent bcs Reichsverbanbcs ber deutschen Indu­strie, hielt in Dresden einen Vortrag über die Wirischasts- und politischen Fragen, in dessen Verlauf er unter anderem sagte, er habe gehört, baß Deutschlanb auf Grnnb der Wieberherstel- lung zu Sachleistungen auch für Polen, Rumänien unb Tschechien usw. heran­gezogen werben solle. Wir finb zwar im Jn- lanbe gut beschäftigt, haben aber keine eigentliche Ausftlhr. Aus diesem Grunde seien derartige Sachleistungen äußerst bedenklich. Redner er­klärte weiter, er sei ein Anhänger der großen Koalition und des Steuerkompromiffes. Die Zwangsanleihe werde unvermeidlich sein. Die Erfassung ber Sachwerte aber sei genau so wie bie Sozialisierung undurchführbar.

*

Reform der Amtsstsüen.

Berlin, 28. Februar. (Privattelegramm.) Ter Apparat des Wieberaufbaurninifteriums, des Reichskomruiffariats und die beauftragten Stellen für den Wiederaufbau kommen wegen des neuerlichen Sachleistungsabkommens in grö- ßcrem Umfange zum Abbau. Von der freien Lieferung sind nur wenige Waren ausgenom­men, so Lebensmittel, Holz, Zement und einige Chemikalien, für bie Ausfuhrkontingentternng bestand. Zur Erledigung ber Aufträge auf bie- fern Gebiete werben LanbeSbeaustragtenstellen unb Rcichskommiffariate bestehen bleiben.

Stellungnahme des Kabinetts.

Berlin, 28. Februar. (Privattelegramm.) Das Kabinett dürfte sich aller Voraussicht nach heute mit dem Abkommen über das neue Sachleistungs-System befassen.

Erne Beamtenkammer?

Reuorganisation von Deamten-VerSände«.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 28. Februar.

Die Vertreterverhanblungcn von fünfzehn Berbänben von Berufsbeamten lehnten einmütig den Streik für bas Berufsbcantten- tum a b und forderten anstelle des Beonttenräte- gcsetzes vom Reichstag und von der Reichsregie- rung umgehende Schaffung einer Beamten-

kammer mit öffentlich-rechtlichem Charakter. Die Vertreter bet Verbände vereinbarten bie Herbeiführung einer Arbeitsgemeinschaft. Mit ber Geschäftsführung würbe ber Reichsbund Deutscher Berussbcamten beauftragt. Um die streilgegnerischen Eisenbahnbeamten znsammcn- foffen zu können, ist die sofottigr Gründung einer wirtschaftlich friedlichen Organisation von Eisenbahnbeamten aus vaterländischer jedoch parteipolitisch unb konfessivnell neutra- ier Grundlage in Angriff genommen worden.

Die teuere Eisenbahn.

Dio Industrie gegen die Tariferhöhung.

(Eigene Drahtmeldimg.)

Berlin, 28. Februar.

Der Vorstand des Reichsscrbandes der Deut­schen Industrie beschäftigte sich mit dem zum 1. März dieses Jahres wieder um zwanzig Prozent erhöhten Gütertarif bet Reichs­bahn. Es würbe in ber Sitzung batauf ksinge- wicsen, baß bie allgemeinen Tarifsätze jetzt schon, namentlich für nahe Entfernungen, bas Fünf- undbreißig- bis Vierzigfache ber Vorkriegszeit betragen. Aber verglichen mit ben Ausnahme­tarifen ber Vorkriegszeit fei bie Steigerung noch weit höher. Sie betrage zum Beispiel für Roh­baumwolle im Verkehr von ben Seehäfen nach ben mittel- unb süddeutschen Spinnereien bas Sechzig- bis Achtzigfache bet Vorkriegszeit, für andere Rohstoffe ebensoviel oder noch mcht. Die Frachttarife haben nach Ansicht bcs Rcichsver- blinvrs inft schon die Geldentwertung weit überholt und finb zu einem gefährlichen Anttieb für weitere Geldentwertung geworden. Sie verteuern alle Rohstoffe und allen Verbrauch, führen zwangsweise weitete Lohnsteigerungen herbei, die nach den bisherigen Erfahrungen von der Eisenbahnverwalttmg fo- sort wieder zur Begründung weiterer Fracht- ethöhuugcu Verwendung finden.

Drotts! unb Warnung.

Berlin, 28. Februar. (Privat - Telsgramm.) Der Rcichsverbanb der Deittfchcn Industrie warnt vor weiteten Schritten auf dem gefährli­chen Wege der Eisenbahn-Tarifpolitik, erhebt Protest gegen bie z»m 1. März geplante wei­tere Tariferhöhung unb fordert erneut von ber Eisenbahnverwaltung, baß sie ihr Defizit durch wirtschaftlichere Gestaltung des Bc- triebeS beseitigt, statt durch fortgesetzte Tarifer­höhungen den Verkehr zu lähmen, die Geld­entwertung zu verschlimmern und mit ber Stei­gerung aller Preise und Löhne ihr Defiztt nur noch mehr zu vergrößern.

Anweisung für Genua.

Die Ausschaltung ber wichtigsten Frage«.

(Eigene Drahtmeldung.)

Rotterdam, 28. Februar.

Reuter berichtet über bie Beratung zwischen Lloyb Georges und PoinearS in Boulognc, daß bie englischen und französischen Delegierten für Genua gleichlautenbe Instruktion von ihren Regierungen erhalten werben, daß Weber die deutschen Bar-, noch Sachleistungen in Genua erörtert werden können, weil diese nur zwischen den Mächten, die den Versailler Bettrag unter­zeichnet haben, zulässig seien, unb baß auch die Beziehungen ber Alliierten zur Sowjetrcgiernng nicht Gegenstanb der Beratungen von Genua sein dürfen, um bie Alliierten einig zu erhalten.

Italiens Auffassung.

Rom, 28. Februar. (Eigene Drahtmelbung.) Der Verlauf ber Bcfprechungen von Boulognc ruft in italienischen Kreisen ben Eindruck hervor, baß England Frankreich allzusehr nach, gegeben habe, zumal, wenn es sich bestätigen sollte, daß die kleine Entente und Polen zu ben Vorarbeiten zugezogen werden. DieStamoa", die das durch die Min'.sterkrise bewirkte Fernsein Italiens von Boulogne bebmtert, weist auf die nicht abzulengnende französifch - russi- sche Annäherung hin, bie beiberfeits auf gutem Grunde beruhe. Die Sowjetregierung wolle offenbar verhüten, daß Sowjetrußlanb ei­nt englische Kolonie werde. Dagegen sei Frank­reichs Ziel. Rußland von Deutschland 'n trennen unb womöglich bie alte französisch-russische Z a n- ß e gegen Deutschland wieberherznstellen.

Schlammbad Kastel.

Dor Gerichtstag im Sladtparlament.

Rosenmontag war gestern! Ta hielten die Stadtverordneten von Kassel eine Sitzung ab und ... die Redseligkeit, die in den letzten Frostmonben eingefrorene, war plötzlich auf ge­taut! Mau stieg, um faschingszeitgemäß zu spre­chen, srisch unb munter in bie Bütte. Die Länge der Gespräche über bie Wohnungsabgabe ging noch an, tiefer unb eindringlicher konnte aber in bte Materie bes Schlarnrnba bes Kassel beim besten Willen nicht eingebrungen werben, als cs gefchehen ist Das gab ben Aus­schlag, baß Millionen bezahlt werben müssen, unb bafür ein Bild in den Sttaßen. ... Es gab nicht eine Stimme, die versöhnlich gewesen wäre.

Da blieb nicht einer ungeschoren: Polizeipräsi­dent, Schupo, Stadtobcrbaurat, die Straßen­reinigung in Häuptern unb Gliebern, selbst ber Robelbctrieb auf Wilhelrnshohe kam unter bie Guillotine! Es kann dabei nicht gut behauptet werben, baß sich bie Vertreter des Magistrats glänzend geschlagen hätten in ber Verteidigung, in die sie, tote übrigens nicht anders zu erwar­ten gewesen war, der ungestüme Angriff von allen Seiten drängte. Etwas mehr Schneid konn­te ganz ruhig zur Entwicklung kommen. Man sand sich scheinbaroben" damit ab, daß Wind und Wetter selbstverständlich Helfer der Sira- ßenreimgung gewesen sind, sie bei solchem Pat­sche aus der Patsche zu ziehen.

Zweiundeineviertel Stunde dauerte die Ro- seiimontagssitzung im Kasseler Rathaus. Leise bedauernd nahmen Zwei von der Presse eine leise geflüsterte karnevalistisch gefärbte persön­lich« Bemerkung eines führenden Stadtparla­mentariers entgegen: Die für Rosenmontag an­gesetzte Besichtigung der Ratskellerei ist bis zum Abschluß der Etatsberatung verschoben wor­den ...1 -s-

*

Die Kaffele? Gtmßsnrelnzgung.

Ausgerechnet nach dem Versagen der Straßen« rEinigung mußte der Magistrat de» Stadtver­ordnetenversammlung das Geständnis machen, daß sich die Kosten der Straßenreini­gung nach dem vom Stadtbauamt für das Rechnungsjahr 1922 ausgestellten Kostennachweis voraussichtlich auf 4 417 750 Mark stellen gegen 2424800 Mark im noch laufenden Geschäfts­jahr, in dem 150 Prozent der staatlich veranlag­ten Grund- und Gebäudesteuer als Beittag er­hoben worden sind mit einem Soll von 1275000 Mark. Nunmehr sollen 290 Prozent erhoben werden. Stadtv. Zimmermann (Dem.) war kurz für Bewilligung eingetreten, weil man sichan allen fünf Finoern abklavicren" könne, daß, da alles so sprunghaft teuer geworden ist. mit den bisherigen Sätzen nicht auszükcmmen sei. Der zweite Berichterfiatter aber, Stadtv. Hauschildt (Soz.) warf die Tatsache in die Debatte, daß Kassel in der letzten Woche ein re­gelrechtes Schlammbad war und fragte: An Leitern des Reinigungswesens fehlt es uns nicht, aber wo waren sie bei der Schneeperiode? Maren sie eingeschneit? In fleinsten Orten konnte es nicht vorsintflutlicher sein wie in Kas­sel. Dle Zustande, tote sie hier zutage traten, müssen einfach als haarsträubend geichil- dert werden! Nicht einmal für die Haupwer- kehrsstraße, nicht einmal für die Königsstraße wurde gesorgt ... man mußte sich

für die Stadt Kassel fchämen!

Selbst vor dem Polizeipräsidium war ein Dreck sondergleichen. Der Polizeipräsident hätte von der Polizeiverordnung von 1918 Gebrauch ma­chen sollen unb sie vor bem eigenen Hause und auch sonst in der Stadt zur Anwendung bringen sollen. So stand sie nur sehr hübsch aller­dings zu lesen auf dem Papier. Warum hat der Stadtoberbaurat nicht rechtzeitig darauf hin- gewirkt? Vom Magistratsplatz aus wurde dem Stadtverordneten ein Zeichen gegeben, das gewisse Reiben von Fingern. Tiefer verstand. Aha, Mofes und die Propheten? Da hilft alles nichts. In solchem Falle müssen die Hav.pt- sttaßen wenigstens gereinigt werden! Einzelne Hausbesitzer haben ihre Pflicht der Allgemein­heit gegenüber geradezu vorbildlich ersüllt, aber dos Beispiel fand wenig Nacheiferung, 99 Pro­zent haben die bestehende Polizeiverordnung einfach nicht beachtet, weil sie nicht dazu ange­halten worden sind, sie zu achten! Früher herschte beim Rodeln auf Wilhelmshöhe musterhafte Ordnung. Diesmal gab's nichts wie Unord­nung zu sehen. Jeder tat, was ihm beliebte. (Bei der Rechten wurde bietfanenbe Heiterkeit laut, bie spater Magistratsrat Theiß zu der Be­merkung verkettete, er glaube, es liege System in ber

Herbeiführung von derartigem Chaos, um zu sagen: Setzt, so sieht es in der Republik aus, früher war es anders!) In der Kloster« sträße mußte ein Schupomann einen kleinen