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KaUer Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 50»

Fernsprecher 951 und 952

Dienstag, 28. Februar 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

versköndiglmg zum Nachteil Deutschlands.

Die Wirtschaftslage.

Industrie, Handel und Geld.

Die Wirtschafts-Statistik arbeitet langsam Und ermöglicht uns immer erst geraume Zeit nachher einen zahlenmäßigen Ueberblick über die tatsächlichen Leistungen der Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitabschnitt. Daher läßt sich auch jetzt noch nicht endgültig sagen, wie sich die Voltswirtschaft im vergangenen Jahre gestaltet hat. Einen gewissen Anhalt haben wir aller­dings, der immer als ein einigermaßen sicherer Gradmesser des wirtschaftlichen Auf- und Ab­stieges gegolten hat: Die Kohlen-Statistik. Sie zeigt uns, daß die Produktion an Kohle in den letzten Monaten sich in auf ft eigen« der Richtung bewegt hat, die besonders scharf bei Braunkohlen ist, während sie bei Steinkohlen und Koks in wesentlich schwächerer Weise zum Ausdruck gelangt. Das würde an sich darauf hindeuten, daß auch der Kohlenver- ürauch größer geworden ist, also die Industrie sich noch immer guter Beschäftigung erfreut, wenn nicht von dem Mehr an Produttion jedes­mal die Entente auf Grund des Abkommens von Spa den Löwenanteil für sich in Anspruch nähme. Immerhin kann man den Ziffern der Kohlenstatistik entnehmen, daß der Beschäfti­gungsgrad der deutschen Industrie nicht schlechter geworden ist, während das Wirtschaftsleben der Entente st aaten noch immer unter den stärksten Absatzschwierig­keiten auf dem Weltmärkte und unter den Rückwirkungen dieser Absatznot auf die heimische Industrie seufzt. Die Arbeitslvsenziffern in England und in den Vereinigten Staaten sind der deutlichste Ausdruck dieser Lage.

Auch die Gestaltung der Einfuhr gibt uns gewissen Aufschluß über den Stand der Dinge. Sehen wir uns die jetzt ziemlich rasch arbeitende Handels-Statistik genauer an, so zeigt sich nach den vorläufigen Feststellungen des Statistischen Reichsamtes, daß im Dezember die Einfuhr­menge 20,9 Millionen Doppelzentner im Werte von 13,7 Milliarden Mark betrug, während die A'usftchr im gleichen Monat sich auf 19,3 Millio­nen Doppelzentner im Werte von 14,6 Milliar­den Mark belief. Es ergibt sich also, daß im Dezember 1921 znm erstenmale seit dem Kriege ein Ausfuhrüberschuß von fast einer Milliarde Mark erzielt wurde, während für das ganze Jahr 1921 die deutsche Han­delsbilanz mit einem Einfuhrüberschuß von 12,1 Milliarden Mark eine starke Passivität aufweist, durch die unsere Auslandsverschuldung im gleichen Grade gewachsen ist. Von bedeutender Tragweite ist es, daß Industrie und Handel mit Rücksicht auf den ungünstigen Stand der Mark in den letzten Monaten eine begreifliche Zurück­haltung im Einkauf ausländischer Rahnings- mittel, Rohstoffe, Halbfabrikate und Fertig­fabrikate geübt haben, die sich aber auf die Dauer unmöglich mlfrecht erhalten lassen wird, wenig­stens, soweit Rohstoffe und Nahrungsmittel in Betracht kommen

Die Wirkung der verbesserten deutschen Han­delsbilanz zeigte sich sofort in der Gcstaltuna der Mark-Valuta. Hat sich doch die Mark von Ende November bis in die zweite Hälfte des Januar hinein, also fast zwei Monate lang, ungefähr auf gleicher Höhe gebalten. Das wurde aber sofort anders, als die Bestimmungen der Konferenz von Eannes wirksam wurden. Diese bedeutet zwar für Deutschland insofern einen Erfolg, als wir dort zum erstenmal nicht ein­fach vor die Wahl gestellt wurden, das Diktat dos Obersten Rates anzunebmen oder neue Sanktionen über unser Wirtschaftsleben ergeben zu kaffen; aber wir verdanken diesen Erfolg schließlich doch nur der Tatsache, daß Eng­land unter der Weltmarktlage ganz außerordentlich zu l e i d e n hat. Im übrigen hat uns Cannes bisher kaum etwas Positives ge­bracht. Das Moratorium, das uns auf kurze Zeit bewilligt wurde, ist keine Lösung der gan­zen Frage, da es uns zwar für den Augenblick gewisse Zahlungserleichterungen gewährt, über die unerläßliche dauernde Entlastüng des deut­schen Wirtschaftslebens iedoch noch gar nichts sagt. Obne Einstuß auf den Stand der Mark ist aber selbstverständlich auch diese Art der Be­zahlung nicht, da auch der fortgesetzte Kani von Devisen in verhältnismäßig kleinen Posten eine Druck auf die Mark-Valuta ausüben muß. Und so sehen wir in der Tat, daß feit dem Wie­derbeginn der Zahlungen an die Reparations- kommission (18. Januars der Kurs der Mar! langsam weicht, ohne allerdings die kata­strophalen Formen anzunehmen, wie vor der Zahlung der ersten Goldmilliarde. *

Inzwischen sind nun Reichsregierung und Reichstag sich darüber schlüssig geworden, wie die finanziellen Grmidlaaen mr die Repara- tionsleistungen geschaffen werden sollen. Das Programm, das der Reparationskommis- ston unterbreitet worden ist, hat zwei Teile: Die Reform des Reickshaushalts und die L e i st u n g e n für 1922. Der Reichshausbalt soll durch Vermehrung der Einnahmen und Be­

schränkung der Ausgaben in Ordnung gebracht werden. Hundert Milliarden neuer Steuern und eine Zwangsanleihe von vierzig Milliarden Pa- Piermark sollen zusammen mit den vermehrten Einnahmen der Reichsverkehrsanftalten das un­geheuere Defizit decken, das in immer wachsen­dem Grade die Rotenpresse in Bewegung setzte und die schwebende Schuld des Reiches in schwindelnde Höhe emportrieb. Ob es gelingen wird, auf diese Weise die Einschränkung der schwebenden Schuld und des Notenumlaufes zu erreichen und dadurch endlich wieder Stabilität in die Geldwertverhältnisse zu bringen, hängt freilich nicht so sehr von dem guten Willen der Reichsregierung und der Kraft der Steuer-Exe­kutive ab, als von der Vernunft der Repa- rationskom-misston des Obersten Rates. In die­ser Hinsicht aber ist nach tote vor das größte Mißtrauen am Platze, solange ein Poincars fran­zösischer Ministerpräsident ist. Nur wenn die Entente ihre Forderungen ganz wesentlich er­mäßigt und sich mit dem zufrieden gibt, waS die Reichsregierung an Barzahlungen und Sach- leistungen für möglich und erträglich hält, wird es gelingen, Ordnung nickt nur in den Reichs­haushalt, fon.dern auch in die ValutaVer­hältnisse auf den Weltmarkt zu bringen.

Die Vorbesprechung. Poinsars und Lloyd George in Vorrlogne.

(Eigener Drahtbericht.)

Rotterdam, 27. Februar.

Die beiden Ministerpräsidenten haben am Sonnabend die angekündigte Besprechung in an de- französischen Rordküste r<*~c= halten. Am Abend der Konferenz wurde ein Kommunique festgelegt und den Preffevertretern vorgclesen. Danach wurde in einer mehr als dreistündigen Unterhaltung in teilweise größter Herzlichkeit (?) eine gewisse Anzahl von Proble­men geprüft, die gegenwärtig vor den Verbün­deten stehen. Die Ministerpräsidenten haben sich besonders mit der Konferenz von Genua beschäftigt und find vollständig über die poli­tischen Garantien übereingekommen, die zu ergreifen find, damit den Forderungen des Völkerbundes kein Abbruch geschieht und die mit Frankreich geschlossenen Verträge und die An­sprüche auf Wiedergutmachung nicht beeinträch­tigt werden. (!) Die Sachverständigen werden in London binnen kurzer Zeit zusam- meutreten, um die wirtschaftlichen und techni­schen Fragen zu Prüfern Die italienische Regie­rung wird gebeten werden, die Konferenz von Genua zum 1. April einzubcrufen. Nach der Abreise Poinear^s hat Lloyd George die englischen Journalisten empfangen und ihnen mitgeteilt, er fei mit Poincars darin überein gelommen, sofort nach Neubildung des italieni- sck)eu Kabinetts eine Konferenz zwischen Eng­land, Frankreich und Italien einzuberufen, um die Frage des Nahen Ostens zu regeln.

Keine Milde für Deutschland!

Paris, 27. Februar. (Eigener Drahtbericht.) Petit Parisien" berichtet aus Bonlogne: Die Premierminister haben flch über folgende drei Punkte vollkommen geeinigt: 1. Die Frie - densverträge,diein Frankreich unterzeich­net sind, werden nicht mehr zur Diskuffion ge­stellt. 2. Die Frage der Wiedergutmachung wird von der Konferenz in Genua nicht aufgeworfen. 3. Der Völkerbund wird der Konferenz von Genua beigeordnet in dem Sinne, daß alle Fra­gen, die ihn besonders angehen oder mit denen er sich bereits früher beschäftigt hat, ihm zur weiteren Behandlung übergeben werden. Ties bezieht sich besonders auf die Frage der Ab­rüstung. Ferner ist man dahin überein gekom­men, daß die Teilnahme der Sowjetregierung an der Konferenz von Genna nicht die Anerkennung der russischen Regierung bedeute. Jeder Staat wird hierfür seine Handlungsfreiheit behalten. Bei Besprechung der russischen Schulden wird die Frage der russischen Vorkriegsschulden außer Betracht bleiben. Ter Vorschlag, daß die euro­päischen Rationen jeden gegenseitigen Angriff vermeiden sollten, bedeutet nicht, daß die Ver­bündeten künftig auf etwaige Sanktionen gegen Deutschland oder auf die augen­blicklich in Kraft befindlichen Zwangsmaßnah­men gegen Deutschland verzichten wollen.

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Lloyd George ist zufrieden?

London, 27. Februar. (Eigene Drahtmek- bung.) Das Ergebnis der Boulogner Be­sprechung faßte Lloyd George in einer Unter­redung mit Preffevertretern in folgendem Sah zusammen:Hauptsache ist, daß wir uns ver­ständigt haben." DieSunday Times« schrei­

ben, daß Lloyd George nach der Unterredung mit Poincarö geradezu strahlte. (!)

Sozialistische Vrovnganöa.

Scheidemaun in Dänemark.

(Eigener Drahtbericht.)

Kopenhagen, 27. Februar.

In seinem Vortrage am Sonntag in der Festhalle des Rathauses sagte Scheidemann un- tvr anderem, es fei ungerecht, Deutschland allein die Schuld am Weltkriege zu geben. Aber der Weltkrieg hätte ohne Zweifel vermie­den »oerden können, wenn Deutschland schon vor 1914 eine dem Volkswillen zusagende Regierung gehabt hätte. Die Revolution sei eine Folge des militärischen Zusammenbruchs gewesen. Die junge Republik habe anfangs durch ihre Tole­ranz gegen die reaktionären Kräfte eine schwere Stellung gehabt, sei aber sowohl gegen die Re­aktion Wie gegen die Kommunisten gefestigt. Der Redner wurde hier durch Kommunisten unterbrochen, doch wurden die Ruhestörer an die Luft gesetzt. Als Scheidemann erklärte, daß sich keine Hand zum Schutze des Kaisertums, dessen alles überdrüssig war, erhoben hätte, würbe schärfster Protest der deutschen Be­sucher laut. Scheidemann erklärte, dann ver­stehe er nichts davon; nach feiner Meinung ist es die Pflicht jedes Menschen, sein Leben für seine Ueberzeugung einzusetzen. (?) Ein großer Teil des Vortrages war dem Friedens-Diktat von V er s a i l l e s gewidmet, das Scheidemann mit den schärfsten Worten zerpflückte.

*

Lorbe im Rheinland.

Köln, 27. Februar. (Eigener Drahtbericht.) Vor den Kölner Sozialdemokraten sprach gestern Reichstagspräsident Soebc über die Regie rungspolitik. Nach Ausführungen über die Koalitions- und Kompromitzpolitik, die er in der parlamentarischen Parteigruppierung be­gründet findet, suchte der Redner die Angriffe von Rechts und Links gegen diese Politik zu wi­derlegen. Er erklärte unter anderem:Mr un­terstützen die Regierung Wirth, weil ihre Politik die Angliederung des deutschen Volkes an die Weltwirtschaft wieder ermöglicht hat. Anstatt der dreieinhalb Milliarden Goldmark, die wir nach dem Londoner Dittat zahlen sollten, sind nach Cannes höchstens zweieinviertel Milliarden geworden. Davon wieder eineinehalbe Mlliarde nicht in Gold, sondern in Sachleistungen.« Ucber das Steuerkompromiß sagte der Redner:Die Sozialdemokratie hat ihre frühere Stellung zur Abschaffung der Verbrauchssteuern aufge- geben. Neben dem stärkeren Heranziehen des Besitzes, müffeit wir auch den Verbrauch be­steuern. Für die Deckung unserer Berpflichtun- gen an die Entente bleibt uns nichts anderes übrig, als ein Eingriff in die Bermögenssub- stanz. Sollte also das Kompromiß der Zwangs­anleihe nicht zustandekommen, so werden wir die Erfassung der Sachwerte fordern."

*

Stellung zum Beamtenstreik.

Köln, 27. Februar. (Privattelegramm.) In feiner Rede in der Kölner sozialdemokratischen Partei bemerkte Reichstagspräfidem Soebc den marxistischen Theorien gegenüber: In dem Kampfe gegen den Staat befinde sich die Sozial­demokratie in einer UmgeMtuitg. Ter deutsche Staat sei weder ein rein kapitalistischer, wie England und Amerika, noch ein Staat der Be­sitzlosen, Wie Sowjetrntzland. Ein Streik gegen den deutschen Staat sei deshalb immer gegen das deutsche Volk gerichtet.

Englsnö und Frankreich.

Die Allianz vor dem Abschluß?

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 27. Februar.

ES verlautet, Lloyd George habe darauf ge­drängt, daß Poincarö persönlich nach Genua zur Konferenz fahre. Poincarö scheine geneigt, die­sem Wunsche nachzukommen, wenn auch nur für kurze Zeit. Die Anwesenheit der beiden Mini­sterpräsidenten scheine auch erforderlich zu fein für die Vervollständigung des französisch- englischen Abkommens. Dieses Abkom­men werde jetzt wahrscheinlich erreicht Werden. In bezug auf die Orientfrage kam man dahin überein, daß man mit dem Beginn der Verhand­lungen nicht auf Italien werten will, falls die italienische Krise noch lange Zett zur Lösung braucht. In Pariser Regierunaskrcisen heißt es, daß Poinearö in den nächsten vierzehn Tagen nach London reifen werde, um die All i- anz mit England abzuschließen. '

Eine Llebeeseewoche.

Deutsche Pionierarbeit.

Die SHottoenbigieit, den Außenhandel zu för­dern, wird »atürlilherweife in Deutschlands größtem Hafen, Hambitrq, erkannt. Ucber den Plan einer Uederseewoche schreibt uuS Ändert EagetHambnrg Folgendes r

Ein Staat kann wirtschaftlich nur dann er­starken, wenn fein Export gegenüber dem Import ein Plus auftveist, d. h. mit anderen Worten, Wenn feine Bevölkerung aus dem Auslände mehr Einnahmen erzielt, als sic nach dort ver­ausgabt. Im anderen Falle fchließt die Han- delsbÄanz mit einem Defizit, und das Natio­nalvermögen verwandelt sich in eine National- schuldenlaft. In Deutschland liegen die Verhältnisse zurzeit leider so, daß unser durch die lange Kriegsblockade von Rohstoffen entblößtes Land noch immer gezwungen ist, große Mengen des zur Arbeit notwendigen Materials aus srem- den Ländern einzuführen. Schon unter norma­len Umständen würde hiermit die Investierung eines bedeutenden Kapitals verbunden sein, aber heute wirkt die deutsche Markentwertung in die­ser Beziehung geradezu katastrophal. Wir müs­sen unsere ausländischen Lieferanten in Devisen bezahlen, und deren Beschaffung bedeutet ange­sichts der allgemeine wirtschaftlichen Unsicherheit und des fortwährenden Schwankens der Valuta­kurse ein Problem, das nur unter erheblichen Opfern und Schwierigkeiten zu lösen ist. Wenn es bisher trotzdem gelang (allerdings unter star­ker Belastung der inländischen Konsumenten), das notwendige Rohmaterial aus dem Auslan­de einzuführen, so ist das in erster Linie dem Wagemut und dem gesunden Optimismus der deutschen Handelswelt zu verdanken. Die Regierung hat den Kaufleuten ihre harte Arbeit und ihr zähes Durchhalten nur in sehr bescheidenem und bebhigtem Maße erleichtert. Auf dem Gebiete des Exports müssen die zu­ständigen Behörden geradezu angeWagt werden. Anstatt das Menschenmögliche zu tun, um die Exporteure in der Erschließung immer weiterer Absatzgebiete zu unterstützen, hat die Regierung durch das

System der Außenhandels-Kontrolle (Ausfuhrbeschränkungen und -Verbote) einen Bürokratismus gezüchtet, der, was Vet- tern-Wirtschaft anbelangt, demjenigen der satt­sam bekannten Kriegsgesellschaften ebenbürtig die Hand reichen kann. Es ist klar, daß stch die unerhörten Belästigungen des legalen Handels gerade an einem Welt-Umschlagsplatz wie Ham­burg am empfindlichsten bemerkbar machen. Hier ist denn auch die Erbitterung der Kaufmann­schaft auf einen Höhepunkt gestiegen. Don allen Seiten wird gegen die Reichsregierung Sturm gelaufen, und man hat bereits drastische Maß­nahmen beschlcffen für den Fall, daß nicht in Kürze eine durchgreifende Reform der Außen- -Handelskontrolle zur Tatsache wird. Es muß Hamburg zur Ehre angerechnet werden, daß sei­ne wirtschaftlichen und kulturellen Kreise trotz aller Widerwärtigkeiten gerade in diesem Jahre eine kraftvolle Aktion zur Belebung der nationa­len und internationalen Verständigung ins Werk gesetzt haben. Mr wollen Pioniere fein im Kampf um die Wiedererlangung des dcuffchen Ansehens, lautete die Parole! So nahm denn der Gedanke derUebersecWoche« Form und Gestalt au. Unter verständnisvoller Mitar­beit aller Kreise des Handels, der Mssenschast und der Kunst und mit weitgehender UntersM- zung des Senates wurde ein Komitee gegründet, an dessen Spitze der Generaldirektor der Ham- burg-Amerika-Linie, Geheimrat Dr. Cuno, steht, und dem u. a. der frühere Reichsministcr Dr. Simons angehören. Tie Organisation und Lei­tung der Veranstaltung, die im August dieses Jahres bestimmt stattfinden wird, liegt in den Händen von Generaldirektor L. Sanne. Ich habe mich mit Generaldirektor Sanne ausführ­lich über die Ziele uttd Zwecke der Ueberseewoche unterhalten und gebe hier seine von ihm ent­wickelten Leitgedanken wieder: Die Uebcrsee- woche soll nicht ettoa den Charakter einerMesse* tragen und anderen Städten, wie Leipzig und Frankfurt a. M., Konkurrenz macken, sie soll vielmehr die Verwirflichung einer Idee darstel- len, die in dieser Form nur in Hamburg Gestalt annehmen kann. Dem Jolande gegenüber wer­den angestrebt:

Die Zusannnenfaffung aller Kräfte aus Handel, Industrie, Forschung. Lehre und Praxis, Kultur und Kunst, die für den Wie­deraufbau und Ausbau des deutschen Uebcrsssvsrkehrs in Frage kommen, Herbeiführuna eines engen Hand-in-Hand-Ar­beitens zwischen Auslandsdeutschtum und Jn- landsdeutschtum. Dem Auslände soll gezeigt werden, was Deuffchland und namentlich, was Hamburg in Wirklichleit ist und will. Zu die­sem Zwecke soll als Gegengewicht gegen die jahrelange Verhetzung und Verkennung deut- lchen Wesens, auf der Grundlage gegenseitigen