Nr. 46.
Zwölfter Jahrgang.
Kasseler Neueste Nachrichten
Berlage.
Donnerstag, 23. Februar 1822.
■ IM.IIM ■! I I llllll.l ■■■■■■■! II um umr--"-»
Sin warwrer der WUenschast..
Der Sturm der Amazonen.
Ein verspäteter Kriegsfreiwilliger.
Rome, einem Hafen an der Behring- ftrnp.c, der zmn Staate Alaska gehört, ist Ne» 'er Tage ein Mann anaekommen, der sich in die amerikanische Armee ach Freiwilliger einreihen lassen wollte, um auf dem französischen Kriegs- schauplad an dem Weltkriege teilzunehmen. Er lebte bis zum Jahre 1918 an der Küste des Eo- ronation-Golfes, also an der Ostfeite der arkti- chen Küste Kanadas, und brauchte drei Jahre, nm von dort längs dos nördlichen Eismeeres nach Nome $u gelangen, das am nordwestlichsten Punkt Amerikas liegt. Während seines Aufenthalts am Coronationgolf hörte er niemals etwas von der Außenwelt, bis er im Jahre 1918 zum erstenmal davon Kunde erhielt, daß ein Weltkrieg ausgebrochen sei, an dem sich auch Amerika beteiliae. Sofort war sein Entschluß gefaßt, sich als Freiwilliger zu melden. Im Oktober 1918 verließ er seine einsame Station und im Winter 1921/22 traf er in Nome ein. Der Mann, der früher bei der englischen Bergpoftzet gedient hatte, war ganz unwtMg, als er erfuhr, daß der Weltkrieg schon beendet sei. Nun will er wieder in Ne Einsamkeit zurück, denn die Anstände in den zivilisierten Ländern finden nicht seinen Beifall und er zieht es vor, seine Tage in einer Gegend zu beschließen, wo Nachrichten über Ereignisse wie ein Weltkrieg erst dann eintreffen, wenn alles vorüber ist.
Die im Ausstand befindlichen Bergleute in Kansas haben durch Ne Einstellung ihrer Frauen und Töchter In Ne Kampffront ein Amazonenheer von etwa Aveitairsend Köpfen ge- schaffen, das kürzlich einen Sturm auf die Bergwerke von Franklin unternahm und diese von Grund aus zerstörte. Der Sheriff und seine Leute konnten gegen die Wut der Weiber, Ne
Ihre Ehe hatte auch nicht allzuviel Sonnenschein gebracht: Rudolf Grevis, der hübsche, sthwarzlockige Magistratschreiber, war etwas
hätte er sein Kind im Lager. Aber es geschah nichts, er mußte allein heimfahren, nachdem feine Frau schon vorher ausgetaufcht war. Von Deutschland versuchte Lehmann dann sofort und unablässig, erst mit Hilfe des Roten Kreuzes in der Schweiz und der Schweizer Gesandtschaft, später der deutschen Botschaft in Parts, fern Kindzurückzuerhalten. Es ist ihm bis heute nicht gelungen auch nur eins Aussicht aus die Rückgabe des Kindes zu er-
Das Kind als SchuldpfanD.
Wie die Franzosen Mensä>enrechte achte«.
Der bayrische RNchstagSabgeordnete Stul t enrat vr. Deermaan teilt in einer Grengand.Zeitschrift folgenden empörenden Fall vonder Schuldverpsandmrg eines deutschen Kindes durch die Franzosen mit
Nachbarin gedacht haben! Nachdem sie die Mutter versorgt, machte sie sich selbst an die Arbeit. So merkwürdig schnell ging ihr das heute alles von der Hand, so merkwürdig froh war, ihr ums Herz, als sei ihr etwas besonders Schones beschert worden und doch war eigentlich gerade das Gegenteil der Fäll. Ihre Stellung war ihr gekündigt — ia — die Stellung — aber dann Ihre Gedanken wanderten weiter — und kamen zu Oskar Flemming, und da — da setzte ihre frohe. glücfliche Stimmung ein. Zum erstenmal war sie einem Menschen begegnet dem ihr ganzes Interesse, ia, wenn sie ehrlich sein 'Ee. ryr ganzes Gefühl zustrcbte, und sie begriff setzt nicht, daß sie keiner Aufforderung, sich wieNrzu- sehen, ein .Nein" entgegengesetzt hatte — Wenn sie so beim Herumwirtschaiten in der Küche dach te, er könne es doch vielleicht empfunden haben und würde vielleicht nicht kommen, dann floß ez ibr siedendheiß dilrchs Blut, und eine wahre Herzensanast vackte sie
.Wie ist das möglich? Wie rst so etwas möglich?" fragte sie sich. Sie saß seitwärts auf dem Küchenfensterbreit, einen halb abgetrockne- ren Topf in der Land und sah in den Hof hinunter, sah über die Dächer und Gärten hinweg, auf denen die letzten Strahlen der Abendsonne ibr funkelndes Spiel trieben. Ein leiser Rn? der Mutter schreckte sie aus ihren Träumereien aus, sic eilte ins Neben,imme"
.Ehe du das Abendbrot zurechtmachst. Lene, könntest du doch noch mal zur Frau Profestorln dinübcrspringen und ibr die Taschentücher hm- reichen, in die ich die Namen gestickt habe Es ist mir io. als ob sie etwas von einer "einen Hauswäsche gesagt bat, und da wollte sie sie.6^, ne haben Ich möchte indessen noch ein Stund- cl)en schlafen " __
„Ja. Mutti, wo sind d,e Tücher denn?
..Sie liegen in dem Körbchen auf meinem Arbeitstisch — findest du sie nicht? Gleich oben auf, Kind "
.Doch Mutti, ich habe sie."
Es war ibr lieb, daß sie zu ihrer alten Freundin hinüber konnte; die Sache mit der gekündigten Stelle wollte sie ihr erzählen und ■ dann? Nein, von dem andern nicht sprechen . tu niemand, wie eine Entweihung war? es ihr
Helene Grevis
4) Roma« von B. v. d. Lancken.
ihre Wangen:
.Mutti, wie geht's dir? War Frau Stumm mal hier? Hat "sie nach dir gescben?"
.Ja, Kind, zweimal. Sie batte mir Mittags die Suppe warm gemachr. Die war aber e»n bißchen angebrannt. Wer von Euch hat sie ge-
schwarzlockige Magistratschreiber, war etwas ga zu lebenslustig gewesen, hatte manchen Grosche' im Wirtshaus vertan, war gerne tn lustiger Gesellschaft. So gewissenhaft er im Amte war, so leicht streifte er die Amtsmiene ab, wenn, die Bürostunden vorüber waren. Die Ebeftsiein mit ihren Pflichten behagten ihm schlecht, und er vergaß sie oft in heiterem Kreise. Eine ernstliche Entgleisung aber kam niemals vor; die goldblonde Frau hatte ein unerschütterliches Vertrauen zu ihm siebte ihn und nahm alle Ne zahllosen Pflichten der Beamtengattin mit nicht allzureichlichen Haushattgeld geduldig auf sich betrauerte den Gatten ehrlich, als er starb, und klagte auch nicht gegen das Schicksal, als der Sorgensack größer wurde nud schwerer au, W Schultern drückte. Harte Jahre waren es, bis die beiden Mädchen herangewachsen, aber dann mitverdienen konnten. Jetzt waren die Zeiten freundlicher, wenn ieder streng seine Pflicht tat. Arbeit leistete die Mutter auch setzt noch, feiern konnte und wollte sie nicht Nun bcäte sie aber wie oft im Herbst, eine schwere ErMtung ins Bett gezwimgen, Helene trat naher, streichelte
Frankfurter Bilder.
Et« Brief aus der Maisstadt.
Siu gelegentlicher Mitarbeiter sendet utt« aus Fraakfurt die nachfolgende« Betrachtnngea an« hem Wirtschaft«» unb Kunst leben, Die angesichts der regen Deziehnnge« »wischen «affet und der Srotzstadt am Main lebhaftes Zntercsse wecken.
Das neue Jahr hat auch neue Projesie gebracht, die dem löblichen Zwecke dienen, den schwindsüchtigen Frankfurter Stadtsäckel zu füllen. Es fehlt nicht an Vorschlägen, Die Fabel- fununcn erbringen, wenn man sie aber kalten Mutes und klaren Verstandes auf ihre Aussühr- barkeit und Zweckmäßigkeit hin prüft, so fallen sie alle unter den Tisch. Es hieße sedoch das Kind mit dem Bade ausschüttcn, wollte man den .Wolkenkratzer", der demnächst als erster seiner Art das Stadtbild Frankfurts bereichern wird, mit eben derselben Handbewe- gvng abtun. Eine hiesige Herrenlleidersirma faßte den kühnen Plan, ihn in der Nähe der Gewerbeschule, also in nächster Nachbarschaft der Dleßstadt, zu errichten. Fünfzehn bis zwanzig Stockwerke hoch, kann er eine nicht unbeträchtliche Zahl von kaufmännischen und industriellen Firmen, Werkzeug- und Maschinenfabriken, auch Krupp wird genannt, der sich Räume für Ausstellungszwecke sichern will, beherbergen. Man rechnet damit, daß etwa hundert Firmen ihre Geschäftsräume in diesem Wolkenkratzer haben, der außerdem noch Raum bietet für die Teposi- tenkasie einer hiesigen Großbank, ein Restaurant für Angestellte, Bade- und Fristerräume, Fern- sprechstellM, alles in allem, so etwas ist in Frankfurt noch nicht dagewesen, und wird Wohl ..ein Flügel soll zur diesjährigen Herbstmesse stehen, genugsam von Einheimischen und Fremden bewundert werden. Die Bauzeit Ne,es Niesengeschäftshauses schätzt man auf zwei Jahre, von dem Kostenanschlag spricht man vorläufig noch nicht. Diesmal hat die Stadt die Freude davon, denn das erworbene Gelände war städtisches Eigentum. „ , , ,
In der Pmnionhalle des Hauptbahnhofs hat man jetzt mit dem Umbau begonnen, für Nese Erweiterungsbauten wnrden im diesjährigen Haushaltsplan der Eisonbahnverwaltunq sechzehn Millionen Mark eingesetzt. Boshafte Landsleute behaupten allerdings, daß die Er- weiterunysb ritten mit Einführung des neuen Personentarifs überflüssia würden, weil dann das Gedränge sowieso aufhört! Aber man wird sich — wohl oder übel — daran gewöhnen, wie man sich an die neuen Postgebühren gewöhnen mutzte, obwohl Ne meisten Privatbriefe ungeschrieben bleiben, und Nr Geschäftsbriefe durch Privatboten bestellt werden. Man kann höchstens in Gedanken an Hand der Landkarte noch Reisen machen, und Familie Schieber, die sim die Vergnügungsfahrt leistet, wird unter sich bleiben und sich dem berauschenden Gedanken hingccken, man fahre .Extrazug".
plan brachte Kost für jeden Geschmack, von Wedekinds „Hidalla" bis Thamos .Erster Klasser", von Grillparzers .Meeres und der Liebe Wellen" bis Presbers .Die Ballerina des Königs" Im Sommer hofft man, datz zugkräftige Operetten zum Kaffenmagneten werden, die wohl für das neueröffnete .Operettentheater" (früher Groß-Frankfurt) führbare Konkurrenz abgeben.
Jedoch, wer weiß, wie weit wir in diesem Sommer sind i Vorläufig erleben wir den Winter, der recht fühlbar ist; auf dem Maine arbeiten vier Eisbrecher, um die Fahrrinne freizuhalten, damit die auf der Fahrt befindlichen Schiffe ihre Häfen erreichen können. Wenn Ne weiße Decke zerronnen ist, und die Welt sich mit heimlichen Frühlingsgedanken ttägt, findet die Eröffnung der sechsten Frankfurter Kun ft» messe (am 26. Mürz) im Römer statt. Wie im vorigen Herbst wird sie tm Saal Löwenstein, in der Geschlechterstube und in den Römerhallen eingerichtet. Kaiser- und Kurfürstensaal beherbergen die Kunstschau, Betitelt .Die alte Reichsund Messestadt Frankfurt a. M.', dem Kunsthandel bleiben wie früher die Römerhallen. Ostermontag, wenn auch Ne jetzt mit einiger Spannung erwartete Frühjahrsmesse ein längst überholtes Ereignis bedeutet, schließt nie. Dann hoffentlich zieht bald der Frühling ins Land und erlöst uns von Brennstoffforgen und Kohlennot.
sich ein Schutz, der dem Vater des A. in den rechten Oberschenkel drang und seinen Tod Lurch Verblutung herbeiführte.
* Die Rache einer Elfjährigen. Vor einiger Zeit entstand bei dem Bäckermeister Michael Baumgartner in Hitzing (Oberösterreich) aus unbekannter Ursache ein Brand, dem Scheune und Pferdestall. Futtervorräte. mehrere Schweine Geflügel und landwirtschaftliche Geräte zum Opfer fielen. Acht Tage fpäter brach in dem Ziegenstall des benachbarten Wohngebäudes neuerlich eite Feuer aus Die Bevölkerung Ivar über die rasch auseinander folgenden Brände äutzerst beunruhigt. Es gelang ;-doch bald, Ne elfjährige Leopoldine Klimsteln, Ne erst feit einem Monat bei einer Verwandten im Dorf weilte, als Brandlegerin auszuforschen. Rach längerem Leugnen gestand sic, beide Brände aus Zorn gelegt zu haben, weil sie von ihrer Tante wiederholt, das letztemal wegen Entwendung von ein paar Stückchen Zucker, geftiaft wurde.
Mit Beendigung der Spielzeit werden auch Ne Kammerspiele aus der Zeil anfge- h ö r t Haden zu existieren, die Kunst weicht dem Mammon. Eine Bank (weil wir in Frankfurt so arm an Banken sind; nicht lange, und jedes dritte Haus ist eine Bankfiliale?) richtet sich dort wohnlich ei«, genügend Raum steht zur Verfügung. Eigentlich hüt von jeher ein Unstern über dem hübschen, intimen Theater gc- schwebt. Es begann seine künstlerische Laufbahn als .Orpheus" (Spezialitätentheater), Max Ga- Briet taufte es .Residenztheater", spielte .kküm- mere dich um Amelie", „Mandragola", „Die Dame von Maxim", der bekannte Filmdarsrcller Alwin Reuß kam mit den schaurigsten unv spannendsten Sherlock Holmes-Dramen, .Der Hund von Baskerville", .Ein seltsamer Fall". Unter Karlheinz Martin hieß es schon .Komödien- haus", mit .Ghetto", „Taifun", .DaS 'kleine SchNoladenmädchen". Harry Walden, der lo gefeierte und belichte, gastierte dort. Nach län- qerer Pause öffnete ein Lichtspieltheater „U. T. seine Pforten, bis die Direttion des Neuen Theaters die .Kammerspiele" erwarb, die sich der Gunst des Publikums erfreuten. Der Spiel-
Seit dreieinhalb Jahren wird in Nancy in Frankreich ein deutsches Kind, die Mht- einhalbjährige Marcelle Heyman«, als Schuldpsand zurücksehalten, unter wiederholter ausdrücklicher Billigung der französischen Regierung. Die Eltern, welche heute in Köln wohnen, lebten bei Kriegsausbruch in Nancy. Die rechtzeitige Rückkehr nach Deutschland war ihnen unmöglich, weil seit dem 28. Juli die naheliegende deutsch-lothringische Grenze gesperrt war. Am 3 August ließen sie auf die sehr dringenden Bitten der im gleichen Hanse wohnenden Ehc- leitte Demange, Nancy, ihr neun Monate altes Töchterchen Marcelle vor Anttitt einer fiinfundsechzig Kilometer langen Fußwanderung zum nächsten Internierungslager zurück. Einen zweijährigen Jungen trug der Vater mit. Die Mutter war schwanger. Der Junge starb infolge der mangelhaften Verpflegungsverhalt- nisse fünf Wochen fpäter im Lager und wurde fast wie ein Hund eingescharrt.
Im Februar 1918 schrieb Herr Heymann auf Ne Gerüchte über einen Austausch der Z'vrlin- trrnierten hin an das zuständige französische Ministerium. man möchte ihm seine Tochter ins Lager schicken, damit er sie mit nach Deutschland nehmen könne. Im April bekam er Antwort, daß ihm seine Mtte gewährt würde, falls er einen Begleiter stelle und für beide die Reisekosten bezahle. Dazu fehlte dem Vater, einem ziviltnternierten Arbeiter, das Geld. Als er im August 1918 dann ins Sammellager zum Austausch kam, schrieb er nochmals an die fran- zösische Regierung um Uebersendung seines ’ Töchterchens. Er erhielt Ne Antwort, er würde ’ erst am 12. Oktober ausgetauscht, und bis dahin ' " sein Kind im Lager. Aber es geschah r mußte allein heimfahren, nachdem
langen.
Die Eheleute Demange verlangten nach dem '«uStmtfch Heyrnanns Plötzlich die Bezahlung eines Pflegegeldes in Höhe von fünftausend Franken d. h. von sechzig Franken für den Monat seit Kricgsbeginn, erst nach Bezahlung dieser Summe wollen sie das Mädchen . Herausgaben. Die französische Regierung aber , unterMtzte in wiederholten amllichcn Aenßerun- : gen dieses barbarische Verfahren der Schuldverpfändung eines Kindes. Sie lehnt jede Mit- । Wirkung zur Aufhebung dieser ungesetzlichen । und vorsintflutlichen Maßnahme ab.
HRwor kn ernster Zett.
* Wozu er paßt. Frau Müller: „Wissen Sie, Frau Schultze, Ihr Sohn paßt gar nicht zum Klavierspieler, er paßte besser zum Clown. Frau Schultze: „Ach wo? Zum Klauen, nee, da. zu ist er zu dämlich, da haben sie ihn gleich beim erstenmal erwischt." (Klauen ist der Ber, liner Ausdruck für stehlen.)
die. Grrche stürmten, nichts ausrichten. Die Me- 0 warfen den Vertretern der öffentlichen Pfeffer in Ne Augen, bombardierten sie mit Steinen und bearbeiteten sie, wenn es zum Handgemenge kam, mit Zähnen und Nägeln. Das gleiche Schickfal war den Arbeitswilligen beschicken, gegen Ne sich die Wut der rasenden Weiber besonders richtete. Die streikenden Manner selbst begnügten sich mtt der Rolle der Zu- chauer, die sich angelegen sein keßen, Ne kamp- cnden Frauen durch auftnunternde Zurufe anzuspornen und ihren Angriff zu letten. Die Regierung hat wohl beschlossen, energische Maßregeln gegen die zu Hyänen gewordenen Weiber zu ergreifen, indessen kann man sich nicht ent- chließen, Truppen gegen Frauen autzübieten.
* Der Mörder seines Freundes. Das Volks- gcricht München verurteilte den einundzwan- riaiäbriqen arbeitsscheuen Kaufmann Stephan Fuermann, der den ihm sehr nahe befreundeten Kaufmann Alexander Schöpping in einen Keller gelockt, dort in bestialischer Weise
Dr. Hall Edwards in Birmingham, ei. ner der Pioniere der X-Strahlenforschirng, ist vom Carnegie-Heldenfonds eine Jahresrente von hundert Pfund Mersing zuerkanni vwrden. Einige Monate nach der Entdeckung der X-Strahlen zog er sich eine Hautentzündung zu, Ne um sich griff und schließlich die Amputatton seiner linken Hand und des Unterarmes wwie von vier Fingern der rechten Hand notwendig machte. Bis zu diesr Zeit hatte Dr. Edwari^Taq und Nacht Experimente mit der neuen Entdek- kung ausgeführt. Trotz seiner Verstümmelung WE" er heute noch immer als Radiologe«
krcht?" . . ....
„Franze. Gott, die ist docki immer io nachlässig und wuschelig. Nagte Helene. „Za laß gut ftm. Mutti, ich koche dir jetzt eine Taffe Kakao mit Milch ganz etwas Gutes, und Zwieback Ya- Be ick, auch mitgebrackt" „ .
Sie ging in die Seine Küche, bantierte da emlia mit Tövsen auf dem Herd, sah uck> um, schüttelte den Kops Da stand wirklich :mck der ganze Abwasch vom Abend vorher, und ne hatte Franze so gebeten, das noch zu besorgen un- ordentlich sah die Küche aus. Was mochte Ne vorgekommen.
Noch ein paar Handreichungen tat sie der al- ■ ten Frau, küßte ihre Stirn, dann lief sie die ‘ Treppen so flink hinab, wie vorhin hinauf, lies । über den Hof und stand gleich darauf vor der Korridortüre des Professors Trovenarius — es waren ja auch nur zwei Treppen, ein richtiger Katzensprung für ihre Jugend. Der Professor öffnete selbst, es war die Zeit, wo er zu seinem allabendlichen Dämmerschoppen grng. und er war zum Ausgehen gerüstet, hatte den breiurem- pigen Schlapphut auf und den unvermeidlichen Regenschirm unterm Arm. Sein mageres, durw- geistigtes Gelehrtenantlltz lachte freundlich, als er die junge Schönheit auS dem Hinterhause vor
Ei.' et, liebes Lenchen. Sie sind's, Willkommen, Kind, schade, daß ich fort muß. Meine Fran ist aber zu Hause und die wird sich arg fteuen. Sie wisset!, der Dämmersckopven wartet."
.Ja freilich, Herr Professor, ich weiß fa»n, ick komme auck aanz Besonders zu der Frau Professorin, im Auftrag von Mutter."
„Der Mutter? Ja, LieBste. wie geht es denn der Mutter? Mein- Frau sagte mir, daß sie recht krank fei. nun?"
„Es gebt so lala, könnte sckon besser fein, aBer man muß eben zufrieden sein, schlechter ist cs nicht. Gottlob t"
„Sckönen Gruß und gute Besserung!" Die kleine, schmale Gelchrtengestalt schob sich zur Tür hinaus. H-kene (tina den wohlbekannten, langen Korridor hinunter, klovste an eine Tur geradezu, eine wohlklingende Frauenstimme rief Herein" — Lene schob den sckwarzBraunen Kopf durch den Spalt:
„Darf ich herein?"
„Aber immerzu.Herzenskind, jmmerzu Olivia" TrevenariuS erhob sich von ihrem Fenster- platz. schritt der Einttetenden entgegen —
„Run. Kleine, was bringst du? Dich selbst vnd noch was. oder nur dick allein?"
„Mich selbst und noch was. Frau Professorin. Viele Grüße von Mutter und die Taschentücher, hier sind sie." Damit legte sie das Päckchen auf den Tisch. . ,
Olivia Trevenarrus war eine mittelgroße, gut gewachsene Frau mit ovalem Antlitz, um das sich leicht gewelltes, volles Grauhaar bauschte, ’inetn freundlichen Mund und Auaen. de-
crschlagen und sodann ausgeraubt hatte, zmn Tode. Der Staatsanwalt bemerkte in seiner Anklagerede, ein grausames Schicksal habe Fuermann die Gabe der Gefühlsstumpfhcit in die Wiege gelegt, so daß man ihm ein gewisses Mitgefühl nicht versagen könne. i
* Die erste Fahrt. Das erste seit Kriegsende ' auf einer Hamburger Werst erbaute Motor- < Tankschiff, der viertausend Tonnen große Oel - ' tankdampscr „Julius Schindler", hat inne erste Fahrt nach Nordamerika angetreten. Das Schiff wird mit einem Dieselmotor betrieben und hat Vorrichtungen für drahtlose Telegraphie.
* Ein Juwelenschieber. Der Frankfurter Juwele,ihändler Bernhard Dissinger hat mehrere Pforzheimer Schnmckfabrikanten um sechs Millionen Mark geschädigt, indem er Juwelen. die er von ihnen bezog und auf die er bloß Anzahlungen leistete, um ein Drittel deS Wertes an den polnischen Juwelenchandler Philipp Ehrlich verkairste. Dissinger und Ehrlich wurden verhaftet. _
* Selbstmord eines Gefängniswärters. Der wegen der in letzter Zeit im Gefängnis in Ha - mein vorgenommenen Durchstechereien zur Disposition gestellte OberaMeher Brandes hat sich in seiner Wohnung erschossen.
* Der heftige Bureaukratins im Finanzamt. In diesen Tagen versandte das Finanzamt in Lübben die Krrchenfieuerbescheide. Viele dor- . tige Einwohner (in anderen kleineren Orten : wird es dasselbe sein) haben danach eine Mark und zwei Mark jährlick an Kirchensteuern. eventuell in viertel jährlichen ■ Raten zu entrichten. Die Zustellung geschah - unter „Einschreiben". An Portokost en be- ■ zahlte daher das Finanzamt für reden Steuerpflichtigen vier Marl. — Ein höherer Beamter in Rordbaufen hielt seinerzeit eine Vorlesung an der Volkshochschule. Dieser Tage erhielt er, wie berichtet wird, vom Finanzamt Ne Anffordemng. für das Honorar Mr diese Vorlesung in Höhe von zwanzig Mark die zehnpro- zentiqe Einkommensteuer in Höhe von,zwei Mark zu entrichten. Aber welchen Gewrmi hat sich das Finanzamt wobl dabei ausgerechnet, wenn es 'Mr diese Aufforderung allein eine Dienstmarke im Werte von fünf Mark zum Freimachen verwenden mußte?!
* Ein Vatermord im Wahnsinn. Der Mn undzwanzigjährige Sohn Kurt des Oberpost- assistenten Aschen brennerinBer l tshatte in einem DoBfuchtsanfall die Wshnnng^ftrrich- tung demoftert. Da er auch Menschen!««» drohte, sollte er von zwei Beamten tn Schutzhaft genommen werden. Als Ne Beamten den Tobsüchtigen abzuMhren versuchten, leistete duffer heftigen Widerstand, und nur unter äußerster Kraftanstrengung gelang es, ihm Handfesseln an» zuleqen, die der Rasende aber abzustreifen vermochte. A. Mrzte sich nun auf den Unterwachtmeister und würgte ihn. In der Notwehr zog der Angegriffene seinen Dienstrevolver. Durch einen Sckkag deS Rasenden auf die Waffe loste
sefforin überrascht. „. . ,
„Ja. so flüchtig. Gott — so oben htn — ich habe nicht darauf geachtet." Um alles sollte sie ihr Geheimnis nicht preisgeben. — ^M'r geht heute so viel anderes durch den Kopf. Mein Chef hat mir gekündigt, zum ersten Oktober bin tch vogelfrei." , . __
'Ach, Lene, daz t» aber traurig, warum denn?" fragte die Professorin teilnehmend, „komm, Kind, erzähle mir's genauer." Sie setzte stck aiffs Sofa, zog Helene neben sich — ■öW Zimmer schwebe die Dämmerung.
(Fortsetzung folgt.)
nen Güte und Verstand leuchteten. Sie streckte dem jungen Mädchen eine weiße gepflegte Hand entgegen: o,
„Kommst du von drüben?
„Direkt von drüben, Fran Professorin.«
„Bist noch nicht lange zu Hanse, ich hab' dich kommen sehen."
„So — o —", kam es etwas gedehnt von Helenes Lippen. „Ich bin aber heut in gar keiner guten Stimmung," setzte sie rasch hinzu, wie sie das gesagt, erschrak sie, denn sie war ja seit langem nicht so fröhlich gewesen.
Die Professorin lachte, legte den Arm um die Schulter des jungen Mädchens u. zog es an sich.
„Davon habe ich dir aber nichts augemerft, wie du aus der Straßenbahn gehüpft bist und mit dem eleganten Herrn geplaudert hast."
Eine leichte Röte stieg in Lenes Gesicht.
.Den kenne ich fast gar nicht, und wir haben auch gar nicht so etwas Lustiges griprochen wich sie aus. „Wir kamen — so zufällig — ins Gespräch — na. das ist ia meist so."
„Ein eleganter, gitt ansfehender Mann. Kennst du seinen Namen?"
^Jch habe ihn nicht recht verstanden," log sie. „Also bat er sich vorgestellt?" fragte die Pro-