Tie Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abend». Der AbonnsmentSpretS beträgt monatlich 10.— Mart bei freier Zustellung ta8 Hau-. Aus- wärtS durch die Post bezogen 10.— Mark monatlich einfchlieblich Zustellung. Best.'llungkN werden lederzrit von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Truckerei, Verlag und Redaktion^ Schlachthofstrab-WM. ffür unverlangi eingesandte Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschlossen.
Kasseler Abendzeitung
Jnsertionspreise a) Einheimische Aufträge: Tie einspaltige Anzeigenzeile M. 2L0, die einspaltige Retlamezeile M. 6,25. b) Auswärtige Aufträge: DK einspaltige Anzeigenzeile M. 2.50, die einspaltige Reklam-zeil- M. 6 25, alles einschließlich Teuerung Zuschlag und Anzeigenfteuer. Zur Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Ausschlag. Für die Richtigkeit aller durch r ernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme, baten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden. — Druckerei: Schlacht- hosstraße 28/30. Seschäslsstelle: Kölnische Straß« 5. Telephon Nummer 951 und 952.
Meier Nemste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Nrrmmer 46.
Fernsprecher 951 und 952
Donnerstag, 23. Februar 1922.
12. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952
Die fremde Mllltärkontwlle bleibt?
DenrsHS beendete DermMertSttgkett.
Paris, 22. Februar, (©gen? Drahtmeldung.) Dr. Bencs ch ist gestern, von London kommend, in Paris eingeiroffcn, aber heule bereits weiter gereist, wie e§ heißt, direkt nach Laibach. Nach dem „Journal des Debats" soll der Besuch von Dr. Benesch in London Erfolg gehabt haben.
gen." Rach diesen Worten, die ja an sich nichts Neues bieten, aber doch die realpolitische Einstel- lnng des tschechischen Ministerpräsidenten erkennen lagen, scheint der „Oeuvre", ein Pariser Blatt, nicht ganz unrecht zu haben, wenn es neben Äohd George, dem Manne der sensationellen Gesten, neben Poincars, dem Manne der Akten und Etiketten, Benesch einen Mann nennt, der einen europäischen Sinn, den Mut zu großen Unternehmen und, was besser ist als all dies, ein Programm besitzt. Hg.
werden können, wenn Poincars einen dahingehenden Antrag nicht besonders gestellt hätte. Vor allem ist es die Krisis in I t a l i e n, die für das rechtzeitige Zusammentreren der Delegierten in Genua störend ist, dann aber aitch hat sich wohl England nicht ganz der Einsicht verschließen können, daß die Zeit bis zum 8.
Dir Vertagung.
Die Alliierten zur Genua-Konferenz.
Wie vorauszusehcn war, hat der französische Wunsch, die Konserenz von Genua um einige Zeit vertagt zu sehen, insofern Erfolg gehabk. als mit einem Konferenzbeginn am 8. Mär; nicht mehr gerechnet wird. Die deutsche Regie- ntng hat inzwischen, wie uns gestern ein Berliner Telegramm berichtete, die amtliche Mitteilung über die Vertagung erhalten. Vermutlich Hütte der Termin auch dann nicht eingehalten
Die öeutsche Abrüstung.
Beibehaltung der fremvsn Kontrolle.
muß. Die FreudentSne der reaktionären deutschen Presse über die Abreise der Luftfahrkon- troAommission waren daher ebenso verfrüht wie indiskret. Die Meinung, daß die Kontrolle beibehalten werden müsse, hat jetzt auch die Zustimmung der englischen Regierung gefunden. — Die französische Gespenfterfurcht hat sich demnach auch auf Engländ übertragen.
März etwas kurz ist, um das Konferenz-Pro- gramm hinreichend vorzubereiten. Frankreich wünscht nun einmal eine vorherige grundlegende Besprechung, und England kann sie wohl kaum verweigern, wenn es nicht den Absichten der französischen Nationalisten, die Konferenz ganz zu sabotieren, Vorschub leisten will. Allerdings wird einstweilen nur von einer mehrwöchigen Vertagung gesprochen. Poincars scheint also die von ihm geforderten drei Monate nicht durchgesetzt zu haben.
Der Schutz aus Vetzow.
Die Voruntersuchung gegen v. Kähne, (eigene Drahimeldung.)
Sine Kadlnetttfltzung.
Berlin, 22. Februar. (Privattclegrannn) Der Reichskanzler wird voraussichtlich im Laufe des heutigen Tages eine Kabinettssitzung cinberufe», die sich mit der gestern der Regierung übergebenen Note der französischen Regierung über die Vertagung der Konferenz von Genua beschäftigen wird.
Berlin, 22. Februar.
Wie der ..Lokalanzeiger" von unterrichteter Seite erfährt, haben maßgebende englische G r u p p e n die Reichsregierung davon in Kenntnis gesetzt, daß sie die Anwesenheit deutscher Vertreter in London sehr gern sehen würden. Die Besprechungen, um die es sich hier handelt, sind als Vorkonferenz für die Bildung des Syndikats zum Wiederaufbau Rußlands aufzufaffen. Unter den Vertretern, die für London bestimmt wurden, befinden sich Staatssekretär Bergmann und Geheimer Rc- gicrungsrat Kempner. Die Verhandlungen dürften schon in diesen Tagen beginnen-
1 Berlin, 22. Februar.
In dem Falle des Rittergutsbcsttzers von Kähne- der beschuldigt wird, den Arbeiter Nietert erschossen zu haben, ist vom zuständigen Staatsanwalt »cs Landgerichts in Potsdam die Voruntersuchung wegen versuchten Totschlages eröffnet worden. Der Untersuchnnas- richter beim Landgericht Potsdam ist mit der Ermittelung betraut worden und wird die Zeuge« vernehmen lassen. Wie die ,-B. Z" erfährt, ist augenbliSlich vom Untersuchungsrichter keine Anweisung auf Durchsuchung des Schlosses Pestow bei Glindow an der Havel ergangen. Wenn dort eine Beschlagnahme von Waffen erfolgt ist, so ist sic ans eine Anordnung des zuständigen Amtsvorstandes zurückzusühren, der in dem Gesetz über das Verbot des Waffentragens genügend Grund zu einem eigenmächtigen Einschreiten gefunden zu haben scheint. Gestern vor- mittaa ist der Landrat des Kreises Zaurb-Belttn nach Werder gekommen und hat dort beim Magistrat, wo auch der Amtsvorsitz ist, zu dem das Gut Pestow gehört, eine Prüfung der Angelegenheit und der Jagdschenie vorgensmmen. Es wich
Es muß darauf hingewiesen werden, daß Deutschland jetzt kein Interesse daran hat, es zwischen Frankreich und Großbritannien zum Bruch- kommen zu lassen, denn der leidtragende Teil wäre doch wieder Deutschland, während England im anderen Falle stets in der Lage sein wird, seinen dämpfenden Einfluß gegenüber dem zügellosen französischen Nationalismus geltend zu machen. Benesch scheint nun erfolgreich zwischen London und Paris vermittelt zu haben. Er vermochte dies vielleicht umso mehr, als er zu den wenigen europäischen Staatsmännern gehört, die über ein wirkliches Programm verfügen. Seine Stellungnahme gegenüber Deutschland hat kürzlich die offiziöse »Gazette de Prague" tm Folgenden dargelegt: „Der Hauptgegenstand der Verhandlungen in Genua wird bekanntlich die Wiederaufrichtung Europas fein, oder, genauer ausgedrückt, das Studium der Mittel, mit denen das wirtschaftliche Zusammenarbeiten mit Deutschland und Rußland ins Werk gesetzt werden kann. Die Zusammenarbeit der beiden Länder beruht auf alten Traditionen, und es wird ebenso sehr begünstigt durch die vorteilhafte Lage Deuffchlands, wie durch die außergewöhnliche Wichtigkeit der Hilfe, die es Rußland zu leisten vermag.
Soweit sich die Konferenz von Genna mit Rußland beschäftigt, wird sie dahin wirken müssen, daß alle wirffchastlichen Kräfte Europas gemeinsam angefvannt und im Wettstreit zum Zwecke des wirtschaftlichen Wiederaufbaus eingesetzt werden. Da in dieser Hinsicht Deutschland der wichtigste Faktor ist, so wird es sich darum handeln, die Teilnahme dieses Landes an dem Werk der Reuaufrichtung zu ermöglichen und es gleichzeitig in den Stand zu fetzen, den ibm in dem Versailler Vertrag auferleaten Verpflichtungen nachzukommen Wenn die Konferenz von Genua die Unterlage liefert für eine solche Zusammenarbeit, die die Mobilisation aller produktiven Kräfte Europas durch mehrere Generationen hindurch erfordert, so wird sie der Welt eine Epoche der Ruhe und des Friedens brin-
Jn der Zwischenzeit hofft man in Frankreich Lloyd George genügend bearbeiten zu können, um denk Gespenste der Genueser Konferenz die Giftzähne auszubrechen. Frankreich wünscht vor allem, daß die Konferenz das Versailler Friedensinstrument intakt lasse, daß dies letztere als Grundlage aller wirtschast- lichen Verhandlungen zu £------ ' ' ‘ '
Deutschland und Rußland nur dann als gleicht berechtigte Konferenzmitglieder angesehen werden sollen, wenn sie sich mit dem zwischen Frankreich und den Alliierten vereinbarten politischen und wirtschaftlichen Status quo einverstanden erflären. Das Schweigen Lloyd Georges, der immer noch nicht auf das Memorandum Poin- carös geantwortet hat, beweist deutlicher, als das viele Gerede der französischen Presse, daß man in England den weitgehenden franzö- sischen Wünschen den äußersten Widerstand entgegensetzt. Poincarö hat sich zwar in der Person des Herrn Benesch. des ffchechisch- slowakischen Ministerpräsidenten, einen Parteigänger verschrieben, dessen politische Dottrin mit derjenigen des neuen französischen Ministerpräsidenten im großen und ganzen übereinzustimmen scheint. Nicht zu verkennen ist aber, daß Benesch seinem französischen Kollegen, dem er vielleicht dialektisch nicht gewachsen sein mag, an realpolitischer Einsicht in die Bedürfnisse der europäischen Wirtschaft reichlich-'überlegen ist, und deshalb wäre es unrichtig, aus -er bloßen Anwesenheit Beneschs in Paris und London Schlüsse zu ziehen, die Deutschland ungünstig sind.
(Eigener Drahtbericht.)
Rotterdam, 22. Februar.
Die „Times" bringen eine neue Reihe von Artikeln unter der Ueberschrift „Deutschland rüstet nicht ab", in denen alle in der Zeit zwischen Ende November und Ende Dezember in Deutschland aufgefundenen Waffenlager (?) einzeln aufgezählt werden. Unter anderem heißt es da: Trotz des Verlangens, daß die militärische Kontrolle über Deutschland abge-
. - schwächt oder gar aufgehoben «erde» solle. Segelten habe und daß hier die Ansicht, daß sie beibehalten werden
Londoner Vorkonferenz.
Beteiligung an Rußlands Aufbau. (Eigener Drahtbericht.)
dem Herr» v. Kähne nachgesagt, daß er schon früher leicht zur Waffe gegriffen habt.
Beamten-Beratnngen.
Dis Arbeitszeit und Etreikrechtssragen.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 22. Februar.
Die für heute angesetzten Berhandlnngcn im Neichsverkehrsministerium mit den Spitzenorganisationen der Eisenbahnbeamten und der Gewerkschaften über das Arbeitszeitgefetz sind auf Anfang nächster Woche verschoben worden. Die Vertagung mußte erfolgen, weil die Organisationen eine Reihe von Abönderungsan- ttägen eingebracht haben, die zur Zeit einer Prüfung unterzogen werden. — Im Thüringischen Landtag haben die Kommunisten eine Anfrage über das Beamtenstreikrecht an die Regierung gerichtet. Darauf hat die aus Mehrheitssozialisten und Unabhängigen bestehende Landesregierung geantwortet, das Streikrecht der Be- amten könne nicht ohne weiteres aus der Reichsverfaffung hergcleitet werden. Die Anerkennung des Streikrechts für die Beamten könne konsequenterweise für die Gemeinschaft das Recht zur jederzeitigen Lösung des Dienstverhältnisses nach sich ziehen; gegen die Entlassung fei aber der Beamte geschützt.
•
Xerrerunge-Äuschlüge.
München, 22. Februar. (Privattelegramm.) Die Regierung har dem Landtag zur möglichst baldigen Verabschiedung einen Gesetzenttvurs für sie Festsetzung der Te»erungSz»schläge für die Staatsbeamten zugehen lassen. Der Teuerungszuschlag zu dem Diensteinkommen beträgt, wenn cs einen Betrag von zehntausend Mark nickt übersteigt, vierzig Prozent, im übrigen zwanzig Prozent, der Teuerungszuschlag z« den Kinderzulagen zwanzig Prozent.
Oderschleflsche Sorgen.
Ei« neuer blutiger Zwischenfall.
(Eigene Drahtmeldung.)
Gleiwitz, 22. Februar.
Am Sonntag abend hat sich in Petersdorf ein neuer blutiger Zwischenfall ereignet. Kurz vor 9 Uhr kamen aus einem Lokal drei anscheinend angetrunkene französischeSoldate» heraus, von denen einer einen Revolver in der Hand hatte. Bus der Straße stand eine Gruppe von Personen, die sich unterhielten. Die französischen Soldaten riefen ihnen zu „Hände hoch" und leichffertig gab einer einen Schuß ab, ohne jedoch jemanden zu treffen. Ein Poli.zeibeamter, der sich im Dienste befand und an der Straßenecke postiert war, forderte die Franzosen in ruhigem Ton auf, weiterzugehen. Darauf gab einer der Franzosen nur den Polizeibeamten einen Schuß ab, der den Beamten sosorttötete. Darauf flüchteten die Uebeltäter.
•
Die deutsch-polnischen Verhandlungen.
Berlin, 22. Februar. (Privattelegramm.) Wie verlaut-t, ist auch gestern kein offizieller Bericht über die deutsch-polnischen Verhandln n- g e n aus Genf hier eingetroffen. Rückftagen der maßgebenden Stellen in Berlin haben kein Ergebnis gezeitigt. Infolgedessen ist ein Sonder- Kurier der Regierung nach Genf abgcreist, um sich über den Stand der Verhandlungen zu unterrichten. Man vermutet, daß sich in den dcutsch- xolnischen Verhandlungen Schwierigkeiten in den letzten Tagen ergeben haben.
Hilfe für Rußland.
Der größte Nahrungsmittel-Transport.
(PAvat-Telegramm.)
Stettin, 22. Februar.
In Stettin liegt feit Wochen ladebereit und nur durch die starke Eisbildung an der Abfahrt verhindert ein neuer großer Transport des AnslandskomiteeS für die Hungernden in Rußland. Der Transport fall fvfort wenn die Eisverhältnisse es ermöglichen, mit bcm Dampfer „Rational" nach Reval in See gehen und von dort weiter direkt in die Hungergebiete geleitet werden. Tiefer Hilfstransport ist der größte und reichste, der bisher aus einem euro- päifchen Hafen für die Hungernden nach Rußland ab gegangen ist. Der Transport besteht unter anderem aus: 540 000 Kilogramm Roggcn- mehl, 75 000 Kilogramm Roggengetreide, 15000 Kilogramm Weizenmehl, 800 Fässern holländische Margarine, 12000 Kilogramm Speck, 16000 Kilogramm Salz. 50000 Kilogramm Obst, 29 000 Kilogramm Kakao, 10 000 Kilogramm Maggisuppen und einer großen Ladung (gegen dreihundert Listen) Kleidern und Schuhen.
Streik-Nachklänge.
Anschrift eines Lokomotivführers.
Der Eisenbahnerstreu ist »war erledigt, abe» die Folgen find noch nicht riderwunde», nnd in de» DeroSnden finden noch Erörtern»««» darüber statt. Am auch eine Stimme aus Eiseabahuertrcise» zu Gehör kommen zu lassen, geben wir de» nachstehenden uns zug-yandtcu Slufia« wörtlich wieder.
„Eines Mannes Red' ist keines Mannes Red', man mutz sie hören alle ßceh’." Ein altes Sprich- und Wahrwort. Ach! schicke voraus, daß ich politisch nicht organisiert bin, Patz mir alles Linksra- dikale verhaßt ist, auch datz ich den Beamtenstreik im allgemeinen ablehne. Alle Tagesblätter find sich darin einig, den Beamtenstreik zu verurteilen; alle reiten von einem Lokomotivführerstrcik, obgleich die Reichsgewcrkschwft doch alle Beam- tcngruppen umfaßt und Schaffner, Weichen stel- lcr, Assistenten, Betriebssekretäre usw. in den Streit eintraten.
Als die Nationalversammlung in Weimar hie Verfassung sestgelegt hatte, wäre es doch selbstverständlich gewesen, daß die Wahlen zum neuen Reichstag ausgeschrieben und eine Reichs- Präsidentenwahl durch das VoA stattgefunden hätte. — Nichts davon. — Die damaligen Gewalthaber fürchteten für ihre Aemter und so mußte erst durch das Eingreifen eines Kapp iu-- dirett hier Wandel geschaffen werden. Die Re-- gientng floh nach Dresden und später nach Stuttgart, obgleich Treuenbriezen oder Teltow weit genug gewesen wäre, und von hier aus geschah das Ungeheuerliche: Die Regierung befahl ihren eigenen Beamten den Streik, angeblich, mn Kapp niederzuzwingen, Bürgerkrieg und Blutvergießen zu vermeiden, hie Republik und das Vaterland zu retten, meiner Meinung nach aber nur. um den Herren Präsidenten, Ministern, Oberpräsi-enten, Regierungspräsiden- icn, Landräten. Reichskommissaren, Oberbürgermeistern usw. ihre Aemter zu sichern. Der Streik, der nun einmal von der Regierung zu deren eigenem Vorteil den Beamten aufgezwungen wurde, mußte selbstredend von diesen auch zu Ihrem eigenen. Interesse als erlaubt angesehen werden.
Es will nichts heißen, wenn Lehrer streiken, eihalten doch dadurch die Kinder einige vergnügte Tage, oder Bürobeamte, deren Arbeit wohl liegen bleibt, aber doch nachträglich erledigt werden kann, ohne weitere Störungen hervor- zurusen. Anders der Lokomotivführer. Das Herz des Betriebes steht still und der Gefamtkör- per wird zur Erstarrung gezwungen.
Weshalb traten die Lokomotivführer geschlossen in den Streik? Unter Minister Maybach erhielt der Stationsvorsteher und der Lokomotiv- führcr 2000 M Höchstgehalt, der Assistent 1800 X Tann kam Thielen und eine neue Besoldung. Der Vorsteher erhielt 3600 X der Assistent 2700 Ji und der Lokomotivführer 2200 X Später kam Breitenvach und nochmals eine neue Bc- foldung. Der Vorsteher erhielt 4500 X der Assistent 3600 M und der Lokomotivführer 2400 X die dann auf Betreiben des Verbandes Preuß.- Hess. Lokomotivführer auf 2500 M erhöht wurden. Wso, eine systemaüsche Herunterdrückung des Lokomotivführerstandes, obgleich die Anforderungen an Liefen ständig durch die neuen großen und komplizierten Lokomotiven gesteigert wurden.
Bei der vorletzten Gehaltsaufbesserung wurde unfern berufenen Vertretern im Berkehrsmini« sterium vom Herrn Geh. Oberregierungsrat Hammer die Versicherung gegeben,_ daß die Lokomotivführer in Gruppe 6, das älteste Drittel derselben als Spitzenstellung in Gruppe 7 ein« gestuft würden. Darob allgemeine Freude im Lokomotivführerstande. Als nun unser Verband die Einlösung dieses Versprechens verlangte, wurde Herr Geh. Rat Hammer pensioniert und sein Nachfolger crflärte: 1006 Stellen sind für Sie in Gruppe 7 vorgesehen und werden nach Belieben der Verwaltung und nach Ablegung einer Prüfung besetzt.
Im Dienste ergraute Lokomotivführer von 55—65 Jahren sollen eine Prüfung ablegen, während man junge Werkmeister zum Werkstät- icn-Vorsteher, Ingenieur, Oberingenieur und zum Amtmann in Gruppe 10 ohne Prüfung befördert. Man will damit einen Keil in untere fefi gefügte Organisation einschicben. Durch dieses "Vorgehen der Regierung ist die Verbitterung in die Reihen der Lokomottvsührer hineingeira- gen und da bei den letzten Besprechungen unser Vertreter mit dem Finanz- und Berkehrsmini- sterium unsere gerechten und begründeten Forderungen schroff zurückgewiescn worden sind, so wurde der Stteikvoden von der Regierung selbst gedüngt. Beamtengruppen, die früher weit hinter uns fanden, haben uns ein- und überholt. Anderen verspricht man Spitzen-, Verzahnnngs- nnd noch Beförderungsstellen vis zur Gruppe 9, und muß auch hierin abermals eine systematische Herunterdrückung des Lokomotivführerstandes gesehen werden. .
Im Durchschnitt verdiente vor dem Snegt ein Lokomotivführer monaMch 65 M Neben-