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Kasseler Abendzeitung

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Meier Nemste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Nrrmmer 46.

Fernsprecher 951 und 952

Donnerstag, 23. Februar 1922.

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Die fremde Mllltärkontwlle bleibt?

DenrsHS beendete DermMertSttgkett.

Paris, 22. Februar, (©gen? Drahtmeldung.) Dr. Bencs ch ist gestern, von London kommend, in Paris eingeiroffcn, aber heule bereits weiter gereist, wie e§ heißt, direkt nach Laibach. Nach demJournal des Debats" soll der Besuch von Dr. Benesch in London Erfolg gehabt haben.

gen." Rach diesen Worten, die ja an sich nichts Neues bieten, aber doch die realpolitische Einstel- lnng des tschechischen Ministerpräsidenten erken­nen lagen, scheint derOeuvre", ein Pariser Blatt, nicht ganz unrecht zu haben, wenn es neben Äohd George, dem Manne der sensatio­nellen Gesten, neben Poincars, dem Manne der Akten und Etiketten, Benesch einen Mann nennt, der einen europäischen Sinn, den Mut zu großen Unternehmen und, was besser ist als all dies, ein Programm besitzt. Hg.

werden können, wenn Poincars einen da­hingehenden Antrag nicht besonders gestellt hätte. Vor allem ist es die Krisis in I t a l i e n, die für das rechtzeitige Zusammentreren der De­legierten in Genua störend ist, dann aber aitch hat sich wohl England nicht ganz der Einsicht verschließen können, daß die Zeit bis zum 8.

Dir Vertagung.

Die Alliierten zur Genua-Konferenz.

Wie vorauszusehcn war, hat der französische Wunsch, die Konserenz von Genua um einige Zeit vertagt zu sehen, insofern Erfolg gehabk. als mit einem Konferenzbeginn am 8. Mär; nicht mehr gerechnet wird. Die deutsche Regie- ntng hat inzwischen, wie uns gestern ein Ber­liner Telegramm berichtete, die amtliche Mittei­lung über die Vertagung erhalten. Vermutlich Hütte der Termin auch dann nicht eingehalten

Die öeutsche Abrüstung.

Beibehaltung der fremvsn Kontrolle.

muß. Die FreudentSne der reaktionären deut­schen Presse über die Abreise der Luftfahrkon- troAommission waren daher ebenso verfrüht wie indiskret. Die Meinung, daß die Kontrolle beibehalten werden müsse, hat jetzt auch die Zu­stimmung der englischen Regierung gefunden. Die französische Gespenfterfurcht hat sich dem­nach auch auf Engländ übertragen.

März etwas kurz ist, um das Konferenz-Pro- gramm hinreichend vorzubereiten. Frankreich wünscht nun einmal eine vorherige grundlegende Besprechung, und England kann sie wohl kaum verweigern, wenn es nicht den Absichten der französischen Nationalisten, die Konferenz ganz zu sabotieren, Vorschub leisten will. Allerdings wird einstweilen nur von einer mehrwöchigen Vertagung gesprochen. Poincars scheint also die von ihm geforderten drei Monate nicht durch­gesetzt zu haben.

Der Schutz aus Vetzow.

Die Voruntersuchung gegen v. Kähne, (eigene Drahimeldung.)

Sine Kadlnetttfltzung.

Berlin, 22. Februar. (Privattclegrannn) Der Reichskanzler wird voraussichtlich im Laufe des heutigen Tages eine Kabinettssitzung cinberufe», die sich mit der gestern der Regierung übergebenen Note der französischen Regierung über die Vertagung der Konferenz von Genua beschäftigen wird.

Berlin, 22. Februar.

Wie der ..Lokalanzeiger" von unterrichteter Seite erfährt, haben maßgebende englische G r u p p e n die Reichsregierung davon in Kennt­nis gesetzt, daß sie die Anwesenheit deutscher Vertreter in London sehr gern sehen würden. Die Besprechungen, um die es sich hier handelt, sind als Vorkonferenz für die Bildung des Syndikats zum Wiederaufbau Ruß­lands aufzufaffen. Unter den Vertretern, die für London bestimmt wurden, befinden sich Staatssekretär Bergmann und Geheimer Rc- gicrungsrat Kempner. Die Verhandlungen dürften schon in diesen Tagen beginnen-

1 Berlin, 22. Februar.

In dem Falle des Rittergutsbcsttzers von Kähne- der beschuldigt wird, den Arbeiter Nietert erschossen zu haben, ist vom zu­ständigen Staatsanwalt »cs Landgerichts in Potsdam die Voruntersuchung wegen versuchten Totschlages eröffnet worden. Der Untersuchnnas- richter beim Landgericht Potsdam ist mit der Ermittelung betraut worden und wird die Zeu­ge« vernehmen lassen. Wie die ,-B. Z" erfährt, ist augenbliSlich vom Untersuchungsrichter keine Anweisung auf Durchsuchung des Schlosses Pestow bei Glindow an der Havel ergangen. Wenn dort eine Beschlagnahme von Waffen er­folgt ist, so ist sic ans eine Anordnung des zu­ständigen Amtsvorstandes zurückzusühren, der in dem Gesetz über das Verbot des Waffentragens genügend Grund zu einem eigenmächtigen Ein­schreiten gefunden zu haben scheint. Gestern vor- mittaa ist der Landrat des Kreises Zaurb-Belttn nach Werder gekommen und hat dort beim Ma­gistrat, wo auch der Amtsvorsitz ist, zu dem das Gut Pestow gehört, eine Prüfung der Angelegen­heit und der Jagdschenie vorgensmmen. Es wich

Es muß darauf hingewiesen werden, daß Deutschland jetzt kein Interesse daran hat, es zwischen Frankreich und Großbritannien zum Bruch- kommen zu lassen, denn der leidtragende Teil wäre doch wieder Deutschland, während England im anderen Falle stets in der Lage sein wird, seinen dämpfenden Einfluß gegenüber dem zügellosen französischen Nationalismus geltend zu machen. Benesch scheint nun erfolgreich zwischen London und Paris vermittelt zu haben. Er vermochte dies vielleicht umso mehr, als er zu den wenigen europäischen Staatsmännern gehört, die über ein wirkliches Programm verfügen. Seine Stellungnahme gegenüber Deutschland hat kürzlich die offiziöse »Gazette de Prague" tm Folgenden dargelegt:Der Hauptgegenstand der Verhandlungen in Genua wird bekanntlich die Wiederaufrichtung Europas fein, oder, genauer ausgedrückt, das Studium der Mittel, mit denen das wirt­schaftliche Zusammenarbeiten mit Deutsch­land und Rußland ins Werk gesetzt werden kann. Die Zusammenarbeit der beiden Länder beruht auf alten Traditionen, und es wird eben­so sehr begünstigt durch die vorteilhafte Lage Deuffchlands, wie durch die außergewöhnliche Wichtigkeit der Hilfe, die es Rußland zu leisten vermag.

Soweit sich die Konferenz von Genna mit Rußland beschäftigt, wird sie dahin wirken müssen, daß alle wirffchastlichen Kräfte Europas gemeinsam angefvannt und im Wettstreit zum Zwecke des wirtschaftlichen Wiederaufbaus ein­gesetzt werden. Da in dieser Hinsicht Deutsch­land der wichtigste Faktor ist, so wird es sich darum handeln, die Teilnahme dieses Landes an dem Werk der Reuaufrichtung zu ermöglichen und es gleichzeitig in den Stand zu fetzen, den ibm in dem Versailler Vertrag auferleaten Ver­pflichtungen nachzukommen Wenn die Konferenz von Genua die Unterlage liefert für eine solche Zusammenarbeit, die die Mobilisation aller pro­duktiven Kräfte Europas durch mehrere Gene­rationen hindurch erfordert, so wird sie der Welt eine Epoche der Ruhe und des Friedens brin-

Jn der Zwischenzeit hofft man in Frankreich Lloyd George genügend bearbeiten zu können, um denk Gespenste der Genueser Konferenz die Giftzähne auszubrechen. Frankreich wünscht vor allem, daß die Konferenz das Versailler Friedensinstrument intakt lasse, daß dies letztere als Grundlage aller wirtschast- lichen Verhandlungen zu £------ ' ' '

Deutschland und Rußland nur dann als gleicht berechtigte Konferenzmitglieder angesehen wer­den sollen, wenn sie sich mit dem zwischen Frank­reich und den Alliierten vereinbarten politischen und wirtschaftlichen Status quo einverstanden erflären. Das Schweigen Lloyd Georges, der immer noch nicht auf das Memorandum Poin- carös geantwortet hat, beweist deutlicher, als das viele Gerede der französischen Presse, daß man in England den weitgehenden franzö- sischen Wünschen den äußersten Widerstand entgegensetzt. Poincarö hat sich zwar in der Person des Herrn Benesch. des ffchechisch- slowakischen Ministerpräsidenten, einen Partei­gänger verschrieben, dessen politische Dottrin mit derjenigen des neuen französischen Ministerpräsi­denten im großen und ganzen übereinzustimmen scheint. Nicht zu verkennen ist aber, daß Benesch seinem französischen Kollegen, dem er vielleicht dialektisch nicht gewachsen sein mag, an real­politischer Einsicht in die Bedürfnisse der euro­päischen Wirtschaft reichlich-'überlegen ist, und deshalb wäre es unrichtig, aus -er bloßen An­wesenheit Beneschs in Paris und London Schlüsse zu ziehen, die Deutschland ungünstig sind.

(Eigener Drahtbericht.)

Rotterdam, 22. Februar.

DieTimes" bringen eine neue Reihe von Artikeln unter der UeberschriftDeutschland rüstet nicht ab", in denen alle in der Zeit zwi­schen Ende November und Ende Dezember in Deutschland aufgefundenen Waffenlager (?) ein­zeln aufgezählt werden. Unter anderem heißt es da: Trotz des Verlangens, daß die militä­rische Kontrolle über Deutschland abge-

. - schwächt oder gar aufgehoben «erde» solle. Se­gelten habe und daß hier die Ansicht, daß sie beibehalten werden

Londoner Vorkonferenz.

Beteiligung an Rußlands Aufbau. (Eigener Drahtbericht.)

dem Herr» v. Kähne nachgesagt, daß er schon früher leicht zur Waffe gegriffen habt.

Beamten-Beratnngen.

Dis Arbeitszeit und Etreikrechtssragen.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 22. Februar.

Die für heute angesetzten Berhandlnngcn im Neichsverkehrsministerium mit den Spitzenorga­nisationen der Eisenbahnbeamten und der Ge­werkschaften über das Arbeitszeitgefetz sind auf Anfang nächster Woche verschoben worden. Die Vertagung mußte erfolgen, weil die Organisationen eine Reihe von Abönderungsan- ttägen eingebracht haben, die zur Zeit einer Prü­fung unterzogen werden. Im Thüringischen Landtag haben die Kommunisten eine Anfrage über das Beamtenstreikrecht an die Regierung ge­richtet. Darauf hat die aus Mehrheitssozialisten und Unabhängigen bestehende Landesregie­rung geantwortet, das Streikrecht der Be- amten könne nicht ohne weiteres aus der Reichsverfaffung hergcleitet werden. Die Aner­kennung des Streikrechts für die Beamten könne konsequenterweise für die Gemeinschaft das Recht zur jederzeitigen Lösung des Dienstver­hältnisses nach sich ziehen; gegen die Entlassung fei aber der Beamte geschützt.

Xerrerunge-Äuschlüge.

München, 22. Februar. (Privattelegramm.) Die Regierung har dem Landtag zur möglichst baldigen Verabschiedung einen Gesetzenttvurs für sie Festsetzung der Te»erungSz»schläge für die Staatsbeamten zugehen lassen. Der Teuerungszuschlag zu dem Diensteinkommen beträgt, wenn cs einen Betrag von zehntausend Mark nickt übersteigt, vierzig Prozent, im übri­gen zwanzig Prozent, der Teuerungszuschlag z« den Kinderzulagen zwanzig Prozent.

Oderschleflsche Sorgen.

Ei« neuer blutiger Zwischenfall.

(Eigene Drahtmeldung.)

Gleiwitz, 22. Februar.

Am Sonntag abend hat sich in Petersdorf ein neuer blutiger Zwischenfall ereignet. Kurz vor 9 Uhr kamen aus einem Lokal drei anschei­nend angetrunkene französischeSoldate» heraus, von denen einer einen Revolver in der Hand hatte. Bus der Straße stand eine Gruppe von Personen, die sich unterhielten. Die franzö­sischen Soldaten riefen ihnen zuHände hoch" und leichffertig gab einer einen Schuß ab, ohne jedoch jemanden zu treffen. Ein Poli.zeibeamter, der sich im Dienste befand und an der Straßenecke postiert war, forderte die Franzosen in ruhigem Ton auf, weiterzugehen. Darauf gab einer der Franzosen nur den Polizeibeamten einen Schuß ab, der den Beamten sosorttötete. Darauf flüchteten die Uebeltäter.

Die deutsch-polnischen Verhandlungen.

Berlin, 22. Februar. (Privattelegramm.) Wie verlaut-t, ist auch gestern kein offizieller Be­richt über die deutsch-polnischen Verhandln n- g e n aus Genf hier eingetroffen. Rückftagen der maßgebenden Stellen in Berlin haben kein Er­gebnis gezeitigt. Infolgedessen ist ein Sonder- Kurier der Regierung nach Genf abgcreist, um sich über den Stand der Verhandlungen zu unter­richten. Man vermutet, daß sich in den dcutsch- xolnischen Verhandlungen Schwierigkei­ten in den letzten Tagen ergeben haben.

Hilfe für Rußland.

Der größte Nahrungsmittel-Transport.

(PAvat-Telegramm.)

Stettin, 22. Februar.

In Stettin liegt feit Wochen ladebereit und nur durch die starke Eisbildung an der Ab­fahrt verhindert ein neuer großer Transport des AnslandskomiteeS für die Hungernden in Rußland. Der Transport fall fvfort wenn die Eisverhältnisse es ermöglichen, mit bcm DampferRational" nach Reval in See gehen und von dort weiter direkt in die Hungergebiete geleitet werden. Tiefer Hilfstransport ist der größte und reichste, der bisher aus einem euro- päifchen Hafen für die Hungernden nach Ruß­land ab gegangen ist. Der Transport besteht un­ter anderem aus: 540 000 Kilogramm Roggcn- mehl, 75 000 Kilogramm Roggengetreide, 15000 Kilogramm Weizenmehl, 800 Fässern hollän­dische Margarine, 12000 Kilogramm Speck, 16000 Kilogramm Salz. 50000 Kilogramm Obst, 29 000 Kilogramm Kakao, 10 000 Kilogramm Maggisuppen und einer großen Ladung (gegen dreihundert Listen) Kleidern und Schuhen.

Streik-Nachklänge.

Anschrift eines Lokomotivführers.

Der Eisenbahnerstreu ist »war erledigt, abe» die Folgen find noch nicht riderwunde», nnd in de» DeroSnden finden noch Erörtern»««» darüber statt. Am auch eine Stimme aus Eiseabahuertrcise» zu Gehör kommen zu lassen, geben wir de» nachstehenden uns zug-yandtcu Slufia« wörtlich wieder.

Eines Mannes Red' ist keines Mannes Red', man mutz sie hören alle ßceh." Ein altes Sprich- und Wahrwort. Ach! schicke voraus, daß ich poli­tisch nicht organisiert bin, Patz mir alles Linksra- dikale verhaßt ist, auch datz ich den Beamtenstreik im allgemeinen ablehne. Alle Tagesblätter find sich darin einig, den Beamtenstreik zu verurtei­len; alle reiten von einem Lokomotivführerstrcik, obgleich die Reichsgewcrkschwft doch alle Beam- tcngruppen umfaßt und Schaffner, Weichen stel- lcr, Assistenten, Betriebssekretäre usw. in den Streit eintraten.

Als die Nationalversammlung in Weimar hie Verfassung sestgelegt hatte, wäre es doch selbstverständlich gewesen, daß die Wahlen zum neuen Reichstag ausgeschrieben und eine Reichs- Präsidentenwahl durch das VoA stattgefunden hätte. Nichts davon. Die damaligen Ge­walthaber fürchteten für ihre Aemter und so mußte erst durch das Eingreifen eines Kapp iu-- dirett hier Wandel geschaffen werden. Die Re-- gientng floh nach Dresden und später nach Stuttgart, obgleich Treuenbriezen oder Teltow weit genug gewesen wäre, und von hier aus ge­schah das Ungeheuerliche: Die Regierung befahl ihren eigenen Beamten den Streik, angeblich, mn Kapp niederzuzwingen, Bürger­krieg und Blutvergießen zu vermeiden, hie Re­publik und das Vaterland zu retten, meiner Mei­nung nach aber nur. um den Herren Präsidenten, Ministern, Oberpräsi-enten, Regierungspräsiden- icn, Landräten. Reichskommissaren, Oberbürger­meistern usw. ihre Aemter zu sichern. Der Streik, der nun einmal von der Regierung zu deren eigenem Vorteil den Beamten aufgezwungen wurde, mußte selbstredend von diesen auch zu Ihrem eigenen. Interesse als erlaubt angesehen werden.

Es will nichts heißen, wenn Lehrer streiken, eihalten doch dadurch die Kinder einige ver­gnügte Tage, oder Bürobeamte, deren Arbeit wohl liegen bleibt, aber doch nachträglich erledigt werden kann, ohne weitere Störungen hervor- zurusen. Anders der Lokomotivführer. Das Herz des Betriebes steht still und der Gefamtkör- per wird zur Erstarrung gezwungen.

Weshalb traten die Lokomotivführer geschlos­sen in den Streik? Unter Minister Maybach er­hielt der Stationsvorsteher und der Lokomotiv- führcr 2000 M Höchstgehalt, der Assistent 1800 X Tann kam Thielen und eine neue Besoldung. Der Vorsteher erhielt 3600 X der Assistent 2700 Ji und der Lokomotivführer 2200 X Später kam Breitenvach und nochmals eine neue Bc- foldung. Der Vorsteher erhielt 4500 X der Assi­stent 3600 M und der Lokomotivführer 2400 X die dann auf Betreiben des Verbandes Preuß.- Hess. Lokomotivführer auf 2500 M erhöht wur­den. Wso, eine systemaüsche Herunterdrückung des Lokomotivführerstandes, obgleich die Anfor­derungen an Liefen ständig durch die neuen gro­ßen und komplizierten Lokomotiven gesteigert wurden.

Bei der vorletzten Gehaltsaufbesserung wurde unfern berufenen Vertretern im Berkehrsmini« sterium vom Herrn Geh. Oberregierungsrat Hammer die Versicherung gegeben,_ daß die Lo­komotivführer in Gruppe 6, das älteste Drittel derselben als Spitzenstellung in Gruppe 7 ein« gestuft würden. Darob allgemeine Freude im Lokomotivführerstande. Als nun unser Verband die Einlösung dieses Versprechens verlangte, wurde Herr Geh. Rat Hammer pensioniert und sein Nachfolger crflärte: 1006 Stellen sind für Sie in Gruppe 7 vorgesehen und werden nach Belieben der Verwaltung und nach Ableg­ung einer Prüfung besetzt.

Im Dienste ergraute Lokomotivführer von 5565 Jahren sollen eine Prüfung ablegen, während man junge Werkmeister zum Werkstät- icn-Vorsteher, Ingenieur, Oberingenieur und zum Amtmann in Gruppe 10 ohne Prüfung be­fördert. Man will damit einen Keil in untere fefi gefügte Organisation einschicben. Durch die­ses "Vorgehen der Regierung ist die Verbitterung in die Reihen der Lokomottvsührer hineingeira- gen und da bei den letzten Besprechungen unser Vertreter mit dem Finanz- und Berkehrsmini- sterium unsere gerechten und begründeten For­derungen schroff zurückgewiescn worden sind, so wurde der Stteikvoden von der Regierung selbst gedüngt. Beamtengruppen, die früher weit hinter uns fanden, haben uns ein- und überholt. Anderen verspricht man Spitzen-, Verzahnnngs- nnd noch Beförderungsstellen vis zur Gruppe 9, und muß auch hierin abermals eine systematische Herunterdrückung des Lokomotivführerstandes gesehen werden. .

Im Durchschnitt verdiente vor dem Snegt ein Lokomotivführer monaMch 65 M Neben-