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ssckr Neueste Nuchrichtm
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Nummer 43
Fernsprecher 951 und 952
Sonntag, 19. Februar 1922.
Fernsprecher 951 und 952
12. Jahrgang
Die Bewegung öer Eisenbahnei'.
tof i faW
Dee deutsche Kurs
Nach den Wünschen der Alliierten.
bas Schicksal.
Die Hoffnung auf G e n u a wird von Woche zu Woche geringer, wenn man sicht, wie Eng- land dem Drängen Frankreichs auf Verschiebung der Konferenz nachaiöt und auch Jtasten sich von Frankreich überrenn läßt. Was wird überhaupt aus 8lohd George? Geht er oder geht er nicht? Hat Frankreich wirklich Gründ, auf einen noch nachgiebigeren britischen Ministerpräsidenten zu rechnen? Von London wird zwar amtlich erklärt. Llovd George denke nicht an den Rücktritt. aber was ist heute ein amtliches Dementi. Eine Ueberraschung ist die sonderbare Pariser Nachricht von einem sran-
scheu Abkommen, das, wäre, Deutschlands Untergang!
.In allen europäischen Ländern wird fortwährend vom Wiederaufbau Europas geredet, aber nirgends geht man ernstlich an diese Arbeit, weil jede Nation zuerst sich selbst aufbauen möchte. Nur Deutschland macht eine Ausnahme davon, nicht etwa aus übermäßiger Tugend, sondern unter dem Zwang von außen. Wenn kürzlich in englischen Zeitungen die Bemerkung zu le,en war, Deutschland habe keine eigene ziel- bewußte Politik, die deutsche Regierung richte sich ui ihren Handlungen nicht zuerst nach den Bedürfnissen des Volkes, sondern nach den Wünschen der Alliierten, so kann man das lecher nicht bestreiten. Alles wo.2 bei uns unternommen wird, geschieht im Zeichen des Erfnllungsprogramms. Die Idee, daß zuerst die Alliierten kommen, dann noch einmal die Alliiertem und dann auch einmal Deutschland, be- herrscht die deutsche Politik wie eine unglück- i^rsie Macht. Daß unter solchen Umständen die alliierten Regierungen mit dem Kabinett Wtrth, dos auf Grund des Vertrauensvotums für absehbare Zeit die Staatsgeschäfte weiterführen wird, zufrieden sind, ist schon erklärlich. Dabei taucht die Frage auf, ob eine andere Regierung Besseres für Deutschland leisten könnte. Eine rein sozi.Aistifche Regierung würde sich erst recht zu feder Erfüllung den Alliierten gegenüber verpflichten und daneben innerpolitisch einseitige EjDerimenite auf Kosten der Gesamtheit machen. Erne nur rechts gerichtete Regierung würde tnnerpoutifch zu alten Methoden zurückkehren und außenpolitisch jeder übermäßigen Entente- «egenüöer Nein sagen. In beiden Fallen, rein links oder rein rechts, wäre bitter- ster Parteikampf, sowie Gewaltmaßnahmen der E n t e n t e die Folge.
Wie die Verhältnisse nun einmal liegen, geht m ”27 mtU!ner< Regierung der ausgleichenden M/tte Aber dazu ist eine breite Grundlage erforderlich, etwa von der Deutschen Volkspartei bis zur Sozialdemokratie, eine Grundlage, in der die Interessen der Volksgesamtheit verkörpert wären. Es dürfen nicht Sonderwunsche um dieser oder jener Partei willen maßgebend sein, sondern es muß die Einsicht walten, daß Rücksicht zu nehmen ist. Nur wenn sich rede Gruppe zu der Erkenntnis durchringt, daß Andere auch noch da sind, daß jede Gruppe nur ein Teil des Ganzen ist, und daß Fortschritt nur da ist, wo das Ganze gefördert wird, daun kann in wen politisch das deutsch« VE ge- ^n Urld was ist außenpolitisch zu tun? gurrst ilt dcifur zu sorgen, daß ein vernünftiges SelbstbewuiztfeiN wiedcrkehrt. Mit der infamen Schuldluge sollte endlich auch von amtlicher Seite aus aufgeräumt werden, so wie es glück- licherweise fetzt in Vatzern begonnen toirb.' Der Gedanke, daß wir uns in ein S k l a v e n s ch i ck- sal fügen und die Fußtritte der Alliierten je- derzcrt entgegennchmen müßten, wie ihn die bisherige Berliner Politik befolgte, ist entschieden zu verwerfen.
Da es das Los des Besiegten ist, daß er die Kosten zahlen muß, so sollen diese Kosten auch tatsächlich errechnet nnd die Schäden gegeneinander gehalten weiden. Soweit Deurschlaiw dann noch verpflichtet ist, muß cs Entschädigung leisten, wie sie mit dem National- u/Ä65” mch der Volkskraft vereinbar sst. Aber die WahnsinnApolitik der Gegner, daß wir sie e:n halbes Jahrhundert lang als die oe- strengen Herren fürchten sollen, muß ein- für allemal verneint werden. Di- Schwierigkeiten die einer deutschen Regierung, mag sie heißen wie sie wolle, entgegenstehen, wenn sie den ausgefahrenen Weg verlassen will, sollen nicht nn- terMitzt werden. Wir haben die Folgen der !r.“I’e’;en Fehler zu tragen, die im Versailler Vertrag durch die deutschen Unterschriften festgehalten wurden. Was wir in den zwei Jahren erlitten haben, das hat dort seinen Ursprung. Aber einmal umß doch die Wendung vollzogen werden. Anstalt der steten Bereitwilligkeit zur Erfüllung jenes Zwangsvcrträges muß die Revisiondes Versailler Dik- tats an oberste Stelle gesetzt werden. Herr Wirth hat zwar auch schon in ähnlichem Sinne geredet, aber seine Haltung glich bisher dem orientalischen Fatalismus, der Ergebenheit ht
bedeuten würde. Die Bestimmung, daß wir Zu erwarten auch noch die russischen Schulden an Frankreich zahlen sollen, ist so ungeheuerlich, daß die Nachricht nickst glaubhaft erscheint. Es ist auch nicht gut denkbar, daß England die französische Vormachtstellung in Europa derart wachsen lassen würde. Andererseits ist cs ein Widerspruch, daß eine bolschewistische Regierung sich in ein Ab- hängigkeitsverhältnis zu dem imperialistischen Frankreich begeben ivürde. Es bleibt also Näheres abzuwartrn. Der deutschen Regierung steht aber damit, da irgend etwas im Werden zu sein scheint, eine neue Aufgabe bevor. K. F. Dr.
Die erregten Eisenbahner.
Proteste gegen die Massregelungen.
(Eigener Drahtbericht.i
Berlin, 18. Februar.
Die Besprechungen im erweiterten Vorstand der Reichsgewerkschaft deutscher Eisen- bahnbcamtcn irnd -Anwärter nahmen einen erregten Verlauf. Trotzdem ist zu erwarten, dass der auf die Proklamierung eines neuen Streiks drängende Flügel diesmal innerhalb des Vorstandes der Reichsgcwerkschast nicht die Oberhand gewinnen dürfte. Der Führer Menne erging sich über den Streik nnd sagte, daß die Reichsgewcrkschaft keinen Fussbreit uachgcben, sondern auf der Höhe ihrer Kraft den Streik abgebrochen habe, nm zu verhindern, dass die Kommunisten die Bewegung zu ihren Gunsten ansnutzten Weiter erklärte Menne, dass die Eisenbahner den Streik nicht abgebrochen, sondern nur unterbrochen hätten, um der Regierung eine Atempause zu gewähren. Die Ausführungen des Vorsitzenden Menne wurden sehr lebhaft bekämpft; wrnn die Streikleitung wirklich noch auf der Höhe ihrer Macht gewesen wäre, so hätte sie niemals dulden dürfen, daß die Regierung überhaupt Massregelungen vornehme. In der Streikleitung seien Wirrköpfe gewesen, die mich versucht ljät- tcn, die rein wirtschaftliche Bewegung auf ein politisches GleiS zu schieben. Die Anhänger der radikalen Richtung erklärten, dass der Ei- senüahnerstrcik eine Machtsraste geworden sei, und dass aus diesem Grunde die Beamten sofort wieder in den Streik treten müssten, »m die restlose Zurücknahme der eingeleitrten Massregelungen zu erzwingen.
habe. Wenn man schon in Set- Im alles gleich machen wolle, dann solle man das erst dann tun, wenn man sich dort über die bayerische« Verhältniffe informiert habe.
Vorbereitung für Genua.
Regierung, Handel und Industrie.
(Privat-T elegramm.Z
Berlin, 18. Februar.
Heber den Stand der deutschen Vorarbeiten für die Konferenz von Genua berichtet man uns von zuständiger Stelle: Seit geraumer Zett bitt den die technischen Vorbereitungen für die Konferenz von Genua den Gegenstand eingehendster Beratungen aller Ministerien. Es ist na- mentlich das Reichswirtschastsministerium, dem eine besondere Rolle in diesen Besprechungen zu- sällt im Hinblick auf die enge Fühlungnahme, die mit den Spitzenorrbänden des Handels, der Industrie und der W i r t s ch a s t herzustellen war. Das Reichswirtschastsministerium hat die Wichtigkeit dieser Fühlungnahme vollauf erkannt und die Verbindung mit den leitenden Fachverbänden bereits ausgenommen. Das Konferenzprogramm für Genua erweist sich als viel um- fastender, als zunächst übersehen werden konnte. Dementsprechend haben auch die Beratungen sich auf einen grosse« Fragenkomplex erstrecken müssen.
e
Das umfangreiche Programm.
Berlin, 18. Februar. (Privattelegramm.) Als wichtigste Fragen sollen in Genua die folgenden behandelt werden: Finanzfragen, Regelung des Geldumlaufs, die Frage der Zentral- n'id Emi'stt nsbattten der Wiederaufbau, Valuta- stagcn, Organisation des Kredits, allgemeine Wirtfchafts- und Handelsfrage«, Erleichterung und Sicherung der Ein- und Ausfuhr, Schutz des industriellen, literarischen und künstlerischen Eigentums, Regelung des Konsularwescns, Stellung der Ausländer inbezrrg auf Ausübung des Handels, technische Hilfe beim industriellen Wiederaufbau, Transportwesen ufte. ließet alle diese Fragen haben gründliche Beratungen im Auswärtigen Amt stattgefunden, an denen Reichs - wirtschastSministerium, Reichsfinanzministerium und Reichsbank führend beteiligt waren. Bei der Fülle der zu erörternden Fragen ergibt es sich von selbst, dass die einzelnen Ressorts bis zum Tage des Künserettzbeginns alle Hände voll zu tun haben werden, die technischen Unterlagen für die deutsche Delegation und deren Programm si'rti«ustellen. Heber die Zusammensetzung der -eutstssen Delegation ist noch nichts feftgestellt.
tim Oberschltflea.
Dio französischen Treibereien.
(Eigene Drcchtmeldung.)
Berlin, 18. Februar.
Wie a«S Paris berichtet wird, wurde die Schiesserei in Petersdorf in der französischen Kammer besprochen und ganz ungerechterweise der deutschen Regierung ein Verschulden öeigcmessen, obwohl die deutsche Behörde in den von alliierten Truppen besetzten Gebieten keinen Einfluss hat. Poincarö sagte, die französi. sche Regierung werde Zwangsmassnahmen ergreifen. Er zweifle nicht daran, dass die Botschafterkonferenz, wenn Mitschuldige auS dem deutschen Reiche festgestellt worden seien, energische und strenge Maßnahmen verlange. Die deutsche Regierung habe eine Untersuchung versprochen, deren Ergebnis, wie zu erwarten war, negativ ausgefallen sei. General Lerond werde nichts vernachlässigen, damit Gerechtigkeit geschehe. Es habe den ähtfdjein, dass der Angriff in Petersdorf von Elementen einer mächtigen devtschen Organisation geleitet worden sei.
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Französische Machtmittel.
Paris, 18. Februar. (Eigene Drcchtmel- duna.) In der bewegten Kämmersitzung über den Petersdorfer Zwischenfall, in der der französische Ministerpräsident mit neuen Sanktionen gegen Deutschland drohte, erhielt Poin - cor e ein einstimmiges Vertrauensvotum. Wie aus Gleiwitz gemeldet wird, haben fr an zö fische Soldaten in der Wohnung des Geschäftsführers der deutschnationalcn Partei, ebenso wie im Parteibureau eine Haussuchung vorgenommen. Der Geschäftsführer selbst scheint deretts verhaftet zu fein. Weiter fand eine Durchsuchung eines Gasthauses statt.
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Deutscher Protest.
Berlin, 1$». Februar. (Privattelegramm.) Gegen die französischen Versuche, der deutschen Regierung die Verantwortung für den Petersdorfer Zwischenfall zuzuschieben, hat die Reichs- rcgierung schärfste Verwahrung eingelegt.
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Beim Reichskanzler.
Berlin, 18. Februar. (Privattelegramm.) Tie Beratungen des Vorstandes der Reichsgewerk- schaft dauern noch an. Bisher li gen noch lei nerlej endgültige Beschlüsse des Vorstandes vor. Ebenso lässt sich die Haltung des Vorstandes in der Streitfrage noch nicht prä'isieren. Gestern mittag hat sich eine Kommission aus Mitgliedern des erweiterten Vorstandes zum Reichskanzler begeben, um mit diesem erneut die Frage der Massregelungen zu vefprschen. da die Vorstandsberamngen ergeben tzaben, dass in der Beamtenschaft eine starke Erregung wegen der vom Reichs- verkehrsminißer angeordneten Massregelungen herrscht. Ter Kanzler soll ihnen beruhigende Zusicherungen gemacht haben.
A 1
Dos Disziplinarverfahren.
Berlin, 18. Februar. (Privattelegramm.) In der gestrigen Sitzung des Vorstandes der Reichsgewerkschast der Eisenbahner wurde das zahlenmäßige Material über Maßregelungen bei der Eisenbahnverwaltung bekannt gegeben. Danach find bis zum Mittwoch abend zweihundertsiebenundzwanziz Disziplinarverfahren gegen Beamte im Reiche eingeleitet worden.
Proteste aus Bayern.
Eisenbahner gegen den Reichsetat.
(Eigener Drichtberichl.)
München, 18. Februar.
Die vom Reichsverkehrsministerium aufge stellten Sparsamkeits-Richtlinien, nach denen in Bayern bis zum 1. März achtzehnhundert Eisenbahner zu entlassen find, haben in bayrischen Eisenbahnerkreisen grosse Erregung verursacht. Zunächst wird mit Entschiedenheit bestritten, daß in Bayern zu viel Unterpersonal in den Betrieben vorhanden sei. Auch kehre man sich in Bayern nicht an den schematischen Achtstundentag, wie im Bereich der früheren preussisch-hessischen Eisenbahnverwaltung. Im März müßten achtzehnhundert Eisenbahner entlassen roeroen. obwohl man ich Frühjahr und Sommer gertche in Bayern eine starke Verkehrszunahme
Teure Futtermittel.
Anklage gegen die Reichsgetreidestelle.
Nachdem die Zwangswirtschaft deseittat Word« tst, desteht noch al# ein Nest jener Kriege, und RachkriegSmatznahmen die N-ichSgetreideftelle, die für gerechte Erfaffnng nnd Derreilnag sorge« soU. Datz dabei nicht tmmer vorteilhaft gewirtschaftet wird, geht ans folgendem Bericht hervor, Im Jahre 192) häuften sich in den Mühlen die Kleide stände. die der Reichsgetreide, stelle zur Verfügung standen, ttotz der allgemein herrschenden Futtermittelnot derart an, haft die Mühlenbesitzer um Entleerung der Spei' cher baten, und die Landwirtschaft die Reichsgetreidestelle geradezu anflchte. ihr die Kleie zu überlassen. Die Antwort lautete da. mals, daß über die Vorräte bereits verfügt sei und sie deshalb keine Kleie zur Verfii. gung stellen könne. Den Mühlenbesitzern kam man dahin entgegen, daß man die Vorräte aus ihren Speichern herausholte, um sie in allen möglichen ungeeigneten Lagerräumen zu h**' stauen, wo sie einer sicheren
Verderbnis und Unbrauchbarkeit
zur Verfütterung entgegenfaulten. Inwiefern damals über die Kleie verfügt war, ist nicht ersichtlich. Jedenfalls bietet die Reichsgetreidestelle zurzeit ihre Ware der Landwirtschaft an, die jedoch nicht mehr viel damit anzufangen weiß, b» die Qualität der Kleie inzwischen so gelitten hat. daß man mit ihrer Verfütterung das Vieh u. damit sowohl die Fleisch- als auch die Milch- wirtschaft ernstlichen gesundheitlichen Gefahren aussetzen würde. — Ist es nun schon schlimm genug, daß die Reichsgetreidestelle, die dazu ins Leben 6Hd?en worden war, datz sie Lebens- und Futtermittel dem Volke erhalten sollte, auf diese Weise nur dazu diente, vorhandene Futtermittel verderben zu lassen u. sie der Wirtschaft zu entziehen, so ist doch diese Fahrlässigkeit noch nichts gegen die Preisbildung, die von diesem Jnstittrt getrieben wird. Diese Kleie wurde da- wctls zum Preise von 37,50 Mark für den Dov- pelzentner eingekauft. Die Reichsgetreidestelle bietet sie nunmehr an zum Preise von 3M Mark (!) für den Doppelzentner. Im Laufe von weniger als Jahresfrist wird also verdorbene Ware
um tausend Prozent teurer
verkauft als die gesunde eiugÄkauft wurde. ER muß besonders darauf hingewiesen werden, dass es sich nicht etwa um Keine Bestände handelt. Es handelt sich um die ungeheuere Menge, die im vorigen Jahre in den Speichern der Mühlen« bescher keinen Platz mehr fand. Wie Oekonomie« rat Conrad in der »Schlesischen Zeitung" mitt teilt, sind allein einem ponnnerschen Kommunal, verband sechstausend Zentner verstrickter Kleie angeboten worden. Der vernünftige Landwirt lehnt natürlich den Ankauf solcher Ware ab. Lekonomierat Conrad gibt der berechtigten Be- sirrchtung Ausdruck, daß die Kleie nunmehr an die unreellen Zwischenhändler losgeschlagen wird, denen wir schon so ost die Preissteigerung bei Kartoffeln und Getreide zu danken hatten. Diese Leute werden das Zeug in andere Futtermittel hineinveMengen und so au8 dem Vertrieb von Jnfektionsstofs für Viehseuchen ein glänzendes Geschäft machen. — Der Land, bund der Provinz Sachsen hat durch sei' »en Rechtsanwalt beim Landesvolizetamt Berlin
Strafanzeige gegen die Getreidestelle
und deren verantwortlichen Organe wegen Wuchers erstatten lassen. Dian wird diesem Pro, netz mit Spannung entgegensehen dürfen, wird sich doch hier ein Wirtschaftsorgan des Reiches wegen einer Versündigung gegen die Wohlfrchrt dez Volkes verantworten müssen. Der Frevel, der in dieser Verschleuderung von Viehnährimg liegt, läßt sich nickst mehr gutmachen. Aus ver, dorbener Kleie läßt sich nicht einmal mehr ein Hundekuchen backen. Dieser Vorfall wird Manchem die Augen öffnen. '
Die Not der Leitungen.
Entschliessung der Frankfurter Betriebsräte
Die Betriebsräte der Frankfurter Tageszei« ttingen baden eine Entschließung gefaßt, in der sie au die Reichsregierung das Ersuchen richten, daß sie der Lage im Zeitungsgewerbe erhöhte Aufmerksamkeit zuwenden möge. Die Entt schließung besagt: .Im besonderen haben die hohen Papierpreise bereits zum Unter- gang von Tageszeitungen geführt und gefährden auch weiter aufs HSchfw den Bestand vieler, selbst bedeutenderer Tageszeitungen. Geeignete Maßnahmen, die bestehende Notlage zu bessern, sehen wir in folgendem: 1. Sperrung der AuSftchr von Zellstoff und mafchinenglattem Druckpapier so- weit wie nötig, um den Inlandsbedarf sicherzustellen. Erfassung der Ausfuhrgewinne der noch notwendigen Ausfuhr zur Senkung der Preise im Inland. 2. Freigabe der erforderlichen Menge Papierhok, zu mäßigen Preisen durch staatliche Forstverwaltungen. 3. Kontrolle der Heritelluna und des Berkau« der auS dem frei«