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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 42.Fernsprecher 951 und 952 Sonnabend, 18. Februar 1922. Fernsprecher 951 und 952 12. Jahrgang.

Jnsertionspreife a) Einheimische Aufträge: Die einspaltige Anzeigenzeile M. 2.5die einspalttge Reilamezeile M. 6.25. b) Auswärtige Aufträge: Die einspaltige Anzeigenzeile M. 2.50, die einspaltige Reklame-eile M. 6 25, alles einschließlich Deuerungszuschlag und Anzeigensteuer. Für Anzeigen mir besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Für di« Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme- baten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden. Druckerei: Schlacht- hofftraße 28/30. Geschäftsstelle-: Kölnische Straße 5, Telephon Nummer 951 und 952.

Neue Hetze zum Ausstand.

SwifchenOstunbWefl

Ein.^frauzösifcH-russisches Abkommen?

Das eben noch von den Westmächten so erbittert gehaßte und befehdete Sowjetrutzland ist über Nacht salonfähig geworden. Man be- Snügt sich nicht damit, den Moskauer Macht- abern ihre einmal nicht zu leugnende Existenz zu verzeihen, man reißt sich sogar um die Freundschaft der Herren Lenin und Trotzki, Frankreich, das sich in seiner russischen Politik während den letzten Jahren in einen diametra­len Gegensatz zu England gestellt hatte, vertei­digte bekanntlich die These, daß jede Berührung mit den Bolschewisten für die Moral Europas äußerst schädlich und deshalb zu vermeiden sei, und nur so ganz nebenbei ließ man durchblicken, daß sich der Groll gegen das ehemalige Zaren­reich erheblich mildern ließe, wenn die Mos­kauer Gewalthaber die russischen Vor - kriegsschnlden anerkennen würde. Dir französische Moral ist also ein durchaus kurs­fähiger Begriff, und wenn die russischen Kom- MliNisten wirtlich ernste Mene machen wollten, die zwanzig bis dreißig Milliarden, die der rus­sische Staat dem französischen Volke schuldet, zu­rückzuzahlen, oder wenigstens doch anzuerken­nen, so ließe Marianne nur zu gern mit sich reden und würde sich nicht unwillig sogar in ein politisches Techtelmechtel mit den rauhen Bolschewisten einlassen.

Aus die beginnende russisch-franzö­sische Annäherung ist von uns bereits wiederholt hingewiesen worden, unter gleichzei­tiger Betonung der ernsten Bedenken, die ein solches Zusammengehen der früheren Allianz- Mächte in Deutschland Hervorrufen tonnte. Alles wird dabei natürlich von der Haltung Ruß­lands abhängen, denn dieses allein Wäre in der Lage, die französischen Bestrebungen zur wirt­schaftlichen Niederhaltung Deutschlands auszu­gleichen. Bei Frankreich muffen wir uns auch in der russischen Frage stets gewärtig batten, daß es bei aller Wahrung seiner wirtschaftlichen Interessen sich doch in erster Linie von politi­schen Beweggründen leiten läßt, daß also selbst die zunächst rein wirtschaftlichen Beziehungen, die soeben zwischen Paris und Moskmt ange­bahnt worden sind, letzten Endes politische Zwecke verfolgen, mit der Spitze gegen Deutschland. Auch in Frankreich kann man nicht blind dagegen sein, daß derpolnische Wall", den man im Osten Deutschlands aufge- richtct hat, bei einem Wichererstarken Deutsch­lands und Rußlands keine ausschlaggebende Rolle spielen könnte. Polen mit seiner voll­kommenen wirtschaftlichen Abhängigkeit nach Ost und West, mit seiner ungünstigen politischen Lage zwischen zwei großen Staaten, mit seiner schlechten inneren Organisation, würde im Ernst­fälle so zermalmt werden, daß es Frankreich kaum die wünschenswerte Brmdeshilffe zu leisten vermöchte. Ganz anders liegen die Dinge, wenn Polen nicht mit der Gefahr zu rechnen hätte, daß ihui der russische Bär mit seinen Riesenkräften in den Rücken siele. Ist diese Gefahr beseitigt, dann ivükde Polen nicht nur seine militärisch- politische Aufgabe die ihm Frankreich stellt, zu erfüllen in der Lage sein, es würde überdies als Durchgangsland nach Sowjetrutzland Deutsch­land endgültig an jeglicher Entfaltung nach Osten zu hindern und damit eine seiner wich­tigsten Lebensadern zu unterbinden vermögen.

Diese Wünsche bestimmen die französische Po­litik gegen Sowjetrußland, dem man alle Vor­teile der wirtschaftlichen Wiederaufrichtung bie­tet, ohne es sür seine Verbindlichkeiten aus der Vorkriegszeit über Gebühr in Anspruch zu neh­men. Auf welche Weise dies nach der franzö­sischen Idee geschehen soll, ist bekannt. Ruß­land soll sich verpflichten, seine im Versailler Friedensvertrag von der übrigen Entente ihm zugesicherten Rechte auf Reparation geltend zu machen und seine Rechte an Frankreich ab­zutreten, wogegen Frankreich sich zur Hevgabe von Sachwerten in Höhe der russischen Entschä­digungsforderung. etwa achthuiwert Mllionen Goldfranken, verpflichtet, die Deutschland zu liefern hätte. Rußland solle damit in die Lage versetzt werden, ohne Ausfuhr von Gold oder Waren einen großen Teil der Wiederaufbau­arbeiten seines Landes auf Kosten Deutsch­lands zu leisten.

Mit einem solchen Abkommen hätte sich Frankreich ein Prioritätsrecht auf alle von Ruß­land zu vergebenden Konzessionen ge­sichert in einem Umsange, wie dies bisher nicht für möglich gehalten worden wäre. Für Deutschland würde das Abkommen eine Mehr­leistung von achthundert Millionen Goldfranken Sachlieferungen bedeuten, ohne jede Gegenlei­stung Rußlands, während andererseits England durch diese Gratislieferungen Deutsch­lands einstweilen vollständig vom russischen Markte verdrängt würde. Schon aus diesem Grunde wird man nicht annehmen können, daß England, das als erstes Land sür den Wieder­aufbau Rußlands und die Wiederherstellung der Handelsbeziehungen zu diesem eingetreten ist,

gleichmütig eine derartige französisch-russische Abmachung hinnehmen würde, die außerdem in Anbetracht der politischen Konsequenzen, beson­ders in Asien, Folgen zeitigen könnte, die für das englische Reich außerordentlich verhängnis­voll werden müssen. Der alle russisch-englische Gegensatz, die frühere Rivalität zwischen den beiden Vormächten in Asien, würde wieder auf­tauchen und zu einer neuen und gefährlicheren Spannung in der Welt führen. Nimmt man hinzu, daß auch die bolschewistische Sache durch ein derartiges, ausschließlich dem französischen Kapitalismus dienendes Geschäft an Kredit bei dem gesamten internationalen Proletariat viel, wenn nickst alles verlieren würde, so kann man kaum glauben, daß die Moskauer Sowfetregie- rung den Vereinbarungen ihres Unterhändlers S-kobelew mit der französischen Regierung ihre Billigung zuteil werden lassen sollte. NPK.

StreN-Nachklänge.

Reue unverantwortliche Streikhetze.

(Eigene Trabimeldung.t

München, 17. Februar.

In der gestrigen Sitzung des bayrischen Landtags erklärte der U. S. P.-Abgeordnete Neumann, das; der nächste Eisenbahner­streik aus einer breiteren Grundlage und auf einer wesentlich verbreiterten Front sich abspie- lcn und auch nicht ohne Blutvergießen verlaufen werde. (?) Außerdem erklärte der Red­ner, daß auf einen Streik sämtlicher Buchdrucker und Setzer hingearheitet werden muffe, weil nur so die Regierungen und das Großkapital auf die Knie zu zwingen seien. (!) Wenn acht bis vier- zehn Tage keine Zeitungen erschienen, dann würden sich die Regierungen endlich aufraffen, dem Wuchergesindel an die Kehle zu fahren. (?) Das wäre ein Streik, der den Einsatz lohne, und zu diesem Streik hoffe man die Arbeiterschaft noch hinrcißen zu können. Von diesem Mittel werde sie Gebrauch machen, wenn die Regierung die Handhabe dazu biete. Die Regierung habe gegen den Wucher noch nichts getan.

Die Bestrafungen.

Berlin, 17. Februar. (Prviattelegramm.) Halbamtlich wird über die Frage der Diszipli­nierung eine Auslassung verbreitet, wonach nur wenige Urheber von Sabotage, sowie Be­amte, die sich gewalttätig an Arbeitswilligen vergriffen haben, entlassen worden seien. Dem­gegenüber steht die Zahl der beantragten Dis­ziplinarverfahren noch nicht fest. Alle Nachrich­ten darüber sind unrichtig. Die Zahl ist aber gering, wenn man die Gesamtzahl der Strei­kenden in Vergleich zieht, die sich auf minde­stens hunderttausend belaufen hat.

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Der Vorstand der NelchSgewerkschast.

Berlin, 17. Februar. (Privattelegramm.) Die gestrigen Verhandlungen des erweiterten Vorstandes der Reichsgewerkschaft deut­scher Eisenbahnbeamter und Anwärter beschäf­tigte sich mit der Entlassung von Eisenbahnern während des Streiks. Es wurde das Material über die bereits verfügten Disziplinierungen zu- sammengestellt und zwar nach Anhörung der Ver­treter der einzelnen Direktionsverbände. Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen worden.

Verteuerung der Frachten.

Wieder zwanzig Prozent Zuschlag.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 17. Februar.

Nach einer halbamtlichen Mitteilung werden die G ü t e r - T a r i fe schon vom 1. März ab er­neut um zwanzig Prozent erhöht werden. Be­kanntlich wurden zum 1. Februar die Eisenbahn- Gütertarife gegenüber den Tarifen des Vorjah­res erheblich erhöht. Sie werden im Februar dos Doppelte der Herbsttarife betragen. Gegen­über den Friedenstarifen machen sie, namentlich auf nähere Entfernungen, das 35Wache aus, für viel Güter aber noch erheblich mehr, da eine ganze Reihe von Ausnahmetarifen und sonstigen Vergünstigungen weggesallcn ist. Tie Mchrbe lastunn der deutschen Wirtschaft durch diele Ta­riferhöhungen macht einige dreißig Milliarden aus. Ta dies noch nicht genügt, erfolgt die neue Erhöhung schon vom 1. März cib. Sckstitzt man die Herbsttarife gleich 100, so werden die März- tarifc also gleich 240 sein, mit anderen Worten, in vier Monaten springen die Trmisportvreise auf das SMfn'ftc. Auch das wird natürlich nicht dau- -rnd helfen. Diele »ngeheueren Verteuerungen Du staatlichen Berwattunacn verteuern alle

Preise und die gesamte Lebenshaltung. Sie brin­gen also weitere Gehalts- und Lohnerhöhungen, sowie erhöhte Selbstkosten bei der Bahn mit sich.

Nach öemVsrrramkwvotum.

Scheidemann über das Kabinett Wirth.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 17. Februar.

ImVorwärts" veröffentlicht Abgeordneter Scheide mann einen Leitartikel, unter der Ueberschrift:Mehrheit ohne Klarheit". Er schreibt darin;Die Situation ist jetzt so, daß die Regierungsparteien entweder Zuwachs von Links oder von Rechts haben müssen, wenn sie überhaupt wieder arbeitsfähig werden wollen. Wie weit überhaupt eine Erweiterung der Koa­lition durch die Deutsche Volkspartei in Betracht kommen könnte, ist vorläufig nicht abzusehen, nachdem sie erst gegen das Kabinett Witth ein Mißtrauensvotum beantragt hatte." In einer Nachschrift derVorwärts"-Redaktion heißt es: Es mutz in aller Ruhe versucht werden, mit der Mehrheit vom 15. Februar die Finanzre­form unter Dach und Fach zu bringen, wobei sachliche Unterstützung von Rechts und Links mit Tank angenommen werden könnte. Erst wenn diese Frage scheitert, weil kein genügend großer Teil der bürgerlichen Parteien sich findet, um den Besitz in einigermaßen (?) berechtigter Weise zu den Lasten heranzuziehen, erst dann würde die Situation zu einer Klärung durch Neuwahlen des Reichstages reif fein."

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Französische Vreffestimmen.

Paris, 17. Februar. (Eigene Drahtmel­dung.) Zur Abstimmung im Deutschen Reichs­tag schreibtJournal des Debats": Wirth ist nur geduldet; er gilt als vorübergehend unent­behrlich wegen der außenpolitischen Lage.Li­berte" folgert aus der schwachen Mehrheit, die das Vertrauensvotum fand, dah die Autori­tät des Kanzlers nicht sehr groß ist. Deutschland werde seine Verpflichtungen an Geld- und Sachleistungen nur erfüllen, wenn die alliierte Exekutive nicht nach gebe. (!) DerTemps" betont, man könne von der Abstim- nntng nicht mehr erwarten, weil der Reichstag ein Kind der Wahlen vom Juli 1920 sei.

Unter öem Zwang 6er Gnknte.

Berlsn, 17. Februar. (Privattelegramm.) Anläßlich der Bemerkung des Zentrumsabgeord- iictcn Marx in der Mittwoch-Sitzung des Reichs­tages, die Entente würde einen Sturz des Kabinetts Wirth mit neuen Sanktio­nen beantworten, haben die Unabhängigen und Kommunisten gemeinsam eine Anfrage an den Reichstag eingebracht, in der eine amtliche Erklärung über diese schwerwiegende Äe- hauptung verlangt wird, die der Reichskanzler in der Mittwoch-Sitzung unwidersprochen ließ.

Die Deutschen Lützlungen.

Höhe der Summen und die Bürgschaften.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 17. Februar.

Die Reparationskommission wird am Mon­tag die von ihr festgelegte Höhe der deutschen Zahlungen für 1922 bekannt geben. Auch die von Deutschland neuerdings zu gebenden Bürg­schaften und Pfänder werden von der Repara­tionskommission bis Montag festgelegt sein. Die Konferenz der alliierten Finanzminister findet zwischen dem 25. und 27. Februar statt. Erst dann werden die Beschlüsse per ReparationSkom- mission Deutschland bekannt gegeben werden. Die Blatter teilen mit, daß heute die vierte Zahlung von einunddreißig Millio­nen Goldmark durch Deutschland fällig ist.

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Sine Milderung?

Paris, 17. Februar. (Eigene Drahtmel- bung.) Pariser Blätter berichten, daß der eng­lische Vertreter im Reparationsausschuß bean­tragen werde, die deutschen Barzahlungen für 1922 auf fünfhundert Milli o neu Goldmark, wie fdwp im. Londoner Abkom mcn gefordert war, festzusetzen und nicht auf 720 Millionen, wie in Cannes vereinbart wurde. Die englische Rvte über den französischen Vorschlag die Entscheidung über die deutsche R'parativnsnote vom 22. Januar der Repc-ra- tionskouimifsion zu übertragen, 'st lautTemps" noch nicht r« Paris eiugettoffen.

Folgen des Streiks.

Die ungenügende Kohlenversorgung.

Wie uns gestern «in Telegramm berichtete, ist dem Reiche durch den Eifenbahnrrstre» ein Scha. den in S»he von dreieinhalb Miiltardeu Mark entstände!'. Dazu kommt aber noch der Schade», den die Bevölkerung zu tragen hat. Zur Nachfol­genden werden ut;6 einige Beispiele mitgeteiltr Die Kohlenversorgung ist durch den Verkohrs- streik in schwerstem Maße beeinträchtigt worden. Der Kleinhandel verfügt nur noch über ganz geringe Mengen, und auch in der Indu­strie sind die vorhandenen Vorräte nahezu aus­gebrauchff so daß der völlige Zusammenbruch der Kohlenversorgung und damit eine Wirt- schafts-Katastrophe bei einem länger dauernden Streik unvermeidlich gewesen wäre. Aus allen Industriegebieten werden Betriebsbeschränkun- gen, -Einstellungen und Arbeiterenilaffungen ge­meldet. Hochäsen mußten ausgekflasen werden. Nur zwei Beispiele: das Grufon-Werk bei Magdeburg, sowie die Friedrich-Alfred-Hütte im westfälischen Jndustriebezirk müssen infolge Koh­lenmangels feiern. Die Kohlenförderung selbst hat sowohl in Westfalen, als auch in Sach­sen stillgelegt werden müssen; auch in Oberschle- sten haben bereits einige Gruben mit der För, derungseinstellung begonnen. Die Wagenab­fuhr ist in Mitteldeutschland einigermaßen im Gang gehalten, wobei zu berücksichtigen ist, daß ja die Förderung sowieso geringer war als zu normalen Zeiten. Im Hausbrand leiden Krankenhäuser, Gebäranstalten, Kliniken ustv., wie berichtet wird, infolge Mangels an Kohlen ÖNot. Mehrfach wurden Schulen infolge nmangels geschloffen. Die Versorgung mit Holz leistete nur unvollkommen Ersatz. Die Bäckerei - und LebenSmittelbetriede der meisten Großstädte im Reich sind infolge des Verkehrsstreils durch Kvhlenmangel erheb­lich bedroht. Hier waren, ohne daß einem gro­ßen Teil der Bevölkerung diese Tatsache zum Bewußtsein gekommen wäre, insbesondere für die minderbemittelte Bevölkerung durch den Streik die ernstesten Gefahren heraußbeschworen und nur mit Mühe gelang es, durch Versorgung der Großbetriebe mit Braunkohlen und Briketts, eine Katastrophe zu vermeiden.

In Süddeutschland ist die Kohkenver» sorgung von Industrie und Hausbrand zurzeit noch nicht zusammengebrochen, doch gibt auch hier die Lage zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Zwar schwimmen noch Kohlen auf dem Rhein, die für Bayern bestimmt sind; da aber die Ka­näle für den Weitertransport zugefroren sind und der Schlcpperverkehr aufgehört hat. wird cs besonders schwer halten, genügende Mengen Kohlen nach Bayern zu befördern. Für Groß-Berlin ist es gelungen, infolge der besonderen Anstrengungen des Kohlenkommis­sars, den völligen Zusammenbruch der Kohlen- Versorgung aufzuhatten. Das oberflächlich umrissene Bild der augenblicklichen Kohlenlage im Reich zeigt die schweren wirtschaftlichen Fol- gen, die der Eisenbahnerstreik heraufbeschworen hat. Wenn die völlige Katastrophe für diesmal noch ausgeblieben ist, so ist die Gefahr aber keineswegs vorüber; denn auch bei dem allmählichen Eintritt normaler Verkshrsverhält- niffe wird es noch weitere acht bis zehn Tage dauern, bis der Kohlenversand wieder auf beit früheren Stand gebracht ist. Länger aber wird cs noch währen, vis die Kohle in Die letzten Ka­näle, für die sie bestimmt ist, zum Kohlenhänd­ler und in den Einzelhaushalt gelangt. Die eigentlichen Nachwirkungen des Streiks stehen also erst noch bevor, und erst nach dem Wieder­eintritt normaler Verhältnisse wird es sich zei­gen können, wie groß die Schäden gewesen sind, die der Vcrkchrsstreik verursacht hat.

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«ScsLhrbete Drowersorgung.

Der Eifenbahnerstreik hat mich auf die Ver­sorgung der Bevölkerung mit Brot einen star­ken Einfluß gehabt. Wenn auch in den ersten Tagen die Brotversorgung nicht unmittelbar ge­fährdet war, da in den einzelnen Kommunal» verbänden noch einige Mehlvorräte vorhanden waren, so bestand dock; die Gefahr, daß bei län­gerer Dauer der Streikbewegung die vorhande- n»n Mehtmengen auf die Neige gingen. Tie Hauptgefahr lag im übrigen nicht so sehr int drohenden Stocken der Mehlversorgung, als in der ins Stocken geratenden Versorgung der Bäckereien mit den zum Brotbacken n Otto en« dicreri Kohlen. Hier waren, ohne daß großen Teilen der Bevölkerung diese Tatsache zum Be­wußtsein gekommen wäre, durch den Streik die ernstesten Gefahren hcraufbefchworen, inZbeson- dere für die minderbemittelten Bevölke- rnngssckichten. Hinzu kam, daß der Stteik den Abtransport von Mehl chon den an die Reichs- geireidestelle angefchloffenen Mühlen unmöglich machte.

Die an sich nicht erheblichen Vorräte toärin bei einem auch nur wenige Tage länger anhal­tenden Streik zum Teil in einzelnen Konrmu- nalverbänden verbraucht gewesen, und die Be-