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Nummer 34

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Donnerstag, 9. Februar 1922.

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12. Zahraang.

Ende des Eisenbahner-Ausstandes.

Der neue Vapst.

Pius XL

Habemus paparu!" Das Interregnum irn Vatikan, die Sedrsvakanz auf dem Stuhle Petrj ist vorüber. Nur eine besonders geprägte Kon- klavemedaille, auf der Vorderseite über den ge­kreuzten Petrusschlüsseln die WorteSede va» kante MDCCCCXXII", auf der Rückseite Na­men und Wappen des Camerlengos Gafparris tragend, wird die künftigen Geschlechter an die Zeit der Jnterrimsregierung der katholischen Kirche erinnern, lieber Einzelheiten der Wahl­handlung, durch die Kardinal Ratti als Nach­folger Benedikts XV. bestimmt worden ist, wirs die OeffentlirUeit niemals etwas erfahren, denn all« Teilnehmer am Konklave sind bei Strafe der Exkommunikation, von der nicht einmal der Grotzponitentiar, sondern nur der Papst ctb'= olvieren kann, zu unbedingtem Still- chweigen über die Vorgänge bei der Wahl ver- iflichtet, und zwar für Lebenszeit. So hat es Lius X. in der KonstitutionMacante Sede Apostolica" vom 25. Dezember 1904 bestimmt.

Der neue Papst Pius XI. ist auf kirchlichem und politischem Gebiete einstweilen noch ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. In Deutschland hat man von ihm nur in Erinnerung, daß er nach dem Weltkrieg Nuntius in Warschau war und sich auf die Seite Polens gegen Deutsch­land stellte. Aber unbekannte Größen sind bisher mit wenigen Ausnahmen alle Päpste gewesen, besonders dann, wenn das Kon­klave infolge der besonderen Umstände, un­ter denen der Heilige Vater aus dem Leben schei­det, ohne längere Vorbereitung Zusammentritt. Ar-diesem Falle'i st meistens mit einer Ueberra- schuna zu rechnen, und auch die jetzt erfolgte Wahl stimmt nur wenig mit den Voraussagen überein, die hinsichtlich der Persönlichkeit des Nachfragers Benedikts in der Oeffentlichkeit auf. tauchten. Vielleicht bemüht er stch als Papst, mehr objektiv zu sein. Immerhin wird bereits der die erste Regierungstal des neuen kirchliche» Oberhauptes einen gewissen Anhalt dafür bieten, welche Politik Papst PiuS XI. während feiner Herrschaft einzuschlagen gedentt. Einer der er­sten Regierungsatte ist nämlich die amtliche Mitteilung seiner Erhebung an alle Re' gierungen und Staatsoberhäupter. Eine derartige Anzeige ist bisher stets bei der italie. nischen Regierung unterblieben. Das versöhnli­chere VerMtnis aber, das schon Benedikt XV. gegenüber dem italienischen Staate herzu, stellen gewußt hat, macht es wahrscheinlich, daß das Wahlergebnis diesmal doch offiziell der ita­lienischen Regierung bekannt gegeben wird. Schon die offensichtliche Teilnahme des Quiri- nals an der Erkrankung des verstorbenen Pap­stes ließ man es stch doch sogar nicht nehmen, den Unterstaatssekretär Longinotti nach dem Va' tikau zu entsenden, um Erkundigungen über daS Befinden Benedikts für die ttcckienische Regie­rung einzuholen läßt erkennen, daß sich im Laufe der letzten Jahre in den Beziehungen zwischen den beidenHöfen" mancherlei geändert hat. Auch die Wahl des neuen KardinalstaatS- sekretärs, der mit jeder Papstwahl wechselt und nächst dem Heiligen Vater selbst das wichtigste Amt bekleidet, wird einen Schluß darauf zulas­sen, in welche Linie sich die Führung der päpst­lichen Geschäfte unter dem neuen Herrn ein­stellen wird.

Mau hat darauf hingewiesen, daß die Reihe der Päpste in diesem und int vorigen Jahrhun­dert hinsichtlich ihre politischen Betätigung eine auffallende Wechsslfolge erkennen läßt., so zwar, daß sich politische und religiöse Päpste miteinander ablösten. Danach'wäre als Nach­folger des politischen Papstes Beneditt XV. jetzt eine Erneuerung der mehr kirchlichen Mion /-t Vatikan zu erwarten. Dabei ist allerdings nicht zu vergessen, daß sich daS Papsttum gerade nute dem Regime Benedikts in so eminenter Weife politisch festgelegt hat, daß kaum, an^u- nehmen ist, der neue Papst werde sich, wie dies etwa Pius X. getan hat. lediglich auf die Ver­waltung despatrimonhim Petri" beschränken und im streng kirchlichen Sinne walten, sodaß tritt der Möglichkeit eines neuen Auslebens der Bewegung gegen den Modernismus gerechnet werden müßte. Diese Gefahr ist. wie gesagt, kaum drohend, denn die Aufgaben, die heute der Vaftkan zu lösen hat, und deren Lösung durch Benedift XV bereits vorbereitet ist, sind so um­fassender Natur, daß die Autorität des Papst­tums einen Verzicht aus diese politischen Ziele unmöglich ertragen könnte. Man wird vielmehr annehmen können, daß neben einer gewissen Re. wrmtätigkeit aus dem inneren Gebiete der Kir­che di- Verständigung mit der italienischen Regierung weiter- Fortschritte machen und vor allem der Einfluß der Kirche auf dem großen Gebiete der Völkerversöhnung unter dem neuen Papst an Bedeutung noch gewinnen wird.

Wohl die gesamte katholische Welt würde «nt Bedauern eine Unterbrechung des Friedenswer- kes Benedikts XV. sehen; die Versöhnung Euro­

pas und der Welt ist eine Forderung, die für den moralischen Bestand der katholischen Kirche von allergrößter Wichtigkeit ist. Und da der letzte Papst fein Werk nicht zu Ende führen konnte, nämlich eben das Werk der allgemeinen Völker­verbrüderung, das Werk, hem die letzten Gedan­ken des Sterbenden galten. noch vor dem To. de sprach er die Worte:Mit Gottes Hilfe wird es meinem Nachfolger gelingen, mein Werk zu vollendens" so muß es auch die unabweisbare Pflicht des neugewählten Papstes fein, an die Stelle theologischer Auseinandersetzungen die wichtigen politischen Probleme zu setzen, von denen die maßgebendsten sind: die Herfttllung des Friedens in der Kirche, die durch den Weltkrieg schwer gelitten hat, di« Schaffung ei­nes annehmbaren Verhältnisses zu Italien und endlich die Beruhigung Europas und der Welt, damit für die lebenden und kommenden Ge­schlechter die arg gefährdeten Gitter des Geistes und der Sitte gerettet werden. Hg.

Freundschaft für Deutschland.

Rom, 8. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Papst Pius XI. erklärte den deutschen Kardinä- len gegenüber, er hege die freundschaftlichsten Gefühle gegenüber Deutschland. Er erinnerte dabei daran, daß er seinerzeit sogar Seelsorger der deutschen katholischen Gemeinde in Mailand gewesen sei. Der Papst unterhielt sich mtt den deutschen Kardinalen in deutscher Sprache.

Deutsche rSlückwünsche.

Berlin, 8. Februar. (Privat - Telegramm.) Der Reichspräsident hat den deutschen Botschafter beim Vaftkan beauftragt, drm neuen Papst die Glückwünsche der ReichSregierung zu übermitteln. Wie aus München gemeldet wird, hat der bayrische Ministerpräsi­den t im Namen der bayrischen Staatsregierung dem Papst ein Glückwunsch-Telegramm geschickt.

Das Ende des Streiks.

Letzte erfolgreiche Verhandlung.

(Privat-Telegramm.i

Berlin, 8. Februar.

Die Besprechungen zwischen dem ReichskanKker und den Vertretern der Gewerkschaften wegen Beilegung des Eisenbahnerstreiks wurden gestern abend %9 Uhr vom Reichskanzler mit Vertretern des Deutschen Beamtenbundes und einem Ver­treter der Postgewerkschaft fortgesetzt. Sie führ, ten um 9 Uhr bereits zu einem günstigen Er. g e b n i 8. Die Verhandlungen bezogen sich hauptsächlich auf die Frage der Disziplinierung und die Beamtenfrage. Nachdem auf diesem Gebiet eine Einigung erzielt worden war, wur­den zwei Vertreter der Reichsgewerkschast der Eisenbahner zur letzten Beratung zugezogen. Es wurde rasch Uebereinstimmung erzielt. Dem Ka­binett wurde von dem Hergang der Verhandlun­gen Kenntnis gegeben. Die Reichsgewerkschaft gab nunmehr die Erttärung ab, daß sie noch am Abend die Streikaufrufe zurückziehen werde. Der Reichskanzler gab die Erttärung ab, daß von Massenentlassungen abgese- heu werden soll, nur die Führer sollen diszi­plinarisch b e st r a s t werden. Den Beamten, ge­gen die das Disziplinarverfahren eröffnet wor­den fei, werde das Beschwerderecht selbstverständ­lich in keiner Weise verwehrt werden. Damft ist der Streik der Eisenbahner beendet. Die Vertre­ter der Reichsgewerftchast nahmen am Abend in ihrer Organisation Stellung zu der Angelegen­heit. An dem Abruch des Streiks hat über diese Brratzing nichts geändert.

* * * Besserung der Derkehrsloge.

Berlin, 8. Februar. (Privat - Telegramm.) Die gesamte Streiklage war gestern nachnrittag vor der Einigung mit der Reicksge- werlschaft bereits um ein Bedeutendes besser geworden. Tue Priuatbcrichte aus Stuttgart meldeten, daß der Streikparole des württember- gischen Landesverbandes in Stuttgart, Hell­bronn und Ulm nur wenig Folge geleistet wur­de. Der Teilstreik in Baden war seit gestern früh bereits im Abflauen. In Karlsruhe lei­steten zwei Drittel, in Mannheim achtzig Pro­zent der streikenden Lokomotivführer der For­derung zur Wiederaufnahme der Ar­beit Folge, sodaß dort die Technische Rochilso nur vereinzelt einzusetzen brauchte.

Bevorzugte SMerbefvrderung.

Hannover, 8. Februar. (Privattelegramm.) Laut Mitteilung der Eisenbahndirettion Han­

nover sind bereits gestern nachmittag wieder zahlreiche Streikende zur Arbeit zurück- gekehrt. Der Perfonenzug-Fahrplan nimmt bereits festere Form an. Er muß sich jedoch dem Güterverkehr unterordnen, vor allem der Beförderung von Kohlen und Lebensmit­teln. Der Notpersonenzugverkehr ist dagegen nur in beschränttem Umfang eingesührt worden.

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Kohlen aus drm Nutzt gebiet.

Essen, 8. Februar. (Privattelegramm.) So­fort nach der Streikbeilegung kann ein umfas­sender Abtransport der Kohlenzüge ein­fetzen, die während der Stteittage besörderungs- fertig gemacht worden sind.

Verluste der Streikenden.

Frankfurt a. M.. 8. Februar. (Halbamtliche Mitteilung.) Der Verlust, den jeder der strei­kenden Beamten bereits jetzt zu tragen hat, ist aanz beträchtlich. Ein Frankfurter Lokomotiv­führer, Vater von zwei Kindern, mit einem Durchschnittseinkommen der Besoldungsklaffe 6, jährlich etwa 33 000 Mark durchschnittlich, hat au­ßer den Fahrzulagen (Stunde gegen 1.30 Mark) für sechs Streittage bereits ungefähr fünfhun­dertsechzig Mark eingebüßt. Dieser Verlust tritt bei den Beamten grundsätzlich ein und trifft sie endgültig.

Hetze der Radikalen.

Verderbliche Aufreizung einer Ortsgruppe.

(Eigens Trcchttneldung.)

Essen, 8. Februar.

Die Ortsgruppe Essen der Reichsgewertfchast verbreitete gestern noch in später Abendstunde auf den Straßen der Stadt folgendes Flugblatt: In den Kreisen der uns feindlich gesinnten Spitzenorganisationen wird ein Aufruf vorbe­reitet, wonach die Arbeit wieder aufzunehmen ist. Die Gewerkschaft deuttcher Eisenbahner und An­wärter, die durch die ablehnende Antwort der Re­gierung zum Streik gezwungen wurde, ver­harrt dagegen nach wie vor im Streik für Euch und Euere Interessen. Mr betonen noch­mals, daß wir nur einen Existenzkampf und kei­nen politischen Kampf führen. Erkennt, daß un­ser Kampf auch Euer Kampf und unsere Nieder­lage auch Euere Niederlage bedeutet. Die Arbeit darf nicht eher wieder aufgenommen werden, bis die Reichsgewerkschaft selbst den Kampf für be­endet erttärt. Weist das Ansinnen der feindli­chen SPißenverbände, die zum Streikabbruch auf­fordern, mit Entrüstung zurück." Das Flugblatt ist unterzeichnet von der Ortsgruppe Essen der Reichsgerwerkfchast der Eisenbahner.

Die Gntente-VolM.

Zusammenarbeit gegen Deutschland.

(Eigene Drahrmeldunü.)

London, 8. Februar.

Im britischen Unterhause gab Lloyd George gestern eine Erttärung ab über die politische Lage. 'Nachdem er den Erfolg der Washingtoner Konferenz erwähnt hatte, den er als eine der größten Errungenschaften der Weltgeschichte be­zeichnete, wendete sich Lloyd George der b r i t i- scheu Politik gegenüber Frankreich zu und sagte: Englands Politik sei eine Politik der Freundschaft und der Zusammeuar. beit mit Frankreich im Interesse des Frie­dens (?). Unsere Zwecke find die gleichen, aber unsere Methoden stimmen vielfach nidjt immer zusammen. In diesen Puntten müssen dann Verhandlungen einsetzen. Wir müssen Frank, reich das Gefühl geben, daß es nicht iso­liert sei, daß es nicht verlassen ist. Es mutz Deutschland zu verstehen gegeben wer­den (!), daß eine Revanchepolitik (?) nicht nur Frankreich, sondern auch alle anderen Länder zu bewaffnetem Widerstand veranlassen würde. Lloyd George wandte sich dann der inneren Po­litik zu und erwähnte dabei, daß in England gegenwärtig über hundert Millionen aufge­wendet werden müssen für die Unterstützung der Arbeitslosen. Sparsamkeit sei das Haupt­thema, mit dem fick die gegenwärtige Parla- uwnts-Sesflon zu beschäftigen haben werde.

*

Die diesjährigen Zahlungen.

Paris, 8. Februar. (Eigene Drahtmeldung.; Der Meinungsaustausch der Alliierten über die d e u t s ch e N o t e hat zur neuen Festlegung der Zahlungen für 1922 geführt. Tie deutschen Barzahlungen seien bis sechshundertfünfzig Goldmilliarden ermäßigt worden. Tie weiteren Vorschläge seien der Reparationskommission zur Entscheidung übertragen worden. Die Zu­stimmung Italiens stehe noch aus.

Kirchen-Varlammt.

Die verfassunggebende Kircheuversamrnluug» Rach einem gestern gesagten Beschluß geht bi allgemeine Bussprache der verfassunggebendes Kirchenv erfammlnng heute zu Ende. Dann toir6 Vie Versammlung vertagt bis zum Abschluß derArveiren ves großen BerfafinngS-Ausschnfie

Die Dienstagsitzung der Verfassunggebenden Kirchenversammlung stand im allgemeinen im Zeichen der Aussprache über die künftige Syno­dalordnung sind brachte ein nicht geringes Re- degefecht über das festzulegende Wahlrecht für die Gesamtsynode und besonders die Frage: U r« Wahlrecht oder Wahl durch die kirchlichen Körperschaften? Namentlich Pfarrer Martin. Rothenditmold trat für Urwahlen ein wie jetzt bei der Wahl zu dieser Kirchenversammlung und behandelte dabei das Thema: »Arbeiterschaft und Kirche". Wenn der Arbeiterstand, so sagte er, mehr und mehr aus dem kirchlichen Leben herausbleiben würde, bedeutete das den Ruin seiner sittlichen Kraft, seiner Arbeitskraft und Arbeitsfreudigkeit und wäre gleichbedeutend mit dem Untergange der evangelischen Kirche. Ein Zurückdrängen des Kirchenvolkes bei den kirch­lichen Wahlen sei nicht gutzuheißen. Es fehlte aber auch nickt an anderen Stimmen. Nach Ab' schluß der Besprechung Wer das Wahlrecht tour* de die

Wahl z«m Berfaffungsausschuß vorgenommen. Sie hatte folgendes Ergebnis:

Reformierte Kirchengemeinschaft: Superinten, deut D. Klingender-Kassel, Superintendent D. Wissemann-Höfgeismar, Pfarrer lic. Francke-HeA lershausen, Studiendirektr Dr. Merzyn-Hofgeiv. mar und Pfarrer Blackert-Kassel; Laien: Land­wirt Ruppel-Hrmberg, LhzeMehrer Hassenptzua, Kassel, Mittelschullehrer Walther-Kassel. Forst» rat Backhaus-Hombressen, Landwirt Waßmuth- Wettesingen, Amtsgerichtsrat Baier-Rotenburg, Hauptlehrer Heere-Felsbera, Bettiebsleiter Ger' cesser-Allendorf, Amlsgerichtsrat Hesse-Abterode, Geheimrat Dirksen-Kassel; Vertreter: Die Pfar­rer lic. Bachmann und Martin-Kassel; Laien: Lehrer Kohlstädt-Unterhaun, Sattlermeister- zer-Mtzenhaufen, Lehrer Halberstadt-Kirchdij* mold und Gutsbesitzer Metz-Zennern.

Lutherische Kirchengemeinschast: Superinten« »ent Landau-Marburg und Pfarrer Müller- Barchfeld (Schmalkalden): Laien: Fran Stadtrat Vogt-Kassel, Landgerichtsdirektor Dr. Bähr-Aas, kel, Lehrer Flohr-Schweinsberg, Bürgermeister i. D. Busche-Beckedors; Vertreter: Pfarrer Werner-Kappel (Marburg) und Lokomotivfüh­rer Geck-Kassel sowie ein weiterer Abgeordneter.

Unierte Kirchengemeinschaft: Metropolitan Schäfer-Gelnhausen, Pfarrer Kahl-Frankfurt- West; Laien: u. a. Senatspräsident Dr. Held, mann-Frankfurt-Eckenheim und Rechnungsrat Köhler-Fulda.

In die Hand dieser Persönlichkeiten ist nun die Schaffung der Kirchenverfassung für Hessen ge­legt. Noch einmütiger Annahme eines Antrags Dr. Heldimann, mit Rücksicht auf die Verkehrs- »erhältnisse am (heutigen) Mittwoch 1 Uhr mit­tags die Tagung zu beenden, gelangte ein An­trag der

Religions-Lehrer

innerhalb der Kirchenversammlung zur Verles fung, gestellt von dem Abg. Lyzeallehrer Hassen« pflüg, in dorn es u. a. heißt: Für den Reli­gionsunterricht in der Schule, ist ebenso wie für alle anderen Unterrichtsfächer der Staat der Auftraggeber und bei der Ertei­lung des Religionsunterrichts in der Sckule ste­hen die pädagogischen Gesicktspuntte im Vorder­gründe; deshalb wird die Aufsicht über ihn nur oon den Vertretern der Schulbehörde ausgeübt, die der Staat zur Aussicht für den Gesamtunter­richt bestellt. Eine kirchliche Aussicht toür. de den Geist des Vertrauens, der zwischen Schu­le und Kirche herrschen muß, gefährden und kommt deshalb in keiner Form in Frage. Der Antrag fordert weiter, daß den evangelischen Re­ligionslehrern von AmtSwegen in den Kirchen- borständen und Synoden eine Vertretung Zuge' standen wird und daß jedem Kirchenvorstand oon Wntswegen ein zu der betreffenden Kirchen, gemeinde gehörender Religionslehrer angehört, feder Kreissynode vier, darunter möglichst ein Akademiker, jeder Gesamtsynode secks, und zwar zwei akademisch und vier seminarisch gebildete, ferner Zugehörigkeit zu einem Gutachterausschuß der Gesamtsynode und Entsendung als Beiräte für den Religionsunterricht in die Schulabtei­lung der Regierung und in das Provinzialschul­kollegium. Die Besprechung dieses Antrages er­folgt heute. Im Vordergrund des allgemeinen Fnteresses stand gestern abend noch eine Aus­sprache über die

Leitung der Gesamtkirche.

Semttspräsident Dr. Heldmann begründet« unter Berufung darauf, daß die Industriali­sierung Deutschlands eine Bewegung unter der Bevölkerung hervorgerufen hat, die an Zahl die berühmte Völkerwanderuna um ein Vielfaches übertrifft die Notwendigkeit einer Einstellung der bisher mit bodenständiger landsässiger Bevöl-