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Mittwoch, 8. Februar 1922

Fernsprecher 951 und 952

Nummer 33

Fernsprecher 951 und 952

schiessens verdanken wir nicht zuletzt, bürg teilt soeben mit, daß am Mittwoch früh in Nachjftebigkeit. Amerika ist an den euro-ganz Bayern der Eisenbahnverkehr

Kinder in Not

Ober

Aufforderung zum Dienstantritt.

(Eigener Drahtbettchtff

Sxmti, hungrig und doch wohlgenährt, blondlok- 6g und blauäugig, flandrische, germanische

Kinder...

mei-

Berlin, 7. Februar.

Bedeutung zu und schließt auf seinen Willen zue

gewählte Papst seit dem Konflikt des Heiligen

Kshlenmangel in Dauern.

Augsburg, 7. Februar (Eigene Trah

12. Jahr ang

iyunnMaswas

Dir Hoch- und LntergmndbaSn fStzrt.

Berlin, 7. Februar. (Privattelegrammff Die in später Nachtstunde beendigte Urabstim­mung unter dem Personal der Hoch- und Untergrundbahn über die Frage, ob auch die Hochbahn sich dem Streik anschließen soll, entschied fick gegen den Streik. Bei der Abstimmung wurden 1024 Stimmen gegen und 691 Stimmen für den Streik abgegeben.

nes ivetoTOPöeis. seiyi vu cm Familienvater, ein Kind auf Len Knien, dem er von seinem Essen löffelt, und die Bäuerin am Lisch, rade­brechend miteinander und doch einander, ver­stehend durch die Liebe des deutschen Menschen.

TeNwetfe Wiederaufnahme der Arbeit.

Berlin, 7. Februar. (Privattelegramm.) Im Ruhrbezirk hat sich der Deutsche Arbei­terverband, dem die dortigen misten Lokomotiv­führer angehören, für Wiederaufnahme der Arbeit entschieden. Die Lokomotivführer sind zum größten Teil zur Arbeit zurückgekehrt.

wegen Kohlenmangel zum Stillstand kommen wird. Auf allen Hauptstrecken verkehrt jetzt nur ein Augpaar. Die Kohlcnvorräte rei­chen etwa nur noch für einen Tag.

Die StreMage im Reiche.

Verschärfung in verschiedenen Bezirken.

(Pridat-Lelesramm.1

Berlin, 7. Februar.

Der Streik in Berlin selbst ist unverändert. Der Oberbürgermeister hat an die streikenden Arbeiter und AnMstellten eine Aufforde­rung gerichtet, fich 6'8 spätestens Dienstag mittag zwei Uhr wieder zum Dienst einzufin­den. Wird dieser Aufforderung keine Folge ge­leistet, so tritt sofortige fristlose Entlassung in Kraft. Nach Ueberwindung der vorliegen­den Schwierigkeiten hat die Technische Rothilfe die Gas-, Wasser- und Elektrizitäts­werke übernommen, so daß die Versorgung der Bevölkerung mit Gas, Wasser und Elektrizität bei normaler Entnahme gesichert erscheint.

Der pavft ist gewählt

Kardinal Ratti als Pius XL (Eigene DraLttnelduna.)

gnferttonSpreife ») Einheimisch« Aufträge: Die einspaltige Anzeigenteile M. 2.59, die einspaltige Retlamezeile M. 6.25. b) Auswärtige Aufträge: Die einsrawge Anzeigenzelle W. 2.50, die einspaltige Reklame.,eile M. 6 25, alles einschließlich T-u-rungIzufchlag und Anzeigensteuer. Kür Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Ausschlag. Für di- Richtigkeit aller durch gernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie sar Aufnahme, baten und Plätze kann eine Sewähr nicht übernommen werden, Druckerei: Schlacht- -osstrab- 26/30. Seschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Drlcphon Rümmer 951 und 962.

Ti« Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich 'echSmal und paar abend». Der Lbonnementspreis beträgt monatlich 10. Mark bei steter Zustellung ins Haus. Aus­wärts durch di- Post bezogen 10. Mark monatlich einschließlich Zustellung. Bestellungen werden -ederzw von der (Seschäftsstelle oder Len Bolen entgegengenommen. Druckerei, Berlag und RedaktionSchlachthofstratze 28/30. Für unverlangt eingesandte Beiträge.kann die Redattio» eine Verantwortung oder Gewähr in keinem stalle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschlossen.

Gens, 7. Februar.

Rus Rom wird berichtet, daß gestern der italienische Kardinal Ratti, bisher Erzbischof von Mailand, vom Konklave zum Papst ge- wählt worden ist. Ter neue Papst trat nach seiner Wahl aus die große Los-Loggia der Pc- terskirche und zeigte sich von dort aus dem Volk. Ma» legt diesem Erscheinen des Papstes größte

Aussicht aus Beendigung?

Berlin, 7. Februar. (Privat - Telegramm.) Die Reichsgewerkschast ließ sich gestern den ganzen Nachmittag über schwebende Fragen unterrichten. Der Hauptvorstand teilte mit, daß er alle Beschlüsse in den Streikangelegenhei- tcn wieder von selbst fassen werde. Ter bisher maßgebende Aktionsausschuß der ReichSgewcrk- schast werde von sich aus keine Schritte mehr unternehmen. Es besteht die begründete Aussicht, daß im Lause des heutigen Vor­mittags nicht nur der Streik der Eisenbahner, sondern auch der Streik der Genreindearbetter als beendet erklärt wird.

Oder ein anderes Bild; es war in Flandern. Da ließ sich eine Nonne bei mir melden, der ich das Regiment vertrat. Sie habe in ihrem Dorfe fünfzig Kinder in Verpflegung. Die Nahrungs­mittel der amerikanischen Hilfe seien ausgoblie- ben. Ob wir nicht helfen könnten? Sonst müß­ten ihre Kleinen hungern. Mr halfen wie­derholt. Mr ließen uns dabei nicht nehmen, den Essensempfang der Kleinen anzusehen. Zu zwei und zwei in langer Reihe hintereinander aufgc- baut, standen sie mit Napf und Löffel in der

Nachgiebigkeit sabottiett und Frankreich drang, Augsburg, 7. Februar. (tLtgene Dral!.- mit allen Forderungen durch. Den Verlust! Meldung.) Der Elsenoahndirektton--beztrk Augs-

Nach den Besprechungen in der ReickManzlci hat sich das Interesse konzentriert auf die Be­ratungen im Reichsfinanzministerium. Dort fan- den Verhandlungen zwischen Dr. Hermes und den Vertretern der Gewerkschaften statt. Auch Reichsverkehrsminister Grüner wohnte den Be- rattmgen bei. Sämtliche Fragen der B e a m - tenbesoldttng, einschließlich der Neber- teuerungszuschüsse wurden eingehend

durckqesprochen mit dem Ergebnis, daß die Füh- __

ter der Gewerkschaften keinen Zweifel darüber 33>£n!Htr ließen, daß in den hauptsächlichen Fragen eine Einigung erzielt werden kann. Um sechs Uhr waren die Parteiführer zum Reichskanzler gebeten. Anschließend fand eine Kabinetts­sitzung statt, in der das Ergebnis der Be­sprechungen im Reichsfinanzministerium ein­gehend beraten wurde. Das Ergebnis dieser Sitzung liegt aber noch nicht vor.

dieser

päischen Interessen weniger interessiert und gibt Deutschland auf. Italien, welches sich ziemlich korrekt vcrhAt, ist zu schwach. England tft auf Frankreich angewiesen, da Deutschland jede Bündnisfäihiakeit verloren hat, so daß wir un­seren unversöhnlichen Feinden Frankreich im Verein mit Belgien rettungslos ausgeliefett sind. Deren Ziel ist aber die Zerstückelung Deutschlands, um für alle Zeiten den Gegner wehrlos zu erhalten. Nur noch die eine Hoff­nung bleibt, daß sich England doch noch aufrafft und an seinem Plan festbält, in G enu a aus der beabsichtigten Mrffchaftskonferenz eine Neurege­lung der europäischen Fragen herbeizuMren. Mrd aber in Genua mehr erreicht werden als bisher? Sie es scheint, kann der Termin An­fang Mär; nicht eingehalten werden, da die Vorbereitungen lungere Zeit beanspruchen. Soll etwa die Konferenz auf Betreiben Frankreichs auf die lange Bank geschoben werden? Möge die Reichsregierung darauf achten, daß Genua nicht

Aehnliche Bilder leben zahlreich in mir aus dem Kriege. Und aus der Zeit nach dem Kriege? Aus demFrredenszustande" von heute leben andere Bilder in mir. Ich will sie andeuten. In Bad Nauheim wars, wo ich mich vom Kriegshetzen erholte. Ich saß auf der Terrasse beim Nachmittagskonzert. Schon eine ganze Weile fiel mir ein kleines Mädchen ans, das wie gebannt auf die Kuchenauslage des Kaffeehau­ses starrte. Mit Weihnachtswunschaugen. Ich ließ Kuchen kommen und gab ihn ihr. Fast er­schreckt nahm sie das Geschenk, es bastig, gab den Teller zurück und nickte beschämt Dank. Es war Hunaer gewesen, der sie bewegte, das sah man daran, wie das ordentlich gefleidete Kind den Kuchen entgegennahm und... Und später in Thüringen: Nirgends sah ich so bleiche und schmale Gesichter wie in diesem Heimar­beitsland.

Wo aber in deutschen Landen sahst du, Dent- scher, ein Kind auf den Knien eines Entenle­sold a t e n, die sich in so großer Zahl in Deittschland hernmlreiben? Wo sahst du En- tenteMben ihren Ueberslust an deutsche Kinder abaeben? Wo sahst du so blickend gesunde Kin- der, rotwangig und gut genährt, wie in Ost und West, in Frankreich, Rußland, Rumänien und Belgien während des Krieges? Wo spürtest du Mifleid, Tatkraft anwachsen in Innern der maß, gehenden KvmmifsionSmttglieder. Mtleidslos läßt man deutsche Kinder hungern und nigrunde geben. Die Grausamkeit fremder Raffen steht wider die berzwarme Güte des Deutschen! L,a wir Deutschen nickt wissen, woher wir die Much und die Butter für unsere Kinder nehmen sollen, kennen die in Nahrnngssiille lebenden Entente- Völker nur den einen Wunsch uns um 810000 Milchkühe zu berauben. Der deutsche lernt aus daz Härteste, daß niemand aus der Entente dem deffffff.cn Kinde bellen wird, wenn er selbst nicht hilft. Neutrale Völker wissen um

Und ein drittes Bild; in Rumänien, hoch in den Grenzbergen, Januar 1917. Nur wenig Hütten im ües verschneiten Waldgelände. Auch hier Kinder. Auch hier Not. Ich trete am frühen Abend in die dämmrige Schreibstube nes Feldwebels. Sitzt da ein Familient

uns jetzt. . .

Heute muß auch der kühnste Optimist ein« sehen, daß Frankreich, der unversöhnliche Feind, der es durchsetzte, daß unmögliche For­derungen gestellt wurden, um Deutschland voll­ständig vernichten zu können, die Führung hat. Gewiß hat England für die Vernichtung der deutschen Konkurrenz gekämpft und auch in den Verhandlungen das Ziel verfolgt, Deutstv- land nickt wieder hoch kommen zu lassen und als ein Sklabenvolk nach indischem Muster auszubeuten, aber eine gänzliche Vernichtung, wie es Frankreich anlirebt, muß England aus eigenem politischen und wirtschaftlichen Interesse fernlisgen. Heute ist England so aut wie aus- aeschaltet, er aibt Frankreich zumeist nach, gegen welches es mit dessen Militarismus mit einem Achthunderttausend-Mann-Heere nicht mehr aus- kommen kann, zumal es anderweitig stark enga­giert ist und Frankreich nicht zum offenen Geg­ner haben darf. Es wird deshalb kaltblütig etuS eigenem Egoismus Deutschland seinen Peini­gern überlassen, zumal es sich, nicht mit Unrecht, sagen farm, daß Deutschland selbst die Schuld an der gegenwärtigen Laae trägt, denn als Eng- kartd noch widerstandsfähiger war, bat Deutsch­land mit feinem ewigen Fasagen die Pläne Eng­lands öfters durckkreutt.

fldrs Diktat von Versailles wäre sicher abaemildert worden, wenn man den Mut zum Neinsagen gehabt hätte. Durch die Anerken­nung der Ktiea? schuld hat der Vertrag erst seine SmMion erhalten, wie wir so ost v?m Feinde hören mußten. Das LondonerDiktattonte sicher anders ausgefallen, wenn man ein ent­schiedenes Nein, weil es unerfüllbar ist. gefunden batte. Der gemäßigte Standpunkt der anderen F'indbundenäckie wurde durch unsere

Die in der Nacht und am frühen Morgen aus dem Reiche einlaufendeu Berichte mel­den keinerlei Abschwächung des Eisen- bahnerstreiks. In den Gewerkschastru selbst ---------------- .. ..

wird über eine Zurücknahme des Gcwerlschnfts Versöhnlichkeit. Bekanntlich zeigte sich der neu- aufrufs, der die Wiederaufnahme der Arbeit der? --- ~ « - -----------

Eisenbahner enthält, beraten. In West- und M i 11 e l d e «t s ch l a n d hat sich die Lage wei­tet verschärft In Barmen und Elberfeld, sowie in anderen westfälischen Städten kam es zu Ausschreitungen der Streikenden. Es steht nunmehr seft. daß der Streik auch auf Württemberg überzugrersen droht. In Würt­temberg und auch r> B -t v e r n ist die Lage fei' gestern gespannt. Das Streikkomitee erhielt Swnpathtestmdgebungen von achtunddrcißig Ortsgruppen in Südveutschland. Ein Ende des Streiks erscheint daher noch in weiter Ferne.

Stuhls mit dcr italienischen Regierung nur in der inneren Loggia der PeterSkirche. Papst Pius XI. ist am 3. März 1853 in Spezia ge­boren. Er war Präfekt der «mbroflanischen Bibliothek, später Prüfe» der vatikanische» Bibliothek. Seit 1890 war er Titularerzbischos von Leponto. Ende 1918 wurde er für einige Ze'! Nuntius in Warschau, wo er sich leider auf die Seite Polens gegen DeMschland stellt:. Ec wurde schließlich abberusen und zum Erzbischos von Mailand (als Nachfolger der Kardinals Feratj unter gleichzeitiger Verleihung des Kar­dinal-Titels ernannt

Folgen der Auslieferung von Milchkühen.

Die Ranbpolttu bet Stailerten wirkt in der jetzi­gen sogenannten Friedenszeit fsft ko Wimm wie eine «riegSblockade, da der Nahrungsmangel und die Weiterung das dentsetze Volk peinigen. Die na>h flehende 'Betrachtung von Hanns Mar- tin Elster verdeutlich- di« Grausamkeit der Gegner und die Gutmütigkeit der Deutschen. Auf meinem Reise- und Wanderleben hatte meine Liebe von jeher den Kindern gehört. Wenn nun der RufKinder in Not!" und Helft den deutschen Kindern!" zu mit dringt, wachen in meinem Innern eine große Reihe Kmderbildet und Kinderszenen vor mtt_ auf, die jeder, der noch ein Herz für Kinder hat, ähnlich in sich wachrufen kann und soll. Und ich sehe nicht nur deutsche Kinder vor mir, sondern ebensoviel russische, rumänische, sranzösische Kin­der aus all den Kriegsjahren, da -man in Ost und West feine Pflicht tat. Eine grüne Hecke baut sich vor mir auf. Sie läuft von einem Hause und Gehöft hinein in weites Wiesenland, mit Weiden kuppeln überschattet. Eine Feldküche raucht unter einem Weidenbaume. Ich bin vom Graben zurückgekommen, um mit dem Koch sur meine Kompagnie verschiednes zu besprechen. Es ist in der Batanow itschi -Gegend. Und da stehn sie rings um die Feldküche, die Kleinen, stramm, rotbackig, ein wenig blöde, doch zutrau­lich und bekannt mit dem Koch. Alle Feldgrauen sind ihnen ja gleich; denn alle Feldgrauen tun ihnen nur Gutes. Sie wissen längst, daß der deutsche Soldat nicht ihr Feind tft daß er fein Essen mit ihnen teilt. Und sie haben alle irgend­welche Topfe und Kannen milgebtacht. Und ein gut Teil des gekochten Mahles wandert in diese Tövfe und Kannen, es bleibt ja jeden Tag so viel Essen zurück. Mancher Deutsche starb in jenen Tagen den Heldentod, für den noch Essen berechnet worden war. Me strahlten die Augen der kleinen Russen, wen» ihr Napf voll wart ver­gnügt zogen sie ab, von ferne winkten die Eltern Dank.

Einmischung der Franzosen?

Besetzung der Bahnanlagen ist möglich.

(Eigene Drahimeldung.)

Frankftlrt a. M 7. Februar.

Es ist nicht ausgeschlossen, daß bis Frankfurt die Besetzung der Eisenbahnanlagen durch die Franzosen stattfindet und zwar infolge der zunehmenden Sabotage, durch die auch der Eisenbahnverkehr im besetzten Gebiet gefähr­det wird. ES ist Tatsache, daß die Zerstörung immer größeren Umfang annimmt Es handelt sich aber nicht allein um Sabotage, sondern auch um Diebstahl großen Umfangs n. Beschädi­gungen der Anlage» und Betriebseinrichtungen, durch die dcr Rotbetrieb in höchstem Maße gefährdet wirb, vor allem aber der Verkehr nach der» hesetzteft,sAebiet verhindert werden soll.

Der Druck von außen.

I» den Klanen der Entente.

Versailles bis Cannes kennzeichnet den Lei­densweg des deutschen Volkes, der durch die letzten Ereignisse sich noch viel trauriger zu ge­stalten verspricht. Unsere Machthaber das heißt Machthaber im Innern haben es bor­ge zogen, zu allen Forderungen des Feindbundes Ja -utto Amen zu sagen, um Aergetes zu ver­meiden Sind sie für ihr WoHSoerhalten be­lohnt worden? Sie haben Deutschlands Schuld am Kriege anerkannt, sie haben die Ent­waffnung bis zur vollständigen M'hrlosigkeii durchgeführi, sie haben finanzielle Verpflichtun­gen übernommen, die sich nie und nimmer er­füllen lassen, und schließlich Frankreich durch das Wiesbadener Abkommen noch eine Extrawurst gebraten, aber alles ohne Erfolg. Erreicht haben wir dadurch, daß unsere Valuta durch den ersten Erfüllungsversuch so weit sank, daß unsere Marl im Auslände ziemlich wertlos wurde und im Inland« so an Zahlkraft verlor, daß eine nie geahnte Teuerung auf allen Gebieten einttat. Die Notenpreffe muß immer mehr angespannt werden, um den Geldbedarf des Reiches zu dek- ken Eine Schraube ohne Ende, die uns öster­reichischen und schließlich russischen Verhältnissen entgegen führen muß. Keine Steuerreform kann uns vor weiterem Niedergang retten. Unser Volksvcnmogen ist entwertet und wird als Steuer über das Reich dem Feinde zurWieder- gutmachung" ausgeliefett. Durch Erfassung der Sachwerte, um dem Feindbunde entgegenzukom- men, soll der Prozeß beschleunigt werden, bis hjir von allen Produktionsmitteln für alle Zu­kunft entblößt swS' ,

Die trostlose Lage, in welcher wir uns beute befinden, wird Wohl von allen pokittschen Par­teien anerkannt, ebensowohl, daß wir heute weit ungünstiger dasteben, als Res derVertrag" von Versailles ahnen ließ. Damals gaben die Uw terzeichriungSparteien sich der Hoffnung hin, daß derVertrag'" könnte erfüllt werden. Man glaubte, daß Milderungen noch eintreten wür­den, daß nicht alles so heiß gegessen würde, wie es gekocht wäre. Die noch offen gelasseneMe- d ergutmachungssumme" suchte der dmnalige nanzministet Dr. Dernburg mit einem Angebot von hundert Milliarden Goldmark anszufüllen. Man brauchte sich nicht zu wurtderu, daß in dem Londoner Diktat dreißig vom Hundert aufge­schlagen wurden. Damals hätten hundert Mil­liarden Goldmark zweihundert Milliarden Pa­piermark ausgemacht. Beim Londoner Diktat machten infolge des Markfn'rzes hie hundettund- zweiunddreißig Milliarden Goldmark tauiend- neurchundertundachtzia Milliarden Papiermark aus, heute sind es flinftausendachthundert Mil­liarden und übers Fabr vielleicht schon das Dop­pelte, war doch im November vorigen Fabres bei einem Stande des Dollars von 330 Mark die Schuld auf über zehntausend Milliarden Pa­piermark angewachsen, und wie in Zukunft die deutsche Valuta sich gestalten Wird, wissen die Götter. Durch die Unmöglichkeit der Erfüllung derWiedergutmachung" befinden, wir uns in vollständiger Abhängigkeit vom Feindbunde und neue Satisfaktionen und Reparationen drohen

vergessen wird. A. A.

Die Gtrerk-Vechanölungen

tim die DesoldungSfrage.

(Privat-Telegramm.i

Berlin, 7. Februar.

Meier Neueste Nchnch

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Sine Frist bis Mfttwocy.

Berlin, 7. Februar. (Privattelegramm.) Der Berliner Eifenbahndirettions-PrSfident hat eine Bekanntmachung erlassen, Vie sosort an den Bahnhöfen anzuschlagen ist. Damit werden die streikenden Beamten und Arbeiter ausgcfor- dert, spätestens am Mittwoch den 8. Februar zum Beginn ihrer planmäßigen Schicht sich bei ihren Dienststellen zu melden und den Dienst sofort wieder aufzunehmen. Wird die­ser Aufforderung nicht Folge geleistet, so haben die Betreffenden selbst ihr Dienstverhält­nis gelöst und sind entlassen.