Meier Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
Snferttentoretfet y «tntzetnltkche «am»«*: Die etnfpatttge «otetgenjettt «. 2.—. bte etnteatttfle Reklame««* Ä bi «tu»wattige Aufträge, Die etnspaM«, SnietgeneeUe
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Nummer 22. Fernsprecher 951 «nd 952 Donnerstag, 26. Januar 1922. Fernsprecher 951 und 952 12. Jahrgang.
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Das Steuerproblem vor der Entscheidung.
Leichen unö Wunder.
Lloyd George mit dem Pslmzweig.
Die Welt dreht sich, und was sich im Kreise bewegt, kehrt doch einmal wieder an den Ausgangspunkt zurück. Wenn wir uns daran erinnern, datz wir vor acht Jahren eine „goldene" 'Zeit hatten, als die Mark noch hundert Pfennige wert war, daun können wir uns auch vorstellen, datz eine solche Zeit einmal wieder kommen kann. Wir erleben die biblische Geschichte von den sieben fetten und den sieben mageren Jahren. Stimmt auch die Zahl sieben nicht ge- itait, so läßt sich doch das Gleichnis seinem Inhalte nach auf unsere Gegenwartsgeschichte anwenden. Wenn die mageren Fechre vorüber sind, kommen wieder bessere Zeiten. Es scheint, als ob sich jetzt schon Dorboten wahrnchmen ließen, die schüchterne Hoffnungen in uns wellen. Aber vorläufig ist es nur ein Friedens- verÄinder, der mit dem Palmzweig wedelt. Er heißt Lloyd George und ist ein rmt allen Wassern gewaschener Politiker, der ein Bild des Friedens an den Horizont matt. Das kann aber ebenso gut eine Fata Morgana sein, die sich in Nichts auflöst. Trotz der friedlichen Rede, die der britische Ministerpräsident dieser Tage in London vor seinen Parteifreunden gehalten hat, ist die deutsche Mark doch Wetter gesunken. Mr müssen uns also neben dem Hoffen noch sehr in Geduld üben. Lasten wir die Mutmaßungen über die Zukunft beiseite und betrachten wir die Rede vom Gesichtspunkt e der Gegenwart. so erblicken wir in ihr manch bedeutsames Merkmal.
Wenn Slotfb George, dieser einst rücksichtslose, brittale Verfechter brittscher Interessen, sich jetzt darin gefällt, mit dem Palmzweig einherzu- schreiten. dann verfolgt er damit natürlich rvie- der brittsche Zivecke und Ziele. Der Anlaß zu seiner Friedenspolitik in den letzten Wochen ist hier wiederholt genannt worden. Es ist die bedrängte Wirtschaftslage des britischen Reiches. Während England seinen politischen Gewinn aus dem Kriege heimtrug. hat, wie bei Men Kriegführenden seine Wirtschaft gelitten, die jetzt wieder hergestellt werden soll. Dazu braucht England Frieden, vor allem ein friedliches Europa, das als Absatzgebiet für Englands Industrie und Handel in Frage kommt. Lloyd George gibt das offen zu und sagt sogar, Englands wirtschaftliche Kriegs-Verluste seien ebenso groß wie die sran- zSsischen Schäden in Nordsrankreich. Englands internationaler Handel müsse wieder in Gang gesetzt werden, was aber nur geschehen könne, wenn internationales Verttauen herrsche. Dazu seien Konferenzen notwendig, die das Miz- trauen und die Mißverständnisse beseitigen könnten, und in Genua solle der Anfang gemacht werden. — Da nun die Welt WM, um was es sich handelt, warum noch die Maskerade als FriedenSenqel? „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen", dieses fromme Wort im Munde eines Lloyd George ist frevelhafter Mßbraitch. Aber so sind die Engländer: sie umkleiden ihre Politik immer mit Phrasen der Frömmigkeit und Menschlichkeit. So fuhren sic Krieg, und so gehen sie wieder in den Frieden.
Wie dem auch fei, wir wollen uns nicht von Gefühlen leiten lassen, sondern die Tatsachen im Auge behalten. Da E n gl a n d jetzt Frieden will, deckt sich seine Absicht mit dem Bestreben Deutschlands. Llvvd George erkennt, daß Deutschland den Alliierten nur nützen kann, wenn eS genügend Bewegungs- sreiheit behält, um Werte schassen zu können. Deutschland leide, so sagt er, wie sedes andere Land unter dem großen Zusammenbruch des internationalen Handels. An zweiter Stelle nach Großbritannien hänge Deutschland mehr vom internationalen Handel ab als jedes andere Land. Aber in demselben Atemzug sagt er auch, Deutschland habe den Schaden mürwiMg angerichtet. deshalb solle es bezahlen und könne bezahlen! Es kommt ihm bei seinen rednerischen Uebcrtreibimgen nicht darauf an. daß er sich selüft widerspricht, denn im ersten Teil der Rede hatte er erklärt, die französische Behauptung, wonach Deutschland den Krieg unter allen Umständen hätte haben wollen, sei eine Legende.
Am bcd-entsamsten ist der Teil der Rede, der sich gegen Poincars richtet. Es sei erforderlich, die Ration zum Prüfstein der Vernunft und »icht der Gewalt zu bringen. Dies könne nur durch beharrliche Zusammenkünfte und Konferenzen geschoben. Nachdem vor einigen Tagen Poincarä voraeschla-geu hat, keine Konferenzen mehr zu veranstalien, sondern alle Trugen auf schriftlichem diplomatischem Wege -u erledigen, gibt ihm Llovd George setz: die 7.: darauf: .Mit dem Briefe ist die Sache
nicht ae-nc-ckt, mit einem Telegramm kann man nicht diskutieren. Man . muß sich von Angesicht zu Angssicktt gegenübersteheu Die Männer, die die Konferenzen bassen, sind die Männer der starren Ansichten, die Männer, die nicht gern der Wirklichkeit ins Auge
sehen. Es gibt Leute, die niemals einer Wirklichkeit ins Auge sehen. Es ist daher gut, wenn man sie zwingt, dies hin und wieder zu tuu l" Lloyd George weist dann aus die dauernde Gärung und die gegenseitigen Bedrohungen in den osteuropäischen Ländern hin. Das alles sei keine Stabilität. Auf dieser zerrütteten Grundlage könne kein Wirtschaftsleben aufgebaut werden, und man werde sehen, ob die Möglichkeit besteht, sie zu einem vernünftigen Einvernehmen zu bringen. Die Schaffung des Friedens in Europa ist an erste Stelle aus die Tagesordnung für Genua gesetzt worden. Die Washingtoner Konferenz habe den Frieden im Westen errichtet (?), und die Konferenz in Genua werde Hoffentlich den Frieden im Osten bringen. Bei dieser Gelegenheit betonte er, wie notwendig es sei, dach der Druck der Rüstungen, der noch auf der Welt laste, vermindert werde. Es ist sonderbar, daß die Erkenntnis fo spät kommt. Mögen die Beweggründe dieser englischen Friedenspolitik sein wie sie wollen, Deutschland kann jedenfalls der Konferenz in Genua, wo wir als gleichberechtigter Teilnehmer austreten können, freudig zustimmen, um die Gelegenheit zu ergreifen, auf die Aenderung de§ Versailler Diktats hinzuarbeiten. K. F. Dr.
Vor EnMeidungen.
Erklärungen und Beratungen im Reichstag. (Vrivat-Telearammh
Berlin, 25. Januar.
Im Reichstag herrscht heute lebhafte Spannung. Reichskanzler Wirch will die angcüindigtc Rede halten. Dir Entscheidung über die Sicuer- frage scheint unmittelbar bevoizustehen. Die für gestern ««gesetzten Ausschutzsitzungen waren sämtlich abgesagt worden, um den Fraktionen Gelegenheit zur Beratung zu geben. Fest sämtliche Fraktionen find seit dem frühen Morgen bei der Arbeit. Der Reichskanzler verhandelte gestern mit den Parteiführern. Er hegte ursprünglich die Hoffnung, daß noch gestern eins Verständigung erfolge, welche Hoffnung sich jedoch nickt erfüllt hat. Man nimmt in parlamentarischen Kreisen an, daß die Zwangsanleihe eine Hauptrolle bei den Verhandlungen spielt.
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Die Haltung ver Varteiekr.
Berlin, 25. Januar. (Privattelegramm) Reichskanzler Dr. W'rth wird heute vor dem Plenum des Reichstages eine programatische Erklärung abgebcn. In später Abendstunde wurden von den einzelnen Parteien Stirn- mungöberichte ausgegeben, wonach die verschärften Forderungen der MchrheitS- sozialdemokratie unannehmbar seien. Dagegen fand noch in der Nacht eine Besprechung zwischen Unabhängigen und M e h r - heitssazialisten statt, die einen nicht ungünstigen Verlauf genommen hat.
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Reue Kreditvoriage?
Berlin, 25. Januar. tPrivattelegra-nm.) Der Reickslandbund wendet sich in einer Eingabe an den Reichskanzler wegen einer Kreditvorlage.
Die Konferenz von Genua.
Um Amerikas Beteiligung» r (Eigene Drahtmelbung.)
London, 25. Januar.
Aus Washington wird berichtet: Die italienische Einladung an die Regierung der B e r einigten Staaten zur Konferenz von Genua wurde im KabinettSrat abermals erörtert. Ein endgültiger Beschluß ist noch nicht gesoßt worden, weil erst noch Berichte der Botschafter Harvey und Harrick aus London abgewartet werden sollen. Daß der Beschluß für eine Beteiligung an der Konferenz lauten wird, kann man schon daraus schließen, daß der Handels- Minister Robert, der für Genua auserseheuc Haupidrlegierte Amerikas, dem Kabinett bereits das Programm der Bereinigten Staaten für die Konferenz «useinandcrfetzto.
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Amerika« Dsrfchlöge für Europa.
London, 25. Januar. (Eigene Drahtmel- dung.i Die Korrespondenten der „Times" und der „Morningpost" messen den unter dem Vorsitz von Höver formulierten Vorbedingungen für die Wiederherstellung Europas, baS heißt, einer vernünftigen Abgrenzung der Reparativ ns le ißungen sowie der Abrüstungs- Forderung große Bedeutung bei, weil sie als Antwort aus Poinearss Rede gedacht seien und weil sie Amerikas Stellung zur Konferenz von Genua andeuten. Die „Times"
fügt noch Hinz«, daß die gesamte Sffentttche Mci- mtng Amerikas Hövers Vorschlägen zustimme.
Um dle Zwangsanleihe.
Die sozialiftischrn Forderungen. sPrivattelegramm)
Berlin, 25. Januar.
Der Berliner Lokalanzeiger berichtet zu der
gestrigen intersrEionellen Besprechung: Die f o - zialiftischc Fraktion verlangt, daß durch die Zwangsanleihe eine Milliarde tit Gold durch Gewerbe und Industrie aufgebracht werde« soll. Das bedeMet heitte eine Summe von etwa fünfzig Milliarden Papiermark. Außerdem soll die Zwangsanleihe sofort erhoben werden Für die ersten fünf Jahre soll sie nach den sozialdemokratischen Forderungen nicht verzinst werden, für die weiteren zehn Jahre foll sie nur zweieinhalb Prozent Zinsen ab- wersen. Von volksparteilicher Seite wurde in der Sitzung auf die Unmöglichkeit hingewiesen, eine derartige Summe ans unserem Wirffchas.s- leben heraus,zuziehen. — Die „Zeit" schreibt: Man kann annehmen, daß die sozialistische Forderung einer ZwtmqSankeih« von der Fraktion der Deutschen Volkspartei mit Entschje- deuheit abgelehni wird.
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LknnachgreSlgkrft der Linken?
Berlin, 25. Januar. (Privattelegramm.) Der „Vorwärts" erklärt zum Vorschlag der gesetzlich fixierten Kredilhilse: Es scheint bet der Deutfchen BoMMitei irgend eine Neigung, den Forderungen der Sozialdemokratie entgegenzukommeu, nicht zu bestehen. Dann würde, vorausgefetzt, daß eine grundsätzliche Einigung mit Zentrum und Demokraten zustande kommt, eine Mehrheit nur mit Hilfe der Unabhängigen zu schaffen fein, deren Borstand für heute vormittag 11 Uhr zum Reichskanzler Dr. Wirth geboten worden ist. Die bürgerlichen Parteien wissen jetzt genau, woran die Sozialdemokraten unter allen Umständen festzuhalten entschlossen sind. Es liegt bei ihnen, ob sie den Weg zur Lösung betreten oder ob das Reich in eine heillose Krise hinei n gleite« soll.
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Die dasrische BvÜkSparlek.
München, 25. Januar. (Privattelsaramm.), Wie die Passauer „Donauzeitung" erfährt, hat die gestrige FrÄtionsfitzung der Bayerische« BolkSpartei das Sieuerkompromiß der Mehrheitssozialiften nicht angenommen. Der Vorschlag einer Zwangsanleihe ols neues Geschenk an die Entente sei als dilettantenhast bezeichnet worden. Die Fraftion sei bereit, der Regierung ihre schwierige Aufgäbe gegenüber der Entente zu erleichtern, verlang jedoch Vorschläge, die von wirklichen Sachverständigen ausgingen und die n i ch t p o l i t i s ch e Stimmungs ziele einer Partei verfolgten.
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Dr. Wirty nnb das 3entr?jm.
Berlin, 25. Januar. (Privattekegramm.) ES heißt, datz der Reichskanzler Dr. Wirth unter Umständen geneigt fein dürste, die sozia- listifche ZwangSanlethe mitz»machen und daß er auch eine Verständigung mit den Unabhängigen nicht ungern fehen würde. Das Zen- t rii m selbst verhält sich durchaus zurückhaltend. Man nimmt an, daß Dr Wirth, der ursprünglich gestern sprechen wollte, heute oder morgen vor dem Plenum des Reichstages feine Programmerklärungen abgeben wird.
AMierSe Konferenzen.
Besprechung der Reparatiousfrsge.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 25. Januar.
Wie Melsungen aus London besagen, soll demnächst zwisckpm Poincar« «nd Lloyd George eine Zusammenkunft Sevorstehen. Wenn diese Konferenz, für die eine Bestätigung aus Paris noch nicht »orliegt, tatsächlich siatt- finden follte, so würde sic vor allem der R»° pSralionSfrage gelten. Sogar von einer Anleihe an Deutschland wird gesprochen, wozu Frankreich der Hülse Englands bedürfe. Auf jede» Fall aber must noch Näheres aus Paris aftgeroortet werden.
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Lim den Nahen Osten.
London, 25. Januar. (Eigene Drahttneldung.) Lord Curzon hat einen Vorschlag Poin- c a r 6 S, die Konferenz der Staatssekretäre des Aeußrrcn unter Beteiligung England?, Frankreichs und Italiens am 1. Februar in Paris cinzuderufen, angenommen. Diese Konferenz sog vor allem Richtlinien «ufsteLen über die in Zukunft $it befolgende Politik im Nahen Osten. — Wir der „T-mpK" erführt, wird an der geflauten Konferenz zwischen Lord Curzon und Poin- core voraussichtlich auch der stattrnische Außenminister teilnehmem
Geschenkte Kühe.
Amerikanische Ksitze oder Futtermittel?
ES Hegen jetzt Berichte Hb er die Erfahrung troib bte man mit »en im vorigen Jahre von Amerika gclommenen Mic-Hkithen genta«,* hat. Menschlich fühlend« Denischamertkaner hatte» ein gutes Wert beabsichtigt. Seiber ist fr er Erfolg beeinträchtig, worden, wie aus einem un» geschriebenen itchmSnnischen Bericht hervorgeht. Wenn auch das großzügige Hilfswerk, das die amerikanischen Favmsr der deutschen Rsgie- runa angeboten haben, keineswegs in seiner moralischen Bedeutung hcrabgedrückt werden soll, so darf man sich doch nicht den Schwierigkeiten verschließen, die der Durchführung des gesamten Srlanos entgcgensichen. Die ungünstige Finanz- age des deutschen Reiches, der Mangel an geeigneten Schiffen, die äußerst schwierige Unter« brinMng In der Quarantänezeit, die Entsendung besonderer Sachverständiger für die Neber« nähme der Tiere in Amerika und die Notwendigkeit einer zweckmäßigen Derteilung in Deutschland, sowie eine Reihe anderer besonderer Uinstäude hat es immer mehr in Erscheinung treten lassen, daß der an und für sich zweifellos begrüßenswerte Gedanke, die Zahl der MlchÄihe in Deutschland zu vermehren, auf wirffchaftlicher Grundlage durch die Einfuhr von amerikanischen Milchkühen, auch wenn sie geschenkt wurden, kaum durchzuführen war, und daß die von den Freunden Deutschlands in Amerika gehegten Absichten, dem deutschen Volke eine besondere Wohltat zu erweisen, auf diesem Wege wohl kaum erreicht werden konnte. Man braucht, um dies zn verstehen, nur zu wissen, daß die Transportkosten von der amerikanischen bis zur deutschen Küste sünftausend Mark je Kuh betrage«. Die inzwifchen gesammelte Erfahrung scheint leider all denjenigen Recht zu geben, die von Anfang an statt der Zuführung von Milchkühen die Dereifftelluug von Futtermitteln für richtiger gehalten haben. Von dem ersten Transport, der Texas« fieber-verdächtig war, konnten die damals eingeführten Tiere bei der großen Gefahr, die die Einschleppung dieser Kraniheit für den deutfchen Viehstand mit sich brachte, nur an einige Großstädte (Bremen, Leipzig, Dresden und Stuttgart) verteilt werden.
Der zweite Transport, der Mitte »orige« Jahres seuchenfrei eintras, war infofein schon vom Unglück verfolgt, als von 743 Tieren, die zur Verladung gekommen waren, 28 Stück eingingen, wahrscheinlich, weil sie vor dem Transport von deutschfeindlichen Eleinentrn kurz vor ihrer Einschiffung aus d.»n Sammelställen getrieben und herumgehetzt wurden. Die Kühe des zweiten Transportes wurden hauptsächlich Wohltätig keitsan st alten, Waisenhäusern, Kinderhorten, Krankenhäusern, Kuranstalten und Jugendheimen überwiesen. Die Tiere mußten nach! den bestehenden gesetzlichen Bestira- munaen überall während fast eines halben Jahres hindurch getrennt von anderem Vieh aufgestellt und gehalten werden. Sic sind in der Zahl von 1264 Stück an fast zweihundert Empfänger gegangen. Eine im Laufe drr letzten Zeit vorgenommene Prsimng über den Verbleib der Tiere und die mit ihnen gemachten Erfahrungen ergab leider ein sehr betrübendes Bild. Von fast fünfhundert Kühen, die Bremen zugewiesen bekommen hatte, mußten zwci- hundertachtundachtzig Stück, die zur Milchhaltung ungeeignet waren, geschlachtet werden; ihr ErWs deckte bei weitem noch nicht die durch den Transport und im Jnlande entstandenen Unkosten, die sich vro Kuh auf viertausend Mark beliefen. Dabei sind die Kosten, die in Amerika durch den Ankauf und bte Sammlung bei Tteie entstanden sinb, noch nicht eingerechnet.
Die Umfrage bei bett Empfängern btt Kühe hat ergeben, baß nicht weniger als zweiund- firfsus Prozent der Tiere in ihrer Haltung gröbere Kosten verursachen, als sie durch ihren Miühertrag an Einnahmen liefern, obwohl für jedes Tier zwei Pfund Kraftfuttermittel unentgeltlich geliefert werben. Ein relativ hoher Prozentsatz "gibt gar keine M'lch, mehr als zehn Liter gaben von den zwölfhnnvcrt Stück nur Wnfunddreißig Tiere. Don allen sachverständigen Haltern, die genaue Buckfführüng haben, wird die Frage der Wirtschaftlichkeit der Tiere fast durchweg verneint. Leider ist auch der Ver« kanfsprejs der Tiere im allgemeinen sehr niedrig.
Eine weitere FortAhruna des Viehtransportes kann daher nicht empfohlen werden, und es würde eine zur Verfügung gestellte genügende Menge von billigen Futtermitteln Deutschland sehr viel mehr nützen und die Not lindern. Durck bte schlechte Futtermittelernte des vorigen Jahres ist die Not an Krastfuttcrmit- teln zurzeit so groß wie selten. Die Einfuhr von Oelsaaten zur Fabrikation von Del und Oel- kuchen ist beispielsweise zurzeit völlig davon abhängig, daß ein gewisser Prozentsatz der Oel- kuchen zur Ausfuhr freigegeben wird. Gefchieht dies nicht, fo ist es bett Oermühlen unmöglich, Saaten aus dem AuSlarüie einzufiihren und her