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Nummer 20

Dienstag, 24. Januar 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Kein Fortschritt der Gteuerberatung

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Trauer in Bayern.

lPrivat-Telegrammft

Wilder Streik in Sachsen

Teilweise Stillegung der Eisenbahn.

daß der Papst am Z. September 1914 während der ersten großen Schlachten im Weltkriegs zum Papst gewählt wurde. Er habe alle seine Kraft eingesetzt, um die menschlichen Leiden zu lindern, ebenso um BesckMchtigung dez Hasses und Ver föchnung der BSlker sich bemüht. Während bei KriegZiahre habe er sich besonders der Zivikae- sangcnen angenommen. Tausende deutscher Kru. der seien durch seine Vermittelung in den Stand gesetzt worden, sich warm zu kleiden und sich zu sättigen. Das deutsche Volk nehme tiefen Anteil an dem Tod dieses verdienten Mannes.

Die rietet Neuesten N« »richten erscheinen wöchentlich iechimal und zwar ad end«. Der AdannenientSprei« ditrü,! »enaMch IQ. Mark bei dreier Zusiellun, in» Hau«. «u«. »art« durch di» Poii b,zo,en 10 - Mark monatlich einschkietlich Zustellung. vest:llun,e» werbe» ;e6en:U von der »ejchästtftell« oder den Boten entgegen genommen. Druckeret, yerlog und Redaktion. SchlachthoNtrabe 28/30. Für unverlangt eingesandte Beiträge kann di« NedakNon eine Verantwortung oder Tewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung »es Bejngrgelde« oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Steserung auSgeschloste».

Am das GtmerksmpromsH Kein Fortschritt der Verhandlungen. (Drivat-Tekegrammch

Italiens Haltung.

Zürich, 23. Januar. (Eigener Drahtbericht.) %*'* Rom wird gemeldet: Ter Kamme raus schuß

JnierNonSpretle! aj Sinhetmtsch« Aufträge r Die einlvaltige Anrerzenzeile M. 2.. die einfpilttge Reklame,eile M. dl Autwärnge Buttrige: Die -Inwaltige anjetgenjeUe M. 2 die etnlpäitige Keklami,eite M. , alle« einichltebiich TeuerungsMichlag und Srneigensteuer Für Anzeigen mit delo«d-rt lchwiertzem Sag hundert Prozent Aufschlag. Für die RichNgkett aller durch Fernsprecher ausgegebenen Anzeigen, sowie sür Ausnahme. taten und Plätze kann eine Sewäör nicht übernommen werben. Druckerei: Schlacht- »osstraße **/3O. Belchäsl«ft-.lle: ltölnische Straße », Telephon Nummer »51 und 952.

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OrsterreiGS Beileid.

Wien, 23. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) Sogleich nack dem Bekanntwerben der Nachricht vom Tode des Papstes, der gestern früh sechs Uhr gestorben ist, fuhr der Bundeskanzler Dr. Schober bei der Nuntiatur vor, um dem Vertre­ter des Vatikans die Anteilnahme der Re­gierung der Republik Oesterreich auszufprechen.

für Auswärtiges hielt eine Sitzung ab. Bonomi teilte die Resultate der Konferenz von Cannes mit uild die Einladung an Rußland und an Deutschland zur Konferenz nach Genua. Bonomi sagte dann, man habe Rußland und Deutschland nach Genua eingeladen, um eine wirtschaftliche Verwüstung Europas zu verhindern. Ausgabe der Staatsmänner sei es, in Genua die Annäherung der Völker so zu lenken, daß die bisherigen Schranken zwi­schen den einzelnen Kriegführenden nach Mög­lichkeit beseitigt würde». Der Ausschuß bil­ligte eiustimmig die Erklärung Bonomis.

Gionvpunki örr IftrOten.

Berlin, 23. Januar. (Privat - Telegramm.) Di«Deutsche Tageszeitung" erklärt zur Steuer­frage: Wer die ProduttionSgrundlage deS deut­schen Volkes für die Zwecke der Alliierten noch stärker angreifcn will, handelt nicht patriotisch, sondern gewissenlos. Er ist kein Sachwalter deutscher Interessen, sondern ein Anwalt dr§ feindlichen Auslandes.

Dresden, 23. Januar.

Tatsächlich ist am Sonnabend mittag 12 Uhr Se Arbeiterschaft der Eisenbahner in den Streik getreten. Die Lokomotiven für dir fahrplan­mäßigen Züge werden nicht mehr gestellt. Gegen schon austretcnde Eingriffe in den VerwaltungS. apparat seitens der Streikenden siebt sich die radikale Streikleitung genötigt, mit aller Schärfe vvrzugehen. In einer im Dresdener Haupt­bahnhof abgehaltenen Betriebsversammlung gab der Vertreter des Deutschen Eiseubah. nervrrbandes als Antwort der Hauptlei­tung zu den gestellten Forderungen folgende Er­klärung ab:Der Hauptvorstand mißbilligt den Streik nnd hat die Bezirksleitungen Sach­sens ersucht, den Streik nicht auszurufcn. Ter Deutsche Eisrnbahnerverband gewährt den an einem Streik Beteiligten keinerlei Streik­unterstützung. Er wird sich vor allen Din­gen auch um Leute, die eventuell der Maß­regelung verfalle». »W kümmern."

München, 23. Januar. (Privattelegranrm.) Anläßlich deS Ablebens deS Papstes hat der bay­rische Ministerpräsident Graf Lerchenseld an den Kardinal-Nuntius folgendes Tele­gramm gerichtet: In tiefer Trauer über das .tzinscheiden des Papstes Benediktus deS Fünf­zehnten bitte ich Eure Exzellenz, den Ausdruck des innigsten Schmerzes entgegenznnehmen. Der Tod des heiligen Baters bedeutet für die ganze Menschheit einen schweren Verlust. Besonders in Bayern werden das segensreiche Wirken und das Wohlwollen des in Gott ruhenden Papstes für alle Zeit unvergeßlich bleiben, gez.: Graf Ler­chenfeld, bayrischer Ministerpräsident.

Aussichten für Genua.

FrankrelchsSleRnngnahmegegenDentschland (Eigener Trahtberichtft

Paris, 23. Januar.

In der französischen Regierung werden vier Roten vorbereitet, die heute nachLondouab- gesandt werden. In der einen, die die Konferenz von Genua betrifft, erbittet Poinrare« die schriftliche Bestätigung, daß die Frage der W i e- dergutmachunanichtzur Diskussion gelart- geu wird. Er druckt den Wunsch auS, daß, falls Deutschland an einem Konsorttum teilneh- men werde, die daraus fließenden Gewinne auf das Konto der Wiedergutnrachung verrechnet werden sollen. Die zwette Rote betrifft den Ga­rant ievertrag, der in Wirklichkeit erst später er­örtert werden soll. Die dritte Rote gibt Einzel­heiten über die Frage deS Vertrages von An­gora und dir vierte Rote endlich behandelt die Tanger-Angelegenheit.

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Sin mvgttcher Mißerfolg.

P a"r i L, 23. Januar. (Eigene D-rahtmek-! düng.) Heber die bevorstehende Wirtschaffskon^e-' renz schreibt die Pariser Ausgabe derChiragr Tribüne", daß nach der voraussichtlichen Haltung der französischen Regierung zur Konferenz von Genua und angesichts derjenigen, die die ame rikantfche Negierung offenbar eiuzunehmen ge­willt ist, die Konferenz von vornherein zum Mißerfolg verurteilt sei. Wenn Poincars an der Konferenz nicht teilnehmen wolle, wenn die , Reparationsfrage oder die Frage der Auslands- ! schulden der ehemals russischen Regierung erör­tert werde und wenn ferner der amerikanische Autzennttnister Hughes die Erörterung der Kriegsanleiheschulden der Ententestaaten gegen­über Amerika ablehne, so sei damit die Monse renz von Genua zum Scheitern verdammt.

Der Tod des Papstes.

Sm Gedanken an den Weltfrieden.

(Eigener Bericht.)

Rom, 23. Januar.

Der Papst ist gestern, Sonntag, früh, fünf Minuten nach sechs Uhr, nach heftigem Toves- kamps gestorben. (Die Sonnabend-Meldung aus Rom war verfrüht.) Gegen drei Uhr be­reits begannen die äußeren Gliedmaßen zu er­kalten und daö Bewußtsein setzte zeitweilig auS. Kurz vor fünf Uhr bemächtigte sich des Ster­benden große Erregung. Er mußte auS dem Bett springen, indem er vom Weltfrieden sprach und rief, daß seiner wichtige Geschäfte harrten. Gestern haben die katholischen Minister im Va­tikan vorgesprockte» und das Beileid der Regie­rung zum Ausdruck gebracht. Am Nachmittag fand in Anwesenheit des diplomatischen Korps die feierliche Ausbahrnng des Papstes statt. Der Papst lag in einem weißen Gewände mit gol­dener Mitra, «sattele« Händen und ruhigem, säunerzlosem GesichtSausdruü. Die Beisetzung findet wahrscheinlich im Petersdom statt.

Berlin, 23. Januar.

Wie der Lokalanzeigrr auz parlamentarischen Kreisen erfährt, sind die Verhandlungen in der Steerfrage noch nicht weiter gekommen. Man nimmt an, daß neuerdings Schwierig­keiten ausgetreten sind. Heute tritt die mehr- heitSsozialistischc Fraktion des Reichstages zu­sammen, um sich über die Frage deS Stenerkom- rpomiffeS zu unterhalten. Man hält eS für nicht ausgeschlossen, daß diese Sitzung Ueberraschun- gen bringen wird. Zur Steuerfrage schreibt die volksparteilicheZeit": Die Fraktionen, die außerhalb der Regierung stehen, lassen sich, wie wir bestimmt zu wissen glauben, aus ein Spiel mit wechselnder Mehrheit nicht ein. Tie Regierung wird ihre auswärtige und ihre Steu­erpolitik mit derselben M'hrhett machen müssen.

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Llkdrrraschung uueti) Sie Sozialisten?

Berlin, 23. Januar. (Privat - Telegramm.) DerVorwärts" schreibt zur Steuerfrage: Eine Verständigung ist bisher nicht zustande gekom­men Kommt keine befriedigende Verständigung zustande, dann steht unsere Frattion vor der allerschwerster« Entscheidung, die sie jemals zu fassen hatte und es besteht eine starke Wahrstminlichkrit dafür, daß diese Entscheidung sür die klugen Rechner vom Zenttnm eine hef­tige Ueberraschuna sein wird. Am Diens­tag soll der Reichskanzler Dr. Wirth im Reichs­tag sprechen. Wahrscheinlich aber wird die protze politische Aussprache verschoben werden müssen.

Zur Brolpreisertzöhung:

Die Vertreterversammlung desKurheMche« Landbundes" wehrt sich dagegen, daß die jetzt von der Regierung beschossene Erhöhung des Brotpreises von rund fiuif Mark für ein Vier« Pfund-Brot wieder von gewissenlosen int Stil­len arbeitenden Hetzern derunersättlichen Pro. fitgier" der Landwirtschaft zur Last gelegt wird und stellt fest, daß diese Verteuerung durch leine Mechrforderung der Landwirte für ihr Brotgetreide verursacht worden ist, obwohl eine solche bei der außerordentlichen Weigerung aller Produktionskosten berechtigt gewesen wäre. Wir erhalten nach wie vor nur 105 M pro Zentner für die zweieinhalb Millionen Tonnen Urninge« Betreibe, die wir weit unter den eigenen Pro« buktionskosten für die Ernährung des deuffchen Volkes liefern. Die Landwirtschaft bringt da­durch bei der augenblicklichen Spannung zwi­schen Umlagepreis und Marktpreis für Roggen ein Sonderopfer von rund achteinhalb Mimar- ben Mark und weist empört die obenerwähnten Verdächtigungen der gewissenlosen Hetzer zurück.

Zur Kleiefrage:

Der Landbund.

Entschließung der knrhesfischrn Vertreter.

(Eiaener Bericht.!

Marburg an der Lahn, 22. Januar.

Der »Kurhessische Landdund" hielt in beit Tagen vom 17. bis. 18. Januar in Marburg an bei Lahn seinen diesjährigen Vertretertag ab, bei sich neben organisatorischen Fragen auch mit den volkswirtschaftlichen Tagesfragen, welche die Landwirtschaft besonders stark interessieren, be­schäftigte und nachfolgende Entschließungen saßte:

Anteilnahme de« deutschen Volkes.

Berlin, 23. Januar. (Privattelegramm.) Reichspräsident Ebert richtete gestern anläßlich des HinscheidenS des Papstes an den apostoli- fd*en Nuntius Pacelli in München folgendes Telegramm : Tief erschüttett durch das Hin- fcheiden Seiner Heiligkeit des Papste« spreche ich Eurer Exzellenz tnt Namen des deutschen Reiches meine aufrichtigste Teilnahme aus. Das deutsche Volk geben» in Dankbarkeit der großen LiebeStätigkeit des Papstes während des Weltkrieges nnd in der Folgezeit, seiner Bestie, bungen für den Wiederaufbau der Welt im Sinne der Bölkerversöhnung und der christlichen Notlage, bcj.: Ebert. Reichspräsident.

Aus dem Reichstag.

Gesetzentwürtz und Interpellationen. "(Eigener Bericht.)

Berlin, 23. Januar.

Die Sonnaberckverhanblungen deS Reichs­tages wurden durch die trauernde Kunde vom Ableben des Papstes unterbrochen. In ernste« Worten gedachte Präsident Loebe des Papstes, der in der Kr-egszeit bemüht gewesen war. die Seiden bei Menschheit tu lindern, der sich besonders der Kriegs- und Zivilgefangenen angenommen bade und dem Tausende von deut­schen Kindern warme Kleidung ititb ausreichende Nahrung verdanken. Der Präsident stellte fest, daß das deutsche Volk tiefen Anteil an dem frühen Tode dieses verdienten Mannes nehme.

Die Sitzung hatte mit einer längeren Veam- terrauSArache einssfrfrt ES.handelte sich um

Vapft Bemölkt t

«Sein Wirken zum Frieden.

Der päpstliche Stich! ist wieder einmal ver­waist. Papst Benedikt XV. hat seine Augen für immer geschloffen. Sein Kirchenregiment war nicht von langer Dauer, wurde doch bei Kardinal GiacomodellaEhtesa nach bei« Ableben seines Vorgängers Giuseppe Saito, der als Pius X. Leo XIII. gefolgt war, erst wäitzrenb der ersten KriegKmonate für den Stuhl Petri bestimmt. Am 21. September 1854 in Ge­nua geboren, war er schon im jungen Alter von 24 Jähren Priester, m späteren Jahren Kabi­netts- Und Unterstaatssekretär am Heiligen Stuhl, um 1907 die Würde eines Er)« bischofs von Bologne zu erlangen. In die Reihe der Purvurtröiger trat Giacomo della Chiesa am 12. Mai 1914 ein, und schon wenige Monate später wurde er vom Karbinalkollegium für würdig befunden, die Nachfolge des verstor­benen Pius X. anzutreten. Am 3. September 1914 ging er als Sieger aus dem Conclave her­vor, leine Krönung zum Papst erfolgte am 6. September desselben Jahres. Seine PMiherr- schaft hat miÄin nur wenig über 7 Jahre ge­währt, während sein Vorgänger auf eine lljäh- rigc Amtszeit zurüclblicken konnte.

Der geint,jana Benedikts XV. muß weit über die Grenzen dez Katholizismus hinsus aufrich­tige Terlnahme erwecken. Benedikt XV. war kein Mann des politischen Kampfes wie etwa Leo XIII., er hat auch in kirchlieyen Orzanisa- tionsfragen eine größere Zurückhaltung beob­achtet wie noch sein Vorgänger Pius X., sein ganzer Ehrgeiz bestand darin, nichts anderes zu fein, als wozu er sich als Statthalter Christi auf Erden berufen fühlte; ein Friedensfürst. Diesen Beruf hat er mit imerschWtterlicher Treue, mit bewundernswerter Hingabe aufrecht erhal­ten. Und die Umftänbe wollten eS, daß er für seine Friebenstätigkeit nur ein ällzuweitez Feld hatte. Der größere Teil seiner Amtstätigkeit siel in bie Zeit des WelSriege S. Als er in den Vatikan einzog, tobte auf den Schlachtfel­der» bereits fett Monaten der Kampf der Waf­fen. Das Rad der Geschichte war nicht mehr auf- zuhalten, und wenn der neue Papst mit Schmer­zen sehen mußte, wie zu seinen Fußen die Welt vom Wahnsinn ergriffen, sich im Blute wälzte, so vermochte er der entfesselten KriegSwut einst- weilen kein Halt z« gebieten Aber während der folgenden Kriegsjcchre Svt sich für den Frte. denssürsten noch oft genug Gelegenheit, iml- dernb in bas Getrieh der Politik einzugreifen und ans dem Elend zu retten, was noch irgend gerettet werden konnte. Mm erinnert sich, daß Benedikt XV. von sich aus verschiedentlich Ver­suche unternommen hat, um der Kriegsfurie Einhalt zu tun. Auch eine Friebcnsanregu tg der deutschen Regierung nahm Benedikt Xv. willig auf. freilich ohne den gewünschten Erfolg zu erzielen. Immer wieder suchte er durch den Einfluß der Kircke und ihre Organe ein baldi­ges Ende des Kriogswütens herbeizuMien, und feine Umgebung schilderte den ganzen Sekmer; der Enttäuschung, der den edlen Mann stets von nennt erschütterte, wenn er sehen muhte, wie aller guter Wille an den Intrigen, an dem Blutdurst und an der Beschränktheit der Men­schen scheitern mußte

Trotzdem legte bet Papst auch in solchen Augenblicken nicht die Hände in bett Schoß, son­dern organisierte Taten der Wohltätigkeit, nm die Kriegsnot zu lindern, verwandte sich für das Schicksal ber Kriegsgefangenen, bereit furchtbare Selben ihm besonders nahe gingen und strebte danach, mit allen ihm zur Verfügung stehendm Mitteln ben Haß und das Rachcgefübl auf beiden Seiten einzudämmen. Sicherlich war seine Aufgabe dabei keine ganz leichte, denn bie seiner Obhut anvertraitten Glaubensgenos­sen standen in beiden Lagern des Kampfes. Umsomehr verdiente sein objektives Ur­teil Anerkennung, das sich oft in augenfälligem Gegensatz zur allgemeinen Aufassung gestellt bat. Wohl gab er zu, daß in Belgien Dinge passiert sind, die besser unterblieben wären, aber er un­terließ es auch nicht, das Vorgehen der Deut­schen durch gewisse Provokationen der Belgier zu entschufdigen. AfS nach Beendigung dez Krie­ges da? Komitee der Robelsttstuna seinen Frie­denspreis Benedikt XV. überreichte, herrschte wohl nur eine Meinung darüber, daß eine wür- bigere Wahl nicht getroffen werden konnte, geute weiß niemand, wer der Nachfolger Denedikis XV, werden soll. Aber das eine ist gewiß, daß mit dem Letzteren auS der Reihe jener Männer, bie auch während bet furchtbaren Kriegsspochs das Banner der Menschlichkeit und brüderlichen Versöhnung hschgehalten halben, bet Besten einer gefchwunden ist. und daß bie Welt, die mehr als ie unerschütterlicher Führer auf bem Weae zur Menfchenversöbnung bedarf, um einen eb!ef*en Wohltäter beraubt ist

Die Nachricht v»m Tode bei Papstes wurde «n Sonnabend im ReichStag vom Präsiden­ten Loebe bekannt gegeben und betont, während sich die Abgeordneten von den Plätzen erhoben.

Die.Vertrekerversaurmluna des .Kurhessiseb' it Landbundes^ hat mit Bedmtern von der Äv- lehnung unserer berechtigten Forderung, baß dem Landwirt die in diesem futterarmen Jahre und für die Milchprsduktton besonders unentbehrliche Kleie prozentuccl seiner Brot- getreideablieferuna und zu einem dem Umlage« getteidepreis entsprechenden Preise zurückgege­ben wird, Kenntnis genommen. Mr bettachteu es als eine große Ungeredjrtgteti, wenn der Landwirt für stein gutes Getreide 105 M Pro Zentner erhält und fiir die daraus abfallende Kleie 130 M bezahlen soll und von diesem Preis die Reichsgetreideftelle 115 M .zur Deckung ihrer Unkosten'' in Anspruch nimmt. ES ist dies ein Mißstand, den wir nicht länger sMschWeigend hinzunebmen gewillt sind, besonders wenn uns aus der durch solcheVerdienste" notwendig fol- genben Erhöhung des MUchPreifes ein Vorwurf gemocht werden sollte.

Zur Getreideumlage:

Angesichts der bei dem jetzigen Umlageverfahren zu Tage tretenden Ungerechtigkeiten und gegen­über den Bestrebungen gsvifler Kreise, das Um« lageversahren in dieser Form zu verewigen, er« klären die knrbesstschen Landwirte in ihrer Ver« tteteiversammluna in Marburg a. L. einmütig eine Wiederholuna des Umlageverfahrens für daS kommende Wirtschaftsjahr unter keinen Umständen binzunehtnen. Mit den Ungerechtig­keiten der Zwangswirtschaft und seinen Aus­läufern, sowie mit den sogenanntenBewirt- schastungssttllen" muß endlich einmal aufge­räumt weichen.

Zum Hilfswerk der Landwirffchaft: - Das von dem Reichsausschuß der gesamten deutschen Landwirtschaft angeregteHikfswerk ber Landwirtschaft" in Gestatt einer großzügig mit allen verfügbaren Mitteln organisierten landwirtschaftlichen BroduktionSsteiger« una hat freudigen Weberhall bei unseren kur- hessischen Landwirten geftmden. Was an im$ liegt, soll geschehen, um diesen Plan zur Tai werden zu lassen, obwohk wir bie Schwierigkei­ten und das Risiko be8 Einzelnen nicht verken­nen. Wir erwarten dabei die tatkräftige Unter« Wtz'.iiv, und Würdigung unserer haupiiächttch der Mlaeminbeit des deutschen Volkes zu Gute kommenden Bestr^imgen.

Kasseler Nemste Nachrichtm

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung