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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler AbendzeLLung Hessische Abendzeitung

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Nummer 16.

Fernsprecher 951 und 952

Donnerstag, 19. Januar 1922.

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Deutschland sagt für Genua zu.

Bericht im Ministerrot.

Ausgaben des Kabinetts

Tin Plan für die Repaeatronskommrssisn.

Die ti-Boot-Frooe.

und tote die Barzahlungen und Tach-

Dßk Konferenz in Genua Frankreich ist wieder u : zufrieden.

Paris. 13- Januar (Eigene Drahtmel- düng.) Gestern morgen versammelte sich der französische Ministerrat unter dem Barstst Millerands. PoincarS erstattete Bericht über seine Unterredungen mit Lord Crrrzon «nd Lloyd George. Der Finanzminister berührte die finanzielle Lage und kündigte die baldige Vor­lage des Budgets für das nächste Früher an.

probe mutzte einmal gemacht werden, und nicht nur bei uns, sondern im ganzen Auslande ist die Ueberzeugung verbreitet, datz uns diese Epoche gar nicht erspart werden konnte, datz wir sie auf uns nehmen müssen, und daß erst nach Ueberwindung dieser Epoche daran gedacht werden kann, die Welt endlich der ersehnten Ruhe uns Ordnung zuzuführen.

London, 18. Januar. (Eigene Dralhtmel- d'.maff Lloyd George erklärte dem Vertreter der italienischenTribuna": WaS deu Garant ie-

Die Sinloöung an Oesterreich.

Wien, Id. Januar (Eigene Drachlmeldung.) Der italienische Gesandte hat der ö st e r r e i ch i - scheu Regierung eine Note des italienische» Außenministers überreicht, in der Oesterreich zur Konferenz von Genua eingeladen wird.

Endgültig und bedingungslos.

Paris, 18. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) Als Nachtrag zu der Konferenz zwischen Lord Curzon und PoincarS teilt derMatin" mit: Die Einladung zu der internationalen Kon­ferenz in Genna ist von dem italienischen Mini­sterpräsidenten Bonomi bereits im Auftrage des Obersten Rats versandt worden und ist end­gültig. Sowohl die Sowjetregierung als auch die früher feinEchen Regierungen würden auf dieser Konferenz erscheinen, ohne daß ihnen vorherige Bedingungen auferlrgt worden feien.

Herrschenden die täglich benötigte frisch« Milch liefern müssen. Von Station zu Station muß der jeweilige Stationsvorsteher mitfahreu, der mit seinem Kopf für die Sicherheit des ZuaeS Bürgschaft leisten mutz! Und wie sicht es bei den Wahlen aus, Ein Wahlrecht gibt eS nicht. Auf den Liften sind wohl Kandidaten und Gegenkandidaten aufgeitelft, aber mit der Knute wird es der. Wählern beigebrcuht. welche Leute sie zu wählen hoben. Tanzt doch

rares Vergangenheit, an seinen verderblichen Einfluß, der. wie heute nicht mehr bestritte,» werden kann, wesentlich zur Herbeiführung des großen Weltkrieses beioetragen hat, erinnern, und wenn 1cir dementsprechend die Politik Po- incaröS als verhängnisvoll und verderblich be­zeichnen müssen, so ist das nicht nur unser Recht, sondern auch unsere Pflicht.

(Eigener Drahtbcrichtzl

Paris, 18. Januar.

Die gestrige Abcndprcffe greift aufs schärfste Italien an wegen der Einladung au Deutschland, bevor die neue französische Regierung dem Beschluß in Cannes zugestimmt habe. Der ministerieLeMatin" schreibt, daß das Ministerium PoincarS vor eine voll­zogene Tatsache gestellt worden fei, was umso bedauerlicher bleibe, als Poinears in sei­ne» Besprechungen mit Lloyd George die Stel­lungnahme Frankreichs zur-Genueser Konferenz sich vorbehalten hatte. DerTemps" schreibt: Das französische Volk ist von seinen Alliierten wenig freundlich behandelt worden. Es wird aber selbst zu entscheiden haben, ob es in Genua mit den Deutschen über ihre Ver­pflichtungen debattieren will oder nicht.

Eine DrfpreHung fn Varis.

Paris, 18. Januar. (Eigene Drahtmel- bung.) P o i n c a r e hat nach seiner gestrigen Nntrrredung mit Lord Curzon sich optimistisch geäußert. Der französische Ministerpräsident be- schräntte sich darauf, die Darlegungen des engli» scheu Ministers anzuhören, da es ihm nach Lage der Dinge noch nicht möglich war. selbst irn Na­men der neuen französischen Regiermig bindende Vereinbarungen zu ntachen. PoincarS soll wie­der den Eindruck gewonnen haben, daß eine Verständigung zwischen Frankreich und England möglich sei, wenn die Einigung auch nicht so schnell erzielt werden sollte, wie es zu­erst in Cannes der Fall zu fein schien. Der englische Außenminister Lord Curzon ist gestern nachmittag wieder nach London abgereist.

DmisGIanS nimmt an.

Berlin, 18 Januar. (PriwrnÄessramm.) Gestern nachmittag hat das RerchskabincU den deutschen Botschafter in Rom beauftragt, die Annahme der Einladung nach Genua der italienischen Regierung mitzuteilen, sowie, daß die Bekimntgavc der Delegierten Deutschlands in den nächsten vierzehn Tagen erfolgen wird.

tim Rußlands Teilnahme.

Brüssel, 18. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) Sür die Konferenz von Genna hat die b e l g i - f ch e Delegation eine tocfentliche Bedingung ge­stellt: Rußland müsse sich nicht nur zur Rück­zahlung der Schulden des Staates verpflichten, sondern ->uch die Schulden der Provinz- und Stadt-Behörden und die Rückgabe der belgischen Vermögen, die befckflagnah.-nt worden waren, ga­rantieren. Aus Moskau wird gemeldet: Der Rat der Volkskommissare hat eine besondere Kommission gebildet, deren Ausgabe in der Aus­arbeitung eines Memorandums für die Konferenz von Genua bestehen wird.

vertrag zugunsten Frankreichs betreffe, so sei e« wünschenswert, ihn noch vor der Konferenz von Genua zu unterzeichnen. Indessen müsse erst Poiucares Attücht gehört werden. Aus die Frage, ob England etwa geneigt sei, Frankreich gegen­über in der Unterseeboot frage nackzu- geben, erklärte Lloyd George: Niemals! Er fügte hin-u, daß für die Handelsschiffahrt ge­fährliche Umerseeboote im Konfliftsfalle alS Waffe der Küstenverteidignng. nicht aber als Of- fenstvwaffe gebraucht werden dürfen. Llovd Ge­orge schloß: Weder der Garantievertrag, noch dir Revision der Reparation widersprächen demlermai einer aus der Reihe,' so kann er ver- Bcrsaillcr Be'trag und FankreichL AMousfrei- iichert sein, datz er noch am selben Tage vom beit werde in keiner Weise beschränkt werden. »Leden in den Tod befördert wird. . .. So steht

EWianö rmö Frankreich.

Lev bevorstehende Earttntievertrag.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 18. Januar.

Die britische öffentliche Meinung erklärt sich zugunsten eines englisch-französischen Abkommens, baS, wie allgemein anerkannt wird, die Grundlage für irgendwelche Maßnahmen bilden soll, die man für den wirtschaftlichen Wie­deraufbau Europas (?) anwenden könnte. Der nächst: Schritt liege bei der französischen Regie­rung. Die neuen Vorschläge, die Frankreich der britischen Regierung machen werde, seien der sympathischen und günstigen Beurteilung seitens der brttischen Regierung, des Parlaments und der Bevölkerung sicher. Man glaubt, daß die Auflösung des Parlaments nicht vor dem. Zu­sammentritt der Genueser Konferenz erfolgen wird. Llovd George wird, wie gemeldet, in dieser Woche eine öffentliche Rede halten. Man erwartet von dieser Rede wichtige An­kündigungen über die britische Politik.

Vie beiden Herrscher, ein solcher für das Gesot* ge und ein solcher für die begleitenden Da­to. e n. Jen Zuge selbst wird ein Wagen mit le­benden Milchkühen mitgeführt, die den

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 18. Januar.

. Das Reichskaüiuett trat gestern abend zn einer kurzen Sitzung zusammen, »m sich mit der Er­ledigung laufender Angelegenheiten zu beschäfti­gen. Außerdem handelt es sich jetzt darum, ein­mal ein Programm für die Konferenz in Genua aufzustellen, dann aber einen Plan auszuar- beiten, der auf Verlangen der R e p a r a t i o ns- kommission bekanntlich innerhalb der näch­sten vierzehn Tage sertiggcstellt werden mutz. Nach diesen- Plan ist die RcichSregiernng ge­zwungen, Auskunft darüber zu geben, wie sie der weiteren Vermehrung des Papiergeld. Umlaufes aus dem Wege gehen will, wie sic sich die Bilanzierung des Budgets den«

Eist Jammertal.

Brief eines Kasseler Arbeiters auS Rußland, gebet benlenbe Me ifck» wird davon C6«t. zeugt feit», bah Sie Zustande in Rntzlond ett'.fefcH* find.Die vielen Berichte,vie tote di». ?iet von dort veröffentlichen konnten, werde» etz» durch bett nachstehenden Brief eine» Kafseler Arüoirrrs ergSnzt, der ein wahre» BUS von der Bolfchewiftsn-Wirlfchaft gibt« Die Sowjetregierung hat bekanntlich in Deutschland vor einiger Zeit eine Anzahl Lo­komotiven bestellt. Die ersten hiervon sind kürz­lich auf dem Wasserwege in Reval angeiomimen, wo die Maschinen von deutschen Wbeiteru, die von den betreffenden industriellen Wrrlen dahin entsendet wurden, fertig montiert, eingefahren und dann nach Petersburg übergefübrt wurden. Von einem dieser deutschen Arbeiier ging uns ein Brief zu. den wir hier im Wort­laut folgen lassen und der mit kurzen Worte« rin grausiges Bild entwirft von den Zuständen und der Zersetzung der einstmals so stolzen Zarenftadt Petersburg und dem Treibe« der Kommissäre der Sowjets entwirft. Der Brief lautet:. . . Bin nun auch mit mehreren Kol­legen einmal nach Petersburg gekommen. Ader welche Zustände hier der Kommunismus ange­richtet hat, ist kaum zu beschreiben. Die besten unb schönsten Häuser sind eingestürzt, weil alle Holzteile (Treppen, Fußböden ufw., überhaupt alles, was Holz heißt) zu Brenn- nutz Heiz­zwecken verbraucht wird. . . . Ein Beamter oder Arbeiter (Unterschiede gibt es nicht) au der Bahn erhält monatlich 16 000 Rubel Lohn; da­bei kostet ein Pfund Brot 80003 Rubel, ein Quantum Brennholz eitoa fünf Zentner kostet nur sechshunderttausend Rubel. Dabei erhalten Beamte und Arbeiter in den wenigsten Fällen ihr Gehalt und Lohn ausbezahlt, viel­mehr bekommen sie statt dessen ein Paket Streichhölzer vder ein Pfund Brot. Selbstbcrständlich erhalten sie daneben Verpfle­gung. Doch diese

Für uns handelt es sich jetzt tun die Frage, tote wtr uns zu diesem Kadinett Pomcars stel­len, und welch« Politik wir ihm geocnÄber be- tretben wollen.. Da muß gesagt werden, datz dem Kurswechsel in Frankreich ein deutscher Kurswechsel keineswegs entgegengestelll werden kann und darf. Zirm Wesen der Politik gehört es, daß man sich mit dem Tatsächlichen, auf des­sen Formung und Entwicklung ein eigener Ein- kluß ntcht zusteht. so gut als es eben möglich »st, sich ahfmdet Wir müssen also auch das Ka- dmett PoincarS hinnehmen, und wir müssen ibm gegenüber das, was wir für recht und wahr erkannt haben, mit derselben E n t s ch i e- d en hei; vertreten, wie wir das geoenüber je-

Gerade ein Kabinett PoincarS muß uns in dem Willen bestärken, jetzt mit besonderer Ent­schiedenheit die Led-msnotwendigkeiten des deut­schen Volles und Daterlandes tvochrzuuehmen und zn vertreten. Und wir können es ganz ruhig aussprechen: Fe mehr wir bei die'er ent­schiedenen, einzig und allein auf die deutschen Schicksalsfragen zugescknittenen Politik verhar­ren, je mehr wir die ZwangslSusigkeit der Tinge auswirken lassen, umso eher wird auch ein Ka­binett PoincarS ft# totlaufen! PoincarS müßte nicht der aerissene Taktiker fein, wenn er nicht sehr viel Wasser in den schäumenden Wein sei- .. ___ _ _____

*cr Nachkriegspolitik tiefce» würde! Die Kraft- leistunaen im Jahre 1922 aufgebracht wer­

den sollen. Daß allein diese Forderungen bet Rcp aratio nskomm isst on, auf die innerhalb der nächsten vierzehn Tage eine klare Antwort gege­ben werden soll, die Reichsregierung vor eine ungeheure Aufgabe stellen, braucht nicht beson­ders betont zu, werden. Trotzdem herrscht in der Wilhelmstraße ein ziemlicher Optimismus und man ist überzeugt, daß man in der Lage sein werde, eine befriedigende Antwort' zu geben.

» * *

Programm für Genua.

Berlin, 18. Januar. (Privat - Telegramm.) Im Reichskabinett bestehen über die Stellung­nahme gegenüber den Alliierten noch Gegensätze, die zunächst überbrückt weiden sollen. Für daI Programm, das für die Konferenz von Ge- n u a ausgestellt werden soll, hat man noch zwei Monate Zett und dürfte erst an die Ausarbei­tung dieses Programms gehen, wenn die Ant­wort an die Reparationskommission formuliert worden ist. Zn diesem Zwecke sollen die Chefbesprechnngen in den nächsten Tagen und Wochen fortgesetzt werden.

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2m AuswürMen VusMuy.

Berlin, 18. Januar. (Privat - Telegramm.) In der heutigen Sitzung des Auswärtigen Aus­schusses, der um 12 Uhr zusammen treten wird, wird zunächst Tr. R a t h e n a u eingehenden Be­richt erstatten. Auch Reichskanzler Dr. Wirth dürfte das Wort ergreifen. Die Aussprache wird sich vermutlich sehr lebhaft gestalten.

Der alte Kurs.

Das neue französische Kabinett.

Das von PoincarS gebildete Kabinett hat stur zwei PerjönliMeiten von Prägu ig: Poin­carS und Barthou. Der Ministerpräsident PoincarS übernimmt nebenbei auch daS Aus­wärtige. Ter Letztgenannte, dem anfangs das Kriegsministerium zugedacht war, wird Vize- Präsivent, Minister für Justiz und für Elsaß-Loth- stingen. Eine weitere Persönlichkeit, die durch die französische Politik der letzten Jahre besoin- ders gekennzeichnet, stellt der als Finanzmiuister fungierende de Lasteyrie bar. In diesen drei Persönlichkeiten, die die drei wichtigsten Mi­nisterien haben, verkörpert sich die Tendenz des neuen französischen Kabinetts absoluter Eiu- denttgkeit. PoincarS, den der ermordete Jau- rös mit dem Ruf begrüßte:PoincarS, das ist der Krieg!", hat ein Kabinett desnationa­len Blocks" gebildet mit der ausgesprochenen Absicht, die politischen Auffassungen dieses Blocks in der Innen- und Außenpolitik Frank­reichs zur Durchführung zu bringen, lieber diese Richtung darf nicht die Tatsache hinwegtäuschen, daß auch von anderen Seiten, mit Ausnahme der äußersten Rechten und der äußersten Linken, Vertreter in diesem neuen Kabinett sitzen. Die erdrückende Mehrheit der Ministersitze befindet Keben in Händen desnationalen Blocks", der nit die volle Verantwortung für die kommen­den Maßnahmen übernimmt.

Die Zusammensetzung des Kabinetts selbst ift offenbar weniger nach volitischen, wie nach per­sönlichen Gründen erfolgt. PoincarS hat sich mit Mitarbeitern umgeben, die kchon immer zu seinem engeren Bekannten- und Arbeits-Kreise gehört gaben, und Mc man im Großen und Ganzen auch als persönliche Freunde Millerands ansprechen kann. Barth ou, der im Kabinett Briand Kriegsminister war und jetzt zum Vrze- präsidenten, Justizminister und Minister für El- saß-Lothrinaen aufrückt. hat es sich immer ganz bcwnders angelegen fein lassen, in PoincarSs Fußtapfen zu treten. Barth cm wird die sicherste Stütze im neuen Kabinett sein. Den Beiden zur Seite tritt nach der ganzen Geistes- und politischen Richtung der jetzige Finanzmiuister de L a st e y r i e, der gerade in letzter Zeit durch ungemein ausfallende Reden gegen Deutschland sich für ein PoincarS-Kabmett in empfehlende Erinnerung brachte Aks Berichterstatter der französischen Kammer hat er wiederholt und noch in der letzten Zeit in direkt histcrisch an­mutenden Aufwallungen von der .Boshaf­tigkeit Deutschlands", von seinembö­sen Willen", von seinerwirtschaftlichen Sabo­tage und von derCamouflage der Finanz- i?ciitif Deutschlands durch die Regierung ge­sprochen. Auf Lastehrie wird also PoincarS sich unbedingt verbissen können. Das Gleiche gilt eher auch für den Minister für die befreiten Ge- wete, der den guten deutschen Namen N e i b e l tragt, und der ebenfalls zu den sogenannten promtnenten" Mitgliedern deSnationalen Blockes" gehört. Auch Paul Strauß, ein ebenso wenig französischer Name, der Minister für Gesundheitspflege, gehört diesem .nationa­len Block" an.

reicht zum Leben nicht aus.

In der Weihnachtswoche starben nach An gabt eines deutschen Arztes in Petersburg allein dreißig Aerzte an Typhus. Die Zahl der Todesfälle an dieser Krankheit geht al­lein in Petersburg tagtäglich in die Hunderte. Kein Mensch wird mehr von den Äerzten behandelt. Arzneien und sonsttge Apo­thekerartikel sind überhaupt keine mehr aufzu- treiden. Ebenso fehlt es an allen Desinfek- tionsntitteln. Seife ist überhaupt keine auf­zutreiben. Die Verstorbenen werden (oft erst nach Tagen) in eine Kiste gelegt und dann auf Schlitten nach dem Friedhof vor der Stadt ge­fahren. Dort werden sie auf einen Haufen ge­worfen und liegen gelassen. Beerdigungen fin­den seit Einsetzung der Frostperiode überhaupt nicht mehr statt. Kinoer fallen vor Hunger auf der Straße um und sterben, ohne daß sich jemand um sie kümmert. Und was das Schau­rigste ist: Solche halbverhungerte Mädchen im Alter von acht bis zehn Jaihren bieten auf der Straße ihren ctbgemagertcn Körper gegen ein Stückchen Brot an! . . . Und wie sehen die einst so reinlichen Straßen Petersburgs aus? lieber« all tiefe Löcher und vor Unrat kaum zu passie­ren. Die die Häuser noch bewohnenden Leute iverfen allen Müll einfach aus den Fenstern auf die Straße. Hunde, die früher diese Straßen Be« oölkerten, sind nickt mehr anzutreffen, sie sind längst ein Opfer des Hungers geworden. Nach Eintritt der Dunkelheit kann sich kein anständig gekleideter Mensch mehr auf die Straß« wagen, tut er es doch, so wird er bis aufs Hemd von der bedauernswerten Bcvölkenmg ausgeraubt. Alkohol gibt es selbstverständlich auch nicht mehr. UeberaH tritt einem das Gespenst des Hungers entgegen.

Die Kommissare in Saus und BrauS.

Wie aber leben die Sowjet - Kommissa» re? In Saus und Braus! Ich hatte ge­rade Gelegenheit, die Ankunft deS Sonderzu­ges von Trotzki und Lenin in Petersburg zu beobachten. Die Maschine grellrot anaestrichen, an deren Seiten die lebensgroßen Photogra­pbien der beiden gewaltigen Beherrscher des einstigen Zarenreiches, dahinter ein elektri- cher Motorwagen, darauf der Dabonwagen für