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Meier Neueste Nachrichten

Nr. 15

Zwölfter Jahrgang

B8

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Viele Flüsse sind bereits

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(Fortsetzung folgt.)

Stöber! erhalten hatte, war tödlich. Von den fünf Räubern sind zwei nicht gefaßt worden, da­gegen konnten die drei Angeklagten noch 'n der­selben Nackt ermittelt werden. Me drei sp«- ctjen kein Wort deutsch, sodaß zu der Verhand­lung ein Dolmetscher hinzugezogen werden mutz.

mer kam er dann voll UnruI desmal forschte er, ob Frank Marlotv dagewesen, sei. Bisher war das aber in seiner Mwesen- heft noch nicht geschehen.

Frank und Tora waren bereits wieder jott- aegangen, als Arnulf heute nach Hause kam. Wieder war seine erste Frage, ob der Kalifornicr dagewösen sei. m . ,,

,Fa, er war hier", antwortete Rama ruhig.

„Unb Du hast ihn angenommen?" fragte er. heiser vor Erregung.

.Gewiß, warum sollte ich nicht?" j

Er schluckte krampfhaft seine Erregung Hinust, 1er .Das solltest du nicht tun, wenn du allein

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sind, einer Meldung aus Donaueschingen zufolge, zwei junge Leute in die Brigach hineingefahren. Das Eis brach und beide fan­

den den Tod. , _ _

* Eine glückliche Gemeinde. Der HundSruck- ort Gemünden konnte seine Umlagen herabsetzen in einer Zeit, wo die meisten andern Gemeinden ihre Gemeindeabgaben er­höhen müssen. Die Ursache der günstigen finan­ziellen Lage der Gemeinde Gemünden sind ihre Einnahmen aus den reichen Holzbeständen.

* Zwei Pfund Zucker . . . tausend Kronen. Die Zuckerpreise in Wien wurden am Freitag neuerlich erhöht. Würfelzucker kostet tausend Kronen das Kilo, Kristallzuckerneunhundertvier­zig Kronen und Rohzucker sechshundertfunfzrg Kronen (I!) das Kilogramm. „ .

* Wenn der Schnee schmilzt. Ans allen Tei-

kann." . . ,. „

Sie sahen sich lange und innig in die Augen und küßten sich. r .

Und dann kam Rama zuruck und.ließ den Tee hereinbringen. Arnuls war heute langer ab­wesend. In letzter Zeit waren seine Dienststun­den länger und anstrengender gewesen. ’,,!h 'M-»

Freude und Schmerz.

Gesät hab ich meine Freude Tief in die Erde hinein;

Doch weil sie zu tief, drum wollte Rur spärlich die Ernte gedeihn. Hinauf an den höchsten der Sterne Geheftet hab ich meinen Schmerz; Doch weil er zu hoch, drum siel er Mir doppelt schwer nun ans Herz.

Anastasius Grün.

In der Nachmitlagssitzung gab der Angeklagte Siefert. der Stratzenkleidung trägt, und dem man die lange Hast nicht an­sieht, Auskunft über seinen Lebenswandel. Er erklärte, daß er im Monat durchschnittlich tausend Mark an Lohn tietbient habe. Nach Ab­rechnung seiner Ausgaben für Wohnung und Kost sind ihm etwa siebenhundert Mark ver­blieben, da er in Ziegelhausen nur einen gerin- qen Betrag für KE und Wohnung bezahlte. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärte Siefert, er habe sein Geld hauptsächlich für Lebensmit­tel verbraucht. Zuletzt habe er allerdings weder Wohnung noch Kost bezahlen können, und er sei schließlich seiner Wirtin in Ziegechausen rchi- zehnhundett Mark schuldig geblieben. Dazu kämen noch fünfhunderi Mark, die er einem Bekannten schuldete und hundert Mark, die er von einem jungen Burschen geliehen habe. Seinen Bekannten gegenüber machte Siefert die Mitteilung, daß er von seiner Mutter neuntau­send Mark Erbschastsgeld zu erwarten habe. Au Vorhalt des Vorsitzenden muß Siefert zugeben

Aus Mer Welt.

Der Zug der Grippe.

Meldungen, die auS den verschiedensten Or­ten Westfalens kommen, lassen erkennen, daß die Grippe noch weiter um sich greift und viele Opfer fordert. In Buer sind etwa dreißig bis fünfunddreißig Prozent aller Schüler von der Krankheit befallen. Auch eine Anzahl Lehr- Personen ist erkrankt. Infolgedessen mußten tn Buer-Mitte die Volksschulen, das Ghmnastuut und das Lyzeum geschlossen werden. Aus dem­selben Grunde wurde auch in Dorsten der Schulbetrieb vorläufig aus acht Tage eingestellt In Münster tritt die Grippe so heftig au tote wohl kaum je zuvor. Das Personal des Fernsprechamtes ist durch Grippeerkrankungen stark geschwächt und der Fernverkehr wickelt sich infolgedessen nur langsam und ttnsicher ab. Aus Brackwede bei Bielefeld wird gemeldet, daß dort die Grippe täglich ihre Opfer fordert. Von einem Abflauen der Krankheit sei noch nichts zu bemerken. Besonders in den letzten Tagen seien viele junge Frauen an der Krankheit gestorben.

Volnlsche Raubmörder.

über ihre Ufer getreten und wälzen ihre schmut- fig-grauen Fluten vor sich. Ter Rhein ist im Oberlauf innerhalb eines Taaes um zweiein. halb Meter gestiegen, yxn Arlberg-Ge­biet sind mehrere große L a w i n e n nteberge= gangen. Der Verkehr ist verschiedentlich unter- brachen. Die Schnellzüge nach Oesterreich ver­kehren bis auf weiteres nicht mehr.

Die Stabt der Goldgräber.

Bilder aus Johannesburg.

Odenwald-Tragödien

Dor Mordprozetz Liefert.

Gegen de» de« Raubmordes an den beiden Bürgermeistern angeklagien Ethmied Siefert ist au* uo* Wegen Raitbworvocrsuch» und Meineid« ein Verfahren cingeieitet worden. Sic EeriehtSveryaMUung hat Mourag begonnen.

In Heidelberg begann am Montag vormit­tag vor dem Scywurgerüht unter startem An­drang die Verhandlung gegen den 24 Jahre ' alten Schmied Siefert wegen Meineioes, wegen versuchten Raubmordes und wegen voll­endeten Raubmordes in ztvei Fällen. Vorsitzen­der ist Landgerichtsrat Dr. W e i n d e l, Än- ftagevertteter sind Oberstaatsanwalt Dr. Sebold und Staatsanwalt Dr. M i ck e l, offizieller Ver­teidiger ist Rechtsanwalt Karg aus Heidelberg. Um 9 Uhr erschien der Gerichtshof mit den Ge­schworenen. Der Vorsitzende wies in seiner Er­öffnungsansprache auf die vielen Bluttaten hin, die das Schwurgericht beschäftigen. In dieser Derhandlungsperiode sind es allein sechs Blut­taten mit denen sich das Schwurgericht zu be­fassen habe. Es sei schr bedauerlich, daß der Krieg eine derartige Verrohung der Sit­te n herbeigeführt habe.

Tann wurde Leonhard Siefert vorgeführt. Er trug Handfesseln, die ihm beim Eintritt in die Anklagebank abgenommen wurden. Siefert blickte mit gleichgültigem Lächeln in den ge­füllten Zuhörerraum. Die große Zabl der Zeu­gen ist auf die einzelnen Verhandlungstage ver­teilt woroen. Um yt 10 Uhr begannen die eigent­lichen Verhandlungen. Siefert gibt auf Fra­gen des Dorschenden seine Persönlichkeit an. Er bleibt dabei, daß keines der ihm zur Last gelegten Verbrechen von ihm begangen worden sei. Am ersten Derhandlunqstag wird die Klage wegen Meineides gegen ihn erhoben. Der Meineid soll von Siefert bei der Verhandlung über einen Motorraddiebstahl geleistet worden fein. Hierbei erzählte Siefert seine Lebens- geschickte. Sein Vater starb 1905 und seine Mutter 1921. Nach Vollendung der Lehrzeit als Schmied war Siefert einige Zeit im Heeres­dienst und im Felde und hat sich das Eiserne Kreuz 2. Klasse erworben. Nach Beendigung des Krieges arbeitete er als Schmied in den Eisenbahnwerkstätten von Schwetzingen und Hei­delberg. Die Verhandlungen wegen des Mein­eides brachten keine bemerkenswerten Punfte. Nachmittags um %4 Uhr gehen die Verhandlun­gen weiter. — Wie verlautet, werden im Laufe dieser Woche zwei Lokaltermine stattfin- den, und zwar wird sich zunächst das Schwur­gericht in die Nähe von Ziegelhausen be­geben. Dort soll Siefert auf den mit seinem Motorrad von Neckargemünd kommenden In­genieur Link von Weinheim geschossen haben. Link wurde schwer verletzt, konnte sich aber rei­ten. Der zweite Lokaltermin wird die Geschiwo- renen in die Nähe der Mordstätte beim Küm­melsbacher Hof führen, wo die beiden Bürgermeister ermordet worden sind.

ht|'®te lächelte scheinbar harmlos. „Ich war ja nicht allein. Arnulf. Dora war hier." _

DaS erleichterte ihn sichtlich „Sv, Fraulein Planitz war auch da?" „........

.Ja. Und Herr Marlow war gekommen, um sich für einige Tage von uns zu verabschieden. Er reist morgen früh nach Hamburg."

Das gefiel Arnulf noch besser.

Den Abend verbrachte er in Gesellschaft sei­ner jungen Frau, trotzdem man ihn zu einem Herrenabend eingeladen hatte. Er war eitrig lind aufmerksam um sie bemüht, und Rama hatte alle Selbstbeherrschung nötig, um sich nickt in seine Anne zu werfen und ihm zu sagen, wie lieb sie ihn hatte. Er bat sie dann auch wie schon ost, zu musizieren und lauschte ihrem Spiele mit andächtiger Aufmerksamkeit. Die Töne, die sie dem Flügel entlockte, drangen ihm ins Herz, und seine Augen ließen nicht von ihrem Antlitz.--

Nachdem erst vor wenigen Tagen das Ber­liner Schwurgericht sich mit einem bei Königs- wusterhcmsen verübten Raubmorde zu beschäfti­gen hatte, findet heute morgen wiederum eine Sitzung des Sckwurgerichts statt, die zum Ge- aenstande die Ermordung des Mühlenbesitzers Stöberl in Senzig bei Köniaswusterhau- sen hat. Es handelt sich um eine besonders drei­ste Räuberbande von fünf Personen, unter de­nen sich die jetzt angeftagten polnischen Arbeiter Przvbvlski. Doliwka und Billas be­fanden. Die Bande War am 10. Juli 1920 tn das abgelegene Haus des Mühlenbesitzers ge­drungen, hatten ihre Gesichter durch borge« bunbene Tücher unkenntlich gemacht u. vergeb­lich die Herausgabe einer Geldkassette verlangt

daß er zeitweise seine Uhr auf dem Pfandhaus verpfänden mußte, um zu Gelde zu kom­men. Große Ausgaben machte der Angeklagte bei seinen Liebschaften, die der Angeklagre „Freundschaften" nannte.

Die Zeugen, die nunmehr gehört werden, hatten lick über den Leumund zu äußern. Sie stellen ihm im allgemeinen ein recht gutes Zeug­nis aus und können sich nickt erftären. wie Sic­kert auf diese Bahn gekommen ist. Ein Zeuge sagte aus, Siefett habe gewöhnlich am Montag schon kein Geld mehr gehabt und er habe seinen Kollegen Zigaretten verkauft, die er von seiner Wirtin in Ziegelhausen geliehen hatte. Weiter werden die Mädchen als Zeugen gehört, mit benen Siefert Verkehr hatte. Er hat zum Teil mit mehreren zu gleicher Zeit Liebschaften anaekniipft. Nahezu sämtliche Zeugen erNären, wenn Liefert die Tat begangen habe, so habe er es nur aus Geldverlegenheit getan. Als dem Angeklagten verschiedene Diebereien vorgsworsen werden, bestreitet er entweder diese oder führt sie auf kindliche Streiche zurück, die auch bei an­deren vorkämen. Ein Kriminalkommissar aus Darmstadt macht die Angaben, es sei nicht sichet festzustellen, ob Siefert seinen Karabiner nickt von seinem Truppenteil aus Darmstadt habe. Ein anderer Zeuge erklärt, die Nummer des Karabiners stimme mit derjenigen des Truppenteils in Darmstadt überein. Damit ist die Verhandlung für heute beendet. Sie wird Dienstag vormittag wieder fortgesetzt.

• Im Schneesturm des Riesengebirges. Am . Freitag abend wollte eine Gesellschaft im ] Schneesturm von der neuen schlesischen Baude < bis zum Peierbau gehen. In der Nähe der , Schneegrubenbaude brachen zwei Herren er- chöpst zusammen. Die anderen Teilnehmer hol- " .en Hilfe. Der Kaufmann Velten aus Bres- äu starb auf dem Transpott zur Baude. Seine Frau befand sich mit in der Gesellschaft.

* Eine Brandkatastrophe. In den Eisenwer­ken Witkowitz ist ein großer Brand ausge­brochen, der einen Teil der Werkstätten vernich­tete. Zweitausend Arbeiter sind arbeitslos.

** Weitere Goldankäufe des Reiches. Der An. kauf v-n Gold für das Reich durch die Reicvs- bank und Post erfolgt in dieser Woche unveran- dett wie in der Vorwoche zum Preye von 720 Mark für ein 20-Markstück, lU Mark für e n Markstück. Für die ausländischen Goldmünzen werden entsprechende Preise gezahlt.

* Denkmalsschänder in Tätigkeit. Noch sind die jiiugsten Räubereien an einzelnen Denkmä­lern im Berliner Tiergatten nicht aufgeklärt und schön wieder ist ein ähnlicher Akt von Van­dalismus verübt worden. Bubenhaude haben der allegorischen Siegftiedfigur am Denkmal des Fürsten Bismarck ein großes Schwert gewaltsam abgeschlagen und geraubt. Von den Tätern fthtt vorläufig jede Spur.

* Lebenslänglich ins Zuchthaus Das Ber­liner Schwurgericht verutteilte die Kaufleute Wilhelm Freimund und Karl Koppe, die beschuldigt waren, eine Frau Mathilde Krell nach KSnigswusterhausrn gelockt und Lott be­raubt und erwürgt zu haben. Koppe erhielt wegen Totschlags und sllstveren Raubes mtt To­deserfolg lebenslängliches Zuchthaus und dau­ernden Ehrverlust, Freimund wegen, Beihilfe zehn Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ebr-

* Ein dreister Einbruch. Ein dreister Ein­bruch wurde in das preußische Finanzmimste- riunt in Berlin verübt. Einbrechern war es ge­lungen, unbemerkt in das Gebäude einzudrin- gem In einem Saal schnitten sie zwei Wand­teppiche ab, die einen autzerordentlichen Wett repräsentieren. Ohne entdeckt zu werden, gelang ■ °s den Dieben, mit ihrer Beute zu entkamen.

* Beim Rodeln ertrunken. Beim Rodeln

einander zu beraten, was geschehen mußte, um ihre Vereinigung herbeizuftchren.

Frank Marlow war häufiger Gast im Kreise der Offizere. Er hatte sich ihnen als ein kühner exzellenter Reiter gezeigt, und fie erklärten em- ti'mmig, daß er ihnen in feiner Reitkunst uoer- egen wäre, wenn das auch eigentlich für deutsche Reiteroffiziere beschämend sei.

„Sie Huben ja den Teufel im Serbe, wenn Sie auf einem Gaule fitzen", sagte ein junger Rittmeister zu Hm.

Frank Marlow lachte. „Das ist nichts ^-tau- uenswettes, meine Herren, wenn Sie in Betragt ziehen, daß ich seit meinen Knabenjahren täg­lich stundenlang auf dein Pferderücken zugebracft hübe. Unsere Besitzungen sind schr ausgedehnte, und man muß da überall nach dem Rechten sehen", erwiderte er.

Jedenfalls war er eine beliebte Persönlichkeit geworden in Kreise der jungen Offiziere.

Einigemal war er auch noch mit Baron Kranzau zusammengetro-ffen, doch verfielt er sich diesem gegenüber sehr reserviert. Er erfuhr, daß sich Kranzau beim Weine in vorgerückter Nachtstunde damit gebrüstet hatte, daß er dem- nüchft die reichste und schönste Erbin der ganzen Stadt heimführen wurde. Einen Namen hatte re zwar nicht genannt, aber als einige der Offi­ziere auf Dora Panitz rieten, hatte er weder ja roch nein gesagt und nur eitel und selbgefällig gelächelt.

Frank Marlow konnte sich nachdem nur schwer bchrrschen, wenn er mit Baron Kranzau züsammcniraf. Es Zuckte ihn in ben ytngcra, dem Baron in sein brutales, selbstgefälliges Ge- sicht zu schlagen.

Inzwischen war der 22. Juli heraugekom- mert, und Frank hatte Dora gesagt, daß er am nächsten Tage in Hamburg fein müsse.

„Reifest Du in Geschäftet, dahin?" fragte jie ihm.

Er fcküttelte den Kopf. „Rein Dora, ich ictje : nach Hamburg, um don einen Freund meines Vaters zu empfar gen, der morgen in Hamburg emtrifft." _

§ir sah ihn erstaunt an: „Kommt er aus Km ■ lifornien?" ' .

„Ja, direkt ans meiner Heimat."

Johannesburg, der Mittelpunkt der größten Goldproduktion in der Welt, ist häufig der Schauplatz heftiger und leidenschaftlicher Aus- tandsbewsgungen gewesen. Jetzt lenkt die Er- ttärung des Generalstreiks im Witwatersrand wieder die Aufmerksamkeit auf diese südafttLa- Nische Goldgräberstadt. Dem Besucher, der dort die Spuren ihres abenteuerlichen UrfpttmgS, ihrer Entstehung aus Genußsucht unb Goldgier, w finden erwartet, bereitet ihr Anblick aller­dings schon seit Jahren eine Ueberraschung Jo- hamresburg unterscheidet sich in feinem Aeußern nicht zu sehr von einer großen enMchen Pro-- vinzftadt, und auch sein Leben ist von bemht einem solchen Ott nicht allzu verschieden. Der Reichtum tritt vielleicht etwas mehr in den Vor­dergrund, und auch die Vergnügungssucht macht sich ein wenig mehr geltend. Aber im Wngen «ibt es nichts, was besonders ausfiele. Pserde- rettnen und Börse, Fußball und Cttcket, Tanzen und Tennis spielen ihre Rolle wie in fever grö­ßeren Stadt Englands. Johannesburg hat breite Straßen, hübsche Anlagen und schone Häuser, die in wohlgepflegten Gärten liegen. Die Stadt ist, mit einem Wott, respektabel ge­worden und hat die unvermeidlichen Wirren ihrer Entstehung längst überwunden. Freilich daß von dem alten gesetzlosen Geist noch etwas unter der Asche glimmt, hoben die Ausstände von 1913 unv 1915 erwiesen. Damals gab es tagelang Dhießereien in den Straßen, Verwun­dungen und Tötungen einer ganzen Menge von

„Und er hat hier in Deutschland Geschäfte zu eriebigen?"

Frank faßte ihre Hand unb küßte sie. Sie befanben sich in Rainas Salon. Diese hatte die Liebenden unter einem Vorwanb allein gelas­sen, um ihnen Gelegenheit zu einer ungestörten Aussprache zu geben.

„Nein, Dora, nicht in Geschäften, sonbern tn einer privaten Angelegenheit."

.Wirb er Dich lange in Anspruch nehmen?

„Ich glaube nicht. Es ist möglich, daß ich ihn veranlasse, mit hierher zu kommen. Es wäre mir sehr lieb, wenn er Dich kennen lernte. Wenn Du gestattest, werbe ich ihm sagen, daß Du meine Braut bist. Er wird nicht baruber sprechen."

Dora sah ihn mit ihren schönen stolzen Augen innig an. A

.Ich gestatte es gern, Frank. Lange werben wir ja unser Geheimnis doch nicht mehr auf­recht erhalten können, denn der Tag rückt immer näher, an dem Ätaron Kranzau um meine Hand anhalten soll. Ich möchte es nicht erst so weil kommen lassen. Wenn Du von Hamburg zuruck- kommst, kannst Tu zu meiner Mutter und dem Kommerzienrat gehen und ihnen jagen, daß ich Dir mein Jawort gegeben habe. Christine hat in aller Stille schon alles für uns gerüstet. Da Deine lieben Eltern uns telegrupbifch ihre Ein­willigung zu unserem Bunde gegeben haben und unserer Verbindung dann nichts mehr im Wem stehen wird, als der Wille des Kom-nerzienratS, werde ich wohl mit diesem eine Aussprache her­beifuhren müssen. Und dann müssen wir, Chri- ftinc unb ich, bereit fein, das Haus zu verlaßen/

Frank zog sie in seine Arme. „Macke Dir keine unnötige Sorge, meine Dora. ES wird fick alles io regeln lassen, daß Du einem ernsten Konflikt mit Deiner Mutter und Deinem Sties- vater aus bem Wege gehen kannst. Aber froh unb glücklich werbe ich sein, wenn ich Dich erst all biefen drückenden Verhältnissen entfuhren

All M WM.

50) Roman von H. Conrths-Mahler.

Fürstenmord!

Es legte sich beklemmend auf alle Gemüter, dies grauenvolle Verbrechen. Auch Frank Mar­low begriff als freier Amerikaner, daß diese Tat furchtbar war und vielleicht mit verhängnisvol­len Folgen verknüpft fein konnte. Ms Enkel eines Deutschen wußte er genau Bescheid in allen politischen Fragen, daß Deutschland und Oester­reich verbrüdert waren.

Man saß nun plötzlich im ernsten, schweren Gespräch beisammen. Es war, als senke sich eine Weile eine Ahnung von der tragischen Be­deutung dieses Ereignisses auf die Gemüter herab.

Und die Kunde von diesem furchtbaren Ge­schehnis durchflog die Welt mit Windeseile.

Mrstenmord in Sarajewo:

In Rainas Augen lag ein erschrockener Aus­druck. Auf ihre weiche, hinge Seele machte diese Nachricht einen besonders tiefen Eindruck. Wer auch Arnulf blieb ernst unb nachbenklich. Er fürchtete politische Verwicklungen, wenn ihm auch keine Ahnug kam von bem furchtbaren Weltenbrand, ben bieses Ereignis entfachen sollte. „ ,

Es wollte keine frohe Stimmung, mehr atif- kommen, unb nach fiirzer Zeit verabschiedete fia? Dora. Sie mußte daruan denken, daß ihr Stief­vater in Erwattuug eines Krieges große Ab­schlüsse gemacht hatte. Und er pflegte sich so selten einmal zn verrechnen. Sollte er auch dies­mal recht behalten? Sie schauerte in der war­men Sommerlusl zusammen.

Scheinbar ging alles feinen gewohnten Weg toeitcr. Und dock wurde in diesen Wochen in frefelnber Weise das Schicksal der Völker be­stimmt, ein Schicksal von düsterer Tragik, etn Schicksal das Millionen von blühenden. gejun- ben Mcusckcnseele.i und andere unetträgliche schwere Opfer fordern sollte.--- —

Dora und Frank hatten sich so oft als mög­lich wiedergesehen. Sie hatten genügend Gele- gerckjeit, sick ausrusprechen und alles Nötige mit-

Jn dem ewstehenden^Wirtt^rr" waren sowohl len der Schweiz L« Meldungen über starke Stöberl als dessen Wittsckafterin durch Schüsse Schneeschmelze und rapides e i gen der ni ede-gestreckt worden. Die Verwundung, die Gebirgsslnsse. Viele F.usse sind be^t»

Personen.

Eine der schwersten Gefahren bei industttel- len Streitigkeiten in Johannesburg ist die große eingeborene Bevölkerung, deren Zahl die der Weißen weit überschreitet; sie ist jederzeit leicht zu beunruhigen und droht bei Nachlässigkeit der Behörden über die Stränge zu schlagen. Tieje Eingeborenen, die die ganze migelettite Arbeit in den Bergwerken verrichten, während der weiße „Arbeiter" fast durchweg mehr die Rolle des Aufsehers spielt, sind in besonderen Qiwr- tieren untergebracht, die in der Nähe der ein­zelnen Minen längs der sich gegen hindert Ki­lometer weit erstreckenden Goldgruben liegen. Sie werden für gewöhnlich durch ein bis ins einzelne auSgearbeitetes Patz- oder Legitima- tionsshstem unter Aufsicht gehalten. Doch haben sich in neuerer Zeit unter den Eingeborenen Agitatoren bemerkbar gemacht, und Unruhen Heineren Umfangs find in den Kafsernquartie- ren nicht fetten geworden.

Dem öffentlichen Leben Johannesburgs gibt das „Bioskop-Cafö", in dem man zu ttner Daffe Dee unentgeltlich eine Lichispielvorfiihruug mit anseben kann, ein besonderes Gepräge. Vmi diesen CasSs gibt es in bet Stabt eine Un­menge, und sie verdienen viel Geld. Sie fhtb beim Volke beliebter als andere Gasthäuser, die denn auch nickt sehr gut gehen. In der Stadt sind auck viele Klubs, einzelne von ihnen bei­den Geschlechtern zugänglich, fast alle aber durch­aus anständig. Es gibt keine Nacht-KkickS; am nächsten kommt diesen noch das außerordentlich glänzend geführte Freitag-Nackt-Kabarett in dem großen Earlton-Hotel. Der Sonntag ist in J-channesburg tödlich langweilig. Es gibt da keinerlei Vergnügungen außer einigen halb- geMchen Konzerten in gewissen geringeren Klubs Kinos und Bars sind geschlossen. Das Volk suckt dann seine Erholung beim Golf­oder Tennisspiel oder im Zoo und an anderen Ausslugsotten. Die Sttlle des Sonntags sticht seltsam ab von dem Lärm der Woche.

Beilage.

Mittwoch, 18. Januar 1S22.